Posts Tagged ‘Sex’

Aus dem Traum gerissen

Posted by on September 29th, 2011

Episode 12 in unserem großen Mitmachschundroman. (Das ist ein Roman, bei dem man mitmachen kann. Jeder eigentlich. Und jede sowieso.)  

Lotte sitzt schweißgebadet in ihrem Bett, ihre Zehen kribbeln. Das machen sie immer, wenn sie aufgeregt ist. Ihr in Dunkelheit gehülltes Zimmer wird nur durch die rot leuchtende Schrift des Radioweckers erhellt. Es ist 2:57. „Wieso jetzt, nach so vielen Jahren?“ Lotte ist außer sich. „Und wieso Manfred? Ich hatte ihn doch aus meinen Erinnerungen verbannt!“

Am darauffolgenden Morgen kribbeln ihre Zehen noch immer. Der Traum von Manfred verfolgt sie schon seit einer Woche und jedes Mal ist es wie damals auf Kreta, als sich Lotte dazu überreden ließ, gemeinsam mit ihrer Schwester Laura und Manfred auf Urlaub zu fahren. Laura bekam gleich in der zweiten Nacht im Hotel schwere Angina, die durch die falsch eingestellte Klimaanlage im Ferienbungalow verschlimmert wurde. Somit waren sie und Manfred die meiste Zeit allein unterwegs. Und als beide nach der im Hotel gebuchten Quad-Tour am Strand lagen und sich entspannten, passierte das Unausweichliche. Manfred flüsterte Lotte leise ins Ohr: „Komm, lass uns schwimmen gehen!“ und Lotte nickte willig.

Bei Sonnenuntergang und durch den menschenleeren Strand lies sich Lotte zu einer Entscheidung verleiten, die sie noch heute bereut. Der Moment war wunderbar, als Manfred seine großen Bauarbeiterhände auf ihre blanke Brust legte und gleich darauf diese auch leidenschaftlich küsste. Nackt und im Rhythmus des Wellengangs begann Manfred Lotte zu lieben. Als sein erigiertes Glied in Verbindung mit dem warmen Wasser in Lottes Innerstes drang, wussten beide, das es falsch war, doch keiner von beiden wagte es, das auszusprechen. So gaben sie ihrem weißglühenden Verlangen freien Lauf. Der Wellengang wurde stärker, ein Sturm würde bald aufziehen. Die Intensität des Moments verstärkte die sexuelle Leidenschaft zwischen den Beiden. Manfred wurde zum Tier oder nein, eher zu einem Gott, ja, zu einem griechischen Gott! Am Horizont türmten sich dichte Gewitterwolken auf und Blitze entluden sich hinter Manfreds riesigen Schultern.

Lotte fühlte sich wie im siebten Himmel, als ob der Vollmond über der wolkenfreien Strandpromenade nur auf die Beiden scheinen würde, und der Gesang der Delphine, die sich draußen in der Bucht ebenfalls paarten, nur für sie allein bestimmt war. Tags drauf war bereits der Rückflug nach Schwechat gebucht. Laura, noch immer gezeichnet von ihrer Krankheit, hatte anscheinend nichts mitbekommen und auch keinen Verdacht geschöpft, was Lotte ein wenig Erleichterung verschaffte, doch ihre Zehen kribbelten die ganze Zeit über. Mit Manfred sprach sie kein Wort, und das änderte sich auch nicht, als der Flugbegleiter kam, das Flugzeug landete und sie sich am Gate von dem Ehepaar verabschiedete.

„Doch wieso jetzt nach so vielen Jahren?“ Lotte schaut in ihren Morgenkaffee und fühlt sich beschämt, schmutzig – so wie im Flugzeug neben Laura. Sie hatten schon seit längerem keinen Kontakt mehr, irgendwie haben sie sich auseinander gelebt und sie waren sich ja auch nie wirklich nahe. Während Lotte immer mehr zum Papa tendierte, war Laura ein Mamakind wie es im Buche steht. Sie hatte sogar dieselben Wangenknochen! Und während Laura immer und immer wieder Vanilleeis naschte, wollte sich Lotte nie festlegen, welche Sorte sie am liebsten leckte – und diese Liste könnte sie noch ewig fortsetzen. Das Handyläuten weckt Lotte endgültig aus ihren Tagträumen.

