Posts Tagged ‘Musik’

Wir sind hier nicht zuhause

Posted by on Mai 2nd, 2009

Das besondere an Festivals ist das zuviel an allem. Zuviel Erwartungen, zu viele Bands, zu viel Information und im Falle des Kremser Events: Zu viele Leute die man kennt. Andererseits macht es gerade dieses Zuviel zu einem seltsam einlullenden Fakt, der das Handeln und Tun an solchen Tagen einstellt auf: Ahja, heute gehen wir dann wieder hin. Mangelt es einem an Flexibilität, aufgrund des Alters und der damit einhergehenden Abgebrühtheit beispielsweise, oder gehört man einfach zu jenen, die einen Gig auch mal nachwirken lassen wollen, wird man sich in Krems alle halben Stündchen sagen hören: Ich setz’ mich mal kurz raus.

„Raus“ heisst in diese Kantine oder in den kackefinsteren Raum mit den komplett unbequemen Bänkchen, die hoffentlich kein Städteplanungsverantwortlicher je sieht, weil sie ganz perfekt in eine saubere Stadt passen: Sitzen ein bisschen geht, aber bloß nicht lungern oder liegen. Und ehe man sich´s bewusst wird, geschieht etwas, was man von Schutzhütten in Schneestürmen oder Tavernen in Regengüssen kennt: Man wartet. Und kann nicht weg. 

Als hätten sie jenseits des Geländes alle Strassen aufgebrochen oder jedes Gleis gebombt, verhaftet so ein Ort mit seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten und verschafft damit etwas seltenes: Komplette Zufriedenheit. Denn was anderes könnten wir tun? Wir sind hier nicht zuhause, und kennen uns nicht aus. Also bleiben wir. Und grinsen uns eins.

mustard donau 1„Antony“ ist ein Mädchen. Ein liebes, schüchternes, ein bißchen zu dickes, das gerührt und erstaunt von der eigenen Kunst zügig voran spielt. Das Mauerblümchen sein kommt vielleicht ein bißchen zu banal daher, so live in dieser riesigen Tennishalle. Aber so ist das eben, wenn man(n) eins Tages bemerkt, daß zur eigenen Identität mehr gehört als der Körper hat. Und zum Selbst Sein Lippgloss kommt, dann wird einiges simpler, vielleicht.
„I need another world“ hat die Tiefe und Einfachheit von klarer Erkenntnis: hier wo ich bin, mit der Art wie ich bin, ist das nicht gut. Punkt aus. Binse? Kann sein, aber wie da auf der Bühne links in feinem Licht das Mädchen im weißen Anzug am Klavier singt: „i´m gonna miss the sea, i´m gonna miss the snow“, schwappt großes dickes Aufgefangen sein über die Kante, wie die eine oder andere Träne verschämt über die Wange. Ja, es ist große Kunst. Ja es tut gut, ja es reißt das Herz raus und ja, es macht vergessen die Umständ, daß in einer ausverkauften Mehrzweckmesse halt schnell mal das sie-steht-vorne-er-hinten-Schunkeln passiert, daß ein Saxophon bitte wirklich nicht wie in den 80ern Softpornos gespielt werden muß, und daß eine Begleitband ruhig mal mehr tun könnte als sie muß.

mustard donau 2„Coco Rosie“ sind Buben. Verspielte, geschminkte, starke Rotzpippen, deren Verletzlichkeiten und Weltbetrachtungen nicht dem „ja das ist so Frauen Befindlichkeitszeugs“ ausgesetzt sind, weil die Erdung im eigenen Tun so was von unhinterfragbar da steht, daß es einen fast umweht. Die Selbstverständlichkeit ihres speziellen eigenen Sounds, das Geknarze und Gekrache, das Zwitschern und Tröpfeln ist bei den Schwestern Casady nichts Zärtelndes oder Verschämtes, sondern einfach so. Und nicht anders. Der Spieltrieb eben. Buben haben den. Mal gucken was passiert, wenn ich den Föhn in die Waschtrommel stecke, wie klingt das dann, ach was ich tu´s einfach. Dabei sind beide Könner und Wissende, und hurra, großartige Klasse. Es ist so verdammt cool wie die eine im Beat wiegt und im linken Fingernagel noch die kleinste Bewegung weiß, während die andere versponnen feenhaft an Kisten werkelt, daß schon wieder scheißegal ist, wo du hier bist. Denn drei Meter überm Boden ficht dich das Rundherum nicht an.

