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Posts Tagged ‘Politik’

Fekter 4 Kidz

Posted by evakiel on Oktober 21st, 2009

mustard fekter

(Foto: Matthias Cremer/Der Standard)

Dürfen Ahmed, Fereshta und Mehtin in Österreich bleiben oder nicht? Lest alles darüber in unserem exklusiven Spatzipost-Service: Wir erklären die wichtigsten Begriffe und Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wirtschaft. Dieses Mal: Innenministerin Maria Fekter und ihr neues Fremdenrecht.   

Zunächst mal, liebe Kinder: Was ist überhaupt eine Innenministerin? Nun, die Innenministerin ist die Chefin aller Beamten, die damit beschäftigt sind, in Österreich für Sauberkeit und Ordnung zu sorgen. Da gehören die Polizisten dazu, die böse Verbrecher verhaften oder manchmal auch gleich drauf los ballern. Und es gehören die Leute dazu, die bestimmen, wer hier in Österreich sein darf und wer nicht. Es gibt nämlich viele Menschen, die einfach so nach Österreich wollen, aber das geht natürlich nicht. Das kennt ihr ja, wenn ihr etwa bei der Oma zu viele Süßigkeiten genascht habt und nun kotzübel über der Kloschüssel hängt: Was raus muss, muss raus.  

Also hat die Innenministerin ein Gesetz (bzw. Fremdenrecht) gemacht, dass sich um diese dringende Frage kümmert. Das ist natürlich eine ganz komplizierte Sache, aber Frau Fekter hat ein Herz für Kinder (außerdem ist sie Politikerin), darum hat sie ganz einfache Worte gefunden um zu erklären, was in dem neuen Gesetz steht. Sie sagt: „Die Hintertür für Schlepper und Kriminelle schließen, damit die Vordertür für bedrohte Flüchtlinge offen bleibt.“ Nun, Kinder, ihr habt es sicher gleich bemerkt, Politiker sind immer auch ein bisschen Komiker. Sie lieben Wortspiele und falsche Vergleiche. Wie Clowns, die mit Eiswürfel jonglieren, oder Kabarettisten, die aus einem missverständlichen Satz ein ganzes Kabarettprogramm zimmern.

Schauen wir uns also mal diesen Satz von der Vorder- und Hintertür an. Das Land Österreich hat natürlich nicht bloß zwei Türen, das wäre ja lustig, oder? Ihr wollt etwa mit euren Eltern ins Ausland fahren, aber es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder vorne raus (in Bregenz etwa) oder hinten herum (vermutlich irgendwo im Burgenland). Da müsste man einen ziemlichen Umweg fahren, wenn man etwa nur mal kurz nach Bratislava, aber auf keinen Fall bei der Hintertüre raus will. Ihr seht schon, das ist ein rechter Blödsinn.

Aber die Frau Innenminister hat vermutlich etwas ganz anderes gemeint. Jetzt wird es natürlich schwierig, denn dieses Wortspiel mit der Vorder- und der Hintertür ist vor allem Erwachsenen geläufig. Das verwenden meist Männer, die nicht sehr lieb zu Frauen sind. Die behaupten dann nämlich, dass es bei Frauen eine Vorder- und Hintertür gäbe. Also bei der Vordertür, da wird, na ja, hihi, da werden die Kinder gemacht. Also der Mann öffnet die Vordertür der Frau und tritt dann sozusagen bei der Frau ein. Aber wie genau das läuft, lernt ihr sicher mal im Aufklärungsunterricht. Die Hintertür hingegen, ja, das ist ganz schwer zu erklären. Da kann man auch eintreten. Manche Menschen mögen das, anderen finden das voll Pfui Gaggi. Weil genau das kommt ja hinten raus.

Die Innenministerin will also offensichtlich nicht, dass Menschen, die aus einem anderen Land kommen, in Österreich voll in die Scheiße treten. Darum glaubt sie, dass das, was sie macht, „gerecht, human und effizient“ ist. Das Wort „Effizienz“ bedeutet übrigens nichts anderes als huschiwuschi. Also flott und ohne Rücksicht auf Verluste. Da muss man schon auch dazu sagen, das „human“ (das heißt „menschlich“) und „effizient“ nicht unbedingt zwei Worte sind, die sich gerne miteinander ins Bett legen und gegenseitig an ihren Vordertüren herumfummeln; nein, eher fickt das eine Wort das andere ziemlich in den Arsch, aber das nur nebenbei.