Als sie auf das Display sieht, fällt ihr das Schokocroissant aus der Hand. Es ist Laura! Mit einem vorsichtigen „Hallo?!“ eröffnet sie das Gespräch und hört auf der anderen Seite ein schluchzendes und lange nicht mehr gehörtes Schwesterherz! „Wir … wir müssen uns treffen … ee-e-es ist etwas schreckliches passiert … i-ich muss dich sehen“ – „Was ist passiert?“ – „E-e-es geht um Manfred“, Laura weiter schluchzend. Lotte zuckt zusammen. „Das kann doch kein Zufall sein!“, denkt sie und antwortet: „Ich mach mich sofort auf den Weg zu dir, bleib ruhig, ich bin gleich da!“ Ohne mit der Wimper zu zucken geht Lotte zum Laptop, sucht auf der Wiener Linien Homepage die schnellste Route zu Laura und macht sich auf den Weg.

Etwa eine halbe Stunde später erreicht sie Lauras Domizil. Diese öffnet sogleich die Tür und fällt Lotte um den Hals: „Es ist (sniff) schrecklich (sniff)!“ Lotte versucht sich zu beherrschen: „Na gut, Laura, jetzt lass uns doch ins Wohnzimmer gehen und du erzählst mir alles was ist passiert!“ Gesagt, getan. „Manfred, er … dieser Idiot will sich von mir scheiden lassen! Jetzt, mit 50, er hat anscheinend eine Neue, eine Jüngere!“ Lotte versucht Laura zu beruhigen, doch ihre Schwester bricht erst recht in Tränen aus. „Ich dachte, er wäre glücklich mit mir. Ich bin mir bewusst, dass ich nicht mehr ausschaue wie 22, als wir uns kennen gelernt haben. Aber ich hätte ihm nie so etwas zugetraut!“

Lotte fühlt sich, als ob sie einen Stein aus einem Staudamm genommen hätte, der jetzt unter all der Last zusammenbricht. Laura überschwemmt sie mit Geschichten über Manfred. Sie erzählt von den immer häufigeren Streitereien, von der Liebe, die über die Jahre hinweg abgekühlt, besser gesagt, erfroren ist, und von den Schulden, die Manfred angehäuft hat, weil er in faule Immobilienkredite investiert hatte. Laura ist am Boden zerstört. Lotte nimmt sie in den Arm und versucht sie zu beruhigen. Trotzdem fühlt sie sich schlecht dabei. Hätte sie doch nach Kreta schon alles erzählt, dann würde Laura jetzt nicht durch diese Hölle gehen müssen. Doch damals war sie zu feige und jetzt … jetzt kribbeln wieder ihre Zehen.

[Autor: Bartlomiej Szatkowski]  Nicht vergessen! Macht mit bei unserem Schundroman in Fortsetzungen. Oder unserem Fortsetzungsroman in Schunden. Alle Infos rechts oben oder auf sexfick.at Oder einfach euren Text an office@hydrazine.at schicken

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Sex mit 45: Episode 1

Posted by on August 24th, 2011

Episode 1: Der rote Regenschirm

„Eigentlich ist dieses Sauwetter eine Frechheit“, denkt Lotte an diesem Donnerstag Ende Juli, als sie schon den vierten Tag hintereinander ihre neuen roten Wildleder-Peeptoes in die teuflische Wasserlacke am Eck tunkt. Heute ist es der linke Schuh. Das Gemisch aus Wasser und Dreck saugt sich in ihren blickdichten Strumpf. Lotte seufzt. Sie macht ihre Arbeit ja gerne, aber heute denkt sie nur noch an das kommende Wochenende. Rein in den neuen Massagesessel aus feinstem Nappaleder, Beine hoch lagern und die komplette vierte Staffel CSI Miami anschauen – das ist genau, wonach Lotte der Sinn steht.

Die schicke Bürokauffrau wird plötzlich aus ihren Gedanken gerissen: „Entschuldigung, gnä Frau, ist das ihr Schirm?“, fragt der erstaunlich sympathische Aufseher der U-Bahn-Station Währinger Straße, als Lotte gerade die erste Stufe hinauf zum Bahnsteig betreten will. Verdutzt dreht sie sich um und erkennt sofort ihren roten Schirm, den sie erst im April in der Josefstädter Straße erworben hat. „Ja“, sagt sie überrascht und fragt verwundert weiter: „Woher haben Sie den?“

„Sie haben ihn gestern am Fahrkartenautomaten lehnen gelassen. Ich wollte Ihnen den Schirm nachbringen, doch da ist ihr Zug schon mit ihnen abgefahren“, antwortet der Stadtbedienstete.

