Posts Tagged ‘Satire’

In rein beleidigender Absicht!

Posted by on Mai 6th, 2012

Das Reicheisen-Hochhaus am Wiener Schöpfwerk. Fidel Kostrad thront an seinem aufgeräumten Schreibtisch, an der Wand glänzt ein Politikergeweih neben einem wurmstichigen Holzkruzifix. Aus den Augen hinter der dunklen Hornbrille blitzt der Kalk. Am Vorabend erst habe er eine kapitale Maus geschossen, erzählt der herzlose Freizeittiermörder. „Das niedere Getier rundherum war schon sehr unruhig. Die Hasen und Fasane sind plötzlich wieder rein in den Raps und in die Erbsen. Die Maus war die Erklärung. Sie hat’s nicht überlebt.“ Breites Siegerlächeln. Dann seien die Hasen gekommen und hätten sich vor seinem Hochstand verbeugt, die kleinen Schnäuzchen tief im Dreck. Das habe Kostrad gefallen.

Hydra: Welcher arme Politiker hängt da hinter Ihnen?
Fidel Kostrad: Das war ein neoliberaler Steirer, der drei Jahre lang nicht nach meiner Pfeife tanzen wollte. Ende September habe ich ihn endlich erwischt. Der Sauschädel, der vorher an der Wand hing, ist heruntergestürzt.

Hydra: Wie ist das passiert?
Fidel Kostrad: Da ist ein neugieriger Fotograf trotz mehrfacher Warnungen meinerseits so lange um den Schädel herumgestrichen, bis es Rumpold gemacht hat. Der Kopf ist runter gefallen und aufgebrochen. Da waren lauter Geldscheine drinnen, die sind mir vorher gar nicht aufgefallen. Habe sie alle wegräumen lassen müssen.

Hydra: War das ein Kollege aus Ihrem Medienimperium?
Fidel Kostrad: Ich habe kein Imperium.

Hydra: Dazu kommen wir noch… Herr Kostrad, Sie beenden nach 22 Jahren Ihre Ära. Das stinkt doch zum Himmel?
Fidel Kostrad: Nein, es gibt keinen Himmel!

Hydra: Finanzkrise, faule Kredite?
Fidel Kostrad: Ganz im Gegenteil. Wir haben in den letzten 20 Jahren nur Geld gescheffelt und die Zügel der Macht so souverän in Händen gehalten, dass es schon langweilig wurde.

Hydra: Warum gehen Sie dann zwei Jahre früher als geplant?
Fidel Kostrad: Weil ich mir den Wecker falsch gestellt habe … nein, im Ernst, ich habe das Sudern meiner Nachfolger nicht mehr ausgehalten.

Hydra: Sie sind mit Reicheisen groß geworden, haben Sie diese „Firma“ deswegen nie verlassen – oder weil man sich eher in die Kehle stechen lassen würde, als einen Führungsposten bei einer Bank aufzugeben?
Fidel Kostrad: Reicheisen ist viel mehr als ein Unternehmen, es ist eine Idee, eine Haltung.

Hydra: Und die wäre?
Fidel Kostrad: Scheffeln, scheffeln, scheffeln. Und wenn das nicht mehr klappt, sich vom Staat die Boni pumpen!

Hydra: Sie sind in 15 Unternehmen Aufsichtsrat, in weiteren fünf Mitglied des Aufsichtsrats, Sie sind Geschäftsführer, Vorstand, Obmann …
Fidel Kostrad: Ja, das stimmt.

Hydra: Ähm …
Fidel Kostrad [Blickt finster]: Grrrr …

Hydra: Und dann gibt es da noch ihr weitverzweigtes Mediennetz –  Der Österreichische Kirchenkurier, Profit, Hype …
Fidel Kostrad: Bitte, das ist historisch entstanden. Ich habe eben ein Unternehmen nach dem anderen aufgekauft, irgendwann bin ich zwangsläufig in die Mehrheitsposition gekommen … na, und wo ich dann schon so mächtig war, hätte ich mir in die eigene Suppe spucken sollen?

