Posts Tagged ‘Hydra’

Die Republik Österreich hat einen Bundeskanzler und er heißt Werner Faymann.

Viel mehr gibt es da nicht zu sagen. Denn Satire benötigt immer einen Kondensationskern, an dem sie festmachen kann. Werner Faymann hingegen ist die personifizierte Antimaterie: Er ist weniger als nichts. Er ist das Produkt des Verlangens nach einem mikroskopisch kleinen kleinsten Nenner und somit winziger, als ein einziges Staubkorn. Er ist so uninteressant und nichtssagend, dass ihn selbst der dümmste und schlechteste Witz, die blödeste und oberflächlichste Äußerung größer machen würde. Er ist so uncharismatisch, dass die Vorstellung, dieser Mensch könnte jemals irgendeinen anderen Menschen für irgendetwas begeistern, gleichermaßen absurd wie surreal erscheint. Er ist in einer Art und Weise langweilig, wie man es nur erlernen kann, wenn man Jahre und Jahre darauf verwendet, und in einer Art und Weise unbeträchtlich in seinem Wirken, wie man es in solch verantwortungsvoller Position nur mit der denkbar größten Selbstbeherrschung erreichen kann. Er ist unselbstständiger als eine Marionette, durchschaubarer als ein Kleinkind und bedeutungsloser, als es jemals ein Kanzler in diesem unserem Österreich war.

Deshalb haben wir es noch niemals vermocht, Werner Faymann unsere geballte satirische Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Und dafür wollen wir uns heute bei ihm und unseren Lesern entschuldigen: ES TUT UNS VON HERZEN LEID!

Gott schütze Österreich!

Race-isten geben Gas!

Posted by on Oktober 25th, 2011

Sondermeldung: In einer spontan einberufenen Pressekonferenz kündigte noch-BZÖ Chef Josef Pücher eine völlig neue Pole-Positionierung seines Rennstalles für den Innkreis 500 an.

Klagenfurt –  „Ich weiß, wir hatten in letzter Zeit einige Schikanen zu meistern – und ich weiß, Haider bin I leider keiner – dennoch sehe ich gute Chancen für uns, mit unserer Neuorientierung die Konstrukteurs-Meisterschaft zu gewinnen! Österreicher, die Zukunft des Bündnis Zukunft Österreichs ist orange!“ So Parteiobmann Joseph Pücher heute morgen in einer überraschend schnittigen Wende.

„Österreich war schon immer ein Land, das gerne mit Vollgas in die Vergangenheit rast. Und als überzeugte Race-isten haben wir von der BZÖ den Rückwärtsgang nie gescheut. Bereits unser Gründer, der selige Landeshauptmann der Herzen, hat mit seinem VW Phaeton viel gewagt. Nur, ohne Jörg hat man uns nix zugetraut. Gewiss: Als Landeschef hat er keinen Stein auf dem anderen gelassen. Einen fescheren, international kontaktfreudigeren, einfach ehrlicheren Piloten für den Boliden Kärnten konnte man sich nicht wünschen. Er war ja gewissermaßen der Ayrton Senna der österreichischen Politik – nur halt hübscher, und, naja, eben Inländer!“

Soweit nichts Neues aus BZÖ-Kreisen. Aber dann der Knüller: „Wir haben endlich die Quadratur des Kreises geschafft, das Unerreichbare erreicht und das Unmögliche zumindest plausibel gemacht – und damit meine ich nicht das Kärntner Landesbudget! Wir verhandeln für die Saison 2012 mit einem renommierten – selbstverständlich inländischen – Rennstall um einen neuen Piloten, der dem alten Erfolgsmodell Haider um nichts nachsteht: Genauso spitzbübisch-jugendlich, genauso ein Rechtsaußenüberholer, genauso bereit, nicht für zweisprachige Ortstafeln (und notfalls das Verfassungsgerichtshof) zu bremsen. Er ist vielleicht nicht gar so braun – aber dafür haben wir den kritischen Fehler des alten Modells bereinigt: Der zukünftige BZÖ-Obmann wird mit Sicherheit auch bei 142 km/h jede Kurve kratzen, egal, wie viel Red Bull mit Wodka er trinkt!“

Den Namen des Bolidenpiloten wollte Pücher noch nicht nennen, aber sein branchenübliches Bartgemurmel ließ den Namen Niki Pacifico-Mateschitz-Pröll erahnen. Abschließend fügte der Pücher noch hinzu: „Ich bin überzeugt davon, unser neuer Vollgasprogramm wird wieder Part of the game in Kärnten. Und falls nicht – bleiben uns immer noch unsere guten Kontakte aus dem EU-Parlament. Sind ja nicht alles verdeckte Ermittler.“ Pücher selbst will weiterhin Aktiv im Rennsport bleiben. Als Crashtestpilot.

