„Ohne EU fahren die Flüchtlinge gleich nach Österreich durch“

hackler_blueWieso hat Strache eigentlich etwas gegen die EU, wenn die doch die Flüchtlinge aufhält und „für uns angenehm“ in Italien bzw. Griechenland und Ungarn fixiert? Bundeskanzler Faymann mit seinen Live Aussagen im Sonntagsfernsehen, nur etwas gekürzt und ausgewählt – aber weder übertrieben noch selbst erfunden. Eine Realsatire von Kerstin Kellermann

Danke für die Einladung, sagt der Bundeskanzler bescheiden. Hallo, sagt die Österreich-Redakteurin zu ihm. Hallo, sagte Werner Faymann auch zu Angela Merkel, die ihn kurz vor der Sendung am Handy anrief. Faymann will Brücken bauen, obwohl „die Brücke“ zu Greichenland nicht zu sehen ist. (Alfred Adler: So geht’s uns immer! Wir bauen die Brücke beim Gehen!) Da fehlt die Brücke, sagt Faymann. „Sind Sie nicht ein bissl einem Spieler aufgesessen?“, näselt die Österreich-Redakteurin über den griechischen Finanzminister. „In Griechenland laufen die Patienten nach der Operation davon, damit sie die Arztrechnung nicht zahlen müssen“, sagt Faymann. Und: „Eine Brücke besteht nun mal aus zwei Teilen. Über die vertraulichen Teile erzähle ich Ihnen nichts, Frau Österreich. Ich hatte schon mehrere Gelegenheiten Varoufakis aufzufordern, seinen Plan zu verfeinern. Zwei Teile hat die Brücke. Er ist dran. Er hat den Verhandlungstisch verlassen, nicht ich.“
 
Sicherheit des Geldes
Die Österreich-Frau herablassend: „Gibt es eigentlich irgendeinen Plan B?“ Faymann: „Ich kenne den Plan B Griechenlands nicht, unseren schon (juhu!). Wir müssen ganz Europa zeigen, dass wir ein wirtschaftlich stabiles Land sind, damit nicht andere Länder in die Spirale kommen.“ – „Österreich hat auch Haftungen“, sagt Frau Österreich. Faymann: „Die Nationalbank sagt, das ist nicht abschätzbar, was passiert, wenn unsere Haftungen schlagend werden. Plan B ist in Griechenland zu beschließen. Vernunft ist angesagt. Brücken kann man bauen. Tun wir da nicht herumreden. Ich mache mir Sorgen um die Wirtschaft UND die Realwirtschaft.“ Die Zeitung Österreich hat Griechenland schon begraben und mit Faymann redet sie auch wie mit einem Kranken. Der Bundeskanzler ist nicht gekränkt, kennt er vielleicht schon. „Dass man hier ein Volk in Schwierigkeiten bringt, das eh schon Schwierigkeiten hat … Im Leben ist es aber so, man kann nur etwas erreichen, wenn der andere auch etwas macht. Durch Vertrauen und Sicherheit muss man erreichen, dass das griechische Volk nicht weiter von den Banken Geld abhebt.“ Tja, Vertrauen ist alles und rückblickend klingt das etwas zynisch – ein Volk, das mittlerweile 60 Euro pro Tag abheben darf. Außer die Touristen. Na ja, es geht ja um die Sicherheit – des  Geldes!

Finanzierungs- und Flüchtlingsströme
Auch gegen Terror hilft nur Sicherheit und deswegen muss man die Konten öffnen, um zu sehen, wo die Terrorfinanzierung her kommt – „ein breites Feld unserer Zeit, die Finanzierungsströme“, erklärt Faymann. „Der Terror führt ja zu den Flüchtlingsströmen. Ich bin grundsätzlich gegen das Hetzen.“ ORF-Redakteur Bürger: „Ist Europa nicht zu tolerant geworden – gegenüber der Rechten? Wir müssen etwas tun.“ „Ich bin gegen Pauschalurteile, denn die hatten wir schon einmal“, antwortet Faymann. „Und wenn sich Pauschalurteil gegen Pauschalurteil entgegen stellt, kommt Haß heraus und man kann niemanden überzeugen.“

