Strache: „Es spricht der Bergsteiger zu uns!“

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Zwei Brüder im Geiste: Gabalier und …

ZwangsAusgrenzungsMissbrauch – nein danke! GabalierSchulterGebirgskreuze – ja bitte! FPÖ-Vorsitzender Strache unterhielt sich prächtig bei seinem Live-Auftritt im TV und kicherte herum. It’s Pressestunde-Showtime. Von Kerstin Kellermann

„Zwangs! Zwangs! Zwangs!“, tönt es aus dem Fernseher, was nun eigentlich „Zwangs!“ ist, versteht man nicht genau. Ich hätte halt doch nicht diesen alten Fernseher „HB Ingelen“ aus einer Ottakringer Fernseher Fabrik kaufen sollen. Gebraucht um fünfzig Euro. Hält aber schon vier Jahre brav. Zwangsraucher? „Der Raucher ist jemand, der seine Arbeitsfähigkeit bis zur Pension unter Beweis stellt,“, sagt FPÖ-Parteiobmann Strache. „Ein Raucher kostet den Staat weniger, weil er in der Regel früher stirbt.“ Zwangs-Halbinsel Krim? „Sie sind doch sonst so für Recht und Ordnung“, sagt der ORF-Journalist Langpaul. „Warum bei der Ukraine nicht?“ „Was ich verurteile, sind diese schädlichen Wirtschaftssanktionen gegen Russland, die den österreichischen Firmen so stark schaden“, meint Strache. Zwangs-Befreiung? „Wären Sie zu Putin gefahren am 9. Mai, dem Ende des Zweiten Weltkrieges?“, fragt Barbara Toth vom Falter. „Wir haben viel Leid erlebt“, antwortet Strache. „Zwei Weltkriege und eine Befreiung …!“ Eine Befreiung! Na, die war aber wahrhaftig schrecklich, diese Befreiung.

Von Mandln und Weibln
Toth lächelt Strache immer freundlichst an. Aufmunternd, zwinkert ihm zu wie ein Kind. „Nun sei doch nicht so…“, denkt sie wohl. Zornig. Und Strache ist in dieser Sendung auch nicht aufbrausend und von heiligem Zorn erfüllt – im Gegenteil, er amüsiert sich. Nach dem Volkssänger Andreas Gabalier, der den Mädchen den Nationalstolz verweigert, wird gefragt. „Das steht ihm als Künstler zu, haha. Dass man es heute als Mandl schwer hat, wenn man auf ein Weibl steht, ist klar, haha.“ Auf dem Po hat eine „fremde Hand nichts verloren“. Aber auf der Schulter z. B. schon. „Wenn man einen Partner kennenlernt, hihi. Irgendwann kommt es zu einer zärtlichen Berührung auf die Schulter.“ Nachdenkpause. „Auch mir ist schon sexuelle Belästigung passiert. Da sagt man eben klar und deutlich, dass man das nicht will, dann ist eine Ruh’! Hihi!“ Zu Conchita Wurst: „Man muss ja nicht alles heroisieren, einen nackten gegenderten Körper z. B., hihi, wie auf diesem Plakat.“ „Für das Plakat gilt nicht, was für Gabalier gilt? Freiheit der Kunst?“, fragt der Journalist schlagfertig. Da lacht er, der Strache, „hihihi“. Ist ja auch lustig, dieses ganze Sex-Zeug.

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… und dieser Strache hier …

Dann geht es um Ausgrenzung, Ausgrenzung? Ausgrenzung! „Wollen Sie den anderen Parteien vorschreiben, wer mit Ihnen koaliert? Die Grünen sind in immerhin sechs Bundesländern mit in der Regierung in der Koalition. Sie in gar keiner!“, stellt Frau Toth in den Raum. „Wir treiben die rotschwarze Regierung vor uns her seit zehn Jahren. Wir haben die Themenführerschaft inne: Islamismus! Die SPÖ sucht sich einen billigen Jakob: die Grünen! Die SPÖ hat sich den Akkilic gekauft!“ (Anm.: Auch wenn „der billige Jakob“ oft für die fliegenden jüdischen Händler verwendet wurde, bedeutet er jetzt per se keine antisemitische Redewendung, sondern kommt von Jakob dem Älteren, einem der  erstberufenen Apostel von Jesus. Jakob erhielt von Jesus angeblich wegen seiner ungestümen Art den aramäischen Spitznamen „Donnersohn“. Maria Vassilakou, Häupls Donnertochter …) „Wegen der Ausgrenzung der FPÖ sagen viele Menschen, es braucht einen Umbruch.“ Murmel, murmel.  „Überbordene Zuwanderung, leider kein Teil der Gesellschaft, Mohammed …“ Ich sag’s ja, mein Fernseher geht ein.

