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Posts Tagged ‘Hydra’

nachruf auf dichand

Posted by admin on Juni 17th, 2010

nhzAuch wir als junge, dynamische, innovative MedienmacherInnen wollen nicht hinten anstehen, wenn es darum geht, einen der einflussreichsten und wichtigsten Medienmacher unseres Landes zu würdigen. Sicher, es wäre verwegen von uns zu glauben, wir würden uns auf selber Augenhöhe befinden, aber von dort unten, wo wir stehen, wollen wir unserem „Kollegen“ Hans Dichand ein Lebewohl zurufen. Hier kommt der Ruf.

„Hans! Haaaans! Haaahaaaaaaans! Hans?“

„Du, i glaub, dea heart uns net.“

„Probia’s nu amoi.“

„Haaaaans! Haaahaaaans! Haaaaaaaaaaaaans! Hansi!“

„Ka Schaus.“

„Vielleicht is a scho drübm.“

„Wo? Oben oder Unt?“

„Na, wos glaubst?“

„Haaaaans! Haaaaaaaaaaahaaaaaaaaaans! Hansi Burli! Scheißipinki! Oaschispatzi!“

„Waun a des ned heart …“

„I glaub jo ned.“

„Wieso?“

„Najo, wass a net.“

„Vielleicht soi ma eam an Lesabriaf schreibm.“

„Guade Idee, oba wohi? Aufi oda owe?“

„Was i a net.“

„Haaaaans? Haaaansi! Haaaaaaansiiiiii!“

„Heast, des is zach, so a Nochruf.“

„Du, i glaub, wia haum eh scho gnua. S’ Match faungt a glei au.“

„Na, gema hoit. Owa dass dea net antwuat.“

„I sog’s da, an Lesabriaf hetma eam schreibm soin. Den hätta odruckt.“

„Dea druckt goanix mehr o.“

„Na. Weu im Himma gibt’s ka Scheißhaus.“

„Jo.“

„Amoi schrei ma nu, daun is Schluss.“

„Guad.“

„Haaaansi! Haaaansi! Do warat a Briaf fia di kumma.“

„Heast du bist a Trottl.“

„I glaub, dea is wirkli dod.“

“I glaub a.”

Das Runde muss ins Dreckige!

Posted by admin on Juni 3rd, 2010

release hydra europa 300Das Runde muss ins Dreckige!

Hydra moderiert das zweite Eröffnungsmatch der Fußball-WM 2010 (Frankreich vs. Urugay) und präsentiert den neuen Lebensratgeber „Wie werfe ich Zucker ins Weltall?“

11. Juni 2010, Lager im Café Europa
Zollergasse 8, 1070 Wien, ab 19.30 Uhr, Eintritt frei!

PROGRAMM

19.30 Uhr: Einlass
20.00 Uhr:
Live-Schaltungen zu den Trainingscamps der Franzosen und Urugayer mit Sportreporter-As Justus Ramm
20.30 Uhr: Ankick
mit Kommentator Max Zirkowitsch und Live-Gästen
21.15 Uhr:
Tipp-Kick-Spielanalyse mit Topp-Kick Experte Sebastian Klug
21.30 Uhr:
Dritte Spielhälfte
Nach dem Abpfiff:
Hydra-DJ-Line

Wie werfe ich Zucker ins Weltall?
Hydra, das „stets überraschende Satiremagazin“, landet seinen neuesten Coup, einen satirischen Lebensratgeber in Buchform mit „Antworten auf und für alles“. Ab wie vielen Strichen ist ein Bild ein Kunstwerk? Macht das Internet impotent? Wozu brauche ich Geld? Hat das Leben einen Sinn? Und woher kommen eigentlich Lebensratgeber? Fragen, nah am Puls der Zeit, und Fragen, die das Leben bislang nicht zu stellen wagte.

Wie werfe ich Zucker ins Weltall?
Der große Hydra-Lebensratgeber
124 Seiten, A5 hoch
ISBN 978-3-85450-221-0
6,90 Euro
Verlag Der Apfel

Bestellung & Info

www.hydrazine.at
www.verlagderapfel.at

Brutales Sparpaket schlägt zu!

