„Merkelundich“: Mit dem Fahrrad über die Arktis

kk_zitat_3 „Ich habe niemanden versprochen, dass das Einzäunen von Österreich die Probleme löst“, sagte Bundeskanzler Faymann in der ORF-Pressestunde. „Merkelundich, das ist pragmatischer Realismus!“ Eine Satire nach dem wortwörtlichen Fernseh-Leben von Kerstin Kellermann

Als Bundeskanzler muss man wissen, wo man steht, auf welcher Seite der Grenze. Oder oben drüber. Der Merkel-Blick. „Weder Italien noch Griechenland waren in der Lage, das Flüchtlingsproblem für uns alle zu lösen“, sagt Faymann. Stimmt. „Schämt man sich nicht dafür?“, fragt der ORF-Journalist. „Nur ein Promille der Flüchtlinge weltweit wird in Europa verteilt.“ Scham? Was bringt die leicht? Alte Gefühle aus der Kindheit. Die Erwachsenen machen einen Blödsinn und das ohnmächtige Kind schämt sich dafür. Hilft den Flüchtlingen nix. „Wenn sich eh jeder Flüchtling aussucht, wo er hinfährt, kann man auch die Asylgesetze in Europa angleichen“, meint Faymann. Klar, dass ein Flüchtling lieber dort wohnt, wo er schon Familienmitglieder oder Freunde hat. Irgendwie logisch, dass er nicht so gerne die Eltern in Großbritannien und den Bruder in Belgien hat – außer er hat gerade Krach mit seiner Familie. „Man kann den Ländern nicht nur sagen: Behaltet’s die! Es müssen menschenwürdige Quartiere geschaffen werden. Nur die Augen zumachen und sich denken, hoffentlich kommt keiner, bringt es auch nicht.“ Er kann so realistisch sein, und der Humor dabei ist neu. Der amüsiert sich ja richtig. Bodenständigkeit kann auch mit Vergnügen verbunden sein. Der Boden des Lebens. („Ich hätte nicht gedacht, dass 2015 eine Million eine Wanderung antreten“, sagte hingegen Sozialminister Hundstorfer. Wanderung?)
Margaretha Kopeinig vom Kurier, die sich wohl einen Anzug von Kotanko ausgeborgt hat, redet ganz langsam mit Faymann – kärntnerisch: „Haben Sie einen Plan B?“ Plan B? Faymann ist noch bei Plan A: „Menschenrechte abschaffen – da kann man nur jeden warnen, der für eine menschenwürdiges Leben ist… Wir haben ja oft kein Wirtschaftsabkommen mit Ländern mit denen wir kein Rückführungsabkommen haben.“ Übersetzung: Kein wirtschaftlicher Druck möglich, dass diese anstrengenden Regierungen „ihre“ Flüchtlinge zurücknehmen. Und an der Bakschisch-Frage ist schon Außenminister Spindelegger gescheitert.

kk_zitat_2Praktische Erpressung

Kurier-Kopeinig: „Osteuropäische Länder sind gegen die Flüchtlings-Verteilungs-Quote. Wie werden Sie die zwingen? Sie stehen uns sehr skeptisch gegenüber. Wir wollen mit Flüchtlings-Ausgaben nichts zu tun haben, denken die.“ Na sicher! Erst bringt man ihnen mühsam die kapitalistische Verwertungs-Gesellschaft bei und treibt ihnen alle möglichen Reste einer sozialistischen Gesellschaftsform aus und nun sollen sie doch plötzlich sozial sein? Wenn polnische Alte keine Pension erhalten, ungarische Arbeitslose auf der Straße landen, warum sollte so ein kleiner Syrer eine Unterstützung kriegen?! Noch dazu monetär?! Jetzt haben die das so brav gelernt, die beinharte Marktwirtschafts-Lektion und nun passt es wieder nicht. „Ist ja klar, dass ein Flüchtling lieber in ein Land geht, wo ein Krankenhaus funktioniert“, stellt Faymann nüchtern fest. „Einige sagen Erpressung! Die nächsten Geldverhandlungen mit osteuropäischen Ländern kommen sicher“, lächelt Faymann, der monetär gesehen mit Merkel auf dem längeren Ast sitzt. „Ich bin der Dienstälteste in der EU neben Angela Merkel.“
Kurier-Kopeinig in sich gekauert: „Ist der Kampf gegen den Terror auch eine Maßnahme gegen die Flüchtlingskrise? Der Boden für Terroristen…“ „Der Boden für Terroristen ist gut bereitet, bei Krieg und wenn zu wenig zum Leben ist“, Faymann rührt mit den Händen in der Luft. „Das wäre ja ein sympathischer Zaun, der Leute in den Frieden zurückschickt.“ Ein Trampolin? Ein Gummi-Zaun? Spatzenschleuder? „Die Flüchtlinge kommen ja nicht geordnet daher, die kommen sogar mit dem Fahrrad über die Arktis“, fürchtet sich ORF-Dittlbacher. „Einer wird nach Luxemburg zugeteilt, will aber lieber nach Österreich, dann schicken wir den nach Luxemburg zurück und nicht nach Griechenland“, erklärt Werner Faymann. Österreich ist beliebt! „Schwindeln dürfen die nicht, sonst bleiben die, die brav sind, über.“

kk_zitat_1Ein Feind für alle

„Merkel und Sie sind gegen eine Flüchtlingsobergrenze“, stellt Fritz Dittlbacher fest. „Merkelundich, das ist pragmatischer Realismus“, tönt Faymann, der starke Frauen mag, aber nur, wenn sie von der falschen Partei sind. „Ich lüge nicht. Ich habe niemanden versprochen, dass das Einzäunen von Österreich die Probleme löst.“ Hihi, die Zwergerl bleiben drinnen, rotweißrot bis in den Tod. Und wie dann im Sommer nach Rimini?
„Die Leute sollen bitte schön umdrehen und zu Hause in Frieden leben, sagen viele – das geht nicht.“ Margareta Kopeinig fragt nach der Jugendarbeitslosigkeit und dem Zusammenhang mit den „rechten Parteien“. „Rechte Populisten benutzen Herabwürdigung und Verletzung, das Spiel mit der Angst. Wir haben für alle einen Feind, aber keine Lösung. Habe noch keinen Vorschlag von Le Pen gehört, wie man die Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen könnte. Wer sagt, die Krise sei vorbei, hat nur die Banken im Auge.“ Irgendwie hat Faymann einen ganz eigenen Humor entwickelt. „Wenn Ältere so lange arbeiten sollen, dann muss man auch einen Arbeitsplatz für sie haben. Und gesund müssen sie sein.“