„Ich war ein Suchender“
„Der Islam ist sozusagen zum Markenkern der FPÖ geworden. Sie wollen mit dem Christentum dagegen halten?, fragt ORF-Langpaul. „Einmal hielten Sie ja ein Kreuz in die Kamera.“ „Das Kreuz ist ein kulturelles Symbol Europas! Es gibt Gebirgskreuze!! Das Kreuz gehört keiner Kirche!“, Straches Augen blitzten empört. Ja, die Kirche hat wirklich ihre Finger überall, sogar auf die Kreuze! „Ja, da denkt aber keiner, hier spricht der Bergsteiger zu uns“, sagt Langpaul, der Schelm. Strache: „Die Moslems sagen selber, wir wollen nicht, dass unsere Kinder abgefangen werden. Liberale Moslems sind gegen Gotteskrieger, die andere Menschen abschlachten.“

Barbara Toth stellt Strache eine Fangfrage, aufgepaßt!: „Was hat Ihnen denn damals geholfen, aus einer radikalen Bewegung herauszukommen?“  (Zwinker, zwinker, drei Bier!) So einfach auf „naives Gutmenschentum“ gefragt. Wenn schon, denn schon. Könnten Sie diese Kids nicht unterstützen? Und zwar wie? Strache: „Ich war ein Suchender.“  Murmel, murmel. „21 salafistische Kleinkindergärten in Wien… Für Radikalisierung besonders ansprechbar…“ Kleinkinder?! Ui, ui. A la: „Wenn du vor mir rutscht, schieße ich dir eine Murmel an den Kopf, picke dir meinen Kaugummi ins Gesicht, lade dich nicht auf meine Geburtstagsparty ein!“ Haue in die Schrebergartensiedlung Klein-Syrien ab?

„Was würden Sie gegen Radikalisierung machen?“ „Placebo Islamgesetz …, Offener Gummi Paragraf … Wir haben dreißig Rückkehrer aus Syrien in Österreich, die leben frei als tickende Zeitbomben in unserer Gesellschaft. Alle anderen, die sich einer Armee anschließen, Fremdenlegionäre z. B., verlieren die österreichische Staatsbürgerschaft und die nicht? Das muss man auf terroristische Organisation erweitern. Jeder, der sich für den Jihad gemeldet hat, soll die Staatsbürgerschaft verlieren.“ (Anm.: Ja, die Fremdenlegion ist nun mal keine terorristische Organisation, niemals.) Strache kriegt kaum Luft mehr. Journalist: „Heute sind  700 Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben.“ Strache muss husten: „Pardong“. Dann ist wieder keine Zeit für Luft holen, Entwicklungshilfe-Gelder, die gehen ja „irgendwohin“! „Man darf die USA nicht aus der Verantwortung holen, Syrien, Irak …, Frau TOT! Schlepperbanden …, wer das schafft, 5000 Euro zu zahlen, darf hier bleiben, signalisiert die EU. Aus wirtschaftlichen Gründen solche Todesfahrten auf sich zu nehmen!!“ Jaja, die spinnen, die Römer, die Afrikaner und die Syrer sowieso, Leute. Peace, brother. Piss off.