Posted by curtcuisine on Mai 4th, 2010

Hydra Coverkrise.qxpGrieche von brutalem Sparpaket auf offener Straße niedergeschlagen

Athen. Auf offener Straße wurde der Grieche Niko Kotztdastsatsiki von einem heimtückischen Sparpaket niedergeschlagen. Der bislang unbescholtene Grieche war früh morgens auf dem Weg zum großen Athener Senfgurkenmarkt, als das Sparpaket ihn an der Ecke Lehmannstraße und Hedgefondszerplatz in einen Hinterhalt lockte. „Ich dachte erst, es wäre eine Frau“, so der geschockte Grieche, „denn es flüsterte ständig ‚Du musst dafür bezahlen’, aber dann sprang es mir schon an die Gurgel und schlug mit verpackten Euromünzenrollen auf mich ein.“

Kotztdastsatsiki wurde in das Athener Zentralkrankenhaus eingeliefert, wo er erneut kräftig zur Kassa gebeten wurde, denn ein weiteres brutales Sparpaket hatte dem fetten Krankenhausdirektor sämtliche Diäten gestohlen (Hydra berichtete). Seither hält sich das Krankenhaus an den Patienten schadlos, verständlich, oder? Die Athener Polizei schaltete inzwischen Interpol ein, denn diese beiden Fälle sind nur der Gipfel des Eisbergs. Immer öfter wird in ganz Europa von brutalen Sparpaketsübergriffen berichtet. 

Was aber kannst du tun, um dich vor brutalen Sparübergriffen zu schützen? Keine Sorge, denn: Hydra präsentiert die 10 besten Spartipps!

1. Nimm nur Sparschweine aus echtem Keramik!
Darin fühlen sich deine Münzen viel wohler und das pralle Ding füllt sich fast von selbst.

2. Hat dein Auto Autoreifen?
Von jetzt an nur noch selbst aufpumpen! Am besten mit der Kraft deiner Lungen. Das stählt deinen Brustkorb und deine Autoreifen noch viel mehr. Und wie jedes Kind weiß, verbrauchen butterweiche Autoreifen enorm viel Benzin.

3. Kochgeschirr! Steht irgendwo bei dir zuhause Kochgeschirr herum?
Ganz schlecht. Kochen verbraucht Strom und macht meistens fett. Von nun an knabberst du nur noch an gebrauchten Zahnstochern. Macht dich garantiert binnen weniger Wochen knitterschlank und glitterreich (= der Hydra-Wohlfühltipp!)

4. Pumpen!
Pump dir Geld von deinen Freunden und gib es nie wieder zurück. So kriegst du immer mehr davon!

5. Ganz schlecht: Banken!
Meide Banken, denn die wollen nur dein Geld. Ja, das ist ähnlich wie bei Rockmusik. Die wollen nur deine Seele. Die Kirche will nur dein Spatzi und die Politik will dir gar noch die Stimme rauben. Alles Diebe! Also geh nirgendwo mehr hin und sperr dich zuhause ein. Das spart ganz famos.

6. Riskante Fonds.
Ja, gute Sache. Mach dir nicht ins Hemd! Riskier etwas! Denn wenn du genug Geld hast, wächst dieses ohnehin auf Bäumen für dich und wenn du keins hast, kannst du gar nichts verlieren, oder?

7. Steuerberater.
Mmmmmmh, nein. Kosten auch nur Geld.

8. Die letzte Rettung: Mutti!
Ja, zieh wieder zu Muttern (oder Muddern, wie Justus sagen würde). Schlag alle Häme in den Wind und plündere täglich ihren Kühlschrank. In Nullkommanichts bist du Trilliardär!  

9. Hast du ein undichtes Fenster?
Ja? Erstens: Öffnen! Zweitens: Geld rauswerfen! (Ja, alles!) Drittens: Schon hast du dir viel Geld erspart!

