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Posts Tagged ‘Satire’

die ära der mantarochen

Posted by curtcuisine on April 25th, 2010

philosophie 12 kant 300Immanuel Kant

Kokosnüsse und Mantarochen sind zwei Begriffe, die im Werk von Immanuel Kant nicht vorkommen. Das ist schade. Um wieviel erträglicher wären manche seiner elendslangen Abhandlungen, wenn da auch ein Mantarochen vorkommen würde. Stellt euch das vor! Die „Kritik des gemeinen Mantarochens.“ Oder: Die „Metaphysik der Kokosnuss.“ Dazu Immanuel Kant als Haschisch paffender Tahitianer, der mit Palmenblätter bekleidet an einem Sandstrand lungert und versucht, mit zwei, drei Sätzen eine Lebensphilosophie hinzukriegen, die ebenso elegant wie relaxt klingt, die aber im Grunde nichts weiter besagen soll als: Genauso wie mir das Leben Spaß macht, genauso funktioniert die Welt.

Aber wie gesagt: Mantarochen waren Kants Sache nicht. Was ihm wirklich Spaß machte, was ihm wirklich, wirklich gefiel, was ihn so richtig auf die erkenntnistheoretische Palme brachte, das war „das Ding an sich“. (Nein, nicht das Ding zwischen den Beinen! Werdet endlich erwachsen!) Die Dinge so wie sie sind. So wie sie wirklich sind. Also ohne dass irgendein Mensch mit seinem subjektiven Verstand, seinen morgenmüden Augen oder sonst einem Sinn ähm hinschaut. So wie Gott, wenn es ihn denn gäbe, dieses Ding anstarren würde. (Aber hat Gott überhaupt Augen? Und wenn er keine Augen hat, hat er dann wenigstens Hühneraugen? Und wenn er nicht einmal das hat, kann er dann etwas fühlen? Und wenn er gar nichts fühlen kann, hat dann überhaupt etwas Bedeutung und Wert für ihn? Und blablabla.) Genau das ist der Punkt! Genau das ist die Frage: Wie sieht die Welt mit Gottes Augen aus?

Aber Kant war kein Märchenonkel, Gott hatte für ihn keinen langen Bart oder so, sondern Gott, das war eher die Gesamtheit aller Vernunft und alles Wissens. Und zugleich nichts davon. Ein Buddhistisches Nichts, ein Platonischer Höhlenforscher, ein anorganisches Allbewusstsein. Und für Kant war klar, dass wir nie kapieren würden, wie dieses ähm Ding die ähm Dinge sieht. Da kommen wir einfach nicht ran. Wie der Pudel an die Kokosnuss. Keine Chance. „Was die Dinge an sich sein mögen, weiß ich nicht und brauche es nicht zu wissen, weil mir doch niemals ein Ding anders als in der Erscheinung vorkommen kann.“ Sagt Kant. Und ihr habt es eh gleich verstanden, oder? Der Mann war Marienanbeter und glaubte an Erscheinungen.

Nein, stimmt natürlich nicht, in Wahrheit war alles viel viel viel viel viel viel viel komplizierter. Aber wisst ihr was? Uns ist das scheißegal. Und euch sowieso auch, das wissen wir ganz genau. Ja, sogar Kants berühmter kategorischer Imperativ („Handle so, dass deine Handlung eine Handlung ist, die genau weiß wovon sie handelt, außer sie spielt sich in einer Tierhandlung ab, äh, nein, das ging irgendwie anders …“) Ja, egal, das ist euch alles wurscht. Das wissen wir. Und wisst ihr, warum euch das überhaupt wurscht sein darf? Eben weil es Immanuel Kant gegeben hat, der sich genau darüber den Kopf zerbrochen hat. Und zwar gründlicher, detaillierter und versessener als je ein Mensch zuvor. Ja, er hat das so gründlich gemacht, dass lange Zeit niemand mehr etwas davon wissen wollte. Es war wie ein abschreckendes Beispiel. Über Jahrhunderte hinweg brauchte ein Vater seinen wissbegierigen Sohn nur diesen einen Namen nachschleudern, schon war es still am Mittagstisch. Sohn: „Du, Papi. Warum ist die Erde eigentlich rund? Und warum leben Schwämme im Meer. Und wofür brauche ich einen kategorischen Imperativ.“ Vater (brüllend): „Im-ma-nu-el Ka-ha-nt!“ Sohn: „Heul, flenn, schluchz. Du hast ja recht, wenn man erst zu fragen anfängt, wird alles soooo kompliziert. Ich frag’ ja nie wieder.“