Kein Wundenlecken möglich
Journalist: „Sie sind der Erste, der die EZA-Gelder erhöht?”
Strache verfällt plötzlich in Dialekt: „Net a Geldüberweisung gehört her, sondern Projekthilfe vor Ort. No ja. Selbstgemachte Probleme: Schulden! Wenn es uns besser geht, können wir auch anderen wieder helfen.“ Luftholen, Herr Strache!  „Kalte Progression!“, wie ein Taucher schnappt er nach Luft. Armut ist auch ein Trauma, nämlich ein „soziales Trauma“, erklärte mir einmal eine Trauma-Therapeutin. „Hotellerie, Staatshaushalt …“ Die armen Hoteliers, wirklich. „Haben Sie schon einmal selber unterstützt?“, fragt Toth. „Ich habe schon einmal selber in der Dritten Welt einen Schulbau unterstützt.“ Whow. (Mit drei Solidaritäts-Bier. Scherz!) Strache schimpft weiter: „30.000 Asylwerber, die vielleicht Missbrauch versucht haben.“ Asylwerber! Missbrauch! Wie ertrinken z. B.? („Wo sind die Frauen und Kinder“, fragt Strache. „Warum kommen immer nur junge Männer?“ Abgesoffen!) „Selbst wenn Sie in Wien Erster werden, brauchen Sie einen Koalitionspartner“, konstatiert Langpaul. „Wenn ich in Wien Erster werde, gibt es kein Wundenlecken, sondern ein massives Umdenken in der SPÖ. Häupl (Jesus) muss noch in derselben Nacht zurücktreten“, freut sich Strache schon im voraus.

Exklusiv für Hydra verfasst von Gastautorin Kerstin Kellermann.

Die Ausgrenzung des warmen Budgetlochs

    Hätte Warhol Strache gemalt? Wenn, dann auch sicher nur mit Photoshop.

Hätte Warhol Strache gemalt? Wenn, dann auch sicher nur mit Photoshop.

„Das BüüüdgeeetLOCH …!“, beginnt Herr Pandi von der Krone und dehnt genüßlich die Vokale. Er mag Löcher und er mag Vorwürfe. Herr Strache kommt diesmal gar nicht dazu, seine Vorwurfsmasche auszupacken, denn in dieser Pressestunde wird er selber mit Anschuldigungen überhäuft. Ein ganz neues Gefühl. „Das Budgetloch …, eiskalt gelogen, gezielter Wahlbetrug.“ Herr Strache kriegt eine sonore Stimme, spricht durch die Nase, ein souveräner Tonfall ist angesagt. Pandi unterbricht ihn: „Wir reden von einem Loch.“ Strache: „Betten, Betten, Betten.“ Pandi: „Loch!“ Strache: „Akutbetten! Pflegebetten! Desorientierte Spitäler!” Pandi lehnt sich zurück, angriffig würde man den kleinen Krone-Liebling in Neusprech nennen.

Auftritt ORF-Redakteurin Patricia Pawlicki, mit einer gepflegten Unterstellung: „Wenn Sie so viele gute Ideen haben, sollte ihr politisches Geschick bei den Budget-Verhandlungen gefragt sein. Was tun Sie, damit man mit Ihnen redet?!“ Strache trauert den „verlorenen Stimmen“ für das BZÖ und das Team Stronach nach, hätte er diese Stimmen erhalten, könnte „endlich die Ausgrenzung beendet werden“, träumt er mit offenen blauen Augen. Pandi: „Das Loch! Welche Industriellen und Ökonomen bekennen sich überhaupt zu Ihnen. Wer?!“ Strache: „Dreifachmagister … Steuerfachrecht … der Verachtungsstrudel.“ Der Verachtungs-Strudel? „Keiner will sich zur FPÖ bekennen, weil er dann in einen Verachtungsstrudel gerät“, nickt Pandi wissend.

Stalkende Kornblume
Strache kontert mit eiskalter Wut. Er hält Frau Pawlicki ihren Gatten, den Chefredakteur des Kurier, vor und Klaus Pandi gendergerecht auch gleich dessen Gattin, die SPÖ-nahe wäre. Daraufhin zuckt die flotte ORF-Redakteurin, die sogar im Sitzen größer als die beiden Männer ist, aus: „Sie haben sogar mein Haus gefilmt! Sie haben mich gestalkt! Als Frau verfolgt!“