Text by Binu, Montage by Bart. 

Aliennazis & Weltinsolvenz

Posted by on Oktober 20th, 2011

Live von der Game-City-Vienna: Unser Gaming-Experte Art Zoccomeij über die allerheißesten Konsolenspiele für den kommenden Spieleherbst!

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Im Action-RPG „Silent Null“ schlüpft die SpielerIn in die Rolle eines minderbemittelten Volksdemagogen. Durch unentwegtes Drücken der X-Taste (manchmal auch die O-Taste) wird eine „Wall of Lies“ aufgebaut, mit deren Hilfe der Spieler schließlich das Level „Parlament“ erreicht. Dort geht es dann genauso weiter. Nervtötendes Buttonsmashing, bis 2/3 der Staatsbevölkerung bereit ist, nach einem Ziegelstein zu greifen, sobald sich auch nur die Silhouette eines Minaretts am Horizont zeigt.

Das Spiel gewinnt jedoch in der Regel der Spieler, der bis zum Ende des Parlamentlevels seine Klappe hält. „Das Ende ist überraschend, der Rest spielt sich so öde wie die Realität“, meint unser Game-Korrespondent Art Zoccomeij.

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„World of Banks“ ist ein ausgefeilter Strategietitel, der von den SpielerInnen haarsträubende Investitionen abverlangt. In jeder Spielrunde werden neue, ungedeckte Kredite aufgenommen. Diese Kredite werden versichert, der Versicherungsdeal wird selbst zur Spekulationsmasse. Nachdem auch diese Milliarden durch den Rauchfang gerauscht sind, wird auch das Staatsdarlehen zur Deckung der verspekulierten Unsummen als High-Risk-Aktie angelegt. Das Spiel endet mit dem Highscore Worldinsolvency. “Ein spannender Spielspaß für Jung und Reich“ so unser Game-Experte Zoccomeij.

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„Call of Booty“ ist definitiv ein Spiel, das in keine Kinderhände gehört. Aber hinschauen dürfen Kinder natürlich, wenn der Held des Spiels, Sergeant Arthur Pembrake – schwerstens traumatisiert, nach dem Aliennazis seinen Großvater auf Beteigeuze umgebracht haben – mit nur einer Pumpgun, einer Derringer, einer Winchester-Rifle, ein paar Dutzend Granatwerfern, etwa 300 halbautomatischen Schusswaffen, einer LKW-Ladung voller Handgranaten und diverser Optionen auf artillerieunterstützte Vernichtungsangriffe ein Bordell in Singapur aufmischt.

Der Titel wird in Deutschland nur indiziert erscheinen (angeblich hätten die herumfliegenden Geschlechtsteile der zersiebten Frauenleichen irgendein sittliches Empfinden gestört). „Ein klassischer Call of Booty Teil mit hirnloser Action am laufenden Band. Auf den Multiplayer darf man gespannt sein“, so Zoccomeij. Und Zoccomeij weiter: „Nein, echt, das ist keine Floskel. Das sag ich nicht nur so hin. Auf den Multiplayer darf man wirklich gespannt sein.“

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In „House of the dept“ übernimmt der Spieler die Rolle eines Steuereintreibers für das rote Wien. Man fängt ganz klein an, in dem man Mahngebühren eintreibt, später kann man sich bis zum „Kingpin“ aka Bürgermeister von Wien hocharbeiten. Einen tieferen Sinn hat dieses Treiben nicht, aber die grafisch tadellosen Passagen mit den ausgedehnten Heurigenbesuchen sind definitiv ein Pluspunkt des Spiels. „Ich wäre ja gerne als Wiener Bürgermeister Amok gelaufen, wie das Cover durchaus suggeriert, aber House of the dept ist eine klassische Wirtschaftssimulation im Stile von Monopoly. Nur noch schlechter“, so unser Mann an der Konsole.