Hydra: Welche Ihrer vielen Posten behalten Sie sich für die sogenannte Pension?
Fidel Kostrad: Ich gehe nicht in Pension. Ich pfeife lediglich auf die Reicheisen und werde weiterhin in einem Dutzend Vorständen sitzen. Nicht schlecht, oder? Insbesondere, dass darüber alle österreichische Medien so berichten, als würde ein Kaiser abdanken. Ich denke, das habe ich mir auch verdient.

Hydra: Was verbindet sie mit dem Landesfürsten Erwin Brüll?
Fidel Kostrad: Wir ziehen gemeinsam Fäden. Seit 45 Jahren. Außerdem knallt er genauso gern wie ich Tiere ab. Besonders die kleinen, herzigen Viecherln. Aber schreiben’s das nicht, da könnt’ sich wer vom Fußvolk aufregen.

Hydra: War da nicht etwas mit dem Sohn von ihrem Tierkillergenossen?
Fidel Kostrad: Ja, der Joschi. Der hat gar keine Lust mehr gehabt, weil er nicht viel zum mitreden gehabt hat, so zwischen Papa und Onkel. Na ja, wir alten Herren haben da halt das Problem, dass es zunehmend schwieriger wird, gute Leute für die Politik zu motivieren. Vielleicht sollten wir das Jungvieh auch ein bisserl mitreden lassen.

Hydra: Auch weil Jagden und Festspieleinladungen verpönt sind?
Fidel Kostrad: Da haben die Medien wieder maßlos überzogen. Wahr ist nur, was in meinen Medien steht. Die berichten wirklich unabhängig, besonders wenn es um meine Person – und alle meine Proteges– geht.

Hydra: Wird es mit der Weltwirtschaft irgendwann wieder aufwärts gehen – ich meine, solange alte Knacker wie sie alles Geld an sich reißen?
Fidel Kostrad: Also Geld ist auf der Welt ja vorhanden, jede Menge. Es wird ja ständig neues generiert. Denken Sie nur an die Rohstoffförderung. Die Frage ist, wer es wem gibt. Also ich würde alles neue Geld nur Leuten wir mir geben. Ich habe ja bewiesen, dass ich die Sachen zusammen halten kann. Wer hat das denn sonst noch in Österreich, hm?

Hydra: Haben Sie leicht autoritäre Züge?
Fidel Kostrad: Ich bin eine Autorität, nicht autoritär. Ich habe immer getan und gemacht, was mir passt. Und daraus auch keinen Hehl gemacht. Und wenn ich damit viele beleidigt habe, war das Absicht. Und warum war das Absicht? Weil es mir am Arsch vorbei geht, weil es mich nicht kratzt. Mir kann man …

Hydra: Können Sie selbst auch Kritik einstecken?
Fidel Kostrad: Nächste Frage. Aber in meinen Medien wären sie längst rausflogen!

Hydra: Abschließend eine philosophische Frage. Glauben sie an den Himmel!
Fidel Kostrad: Nein, nein und nochmals nein. Im Himmel gibt es keine Banken, Aufsichtsräte, Vorstände. Das muss die Hölle sein! Das darf und kann es nicht geben. Mein Himmel ist hier. Sehen Sie, mein Vater hat mir einmal gesagt: „Bua, merke dir: Mit einer Milliarde einkaufen gehen kann jeder, aber mit eine Handvoll Mille, das ist schon schwieriger.“ Und so werde ich es auch in Zukunft halten.

Das Gespräch endet mit einem breiten, selbstgefälligen Siegergrinsen eines sichtlich zufriedenen Fidel Kostrad. Ein ähnliches Interview mit einem ganz anderen Herren findet sich hier.

Hitler’s Tagebücher nochmals entdeckt!

Posted by on April 20th, 2012

 2. Juni, 1941

Toller Tag! War Katzen-Schießen mit Göring. Ich mag ihn nicht. Ich gab ihm die Stelle bloß, weil er so lustig grunzt beim Essen. Da hab ich ihn gern dabei! Nach dem Katzen-Schießen lud ich ihn zum Spaß noch zum Diner ein. Es gab Boeff Stroganoff für uns und Schmalzbrot mit Mist für Rommel, das wir ihm als „une petite surprise avec beaucoup de Mist“ vorsetzten. Er hatte seit Geburt an keinen Geschmackssinn, was sehr zu unserer Belustigung beiträgt. Wir saßen in der Runde, Goebbels, Göring, Himmler und der ganze Verein halt und sahen dem Trottel zu, wie er ein halbes Kilo Mist in sich hineinschaufelte.