„Flüchtlinge statt Deutsche in die Gastwirtschaft“

neinzujobsWirtschaftsforscher Karl Aiginger hat recht eigenwillige Ideen. Dafür ist die ORF-Pressestunde ja da. Und die Österreicher sind auch eigenwillig, was ihre Berufswünsche betrifft. Und ihre Lohnvorstellungen erst! Von Kerstin Kellermann

Sanierungsprämie, Handwerkerbonus, Dienstleistungs-Schecks. „Man wird mehr bauen müssen“, sagt der WIFO-Direktor Karl Aiginger im Fernsehen. „Das ist belebend.“ Der war bestimmt noch nie bei uns am Gürtel und hat gesehen, was für dünne, mickrige Albaner, Serben und Rumänen hier auf den Baustellen schuften müssen. Und von stiernackigen kräftigen Ex-Jugoslawen angebrüllt werden, dass ihnen die Haare nach hinten wehen. So mager sind die, dass drei bis fünf in einen selbst gebauten Flaschenzug-Lift passen, während nur ein einziger Vorarbeiter hineingeht auf das schmale Geviert (ich muss gleich dazu sagen, dass ich zum Schreiben die Platte „Propaganda, NO Wave II“ höre, aus 1979, vorne sind fröhliche chinesische ArbeiterInnen und rote Fahnen drauf). Jaja, die Bauunternehmer, die bei den Lohnkosten sparen, müssen unterstützt werden!!

 

Freiwillige in die Schule

„Wir sollten in der Schule nicht zu kleine Brötchen backen, Freiwillige! – damit ist das Problem schon erweitert“, sagt Karl Aiginger wortwörtlich. „Viele Frühpensionisten gehen gerne wieder in die Schule, warum kann man dort nicht wie bei den Flüchtlingen auch einen Freiwilligen-Dienst einrichten?“ Oma und Opa freiwillig in die Schule! Und wer paßt dann auf die Kinder auf, wenn sie krank sind? Die neue ORF-Redakteurin Ula Kramar-Schmid, nobel in weißem Anzug mit edler Stimme: „Deutschland hat die niedrigste Arbeitslosenrate und das höchste Wirtschaftswachstum. Was ist bei uns passiert?“ „Wir hatten einen Export Turbo, sind ein Jahrzehnt rasch gewachsen, haben immer neue Märkte dazu gewonnen – jetzt wäre als Nächstes die Ukraine dran gewesen und der Expot Turbo ist ausgefallen“, erklärt Aiginger. Ein Hypo-Turbo also. „Seit 2009 entwickeln sich die Reallöhne rückwärts“, sagt Kramar-Schmid. Aiginger redet von Lohnraub! Genau! Er erhofft sich jetzt von den Flüchtlingen eine Wende. Ausgerechnet von den syrischen Kriegsflüchtlingen. Auf die setzt er seine Hoffnung. Die sollen das Kleingewerbe wieder beleben – gegen die hohen Lebensmittelpreise. Genau, die Flüchtlinge haben sicher nicht so eine Profitorientierung drauf, wie der Spar zum Beispiel, wo die Mandeln an einem Tag noch 1, 59 Euro und am nächsten 2,99 Euro kosteten!

 

Berufswünsche und Lohnvorstellungen

Kramar-Schmid: „150.000 EU-Bürger pendeln täglich nach Österreich ein, Ungarn, Slowaken und Deutsche arbeiten bei uns, 67.300 Ausländer arbeiten am Bau – ist der Österreicher inflexibel?“ „Die Berufswünsche der Österreicher unterscheiden sich von dem Angebot, das gebraucht wird. Das Tagespendeln wird aber erschwert werden, wenn das Bundesheer an der Grenze steht“, sagt Aiginger, der die Flüchtlinge immer mitdenkt. Kramar-Schmid: „Sind die Löhne zu niedrig? Überstunden sind ja bereits gratis. Warum pendeln nicht mehr Österreicher?“ Aiginger: „Die Einkaufswünsche einer Familie liegen höher als das Einkommen, das beim Pendeln heraus kommt.“  Zu arm zum arbeiten sind wir, zumindest bei diesen Arbeitsbedingungen. Das können sich nur noch Süd-Osteuropäer leisten, die wenig Wünsche an das Leben haben. Der Krone-Redakteur in den spitzen hellbraunen Schuhen redet inzwischen von der Industriellen-Vereinigung: „Wo geht unsere Sozialpartnerschaft dahin?“, jammert er. „Die Unternehmer klagen über eine hohe Lohnquote…“ „Mehr Schwarzmarktbereich entsteht“, meint Aiginger schulterzuckend. „Oder die Hälfte weiß, die Hälfte schwarz – was ja auch nicht von der Hand zu weisen ist.“ Ja, und diese hübschen, schweigenden, dünnen Albaner erst! Jeder will die haben!! Die Deutschen kommen nicht mehr. Nun könnte man die Flüchtlinge in die Gastwirtschaft einbinden, meint Aiginger. „Frühere Flüchtlinge wurden ja auch eingebunden.“
In der Nachfolgesendung „Hohes Haus“ streiten sich eine rosarote Giftspritze von den Neos und ein kräftiger, stattlicher Bauleiter von der SPÖ: „Beim Asylverfahren sollte gleich festgestellt werden, welchen Mangelberuf ein Flüchtling hat“, wünscht sich der Neos-Typ. Für die Österreicher hat er nicht weniger ausbeuterische Pläne: „Wenn in Vorarlberg Bauarbeiter gesucht werden, soll man die in ganz Österreich verschieben können.“ Verschieben! Menschen! Der dicke SPÖ-ler hingegen ist dagegen, dass Flüchtlinge (legal!) arbeiten dürfen. Denn dann müssten Bauherren ihren ganzen Tschetschenen auf der Baustelle doch glatt viel mehr Lohn ausbezahlen und könnten auch tschetschenische „Lehrlinge“ nicht dermaßen ausbeuten, bis die lieber nach Syrien gehen wollen und im Gefängnis landen.