Faymann schaut die Österreich-Redakteurin Isabelle Daniel freundlich an und näselt plötzlich ebenfalls: „Die deutsche Kanzlerin und ich haben gesagt, das mit den Flüchtlingsströmen muss praktikabel sein. Italien macht alles alleine! Fingerprints, schauen, wer diese Flüchtlinge sind, und, für uns sehr angenehm (!), gleich die Rückführung einleiten. Italien könnte auch ohne Fingerprints die Flüchtlinge gleich durchreisen lassen nach Österreich!“ Und dann ganz schlau und mit Lächeln in Richtung Strache: „Ohne EU gäbe es überhaupt keine Dublin-Verordnung. Zwinker, zwinker. Ohne Dublin würden die gleich nach Österreich durchfahren, wo der beste Arbeitsmarkt ist.“ Also, wer will hier noch raus aus der EU, bitte sehr?

Blaue Hackler
„Die FPÖ zielt auf die kleinen Leute. Wo ist noch das Soziale bei den Sozialdemokraten?“, fragt Bürger. Faymann bezieht sich auf die Arbeitslosen und die Mindestsicherungs-Bezieher. Wo bleiben die Arbeiter? „Warum wählen die Arbeiter plötzlich blau?“, fragt Bürger. Faymann: „Die FPÖ hat keine Lösung. Für den Grenzraum sichern sind wir auch.“ Isabelle  Daniel: „Warum laufen die SPÖ-Wähler in Scharen zur FPÖ über?“ Faymann beschwichtigt, „Ich war Erster“, betont er. Bei der letzten Wahl. Und er redet wieder von „Sozial Schwachen“, nicht von Arbeitern. Aber er ist zumindest nicht böse. Das ist schon etwas in diesen bösen Zeiten. Faymann will lieber von den lieben Menschen gewählt werden, die bereits aus dem harten Arbeitskampf heraus geflogen sind, als von diesen anstrengenden Hacklern, die mit zusammengebissenen Zähnen zu Höchstleistungen auflaufen. Vielleicht wollen die Arbeiter einfach nicht „sozial schwach“ sein?

Wer hat hier Strohsack gesagt?

In einer „seriösen“ politischen Diskussion hat das Thema „Beschimpfung“ eigentlich nichts verloren, aber vom Stapel getreten wurde es eben dort, als der EU-Abgeordnete Ewald Stadler in einer ZiB-Sendung vor einiger Zeit hartnäckig die Wendung „Stronach vulgo Strohsack“ verwendete. Der notorische Verweis auf den Geburtsnamen von Frank Stronach ist nicht nur blöd, sondern hat auch einen leicht herstellbaren antisemitischen Bezug, etwa wenn der Strohsack zu einem gierigen Geldsack mutiert. Es ist unerheblich, ob Frank Stronach tatsächlich jüdische Wurzeln hat, denn wir wissen ja, dass Antisemitismus überall bestens gedeiht, egal ob es einen realen Anlass dazu gibt oder nicht. Manchmal braucht es dafür nicht einmal ein Gerücht.

Stroh from the past
Aber lassen wir dieses heikle Thema beiseite, widmen wir uns dem Nachliegenden. Tatsächlich ist die Namensänderung von Stronach eine seiner nachvollziehbarsten und somit fast sympathischsten Handlungen. Niemand von uns hätte gerne diesen Namen und niemand von uns würde sich deswegen gerne aufziehen lassen. Und wer von uns hat noch nicht über Stronachs Geburtsnamen geschmunzelt? Natürlich ist das kindisch und beleidigend … und, wir gestehen es, wir haben es auch schon gemacht.

