Fekter 4 Kidz
Posted by evakiel on Oktober 21st, 2009

(Foto: Matthias Cremer/Der Standard)
Dürfen Ahmed, Fereshta und Mehtin in Österreich bleiben oder nicht? Lest alles darüber in unserem exklusiven Spatzipost-Service: Wir erklären die wichtigsten Begriffe und Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wirtschaft. Dieses Mal: Innenministerin Maria Fekter und ihr neues Fremdenrecht.
Zunächst mal, liebe Kinder: Was ist überhaupt eine Innenministerin? Nun, die Innenministerin ist die Chefin aller Beamten, die damit beschäftigt sind, in Österreich für Sauberkeit und Ordnung zu sorgen. Da gehören die Polizisten dazu, die böse Verbrecher verhaften oder manchmal auch gleich drauf los ballern. Und es gehören die Leute dazu, die bestimmen, wer hier in Österreich sein darf und wer nicht. Es gibt nämlich viele Menschen, die einfach so nach Österreich wollen, aber das geht natürlich nicht. Das kennt ihr ja, wenn ihr etwa bei der Oma zu viele Süßigkeiten genascht habt und nun kotzübel über der Kloschüssel hängt: Was raus muss, muss raus.
Also hat die Innenministerin ein Gesetz (bzw. Fremdenrecht) gemacht, dass sich um diese dringende Frage kümmert. Das ist natürlich eine ganz komplizierte Sache, aber Frau Fekter hat ein Herz für Kinder (außerdem ist sie Politikerin), darum hat sie ganz einfache Worte gefunden um zu erklären, was in dem neuen Gesetz steht. Sie sagt: „Die Hintertür für Schlepper und Kriminelle schließen, damit die Vordertür für bedrohte Flüchtlinge offen bleibt.“ Nun, Kinder, ihr habt es sicher gleich bemerkt, Politiker sind immer auch ein bisschen Komiker. Sie lieben Wortspiele und falsche Vergleiche. Wie Clowns, die mit Eiswürfel jonglieren, oder Kabarettisten, die aus einem missverständlichen Satz ein ganzes Kabarettprogramm zimmern.
Schauen wir uns also mal diesen Satz von der Vorder- und Hintertür an. Das Land Österreich hat natürlich nicht bloß zwei Türen, das wäre ja lustig, oder? Ihr wollt etwa mit euren Eltern ins Ausland fahren, aber es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder vorne raus (in Bregenz etwa) oder hinten herum (vermutlich irgendwo im Burgenland). Da müsste man einen ziemlichen Umweg fahren, wenn man etwa nur mal kurz nach Bratislava, aber auf keinen Fall bei der Hintertüre raus will. Ihr seht schon, das ist ein rechter Blödsinn.
Aber die Frau Innenminister hat vermutlich etwas ganz anderes gemeint. Jetzt wird es natürlich schwierig, denn dieses Wortspiel mit der Vorder- und der Hintertür ist vor allem Erwachsenen geläufig. Das verwenden meist Männer, die nicht sehr lieb zu Frauen sind. Die behaupten dann nämlich, dass es bei Frauen eine Vorder- und Hintertür gäbe. Also bei der Vordertür, da wird, na ja, hihi, da werden die Kinder gemacht. Also der Mann öffnet die Vordertür der Frau und tritt dann sozusagen bei der Frau ein. Aber wie genau das läuft, lernt ihr sicher mal im Aufklärungsunterricht. Die Hintertür hingegen, ja, das ist ganz schwer zu erklären. Da kann man auch eintreten. Manche Menschen mögen das, anderen finden das voll Pfui Gaggi. Weil genau das kommt ja hinten raus.
Die Innenministerin will also offensichtlich nicht, dass Menschen, die aus einem anderen Land kommen, in Österreich voll in die Scheiße treten. Darum glaubt sie, dass das, was sie macht, „gerecht, human und effizient“ ist. Das Wort „Effizienz“ bedeutet übrigens nichts anderes als huschiwuschi. Also flott und ohne Rücksicht auf Verluste. Da muss man schon auch dazu sagen, das „human“ (das heißt „menschlich“) und „effizient“ nicht unbedingt zwei Worte sind, die sich gerne miteinander ins Bett legen und gegenseitig an ihren Vordertüren herumfummeln; nein, eher fickt das eine Wort das andere ziemlich in den Arsch, aber das nur nebenbei.
Trotzdem ist das sehr lieb gedacht von der Innenministerin, darum hat sie auch eine Reihe von lieben Vorschlägen, um Ausländer (gemeint sind übrigens keine Touristen oder Top-Arbeitskräfte, sondern arme Schlucker) davor zu bewahren, hier bei uns in die Scheiße zu tapsen. Am besten sollen sie gar nicht erst herein dürfen, sprich: die Hintertüre wird zugesperrt und die Vordertür so gut versteckt, damit man gar nicht weiß, wie man überhaupt hereinkommt. Dann werden die paar Menschen, die sich trotzdem irgendwie nach Österreich verirrt haben, gleich ins Gefängnis gesteckt (das nennt sich Schubhaft), denn dort liegt bekanntlicher Weise keine Scheiße am Gehsteig herum. Und dann gibt es noch viele Gesetze, die so kompliziert sind, dass sogar Euer Papa einen Rechtsanwalt brauchen würde, um zu verstehen, was denn jetzt schon wieder los ist. Das muss so sein, damit man nicht gleich versteht, dass alle diese Gesetze im Grunde nur das Eine sagen: Wenn du nicht zu uns gehörst und kein Geld hast, dann hau wieder ab!