Fischer: Hase, Igel und die Flüchtlinge

fischer_neutralSo ist das und auch wieder nicht. Ein typisch österreichischer Bundespräsident bleibt in neutralen Mustern verhangen. Neutralität! Fischer: „Die Flüchtlinge sind auch eine Belastung für unser Land, aber das sind Menschen, die ums nackte Leben laufen. Das sind ja nicht Menschen, die, weil sie die kulturellen Sachen in Österreich schätzen, alles stehen und liegen lassen …“ Eine Pressestunde-Realsatire von Kerstin Kellermann

Österreich ist schon sehr österreichisch. Österreich verhält sich selbst österreichisch in der Frage Grexit: „Ausstieg Griechenlands aus der EU … Ja oder nein?“ „Österreich: Neutral!“ steht auf einem EU-Papier. Neutralität, im Sinne von „Na, muss nicht sein, dass die Griechen raus müssen aus der EU“ bis „Aber zahlen wollen wir nix für deren Verbleib“. Sogar unser österreichischer Bundespräsident ist sehr österreichisch. Nona. „Das sind natürlich viele Meinungen in der EU“, sagt er zum möglichen Grexit. Logisch. „Welcher Weg soll nun gegangen werden?“, fragt die Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid. „In der Politik soll das Schicksal der Menschen sehr beachtet werden“, antwortet der neutrale Bundespräsident Fischer. „Man muss schon sehen, dass viele zum Handkuss kommen, die nix dafür können.“ Aber: „Andererseits darf man die Menschen in der EU auch nicht überfordern.“ Jaja, diese ganzen kleinen Menschelein.

„Jetzt wird ein Beschluß gefaßt, der das festklopft (klopfklopf), was der Entwurf vorschlägt“, sagt der Bundespräsident im Fernsehen und klopft auf den ORF-Plastiktisch. „Jetzt geht es Spitz auf Knopf!“ (Anm. Kann mir das mal wer übersetzen?) „Bei den Kürzungen im Pensionsbereich wird den Griechen einiges zugemutet, was den Österreichern nicht zugemutet wird“, meint Föderl-Schmid. „In Griechenland wird auch einiges gemacht, was man sich in Österreich bei den Reichen nicht traut, um in ihrer Sprache zu bleiben“, antwortet Fischer. Ja wirklich, so einiges wird jetzt in Griechenland gemacht, was in Jugoslawien auch gemacht wurde. Nach den Privatisierungen durch den IWF erfolgte in Jugoslawien aber z. B. der Bürgerkrieg!

Asyl-Schuldentragfähigkeit, yeah
„Man hat mit den bisherigen Maßnahmen in Griechenland ein Schrumpfen des Wirtschaftswachstums erreicht. Verstehen Sie das?“, fragt ORF-Redakteur Fritz Dittlbacher. Er und ich nicht. Außer, dass es bei Jugoslawien damals das gleiche war. „Das verstehen sogar amerikanische Novelpreisträger nicht“, ist die Antwort. „Wird es einen Schuldenschnitt für Griechenland geben?“ „Das Stichwort heißt Schuldentragfähigkeit“, sagt Fischer. „Der Begriff Schuldenschnitt ist tabu, aber es gibt Flexibilität bei den Zinsen und bei den Fristen.“ „Werden wir das österreichische Geld zurückbekommen?“, fragt Dittlbacher. Der BP: „Auf Heller und Pfennig, auf Euro und Cent, auf Drachme und … ähem, eher nicht.“ Das kleine Geld der Drachme, wie hieß das bloß? Lepta!

Nächstes Thema: die „Asylproblematik“. „Das Problem ist eines, das die Bevölkerung erregt“, leitet der Journalist ein. Fischer: „Das Problem ist eigentlich ein sehr großes. Wir wissen, dass der schreckliche Krieg in Syrien die Menschen in die Flucht schlägt. Heuer wohl insgesamt 70.000, also ein Prozent der Bevölkerung.“ Föderl-Schmid: „Zwei Drittel der Gemeinden haben keine Flüchtlinge aufgenommen!“ Fischer: „Es ist auch eine Belastung für unser Land, aber das sind Menschen, die ums nackte Leben laufen. Das sind ja nicht Menschen, die, weil sie die kulturellen Sachen in Österreich so schätzen, alles stehen und liegen lassen…! (Anm. Hat er wirklich so gesagt!!) Ich fahre morgen in die Slowakei und werde mich bedanken, dass sie österreichische Flüchtlinge aufnehmen.“

Dittelbacher: „Es gibt eine Diskrepanz zwischen dem Ja zum Helfen und dem Nein in der Realität.“ Ja genau, typisch österreichisch eben! Neutral! Ja und Nein gleichzeitig!! Und im Zweifelsfalle für uns. (FPÖ-Diktion: die „Inländer“.) „Zelte sind eine Schande für so ein reiches, entwicklungspolitisch entwickeltes Land“, sagt Fischer. Entwicklungspolitisch entwickelt sind wir! „Es ist aber wie der Wettlauf mit dem Hasen und dem Igel: Es kommen 300 Flüchtlinge pro Tag.“ (Anm. Häh?) „In Traiskirchen liegen Leute auf Packpapier und es gibt leere Zimmer“, wendet Föderl-Schmid ein. „Bitte“, sagt der Bundespräsident: „Das geht nicht über meinen Schreibtisch.“ (Stimmt, es passen höchstens zwei Flüchtlinge auf seinen Schreibtisch.)

Abgedrängte Lösungskompetenz
„Was tut der Bürger Heinz Fischer persönlich für die Flüchtlinge?“, ist die Frage. „Spenden. An einem Klima arbeiten. Ich stehe zu diesen Menschen“, ist die Antwort. Dann kommt die Rede auf die KosovarInnen, die Österreich „heimsuchen“. (Anm. Herzlichen Dank an einen „Bosnien-Experten“, der die Innenministerin durch einen Kommentar im Standard dazu zwang, offiziell etwas zu unternehmen. Schluß mit Untertauchen!) „Ich versuche bei bestem Gewissen, die Politik des Innenministeriums zu erklären“, sagt Fischer kopfschüttelnd. „Die Innenministerin ist sogar in den Kosovo gefahren, hat Inserate geschalten, dass Wirtschaftsflüchtlinge keine Chance haben.“ Tja, wer hungert, soll bitte zu Hause bleiben und Zeitung lesen. Burek, Joghurt und die Kosovo-Krone.

Nächstes Thema: Vermögenssteuern! Frau Föderl-Schmid in ihrem schiefen roten T-Shirt (eventuell eine bewußte Stil-Entscheidung): „Stimmt die finanzielle Last? Werden Sie Ihren Vorschlag wegen den Vermögenszuwächsen weiter aufrechterhalten?“ Der Bundespräsident in breitestem Österreichisch: „JO.“ Wirtschaftlich kennt er sich gut aus: „Die wirtschaftliche Verflechtung mit dem Osten und dem Süden wurde sehr stark forciert. Deswegen hat Österreich jetzt Probleme.“ Ja eben, genug abgesahnt, die haben nix mehr, die Südosteuropäer. Die Steigerung der Ausbeutung ist rückläufig. Zwangsläufig. „Die Lösungskompetenz steht nicht im Mittelpunkt“, so drückt Fischer das aus.