Umgekehrt ist es offenbar so, dass jemand, der solche medialen Spielchen treibt wie Frank Stronach (erkaufte Berichterstattung, entrüstetes Abwürgen kritischer Fragen oder nicht zuletzt die kitschig-blöden Weihnachts- und Neujahrsinserate in allen österreichischen Tageszeitungen), uns für Strohköpfe hält. Uns alle nämlich. Als würden wir nur darauf warten, dass uns der begüterte Onkel aus Amerika (sorry, Kanada) erzählt, wie die Dinge liegen. Als hätte sein eigener wirtschaftlicher Erfolg nicht bloß die normative Kraft des Faktischen, nein, als wäre das schon die gesamte politische Legitimation. In satirisch-beleidigendem Sinne müsste man also formulieren: Stronach ist ein Geldsack, der uns alle für Strohköpfe hält. Womit er in seiner Logik unzweifelhaft Recht hat, aber damit kommt der Strohsack als inhaltlich adäquate Metapher eben doch wieder ins Spiel. Oder mit anderen Worten: He lives up to his name.

Geld vs. Stroh
Die wahre Bestürzung über Frank Stronach liegt genau in diesem Missverhältnis zwischen Geld und Stroh. Stronach hätte das Geld, um ungeschminkte Wahrheiten zu vertreten, um komplexe Zusammenhänge zu transportieren, um das in den öffentlichen Diskurs einzuspeisen, was zunehmend auf der Strecke bleibt. Von der inhaltlichen Austrocknung gesellschaftlicher Diskurse durch wechselseitige Abhängigkeiten (zwischen Medien, Politik und Wirtschaft) wäre zu sprechen, und von einer breitflächigen Korrumpierung der Politik durch wirtschaftliche Interessen – und zwar lange vor der supernackten Inkompetenz und Kaltschnäuzigkeit einzelner Übeltäter. Von generell neuen Spielregeln für öffentliche Diskurse wäre zu berichten, die zwischen gezwitschterten Aufmerksamkeitsstürmen und breitflächigem Qualitätsmediensterben kaum eine substantielle Mitte finden.

So viel gäbe es also zu politischen/wirtschaftlichen/medialen Problemen des Landes zu sagen, so viel könnte man zur Besserung der demokratischen Kultur beitragen – wenn man es sich denn leisten könnte, derart mühsame Themen durch genügend Geldeinsatz unter die Leute zu bringen. Aber was tut Stronach stattdessen? Er schlüpft in die Rolle des Märchenonkels und behandelt uns wie Vollidioten. Weil es das ist, was ihm seine neoliberale Unternehmenskultur jahrzehntelang gelehrt hat. Offenbar ist nur der erfolgreiche Unternehmer in seinen Augen ein mündiges Wesen. Wer sich hingegen Gehaltsempfänger nennen darf, ist praktisch dadurch schon zum Vollkoffer degradiert, dem man einzig und alleine ein Märchen zutrauen kann.

Und da sind wir dann wieder. Beim Geld und beim Stroh. Sie wollen einfach nicht zusammenkommen bei Stronach. Schade, dass er es nicht besser weiß oder kann. Ist eben nicht zu ändern. Aber wer in dem Austrokanadier tatsächlich einen Heilsbringer sieht, ist wohl selbst ein Freund des Strohs.

Curt Cuisine,
dankt Maximilian Zirkowitsch und Gregor Fröhlich für den wie stets unverzichtbaren Input

 

Was tun gegen den Spamteufel?

Du bist also zugespamt auf Teufel komm raus? Du kannst gar nicht mehr klar denken, weil Dir ständig irgendeine unnütze Information um die Ohren oder Augen geknallt wird? Okay … was du jetzt brauchst ist ein Schraubgewinde. Aber nicht irgendeines. Nein, ein Normschraubgewinde. So eines, wie man sie auf den Unterseiten von Kameras findet. Also mit Kameras meinen wir Fotoapparate, die digitalen, die es jetzt überall zu kaufen gibt. Eigentlich schon seit einer ganzen Weile. Und diese Normgewinde, das sind so kleine Vertiefungen an der Unterseite. Diese Unterseite findet ihr, wenn ihr die Kamera umdreht und irgendwo in der Mitte von der Bodenplatte nachschaut. Es gibt irgendwo im Internet einen Thread, wo man das nachschauen kann, dort sind auch Bilder und so, aber ich bin jetzt zu faul, den Link herauszusuchen, aber du findest das sicher ganz schnell selbst.