10. Was noch?
Ähm, du hast ja eh kein Geld mehr, ist ja alles beim Fenster draußen. Was willst du jetzt noch sparen?

Noch mehr hilfreiche Tipps gibt es übrigens im großen Hydra-Lebensratgeber, am Mitte Mai bei uns bzw. ab Anfang Juni im Buchhandel erhältlich. Und nein, es ist das rechte Cover, nichts das linke.

die ära der mantarochen

Posted by curtcuisine on April 25th, 2010

philosophie 12 kant 300Immanuel Kant

Kokosnüsse und Mantarochen sind zwei Begriffe, die im Werk von Immanuel Kant nicht vorkommen. Das ist schade. Um wieviel erträglicher wären manche seiner elendslangen Abhandlungen, wenn da auch ein Mantarochen vorkommen würde. Stellt euch das vor! Die „Kritik des gemeinen Mantarochens.“ Oder: Die „Metaphysik der Kokosnuss.“ Dazu Immanuel Kant als Haschisch paffender Tahitianer, der mit Palmenblätter bekleidet an einem Sandstrand lungert und versucht, mit zwei, drei Sätzen eine Lebensphilosophie hinzukriegen, die ebenso elegant wie relaxt klingt, die aber im Grunde nichts weiter besagen soll als: Genauso wie mir das Leben Spaß macht, genauso funktioniert die Welt.

Aber wie gesagt: Mantarochen waren Kants Sache nicht. Was ihm wirklich Spaß machte, was ihm wirklich, wirklich gefiel, was ihn so richtig auf die erkenntnistheoretische Palme brachte, das war „das Ding an sich“. (Nein, nicht das Ding zwischen den Beinen! Werdet endlich erwachsen!) Die Dinge so wie sie sind. So wie sie wirklich sind. Also ohne dass irgendein Mensch mit seinem subjektiven Verstand, seinen morgenmüden Augen oder sonst einem Sinn ähm hinschaut. So wie Gott, wenn es ihn denn gäbe, dieses Ding anstarren würde. (Aber hat Gott überhaupt Augen? Und wenn er keine Augen hat, hat er dann wenigstens Hühneraugen? Und wenn er nicht einmal das hat, kann er dann etwas fühlen? Und wenn er gar nichts fühlen kann, hat dann überhaupt etwas Bedeutung und Wert für ihn? Und blablabla.) Genau das ist der Punkt! Genau das ist die Frage: Wie sieht die Welt mit Gottes Augen aus?

Aber Kant war kein Märchenonkel, Gott hatte für ihn keinen langen Bart oder so, sondern Gott, das war eher die Gesamtheit aller Vernunft und alles Wissens. Und zugleich nichts davon. Ein Buddhistisches Nichts, ein Platonischer Höhlenforscher, ein anorganisches Allbewusstsein. Und für Kant war klar, dass wir nie kapieren würden, wie dieses ähm Ding die ähm Dinge sieht. Da kommen wir einfach nicht ran. Wie der Pudel an die Kokosnuss. Keine Chance. „Was die Dinge an sich sein mögen, weiß ich nicht und brauche es nicht zu wissen, weil mir doch niemals ein Ding anders als in der Erscheinung vorkommen kann.“ Sagt Kant. Und ihr habt es eh gleich verstanden, oder? Der Mann war Marienanbeter und glaubte an Erscheinungen.

Nein, stimmt natürlich nicht, in Wahrheit war alles viel viel viel viel viel viel viel komplizierter. Aber wisst ihr was? Uns ist das scheißegal. Und euch sowieso auch, das wissen wir ganz genau. Ja, sogar Kants berühmter kategorischer Imperativ („Handle so, dass deine Handlung eine Handlung ist, die genau weiß wovon sie handelt, außer sie spielt sich in einer Tierhandlung ab, äh, nein, das ging irgendwie anders …“) Ja, egal, das ist euch alles wurscht. Das wissen wir. Und wisst ihr, warum euch das überhaupt wurscht sein darf? Eben weil es Immanuel Kant gegeben hat, der sich genau darüber den Kopf zerbrochen hat. Und zwar gründlicher, detaillierter und versessener als je ein Mensch zuvor. Ja, er hat das so gründlich gemacht, dass lange Zeit niemand mehr etwas davon wissen wollte. Es war wie ein abschreckendes Beispiel. Über Jahrhunderte hinweg brauchte ein Vater seinen wissbegierigen Sohn nur diesen einen Namen nachschleudern, schon war es still am Mittagstisch. Sohn: „Du, Papi. Warum ist die Erde eigentlich rund? Und warum leben Schwämme im Meer. Und wofür brauche ich einen kategorischen Imperativ.“ Vater (brüllend): „Im-ma-nu-el Ka-ha-nt!“ Sohn: „Heul, flenn, schluchz. Du hast ja recht, wenn man erst zu fragen anfängt, wird alles soooo kompliziert. Ich frag’ ja nie wieder.“

