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Schimpfen zwischen Katharsis und Regress

Posted by on November 28th, 2011

Das kann nicht angehen, das ist schlichtweg unfassbar! Da mühen sich meine KollegInnen mit ihrem epochalen Werk zur Malediktologie ab, um in letzter Konsequenz das wichtigste Thema, der grundlegendste Fragestellung einfach zu vergessen. Aber streng genommen ist es natürlich streng unwissenschaftlich von mir, mich in dieser Causa zu Wort zu melden, bin ich doch nach einem furiosen Wortgefecht mit dieser unsäglichen Wogl-Watritsch jäh verstorben (nachzulesen auf Seite 132 in der „Kritik des Schimpfens“, die dementsprechend ohne Heinz Novak abgeschlossen werden musste, Anm. d. Hrsg.), aber ich kann meine KollegInnen nun mal nicht so mir nichts dir nichts ins Bockshorn laufen lassen.

Die entscheidende Fragestellung, das große Dilemma, die epochale Kluft der Malediktologie entspinnt sich zwischen den Polen Katharsis und Regress. Auf der einen Seite ist es wissenschaftlich erwiesen, dass Schimpfen eine Katharsis zeitigt. Wer schimpft, betreibt Spannungsabbau. Innerlich aufgestaute Aggressionen werden abgeführt, ja, verdampfen auf verbalem Wege. Nicht nur für grobianische Naturen, sondern für jede Art von erregbarem Charakter gilt dies. Was im Übrigen die Frage aufwirft, wie denn dies physiologisch gehen soll?!

Man nehme etwa folgendes Fallbeispiel: Nach einem harten Tag im Büro (gedacht als Krönung eines seit Jahrzehnten währenden, unerträglichen Büroalltags) wird man beim Betreten der wohnhäuslichen Müllkammer von einer offensichtlich gehirnamputierten Hausbesorgerin angepöbelt. Der chronische Stress, der sich in psychosomatischen Dauerbeschwerden bis hin zur Gehirnfäule, Hinkebeinen oder krummen Buckeln äußert, soll dann durch ein elegantes „Dreckige Hausbesorgerfotze“ oder ein schlichtes „Putztrampel“ bereits kuriert sein? Natürlich nicht. Aber hätte man in den unzählbaren Jahren bis hin zur skoliotischen Wirbelverkrümmung und den chronischen Magengeschwüren öfter mal einen Fluch, einen Schimpf oder eine rücksichtlose Pauschalverunglimpfung riskiert, wäre es womöglich nicht ganz so schlimm gekommen.

Wissenschaftlich erwiesen ist: Wer sich oft und viel ärgert, wird früher krank als etwa ein Holzfäller in Kanada. Und noch kränker wird, wer seinen Ärger stumm in sich hineinstopft, anstatt ihn unflätig über die Flure wehen zu lassen. Das gesundheitsförderliche Potential des Schimpfens steht also außer Frage, doch warum gilt das Beleidigen als Wortflatulenz, als unflätige Unsitte, als „bad manner“? Warum wird Schimpfen verpönt und geächtet – bis hin zur zivilrechtlichen Klage?

Schließlich leben wir in Zeiten, wo nebst der Schönheit vor allem die Gesundheit als Lifestylegötze angebetet wird. Da sollte man doch erwarten dürfen, dass wirkungsvolle Schimpfwörter in jeder nächstgelegenen Apotheke ganz oben auf der Verkaufstheke liegen und man jeden Menschen, der einem nicht mit einem herzhaftem „Arschloch, dreckiges!“ begrüßt, aus gutem Grunde meiden sollte. Muss doch als erwiesen gelten, dass jene einen ungesunden Lebensstil pflegen!

Das große Missverständnis besteht darin, dass Zivilisation als Prozess der Disziplinierung und Selbstdisziplinierung betrachtet wird, als Sublimationskette von Bedürfnissen und Ausdrucksformen. Gesittet ist, wer die Arschbacken zusammen klemmt, auf das kein Tönchen entweichen möge, wer die persönliche, ungeschönte Meinung verschluckt und den Finger beim geräuschlosen Teetassentrinken wegspreizt. In etwa dieser Reihenfolge.

Es ist nicht einfach, die Ursachen dafür zu benennen. Die Soziologie bietet uns hier bloß niederschmetternde Erklärungen. Eine eindeutige Bejahung dieser Sichtweise finden wir in „Über den Prozess der Zivilisation“ von Norbert Elias, gleich hinter dem Aufsatz über das Serviettenfalten als Ausdruck höfischer Leitkultur. Wir können aber ebenso Niklas Luhmann befragen. Um von ihm zu erfahren, dass soziale Systeme den einzigen Sinn haben, sich auszudifferenzieren, um damit Umweltkomplexität zu adaptieren bzw. kompensieren. Je komplexer unser Lebensumfeld, desto mehr Techniken entwickeln wir, um einen Furz oder eine Beleidigung zu unterdrücken. Ergo nehmen wir nach Luhmann Magengeschwüre in Kauf, um mit unserem sozialen Umfeld in Gleichgewicht zu bleiben. Ja, geht es noch deprimierender?