Grunzend bestellte er die Nachspeise: „Bringen Sie mir doch bitte noch etwas von dem Schweineschnauzen-Eintopf mit Fleischallerlei!“ (Ich will gar nicht ansatzweise erwähnen was wirklich hinter dem sogenannten „Schweineschnauzen-Eintopf“ steckt. Disgusting! – würde der verhasste Engländer sagen. Und damit hätte er verdammt Recht!) Und er fügte in einem Sing-Sang hinzu: „Und geizen Sie nicht mit den Pferdehoden, gnädige Frau!“ und an mich gewandt: „Einen vorzüglichen Hintern hat das Weib, nicht wahr!“

Ich konnt’s nicht glauben. „Das ist meine Frau, Sie hirnverbranntes Mistvieh!“ schrie ich ihn an. Mit Göring bin ich per Sie. Die einzigen zwei Menschen, die mich duzen dürfen sind Eva Braun und Goebbels. Eva, weil Sie mein Weib ist und Goebbels, weil er zu blöd ist. Tagebuch, du weißt wie schwer es ist, einem Kind das Siezen beizubringen. Dreimal schwerer ist es bei Goebbels. Mein Tagebuch, es deucht mir, ich bin von Schwachsinnigen umgeben.

„Entschuldigen Sie, mein Obernazi. Das konnte ich nicht ahnen.“ Er mampfte zur Ablenkung in sich hinein wie eine krasse Mistsau beim letzten Abendmahl.

„Ich halt’s nicht aus, der grunzt wie ein Schwein“ sagte ich laut und die Runde brüllte vor lachen. Görings Gesicht lief Rot an und er fraß noch schneller in sich hinein. Das macht er immer, wenn er sich schämt. In dem Moment war ich glücklich, dass ich ihn hatte. Gibt’s nicht! Grunzt wie ’ne Mistsau, der Göring.

3. September, 1942

Heute war ich im Theater. Öde Vorstellung, das Stück hieß „Drei Nazis in Südafrika“.  Die übliche Nazi-Hau-Drauf-Action halt. Um was es ging, na ja, blöde Frage, drei Nazis mischten wieder mal die Neger auf. Seit ich die absolute Gleichschaltung aller Medien und Unterhaltung befohlen habe, ist das Programm relativ eintönig. „Zwei Nazis außer Rand und Band“, „Vier Fäuste für ein Heil Hitler“, „Zwei Himmler-Hunde auf dem Weg zur Hölle“ und so Zeugs halt.

Vor meiner Zeit als Obernazi (wie mich nur meine engsten Freunde nennen, nicht Führer wie das gemeine Volk) war ich ja bekanntlich Kabarettist. Mein Programm bestand aus heiteren Tanzeinlagen und Hetzparolen gegen die Kommunisten. Mein Manager sagte mir immer, ich solle mich auf die Hetzparolen beschränken, da ich beim Tanzen wie ein „vertrottelter Dummarsch aussehe“. Das tat ich dann auch.

Meine Spezialität war es aber, das Publikum zu beschimpfen. Mein Eröffnungssatz war immer: „Guten Abend, ihr angepissten Saufnasen, willkommen bei meinem Programm politischen Spasses und produktiven Frohlockens zum Zwecke allgemeiner Leistungssteigerung, Sauerkraut, strunz und die strunz, schrmmpf schst drumm, rotzdidotz, abereidschibummbeidschibummbumm. Bei diesem Zeitpunkt flogen meist die ersten Stühle – oder Kleinkinder, was das Deutsche Volk halt so zur Hand hatte. Ich beschränkte mich also darauf, nur einzelne Personen oder Minderheiten zu beschimpfen: Dicke, Frauen, dicke Frauen oder Juden halt. Kam drauf an, wer so in der ersten Reihe saß. Da hatte ich so einige Brüller. Zum Beispiel brüllte ich einmal: „Du dicke Juden-Frau! Hast wohl zu viel  Shalomi gegessen, was.“

„Verpiss dich, du Karnickel!“ Schrie sie zurück und warf mir ihren Erstgeborenen an die Stirn. Zackprack, das haute mich von den Socken. In dem Moment wusste ich, ich würde einmal ein großer Redner werden.