Das Rundherum, übrigens, macht Security in schwarzen Anzügen und schmeißt den Rest Publikum so was von feingefühllos aus dem Saal, als der Bühneabbau längst im Gange ist, und Sierra Casady dennoch mit ihrem Musiker am Klavier klimpert, daß es schon wieder zum Lachen ist. „Bitte gehen sie jetzt“ als täte der verstreute Rest Leute, eh alle glückvoll grinsend, ernsthaft eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit darstellen. Pfft. Nichts begriffen.

Draußen vorm Slum TV sitzt es sich indessen fein und ein befreundeter Techniker erzählt launig, wie ihn die Sicherheitsleute beinahe des Festivals verwiesen hätten, das er, weil seitens Verleiher mitverantwortlich für das Funken der Tonanlagen in Halle 2, ohnehin in erster Linie beruflich besucht habe. Es habe Verwirrung gegeben, ob er nicht doch bloß ein hinterhältiger Ticketerschleicher sei, da er, notrufsfällig wegen Boxenreparatur, mit einem Wochenpass kam, nachdem er Tags zuvor mit ganz privatem Einzelticket als reiner Gast bei Sonic Youth weilte. „Die kenn i schon, du schleichst die überoi eini“ habe ihm der Sicherheitsmensch unwirsch entgegen geschmettert und mit einem klaren „und den Poss nimmi da ob“ geendet. Wie er denn nun seine Arbeit verrichten solle, habe er darauf gefragt, was der Mann in schwarz ignorierte, der Cheftontechniker dann doch klären konnte.

Die Umständ´ eben wieder. Passend das ausgerechnet zum Ende der Anekdote Reverend Billy am Vorplatz einmarschiert und sein Werk gegen Teufel Kapitalismus und Satan Bankomat beginnt. Lauthals predigend unterstützt vom ganz vorzüglich swingenden „Stop Shopping Gospel Choir“ erklärte der Führer der „Church Of Stop Shopping“ wo die Erlösung liegt. In der Befreiung nämlich von Marketing und Shoppingsucht: Die Fesseln des Konsumzwangs abgestreift und zack geht’s gen Himmelreich. Ahja. Sagt das mal den Umständen hier.

mustard donau 3Vergessen dies als Spencer Krug mit „Sunset Rubdown“ rabiatperlend und aufwühlend, so weit das für einen Mann seines jugendlich biederen Aussehens hinter einem E- Piano an der Bühnefront möglich ist, schnell und abgedreht zeigt, wo der Kanadier den Most holt. In der Besessenheit liegt die Kraft, Krug singt zerrissen und voluminös, während die Mitmusiker, ganz eindeutig unter seiner Fuchtel, (immerhin ist er der Erweiterer der kanadischen Fauna mit „Wolf Parade“, „Swan Lake“, „Frog Eyes“), ganz brav mitmachen. Ja er fasziniert einfach, wiewohl wie lieber „Swan Lake“ mit Carey Mercer gesehen hätten, der nämlich bremst Krug immer dort , wo es zu gerade wird. Das trauen sich die Kollegen hier nicht. Dafür gibt’s eine Torte und Geburtstag und überhaupt. Alles fein.

mustard donau 4„Spiritualized“ spinnen völlig, hören wir einen im Publikum sagen, als Jason Pierce ganz in Weiß beginnt, die unendliche Wiederholung der perfekten Dreiklänge auf die Spitze zu treiben: Bombast aber wie, die Background Damen im perfektem Links-step-rechts-step-Beat, die Songs endlos und redundant bis zur Schmerzgrenze schön.

Schon wird die Tennishalle zur Erlöserkirche: Es ist so einfach, erhebende Musik zu machen. „Songs in A+E“ ist dann auch der passende Titel des aktuellen Albums. Es stimmt ja, mag man dem Kritiker recht geben, es könnt schon auch die Musik zum Finale eines Musicals sein, aber hier ist jeder Song das Grande Finale, das kann schon richtig wehtun dann auch, Überreizung quasi, und überhaupt bitteschön hatte Herr Pierce „Spacemen 3“ früher, die bei Auftritten erstmal drei Keyboardtasten mit Gaffa auf Anschlag geklebt hatten. Psychedelic eben. Nothing more to say. Einfach mitfließen lassen und freuen.