Das klingt jetzt etwas hart, aber wir dürfen nicht vergessen, dass es die Aufgabe der Innenministerin und ihrer Beamten ist, Österreichs Strassen sauber zu halten. Sie sind ein bisschen wie die Müllabfuhr, nur dass es nicht um Pappbecher, Pizzaschachteln oder Hundegaggi geht, sondern um Menschen. Da muss auch man verstehen, dass es aus dieser Perspektive manchmal schwierig ist, Menschen und Müll zu unterscheiden. Für die Innenministerin sind alle Menschen, die Recht, Ordnung und Sauberkeit in Österreich bedrohen, offenbar so etwas wie Müll. Darum hat sie auch dieses neue Fremdenwegwerfgesetz gemacht. Checkt das aus, Kidz, wenn ihr das nächste Mal länger am Klo sitzt. ek



Das „Faszinosum Haider“ gedeutet aus der Sicht der Spatzipost. Zum ersten Todestag von „Landesvater“ Jörg Haider erscheinen allerorts Würdigungen, Erinnerungen und natürlich Verklärungen. Niemand aber macht sich die Mühe, jungen Menschen, die den größten Landeshauptmann aller Zeiten nicht mehr so richtig mit erlebt haben, zu erklären, was eigentlich so faszinierend an Jörg Haider war. Wie gut, dass es die Spatzipost gibt.
In kreativster Kleinarbeit wurde von der Hydra Corp. ein brandneuer Slogan für die österreichischen PolitikerInnen entwickelt. “Damit ist endlich Schluss mit allzu bekannten Phänomenen wie Politikverdrossenheit, Politikmisstrauen, Politikdepression, Politiktotalverzweiflung oder Politiktodeslangeweile”, so Wilhelm J. v. R., designierter Chef C.E.O. der Hydra Corp.
… um die einzige, um die wahrhaftestigste, um die unvergleichlichste politische Führernatur des Landes. Wir wollten in aller Stilvölle mittrauern, aber leider musste der Eintrag, der an dieser Stelle war, nach nur wenigen Stunden wieder aus dem Netz genommen werden. Weniger weil, wie beim Thema “Alkohol, Auto und überhöhte Geschwindigkeit” üblich, bin kürzester Zeit hunderte Poster aufgetaucht sind und sich die Finger wund geschrieben haben, sondern weil man uns (von hier aus nicht nennbarer Stelle) mit diversen Konsequenzen drohte. Wir können hier nicht ins Detail gehen (damit meinen wir nicht ein Lokal oder Beisl in Wien), aber wir versprechen Euch auf dem Laufenden zu halten, sobald wir den Würgegriff des Meinungsterrors etwas gelockert haben.
Möbel rückt man nach rechts. Wenn etwa links im Zimmer kein Platz mehr ist. Dann steht eben alles im rechten Eck, was zwar nicht sonderlich gut ausschaut, aber man hat wenigstens auf der linken Seite wieder mehr Platz. Dort kann man dann Squash spielen, wäre das nicht so aus der Mode. Also besser einen anderen Trendsport oder vielleicht überhaupt die erste Wahl: ins Fitnesstudio. Dort strebt man wie alle anderen Fittiche (sagt man doch so, oder?) nach Ausgleich und Fitness, nach knackiger Schönheit, einem Leben in Gleichklang und möglichst lange anhaltender Jugendlichkeit.
Wahlplakate haben mit Kunstwerken eines gemeinsam: Sie sind bis zum letzten Pixel durchdacht. Ok, nicht jedes Kunstwerk meint es so genau, aber Wahlplakete schon. Da gibt es nichts, was zufällig ist. Alles an einem Wahlplakat hat Sinn, macht Sinn, will bestimmte Wirkung erzielen. Und genau aus diesem Grund wird auch allwahljährlich heruminterpretiert an diesen Dingern, nicht zuletzt weil sie in ihrer Allgegenwart oft genug gewaltig nerven.
Wir hatten eine Offenbarung! Gestern abend im Fernsehen! (Unglaublich, nicht?) Es war ein ÖVP-Politiker, der Balsam auf unsere gelangweilten Politikwunden legte. „Mir geht diese ganze Geschichte schon so am Keks. Wir verschwenden nur Zeit mit diesem Gelabbere.“ Sagte ÖVP-Wissenschaftsminister Johannes “Gio” Hahn live in der ZIB 1. Danke, Gio! Die Kekse hier sind für dich und nur für dich!