 [Hitlers Tagebücher, Teil 2, wurden uns zugeschanzt von Michael Bichler, 1000jährigen Dank dafür.
Die Fotostrecke "Der alte Mann und das Meer" stammt aus dem längst eingestellten Satiremagazin "Pardon" ... denn welcher Tag ist heute?]

Frühlingsburnout!

Posted by on März 28th, 2012

Burnout ist wieder da. Kein Wunder, nach einem derart beschissenen Winter und der alljährlich deprimierenden Umstellung auf die Sommerzeit. Aber Burnout ist in der Tat eine Volkskrankheit. Schätzungen zufolge ist fast ein Viertel der Erwerbstätigen in Österreich und Deutschland chronisch völlig am Ende, ausgelaugt, planiert, fix und fertig. Manche sägen sich gar ein Bein ab oder melden sich zur Polizei und verprügeln Ausländer, nur damit sie aus der „Arbeitshölle“ entkommen können. Völlig neu ist aber, dass Burnout nicht nur Menschen betrifft.

Auch Häuser leiden neuerdings unter Burnout. So deckte das deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ auf, dass gerade Einfamilienhäuser mit Holzverkleidungen oder Villen mit Intarsienarbeiten unter einer ganz fatalen Form des Burnouts leiden. Eines ist jedoch anders bei dieser brandgefährlichen Immobilienauszehrung. Beim Menschen entscheidet die berufliche Position bzw. die Rangordnung: Je höher das Arbeitstempo, je weniger Kontrollmöglichkeiten, je unsicherer der Arbeitsplatz, um so eher droht der Motivationskollaps. Bei Häusern hingegen ist es umgekehrt. „Je billiger die Einrichtung, desto unbrennbarer“, so Hausbrennexperte Jens Flame im „Spiegel“. Und fügt feixend hinzu: „Je schöner die Villa, desto lichterloher brennt sie auch.“

Aber nicht nur Häuser, auch Kraftfahrzeuge sind immer öfter von Burnout betroffen. „Kommt der Frühling, setzten sich auch immer mehr Sonntagsfahrer – und besonders Sonntagsfahrerinnen – ans Steuer“, so ein anonymer Verkehrsexperte in deutschen „Focus“. Autos seien jedoch aufgrund der immer komplizierter werdenden Elektronik zu empfindsamen Wesen gediehen (Stichwort „Künstliche Intelligenz“).

Unsensible Schaltfehler, äffisches Hupverhalten oder subwooferverstärkte Musikabscheulichkeiten deprimieren Kraftfahrzeuge mit sensibler Elektronik zunehmends. Immer öfters kommt es zu spontanen Selbstverbrennungen, in Deutschland besonders bei Golf GTI-Lenkern (mit Blondinen auf dem Beifahrersitz) oder Golf GTI-Lenkerinnen (mit hirnamputierten Beifahrern, sog. „Neonazis“). In Österreich betrifft dies überwiegend die Automarke Skoda, insbesondere die sog. „preisgünstigen“ Modelle.

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Die bitterste Burnout-Variante hat jedoch das deutsche Sensationsmagazin „Stern“ ausgegraben. Das berüchtigte „Dog-out“ gilt als Haustierzivilisationskrankheit. Hunde, die von ihren Besitzern nicht mehr so verhätschelt werden wie ehedem, verkraften dies häufig nicht mehr und machen erst noch eine Zeitlang nervigen Beziehungsstress („Was, schon wieder zweitklassiges Chappi?“, „Heute echt nur eine Viertelstunde Gassi?“, “Du kraulst mich aber nicht mehr so wie früher!“), bevor sie sich schließlich als Suchhunde bei der Freiwilligen Feuerwehr melden. Offiziell behaupten die meisten Hunde zwar, sie würden dies tun, um ein wenig Anerkennung zu ernten, doch in Wahrheit geht es den meisten unter Dog-out leidenden Hunden nur darum, sich so schnell wie möglich in die nächste Feuersbrunst zu werfen.