Echtes Musical, by the way, sehen wir dazwischen bei „The Cesarians“: was als Punk Version zwischen Klezmer und Drei Groschen Oper beschrieben ist, wird ein perfekt langweiliges Gerumpel im Vaudeville Stil , wie es sich der Absolvent des ersten Semesters Ausdruckstanz vorstellt: platt. Banal. Sauber. Jede Geste voraussehbar. Den meisten gefällts. „Gut gemacht“ lautet der Tenor. Ja eh. Mehr aber auch nicht.

Und ich sitze zwischendurch wieder auf den ungemütlichen Dingern im Halbdunkel und denk’ mir: Bleibe ich halt noch einwenig. Und grinse mir eins. ag

flattr this!

Nägel kauen an der Donau

Posted by on April 30th, 2009

mustard donau 5Curt Cuisine war beim Donaufestival. Am falschen Tag offensichtlich. Ihr habt darum die Qual der Wahl. Lest entweder diesen Beitrag, der ein gnadenloser Verriß ist, oder lest den nächsten Beitrag von Alice, der eine entzückende Hymne ist. Es liegt ganz an Euch. Wir lassen Euch wie so oft die Wahl …

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, seine Zeit zu verplempern. Man kann etwa seine Zehennägel schneiden und die Schnipsel fein säuberlich zu Mustern und Ornamenten schlichten. Wer das fünf Minuten macht, ist womöglich verliebt. Schön. Wer das zehn Minuten macht, dem ist unsagbar langweilig. Wer das länger durchhält, benötigt vermutlich professionelle Hilfe (die sich allerdings oft genug ebenso als Zeitverschwendung herausstellt).

Man kann aber auch zum Donaufestival in Krems fahren. Etwa vergangenen Samstag (25.4.09). Und dort erleben, wie ein Festival, das alljährlich als heißester Scheiß gehandelt wird, an einem schlechten Tag auch nicht viel mehr als warme Luft zu bieten hat. Aber vermutlich war es ein schlechter Tag. Alice, unsere multifunktionale Vielschreiberin und unübertroffene Eventexpertin, meinte lapidar. „Gestern war’s gut, heute ist es wirklich öd.“ Well. Aber war die Rahmenhandlung dieses Festivals an anderen Tagen wirklich besser? Eine Leselounge, in der es zu Dunkel zum Lesen ist, eine Nebenbühne, die mit halbstündiger Verspätung skurrile Acts bietet, die keine zehn Minuten sehenswert sind, oder Videoinstallationen nach dem Motto „Bewerbungsarbeiten erstsemestriger KunststudentInnen“. Oder vor der Halle eine Art Afrikadorf, das nicht einmal in Afrika den Beinamen „Dorf“ verdient hätte.

Das eigentliche Motto des Abends lautete „Girl Monster“. Wer dahinter eine Art Reigen möglichst provokativer Femriotacts vermutete, lag in der Theorie richtig. In der Praxis hingegen mühte sich unter anderem eine minder inspirierte Indiecombo („Men“) redlich ab, das Publikum bei Laune zu halten. Oder erfanden die beiden HipHop-Girlies von „Yo! Majesty“ das Wort „Pussy“ als zentrale Botschaft neu, aber Großmutter-im-Geiste Missy Elliot hätte auch nur gegähnt dabei. Zumal die gesampelten Beats völlig übersteuert durch die Halle wummerten und das immerhin stellenweise originelle Mixtape unter sich begruben. Der Gipfel der Desillusionierung wurde bei „The Raincoats“ erreicht, eine recycelte Post-Punk-Girlie-Band, die nicht einmal in einer Vorortgarage in Olympia, Washington, ein elfköpfiges Teeniepublikum zu begeistern vermocht hätten. Dass die Sängerin wie Alice Schwarzer aussah, bleibt eigentlich das einzig Erwähnenswerte an diesem Auftritt.

Entzückend hingegen der Auftritt von „Prick your Finger“, allerdings genau fünf Minuten lang sehenswert, mehr bot nämlich der Anblick zweier Frauen am Spinnrad, die durch eben dasselbe alte Kassettenbänder zogen, nicht. Diese „Technique“ erzeugte ein redundantes Geräuschamalgam, zu dem beide Damen unverständlich flüsternd vermutlich Programmatisches verkündeten. Wie gesagt, nette Idee, aber nicht unbedingt ein Act.