Für diese Vertiefung braucht man natürlich auch etwas anderes, ein Gegenstück, das ist dann meistens ein Stativ. Für die Kamera natürlich. Ihr müsst aber kein Stativ verwenden. Ihr könnt die Kamera auch einfach so auf den Boden oder ein Fensterbrett stellen. Oder ihr schraubt einen richtigen Schrauben hinein, aber natürlich geht das nur, wenn der ein Normgewinde hat. Es gibt irgendwo im Internet eine Tabelle, wie das genau aussieht und wie man das genau nennt. Aber auch dafür bin ich ein wenig zu faul, aber man kann alles im Internet finden. Wirklich! Ich habe schon alles Mögliche im Internet gefunden, praktisch weiß ich jetzt schon alles, was man überhaupt wissen kann. Darum suche ich gar nichts mehr, sondern hänge am liebsten in Chatforen und sonst wo rum. Und gebe hin und wieder ein paar nützliche Tipps. Das Feine am Internet ist ja, dass man den ganzen Tag plaudern kann. Ich liebe nichts mehr als eine Plauderei, so ein unverbindliches Zuprosten beiläufig aufgeschnappter Fakten und Meinungen. Außerdem bin ich meist geil wie ein Spazierstock. Vor allem, als ich vorhin das mit der Gewindevertiefung und dem Schraubstift geschrieben habe, ist mir fast einer abgegangen. Da fällt mir ein, ich wollte ja noch auf Facebook bei dieser hübschen Corinna einen Kommentar schreiben. Mann, bin ich geil gerade, aber kein Wunder, bei meinem hübschen, durchtrainierten Körper …

Sorry, hier abbrechen zu müssen. Ihr hättet sicher gerne weiter gelesen, aber wir müssen einfach abbrechen, denn dieser Text ist natürlich nicht der richtige Text. Hier hat sich der Spamteufel eingeschlichen und diesen ursprünglich total hilfreichen Text (Wirklich! Wir schwören es!) in reines Geschwafel, eben Spam umgewandelt. Und das Schlimme daran ist: Wir finden einfach nicht mehr das Original, ja, wir wissen nicht einmal mehr, was wir ursprünglich sagen wollten. Verflucht. Auch diese Seite ist also völlig zugespamt. Wieder ein Stück Internet in der großen Dampfplauderwolke verschwunden!

Über Faymann: Eine EINSCHALTUNG ZUM NATIONALFEIERTAG!

Die Republik Österreich hat einen Bundeskanzler und er heißt Werner Faymann.

Viel mehr gibt es da nicht zu sagen. Denn Satire benötigt immer einen Kondensationskern, an dem sie festmachen kann. Werner Faymann hingegen ist die personifizierte Antimaterie: Er ist weniger als nichts. Er ist das Produkt des Verlangens nach einem mikroskopisch kleinen kleinsten Nenner und somit winziger, als ein einziges Staubkorn. Er ist so uninteressant und nichtssagend, dass ihn selbst der dümmste und schlechteste Witz, die blödeste und oberflächlichste Äußerung größer machen würde. Er ist so uncharismatisch, dass die Vorstellung, dieser Mensch könnte jemals irgendeinen anderen Menschen für irgendetwas begeistern, gleichermaßen absurd wie surreal erscheint. Er ist in einer Art und Weise langweilig, wie man es nur erlernen kann, wenn man Jahre und Jahre darauf verwendet, und in einer Art und Weise unbeträchtlich in seinem Wirken, wie man es in solch verantwortungsvoller Position nur mit der denkbar größten Selbstbeherrschung erreichen kann. Er ist unselbstständiger als eine Marionette, durchschaubarer als ein Kleinkind und bedeutungsloser, als es jemals ein Kanzler in diesem unserem Österreich war.