Trotzdem ist das sehr lieb gedacht von der Innenministerin, darum hat sie auch eine Reihe von lieben Vorschlägen, um Ausländer (gemeint sind übrigens keine Touristen oder Top-Arbeitskräfte, sondern arme Schlucker) davor zu bewahren, hier bei uns in die Scheiße zu tapsen. Am besten sollen sie gar nicht erst herein dürfen, sprich: die Hintertüre wird zugesperrt und die Vordertür so gut versteckt, damit man gar nicht weiß, wie man überhaupt hereinkommt. Dann werden die paar Menschen, die sich trotzdem irgendwie nach Österreich verirrt haben, gleich ins Gefängnis gesteckt (das nennt sich Schubhaft), denn dort liegt bekanntlicher Weise keine Scheiße am Gehsteig herum. Und dann gibt es noch viele Gesetze, die so kompliziert sind, dass sogar Euer Papa einen Rechtsanwalt brauchen würde, um zu verstehen, was denn jetzt schon wieder los ist. Das muss so sein, damit man nicht gleich versteht, dass alle diese Gesetze im Grunde nur das Eine sagen: Wenn du nicht zu uns gehörst und kein Geld hast, dann hau wieder ab!

Das klingt jetzt etwas hart, aber wir dürfen nicht vergessen, dass es die Aufgabe der Innenministerin und ihrer Beamten ist, Österreichs Strassen sauber zu halten. Sie sind ein bisschen wie die Müllabfuhr, nur dass es nicht um Pappbecher, Pizzaschachteln oder Hundegaggi geht, sondern um Menschen. Da muss auch man verstehen, dass es aus dieser Perspektive manchmal schwierig ist, Menschen und Müll zu unterscheiden. Für die Innenministerin sind alle Menschen, die Recht, Ordnung und Sauberkeit in Österreich bedrohen, offenbar so etwas wie Müll. Darum hat sie auch dieses neue Fremdenwegwerfgesetz gemacht. Checkt das aus, Kidz, wenn ihr das nächste Mal länger am Klo sitzt. ek

Jörg 4 Kidz

Posted by evakiel on Oktober 10th, 2009

mustard joergDas „Faszinosum Haider“ gedeutet aus der Sicht der Spatzipost. Zum ersten Todestag von „Landesvater“ Jörg Haider erscheinen allerorts Würdigungen, Erinnerungen und natürlich Verklärungen. Niemand aber macht sich die Mühe, jungen Menschen, die den größten Landeshauptmann aller Zeiten nicht mehr so richtig mit erlebt haben, zu erklären, was eigentlich so faszinierend an Jörg Haider war. Wie gut, dass es die Spatzipost gibt.

 Heute, vor zwei, drei Jahren. Deine Eltern sind umgezogen, und du kommst in eine neue Schule. Am ersten Schultag, in der großen Pause, gehst du durch den Schulhof. Immer schön vorsichtig, denn du willst erst mal herausfinden, wie die Dinge hier laufen. Du bist kein großer Held, kein Anführer, sondern eher ein Schäfchen wie die meisten anderen. Du willst bloß wissen, wie der Hase läuft, wo die größten Fettnäpfchen lauern und wo man vielleicht sogar ein bisschen was für sich selber rausschlagen kann. Denn wie das Spiel läuft, das hast du schon herausgefunden. Auf den Kopf gefallen bist du ja nicht.

 Auf der Bank hinter dem Klettergerüst etwa sitzt der Josef. Er ist ein bisschen fester, hat schütteres Haar und hübsche Pausbacken. Ein paar Burschen hängen bei ihm rum. Sie teilen ihre Jause mit ihm, sprich: er kriegt was von den anderen ab. Sein Vater, erfährst du schnell, kennt den Schuldirektor. Außerdem ist sein Onkel bei der Raiffeisen und alle Kinder, die vom Land kommen, müssen ihn respektieren. Das haben ihre Väter ihnen eingebläut. Charisma hat er nicht viel der Josef, aber eben: Was er hat und was er ist, das erschließt sich erst durch einen Blick hinter die Kulissen.