Unbekannter FPÖler
Fischer wird den burgenländischen Landeshauptmann Niessl und seinen neuen Vize angeloben. „Ich kenne Herrn Tschürtz nicht“, sagt der Bundespräsident der Republik Österreich. Muss man nicht kennen. Aber: „So wie Bundespräsident Rudolf Kirchschläger das Gesetz zur Fristenlösung unterschreiben musste, werde ich die Angelobung von rotblau auch unterschreiben. Ich erhielt 79 Prozent der Stimmen bei der Wiederwahl, das ist ein Vertrauensbeweis der Bevölkerung, den ich nie vergessen werde. [Blablabla.] Ich will mich nicht versündigen!“

 

 

„Ohne EU fahren die Flüchtlinge gleich nach Österreich durch“

hackler_blueWieso hat Strache eigentlich etwas gegen die EU, wenn die doch die Flüchtlinge aufhält und „für uns angenehm“ in Italien bzw. Griechenland und Ungarn fixiert? Bundeskanzler Faymann mit seinen Live Aussagen im Sonntagsfernsehen, nur etwas gekürzt und ausgewählt – aber weder übertrieben noch selbst erfunden. Eine Realsatire von Kerstin Kellermann

Danke für die Einladung, sagt der Bundeskanzler bescheiden. Hallo, sagt die Österreich-Redakteurin zu ihm. Hallo, sagte Werner Faymann auch zu Angela Merkel, die ihn kurz vor der Sendung am Handy anrief. Faymann will Brücken bauen, obwohl „die Brücke“ zu Greichenland nicht zu sehen ist. (Alfred Adler: So geht’s uns immer! Wir bauen die Brücke beim Gehen!) Da fehlt die Brücke, sagt Faymann. „Sind Sie nicht ein bissl einem Spieler aufgesessen?“, näselt die Österreich-Redakteurin über den griechischen Finanzminister. „In Griechenland laufen die Patienten nach der Operation davon, damit sie die Arztrechnung nicht zahlen müssen“, sagt Faymann. Und: „Eine Brücke besteht nun mal aus zwei Teilen. Über die vertraulichen Teile erzähle ich Ihnen nichts, Frau Österreich. Ich hatte schon mehrere Gelegenheiten Varoufakis aufzufordern, seinen Plan zu verfeinern. Zwei Teile hat die Brücke. Er ist dran. Er hat den Verhandlungstisch verlassen, nicht ich.“
 
Sicherheit des Geldes
Die Österreich-Frau herablassend: „Gibt es eigentlich irgendeinen Plan B?“ Faymann: „Ich kenne den Plan B Griechenlands nicht, unseren schon (juhu!). Wir müssen ganz Europa zeigen, dass wir ein wirtschaftlich stabiles Land sind, damit nicht andere Länder in die Spirale kommen.“ – „Österreich hat auch Haftungen“, sagt Frau Österreich. Faymann: „Die Nationalbank sagt, das ist nicht abschätzbar, was passiert, wenn unsere Haftungen schlagend werden. Plan B ist in Griechenland zu beschließen. Vernunft ist angesagt. Brücken kann man bauen. Tun wir da nicht herumreden. Ich mache mir Sorgen um die Wirtschaft UND die Realwirtschaft.“ Die Zeitung Österreich hat Griechenland schon begraben und mit Faymann redet sie auch wie mit einem Kranken. Der Bundeskanzler ist nicht gekränkt, kennt er vielleicht schon. „Dass man hier ein Volk in Schwierigkeiten bringt, das eh schon Schwierigkeiten hat … Im Leben ist es aber so, man kann nur etwas erreichen, wenn der andere auch etwas macht. Durch Vertrauen und Sicherheit muss man erreichen, dass das griechische Volk nicht weiter von den Banken Geld abhebt.“ Tja, Vertrauen ist alles und rückblickend klingt das etwas zynisch – ein Volk, das mittlerweile 60 Euro pro Tag abheben darf. Außer die Touristen. Na ja, es geht ja um die Sicherheit – des  Geldes!

Finanzierungs- und Flüchtlingsströme
Auch gegen Terror hilft nur Sicherheit und deswegen muss man die Konten öffnen, um zu sehen, wo die Terrorfinanzierung her kommt – „ein breites Feld unserer Zeit, die Finanzierungsströme“, erklärt Faymann. „Der Terror führt ja zu den Flüchtlingsströmen. Ich bin grundsätzlich gegen das Hetzen.“ ORF-Redakteur Bürger: „Ist Europa nicht zu tolerant geworden – gegenüber der Rechten? Wir müssen etwas tun.“ „Ich bin gegen Pauschalurteile, denn die hatten wir schon einmal“, antwortet Faymann. „Und wenn sich Pauschalurteil gegen Pauschalurteil entgegen stellt, kommt Haß heraus und man kann niemanden überzeugen.“

Faymann schaut die Österreich-Redakteurin Isabelle Daniel freundlich an und näselt plötzlich ebenfalls: „Die deutsche Kanzlerin und ich haben gesagt, das mit den Flüchtlingsströmen muss praktikabel sein. Italien macht alles alleine! Fingerprints, schauen, wer diese Flüchtlinge sind, und, für uns sehr angenehm (!), gleich die Rückführung einleiten. Italien könnte auch ohne Fingerprints die Flüchtlinge gleich durchreisen lassen nach Österreich!“ Und dann ganz schlau und mit Lächeln in Richtung Strache: „Ohne EU gäbe es überhaupt keine Dublin-Verordnung. Zwinker, zwinker. Ohne Dublin würden die gleich nach Österreich durchfahren, wo der beste Arbeitsmarkt ist.“ Also, wer will hier noch raus aus der EU, bitte sehr?

Blaue Hackler
„Die FPÖ zielt auf die kleinen Leute. Wo ist noch das Soziale bei den Sozialdemokraten?“, fragt Bürger. Faymann bezieht sich auf die Arbeitslosen und die Mindestsicherungs-Bezieher. Wo bleiben die Arbeiter? „Warum wählen die Arbeiter plötzlich blau?“, fragt Bürger. Faymann: „Die FPÖ hat keine Lösung. Für den Grenzraum sichern sind wir auch.“ Isabelle  Daniel: „Warum laufen die SPÖ-Wähler in Scharen zur FPÖ über?“ Faymann beschwichtigt, „Ich war Erster“, betont er. Bei der letzten Wahl. Und er redet wieder von „Sozial Schwachen“, nicht von Arbeitern. Aber er ist zumindest nicht böse. Das ist schon etwas in diesen bösen Zeiten. Faymann will lieber von den lieben Menschen gewählt werden, die bereits aus dem harten Arbeitskampf heraus geflogen sind, als von diesen anstrengenden Hacklern, die mit zusammengebissenen Zähnen zu Höchstleistungen auflaufen. Vielleicht wollen die Arbeiter einfach nicht „sozial schwach“ sein?