Lotte fällt ein, dass sie tatsächlich Tags zuvor am Fahrkartenautomat war, um sich fristgerecht ihren Fahrschein für den August zu holen. „Woher wussten Sie, dass es mein Schirm ist? Wie haben Sie das erkannt?“, fragt sie immer noch verunsichert. Dass sie ob der Gentleman-Attitüde des graumelierten Herrn durchaus auch von ihm angetan ist, lässt sie sich vorerst nicht anmerken.

„Ich bitt’ Sie, gnä Frau! Denken Sie, ich habe sie die ganze Woche nicht bemerkt in ihren schicken roten Schuhen und dem roten Schirm? Jeden Tag, pünktlich um 7.45 bin ich gestellt, wenn Sie durch die Stationsflügeltüren schreiten. Da haben Sie ihren Schirm wieder“, sagt der Herr. Lotte schätzt ihn auf 52 Jahre. Und zeigt sich dankbar und geschmeichelt: „Soso, sie stellen mir also nach? Das ist aber nicht nett“, sagt sie und wirft ihm einen scharfen Blick zu. „Unterlassen Sie das bitte, ja?“

„Entschuldigen Sie, gnä Frau. Ich wollte ja nur helfen.“ Damit hat der Stationsaufseher nun wirklich nicht gerechnet. Mit gesenktem Haupt will er sich auf den Weg zurück in sein dunkles Kammerl machen, da beginnt Lotte zu lachen. „Nanana, ich will ja nur nicht, dass Sie mir nachstellen. Aber gegen einen Kaffee hätte ich nichts einzuwenden. Quasi als Dankeschön.“ Lotte kann das Funkeln in den Augen des plötzlich wieder ganz groß gewordenen Mannes sehen. „Um halb sechs im Cafe Weimar. Pünktlich“, sagt sie ohne Verabschiedung, während sie sich von ihm wegdreht und langsam die Treppen zum Bahnsteig hinaufsteigt. Dass der Mann nicht Nein sagen wird, ist ihr klar. Dafür muss sie ihm nicht länger in die Augen schauen. Außerdem würde er dann ihr verschmitztes Grinsen erkennen.

Es ist 17:28 Uhr. Als Lotte an den Fenstern des Café Weimar vorbeigeht, erkennt sie dahinter bereits ihre morgendliche Bekanntschaft. Als sie das Kaffeehaus betritt, fallen ihr sofort seine zitternden Knie auf. „Dieser Mann hat schon lange keine Frau mehr berührt“, folgert sie. Als sie ihren Mantel ablegen will, ist er längst zur Stelle, um ihr das gute Stück abzunehmen. „Wenn ich Ihnen ein Kompliment machen darf: Sie sehen atemberaubend aus“, sagt er, als er Lotte in ihrer roten Bluse sieht. „Rot ist anscheinend ihre Lieblingsfarbe?“

Lotte lacht. Die Mischung aus vorsichtiger Annäherung und Aufmerksamkeit gefällt ihr. Es dauert nicht lange und der ersten Melange folgt der erste Aperolspritzer. Vier ehemals orangefarben gefüllte Gläser später bittet sie ihre neue Bekanntschaft, sie nach Hause zu begleiten. „Am Abend fühle ich mich auf dem Heimweg nicht mehr sicher“, gibt sie vor. Doch in Wahrheit will sie einfach wieder einmal von starken Männerhänden gehalten werden. Lotte ist eine starke Frau. Aber sie liebt es, sich auch einfach mal fallen zu lassen …

Lotte fällt rücklings auf ihr Bett. Als der stattliche Stationsaufseher sein Hemd aufknöpft, sieht sie die Früchte seines regelmäßigen Krafttrainings, mit dem er zuvor im Cafe für ihren Geschmack ein bisschen zu viel geprahlt hat. Doch angesichts des Anblicks hat sie die Prahlerei bereits vergessen.