Was kann uns Immanuel Kant heute noch mit auf den Weg geben?
Dass Pauschalreisen in die Karibik nicht vollkommen zu verdammen sind. Zumindest so manchem Philosophen würde ein Ausflug zu so seinem Sandstrandghetto samt Animateur und mitgereistem Swingerklub für 60+ Geilsäcke nicht schlecht tun. Ist das „Werk“ aber mal verbrochen, hilft auch das nichts. Dann lehrt das Beispiel Kant vor allem, dass die Dinge eben nicht so einfach liegen. Aber diese Lehre ist nicht so traurig wie sie klingt. Denn Kant war privat ein zwar eher schrulliger Mensch, mit einem fast schon krankhaft peniblen Tagesplan, aber er war zugleich ein gewitzter Zeitgenosse, der gerne mit Frauen flirtete und nichts mehr schätzte als eine gute Unterhaltung. Klar, denn Kant war ja nicht blöd. Und das ist doch eine feine Lektion für’s Leben, nicht. Auch wenn ihr vorhabt, tiefschürfende, nahezu unverständliche  Bücher zu schreiben, heißt das noch lange nicht, dass ihr deswegen zu blöd fürs Leben sein müsst.

Nächste Woche betreten wir ein Tal des Jammers und ziehen uns von dort an unserem eigenen Ego wieder heraus. Nein, es ist nicht Münchhausen gemeint. Wait for it!

die großen parkbänke unserer zeit

Posted by curtcuisine on April 18th, 2010

philosophie 11 jjr 300Jean-Jacques Rousseau

Jean-Jacques Rousseau hatte die Natur sehr, sehr lieb. Immer wieder rief bzw. schrieb er: „Zurück zur Natur!“ Aber das tat er meistens in einer kleinen, stickigen Schreibkammer, denn der Mann kam eigentlich kaum raus in die freie Natur, er hat immer nur geschrieben. Nicht nur Philosophie, sondern auch elendslange Romane (z.B. „Emil oder die Erziehung“) oder eine noch elendslängere Autobiographie („Bekenntnisse“). Laptops (und Facebook) gab’s damals noch nicht, also musste er sich die Finger wund schreiben mit klecksenden Straußenfedern. Am Ende saß er dann alleine da, die Finger taten ihm weh und waren schmutzig, und er konnte gar nichts mehr machen damit. Dabei hätte er so gerne, nur ganz kurz, ist eh niemand da, psst,  still und heimlich, unter der Bettdecke …

Die Sache war nämlich so. Rousseau war ein bisschen ein Muttersöhnchen, der aber gerne ein harter Kerl gewesen wäre. Daraus hat er sich eine kleine Philosophie gebastelt. Die Vernunft und die Wissenschaft verweichlichen den Menschen, verformen ihn wider seine „Natur“. Streng muss er erzogen werden, damit er nicht degeneriert, sondern den Atem der „Natur“ wieder fühlen kann. (Ja, so etwas hörte man damals gerne.) Nur kam zwei Jahrhunderte ein anderer Philosoph namens Jacques Derrida, der sich den Spaß machte, das, was Rousseau über die Natur, die Gesellschaft und den Ursprung aller Dinge schrieb, mit dem zu vergleichen, was er über seine Mami und vor allem übers Onanieren schrieb, und, oje, ihr könnt euch vorstellen, wie das ausging. Da gab es ganz üble Parallelen.

Das war gemein von diesem Derrida (keine Sorge, der kommt auch noch dran in dieser Reihe), aber was Derrida eigentlich zeigen wollte, war, dass es kein sogenanntes kausales Denken gibt, also zumindest keines, das mit mathematischer Präzision funktioniert. Sondern es menschelt in jedem noch so streng, stringent oder folgerichtig anmutenden Gedankengang. Aber Derrida wäre nicht einer der am schwierigsten zu verstehenden Philosophen, wenn es das alleine schon wäre (oje, jetzt wird’s kompliziert). Derrida wollte darüber hinaus zeigen, dass das nichts mit einer Verpsychologisierung des Denkens zu tun hat, sondern dass das sprach- und schriftimmanent ist. Mit anderen Worten, unsere Sprache (und ein anderes Werkzeug zum Denken haben wir nicht) nährt sich aus subjektiven, schwammigen („parasitären“) Bedeutungen. Sobald wir mehr sagen als 1 + 1 = 2, stehen wir schon knöcheltief in der Subjektivität.