Deshalb haben wir es noch niemals vermocht, Werner Faymann unsere geballte satirische Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Und dafür wollen wir uns heute bei ihm und unseren Lesern entschuldigen: ES TUT UNS VON HERZEN LEID!

Gott schütze Österreich!

Scheucher Wohnen

„Die schwedischen Gardinen? Die hab ich vom IKEA!“ Ein gutgelaunter Uwe Scheuch öffnet uns das zeitlos metallene Türchen zu seinem schicken Single-Loft. Die Einrichtung ist einfach, aber schlicht. Wie er hier lebe? „Leben? Haha, davon kann keine Rede sein! Nein, ganz im Ernst, mir gefällt es hier drinnen so gut, dass ich kaum einen Schritt vor die Tür setzen mag.“ Er geht zur  zelleigenen Minibar und öffnet eine offensichtlich für uns auf Eis gestellte Flasche Spiritus. Ein Bonvivant der seine Gäste zu umschmeicheln weiß!

Auffallend im überraschend einfach eingerichteten Mini-Appartment des Lifestyle-Gigolos: die Reduktion auf das Wesentliche! Die Sichtachse zum gut vergitterten Fensterchen wird von einer schlichten Pritsche aus stabiler Fichte dominiert, die Verankerung in der Wand wurde mit gusseisernen Ketten vorgenommen. Eine saubere Lösung, die hervorragend zum Ambiente passt. Eine verlauste Steppdecke, die auch schon einmal bessere Zeiten gesehen haben mag, rundet das kleine Schlafparadies ab: „Hier tanke ich Energie, wenn ich einmal nicht so gut drauf bin! Dann lese ich ein Gedicht oder hole mir einen runter.“

Man merkt: Uwe Scheuch hat Deutsch gelernt. „Ich habe ja jetzt viel Zeit, darum habe ich mir gedacht: Warum nicht auch einmal etwas Gescheites tun?“ Seine sauber ausgesprochenen Worte hallen von den azurblau lackierten, unbehauenen Granitblöcken wieder. Hier lebt einer, der sich in seinem Leben alles gerichtet und eingerichtet hat. Das Deckchen auf dem miniatürlichen Tischchen harmoniert auf das Perverseste mit der hinter jeder Luke lauernden, homoerotischen Horroratmosphäre: „Das hat mir die Mutter von Jörg Haider geschenkt. Es sind die Geburtstage von allen Abgeordneten zum Landtag eingestickt. Von allen freiheitlichen natürlich! So kann ich sicher sein, dass ich nie einen vergessen werde.“ Uwe Scheuch verbindet das Praktische mit dem Nützlichen, verquirlt das Schöne mit dem Ästhetischen: er nimmt das Beste aus beiden Welten und macht etwas ganz Neues daraus, zum Beispiel etwas ganz Altes und Kaputtes. Paradigmatisch für diese Lebenseinstellung ist der zerbrochene Tonkrug auf dem Boden: „Die Scherben sind nicht nur dekorativ und schmückend. Wenn ich ganz viele kleine Scherbenkrümel mache, kann ich an ihnen abzählen, wie viele Tage mir hier in meinem Domizil noch vergönnt sind. Das hilft mir!“

Feng Shui gliedert das Kämmerchen in energetisch aufeinander abgestimmte Bereiche.
„In der anstaltseigenen Bibliothek habe ich mir dazu ein nettes Büchlein ausgeborgt. Echt toll, was fremde Völker mit ihrem zehntausende Jahre alten Wissen alles schaffen!“ Uwe Scheuch hat sich viel Zeit genommen. Zeit, die er auch hat. Zeit, die es gebraucht hat, damit sein persönlicher Singlewohntraum zu etwas ganz Besonderem wurde. „Ich habe viele Möbel herumgerückt, vor allem ins rechte Eck. Das ist für mich der energetische Schwerpunkt, dort fließt die Energie hin! Ich hab den Raum natürlich auch auf Wasseradern untersuchen lassen. Leider ist da nirgends eine. Schade, ich hätte mich in der sprudelnden Quelle sehr gerne ertränkt!“ Was er nun als Nächstes mit seinem Meer an Zeit plane? „Den Fahrradführerschein machen. Das ist ein ganz ein großer Bubentraum von mir.“