Die heimischen Tierschutzorganisationen arbeiten bereits an einem psychotherapeutischen Notfallspaket für betroffene Hunde. Tierpsychologe Helmuth Wart rät einstweilen zur Vorsicht und empfiehlt Hundebesitzern, sich anstelle eines Viecherls eine Briefmarkensammlung zuzulegen.  ++Hydra++Schluss++

Grinebitter 2012

Posted by on März 1st, 2012

Wie jedes Jahr strömten auch heuer wieder hunderte Teilnehmer aus ganz Europa – und immer öfter auch aus Amerika, Kanada und sogar aus Asien – in das kleine 500-Seelendorf Angwalk im Norden Norwegens, um hier den begehrten Titel des „Grinebitter“, des Miesepeters, Grantscherbens, Stinkestiefels, kurz: des schlecht gelauntesten Menschen der Welt zu erheischen.

Angwalk ist ein verschlafenes Dörfchen tief in einem norwegischen Hinterfjördwald. 2001 brach hier zwischen zwei Nachbarn, Mats Alert Gustavsson und Are Fjubackson ein morgenmuffeliger Streit aus. Die Sache eskalierte schnell, jeder warf den anderen an den Kopf, er sei der grantigere und unerträglichere. Der ursprünglich negativ konnotierte Begriff des „Grinebitter“ schlug allerdings ins Positive um, als ein Dritter herbei kam, der Bürgermeister Per Ale Langbleddern. Langbleddern schlug vor, die Dorfgemeinschaft entscheiden zu lassen, wer denn nun tatsächlich der ungenießbarste Zeitgenosse sei. Doch als sich ein gewitztes Angwalker Gremium auf eine Handvoll Spielregeln einigte, um dieses Attribut zuverlässig zu ermitteln, meldeten sich plötzlich Menschen aus den Nachbardörfern. Es sei nicht einzusehen, so der entrüstete Tenor, warum sich nur Gustavsson und Fjubackson als die grantigsten Menschen des Landes erweisen sollten.

Seither wurde der „Grinebitter“ zur nicht nur in Norwegen begehrten Trophäe – was nicht zuletzt den eigenwilligen und publikumswirksamen Wettbewerben zur Erlangung derselben geschuldet ist. Etwa muss jeder Teilnehmer vor Jury und Publikum eine Stunde lang ununterbrochen Argumente aufzählen, warum „einfach alles Scheiße“ ist. Nicht die virtuoseste „Wordrap“-Performance zählt hier jedoch, sondern der glaubhaft gemachte Weltekel.

Ein weiterer Wettbewerb besteht darin, an einem mit Köstlichkeiten reich gedeckten Tisch Platz zu nehmen. Unabhängig aller Gaumenfreuden muss jedoch jede einzelne Speise, jedes Stück Gebäck, das Besteck, die Servietten, jedes noch so nebensächliche Details dieses Mahls in Grund und Boden genörgelt werden. Jean-Francois Cactus, dem Preisträger aus dem Jahr 2007, gelang es sogar, die erlesenen Gerichte angewidert hoch zu würgen.

Als eine der härtesten Prüfungen gilt die „Nachtgrantwache“. Der Schlaf der Teilnehmerinnen wird mittels Videoaufzeichnungen überwacht, wobei durch Geräusche und Irritationen für einen äußerst unruhigen Schlag gesorgt wird. Wahre Semifinalisten nörgeln nämlich noch murmelnd im Schlaf. Um jeglichen Betrug durch bloße Schaustellerei auszuschließen, wird dieser Wettbewerb drei Nächte hindurch ausgeführt. Nur die Performance am Ende dieser 72 Stunden zählt!

Ebenfalls eine absolute Hardcore-Prüfung ist der Freundschaftstest. Wer wirklich ein Meister des Grantelns sein will, der nimmt auf Freunde (und ehemalige Freundschaften) keine Rücksicht. Erbarmungslos wird kritisiert, destruktiv herumgemeckert und im Idealfall möglichst öffentlich angeschwärzt, was durch ein kurzes, direktes Wort unter Freunden problemlos aus der Welt geschafft werden hätte können. Ein „Grinebitter“ von Schrot und Korn pfeift seine Freunde wegen der lächerlichsten Nichtigkeit an und besteht bei Hausbesuchen auf der Rückerstattung des verbrauchten Klopapiers.