„Ich habe seit dem Tod meiner Frau vor zwei Jahren keine Frau mehr geliebt“, gesteht der gutaussehende, aber hochgradig schüchterne Witwer. „Nanana, hab keine Angst“, erwidert Lotte, als sie seine Hose öffnet. „Ich bin sicher, du hast es nicht verlernt. Und jetzt trau dich schon. Oder willst du mich nur anschauen wie eine Schaufensterpuppe?“

Als er keine zwei Minuten später sein pralles Glied aus Lottes feuchter Scheide zieht, beweist er damit zwar eindrucksvoll, dass er tatsächlich nichts verlernt hat. Dass er danach aber keine Anstalten macht, auch Lotte zu einem Orgasmus zu verhelfen, enttäuscht sie aber doch sehr. Die von Lotte in vergangener Zeit so oft festgestellte männliche Selbstsucht, die sie soeben wieder erleben musste, überrascht sie aber gar nicht mehr wirklich.

Fünf Minuten später komplimentiert sie ihn mit einem kühlen „Ich ruf dich an“ aus ihrer Wohnung. Dass das nie mehr passieren wird, ist beiden in diesem Moment völlig klar. Außerdem, überlegt Lotte, sollte sie in den nächsten Wochen wohl besser mit dem Bus ins Büro fahren.

TEXT: Stefan Rathmanner

Wie Lottes Abenteuer am Ende aussehen könnten, seht ihr hier: lotte teaser

 

 

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HYDRASEXPARTIES?

Posted by on Januar 8th, 2010

fake hydra werkstatt 280In letzter Zeit sind vermehrt Anfragen aufgetaucht, wie das denn nun ist mit der HYDRA. Ob es da echt bloß um Satire geht? Ob die HYDRANTINNEN tatsächlich zusammenkommen, um ein Magazin oder zumindest irgendeine Art von Printmedium zu gestalten … oder ob es nicht viel mehr um einen neuen hedonistischen Lifestyle geht, um eine körperbetonte Art des Interagierens, kurz, um ein Alibi für hemmungslosen Sex?

Es sind Wortmeldungen wie jene einer gewissen Karin, die unsere rein der satirischen Grundlagenforschung gewidmeten Arbeit in Verruf bringen. Ich zitiere: „Ich weiß es hört sich blöd an, aber ich hab meine Unschuld im Hydrakeller verloren!“ Ebenso natürlich Antworten wie jene eines gewissen Herr Matrattels, die im Handumdrehen das Niederträchtige zum Gebrauchsgegenstand erheben: „Wir von der Hydra weisen jegliche Unschuld von uns!“

Aber es ist nicht alleine das. Neben den HYDRA-Parties mit ominösen Widmungen wie „Busen“ und ähnlich einschlägigem war es lange Zeit auch der HYDRA-CLUB, in dem sich die HYDRANTEN durch verräterische Bonmots einschlägig outeten. Von der „nackten Kindfrau mit Katze im Arsch“ über den Klempner, „der hier nur ein Rohr verlegen“ will, bis hin zu Nicknames wie „Dummspatz Basti“ wurde deutlich, dass es unter den HYDRANTEN Individuen gibt, die das Wort „Satire“ vom Wort „Sex“ nicht ohne Lesebrille zu unterscheiden vermögen.  

Noch schlimmer wurde es durch die Einrichtung der sogenannten HYDRA-WERKSTATT, die glücklicherweise nur wenigen Auserwählten zugänglich ist. Dennoch hat gerade diese noch hartnäckigere Gerüchte in die Satirewelt gesetzt. Wenn hier etwa ein gewisser Peter R. schreibt: „Ich habe das mit dem schreienden Schwein gehasst!“, oder davon schwärmt, die „Geschlechtsteile sprayfreundlicher Mitmenschen zu taggen“, dann kann der Nachruf übler nicht werden. Auch ein gewisser Matrattel (erneut!) scheint sich nur für Tätigkeiten des „Einfügens und Verknüpfens“ zu interessieren (selbiger widmete übrigens der Unschwulität der HYDRA eine öffentliche Verlautbarung, was keinen anderen Schluss als einen Torschluss samt Panik zulässt).