An den Wänden modern ein paar liebevoll drapierte Poster vor sich hin. „I HC“ und „I Böhse Gefängnisonkelz“. Die Dekoration vermag zweierlei: sie lockert die Atmosphäre auf und vermittelt eine sublime, versteckte Botschaft: „Für mich ist es wichtig, für etwas Partei zu ergreifen, eine Schlagseite zu haben, der ich mich zugehörig fühlen kann!“ Für etwas geradestehen zu können und das auch zu zeigen: in unserer flatterhaften Zeit wichtiger denn je! Auch der kleine, schiefe Waschtisch steht gerade bzw. das gerade eben nicht: kleine Hakenkreuzaufkleber auf dem zerbrochenen Spiegel zeigen Uwe Scheuch beim allmorgendlichen Blick in denselben sein wahres Gesicht, sein Wahres ICH. So sollte es sein: Innenarchitektur die in die Seele dringt!

Durch das gesicherte Metallfensterchen dringt Licht in den zwei mal drei Meter großen Raum. Allerdings nicht sehr viel Licht: Alles in Allem ist es sehr dunkel. Auch die schwache Glühbirne vermag kaum die ihr zugewiesene Aufgabe zu erfüllen. Kein Schirm schützt ihr zerbrechliches Glas. Eine Hommage an das Leben? Schwer zu sagen, sicherlich aber ein Bekenntnis zur Einfachheit: Alles Unnütze weglassen! Ob er sich selbst manchmal auch unnütz fühle? „Ja, das kommt schon vor. Genauer gesagt jeden Morgen! Aber dann stehe ich schnell auf, mache ein paar Meditationsübungen, laufe mit dem Kopf irgendwo dagegen und dann passt es wieder.“ Wie er mit der Dunkelheit umgehe? „Ich mag das Dunkle. Es dringt in meine kaputte Seele und zerfrisst sie, Stückchen für Stückchen. Wissen Sie, was ich meine?“ Nein.

Über Allem schwebt eine Aura der Aussichtslosigkeit. Langsam beginnen wir uns dann doch unwohl zu fühlen und verlassen grußlos das schicke, auf das Wesentliche reduzierte Zimmerchen.

 

[Text: Sebastian Klug; Fotomontage: Curt Cuisine & Peter Raritäter]

Morbus Strache & Co.

morbus strache 240Politik macht nicht nur verdrossen, sondern regelrecht krank. Wie eine aktuelle Studie des britischen Branchenblattes Lancet belegt, sind die Begriffe Politik und Krankheit untrennbar miteinander verknüpft. Hier ein Auszug aus den jüngsten Forschungsergebnissen.

Le Pen [auch Lepenitis oder Le grande imbezile]: vor allem im französischen Bazillusraum weit verbreitet; betroffen sind vor allem Personen, die von (dem) Kleinen nicht mehr alles schlucken wollen. Lepenitis ist eine klassische Tröpfchenerregung und wird Spuck um Spuck (meist in die falsche Richtung) übertragen; weniger häufig ist bemerkenswerter Weise eine Erregung von After zu After, was womöglich am staatlich patentierten Toilettenpapier der Franzosen liegen dürfte (Sarcosy © & Sarcosy Soft ©)

Therapie: Gummis sind nutzlos, sie wurden für die Schuhsohlen des regierenden Zwergenkindes restlos aufgebraucht (zumindest sitzt seine Frau hoch zu Ross (1,76 cm); die beste Therapie ist, den Kopf zu heben, um so mit Mund und Augen außer Spuckreichweite zu gelangen;