Was kann uns Immanuel Kant heute noch mit auf den Weg geben?
Dass Pauschalreisen in die Karibik nicht vollkommen zu verdammen sind. Zumindest so manchem Philosophen würde ein Ausflug zu so seinem Sandstrandghetto samt Animateur und mitgereistem Swingerklub für 60+ Geilsäcke nicht schlecht tun. Ist das „Werk“ aber mal verbrochen, hilft auch das nichts. Dann lehrt das Beispiel Kant vor allem, dass die Dinge eben nicht so einfach liegen. Aber diese Lehre ist nicht so traurig wie sie klingt. Denn Kant war privat ein zwar eher schrulliger Mensch, mit einem fast schon krankhaft peniblen Tagesplan, aber er war zugleich ein gewitzter Zeitgenosse, der gerne mit Frauen flirtete und nichts mehr schätzte als eine gute Unterhaltung. Klar, denn Kant war ja nicht blöd. Und das ist doch eine feine Lektion für’s Leben, nicht. Auch wenn ihr vorhabt, tiefschürfende, nahezu unverständliche  Bücher zu schreiben, heißt das noch lange nicht, dass ihr deswegen zu blöd fürs Leben sein müsst.

Nächste Woche betreten wir ein Tal des Jammers und ziehen uns von dort an unserem eigenen Ego wieder heraus. Nein, es ist nicht Münchhausen gemeint. Wait for it!

hydra enthüllt: der neue apfel!

Posted by herrhammer on April 20th, 2010

stefans apfelWien – Zuerst konnten wir bei der HYDRA unser Glück kaum fassen. Heute Nachmittag ruft uns ein gewisser Herbert N. an. Er hat da etwas gefunden, das er nicht zuordnen kann. Jemand habe es neulich im Wirtshaus ums Eck vergessen, ist sturzbetrunken nach Hause gegangen. Aber er vermutet, dass es etwas Großes ist und wir vielleicht mehr damit anzufangen wüssten als er – wie Recht er doch hat! Vermutlich hat es N. nur für einen stinknormalen Apfel gehalten. Süß, wie unwissend er doch war. Aber gut für uns.

Denn wir haben die Sensation: Den brandneuen, komplett überarbeiteten Apfel®! Und wir können eines sagen: Noch nie war Obst so geil.

Lange und hartnäckig hielt sich das Gerücht, es werde fieberhaft am neuen Apfel® gearbeitet. So richtig glauben wollten wir von der HYDRA das aber nicht. Bis er uns praktisch in den Schoß gefallen ist. Und er hält, was er verspricht: Er ist formschön, raffiniert, etwas kleiner als sein Vorgänger. Der neue Apfel® ist handlicher, seine Farbbrillanz überzeugt auf der ganzen Linie. Aber das beeindruckendste ist sein Innenleben: Fünf Kerne (siehe Fotos) treiben ihn an, ein abreißbarer Stengel-Slot vernetzt ihn mit seiner Außenwelt (Stichwort: Baum) und durch seine kompakteren Formen wurde er auch um einige Gramm leichter. Außerdem hat er wesentlich mehr Saft als sein Vorgänger.

Wir sind überzeugt: Der neue Apfel® wird den Umgang mit Obst auf eine neue Ebene heben und das Tool schlechthin am hart umkämpften Fruchtsektor werden. Für Obstaficionados schon jetzt unverzichtbar.

Seht hier die besten Bilder des neuen Apfel®.