Blieb also als letzte Hoffnung der letzte Auftritt des Abends: Das „Girl Monster Orchestra“, sprich: die Heldinnen der vergangenen Stunden samt einiger VertreterInnen der „Chicks on Speed Records“ unter der Leitung von Eva Jantschitsch aka „Gustav“. Dass man sich darunter nicht mehr als charmantes Chaos auf der Bühne vorstellen durfte (wann hätte das zusammengewürfelte Orchester denn Zeit zum Proben gehabt), war klar und wäre auch durchaus in Ordnung gewesen – allerdings nicht, wenn der ganze Abend schon unter genau dieser formlosen Beliebigkeit gelitten hätte. Also lärmten die monströsen Girls entsprechend und bemüht neckisch auf Zuruf der Conductreuse, untermalt von griffigen Loops. Ein gepflegter Dilettantismus, der, wie gesagt, unter anderen Vorzeichen, durchaus charmant gewesen wäre. Nur einmal kurz, nach der ersten Nummer, blitzte auf, was dieser Abend sein hätte können. Eine Diapräsentation zeigte eine Reihe von feministischen KünstlerInnen, die für ihre radikalen Ansätze übergangen, eingesperrt oder überhaupt unbeachtet blieben. Gute 10 Minuten lang gab das GMO hier Volksbildung für genderspezifisch Unterbelichtete (und das ist, wie wir wissen, ohnehin die Mehrheit). Das war durchaus spannend, hätte aber mehr hergegeben als ein hastiges Plädoyer um halb zwei Uhr nachts. So verpuffte auch dieses Fragment gefakter Reality wirkungslos an diesem lieblos durchgezogenen Abend. Und hinterließ die Gewißheit: Was nicht erlebenswert ist, lohnt auch die Fälschung nicht. Ergo: Fünf Stunden gepflegtes Sortieren von Zehennägeln.

flattr this!

Testosteron. Dreck. Rock ‘n’ Roll.

Posted by on April 9th, 2008

mustard beastsAlso es ist so: The gap between star and audience, der schmale Grat zwischen denen da oben, und uns da unten soll unbedingt gewahrt bleiben. Meine ich. Denn ich will ja bittschön da unten im finsteren Publikum gerne zu jemandem aufschauen. Und das nicht nur wegen der erhöhten Bühne.

Ich will zu jemandem aufschauen, der ich nicht bin, der kann, was ich nicht kann, und der sich aufführt, wie ich mich nicht aufführe. Soll heißen: die sollen da oben bitte alle immer unbedingt hurtig heftig sein.  Ich will Performance sehen, ich will Bühnestyling und ich will die Welt erklärt bekommen, von jenen, die mehr von ihr mehr gesehen haben als ich (… was … nicht ganz schwierig ist, aber das ist eine andere … traurige Geschichte).

Nix schlimmeres gibt es als Menschen in Gummibundbeinbekleidung und Schlabberpulli mit Instrument oder gebückt am i-book. Da ist mein Ernst dahin, da kann die beste Musik kommen, da bleibt mir das Ohr zu und das Hirn sagt: Hearst, zieh dir was G´scheites an!

Das ist das eine. Gilt für jede Art Bühnenauftritt jeglicher Richtung Musik.  Das andere ist die für sich selbst und komplett unreflektiert stehende Kategorie: Testosteron. Dreck. Rock´n´Roll. Die Dreifaltigkeit des Yeaaaaaaah!

Weil: Coole alte Männer. Exaltierte Sänger. Durchgezuckte Gitarristen. Rotzende Schlagzeuger. Genervte Bühnenarbeiter. Das mag ich. Das ist: Eins, zwei drei – gib ihm! Das ist der dringliche Aufruf böse zu sein, immer.
Und sich nix, aber auch gar nix zu scheissen, nie. Und aber so was von kalt abprallen lassen, was gerade nicht gut tut.
Es ist das eindeutige: „Nimm dir was du kriegst und frag gar nicht erst ob du´s willst“. Denn wenn du’s denkst, hast du schon verloren. Das ist der Ablass für jegliches aufgestaute Arschgefühl! Das ist the bullet coming to your head! Das ist: Tex Perkins! Der Inbegriff des Mannes, des Arschlochs, des Irren. Die härteste Diva des alten Zirkus “Rock´n´Roll!”