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„Girl of Store 2“ will ganz offensichtlich an den gewaltigen Erfolg des ersten Teils anschließen. Das Motto also: Noch mehr Shoppingmalls, noch mehr Einkaufstaschen, noch mehr leicht bekleidete Lolitas, die kugelschreibernuckelnd eine Styleboutique nach der anderen leer räumen. Der besondere Clou dieses First-Person-Shoppers ist die eingebaute Kreditkartenfunktion.

Für die vielen virtuellen Dinge in diesem virtuellen Spiel, für die man im realen Leben absolut Null Gebrauch hat, zahlt man reales Geld – und zwar Länge mal Breite. „Eine fantastische Spielidee, die zwar schon so manche MMORPGs hatten, aber noch nie wurde sie so sinnentleert umgesetzt“, so Zoccomeij Art.

Zoccomeijs Gesamtfazit von der Spielemesse: Wieder steht uns ein heißer Spieleherbst ins Haus. Ich rate, erst gar nicht heim zu gehen, sondern gleich im Wirtshaus zu übernachten.

Die Frankfurter Buchfresse

Posted by on Oktober 6th, 2011

Hydra auf der Frankfurter Buchmesse Unser Starkritiker Marcel Koll-Kotzinsky stellt die aufsehenerregendsten Neuerscheinungen vor.  

John „Woolfegang“ Goethe: „Fist“
Die Entdeckung des Bücherherbsts 2011 ist sicher „Fist“ von John Woolfegang Goethe, einem bislang wenig bekannten, angelsächsischen Punkdichter aus dem 15. Jahrhundert. Hinter dieser Entdeckung verbirgt sich ein faustdicker Skandal: Der Weimarer Goethe und alle seine Erben versuchten tatsächlich über Jahrhunderte hinweg die Aufdeckung der bestürzenden Tatsache zu verhindern, dass Goethe buchstäblich alles von Goethe abgeschrieben hat. „Nur Goethe war wirklich kreativ, während Goethe wiederum ein faules, unkreatives, prä-guttenbergisches Arschloch war“, so der Hydra-Starkritiker Marcel Koll-Kotzinksy. Er vergibt für „Fist“ drei von vier Paar Frankfurtern.

Peter Pancake: „Die Traurigkeit des Strichjungen nach der Ejakulation“
Die Wiener Schule kehrt zurück. Sperrige, unleserliche Texte ohne jede erkennbare Handlung, die von Ewigkeitsblähungen und Schuldgefühlen wegen Pipi-Kaka-Wixi unter der Bettdecke handeln. Am Ende erklärt man sich solidarisch mit irgendeiner Diktatorenfamilie und zieht sich starrsinnig in einen heruntergekommenen Elfenbeinturm zurück. „Das zeitgenössische Lesepublikum ist nach ereignisloser Lektüre so narrisch wie ein Rottweiler nach einem Paar Debreziner“, so Literaturpapst Marcel Koll-Kotzinksy. Und vergibt für „Strichjunge“ zwei von drei Paar Frankfurtern und einen Kleckser Senf.

Charlotte Röchel: Scheißgeräte
Mit „Scheißgebete“ schließt die Fäkal-Starautorin Charlotte Röchel ihre Scheiß-Trilogie ab. „Scheißgebete“ folgt den beiden Erfolgstiteln „Scheißgebiete“ und „Scheißgebote“. In allen drei Büchern geht es um Scheiße, beim Lesen fühlt man sich Scheiße, der Preis ist auch ziemlich Scheiße, aber Scheiße, diese Bücher sind ein Scheißerfolg. „Endlich ist Scheiße Literatur geworden“, so der Belletristikmeisterrezensent Marcel Koll-Kotzinksy. Er gibt der ganzen Scheiße ein angebissenes Paar Frankfurter in einer Wurstfabrik.