O.k., das war jetzt sehr theoretisch. Wie war das nochmals genau bei Rousseau? Leider auch sehr kompliziert, aber sagen wir mal, dass Rousseau oft und gerne darüber schrieb, dass man irgendwie zurück zur „Natur“ müsse, weil diese der Ursprung sei, aber eigentlich soll man nicht zurück zum Ursprung, weil sich der Mensch ja weiter entwickeln soll. Und weil das irgendwie alles unmöglich ist, hat man es die ganze Zeit mit „Ersatzhandlungen“ zu tun (Reflektieren, Denken, Vernunft), die versuchen, diese Ursprünglichkeit herzustellen. (Klingt das wie ein Haufen Hühnerkacke? Na ja, ist halt Philosophie). Nun, jetzt ersetzt „Natur“ mit „Mama“ und „Ersatzhandlung“ mit „Onanieren“. Dann wisst ihr ungefähr, worauf Derrida hinweisen wollte.

Was kann uns Jean-Jacques Rousseau heute noch mit auf den Weg geben?
Dieser arme Mann! Einst eine Kultfigur, ja, ein Leitstern für Philosophen und Pädagogen – und heute das. Aber genau das ist die „Lehre“. Wenn man Aussagen wie „Zurück zur Natur!“, „Rettet die Wale!“ oder „Fickt das System!“ auf den Lippen hat, sollte man nicht ins nächste Kämmerchen flüchten und einen klugen Text darüber schreiben, sondern es einfach machen. (Ja, auch das mit dem System. Tut es einfach!) Andernfalls schwafelt man nur daher … und es dauert nicht lange,  bis so ein Pedant wie Jacques Derrida kommt und aller Welt beweist, dass man gar nicht über die Natur, die Wale oder das System geplaudert hat, sondern über intime Gewissensbisse, die man zu einem riesigen Gedankengebäude aufgebaut hat … au Backe, was für eine traurige Lektion fürs Leben. Na ja, die Philosophie ist halt nicht immer heiter.  (Und bedenkt, heute hat sie wirklich einen mächtigen Kater.)

Nächste Woche besuchen wir den Alleszertrümmerer. Aber wir müssen uns beeilen, denn Immanuel Kant war Zeit seines (akademischen) Lebens nur von 16.33 Uhr bis 16.37 Uhr ansprechbar. Den Rest seines Tages hat er ausschließlich Mantarochen dressiert.

was? schon folge 10?

Posted by curtcuisine on April 11th, 2010

philosophie 10 hlh300Hobbes, Locke & Hume

Thomas Hobbes, John Locke & David Hume waren fast so etwas wie die Dicks und Doofs des englischen Empirismus, nur dass sie eben zu Dritt waren. Dieses Empirismusdings jedenfalls hat Hobbes angefangen, Locke weitergeführt (beide eher dürr) und Hume (der Mann war wirklich beleibt) zur Vollendung gebracht. Empirismus also mit Vollendung. Übrigens eine im Rotlichtmilieu durchaus gebräuchliche Phrase. Kommt zur Anwendung, wenn eine ausgebeutete und zur Prostitution gezwungene und erniedrigte Frau (Nutte darf man ja nicht mehr sagen) vor einem, sagen wir mal, Philosophen kniet. Damit sind wir auch mehr oder weniger beim Ursprung alles menschlichen Lebens angelangt und damit in der hervorragenden Lage, den besonderen Clou des englischen Empirismus zu erklären.

Dieser bezog sich nämlich weniger aufs Erbsenzählen (siehe Kapitel V, Aristoteles) sondern auf eine Philosophy of Mind. Ja, aber was ist denn das? Stellt euch vor, all eure Gedanken wären eine Tafel. Keine Schokoladetafel, sondern eine Schiefertafel in der Schule. O. k., ihr habt Probleme damit, weil ihr euch vorstellt, wie eine dicke Dampfwalze über euren Schädel rollt und ihr seht vor allem, wie das Blut wegspritzt und habt keine Ahnung, wie ihr es vom Asphalt abkratzen sollt, um es auf eine Tafel zu spachteln. Aber das sind nur Details. Was Dick, Doof & Doof, also Hobbes, Locke & Hume sagen wollten ist, dass unsere Gedanken am Anfang unseres Lebens unbeschrieben wie eine Schiefertafel sind. Erst die Erfahrungen, die wir so sammeln, bekritzeln diese Tafel mit Formeln und Zeichen. Und unser Intellekt ist dann wie ein Mathematiker oder Oberlehrer und verknüpft das ganze Gekritzel zu einem sinnvollen Ganzem.