Dann gibt es den Werner. Der ist der beste Freund vom Hans, der die Schülerzeitung herausgibt. Rein zufällig arbeitet der Papa vom Hans auch bei einer Zeitung, darum darf der Hans manchmal auch schreiben, was den Lehrern nicht passt. Was er dann meistens nicht tut, aber androhen kann er es ja. Der Werner hat sehr schnell gemerkt, dass das gar nicht so blöd ist, dass man ganz schön punkten kann, wenn man den Lehrern mit der Schülerzeitung droht. Darum ist er der beste Freund vom Hans (der aber nicht so blöd ist, es sich nur mit einem Jungen gut zu stellen). Und darum hängen auch ein paar Leute beim Werner rum. Auch da würde man am ersten Blick gar nicht verstehen, warum der Werner nicht alleine in einer Ecke hängt und traurig an seinem Jausenbrot kaut. Ist ja nicht viel dran am Werner …

Mitten am Schulhof stolziert der Heinz-Christian. Der ist dir eigentlich gleich aufgefallen. Er ist der lauteste hier. Um ihn herum ein Rudel von bulligen Typen, die ihn ganz toll finden, obwohl er eigentlich nur ein präpotenter Rüpel ist. (So dein erster Eindruck zumindest.) Er lässt markige Sprüche vom Stapel, winkt allen zu, auch denen, die ihn niemals grüßen würden, und am liebsten plaudert er mit den dümmsten Mädchen im Schulhof. Das sind auch die einzigen, die nicht gleich davon rennen. Der Heinz-Christian kennt eigentlich nur ein Gesprächsthema, das er in allen möglichen Variationen wiederholt. Nämlich den Ahmed, den Igor und die Fereshta, die auch in deine neue Klasse gehen. Dauernd hänselt er die Drei und erklärt den anderen, dass das eigentlich gar nicht geht, dass die auch in der Klasse sind. Aber eigentlich würde ihm keiner zuhören, aber seine bullige Leibgarde rempelt alle an, die nicht gleich blöde zustimmend grinsen. Auch Mädchen übrigens, die kennen da nichts. Letzte Woche hat sich die Doris eine blutige Nase eingefangen. Na ja, ist halt eine Schlägertruppe, die gibt’s in jeder Schule.

Irgendwo in einer Ecke sitzen noch die Eva und der Michael und streiten die ganze Zeit. Die wären dir eigentlich ganz sympathisch und dir ist auch gleich klar, dass das keine Schafe sind. Aber was du davon hättest, wenn du dich auf ihre Seite schlagen würdest, das wird dir einfach nicht klar. Du verstehst nicht einmal, worüber da die ganze Zeit gestritten wird. Stehen auch nur zwei, drei Kinder herum und verdrehen die Augen. Aber deine Aufmerksamkeit ist ohnehin die ganze Zeit von einem ganz anderen Typen gefesselt.

Denn da gibt es noch den Jörg. Das ist ein rotzfrecher Junge, der fast nur von Burschen umringt wird. Ui, die haben Spaß! Und scheinen sich auch wahnsinnig gut zu verstehen. Da greift man sich liebevoll auf die Schulter, schüttelt sich vor Lachen, umarmt sich hin und wieder sogar. Da leuchten sogar ein paar Augen, weil jeder Bursche, der dort herumsteht, auch mal will, dass ihn der Jörg anschaut und mit ihm spricht. Und der Jörg weiß genau, dass das so ist. Zwischendurch klettert er auf das Klettergerüst, bis ganz oben, und zeigt allen, was er sich traut. Alles nämlich. Vor gar nichts hat er Angst. Und dann wieder hörst du ihn flüstern: „Burschen, dem Werner spielen wir jetzt einen Streich. Seht ihr den Hans …“ Mehr kannst du nicht hören, weil dich die anderen Burschen wegdrängen. Sie wollen alle an die Sonne. Und du auch irgendwie. Dass der Jörg genauso über den Ahmed, den Igor und die Fereshta lästert, das gefällt dir zwar nicht so, aber so frech wie er das tut, ist das irgendwie schon wieder cool. Und ein bisschen recht hat er schon, denn die sind nicht so wie wir. Warum das ein Problem sein soll, hast du aber gleich wieder vergessen, ist auch nicht so wichtig …