Weitaus erhellender ist hier die Sichtweise von Pierre Bourdieu. Soziale Distinktionsmerkmale, die „feinen Unterschiede“ also, sind in erster Linie dazu da, damit sich Bevölkerungssegmente voneinander abgrenzen können. Eben die Schimpfer von den Nicht-Schimpfern, die Furzer von den Furzunterdrückern, die Nasenbohrer von den Fingerabspreitzern. Die Unterdrückung des ureigensten Bedürfnisses zu schimpfen ist also gewissermaßen der Eintrittszettel in die höheren Kreise der Gesellschaft, wo das unausweichlich Unflätige dann nur hinter verschlossenen Türen geschieht. Dort also , wo sich die Macht ihrer selbst gewiss ist. Bzw. zumindest dort, wo die Macht genau weiß, dass sie die Ehrenbeleidigungsklage auf jeden Fall gewinnt, weil sie sich die besseren Anwälte leisten kann.

Aber Schimpfunterdrückung ist nicht automatisch bereits Sublimation und damit gehobener Zivilisationsstatus, nein, dies geschieht erst mittels der sozialen Ächtung des Schimpfens durch eine „schimpffreie“ Oberschicht. Das ist das Instrumentarium, mit der sich die Elite vom steuerschuldenzahlenden Bodensatz abzugrenzen versucht. Nach dem Motto: Zeig mir wie du schimpfst, und ich sag’ dir deine  Gehaltskategorie.

Darum gilt: Schimpfen an sich ist eine Universalkonstante, gewissermaßen das Überdruckventil im Kochtopf Menschheit, um die Worte meines Klug zu verwenden (vgl. S. 101 in der „Kritik des Schimpfens“, Anm. d. Hrsg.). Die soziale Ächtung des Schimpfens hingegen ist Ausdruck der Abgrenzungs- und Unterdrückungsmechanismen zwischen sozialen Lagen, namentlich von „Oben“ nach „Unten“. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verkehrt, im Schimpfen auch einen revolutionären Gestus zu vermuten (der uns hier aber nicht beschäftigt, wesentliche Anregungen dazu liefern uns allerdings die Kollegen Gaspar, S. 57ff, bzw. Ramm, S. 127ff., in der „Kritik des Schimpfens“).

Ich meine also: In diese Richtung muss die Malediktologie forschen, will sie der Welt auch in Zukunft noch etwas Bedeutsames mitteilen. Diesen Hinweis möchte ich meinen Kollegen aus der tiefen, finsteren Gruft, in die mich diese Schimpfdilettantin Wogl_Watritsch befördert hat, noch mitgeben. Und beuge mich dabei zähneknirschend dem Umstand, dass dieser „Nachruf“ an sich ein wenig unwissenschaftlich ist, wie es ein Leben nach dem Tod nun einmal ist.

Herzlichst,
Heinz Novak (sel.)

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W. J. v. R. ist Gott!

Posted by on Juli 3rd, 2009

Die gläubigen Massen bei der Anbetung des Wahren, des Einzigen ...

Die gläubigen Massen bei der Anbetung des Wahren, des Einzigen ...

In Zeiten, in denen Minderjährige von Männern verführt werden, die ihre Zähne nachts in ein Wasserglas legen. In Zeiten, in denen Glück sich in Euro und Cent berechnen lässt. In Zeiten, in denen junge Burschen wieder entdecken, dass ihr rechter Arm zum freundlich-strammen Winken benutzt werden kann. In Zeiten, in denen nur Reiche leiden, Arme hingegen mit Freizeit und Anonymität beschenkt werden. In Zeiten, in denen Menschen in Massen auf die Straße gehen, anstatt das Trottoir zu benutzen. In Zeiten, in denen die Sozialdemokratie von einem Sieg nur noch träumen kann. In Zeiten, in denen das gedruckte Wort keinen Wert mehr hat. In Zeiten, in denen Absätze in den Keller stürzen, um dort weggesperrte Familien zu entdecken. In Zeiten, in denen nur noch in Frankreich ein Fünkchen Humor zu finden ist. In Zeiten, in denen der Pop führerlos wurde. In Zeiten, in denen die Hegemonie neoliberal, der Point of Sale hingegen heilig ist.