Von der Wirtschaft ausgegrenzt: die FPÖ!

whosafraidPolitiker sein bedeutet in Hauptsache Geld ausgeben und Ausgaben für Flüchtlinge einschränken. Eine Pressestunde mit lauter Zeitungschefs, geschaut & protokolliert von Kerstin Kellermann, während sie auf ihr leeres Börsl schielte.

Vom Begriff des „Ausgrenzens“, das die FPÖ so gerne verwendet, grenzt sich der Kurier-Chefredakteur ab. Dabei wird die FPÖ doch wirklich ausgegrenzt! Von der Wirtschaft! Niemand lässt sie an die wahrhaft großen Töpfe! Chefica werden! Diese lächerlichen kleinen Staats-Budgets …, die sind ja so schnell leer, das zahlt sich gar nicht wirklich aus, dieser Aufwand. Der Presse-Chefredakteur kriegte nach eigenen Angaben „keinen großen hysterischen Anfall“, als er von der Burgenland-Koalition mit der FPÖ hörte. „Es wird eine Koalition der Geldausgeber, die sich nicht um die Finanz kümmern.“ (Tiefes Luftholen). „Als bürgerlicher Standpunkt: Wirtschaft! Wundere mich nur über die FPÖ, die linkspopulistische Positionen vertritt, z. B. Pensionen nicht anrühren!“ Denkt Nowak wirklich, FPÖ-PolitikerInnen wollen nach einem Berufslebens des fröhlichen Geldschöpfens mit weniger Gestaltungsmöglichkeiten in Pension gehen? Pandi von der Krone ist froh, dass die Bank Burgenland nicht dem Burgenland gehört. „Vielleicht macht die SPÖFPÖ-Koalition auch etwas gut – mit dem Geld“, sagt er. Die Standard-Chefin sieht den Staat als Unternehmen an: „Der Kanzler ist beschädigt, weil er sich nicht mehr durchsetzen kann. Es ist wie, wenn ich in einem Konzern etwas vorgebe und die Unteren halten sich nicht dran…“ Zur FPÖ mit oder ohne Geldausgeberei: „Vor der FPÖ muss man sich schon fürchten.“ Die FPÖ Landstraße forderte, dass alle legal lebenden Ausländer in sechs Monaten „weg“ sollen, erzählt Brandstätter, „nur die aus den Kronländern nicht. EU-Austritt wollen die auch. Die FPÖ hat ein Verarmungsprogramm vor!“ Arme FPÖ! Mölzer wurde nicht eingeladen zur Runde der Chefredakteure. Aber mit Wirtschaft hat er nichts am Hut und Geldausgeben tut er auch nicht so viel.

Kleinen Männern Geld geben
„Leute des Landes verweisen und enteignen, das gefällt manchen Leuten“, behauptet die Chefredakteurin des News. Enteignen?! So weit hat noch nicht einmal die FPÖ gedacht, denn mit den kleinen Familienbeihilfen ins Ausland und den Mini-Pensionen, ist nicht viel finanzieller Staat zu machen. Und es wäre doch ein enormer Verwaltungsaufwand, das den Ausländern wieder wegzunehmen, das bissl Geld. Dann geht es um ein mögliches Schwarz-Blau. „Ein Gleichgewicht des Schreckens“, lacht Pandi. „Darf ich etwas Staatstragendes sagen?“, fragt Brandstätter, „Wir diskutieren über Pograpschen, das finde ich ganz schlimm. Über einen Deppen. In dieser wirtschaftspolitischen Lage!“ Ja eh, lieber jemand in die Brieftasche greifen als an den Hintern, stimmt doch wirklich. „Warum wählt Österreich aus Protest rechts?“, fragt Pandi. „Es hätte doch eine Alternative gegeben: die Neos!“ Die Neos, die den Staat als die Reinkarnation neoliberaler Ideen per se ansehen! Eigenwerbung, Selbstoptimierung, AMS-Kurs… Weissenberger mit ernstem Gesicht: „Etliche Gewerkschafter sagen, die FPÖ sei nicht so schlimm. Das Sozialpolitische überschneide sich. Wenn man den Autofahrern, den Pensionisten und den kleinen Männern das Geld, äh recht gibt.“ Nowak: „Wenn man die FPÖ wählt und sich denkt, die kommen nicht in die Regierung, ist das eine billige Form des Protests. Man müsste denen sagen, ihr riskiert wirklich, dass die an die Regierung kommen.“ Er kann auch lustig sein.

Entzauberung der Regionalregierung
Brandstätter: „Alle verteilen wir das Geld: Die SPÖ will die Vermögenssteuer, die FPÖ will noch mehr Geld ausgeben, aber schreit, keine Steuer! Die FPÖ sagt nicht einmal, wie sie die Geldausgeberei finanziert.“ Pandi: „Der FPÖ-Hofer hat neulich gut im Fernsehen diskutiert, der wird nicht in einem halben Jahr das Burgenland bankrott machen.“ Das ist die neue Hoffung an Politiker, Leute: Macht uns bitte nicht so schnell bankrott! Laßt uns bitte vorher noch ein bissl Beachvolleyball genießen. „Zum Stichwort Entzauberung der FPÖ: Das ist die Hoffnung, ich mache den Bock zum Gärtner, um zu zeigen wie der Bock ist.“ Weissenberger schiebt immer mit todernsten Gesicht die härtesten Wuchteln. Nowak: „Das ist eine Regionalregierung, da kann nicht viel passiern…“ Pandi ist sich sicher, dass die EU dem  rotblauen Burgenland keine Sanktionen verhängen wird – das war schon ein wahrhaft  traumatisches Erlebnis, diese Sanktionen damals!

Unternehmensfreie FPÖ
Dann kommt der Höhepunkt: Bundeskanzler Faymann schaute den Medienmachern zu und wird nun interviewt! „Man soll nicht übertreiben“, meint er. „Die Vorschläge der FPÖ sind unbrauchbar und unsere sind nicht gut genug.“ Faymann wird bald in einer FPÖ-Holding sitzen, prophezeit die Journalistin. Holding? „Wie lange können Sie diesen Spagat noch halten?!“ Faymann jovial: „No, sehr lange….! Wenn die ÖVP ständig versucht…. hinter unserem Rücken, die FPÖ! Ich interessiere mich nicht für Strache. Die Hackler in der Steiermark…“ Die Journalistin steigert sich rein: „Was haben Sie falsch gemacht, dass die FPÖ so stark ist?“ Faymann: „Ich will nicht nachdenken über rot-blau. Wir machen nix nach beim Aufhetzen der Leute. Jetzt habe ich mich an den vierten Schwarzen gewöhnt. Jeder hat sein Hobby, nur ich hab’ Verantwortung.“

Ich persönlich, als Frau, die viel mit Handwerkern diskutiert, glaube ja, dass nicht wenige die FPÖ wählen, weil die mit den Unternehmen, die sie effizienz-, arbeitszeits- und geldbörslmäßig quälen, garantiert nichts am Hut hat. Auch wenn die FPÖ das gerne ändern würde! Man braucht sich nur diese unwirtschaftlichen Aussagen der FPÖ-Gesundheitssprecherin anzuhören: Hercules-Militärmaschinen, um Flüchtlinge abzuschieben! Diese Kosten! Die würden doch leer zurück fliegen!