Na servas, mein Herz klopft. Von Herrn Strache plus blauer Kornblume will ich absolut nicht gestalkt werden. Ich halte mich an meinem Sofa fest. „Wir reden hier nicht über meinen Mann, sondern über das BUDGETLOCH!“, wird Pawlicki laut. (Im Asterix und Obelix ist immer so schön gezeichnet, wenn jemand der Wind um die Ohren bläst vor lauter Gebrüll. Hier nicht. Es gibt auch keine Zeitlupe und keine Wiederholung.) Strache ungerührt: „Blablabla, meine Lebensgefährtin …“. Doch die erprobte „Hohes Haus“-Redakteurin  schenkt ihm nichts: „Herr Strache, Sie tun hier nichts verwechseln. Stichwort Budgetloch. Pensionen!“ Beide schauen blaß aus. Pandi starrt Strache an, normalerweise besetzt doch er die Hauptrolle als Mann, der die Giftpfeile aus dem Köcher holt.
„Mich interessiert Ihr Privatleben nicht. Warum senden Sie Ihre Trennung über den FPÖ-Parteidienst aus?“ Pandi klopft mit seinem glänzenden Lackschuh ungeduldig auf den Boden, wie uns der Kameramann zeigt. Strache: „Belastungsgrenzen, Beziehungsgrundsätze …, es ist nicht leicht im Privatleben in solchen Positionen.“ Pandi: „Ich fühle mich wie bei den Seitenblicken“ und er zieht die Trumpfkarte, um diesen überbordenen Polititker an der Nase  zu führen: „Thema Migration! Flucht!“

Allegorien und die „Invasion der Warmen“
Strache springt selbstverständlich auf das Thema „Flüchtlinge“ an: „Vorgeblich oder angeblich verfolgt …, gute Unterkünfte, Verköstigung! Taschengeld!“ Krone-Pandi schlägt vor, Entwicklungshilfegelder in die Regionen zu schicken. Tja. Strache sagt das erste Vernünftige in dieser Sendung, nämlich, dass er nicht die Korruption in Diktaturen fördern will. Aber dann geht’s schon wieder los: „Das kostet uns weniger, wenn wir in den Ländern fördern, dass die dort bleiben.“ 500 Millionen „Schwarzafrikaner“ würden gerne die Reise antreten, behauptet Strache. Pandi zweifelt, höflich formuliert, seinen Verstand an. Strache: „Überspitzte Aussage! Allegorie! Gewisse Bereiche muss man mit einer Überschrift sichtbar machen.“ Pandi: „Sie bleiben dabei!“ Strache findet 500 Millionen Schwarzafrikaner, die Europa überrennen, ein schönes Bild. Er lächelt zufrieden. Man sieht, die realen Afrikaner sind ihm eh egal, es geht ihm nur um seine tolle Allegorie.

Geschluckte Krot
Weiter geht’s mit der fröhlichen gegenseitigen Runtermache: „Spitzenmann“ Andreas Mölzer und seine „Invasion der Warmen“, der „Brüsseler Verschwuchtelung“. Strache fährt mit Conchita Wurscht dagegen, die ohne Publikums-Voting zum Song Contest fahren darf. Pandi packt Marie Le Pen aus, die nicht einmal einen geschenkten Strache haben will und „sich nicht schmutzig machen will“: „Sie spielen eine Nebenrolle. Man schluckt die Krot.“ Die „neuen Juden“ (na servas), die „Reichskristallnacht“, Antisemitismus. Strache legt sich ins Zeug: „Im Nationalsozialismus ist das schlimmste Verbrechen passiert“, sagt er über den Tisch gebeugt, und im gleichen Atemzug, „andere Menschen als Nazi zu bezeichnen, diese ungeheuerlichen Beschimpfungen und Verharmlosungen, das müßte mit dem Strafrecht bestraft werden“.

Da sind sie wieder „die Scherben der Nächstenliebe“, und nicht nur die der Kirchen-Männer. „In einer Demokratie muss man über seinen Schatten springen“, sagt Strache noch. Auf ins warme Budgetloch.

Von Kerstin Kellermann, exklusiv für Hydra verfasst

Das Volk! Die Kinder!