Besonders heimtückisch ist auch der Geschenke-Contest. Da seit 2005 reichlich Sponsoren (und die wie Mastgänse ausgenommene Besucherinnen) den Wettbewerb und Angwalk selbst praktisch vergolden, leistet man sich einen Wettbewerb, bei dem den Teilnehmerinnen mehrere Geschenke angeboten werden. Der Clou daran: Eines dieser Geschenke ist real (etwa diverse Aktien, ein Kleinwagen, eine Mittelmeerkreuzfahrt) und würde dem Teilnehmer tatsächlich gehören – wenn er es denn annehmen würde. Aber natürlich ist der Wettbewerb damit verloren. Ein echter „Grinebitter“ nimmt natürlich keine Geschenke an, sondern spuckt noch auf die Hand, die ihm Gutes will.

Zum heurigen Bewerb, der Mitte Februar in Angwalk über die Bühne ging, reisten erneut mehr als 250 Teilnehmerinnen an. Allerdings kamen nur etwa zwei Drittel an, der Rest wurde unter anderem von Mitreisenden aus dem fahrenden Zug geworfen oder blieb schmollend an stillgelegten Tankstellen hängen. Den Titel des „Grinebitter 2012“ errang der Kanadier Arty Short, der seine Teilnahme zwischen zwei Selbstmordversuchen gerade noch mal so einrichten konnte. Grantigste Frau wurde die Duisburgerin Heike Möller, die als Verschickerin von mehr als 230.000 Beschwerdemails an diverse Versandhauskataloge zuvor bereits internetweite Berühmtheit erlangt hatte.

Bester Österreicher wurde Michael Muckeneder auf Platz 16. Er ist Beamter und ehemaliges BZÖ-Mitglied. Mit Eduard Frotteur reiste auch ein passionierter Nörgler mit einer gewissen Hydra-Affinität nach Angwalk (er stritt allerdings schon vor der Abreise jede Beziehung oder sonstige Verstrickung mit diesem „Drecksprojekt“ ab). Frotteur belegte den guten 34. Rang, wurde jedoch, nachdem er diesen zugeteilten Rang und den gesamten Wettbewerb (inkl. der Berichterstattung darüber) für „unwitzigen, hirnlosen Dreck“ bezeichnete, umgehend für das kommende Jahr erneut eingeladen.

Für Hydra berichtete Konrad Gregor jr.

Sherlock Bones & Co.

Posted by on Februar 14th, 2012

Sherlock Bones
Özzü und Ugahak leben zusammen mit 50 anderen Neandertalern in einer schnuckeligen Steinzeithölle. Tagsüber gehen die Männer auf die Mammutjagd, während sich die Frauen um den keulenschwingenden Nachwuchs kümmern. Nachts werden die gefügigen Weiber auf dem felligen Lager besprungen. Alles scheint seinen gewohnten Gang zu gehen. Doch eines Tages finden Özzü und Ugahak die vollbusige Uffuffi erschlagen am Höhleneingang liegen. Wer hat Uffuffi wohl erschlagen? Dumpfe Ratlosigkeit und wildes Gebrülle in der Höhle. Die Männer trommeln grunzend vor Zorn mit den Fäusten auf ihre behaarten Brustkörbe. Doch dann beginnt Ugahak mit detektivischem Gespür erste Indizien zusammenzutragen. Aus einem Säbelzahnknochen bastelt er sich eine Pfeife und aus einer Widderblase eine Lupe. Von nun an entgeht nichts mehr seinem investigativen Scharfsinn. Nach einer wahren Begebenheit.