Die Beasts Of Bourbon, Damen und Herren, habe ich im Juli gesehen, und was soll ich sagen:was ne Nacht. Jesus. Christ. Perkins` Jeans waren zwischen den Schenkeln komplett aufgewetzt. Also genau da, wo das Testosteron … eben. Und wir haben uns in der Szene noch gefragt, ob er´s mit einer Feile aufreibt. Da haben wir noch gelacht. Stunden später, nächtens im Chelsea, nicht mehr so. Ich habe ins Auge Charlie Owens geblickt und was ich sah bedarf keiner weiteren Worte.

Wahrlich ich sage euch: Legt euch nie, nie mit australischen Musikern an. Kommt nicht auf den Gedanken, ihr könnte mehr trinken. Glaubt nicht, ihr seid cooler. Und denkt nicht mal dran, auch nur einen Funken Respektlosigkeit zu zeigen. Denn diese Gang bangt euch so was von weg, da kommt ihr nicht mal um die nächste Ecke. Pilgert also Sonntags in die Szene, ihr unwissenden Sünder und lasset euch tapferen Herzens läutern. Im Lauten. Es wird wunderbar sein.
Believe those Words from a Woman! ag

Es war ein Sonntag, der  13.4.2008, und die Beasts of Bourbon spielten in der Szene.
Beasts On Msypace
Tex Perkins

flattr this!

f riendly u ser t est

Posted by on Februar 22nd, 2008

events futHerrschaftszeit, was für eine Vorgabe! Es ist also so:  Erlaubt beim Inselplattenabend sind zwei Menschen und 20 Platten. Macht zehn pro Mensch. Und das müssen genau jene sein, die Mensch auf eine Insel mitnehmen täte.  Also quasi die, mit denen Mensch (und Sonntags sind diese Menschen Frauen, also schluß mit Geschlechterneutral!) am liebsten am feinkörnigen Strand eines rettenden Eilands nach dem Sturm angeschwemmt werden möchte.

Während also der alte Kahn, der bisher so tapfer als Gefährt durch Wind und Wellen diente, endgültig am Riff zerschellt, sich ächzend zur Seite neigt und voll Wasser kriegt, der Masten eingeknickt zwischen der draußen schäumenden Gicht pendelt, dieTakelage noch scheppert und die Möwen kreischend nach dem Kaviar schnappen (na was habt ihr gedacht? Dass Ladies wie wir im Ruderboot stranden? Also echt!), rappelt sich frau in der Lagune auf und denkt:  Gut ist dass ich meine zehn Platten mithab. Mehr brauch ich nicht zum glücklich sein.

Klingt sehr nach matrosigem Seefraukitsch? Zu offensichtlich die Metapher auf das Leben? Ach papperlapap!
Das ist eben das Setting. Imaginär natürlich. Frau muss nicht salzverkrustet und stinkig sein, auf diese Art Glaubwürdigkeitsgetue dürfen wir verzichten. Nur unsere zehn Stücke Musik müssen dabei sein.

Nicht mehr und nicht weniger. Nix für Entschiedungsschwache, das kann ich Euch sagen!
Und was heißt das? WIR legen auf. Und IHR kommt hören und freudig sein. IHR nehmt keine Platten mit! Weil IHR, liebste Leutinnen da draußen, IHR seit ja auch nicht auf der Insel!

Ok. So streng soll es nicht sein, aber so sind wir Frauen eben. So frisch angelandet und sollen schon gesellschaftsfähig sein? Vergesst es! Wer sein Zeug gehört haben will, wird bedient werden! Don´t worry. Alles ein Frage der Contnenance, meine Herren! Der Grad der Bestechlichkeit kann durchaus alle 2 Songs auf´s neue ausgetestet werden. hehe. Und meine Damen? Bring your brilliant music! ag

FLUC, Sonntag, 24.2.2008, ab 21:00
INSELPLATTEN.
10 Stück Musik. Gut aufgelegt.
von ANGELA the Strangela und ALICE in der Stadt

flattr this!

Hydra zu Besuch bei den 9 Volt Batteries

Posted by on November 23rd, 2007

mustard kb9vbNa gut, sie schummeln. Ich geb’s zu. Zwischen Gitarre und Verstärker tummeln sich ein halbes Dutzend Effektkobolde herum. Kein Wunder, dass es kracht und grammelt, wenn der Gitarrist in die Saiten langt. Und sie haben diesen einen Schmäh, die eingesprungene Noiseexplosion, ein Donnerwetter aus den tiefsten Archiven des harten, äh, nein, härtesten Rock.