In dieser Pressestunde fährt Politiker Heinz Christian Strache eine gemischte Strategie zwischen „Liebe“ und gemäßigten, beinahe dezenten Wutausbrüchen. Er hat es gelernt, seine Wut auf kleinere Portionen zu verteilen – pendelnd zwischen der hochlodernden Empörung eines „Gerechten“ und der Aufnahmefähigkeit, dem Herzklopfen seiner Fans. Seine blauen Augen leuchten und schauen immer etwas erstaunt. Korruption und FPÖ, ein interessantes Thema für die ORF-Pressestunde am Sonntag. Wortfetzen werden akustisch herausgehoben und dringen deutlich durch die Mattscheibe: „Mit Unwahrheiten operieren“, „was wir voran treiben“, dreimal „klar und deutlich!“, zweimal „Mißbrauch!“, „Asylbetrüger“, „ungerechte Entwicklung“ und „die Österreicher wünschen sich einen Aufbruch“. Ausrufezeichen! No? Der einzige wahre Missbrauch von und mit Steuermitteln wird in Österreich von Flüchtlingen begangen. Dazu sagt die Chefredakteurin des Standard nichts. Die armen Flüchtlinge werden aus (u. a. von Taliban in mörderischer Absicht) Verfolgten zu Tätern. (Vierzig Euro Taschengeld im Monat sind nicht nix!) Achtzig Prozent der Asylanträge werden abgelehnt, dass ist für Strache nicht ein schreckliches Beispiel sich ständig ändernder Gesetze der diversen InnenministerInnen und Regierungen – die bereits einen Gerichtshof im Instanzenweg weg kürzten, der immerhin ein Drittel der negativen Bescheide aufhob – sondern diese Zahl nimmt Politiker Strache als Beweis für „Asylmissbrauch“.

Kinder, Kinder
Immer wieder hört man lautstark das Wort „Missbrauch“ aus dem Fernseher dringen: „Österreicher, die Sozialmissbrauch leben, das gehört abgestellt ….“ (Ja eh! Missbrauch gehört abgestellt! Aber er sucht an den falschen Stellen!) Alexandra Föderl-Schmid schaut wie ein Kind, das geschimpft kriegt. ORF-Redakteur Hans Bürger hält sich den Mund zu. Radikaler Islamismus! Moslems! Hassprediger! Sie hält sich tapfer. Das Kreuz, das Kruzifix! Josefmariaundjesus. Sie wiederholt ihn und setzt eine Frage dran. Gute Strategie:  Überzeichnung. „Wer das Kreuz nicht …, soll also das Land verlassen?“ Strache runzelt die Stirn. „Fehlentwicklungen …, klar und deutlich …, (verächtlich) das Modell in Finnland!“ Kinder! „… damit sie eine Chance haben, deutsch zu lernen.“ Wenigstens für die Kinder der „Fremden“  hat er Verständnis und Mitleid übrig. Strache verteidigt die Kinder vor den Hausaufgaben. Hält sich selbst kurz den Finger vor den Mund, wie ein „Pst“ Zeichen. Das Körpersprachezeichen für Geheimnis! „Ohne auf die Lehrer hinhauen zu wollen, die zerbrechen daran …“ Aber: die Kinder! Wer beschützt die Kinder?! „Wenn die Kinder nach Hause kommen, völlig geschlaucht sind und noch lernen müssen.“ Zweimal betont Strache das, „das ist echt ein Problem“. Zu Rechtsextremismus sagt er hingegen gar nichts.

Versagende Kontrolle
Der ZiB-Ressortleiter für Innenpolitik und EU, Hans Bürger, fragt, wo die FPÖ hin will. In Richtung auf die Arbeiter oder auf die Bürger? Alle Leistungsträger will die FPÖ, ist die Antwort, das klingt nach ÖVP. Man darf nicht in den Fehler verfallen, dass man automatisch Herrn Strache etwas entgegen halten will, denn es stimmt, dass viele Menschen nicht von ihrem erarbeiteten Geld leben können. Und Banken sollten „schon zur Verantwortung gezogen werden“, für die hohen Gebühren oder die niedrigen Zinsen. Oder für ihre Riesengewinne im Osten, die viele Menschen in Armut zurück ließen. Strache macht wieder das „Pst“ Zeichen, Hand am Mund, eine geheime Verletzung, über die man nicht reden darf?  „Die Kontrolle hat versagt“, meint er. Wir verstehen: Nicht die Täter sind das wahre Problem, sondern die mangelnde Kontrolle. Der Hypo Alpe Adria Kriminalfall, … nicht die FPÖ hat sich bedient, sondern warum wurden von den Verantwortlichen nicht „ordnungsgemäß“ kontrolliert?! Wie konnten die bloß so viel Geld dermassen unvernünftig herausrücken?! Herr Bürger kommt inzwischen geistig nicht vom FPÖ-Fernsehen los, das er sich in Vorbereitung der Pressestunde anschaute. Starke Anziehung. Dreimal sagt er, „das hat mich fasziniert, diese Verdrehungen…“ Dann hält er sich wieder den Mund zu. Man wüßte gerne, was er sagen wollte. Nächste Partie: Häupl, Brauner, Haider sass nicht im Aufsichtsrat, der Pröll, die Bayern … Fazit: „Das stinkt doch von vorne bis hinten“ (Fäkalsprache), nicht der „Verführer“ Haider sei schuld, oh nein. Die „Drangekriegten“ hätten eben besser aufpassen müssen.