Karl Kraus: Die Fuckel
Ebenfalls ein sensationeller Fund: Dank modernster Restaurationstechniken entdeckte ein Forscherteam aus Beverly Hills, L.A., dass sich unter der Erstausgabe „Fackel“ von Karl Kraus ein noch viel älteres Zeitschriftenprojekt des Wiener Allroundnörglers befindet. Bei „Die Fuckel“ handelt es sich um einen avantgardistisch-expressionistischen Pornoroman. Der Protagonist des Romans Suark Lrak bimst auf einem fremden Planeten blauhäutige Yaks durch, ohne ein einziges Mal an Orthographie zu denken. Literaturdoyen Marcel Koll-Kotzinsky: „Dieser Yakfuck ist ein literarischer Abfuck! Ich gebe eine Frankfurter, hochfrisiert auf einen Käsekrainer.“

Nicolai Google: Die toten Seelen
Der Roman zur aktuellen Internetvertrauenskrise. Steve Jobs ist tot, facebook speichert alle Pornoseiten, die man je angesurft hat, und die Revolutionen in Syrien, Libyen und Ägypten zeigen: Es gibt offensichtlich auch ein arabisches Wort für twitter. Nicolai Google hat dazu den Soundtrack geschrieben, der von Wutbürgern, Bootwürgern und Notlügen handelt. „Noch ein Buch, das alten Männern jammernd erklärt, dass die Jugend von heute genau solche Bücher auf gar keinen Fall liest. Ein Fall für das Modernisierungsverliererghetto also“, so Zeitdiagnostiker Marcel Koll-Kotzinsky. Für Dead Souls verleiht er „ein halbes Paar Frankfurter“ als Suchbegriff.

Tussi Alder Oider: Verschnarchung
Wir wechseln in die leichter bekömmliche Krimiecke. Nach „Erschlaffung“ und „Abschlappung“ nun also „Verschnarchung“ vom neuen Norwegischen Bestsellerkrimiautor Alder Oider. Wieder geht ein Massenmörder in den Straßen von Oslo umher, wieder spielt eine Knackwurst gar keine entscheidende Rolle, und wieder erfahren wir von absurd-finsteren Abgründen der menschlichen Seele, in die wir am liebsten das kläffende Zierhündchen der Nachbarin mit einem unmerklichen Arschtritt befördern würden. Also meint unser Kriminologe Marcel Koll-Kotzinsky: „Wie war das noch mal mit dem Zierhündchen?“ Er verleiht „Verschnarchung“ ein Hundstrümmel in Form einer vereinsamten Frankfurter.

Kritik des Schimpfens

Posted by on Oktober 6th, 2011

Hydra präsentiert die “Kritik des Schimpfens”
Die definitive Wissenschaftspersiflage, das Grundlagenwerk zum Thema Insult (= die offizielle Presseaussendung!)

Eine längst fällige wissenschaftliche Studie zum Phänomen Schimpfen oder eine längst fällige Verarschung wissenschaftlicher Verirrungen? Vermutlich standen die Macher des Satireprojekts Hydra vor genau dieser Frage und entschieden sich, beide Fliegen mit einer Klappe zu erschlagen: Die „Kritik des Schimpfens“ ist eine astreine Wissenschaftspersiflage, die ihren Reiz aus der unvermeidlichen Kollision von Sachlichkeit (Wissenschaft) und Unsachlichkeit (Beschimpfungen) bezieht.

Von empirischer Faktenstrenge über hermeneutisch-linguistische Kopfgeburten bis hin zu essayistischen Beiträgen wird jede Form wissenschaftlicher Abgehobenheit durch den Kakao gezogen. Natürlich wird dabei das Forschungsfeld einer Malediktologie behauptet, natürlich treten wissenschaftliche Schulen gegeneinander an und natürlich endet eine wissenschaftliche Kontroverse vor den Augen des Lesers mit Tod durch finalen Insult.

Die “Kritik des Schimpfens” wird vom Wiener Satireprojekt “Hydra” herausgegeben und wurde im Vorfeld von mindestens 37 namhaften deutschen und österreichischen Verlagen abgelehnt.