 Sherlock Bones
Robert Jr. Trisome
A6, 2.359 Seiten
24,80 Euro, Verlag die Keule

CSI Kathargo
Wir schreiben das Jahr 203 vor Christus. Attila und Eumenes arbeiten beim bithynischen Morddezernat in Kathargo. Attila ist ein zerknautschter, gemütlicher Mittvierziger, der auch in seiner Freizeit gerne Sandalen trägt und seine Frau nur sonntags schlägt. Eumenes hingegen ist ein Jungspund von der römischen Reichsakademie, der seinen neuen Kollegen immer wieder mit innovativen Ermittlungsmethoden aus der Reserve lockt. Eines Tages entdecken sie die Spur eines Serienkillers, die sich quer durch Europa zieht. Bis in die Alpen hinein entdecken die beiden Ermittler die Leichen von athletischen jungen Männern. Nichts scheint diese Morde miteinander zu verbinden mit Ausnahme eines Details: Warum finden sich stets Elefantenfußstapfen in der Nähe des Tatorts? CSI Kathargo – ein kniffliger Krimi in innovativem Setting.

CSI Kathargo
Hannibal A. Portas
A5, 666 Seiten
14,80 Euro, Rüsselbooks

Verschlampung
Sasha Grey, Ginger Jolie und Arianna sind drei entzückende Pornostarlets und allerbeste Freundinnen. Eines Tages kommen sie beim Einkauf von sexy Dessous einem internationalen Waffenschieberdrogenorganhandeltierquälerkartell auf die Spur. Ab sofort nutzen sie jede frei Minute zwischen den atemberaubend aufreibenden Pornodreharbeiten für Ermittlungsarbeiten in diversen einschlägigen Milieus. Mit viel Herz, überraschend logischem Denken und reichlich kurvigem Elan gelingt es ihnen die Bösewichte aufzustöbern und sie nach einer dreistündigen Gangbangbestrafung den Behörden zu übergeben. Mit vielen bunten Farbfotos.

Verschlampung
David D. Dassél
A2, 66 Seiten
24,80 Euro, Edition Hardcore

Mehr Buchtipps für Hardcore-Krimifans dann wieder in der Herbstsaison.

Filmtipp der Woche

Posted by on Februar 9th, 2012

Ins Kino gehen ist wieder in, denn nirgendwo fühlen sich gute Mütter und brave Hausfrauen wohler als im Kino. “Cineplexx statt Sex” ist darum der Leitspruch vieler Frauen, und nicht wenige Männer gehorchen ihren Frauen auf’s Wort. Was für ein Glück, dass es eine Reihe hervorragender Filme gibt, die in jüngster Zeit ins Kino gekommen sind, und die einen Kinobesuch so richtig schmackhaft machen.

Da ist zunächst “Arier Süß” mit dem jungen Hollywood-Talent H. C. Strache in der Titelrolle als von aller Welt verfolgter Arier. Zum Inhalt: Der junge Arier sieht sich selbst als Musikant, spielt aber grottenschlecht auf seiner Bassgeige, weswegen das Publikum bei seinen Zurufen oft genug den Bass durch einen Arsch ersetzt. Außerdem liebt der Musikant Arier Süßes, nicht Saures, wie bei diesem amerikanisch-haidnischen Halloween-Spektakel, wo man mit Vorliebe über ganz grausliche Dinge lacht und erkennt, dass viele schiache Sachen ja im Grunde gar nicht so schlimm waren. Regie führte Regieveteran Veit Harlan, der zuletzt mit seinem Film “Opfergang” von sich reden machte. “Opfergang” schildert die letzten Stunden eines FPÖ-Funktionärs vor einem Ballbesuch.

Ebenfalls brandneu in den Kinos ist der Film “True Lies” mit Arnold Stracheneger in der Titelrolle. In “True Lies” geht es um einen Agenten, der sich bei einem Einsatz dermaßen in die Hose gemacht hat, dass man die braune Spur immer noch riechen kann. Doch der Agent leugnet beharrlich alles Braune in seiner Hose ab. Bis er die Liebe seines Lebens kennen lernt, eine Schäferhündin namens Eva. Fortan lebt er mit ihr in einer metaphorischen Beziehung und muss keine Lügen mehr erzählen, nur noch Gleichnisse. Regie führte James Cameron, auch bekannt durch seine brachialen Terminatorfilmen, in denen Roboter alles kurz und klein schießen. Rein metaphorisch gesprochen natürlich.