In Zeiten wie diesen kann uns nur ein neuer Führer, eine neue Führungskraft retten. Wir sprechen nicht von einer Führernatur, wohlgemerkt. Wir sprechen von einem Führungstalent, von einem Meister der Zahlen und der Verführung, von einem Verkaufsgenie und einem Tausendsassa der Gewinnmaximierung. Wir sprechen von einem Helden der buckelnden Klasse. Von einem Befreier der Witwen und Tantiemen, von einem Errol Flynn der Verkaufsstrategie, von einem Bildungsmultitalent, das in Oxford, Stanford, Heidelberg und Kobe gleichzeitig studierte. Wir sprechen von einem Gott der kapitalistischen Weltenbefreiung, von einem Messias der baren Münze, der gekommen ist, um uns in den Himmel der steigenden Verkaufszahlen zu führen.

Wilhelm Justus von Ramm ist dieser Gott. Er war wieder da. Er hat uns erleuchtet. In einer Verkaufsschulung, die zugleich spirituelle Reinigung war. Ein Erlebnis für die Ewigkeit. Wir waren Eins mit dem Weltall, fühlten uns verbunden mit jedem Käufer und jeder Käuferin, gingen für jetzt und immer gestärkt aus dieser Erfahrung hervor. Und können ein für alle mal sagen: Versäumen Sie nicht das nächste Mal, wenn dieser Gott, dieser Messias, dieser Säulenheilige nach Wien kommt, um das Wasser der Menschlichkeit in den Wein der Gewinnmaximierung umzuwandeln. Amen!

Tickets und Infos für die nächste W. J. v. R. Sales-Schulung unter office@hydrazine.at Preisliste auf Anfrage.

Bezahlte Werbung der Ramm Enterprises, SelbstvermarktungsgmbH.

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The long and grinning road …

Posted by on Juni 16th, 2009

W. J. v. R. in Aktion

W. J. v. R. in Aktion

… to success. Yes! Es ist uns erneut gelungen, dank dem Verkaufsgenie, Wilhelm  J. v. R., unsere Verkaufszahlen um satte 230% in die Höhe schnellen zu lassen. Abzüglich Standortgebühr, Vortragshonorar, Kurspauschale und diverse Abgaben für die Belachung öffentlichen Raums sind wir dabei am Ende mit einem Minus von lumpigen 7.360 Euro ausgestiegen, was angesichts der aktuellen Wirtschaftslage ein Klacks ist. Es gibt Industrienationen die glücklich wären über ein so dezentes Minus!

Aber es ist nicht nur Geld, das zählt. Ich spreche hier ganz konkret auch von Vertrauen. Von Vertrauen in uns als Produkt! Und ich spreche hier ganz konkret auch als hirngewaschener Sales-Dummy, dank Wilhelm J. v. R., der mich – und das komplette HYDRA-Team – zu dem gemacht hat, was wir heute sind. (Wobei, wir suchen immer noch den entsprechenden Wikipedia-Eintrag, um das endlich mal herauszufinden.)

Aber das sind Peanuts. Peanuts colladats, genau genommen, wie die stets informierte Fachwelt zu berichten weiß. Wir wollen uns nicht mit lästigen Details aufholen, sondern jenen Menschen danken, die unser 2. Traininsprogramm zu einem wirklichen Erfolg gemacht haben: Die Passanten und ZufallsteilnehmerInnen, denen wir ein Lächeln entlocken konnten – und die uns nicht selten ebenfalls ein Lächeln entlockt haben. Thank you for being there! You are the brand! (After we branded you, of course!)

Mehr supergeheime Pstpst-Infos über das nächste Trainingsevent in Kürze, einstweilen ein großes Dankeschön natürlich an das KQ oder FQ oder MQ oder wie es jetzt nochmal heißt, insbesondere an Frau Daniela Wagner. cc

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HYDRA for SALE!

Posted by on Mai 21st, 2009

sales event old 3ENDLICH IN WIEN! Justus von Ramm, Chieftrainee von Ramm-Enterprises, lehrt am 23.5.2009, um 19.00 Uhr, live im MQ! Er ist der Gott des Verkaufsgesprächs, das Genie der sanften Überzeugung, der Houdini der entfesselten Börse, der Guru der Face-to-Face-Kommunikation! Und er kommt nach Wien, um dem Verkaufsteam der HYDRA beizubringen, wie man ein gutes Produkt durch kompetente Verkaufsberatung noch besser unter die Leute bringt.

Da JvR© für die HYDRA Corp. unerschwinglich wäre, findet das Verkaufstraining öffentlich und bei kostenlosem Eintritt im Museumsquartier (1070 Wien) statt. Das Training wird live aufgezeichnet, der Reinerlös aus den Übertragungsrechten kommt dem guten Zweck der Unternehmensgewinnmaximierung zu Gute.

APROPOS: HYDRA gibt es seit 25.5.2009 auch im Handel! Infos bzw. Bestellung unter office@hydrazine.at

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