Das war vor zwei, drei Jahren. Wenn du heute raus auf den Schulhof gehst, ist alles anders. Der Jörg geht in eine andere Schule, irgendwo in der Himmelpfortgasse (oder war’s am Höllriegl?), aber die anderen sitzen noch genauso dort wie vor drei Jahren. Und irgendwie ist das alles total fad. Was soll ich bloß tun, fragst du dich. Bald kommst du in die nächste Schule, und du musst überlegen, wie es mit dir weitergeht. Na ja, denkst du dir, begeistern tut mich da gar nichts, also sichere ich mich nach allen Richtungen ab. Auf jeden Fall kriechst du dem Josef in den Arsch, denn er kann es dir richten, wenn du ihm auch was von der Jause abgibst. Mit dem Heinz-Christian stellst du es dir auch gut, sonst gibt’s eine auf die Nase. Und der Werner … na schauen wir mal, wenn der Hans wieder in Gönnerlaune ist, dann denkst du vielleicht auch eine Minute an ihn. So wirst du dich schon irgendwie durchs Leben wurschteln. ek

Neue Politkampagne startet!

Posted by curtcuisine on Juni 23rd, 2009

fake yes we couldIn kreativster Kleinarbeit wurde von der Hydra Corp. ein brandneuer Slogan für die österreichischen PolitikerInnen entwickelt. “Damit ist endlich Schluss mit allzu bekannten Phänomenen wie Politikverdrossenheit, Politikmisstrauen, Politikdepression, Politiktotalverzweiflung oder Politiktodeslangeweile”, so Wilhelm J. v. R., designierter Chef C.E.O. der Hydra Corp.

“YES WE COULD” lautet der muntere, fröhliche, energiespendende Slogan, der demnächst flächendeckend alle Plakatwände Österreichs zieren und nebenbei als Energydrink, Kinderspielzeug und Gleitcreme erhältlich sein wird. “Wie kein anderer Slogan bringt “Yes we could” die originären Fähigkeiten österreichischer PolitikerInnen zur Geltung”, so W. J. v. R. Der Slogan vereine zugleich Schlagkraft und Zeitgeist, was die wunderbare Synergie Schlaggeist und Zeitkraft ergäbe, “und das”, so W. J. v. R., “ist genau das, worauf die entmutigte Öffentlichkeit seit Jahren schon wartet.”

Gemeinsam mit dem Slogan hat die Hydra Corp. auch eine neue Einheitsfarbe für alle Parteien entwickelt. “Rosa ist die neue Kampffarbe der österreichischen Parteienlandschaft, so auffällig, so auffällig anders, lautet das Motto”, so W. J. v. R. Bedenken, dies könne den allgegenwärtigen Einheitsbrei in der österr. Politik nohc verstärken, und dass diese Farbe gar ein Kommentar zum streichelweichen Kurs der großen Koalition sei, wischt der CEO locker vom Tisch: “Dass die österr. Politik letztendlich nur darin bestünde, sich gegenseitig Posten und Saläre zuzuschachern ist ein alter Turnschuh, mit dem wollen wir uns nicht beschäftigen. Wir tragen nur brandaktuelle Designerware.” 

Für Slogan samt Kampagne verrechnet die Hydra Corp. den PolitikerInnen nichts, denn, so W. J. v. R.: “Ich gehe hier von einem Selbstläufer aus, der unserer Corp. viele lukrative Folgeaufträge einbringen wird.” cc

Österreich trauert …

Posted by admin on November 7th, 2008

mustard gartenzwerg… um die einzige, um die wahrhaftestigste, um die unvergleichlichste politische Führernatur des Landes. Wir wollten in aller Stilvölle mittrauern, aber leider musste der Eintrag, der an dieser Stelle war, nach nur wenigen Stunden wieder aus dem Netz genommen werden. Weniger weil, wie beim Thema “Alkohol, Auto und überhöhte Geschwindigkeit” üblich, bin kürzester Zeit hunderte Poster aufgetaucht sind und sich die Finger wund geschrieben haben, sondern weil man uns (von hier aus nicht nennbarer Stelle) mit diversen Konsequenzen drohte. Wir können hier nicht ins Detail gehen (damit meinen wir nicht ein Lokal oder Beisl in Wien), aber wir versprechen Euch auf dem Laufenden zu halten, sobald wir den Würgegriff des Meinungsterrors etwas gelockert haben.