Föderl-Schmid läßt sich nicht unterkriegen: „Haider sass schon in Aufsichtsgremien“, sagt sie tapfer. „Sie machen es sich schon einfach.“ „Politik und Verantwortung“ werden zweimal erwähnt. „Frau Schmid! Die Kommunalkredit!“ „Ehemalige Freiheitliche …“ „Faymann macht das Gleiche wie Haider in Kärnten“ ist die Antwort. Föderl-Schmid sieht etwas bleich aus, sie hat sich anscheinend kurzfristig in seinen Gedanken-Labyrinthen verlaufen.

Europa, zahnlos
Er: „Der Euro ist schuld an sozialen Unruhen.“ Sie: „Wer Europa ernst nimmt und in die Zukunft führen will …“ Er: „Endlich die direkte Demokratie, wie ich sie wünsche“, „das rot-schwarze System“, das „zahnlose Europa Modell“ … Herr Bürger hält sich inzwischen schon mit beiden Händen den Mund zu. Schutzhaltung. Die Europäische Union! Zahnlos! Wer Herrn Strache mit seiner Vorwurfs-Masche entgegen treten will, muss aufpassen, dass er nicht in eine kindliche Regression verfällt. Strache reckt den Arm in die Luft, fuchtelt und rückt näher über den Tisch heran. Er fühlt genau, wann er eine Chance hat, durch den Schutzpanzer eines Menschen vorzudringen. Nun noch das Zielobjekt in Unterstützer-Modus holen und es kreuzt eventuell das nächste Mal wie in Trance die FPÖ an, am Stimmzettel.

„Manchmal fühle ich mich nicht verstanden.“ Au weh. „Das Volk! Die Nationalratswahl ist die nächste Volksabstimmung. Herr Bürger, das Volk!“ Herr Bürger denkt an das arme Volk, von dem er nur ein kleines Teilchen ist. Die Revolution! 1848! Förderl-Schmid scheint hingegen ziemlich immun gegen überbordende Volksvorstellungen zu sein, aber vielleicht schüttelt sie sich nachher heimlich. Strache und sein Volk abschütteln … „Wo wir exzellente Personen haben …, meine Arbeit wird geschätzt … Ich will eine Stärke erreichen, wo ich nicht mehr ausgegrenzt werden kann. Ich will stark werden!“

Ich will keine rot-schwarze Lebenssonne? Ein akustischer Fehler. „Würden Sie mit Herrn Stronach“, dem Millionär als zweiten Freund der „kleinen Leute“, „koalieren?“ „Ich grenze niemanden aus“. „Das ist ein klares Jein!“, sagt die Standard Chefredakteurin. Genau. Herr Bürger steckt geistig noch immer fest, diesmal bei Straches Freundin. Nicht heiraten, lieber eine Wahlkampfschlacht führen! Am Ende der Sendung streckt Bürger sich und lächelt sogar, er sieht richtig erleichtert aus. Strache betrachtet ihn erstaunt.

Kerstin Kellermann ist freie Autorin in Wien

PS Was Hydra sonst so über Strache und Jörgi denkt, kann man unter anderem in unserem aktuellen Buch „Holzfällen und Niedermetzeln“ nachlesen. Siehe und kaufe hier!