Berlusconi-Syndrom [auch Bungabunga-Defekt]: vor allem im italienischen Formenkreis (bzw. bei StiefelträgerInnen) weit verbreitet; Diese Krankheitsform ist sehr selten, aber äußerst hartnäckig, auch genannt die „Achsel des Bösen“. Die Betroffenen sind nahezu unheilbar, da sie meist auch zum Formenkreis der hoffnungslosen Italiener gehören; das BS wirkt im Verbund mit gekränktem Nationalstolz doppelt intensiv und macht sich in einer Verfestigung der Blut-Hirn-Schranke (auch bekannt als „Lampedusa-Syndrome“) bemerkbar;

Therapie: Man nehme zwei entzückende Italienerinnen (können auch mehrere sein), lade sie zu einer Party, lasse den eigenen, verrunzelten Schlabber heraushängen und setze sich dabei eine Krone auf (0,37 prozentige Heilungschance);

Haider-Virus [auch Kärntneritis]: Seit 30 Jahren finden im Kärntner Bärental LeiLei(f)bälle der Freiwilligen Feuerwehr statt, um das Bewusstsein für die Krankheit in der Bevölkerung aufrecht zu erhalten. Der Haider-Virus (HAV) ist, wie fälschlicherweise oft angenommen, keine Autoimmun-, sondern eine Autobumm-Erkrankung.

Therapie: Phaeton VW, Audi TT etc., vor allem aber keine hochprozentigen Getränke in warmer Umgebung zu sich nehmen;

Strachitis HC [auch Hirnödem oder Morbus Strache]: vor allem unter sogenannten Haidernachgeborenen (bzw. –geburten) weit verbreitet; erkennbar an der trüben Blaufärbung der Augen, die Leber schwillt durch zwanghaften Drang zu exzessiv-leutseligem Alkoholkonsum rasant an, die Zunge verfault aufgrund falscher Versprechen, dem unentwegten Lügennachschub kommt das notorisch mit Sauerstoff unterversorgte Gehirn nicht nach, ein Totalausfall aller mit intellektuellen Leistungen beschäftigen Organen ist die Folge;

Therapie: Keine (unheilbar);

DSK [auch Le Strauß Pénis]: es handelt sich weniger um eine Krankheit, als um eine pychosomatische Anomalie, verursacht durch spätpubertäre Hormonstörungen; ein von DSK Befallener springt mit Vorliebe Putzfrauen und Sekretärinnen an, wobei es zu einer unfreiwilligen Sekretabsonderung (meistens auf der Bluse) kommen kann; Laut WHO sind 76 % aller Männer von dieser Erkrankungsform betroffen;

Therapie: die Wiedereinführung der Entmannung;

Weitere Erkrankungsformen wie die Kreiskytis (hoffnungslose Melancholie in Rot), Pröllitis (auch grantige Regentendemenz genannt) oder Gaddafitis (eine lokale Singularität erzeugt im Kopfinneren eine Art Hirnvakuum) sind laut Lancet bislang noch zu wenig erforscht, um bereits seriöses darüber zu berichten, was für die oben genannten Krankheiten jedoch nicht gilt.

Sebastian Hübier Hubre & Curt Cuisine

33 jahre verstopfung …

jemen 300Jemens Präsident Ali Abdullah Saleh ist seit 1978 an der Macht (und weigert sich beharrlich zurückzutreten, aber das nur nebenbei). 33 Jahre an der Spitze des Staates und kein Gedanke daran, das Zepter niederzulegen oder gar den Löffel abzugeben. 33 Jahre krampfhaftes Festhalten am eigenen Stuhl … wie hart muss es da wohl im Gedärm rumoren … Hydra hat die jährlichen Neujahrgrußbotschaften des jemenitischen Staatsoberhaupts minutiös recherchiert um herauszufinden, mit welchen Slogans sich die Macht an die Macht klammert.

1978: Voran mit neuem Elan!

1979: Auch im zweiten Jahr: Saleh steht für Erneuerung!