Über diese „Theorie“ waren sich Hobbes, Locke & Hume mehr oder wenig einig, wobei Hobbes das nur angedeutet hat, die Tafel voll gekritzelt haben dann vor allem Locke & Hume. Worüber sich die drei aber gar nicht einigen konnten, war die Frage, was das eigentlich für unsere Gesellschaft bedeutet. Denn wenn die Tafel bei allen am Anfang leer ist, wären wir ja alle irgendwie gleich. Das wäre aber Kommunismus! Igitt! Außerdem wurde der erst ein gutes Jahrhundert später erfunden. Darum haben Hobbes & Locke beschlossen, die Sache einem Juristen zu übergeben. Denn bei Hobbes wäre die Gesellschaft sonst ein Monster (das er „Leviathan“ nannte, ah … jetzt klingelt’s!), Locke hingegen schwafelte die ganze Zeit von einem „Gesellschaftsvertrag“, der unbedingt nötig wäre. Sprich: die beiden gingen wohl davon aus, dass sich  die Menschen ohne Verträge eher wie Tiere zueinander verhalten würden. Hume hingegen sah das ein wenig neutraler, für ihn frommte der Zweck den Menschen. Er meinte, die Menschen würden zwangsläufig einsehen, dass das, was nützlich für alle sei, auch für sie selbst nützlich sei (das wird übrigens mit einem nahezu unaussprechlichen Wort bezeichnet, nämlich Utilitarismus). Das klingt eigentlich recht vernünftig, allerdings lässt Hume den Menschen im Grunde gar keine Wahl. Für ihn funktionieren wir nämlich alle wie Uhrwerke. Tick, tack, tick, tack. Ja, komisch, gell, worauf man mit so einer Schiefertafel alles kommen kann …

Was können uns Hobbes, Locke & Hume heute noch mit auf den Weg geben?
Zunächst mal die Erkenntnis, dass Philosophen, auch wenn sie älter geworden sind, trotzdem hin und wieder in einer Schule vorbeischauen sollten. Denn eine Schultafel ist nie leer, da steht jeden morgen immer was Obszönes drauf („Fickt Mathe“ oder „Hosen runter, Herr Direktor“). Und damit sollte eigentlich schon klar sein, dass diese Blanke-Tafel-Theorie reiner Unfug ist. Die Wahrheit ist: Noch bevor wir auf die Welt kommen, sind wir schon angeschmiert. Gerade darum sollte man sich Gedanken drüber machen, wie man diese Schmiere (meistens stinkt sie nach Gaga oder zumindest nach Geld, das die einen haben, die anderen aber nicht) halbwegs gerecht verteilt. Aber ob man diese Sache einem Juristen anvertrauen soll … na, ich weiß nicht.

Nächste Woche besuchen wir Jean-Jacques Rousseau in seiner Hütte im Grünen. Schnuckelig ist es dort aber nicht, soviel können wir schon verraten.

die großen philosophen (8)

Posted by curtcuisine on März 28th, 2010

philosophie 8 descartes gRené Descartes & sein Kamin

Also dieser René Descartes, der hatte ein cooles Landhaus. Da war es wirklich schnuckelig. Und er hatte einen von diesen gemütlichen Kaminen, die man manchmal im Spätabendprogramm auf grindigen Fernsehsendern sieht. Er war so verknallt in seinen Kamin, dass er ihm einen philosophischen Text widmet (na gut, okay, zumindest Teile davon): „Wie oft doch kommt es vor, dass ich [mir einbilde], dass ich, mit meinem Rocke bekleidet, am Kamin sitze […], während ich doch entkleidet im Bette liege.“ Probleme hatte der, nicht? Und ständig erzählte er davon, dass ihm ganz heiß oder ganz kalt war, was er unzweifelhaft spüren würde, also eine gesicherte Erkenntnis sei. Wenn man also einen feinen Kamin hat und diesen einheizt, dann ist es so sicher wie das Amen im Gebet, dass es bald warm im Haus wird und es daran nichts zu zweifeln gibt. Diesen Text nannte er „Meditationen“, und er wird heute noch im gut sortierten Baustofffachhandel als Liebhaberlektüre für Landhausbesitzer verhökert.