Alles über den Rechtsruck!

Posted by curtcuisine on Oktober 8th, 2008

mustard rechtsruckMöbel rückt man nach rechts. Wenn etwa links im Zimmer kein Platz mehr ist. Dann steht eben alles im rechten Eck, was zwar nicht sonderlich gut ausschaut, aber man hat wenigstens auf der linken Seite wieder mehr Platz. Dort kann man dann Squash spielen, wäre das nicht so aus der Mode. Also besser einen anderen Trendsport oder vielleicht überhaupt die erste Wahl: ins Fitnesstudio. Dort strebt man wie alle anderen Fittiche (sagt man doch so, oder?) nach Ausgleich und Fitness, nach knackiger Schönheit, einem Leben in Gleichklang und möglichst lange anhaltender Jugendlichkeit.

Man widmet sich also seinem Freizeitvergnügen, dieser hohen Kunst hedonistischer Selbstbelohnung, die die eigenen Bedürfnisse über alles andere stellt. Das ist nur recht und billig in einer wohlhabenden Gesellschaft, die erkannt hat, dass Genuss und Konsum das Um und Auf unser aller Existenz ist. Wirtschaftskraft stärken, das bedeutet, das Leben genießen, sich etwas gönnen, sich vor allem etwas leisten … und so weiter.

Später, erschöpft vom domestizierten Ausgleichssport und der leicht masochistisch gefärbten Selbstbelohnung (schließlich hat man sich ja was „Gutes“ getan), kehrt man dann in die eigene Wohnung zurück. Man betätigt den Lichtschalter und da fällt es einem dann wieder ein: Skandal! Rechtsruck! Alles steht im rechten Eck! Und hätte man das nicht selbst noch vor wenigen Stunden selbst besorgt, müsste man sich vermutlich wundern, wie das wohl geschehen sein mag. Zauberei? Infamie? Perfidie?

So einfach liegen die Dinge im eigenen, privaten Zimmer. So seltsam liegen die Dinge in jenem anderen, ganz und gar nicht privaten Raum. Irgendwie scheint es also einen Rechtsruck gegeben zu haben. Plötzlich. Von einem Tag auf den anderen. An einem Sonntag noch dazu, übrigens. Bei allem was recht ist, aber an diesem geheiligten Tag der Bequemlichkeit davon auszugehen, dass Gesinnungen in großem Stil geändert wurden, klingt doch ein wenig realitätsfremd. Wer hätte denn diese Arbeit leisten sollen? Denn auch eine Meinungsänderung ist letztendliche eine Form von Arbeit – wenn auch eher weltanschaulicher Natur.

Wenn die Mär vom Rechtsruck stimmt, dann gibt es dafür nur zwei Erklärungsmöglichkeiten. Die erste funktioniert genauso wie die Geschichte vom Zimmer. Die Überzeugungsarbeit, die notwendig ist, um Gesinnungen von einem Ort zu einem anderen zu transportieren, wurde über Jahre hinweg geleistet. Allerdings nicht von jenen Menschen, die im rechten Eck stehen, denn wenn die Möbel links oder sagen wir (realitätsnäher) in der Mitte des Zimmers stehen, dann muss entweder jemand von der rechten Seite aus in die Mitte aufgebrochen sein, um die Möbel dort abzuholen, wo sie stehen (wie man so schön sagt). Oder aber es waren jene Möbelpacker, die in der Mitte standen, und die sich aus irgendeinem Grund nach rechts lehnten, wobei sie unabsichtlich einen Haufen Möbel verrückt haben. (Von einer konkreten Absicht kann man in dem Fall kaum ausgehen, es muss irgendwie passiert sein, denn die in der Mitte wollten ja, dass die Möbel auch genau dort stehen bleiben…)