1980: Auf ein Neues! Wir machen es besser!

1981: Wir machen den Jemen noch lebenswerter!

1982: Fünf Jahre und kein bisschen müde!

1983: Jemen für immer!

1984: Jemen! Jemen! Jemen!

1985: Dem Vorjahrsslogan ist nichts hinzuzufügen!

1986: Was lange währt, hat sich bewährt!

1987: Immer noch stehe ich für Erneuerung und ein besseres Lebensgefühl!

1988: Zehn Jahre Stabilität!

1989: Auch nach dem Fall der Mauer (die uns nie interessiert hat, im Übrigen): Jemen! Jemen! Jemen!

1990: Heuer ist uns nichts eingefallen, aber Ihr könnt es Euch ohnehin nicht aussuchen!

1991: Für eine gute Ernte und für reichlich Nachwuchs!

1992: Liebe Grüße auch von meiner Zweitfrau!

1993: Neujahrsgrußbotschaft wegen Erkältung abgesagt!

1994: Ich mache weiter, ob ihr wollt oder nicht!

1995: Ich lasse mir mein Land nicht krank nörgeln, nur weil ich schon 17 Jahre im Amt bin.

1996: Unzulässige Kritik wird nicht geduldet!

1997: In Allahs Namen! Hört auf zu kritisieren!

1998: Auch heuer werden wir Oppositionelle rücksichtslos inhaftieren, foltern und erschießen. (Nicht in dieser Reihenfolge … zwinker)

1999: Okay, die Grußbotschaften der letzten Jahre waren ein wenig hart, egal. Hauptsache, ich bleibe Jemens Staatsbürger Numero Uno.

2000: Donnerwetter, schon ein neues Jahrtausend. Das habe ich mir immer gewünscht!

2001: Gähn. 24 Jahre und kein bisschen müde. Na gut, ein bisschen schon, aber mein Arsch ist einfach auf diesem Stuhl eingeschlafen, echt, wenn ich noch etwas fühlen würde in den Arschbacken, würde ich aufstehen und gehen.

2002: 2001 war ich meist mürrisch und schlecht gelaunt, aber heuer bin ich wieder staatstragender Laune. Ganz ehrlich!

2003: Ich mache sowieso, was ich will.

2004: Heuer tragen alle Staatsbürger das ganze Jahr über pinkfarbene Röcke! Warum? Weil ich Euer verficktes Staatsoberhaupt bin!

2005: Hat irgendjemand eine Idee, was ich mir für dieses Jahr vornehmen könnte?

2006: Jemen! Jemen! Jemen! (Überraschung. An diesen Spruch hat sich sicher niemand mehr erinnert, oder?) 2006 ist ja so was von 1984 … lol roffl knatter grunz)

2007: Heuer wird eine große Sintflut kommen! Und dann werden uns Aliens überfallen und  Heike Makatsch wird meine nächste Gattin. Haha, nur ein Scherz, wollte nur wissen, ob Ihr mir das auch abkauft.

2008: Das Land muss wieder … ach, Scheiß drauf.

2009: Voriges Jahr habe ich mir einen Flachbildschirm gekauft. Wirklich, ich glaube, alle Einwohner von Jemen sollte sich auch so ein Teil kaufen. Es macht zufriedener, ausgeglichener. Nichts ist leichter zu regieren als ein Land voller Couchpotatoes. Überlegt Euch das mal. Und jetzt ab in Eure Wohnzimmer Ihr Arschgeigen!

2010: So wie die Dinge sind, so sollten sie auch bleiben. Ganz ehrlich.

2011: Diese Idee mit den Scharfschützen, die auf Demonstranten zielen, die finde ich wirklich gelungen. Wollte ich nur pro forma erwähnen. Mich kriegt niemand von meinem Sessel runter. Saleh (das bin ich) for ever!

Wir sind alle mächtig gespannt auf die Ansage im Jahr 2012. Und erlauben uns, diesen Beitrag ganz besonders dem Land Niederösterreich zu widmen.