Ein Melodram speziell für zarte Herzen ist der Film “Hetzer in the Dark”. In diesem utopischen Meisterwerk geht es um eine neofaschistische Drecksau, die aufgrund eines Unfalls das Augenlicht verliert. Da in dieser Utopie eine beherzte Zivilgesellschaft Realität ist, zeigt niemand dem blinden Neonazi den Weg. Also tappt der Protagonist des Films 97 Minuten lang durch die Dunkelheit. Am Ende taucht aus dem Nichts ein Bundespräsident auf und reißt alle Ehrenabzeichen an sich. Regisseur Lars von Trier dazu: “Die Handlung selbst ist ein Gleichnis auf die intellektuellen Leistungen der Ewiggestrigen. Mich eingeschlossen übrigens.”

“Fear and Loathing in Vienna” ist schließlich eher ein Film für experimentelle Naturen. Gezeigt wird der Werdegang eines einst hoffnungsfrohen jungen Studenten, der an falsche Freunde gerät, sich mit Drogen und Klebstoff (schnüffeln) das Gehirn wegbläst, bis man ihm ärztlich attestiert, dass seine Gehirnleistung auf 8,8 Prozent gesunken ist. In diesem Zustand gründet der Protagonist des Films eine freiheitliche Partei. Ein deprimierender Film, der oftmals für seinen grimmigen Realismus getadelt wurde. Regisseur Terry Giliam erhält darum auch praktisch keine Angebote mehr aus Hollywood. [schluss]

der buchhändler der herzen

Posted by on Januar 24th, 2012

Es begab sich vor vielen, vielen Jahren, als die Hydra-Redaktion noch knusprig anzusehen war und ihre Haare bis zur Stirn reichten. Da schrieben sie wie die Wilden (sog. Junge Wilde) und niemand wollte es kaufen. Es marterte sie gar grässlich und ihre Herzen wurden klein und hart wie die Lebern, die sie alle hatten (und manche noch haben (1)).

Man legte eine dicke Mappe mit Absageschreiben und Telefonprotokollen von Absagen an und stellte sie dem Ältesten ins Regal. Der war darob so erbost, dass er die anderen mit der Absagenmappe drosch, dass die Funken stoben und der Witz spritzte (sog. spritziger Humor(2)). „Geht hin, meine Schreibaffen! Geht hin und findet einen Mensch, der sich unserer erbarmt und unserer Werke!“ So zogen sie aus, ein jeder und eine jede nach seiner oder ihrer Facon.

Als dem Dicksten – er war der Dickste, weil er am häufigsten gedroschen wurde – besonders traurig zumute war und dicke Tränen seine Pausbacken hinabkullerten, kam ein Mann vorbei und frug: „He Dicker, warum so ein dickes Gesicht?“ und der Dicke schniefte und erzählte es ihm und schneuzte sich. Das rührte an der Kaufmannsseele des Wanderers und er sprach: „Na, das kömma schon machen!“ Und siehe, er erbot sich und seine Literakarawanserei. So kam es, dass der Fremde den Dicken von den Ketten des Schimpf und der Schande befreite und sie fürderhin inmitten von lesbaren Viktualien feilbot. Dank sei ihm und sein Name nie ausgelöscht im Firmenbuch der Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft.

Der Alte, hoch erfreut über die glückliche Kunde, sprach: „So sei es, Fremder! Du sollst den Namen Kettner tragen!“ und wer dich erinnere oder frägt, dem sage „Den Namen hat mir der Alte gegeben, weil ich mich um seinen Dicken kümmerte.“

Fußnoten: (1) Obacht, Doppeldeutigkeit! Hier lachen; (2) siehe 1

 

Die Kritik des Schimpfens (Hydra, Hg.) ist bei Walter Kettner

http://www.buecheramspitz.com/

BÜCHER AM SPITZ,
Am Spitz 1,
1210 Wien

erhältlich.

Außerdem übrigens u. a. bei den Komischen Künsten im MQ und in der Fachbuchhandlung des ÖGBs in der Rathausstraße 21.

http://www.komischekuenste.com/
http://www.oegbverlag.at/servlet/ContentServer?pagename=V01/Page/Index&n=V01_4.3
Autor: Max Zirkowitsch

 
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