Hydra [Hrsg.] 
Kritik des Schimpfens

140 Seiten, A5
ISBN 978-3-85450-278-4
14,80 Euro

Bestellung hier oder Einkauf u. a. hier:

BÜCHER AM SPITZ
Am Spitz 1, 1210 Wien
Tel. 01-270 15 11 Fax Dw.20
http://www.buecheramspitz.com/

SHOP DER KOMISCHEN KÜNSTE
MuseumsQuartier / quartier21
Museumsplatz 1
1070 Wien
Täglich, auch Sonn- und Feiertage: 11 bis 18 Uhr
http://www.komischekuenste.com/

Fachbuchhandlung des ÖGB
1010 Wien, Rathausstraße 21
http://www.oegbverlag.at/servlet/ContentServer?pagename=V01/Page/Index&n=V01_4.3

PHIL
Gumpendorferstraße 10-12, 1060 Wien
http://www.phil.info/


 

 

hydra bezirzblatt

Posted by on September 30th, 2011

Hydra sagt Dankeschön all den Abgängern diverser Journalismus-FHs und anderen verhinderten Autodidakten, die uns mit den Bezirkszeitungen immer wieder beweisen, dass Journalismus keine Krankheit, sondern bloß ein Irrglaube ist. Lang leben die Werbeprospekte mit eingebauten Nebenerwerbs-redaktionen!

Aus dem Traum gerissen

Posted by on September 29th, 2011

Episode 12 in unserem großen Mitmachschundroman. (Das ist ein Roman, bei dem man mitmachen kann. Jeder eigentlich. Und jede sowieso.)  

Lotte sitzt schweißgebadet in ihrem Bett, ihre Zehen kribbeln. Das machen sie immer, wenn sie aufgeregt ist. Ihr in Dunkelheit gehülltes Zimmer wird nur durch die rot leuchtende Schrift des Radioweckers erhellt. Es ist 2:57. „Wieso jetzt, nach so vielen Jahren?“ Lotte ist außer sich. „Und wieso Manfred? Ich hatte ihn doch aus meinen Erinnerungen verbannt!“

Am darauffolgenden Morgen kribbeln ihre Zehen noch immer. Der Traum von Manfred verfolgt sie schon seit einer Woche und jedes Mal ist es wie damals auf Kreta, als sich Lotte dazu überreden ließ, gemeinsam mit ihrer Schwester Laura und Manfred auf Urlaub zu fahren. Laura bekam gleich in der zweiten Nacht im Hotel schwere Angina, die durch die falsch eingestellte Klimaanlage im Ferienbungalow verschlimmert wurde. Somit waren sie und Manfred die meiste Zeit allein unterwegs. Und als beide nach der im Hotel gebuchten Quad-Tour am Strand lagen und sich entspannten, passierte das Unausweichliche. Manfred flüsterte Lotte leise ins Ohr: „Komm, lass uns schwimmen gehen!“ und Lotte nickte willig.

Bei Sonnenuntergang und durch den menschenleeren Strand lies sich Lotte zu einer Entscheidung verleiten, die sie noch heute bereut. Der Moment war wunderbar, als Manfred seine großen Bauarbeiterhände auf ihre blanke Brust legte und gleich darauf diese auch leidenschaftlich küsste. Nackt und im Rhythmus des Wellengangs begann Manfred Lotte zu lieben. Als sein erigiertes Glied in Verbindung mit dem warmen Wasser in Lottes Innerstes drang, wussten beide, das es falsch war, doch keiner von beiden wagte es, das auszusprechen. So gaben sie ihrem weißglühenden Verlangen freien Lauf. Der Wellengang wurde stärker, ein Sturm würde bald aufziehen. Die Intensität des Moments verstärkte die sexuelle Leidenschaft zwischen den Beiden. Manfred wurde zum Tier oder nein, eher zu einem Gott, ja, zu einem griechischen Gott! Am Horizont türmten sich dichte Gewitterwolken auf und Blitze entluden sich hinter Manfreds riesigen Schultern.