Kerstin Kellermann, exklusiv für Hydra

„Die Wirtschaft schreit mehr als die Arbeitslosen, haha“

„Es gibt eine Explosion der Überstunden, gleichzeitig klagt die Wirtschaft über Arbeitsmangel, wie ist das möglich?“, lachte Sozialminister Hundstorfer in der Pressestunde. „Wir haben mit der Wirtschaft Diskussionen, haha.“ Haha? Aha? Huhu? Hoho? Hehe? Eine arme, kleine, nicht lustige Satire von Kerstin Kellermann.

Unser lieber Sozialminister Rudolf Hundstorfer übt sich mal wieder in Relativierung und Gefühlsabwehr. Es ist doch eh alles ganz normal! Wozu sich aufregen? Energieverschwendung! Die Zelte für Flüchtlinge sind ja sowieso nur eine Notmaßnahme und vorübergehend… Was soll die Innenministerin schon machen… „Sechs bis sieben Länder können DAS PROBLEM nicht alleine tragen…“ Sogar der Herr Koller von den Salzburger Nachrichten ist schärfer im Tonfall und kritischer: „ In zwei Tagen kamen über 700 Flüchtlinge: Es herrscht Krieg!“, hält er Hundstorfer vor. Krieg? Hundstorfer kratzt der Krieg weniger, denn er muss sich erstmal um Arbeitsplätze für die anerkannten Flüchtlinge bemühen, was Herrn Kurz ja bekanntlich weniger kratzt, der die entsprechenden NGO-Projekte streichen ließ – als frischgebackener Integrations- und Außenminister. Flüchtlinge integrieren? Wieso das denn – die gehen doch wieder! Nach Hause!

torferlspareRudolf Hundstorfer und die Innenministerin müssen eine EU-Richtlinie umsetzen und „sich Sachen überlegen“. (Ich erinnere mich an eine Arbeitsmaßnahme für tschetschenische Flüchtlinge: Was seid ihr von Beruf? Fahrer. Fahrer? Ja, für Militärfahrzeuge. Der Krieg und seine Berufe, Teil 1.) „Mehr ausländische Arbeitnehmer sind arbeitslos als Österreicher“, sagt die ganz in weiß gekleidete ORF-Journalistin Claudia Dannhauser. „Es arbeiten aber auch 16.000 Österreicher in Deutschland“, antwortet Hundstorfer. „Es ist nicht so, dass alles hereinstürmt. Schnauf. Die Einhaltung der Kollektivverträge ist das wahre Problem. Die älteren Arbeitslosen. Wir haben mit der Wirtschaft Diskussionen!“, da lacht er plötzlich. „Die Wirtschaft wird anerkennen müssen…“

Die lachende Beruhigungspille

„Ein schlecht bezahlter Job bringt weniger als die Mindestsicherung. Soll es da nicht zu Verschärfungen der Mindestsicherung kommen?“, fragt der Journalist. „Die Masse der Mindestsicherungs-Bezieher kriegt eine Aufstockungsleistung. Sie soll eine Absicherung sein, aber nicht für immer. Nur mit siebzig, achtzig Jahren, wenn man gar nix hat“, ist die Antwort. Armes Österreich. Arme ÖsterreicherInnen. Arme alte ÖsterreicherInnen! Und das meine ich ernst!

Journalistin: „Sie gelten als die Beruhigungspille der Nation…, die Wirtschaft…“ Hundstorfer: „Für die Wirtschaft sind viele zuständig.“ Journalist: „Die Wirtschaft klagt über ausufernde Einschränkungen…“ Hundstorfer lacht. Die Wirtschaft regt sich mehr auf als die armen Arbeitslosen, die keine Kraft mehr haben vor lauter sparen. Sparetraurigs statt Sparefrohs. Journalist: „Wieso sind die Löhne so niedrig und die brauchen Mindestsicherung? Sollte man nicht den Mindestlohn….?“ Hundstorfer: „Da haben wir etwas vereinbart. Die Sozialpartner bemühen sich. Über eine Million Österreicherinnen sind in Teilzeit beschäftigt! Wir haben extrem viele Überstunden, 270 Millionen. Das kostet die Krankenkassen…“ Er rechnet. Journalist entsetzt: „Sie wollen die Überstunden bestrafen?“ Hundstorfer rechnet noch immer. „Das wären 8300 zusätzliche Jobs!“ Einen Euro soll das Unternehmen pro Überstunde Abgabe leisten. Die Journalistin vorwurfsvoll: „Bei den Krankenkassen ist ja jetzt auch kein Geld verhanden!“ Hundstorfer lacht wieder, er kennt die Einwände schon. Die Wirtschaft schreit mehr als die Arbeitslosen. Und lauter. „Sind die Leute, die bissl weniger verdienen, nicht auf die Überstunden angewiesen, um bissl mehr zu verdienen?“, tastet sich der Journalist vor. No? Klingt nicht so, als ob er Leute kennt, die „ein bissl weniger verdienen“. „Es gibt eine Explosion der Überstunden, gleichzeitig klagt die Wirtschaft über Arbeitsmangel, wie ist das möglich?“, fragt Hundstorfer.

Brot- und Zwiebel-Wirtschaftsminister

„Der Wirtschaftsminister will eine Tagung.“ Da lacht er schon wieder, unser Sozialminister. „Wir haben 90.000 AMS-Sperren im Jahr, da wird schon punktgenau geschaut, das ist alles andere, als dass man da nicht hinschaut.“ Au weh, die armen Arbeitslosen, einen Monat von Brot und Zwiebeln leben, von Luft. „Das Pensionsantrittsalter…“, die ORF-Journalistin schaut sorgenvoll über ihre Brille. Die möchte sicher noch länger arbeiten dürfen. „Da muss man unterscheiden, ob die Arbeit einem Spaß macht oder nicht“, lacht Hundstorfer. „Bei uns werden Invaliditäten in der Pension abgearbeitet.“ Die müsste man heraus rechnen. „Es tut mir irrsinnig weh, wenn der Wirtschaftsminister raus vor die Medien geht und sagt, wir brauchen Abschläge. Die Leute zahlen schon Abschläge – es ist ja nicht so wenig.“ Hundstorfer lacht immer so, hehe. Manche Leute haben nichts. Und die, die was haben, wollen denen, die nichts haben, noch etwas wegnehmen und lauern darauf, was die Armen noch alles zu viel haben könnten an Geld-Häppchen. Das kann man schon lustig finden. Eine Art Berufskrankheit eines Sozialministers wohl.