Außerdem, wenn wir schon dabei sind, da ist natürlich auch eine Menge Attitüde dabei, die jeder dahergelaufene Rocksenior auf den ersten Blick durchschaut. Was hilft das ekstatische Gezucke, wenn zwei Sekunden später die aus dem Bund gesprungene Saite fürsorglich wieder zurückgeschoben wird, wie eine Biene, die sich auf eine Hundschnauze verirrt hat. Hier, da ist der Blütenkelch, jetzt summ schön friedlich weiter.

Na gut, sie sind jung, sie sind nicht unfehlbar, sie haben den Rock (oder den Punk, oder den Hardcore, oder den Deathmetaltrashgrindcore) nicht erfunden. Aber Killed By 9V Batteries ist trotzdem eine der erfrischendsten österreichischen Bands seit langem. Da wird nicht lange gefackelt, sondern charmant ungelenk in die Gitarren gedroschen, keine vier Takte beim selben Riff verweilt, hübsch dissonant und polyrhythmisch immer wieder nach kreativen Umbrüchen gesucht… und es wird herzhaft die unschuldige Teenierocksau losgelassen und postpubertär über die Bühne getrieben, dass es eine wahre Freude ist. Das ist einfach stimmig und authentisch, so wie die abgenudelten, zugepickerlten Gitarren. Andererseits… vermutlich ist das sogar die schlimmste Attitüde, aber was soll’s. Ich glaube ihnen ehrlich, dass sie nicht auf der Bühne stehen, um irgendeinem Klischee nachzuhecheln, sondern dass sie wirklich dieses shiny beast called Rock ‘n‘ Roll beschwören wollen, mit allem Lärm, der aus ihren Instrumenten zu sprudeln vermag. (Das war natürlich jetzt glatt gelogen, einem Musiker würde ich nie etwas glauben, aber ich denke, Ihr wisst, was ich meine: It was really fun to watch them trying.)

Zu guter Letzt: Sie haben diese klassische Rockbandbesetzung, die noch viel Gutes verspricht. Der expressive, in seine eigene Radikalität verliebte Sänger und Leadgitarrist (John), der etwas bravere, zweite Gitarrist (Paul, dessen Verstärker übrigens nach fünf Nummern den Geist aufgab, egal, es wurde ohne ihn weitergespielt, sehr wacker das), der versponnene Bassist (Georg) und am Schlagzeug natürlich der Sonnyboy (Ringo), denn nur wer in sich ruht, schlägt den wirklich straighten Beat. (Nein, sie sind natürlich nicht die neuen Beatles, war nur ein Scherz!)

Zähle ich all das zusammen, dann komme ich unter dem Strich auf die alte Bilanz, dass es ganz einfach nicht darum geht, was du auf deiner Gitarre runternudelst, sondern wie du das machst. Was das betrifft sind KB9V wirklich a wicked train called extasy, selbst wenn, wie schon neunmalklug erwähnt, das nur deswegen funktioniert, weil sie eben schummeln was das Zeug hält. But what the fuck! Die Sache mit den ekstatischen Noiseeskapaden, die doch immerhin ein gutes Drittel ihrer Stücke ausmachen, werden auch irgendwann weniger werden (die Burschen wollen ja auch sicher „musikalisch reifen“, wie so viele faule Äpfel im großen Garten des Pop), und dann werden alle sagen: „Jetzt sind sie weich geworden.“ Und dann werdet ihr wissen, dass es zu spät ist. Die Legende, die man sich später erzählen wird, habt ihr versäumt.

Truly. Das Konzert im Chelsea war… ich tänzle noch ein wenig um das Wort herum, es ist mir eigentlich peinlich… fangen wir von hinten an: “tionell”, das ist mein voller Ernst, und dann auch noch ein: “sensa”, nur so zum Drüberstreuen. Schaut Euch diese Band an, wenn sie Euch unterkommt und wenn Ihr unter einem feinen Konzert etwas anderes versteht als gemütlich herunter gezupfte Akkordkaskaden.

Das angehimmelte Konzert fand am 21.11.2007 im Wiener Chelsea statt, more of the jungen Burschen gibt es hier. Übrigens: Über Killed by 9 Volt Batteries war auch in Hydra #5 einiges zu lesen.

flattr this!

 
Matrattel Mazirki Lilli Peterska Espresso Revue Kevin Goes ...