Nun, im Interesse der globalen Satirefachwelt und im Interesse unserer eigenen Seriosität werden wir alle diese Gerüchte endgültig vom Tisch fegen. Wir lassen einen unserer Experten zu Wort kommen. Er wird Auskunft geben, was es mit der neuen HYDRA-WERKSTATT tatsächlich auf sich hat. Herr Teufel, ihr Einsatz bitte:

„Nun …*brillezurechtrück*… es ist weit mehr als ein Forum. Eine neue Technologie sozusagen. Es ist im Prinzip recht einfach, zumindest die ersten Schritte. Wer sich näher damit beschäftigen will, findet alle möglichen „Gadgets“ und kann – sofern Nerd-Potential vorhanden – auch selber welche … nun, sagen wir: programmieren. In erster Linie handelt es sich um ein mächtiges Tool für die Zusammenarbeit. Alles was passiert, passiert live (also GENAUUUU JETZT). Man kann ganz easy auch ein Voting einbauen, z.B., und viele andere Anbieter arbeiten auch damit zusammen und und und und und und (und und und). Es ist viel zu cool um es in einem simplen Mail erklären zu können, man muss es SEHEN. Wem die große Menge an TeilnehmerInnen (und natürlich können Männer nicht nur mit Frauen, auch Männer mit Männern und Frauen mit Frauen) erschreckt, der kann es auch mal in kleiner Gruppe ausprobieren. Also scheut Euch nicht, ihr Rehlein, und probiert es aus …“

Ich denke, dem ist an Eindeutigkeit nichts hinzuzufügen. HYDRA tut es, HYDRA tut es live (also GENAUUUU JETZT) und HYDRA tut es für einen guten Zweck. Danke für Ihre Aufmerksamkeit, sie können sich jetzt sexen. eki

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news mackUnd was tun Frauen während der EURO? Richtig, sie greifen zum Vibrator. Ein Hydra-Interview mit “liebenswert” Inhaberin Ingrid Mack. (Auszug aus dem Euro-Special von Hydra No. 3, das aufgrund von Terminverzögerungen nie erschienen ist …) 

Hydra: Sie führen ein Sexartikelfachgeschäft für aufgeschlossene Menschen. Wie kam es dazu?

Ingrid Mack: Das “Condomi” wurde vor 14 Jahre gegründet. Seinerzeit war die Thematik Aids noch relativ neu, zudem war eine Freundin von mir HIV positiv. Nachdem viele Menschen diesbezüglich sehr kopflastig sind, nach dem Motto “Weiß ich eh alles”, war die Idee, auf lustige Weise und mit entsprechender Auswahl Kondome anzubieten. Also wie in einem Sockengeschäft, wo man sagt, ich habe Schuhgröße 48…

Hydra: Kondome mit Größe 48? Handelsüblich ist das ja nicht…

Ingrid Mack: Wenn das Kondom zu eng ist, kann es reißen, ist also nicht sicher, wenn es zu groß ist, flattert es herum, schützt also auch nicht. Bei uns findet man die individuell richtige Größe.

Hydra: Und das genügte als Ausgangspunkt? Ein Kondomsortiment?

Ingrid Mack: Das “Condomi” hat vom ersten Tag an gut funktioniert. Natürlich gab es klassische Geschenkartikel oder Massageöle, also alles, womit sich Liebende beschäftigen können bzw. sollen. Es wurde schnell angenommen als kleiner Shop, wo man alles, was einem für den Liebesakt in den Sinn kommt, erhält, und wo man sich inspirieren lassen kann. Wir hatten damals nur einen Vibrator namens “Die summende Biene” im Geschäft. Aber wie sich die Zeiten eben ändern, kam es zu einer immer größeren Nachfrage. Die Damen bzw. die Gesellschaft wurde offener, über sexuelle Bedürfnisse zu sprechen und sich zu outen.

Hydra: Die Zeiten wurden offener? Waren das nicht eher die 70er?

Ingrid Mack: Einen gewissen Amerikanismus kann man immer feststellen. Viele Menschen stößt wohl auch die Allgegenwärtigkeit von Sex in der Werbung ab. Aber die verkorkste Einstellung “Huch, Sex macht man nur Zuhause im Finstern!” hat sich in den letzten fünf Jahren stark geändert. Da hat auch “Sex and the City” viel geholfen. Das war ein großer Denkanstoß für viele Frauen und Paare. Nach dem Motto, wenn ich das im Fernsehen sehe, darf ich auch Probleme mit meinem Orgasmus oder meinem Mann haben oder eine Schamlippenkorrektur durchführen lassen. Zum Beispiel.

Hydra: Das klassische Argument lautet, dass Sexualität überbewertet wird.