Das klingt alles irgendwie seltsam. Wie hätte denn das vor sich gehen sollen? Von einem andauernden Streit war da die Rede, der nicht nur von den Möbelpackern, sondern auch von den Medien, die über die Möbelpacker berichten, ständig eskaliert wurde. Klar, es wurde gemeckert, dass das untragbar sei, aber wer wollte denn, dass sich die Möbel ganz von selbst nach rechts verschieben? Wie das denn aussieht! Hier könnte man dem Vergleich sein Hinkebein kräftig um die Ohren donnern, denn von Menschen weiß man ja, dass sie einen eigenen Willen haben. Andererseits, moderne Markt- und Meinungsforschung klingt ganz und gar danach. Da haben Menschen nur Motive und diese Motive lassen sich beeinflussen. Und wenn am Ende nicht raus kommt, was erwartet wurde, hatten die Menschen nicht ihren eigenen Willen, sondern sie wurden ganz einfach nur nicht optimal beeinflusst (oder, wie man so schön sagt, nicht dort abgeholt, wo sie stehen, um dann mit ihnen, eh schon wissen, ins rechte Eck zu gehen). Also eben doch Möbel, nicht Menschen. Das Volk als Mobiliar, der Staat ein möbliertes Zimmer. Der rechte Eck, um dort hinzukotzen, das linke Eck, um sich vor gähnende Leere zu langweilen, und die Mitte, in der man ständig unzufrieden ist, weil nichts zusammenpasst. Na, schönen Dank der modernen Demagogie! 

Es gibt eine zweite Erklärung. Das Gesetz der Trägheit. Die Möbel haben sich gar nicht bewegt. Die Möbel haben das getan, was sie immer tun, sich selbst sozusagen zu genügen. Aber das Zimmer hat sich geändert. Es hat sich verbogen, irgendwie, nicht-euklidisch oder einer alternativen Logik des Raum-Zeit-Gefüges folgend. Und das, was einst die Mitte des Zimmers war, ist aufgrund dieser (perspektivischen) Veränderung nun plötzlich der rechte Teil des Zimmers. Daran knüpfen sich schwerwiegende Fragen, etwa: War das vorher tatsächlich die Mitte oder war diese Mitte nicht längst schon irgendwie der rechte Teil des Zimmers. Oder um es so zu formulieren: Ist Gutbürgerlichkeit nicht per se faschistisch? Zumindest in seinem Kern? Und dieser ganze Kult des Hedonismus, der Körperlichkeit, der ewigen Jugend, des schön und erfolgreich seins, lacht uns da nicht die Wohlstandsversion des selbstgefällig Schönen ins vegetarisch genährte Gesicht? (Richtig, irgendwie sind wir wieder im Fitnessstudio mit angeschlossener Veggie-Food-Bar angekommen.)

Aber um nicht allzu sehr zu beunruhigen (tun wir sowieso nicht, ist ja alles nur ein hinkender Vergleich, kein Gips der Welt passt da drauf), haben wir noch eine dritte Erklärungsvariante. Es hat gar kein Rechtsruck stattgefunden. Das ist nur eine hohle Phrase, die mehr davon erzählt, wie wenig Qualität in manchen Qualitätsmedien steckt, weil sie sich eben doch lieber auf intellektuelle Weise empören, als … na ja, lassen wir das Gesülze. Der Punkt ist: Der eigentliche Rechtsruck steht uns erst bevor, jetzt, nachdem dank des Votums des staatsbürgerlichen Mobiliars das rechte Eck des Staatszimmer weitaus mehr finanzielle und politische Möglichkeiten hat, um jenen engstirnigen, ausgrenzenden, mitunter haarsträubend hirnrissigen Schmonzes, für den sie stehen, unter das Volk zu bringen. Mit anderen Worten: Die fangen gerade erst so richtig zu rücken an. Und nun stelle man sich vor, das sich diese Burschen zur Abwechslung mal nicht selbst zerfleischen oder gar noch ein begabter Demagoge nachkommt. Und nicht zuletzt: Sozial gemütlicher wird es im Staatszimmer auch nicht unbedingt derzeit. cc

Wahlhalla!

Posted by curtcuisine on September 1st, 2008

mustard wahlWahlplakate haben mit Kunstwerken eines gemeinsam: Sie sind bis zum letzten Pixel durchdacht. Ok, nicht jedes Kunstwerk meint es so genau, aber Wahlplakete schon. Da gibt es nichts, was zufällig ist. Alles an einem Wahlplakat hat Sinn, macht Sinn, will bestimmte Wirkung erzielen. Und genau aus diesem Grund wird auch allwahljährlich heruminterpretiert an diesen Dingern, nicht zuletzt weil sie in ihrer Allgegenwart oft genug gewaltig nerven.