„In Schweden wird die Invalidität über den Sozialhilfe-Topf ausgezahlt. Den Kürzungen der Pensionen mussten die Schweden Steuergutschriften entgegenhalten, weil das Land das nicht aushielt. Ich musste mich hinstellen und den österreichischen Senioren erklären, dass sie nur eine gedämpfte Anpassung kriegen.“ Hundstorfer lacht schon wieder, wohl über die Zu- und Anmutungen seines Berufes. Die Vor- und Anwürfe. Der SN-Journalist: „Die Pensionsreform führte also zu höherer Arbeitslosigkeit?“ Na, endlich hat er es kapiert! Hundstorfer kommt aus seiner Erheiterung gar nicht mehr heraus. „Das erste Jahr der Invalidität zahlt in Schweden der Arbeitgeber!“ Diese Vorstellung für Österreich finde ich auch witzig, aber das wäre gerecht, wenn das Unternehmen nämlich die Invalidität verursacht hat.

Pflege, Pflege, Pflegemilliarden

torferl16„Wir sind Weltmeister, 35 Prozent der Bevölkerung kriegen Pflegegeld.“ Hundstorfer lacht schon wieder seltsamerweise. Unangemessen? „Wir hatten 2011 eine riesige Arbeitsgruppe, haha!“ Koller: „Es geht sich hinten und vorne nicht aus.“ „Hahaha, wir geben drei Milliarden aus für die Pflege. Sozialversicherung für pflegende Angehörige… Die Alternative wäre, das man das dem Arbeitgeber umhängt. Hahaha, das ist nicht mein Weg.“ Kleiner Seitenhieb auf die sich beklagende Wirtschaft. Die ORF-Journalistin: „Die Pfleger wollen 30 Prozent mehr Gehalt. Kann man denen mehr geben als den Ärzten? Ist das nicht ungerecht?!“ Und diese fordernden Pflegerinnen erst!!

Hundstorfer: „Gestatten Sie mir, dass ich nonchalant antworte. Schnauf. Im Pflegebereich gib es schlechte Stimmung. Ich bin der Verhandlungspartner. Familienlastenausgleichsfonds, Maschinensteuer, das fordere ich alles eh schon nicht mehr.“ Dannhauser mit hoher Mädchenstimme: „Die Ärzte! Sie haben etwas Strenges vorgelegt, das hätte man nicht müssen.“ Hundstorfer amüsiert sich. Galgenhumor. „Jeder wusste, dass das kommt. Ich hatte ein EU-Strafverfahren vor der Türe. Mit 35 Millionen. Haha!“, er breitet die Hände aus. Die neue Ärzte-Gewerkschaft in Niederösterreich. Tja, sehr lustig. Dann lacht er über Niessl, der ihn als Bundespräsident sehen will: „Ich kümmere mich um Lohndumping, dass nicht unterentlohnt wird. Damit habe ich sehr viel zu tun.“ „Welche konkreten Maßnahmen?“, fragt die Journalistin. „Welche weiteren konkreten Maßnahmen“, bessert er sie aus und lacht das letzte Mal. Diesmal sie auch.

Kerstin Kellermann, exklusiv für Hydra

Strache: „Es spricht der Bergsteiger zu uns!“

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Zwei Brüder im Geiste: Gabalier und …

ZwangsAusgrenzungsMissbrauch – nein danke! GabalierSchulterGebirgskreuze – ja bitte! FPÖ-Vorsitzender Strache unterhielt sich prächtig bei seinem Live-Auftritt im TV und kicherte herum. It’s Pressestunde-Showtime. Von Kerstin Kellermann

„Zwangs! Zwangs! Zwangs!“, tönt es aus dem Fernseher, was nun eigentlich „Zwangs!“ ist, versteht man nicht genau. Ich hätte halt doch nicht diesen alten Fernseher „HB Ingelen“ aus einer Ottakringer Fernseher Fabrik kaufen sollen. Gebraucht um fünfzig Euro. Hält aber schon vier Jahre brav. Zwangsraucher? „Der Raucher ist jemand, der seine Arbeitsfähigkeit bis zur Pension unter Beweis stellt,“, sagt FPÖ-Parteiobmann Strache. „Ein Raucher kostet den Staat weniger, weil er in der Regel früher stirbt.“ Zwangs-Halbinsel Krim? „Sie sind doch sonst so für Recht und Ordnung“, sagt der ORF-Journalist Langpaul. „Warum bei der Ukraine nicht?“ „Was ich verurteile, sind diese schädlichen Wirtschaftssanktionen gegen Russland, die den österreichischen Firmen so stark schaden“, meint Strache. Zwangs-Befreiung? „Wären Sie zu Putin gefahren am 9. Mai, dem Ende des Zweiten Weltkrieges?“, fragt Barbara Toth vom Falter. „Wir haben viel Leid erlebt“, antwortet Strache. „Zwei Weltkriege und eine Befreiung …!“ Eine Befreiung! Na, die war aber wahrhaftig schrecklich, diese Befreiung.

Von Mandln und Weibln
Toth lächelt Strache immer freundlichst an. Aufmunternd, zwinkert ihm zu wie ein Kind. „Nun sei doch nicht so…“, denkt sie wohl. Zornig. Und Strache ist in dieser Sendung auch nicht aufbrausend und von heiligem Zorn erfüllt – im Gegenteil, er amüsiert sich. Nach dem Volkssänger Andreas Gabalier, der den Mädchen den Nationalstolz verweigert, wird gefragt. „Das steht ihm als Künstler zu, haha. Dass man es heute als Mandl schwer hat, wenn man auf ein Weibl steht, ist klar, haha.“ Auf dem Po hat eine „fremde Hand nichts verloren“. Aber auf der Schulter z. B. schon. „Wenn man einen Partner kennenlernt, hihi. Irgendwann kommt es zu einer zärtlichen Berührung auf die Schulter.“ Nachdenkpause. „Auch mir ist schon sexuelle Belästigung passiert. Da sagt man eben klar und deutlich, dass man das nicht will, dann ist eine Ruh’! Hihi!“ Zu Conchita Wurst: „Man muss ja nicht alles heroisieren, einen nackten gegenderten Körper z. B., hihi, wie auf diesem Plakat.“ „Für das Plakat gilt nicht, was für Gabalier gilt? Freiheit der Kunst?“, fragt der Journalist schlagfertig. Da lacht er, der Strache, „hihihi“. Ist ja auch lustig, dieses ganze Sex-Zeug.