Ein Satz aus diesen Meditationen wurde allerdings so berühmt, dass ihn seither jeder Straßenjunge von Lissabon bis Hammerfest auswendig kann und auch seine eigenen Schlüsse daraus gezogen hat: „Ich denke, also bin ich.“ Und nein, wir versuchen Euch jetzt nicht zu erklären, dass es eigentlich „Ich heize, also bin ich“ hieß, sondern weil es uns gerade am Arsch kratzt (wir also das Gefühl haben, als hätte uns Sokrates gerade gefickt) wollen wir mal ein bisschen klugscheißen und erklären, dass es bei diesem Satz mitnichten darum gegangen ist, die christliche Metaphysik des Mittelalters hinter sich zu bringen. In der mittelalterlichen Metaphysik (siehe vorige Folge) hätte der Satz nämlich geheißen: „Ich denke, gelobt sei Gott, also bin, gelobt sei Gott, ich, aber natürlich nur, weil, gelobt sei Gott, Gott gelobt sei!“ Aber Descartes wollte keineswegs einfach nur alle Lobpreisungen herauskürzen (wäre ihm wohl zu einfach gewesen), nein, er wollte vielmehr klar machen, dass Gott nur deswegen gelobt sei, weil ich (also er) denke (also denkt). So etwas nennt der Akademiker einen rationalen Gottesbeweis. Wir nennen das einen typischen Fall von: Das hast du nun davon! (Denn kein Straßenjunge in Lissabon oder Hammerfest denkt heute noch an Gott, wenn er Dank Descartes erkennt, dass er ist, weil er denkt!)

Was kann uns Descartes heute noch mit auf den Weg geben?
Dass man sich die Sache mit den Kaminen noch mal gründlich überlegen sollte. Sicher, so ein Kamin hat schon was urgemütliches, aber da hockt man dann dort, starrt ins Feuer und muss sich trotzdem mit irgendetwas beschäftigen. Irgendeinen Gedanken wälzen. Also fängt man an zu grübeln. Über kurz oder lang wird man Philosoph, kein Schwein versteht mehr, was man eigentlich sagen will, und außer Missverständnisse und Einsamkeit bleibt nicht viel übrig. Dann doch lieber den Flatscreen in die Ecke stellen, die Playstation reinstöpseln und das Hirn auf Durchzug stellen. Und mit der unendlichen Leere im Kopf hinein in den Arbeitsalltag. Denn ob ich denke oder nicht, ob ich existiere oder nicht, ändert es etwas daran, dass ich jeden Tag meinem Chef die Manchettenknöpfe blankpolieren muss?

Nächste Woche lesen wir dann gemeinsam ein Essay. Oder einen Essay. Oder … ach, Fuck! Nächste Woche gehen wir essayn.

The great philosophers, part six

Posted by curtcuisine on März 7th, 2010

philosophie 6 epikur 2Kapitel 6
Epikur und die Stoikergang

Wie wir in den vorhergehenden Folgen gesehen haben, war die Philosophiegeschichte besiedelt mit Besserwissern, Möchtegernunternehmensberatern und Erbsenzählern. Also war es nur eine Frage der Zeit, bis ein Typ wie Epikur auftaucht. Ein Typ, der faul und behäbig auf dem Sofa fläzt, einen Bausch Weintrauben in das geöffnete Maul schiebt, während zwei Konkubinen mit ihren nackigen Körpern seine Wampe massieren, damit das reingevöllerte dreizehngängige Menü leichter in den Darm rutscht. Und drei Stunden später hockt Epikur dann am Donnerbalken und gurgelt vor Wonne, weil es sich wieder mal so schön scheißt. Und was er da so empfindet, das erzählt Epikur in sonorer, genußverzückter Stimme der versammelten Menge (denn um einen beleibten, begüterten Menschen stehen immer Leute herum, und wenn es ein paar Lobbyisten sind). Und er sagt Dinge wie: „Genuss haben ist schön. Wonne ist schön. Abzocke ist schön.“ Und weil alles was schön ist, bei den Griechen irgendwie auch wahr sein musste, war damit schon eine halbe Philosophie fertig gebastelt.