Das Plakat der SPÖ beispielsweise. Was will uns das Konterfei von Werner Faymann in schwarzem Sakko mit schwarzer Krawatte vor rotem Hintergrund sagen? Ein Wink mit dem koalitionären Zaunpfahl? „Die Koalition ist so sicher wie das Schwarz meiner Weste?“ Und das Ganze vor blutrotem Hintergrund? „Dieses Mal gehen wir dabei über Leichen? Und wenn es nur Wahlversprechen sind, die wir dann seelenruhig dahinmeucheln?“ Und was soll dieses seltsame Grinsen dazu? „Ätsch, ich habe Onkel Hans und seine Schwiegertochter im Rücken, und den Fellner Wolfi sowieso …“

Ganz anders die ÖVP. Ein ergrauter Wilhelm Molterer lächelt uns da bemüht in weißem Hemd mit rotweiß gestreifter Krawatte vor weißem Hintergrund entgegen. Kein blutroter Hintergrund, keine Schwärze der Nacht, nein, weiß wie die Unschuld präsentiert sich die dunkelste politische Fraktion, dezent mit einem Bekenntnis zu Österreich um den Hals gehängt. Das könnte man auch so interpretieren: „Österreich, das hängt uns um den Hals oder vielleicht sogar, zum Halse raus.“ Oder auch: „Diesem Österreich gehen wir jetzt endlich an die Gurgel!“ Ach, schelmische Krawattensymbolik! Noch aufschlussreicher das Bild von Molterer selbst. Das Lächeln wirkt angestrengt, schier unglaublich, dass der Mann mit abfallenden Mundwinkeln überhaupt noch ein Lächeln zustande bringt. Überhaupt scheint es entschiedene Absicht gewesen sein, dieses abgekämpfte Antlitz ins Zentrum der Kampagne zu hieven. Das rechte Auge Molterers ist größer als das linke, die Haare wirken ergraut, der Eindruck einer bestimmten Zersaustheit liegt auf der Hand. Es ist ein Plakat, das offenbar Mitleid erwecken will. „So abgekämpft sind wir, wählt lieber doch gleich die anderen.“

Wie erfreulich nehmen sich demgegenüber die Bemühungen des FPÖ aus. Diese Kampagne ist mit Abstand die modernste und mutigste, denn sie kann nur als bedingungslose Auforderung zur Bürgerbeteiligung interpretiert werden. Die in ihrer Stupidität und Engstirnigkeit bewusst provokativ gehaltenen Slogans (z. B. „Asylbetrug heißt Heimatflug“), machen klar, dass diese Plakate als unfertige konzipiert sind. Sie wollen durch kreative Beteiligung des Wahlvolkes komplettiert werden. Erst wenn dann Etiketten mit der Aufschrift „Hitler“ oder „Verhetzer“ auf den Sujets prangen, oder der von alten Haider-Plakaten gestohlene Slogan „Sie sind gegen ihn, weil er für euch ist“ in ein keckes „Gegen Ihn! Für Euch!“ umgewandelt wurde, erst dann sind diese Plakate vollständig und auch vollständig dort, wo sie hingehören.

Auf einem ganz anderen Planeten existieren hingegen die Plakate der Grünen. Dezente Fadesse trifft hier entschiedene Verharmlosung. Die Botschaft ist eindeutig: „Wenn ihr noch Kraft zum Gähnen habt, wählt uns!“ Und die allfällige Interpretation, sozusagen die sublime Botschaft zwischen den Zeilen, lautet offenbar: „Seht her, wie wir das eigentliche Potential dieser Partei versemmeln, wie wir alles, was die Grünen spannend und zu einer richtigen Alternative machen könnten, einschläfern.“ Nun, das ist wahrlich eine Empfehlung, wie sie punktgenauer nicht sein könnte. Tja, das macht so richtig Laune auf den baldigen Gang zur Wahlurne. cc

Ein Keks für Gio!