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… und dieser Strache hier …

Dann geht es um Ausgrenzung, Ausgrenzung? Ausgrenzung! „Wollen Sie den anderen Parteien vorschreiben, wer mit Ihnen koaliert? Die Grünen sind in immerhin sechs Bundesländern mit in der Regierung in der Koalition. Sie in gar keiner!“, stellt Frau Toth in den Raum. „Wir treiben die rotschwarze Regierung vor uns her seit zehn Jahren. Wir haben die Themenführerschaft inne: Islamismus! Die SPÖ sucht sich einen billigen Jakob: die Grünen! Die SPÖ hat sich den Akkilic gekauft!“ (Anm.: Auch wenn „der billige Jakob“ oft für die fliegenden jüdischen Händler verwendet wurde, bedeutet er jetzt per se keine antisemitische Redewendung, sondern kommt von Jakob dem Älteren, einem der  erstberufenen Apostel von Jesus. Jakob erhielt von Jesus angeblich wegen seiner ungestümen Art den aramäischen Spitznamen „Donnersohn“. Maria Vassilakou, Häupls Donnertochter …) „Wegen der Ausgrenzung der FPÖ sagen viele Menschen, es braucht einen Umbruch.“ Murmel, murmel.  „Überbordene Zuwanderung, leider kein Teil der Gesellschaft, Mohammed …“ Ich sag’s ja, mein Fernseher geht ein.

„Ich war ein Suchender“
„Der Islam ist sozusagen zum Markenkern der FPÖ geworden. Sie wollen mit dem Christentum dagegen halten?, fragt ORF-Langpaul. „Einmal hielten Sie ja ein Kreuz in die Kamera.“ „Das Kreuz ist ein kulturelles Symbol Europas! Es gibt Gebirgskreuze!! Das Kreuz gehört keiner Kirche!“, Straches Augen blitzten empört. Ja, die Kirche hat wirklich ihre Finger überall, sogar auf die Kreuze! „Ja, da denkt aber keiner, hier spricht der Bergsteiger zu uns“, sagt Langpaul, der Schelm. Strache: „Die Moslems sagen selber, wir wollen nicht, dass unsere Kinder abgefangen werden. Liberale Moslems sind gegen Gotteskrieger, die andere Menschen abschlachten.“

Barbara Toth stellt Strache eine Fangfrage, aufgepaßt!: „Was hat Ihnen denn damals geholfen, aus einer radikalen Bewegung herauszukommen?“  (Zwinker, zwinker, drei Bier!) So einfach auf „naives Gutmenschentum“ gefragt. Wenn schon, denn schon. Könnten Sie diese Kids nicht unterstützen? Und zwar wie? Strache: „Ich war ein Suchender.“  Murmel, murmel. „21 salafistische Kleinkindergärten in Wien… Für Radikalisierung besonders ansprechbar…“ Kleinkinder?! Ui, ui. A la: „Wenn du vor mir rutscht, schieße ich dir eine Murmel an den Kopf, picke dir meinen Kaugummi ins Gesicht, lade dich nicht auf meine Geburtstagsparty ein!“ Haue in die Schrebergartensiedlung Klein-Syrien ab?

„Was würden Sie gegen Radikalisierung machen?“ „Placebo Islamgesetz …, Offener Gummi Paragraf … Wir haben dreißig Rückkehrer aus Syrien in Österreich, die leben frei als tickende Zeitbomben in unserer Gesellschaft. Alle anderen, die sich einer Armee anschließen, Fremdenlegionäre z. B., verlieren die österreichische Staatsbürgerschaft und die nicht? Das muss man auf terroristische Organisation erweitern. Jeder, der sich für den Jihad gemeldet hat, soll die Staatsbürgerschaft verlieren.“ (Anm.: Ja, die Fremdenlegion ist nun mal keine terorristische Organisation, niemals.) Strache kriegt kaum Luft mehr. Journalist: „Heute sind  700 Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben.“ Strache muss husten: „Pardong“. Dann ist wieder keine Zeit für Luft holen, Entwicklungshilfe-Gelder, die gehen ja „irgendwohin“! „Man darf die USA nicht aus der Verantwortung holen, Syrien, Irak …, Frau TOT! Schlepperbanden …, wer das schafft, 5000 Euro zu zahlen, darf hier bleiben, signalisiert die EU. Aus wirtschaftlichen Gründen solche Todesfahrten auf sich zu nehmen!!“ Jaja, die spinnen, die Römer, die Afrikaner und die Syrer sowieso, Leute. Peace, brother. Piss off.

Kein Wundenlecken möglich
Journalist: „Sie sind der Erste, der die EZA-Gelder erhöht?”
Strache verfällt plötzlich in Dialekt: „Net a Geldüberweisung gehört her, sondern Projekthilfe vor Ort. No ja. Selbstgemachte Probleme: Schulden! Wenn es uns besser geht, können wir auch anderen wieder helfen.“ Luftholen, Herr Strache!  „Kalte Progression!“, wie ein Taucher schnappt er nach Luft. Armut ist auch ein Trauma, nämlich ein „soziales Trauma“, erklärte mir einmal eine Trauma-Therapeutin. „Hotellerie, Staatshaushalt …“ Die armen Hoteliers, wirklich. „Haben Sie schon einmal selber unterstützt?“, fragt Toth. „Ich habe schon einmal selber in der Dritten Welt einen Schulbau unterstützt.“ Whow. (Mit drei Solidaritäts-Bier. Scherz!) Strache schimpft weiter: „30.000 Asylwerber, die vielleicht Missbrauch versucht haben.“ Asylwerber! Missbrauch! Wie ertrinken z. B.? („Wo sind die Frauen und Kinder“, fragt Strache. „Warum kommen immer nur junge Männer?“ Abgesoffen!) „Selbst wenn Sie in Wien Erster werden, brauchen Sie einen Koalitionspartner“, konstatiert Langpaul. „Wenn ich in Wien Erster werde, gibt es kein Wundenlecken, sondern ein massives Umdenken in der SPÖ. Häupl (Jesus) muss noch in derselben Nacht zurücktreten“, freut sich Strache schon im voraus.

Exklusiv für Hydra verfasst von Gastautorin Kerstin Kellermann.