Lotte fühlte sich wie im siebten Himmel, als ob der Vollmond über der wolkenfreien Strandpromenade nur auf die Beiden scheinen würde, und der Gesang der Delphine, die sich draußen in der Bucht ebenfalls paarten, nur für sie allein bestimmt war. Tags drauf war bereits der Rückflug nach Schwechat gebucht. Laura, noch immer gezeichnet von ihrer Krankheit, hatte anscheinend nichts mitbekommen und auch keinen Verdacht geschöpft, was Lotte ein wenig Erleichterung verschaffte, doch ihre Zehen kribbelten die ganze Zeit über. Mit Manfred sprach sie kein Wort, und das änderte sich auch nicht, als der Flugbegleiter kam, das Flugzeug landete und sie sich am Gate von dem Ehepaar verabschiedete.

„Doch wieso jetzt nach so vielen Jahren?“ Lotte schaut in ihren Morgenkaffee und fühlt sich beschämt, schmutzig – so wie im Flugzeug neben Laura. Sie hatten schon seit längerem keinen Kontakt mehr, irgendwie haben sie sich auseinander gelebt und sie waren sich ja auch nie wirklich nahe. Während Lotte immer mehr zum Papa tendierte, war Laura ein Mamakind wie es im Buche steht. Sie hatte sogar dieselben Wangenknochen! Und während Laura immer und immer wieder Vanilleeis naschte, wollte sich Lotte nie festlegen, welche Sorte sie am liebsten leckte – und diese Liste könnte sie noch ewig fortsetzen. Das Handyläuten weckt Lotte endgültig aus ihren Tagträumen.

Als sie auf das Display sieht, fällt ihr das Schokocroissant aus der Hand. Es ist Laura! Mit einem vorsichtigen „Hallo?!“ eröffnet sie das Gespräch und hört auf der anderen Seite ein schluchzendes und lange nicht mehr gehörtes Schwesterherz! „Wir … wir müssen uns treffen … ee-e-es ist etwas schreckliches passiert … i-ich muss dich sehen“ – „Was ist passiert?“ – „E-e-es geht um Manfred“, Laura weiter schluchzend. Lotte zuckt zusammen. „Das kann doch kein Zufall sein!“, denkt sie und antwortet: „Ich mach mich sofort auf den Weg zu dir, bleib ruhig, ich bin gleich da!“ Ohne mit der Wimper zu zucken geht Lotte zum Laptop, sucht auf der Wiener Linien Homepage die schnellste Route zu Laura und macht sich auf den Weg.

Etwa eine halbe Stunde später erreicht sie Lauras Domizil. Diese öffnet sogleich die Tür und fällt Lotte um den Hals: „Es ist (sniff) schrecklich (sniff)!“ Lotte versucht sich zu beherrschen: „Na gut, Laura, jetzt lass uns doch ins Wohnzimmer gehen und du erzählst mir alles was ist passiert!“ Gesagt, getan. „Manfred, er … dieser Idiot will sich von mir scheiden lassen! Jetzt, mit 50, er hat anscheinend eine Neue, eine Jüngere!“ Lotte versucht Laura zu beruhigen, doch ihre Schwester bricht erst recht in Tränen aus. „Ich dachte, er wäre glücklich mit mir. Ich bin mir bewusst, dass ich nicht mehr ausschaue wie 22, als wir uns kennen gelernt haben. Aber ich hätte ihm nie so etwas zugetraut!“

Lotte fühlt sich, als ob sie einen Stein aus einem Staudamm genommen hätte, der jetzt unter all der Last zusammenbricht. Laura überschwemmt sie mit Geschichten über Manfred. Sie erzählt von den immer häufigeren Streitereien, von der Liebe, die über die Jahre hinweg abgekühlt, besser gesagt, erfroren ist, und von den Schulden, die Manfred angehäuft hat, weil er in faule Immobilienkredite investiert hatte. Laura ist am Boden zerstört. Lotte nimmt sie in den Arm und versucht sie zu beruhigen. Trotzdem fühlt sie sich schlecht dabei. Hätte sie doch nach Kreta schon alles erzählt, dann würde Laura jetzt nicht durch diese Hölle gehen müssen. Doch damals war sie zu feige und jetzt … jetzt kribbeln wieder ihre Zehen.

[Autor: Bartlomiej Szatkowski]  Nicht vergessen! Macht mit bei unserem Schundroman in Fortsetzungen. Oder unserem Fortsetzungsroman in Schunden. Alle Infos rechts oben oder auf sexfick.at Oder einfach euren Text an office@hydrazine.at schicken

 
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