Das ging eine Zeitlang gut so, bis ein paar Typen diesen ganzen Überfluss satt hatten und sagten: „Moment, Moment, so geht es auch nicht. Wie wär’s mit ein paar Tugenden zur Abwechslung?“ So bildete sich die Gang der Stoiker, die auch nicht wenige Anhänger fand. Aber nur um das klar zu stellen. Die Stoiker legten sich Tugenden nicht zu, weil sie irgendwo der Gewissensschuh drückte, sondern weil es zur Abwechslung schön war, mal so etwas zu haben. Tugenden eben. Und so ging das ein paar Jahrhunderte lang dahin. Bis ins Römerreich hinein hielten sich diese beiden nahezu verfeindeten Gruppen die Waage (nahezu, weil Streit den Stoikern zu wenig tugendhaft, den Epikuräern zu mühsam war, Waage, weil beide gleichermaßen fett waren).

Beiden Lebenskunstafficionados gemeinsam war, dass es ihnen primär um eine Art Haltung bzw. Lebenseinstellung ging, weniger darum, was wahr und richtig ist. Darum sind es meistens fette oder mit fetten Bankkontos gesegnete Menschen, die heute noch mit epikuräischen oder stoizistischen Anschauungen liebäugeln.

Was können uns Epikur und die Stoiker heute noch mit auf den Weg geben?
Dass man einen großen Bogen um Leute machen sollte, die einem diese Art von Literatur empfehlen. Etwa mit den Worten: „Da ist was dran. Das ist im Grunde total tiefsinnig.“ Oder: „Der Genuss gehört einfach dazu, was ist ein Leben ohne Genuss?“ Oder: „So eine Art von Denken bräuchten wir heute wieder.“ Tja. In der Tat, es ist die Art von Weisheit, vor denen wir unsere Eltern immer schon gewarnt haben. Solche Bücher zu lesen ist ungefähr so, wie das Fünf-Sterne-Menü noch mit einem Beaujolais herunter zu spülen. So reinigend ist das. Und so dekadent. Der Sache mit den Konkubinen, die sich deinen Bauchnabel runterrubbeln, mmnaja, der würden wir allerdings noch eine zweite Chance geben.

Nächste Woche betreten wir dann das Mittelalter und wir können jetzt schon verraten: Es wird finster.

Dgp5 : a beggar for the bottle

Posted by curtcuisine on Februar 28th, 2010

philosophie 5 aristotelesDie großen Philosophen, Kapitel 5: Aristoteles

Aristoteles ist nun wirklich einer der fadesten Philosophen wo gibt. Zumindest auf den ersten Blick. Eigentlich auch auf den zweiten. Aristoteles hat aber immerhin das Lykeion gegründet, das war mehr oder weniger der Vorläufer der heutigen Universität. Und die ist ja, wie wir mittlerweile wissen, ein cooler Ort. Da werden Partys gefeiert, da lungern Obdachlose herum, und es gibt lecker Gratissuppe. Und man kann wohl mit Fug und Recht behaupten: „Also so etwas hätte es unter Aristoteles nicht gegeben!“ Was ja auch ein geflügeltes Wort unter kulturpessismistischen Philosophen geworden ist, kein Wunder, schließlich hat Aristoteles die Empirie in die Philosophie eingeführt.

Empirie ist natürlich ebenfalls ein griechisches Wort und heißt übersetzt soviel wie „Erbsen zählen“. Damit hat Aristoteles mehr oder weniger die Grundlage dessen geschaffen, worum es in jeder Art von Wissenschaft heutzutage geht. Aber da den Griechen irgendwann die Erbsen ausgegangen sind, hat man ab dem 17. Jahrhundert ungefähr begonnen, alles zu zählen, was es irgendwo gibt. Bohnen, Sengurken, Zuseherzahlen, Oberweiten, Manschettenknöpfe, Käselöcher und so weiter. So war das. Aristoteles ist also in gewisser Weise der Almöhi aller Rankings.