 

Filmtipp der Woche

Ins Kino gehen ist wieder in, denn nirgendwo fühlen sich gute Mütter und brave Hausfrauen wohler als im Kino. „Cineplexx statt Sex“ ist darum der Leitspruch vieler Frauen, und nicht wenige Männer gehorchen ihren Frauen auf’s Wort. Was für ein Glück, dass es eine Reihe hervorragender Filme gibt, die in jüngster Zeit ins Kino gekommen sind, und die einen Kinobesuch so richtig schmackhaft machen.

Da ist zunächst „Arier Süß“ mit dem jungen Hollywood-Talent H. C. Strache in der Titelrolle als von aller Welt verfolgter Arier. Zum Inhalt: Der junge Arier sieht sich selbst als Musikant, spielt aber grottenschlecht auf seiner Bassgeige, weswegen das Publikum bei seinen Zurufen oft genug den Bass durch einen Arsch ersetzt. Außerdem liebt der Musikant Arier Süßes, nicht Saures, wie bei diesem amerikanisch-haidnischen Halloween-Spektakel, wo man mit Vorliebe über ganz grausliche Dinge lacht und erkennt, dass viele schiache Sachen ja im Grunde gar nicht so schlimm waren. Regie führte Regieveteran Veit Harlan, der zuletzt mit seinem Film „Opfergang“ von sich reden machte. „Opfergang“ schildert die letzten Stunden eines FPÖ-Funktionärs vor einem Ballbesuch.

Ebenfalls brandneu in den Kinos ist der Film „True Lies“ mit Arnold Stracheneger in der Titelrolle. In „True Lies“ geht es um einen Agenten, der sich bei einem Einsatz dermaßen in die Hose gemacht hat, dass man die braune Spur immer noch riechen kann. Doch der Agent leugnet beharrlich alles Braune in seiner Hose ab. Bis er die Liebe seines Lebens kennen lernt, eine Schäferhündin namens Eva. Fortan lebt er mit ihr in einer metaphorischen Beziehung und muss keine Lügen mehr erzählen, nur noch Gleichnisse. Regie führte James Cameron, auch bekannt durch seine brachialen Terminatorfilmen, in denen Roboter alles kurz und klein schießen. Rein metaphorisch gesprochen natürlich.

Ein Melodram speziell für zarte Herzen ist der Film „Hetzer in the Dark“. In diesem utopischen Meisterwerk geht es um eine neofaschistische Drecksau, die aufgrund eines Unfalls das Augenlicht verliert. Da in dieser Utopie eine beherzte Zivilgesellschaft Realität ist, zeigt niemand dem blinden Neonazi den Weg. Also tappt der Protagonist des Films 97 Minuten lang durch die Dunkelheit. Am Ende taucht aus dem Nichts ein Bundespräsident auf und reißt alle Ehrenabzeichen an sich. Regisseur Lars von Trier dazu: „Die Handlung selbst ist ein Gleichnis auf die intellektuellen Leistungen der Ewiggestrigen. Mich eingeschlossen übrigens.“

„Fear and Loathing in Vienna“ ist schließlich eher ein Film für experimentelle Naturen. Gezeigt wird der Werdegang eines einst hoffnungsfrohen jungen Studenten, der an falsche Freunde gerät, sich mit Drogen und Klebstoff (schnüffeln) das Gehirn wegbläst, bis man ihm ärztlich attestiert, dass seine Gehirnleistung auf 8,8 Prozent gesunken ist. In diesem Zustand gründet der Protagonist des Films eine freiheitliche Partei. Ein deprimierender Film, der oftmals für seinen grimmigen Realismus getadelt wurde. Regisseur Terry Giliam erhält darum auch praktisch keine Angebote mehr aus Hollywood. [schluss]

Nicht verwechseln bitte!

Immer mehr Deutsche kommen nach Österreich … und haben keine Ahnung von der österreichischen Kultur. Um peinlichen und unnötigen Verwechslungen vorzubeugen, hat HYDRA ein kleines Lexikon oft verwechselter Menschen erstellt.