Ingrid Mack: Heutzutage wird alles andere, wie man aussieht, welche Haarfarbe man hat oder wie man die Fingernägel lackiert hat, wichtiger bewertet als der Umstand, ob ich zweimal in der Woche einen ausgeglichenen Orgasmus habe. Viele Paare sind heute in ihrer Beziehung unglücklich. Und auch Frauen im Alter wollen noch Lust empfinden.

Hydra: Zu Ihnen kommen auch ältere Damen?

Ingrid Mack: Ja, das ist oft rührend. Wir haben eine 80jährige Dame, die zum Batterienwechsel kommt, weil sie ganz gichtige Finger hat und das Batteriefach nicht aufbekommt. Sie sagt dann: “Es ist wieder mal soweit.” Und wir sagen: “Ja, bitte, gerne.” Wie soll so eine Frau noch zu einem Orgasmus kommen? Also kauft sie sich einen Vibrator und steht dazu. Und jede Frau, die einmal Bekanntschaft mit einem Vibrator geschlossen hat, möchte nicht mehr darauf verzichten.

Hydra: Spielt das Aussehen des Vibrators tatsächlich eine Rolle?

Ingrid Mack: Aussehen und Qualität. Ein Billigstdorfer um zehn Euro rapperlt und ist hart und hat auch nicht das Flair luxuriösen Selbstverwöhnens. Da legen die Damen lieber 50 oder 60 Euro für eine ordentliche Qualität hin.

Hydra: Ich habe mal gelesen, dass Vibratoren die Lustempfindungsfähigkeit von Frauen mindert.

Ingrid Mack: Das ist die größte Mär, die je ein Mensch in die Welt gesetzt hat, vermutlich, weil er selbst einen Mini…, einen Minderwertigkeitskomplex hat. Der Körper vergisst das immer wieder, wie eine kleine Katze. Ein Orgasmus ist ja auch jedes Mal anders und neu.

Hydra: Und wie ist das nun mit dem Fußball?

Ingrid Mack: Vor zwei Jahren bei der WM haben wir deutlich weniger Männer im Geschäft gesehen und demgegenüber mehr Frauen, die gesagt haben: “Mir reicht es jetzt! Der ist nur mit seinen Freunden unterwegs und kommt mit einem Rausch heim. Und dann ist er zu nichts mehr zu gebrauchen. Jetzt muss ein Vibrator her!” Der Fußballfrust ist bei vielen Frauen da und gibt dann oft den letzten Kick für die Anschaffung eines Vibrators. Dementsprechend werden wir heuer auch grüne Vibratoren mit einem Fußballfeldaufdruck anbieten. Damit der Mann auch Zuhause einlochen kann.

Hydra: Aber was hat der Mann von einem Vibrator, er wird ja nicht…

Ingrid Mack: Die Frau kann ja mit dem Vibrator winken. “Komm, jetzt machen wir noch ein Spiel…”

Hydra: “Verlängerung, Schätzchen!”

Ingrid Mack: Für die Verlängerung haben wir Sigra Plus, das ist ein natürliches Potenzmittel, das wir gerade mit dem Slogan bewerben: “Da geht jedes Spiel in die Verlängerung!”

Hydra: Trotzdem. Die Vorstellung, dass die Frau dem von fußballerischen Misserfolgen gequälten Mann mit dem Vibrator zuwinkt, scheint mir…

Ingrid Mack: Aber soll man zuschauen und still leiden? So ist zumindest die Chance noch da, ihn irgendwie zu verführen, mit Bauchtanz, mit Dessous…

Hydra: Oder Fußballtattoos auf den…

Ingrid Mack: Was wir zum Beispiel auch noch da haben sind Liebeskugeln in Fußballform. Also Sachen, wo man leicht in Stimmung kommen kann als Frau, um den Mann dann mitzureißen… Mit so kleinen Tricks und Hilfsmittelchen muss man das dann versuchen.

Hydra: Die Frau könnte sagen: Beim Kicken musst du ja auch erst Ballbeherrschung lernen.

Ingrid Mack: Genau, nicht nur am Spielfeld, sondern auch auf der Spielwiese.

Hydra: Aber vermutlich brauchen die meisten Männer bei der Euro vor allem den Trost ihrer Frauen.

Ingrid Mack: Das weiß ich jetzt nicht, wie der Mann reagiert, wenn seine Mannschaft verloren hat. Ist man dann so geknickt, dass man keine Lust mehr auf Sex hat?

Hydra: Definitiv.

Danke für das Gespräch sagt Curt Cuisine.

PS liebenswert ist das hier

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