Posted by curtcuisine on Februar 2nd, 2008

news gioWir hatten eine Offenbarung! Gestern abend im Fernsehen! (Unglaublich, nicht?) Es war ein ÖVP-Politiker, der Balsam auf unsere gelangweilten Politikwunden legte. „Mir geht diese ganze Geschichte schon so am Keks. Wir verschwenden nur Zeit mit diesem Gelabbere.“ Sagte ÖVP-Wissenschaftsminister Johannes “Gio” Hahn live in der ZIB 1. Danke, Gio! Die Kekse hier sind für dich und nur für dich!

Die Kekse sind nicht für eine Partei, schon gar nicht für deine, Gio, sondern für diesen raren Moment ehrlicher Dampfablasserei. Denn was wir im Fernsehen sehen, in den Zeitungen lesen, in Natura erleben wollen, sind nicht die NLP-geschädigten Dampfplauderautomaten (Münzeinwurf wäre bei manchen Politikern wahrlich keine völlig aus der Luft gegriffen Überlegung), sondern Menschen, die von Zeit zu Zeit einfach genau das sagen, was sie eigentlich denken. Okay, es gibt genügend Menschen, wo man genau das nicht hören will, aber hey, das nennt man Demokratie.

Was wir stattdessen aber haben sind Menschen, die vier Jahre lang so tun als würden sie etwas sagen, was man unter Umständen auch als das Resultat eines vernünftigen Denkprozesses ausweisen können, in Wirklichkeit aber ein Gemisch aus Kalkül, Verlogenheit und Spindoktorengeplapper ist. Kann man das noch repräsentative Demokratie nennen? Klar haben wir die Burschen gewählt (und Burschen sind es immer noch meistens), und das Geschwafel ist wohl auch irgendwie repräsentativ, aber so realitätsnahe wollen wir das gerade mal nicht durchdenken, wo bleibt da die Ironie? Eben. Was wir haben ist eine behauptete Demokratie, eine, die nur so tut als ob, die in Wahrheit aber eigener Pseudobefindlichkeiten wegen strategische Sandkastenspielchen inszeniert.

Den Menschen ist es Kantwurst, Alfred, ob du nach 27,5 gebrochenen Wahlversprechen eine Zwischenbestzeit gerade mal so über den Abhang schummelst, die wollen dich schwitzen und arbeiten sehen. Im oben genannten Sinne übrigens, nicht vor dem Spiegel kurz vor und nach der Pressekonferenz. Und Willy, ja, genau, du auch. (Ich habe ein Recht darauf, Euch zu duzen, ihr versucht täglich mich in meinen eigenen vier Wänden für einen Vollidioten zu verkaufen, da wird man zwangsläufig intim, gelle.) Also. Wie wäre es, wenn wir Demokratie in Zukunft nach laufend abgegeben Onlinebewertungen casten? Belohnt wird nach diesem System nicht Geplapper, sondern klare, offene, halbwegs vernünftig formulierte Argumentation. Und konkrete politische Arbeit natürlich. (Schwierig, schwierig, ich weiß.) Um irgendwann diesen Gedanken in alle Winde zu zerstreuen, dass politisches Kleingeld damit gemacht wird, auf welcher Seite man zu welchem Thema seinen Senf auf das Burenhäutl der Kleinkariertheit schmiert, sondern dafür, dass man das Burenhäutl selbst schmackhafter macht. (Mann, geht’s noch plastischer? Irgendwer eine Debreziner? Nein, Döner. Ach so.)

Gio Hahn also hat das Burenhäutl für einige Augenblicke wirklich lecker gemacht. Mit einem Keks. Dafür hat er die Zwischenbestzeit eingefahren. Fünf Sympathiepunkte. Keine Ahnung, wie er morgen seinen Buckel wieder krümmt oder krümmen muss. Aber besser wenigstens einmal in fünfzig Lügen und Beschwichtigungen einen brauchbaren Satz gesagt zu haben (der auch mal erkennen lässt, dass da nicht ferngesteuerte Politbausätze durch das Parlament stolpern, sondern Menschen), als überhaupt nur auf der Seifenblasengischt eines irgendwo vermuteten Konsens. Also. Hier die Kekse, Gio, die in Wahrheit du uns geschenkt hast. Danke dafür. Gerne wieder. cc

 
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