Bruno Kreisky – ehemaliger Bundeskanzler. Für viele der Einzige, den Österreich je hatte.
Helmut Schelsky – Soziologe mit Nazivergangenheit. Ehemals einflussreich. (angeblich)
Pierre Littbarski – Aldi-Parfümmarke, die sich auf dem Markt nie durchgesetzt hat

Wilhelm Molterer – Ehemaliger Vizekanzler. (Mehr muss man nicht wissen.)
William Holden – Wenig bekannter Hollywoodschauspieler, der für Billy Wilder im Anzug schwimmen gegangen ist.
Wolfgang Kulterer – Ehemaliger Vorsitzender der Hypo Alpe-Adria-Bank. Schwimmt vermutlich auch.

Werner Faymann – Bundeskanzler. Amtierend. (Damit weiß man eigentlich schon zuviel.)
Fay Wray – Legendäre Hollywoodtussi, wird lexikalisch auch „Schauspielerin“ genannt. Der große Affe mochte sie gerne.
Faye Dunaway – Nicht weniger legendäre Hollywoodikone. Die „Bonnie“ von Richard Clyderman. (Clayderman heißt der natürlich!)

Heinz-Christian Strache – Österreichischer Märchenonkel. Lebt noch.
Hans-Christian Anderson – Dänischer Märchenonkel. Schon lange tot.
Christian Henze – Deutscher Fernsehkoch. Kocht noch.

Walter Meischberger – Böser Junge! Sehr böser Junge. Aber … es gilt die Unschuldsverhütung.
Maische – Längst vergessene österreichische Band. (siehe Christian Fennesz)
Walter Mischberger – Irgendwer auf Facebook.

Harald Serafin – Niemals mürrischer Mörbischer Tausendsassa: „Wunderbar!“
Haralds Seractil – Schmerzstillendes Mittel, das benötigt wird, wenn man Harald Serafin länger zusieht.
Seraphina – Zum Glück längst vergessenes, deutsches Popsternchen. („Männer sind so Scheiße sexy“)

Nadja Tiller – ehemalige österreichische Schauspielerin. Heimatfilme und so.
Nadine Beiler – ehemalige österreichische Sängerin. Heimatmusik und so.
Naddel – auch: Nadja Abd El Farrag. Fernsehmoderatorinnennackedei.

lernen mit strache

strache in serie mit 280Das Original: Zynismus
Man muss den FPÖ-Plakaten zugestehen, dass sie bereits im Original nicht fern jeglichen Humors sind. Die FPÖ-Linie ist gelebter Zynismus, oft sogar Sarkasmus. Dem Volke vorgaukeln, man sei für das Volke, sich staatstragend und familiennah präsentieren, während mehr noch als bei allen anderen Parteien das Gegenteil der Fall ist, das, ja das ist blanker Hohn.

Das Übliche: Bittere Häme
Der aufgemalte Hitlerbart verrät: „Ich habe ihn durchschaut. Durchschaut ihr ihn auch!“ Das ist … niedlich, aber trotzdem bierernst. Das weiß doch jeder. Und die es nicht wissen, wollen es nicht wissen. Egal. Geht als Geste in Ordnung („Wir sind da draußen und wir hassen dich!“), der Unterhaltungsfaktor ist aber gleich Null.

Das Bemühte: Witz mit Stil
Der Hitlerbart bei der Mutter. Ja, nicht schlecht. Zeugt von ein wenig ironischer Distanz, man sucht nach Mitteln und Wegen, um Aufsehen zu erregen. Einen Diskurs zu entfachen ist sicher auch intendiert (Warum immer auf die Mütter, etc.), und die künstlerische Intention offenbart sich nicht zuletzt am FPÖ-Logo: Hier wird noch einmal alles klar gemacht. Sehr fein, aber insgesamt … zu bemüht.

Das Optimale: Ironie am Stil
Endlich! Der Hitlerbart gehört einzig und allein dem Kind! Was heißt hier, das arme Kind kann gar nichts dafür?! (Übrigens: Tabubruch, sehr gut!) Politisches Bewusstsein beginnt im Kindergarten, eigentlich schon in der Wiege! Strache ist ja ein Idiot, der kann nichts dafür, die Mutter notorisch überfordert, aber das Kind, das hat wirklich Verantwortung – und vor allem Zeit, diese auszuleben. So wird’s gemacht!

Mehr praktische Lebenstipps gibt’s im großen Hydra-Lebensratgeber.
Ab Juni im Buchhandel erhältlich.