Was kann uns Aristoteles heute noch mit auf den Weg geben?
Erbsen. Dutzende davon. 1000de vermutlich sogar. Mindestens aber Unmengen. Erbsen sind ja gesund, sagt man, weil nämlich wegen dem Vitamin B. Das hält wach, verbrennt Fett, beruhigt die Nerven zugleich, und steckt überhaupt in nahezu jedem Vitaminpräparat, das uns irgendwelche dubiosen Onlineversandhäuser als neueste, heiße Promidiät verchecken wollen. Da sieht man mal wieder, wohin uns diese ganze Wissenschaft geführt hat. In den Beschiss! Was uns Aristoteles also hinterlassen hat (neben diesem Riesenhaufen Erbsen) ist die Erkenntnis der Widersprüchlichkeit allen Seins. Du kannst so viele Erbsen zählen wie Du willst, am Ende haut man dich doch übers Ohr.

Nächste Woche geht’s dann ab zu den Römern. Und von Rom aus dann via die Via Appia quer durch Italien, immer höher, bis wir am Chiemersee kurz bei der Villa von George Clooney Rast machen. Einfach so? Einfach so.

d. g. phil., teil 4

Posted by curtcuisine on Februar 21st, 2010

philosophie 4 diogenesDie großen Kata … nein, egal, … sophen, jedenfalls. Teil 4: Diogenes

Diogenes, das ist der Typ in der Regentonne, der nasebohrend und furzend in den Suburbs von Athen-City herumlungerte und Zeus einen lieben Herrgott sein ließ. Die Legende berichtet, dass eines Tages der große Alexander des Weges kam (nicht Peter, sondern der berühmte Eroberer, also mehr so eine Mischung aus Obama und Madoff). Diogenes war damals als zungenfertiger Gossenprolet recht bekannt, und Alexander wollte zwischen seinen Feldzügen mal die Sehens- und Hörenswürdigkeiten von Athen begaffen. Also besuchte er den versoffenen Philosophen und fragte ihn, wie die Dinge so stehen. Diogenes blickt kurz auf, bläst einmal kurz über den Flaschenhals (die Melodie von „Griechischer Wein“ natürlich) und sagt dann: „Geh mir aus der Sonne!“

Starkes Stück, oder? Diogenes war also einer der ersten Rüpel unter den Philosophen, nebenbei ein Schüler von Sokrates, natürlich einer der vorlauten und ungemütlichen. Sokrates hat ihn trotzdem gemocht (klar, mit dem konnte er stundenlang diskutieren), Platon hingegen hat ihn gehasst. Auch klar, oder? Denn wäre er mit Diogenes zu Dionysos, dem Tyrannen, gefahren, wären die beiden nicht mit heiler Haut zurückgekommen. Für Diogenes war im Zweifelsfalle alles ziemlich lächerlich, insbesondere jeder Anspruch auf erhabene Gedanken, darum war (öffentlich) Scheißen und Pissen für ihn durchaus gleichwertig mit dem Formulieren eleganter Gedanken. Der ließ da nicht viel gelten …

Was kann uns Diogenes heute noch mit auf den Weg geben?
Dass es erstaunlich ist, dass sich der Traum vom idyllischen Leben in der Regentonne bis heute bei so manchen Althippies gehalten hat. Und dass es schon ganz cool ist, rotzfrech zu sein, dass man davon aber auch nicht mehr als eine Anekdote in den Geschichtsbüchern hat. Das dicke Konto auf der Bank gehört weiterhin denen, die die Köpfe rollen lassen wie sie kommen. Das ist doch eine durchaus wichtige Lehre (die übrigens dann auch ein gewisser Hans Hölzl in einem Lied namens „Nie mehr Schule“ vertont hat: „Du hast die Wahl, willst du Segen oder Qual, verärgere deine Lehrer nicht.“) Ergo: Frechheit oder Erfolg. Beides geht nicht. Und weil das eine universelle Konstante ist, gibt es Peergroups. Die Erfolgreichen scharren permanent Typen um sich, die ihnen versichern, wie cool und itchy sie sind (gilt insbesondere für Rockstars und Hiphopper). Die Rotzfrechen hingegen hängen in diversen Regentonnenklubs herum und erklären einander, dass Reichtum nicht alles ist in der Welt. Und so bleibt denn auch alles stets wie es ist. cuisine

 Nächste Woche klappern wir auch noch Aristoteles ab, aber dann lassen wir es mit den Griechen gut sein. Ich kann die Melodie von „Griechischer Wein“ echt schon nicht mehr hören.

 
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