Noch mehr Obst, allerdings eher für Unterbelichtete, findet ihr hier:

die großen parkbänke unserer zeit

Posted by curtcuisine on April 18th, 2010

philosophie 11 jjr 300Jean-Jacques Rousseau

Jean-Jacques Rousseau hatte die Natur sehr, sehr lieb. Immer wieder rief bzw. schrieb er: „Zurück zur Natur!“ Aber das tat er meistens in einer kleinen, stickigen Schreibkammer, denn der Mann kam eigentlich kaum raus in die freie Natur, er hat immer nur geschrieben. Nicht nur Philosophie, sondern auch elendslange Romane (z.B. „Emil oder die Erziehung“) oder eine noch elendslängere Autobiographie („Bekenntnisse“). Laptops (und Facebook) gab’s damals noch nicht, also musste er sich die Finger wund schreiben mit klecksenden Straußenfedern. Am Ende saß er dann alleine da, die Finger taten ihm weh und waren schmutzig, und er konnte gar nichts mehr machen damit. Dabei hätte er so gerne, nur ganz kurz, ist eh niemand da, psst,  still und heimlich, unter der Bettdecke …

Die Sache war nämlich so. Rousseau war ein bisschen ein Muttersöhnchen, der aber gerne ein harter Kerl gewesen wäre. Daraus hat er sich eine kleine Philosophie gebastelt. Die Vernunft und die Wissenschaft verweichlichen den Menschen, verformen ihn wider seine „Natur“. Streng muss er erzogen werden, damit er nicht degeneriert, sondern den Atem der „Natur“ wieder fühlen kann. (Ja, so etwas hörte man damals gerne.) Nur kam zwei Jahrhunderte ein anderer Philosoph namens Jacques Derrida, der sich den Spaß machte, das, was Rousseau über die Natur, die Gesellschaft und den Ursprung aller Dinge schrieb, mit dem zu vergleichen, was er über seine Mami und vor allem übers Onanieren schrieb, und, oje, ihr könnt euch vorstellen, wie das ausging. Da gab es ganz üble Parallelen.

Das war gemein von diesem Derrida (keine Sorge, der kommt auch noch dran in dieser Reihe), aber was Derrida eigentlich zeigen wollte, war, dass es kein sogenanntes kausales Denken gibt, also zumindest keines, das mit mathematischer Präzision funktioniert. Sondern es menschelt in jedem noch so streng, stringent oder folgerichtig anmutenden Gedankengang. Aber Derrida wäre nicht einer der am schwierigsten zu verstehenden Philosophen, wenn es das alleine schon wäre (oje, jetzt wird’s kompliziert). Derrida wollte darüber hinaus zeigen, dass das nichts mit einer Verpsychologisierung des Denkens zu tun hat, sondern dass das sprach- und schriftimmanent ist. Mit anderen Worten, unsere Sprache (und ein anderes Werkzeug zum Denken haben wir nicht) nährt sich aus subjektiven, schwammigen („parasitären“) Bedeutungen. Sobald wir mehr sagen als 1 + 1 = 2, stehen wir schon knöcheltief in der Subjektivität.

O.k., das war jetzt sehr theoretisch. Wie war das nochmals genau bei Rousseau? Leider auch sehr kompliziert, aber sagen wir mal, dass Rousseau oft und gerne darüber schrieb, dass man irgendwie zurück zur „Natur“ müsse, weil diese der Ursprung sei, aber eigentlich soll man nicht zurück zum Ursprung, weil sich der Mensch ja weiter entwickeln soll. Und weil das irgendwie alles unmöglich ist, hat man es die ganze Zeit mit „Ersatzhandlungen“ zu tun (Reflektieren, Denken, Vernunft), die versuchen, diese Ursprünglichkeit herzustellen. (Klingt das wie ein Haufen Hühnerkacke? Na ja, ist halt Philosophie). Nun, jetzt ersetzt „Natur“ mit „Mama“ und „Ersatzhandlung“ mit „Onanieren“. Dann wisst ihr ungefähr, worauf Derrida hinweisen wollte.

Was kann uns Jean-Jacques Rousseau heute noch mit auf den Weg geben?
Dieser arme Mann! Einst eine Kultfigur, ja, ein Leitstern für Philosophen und Pädagogen – und heute das. Aber genau das ist die „Lehre“. Wenn man Aussagen wie „Zurück zur Natur!“, „Rettet die Wale!“ oder „Fickt das System!“ auf den Lippen hat, sollte man nicht ins nächste Kämmerchen flüchten und einen klugen Text darüber schreiben, sondern es einfach machen. (Ja, auch das mit dem System. Tut es einfach!) Andernfalls schwafelt man nur daher … und es dauert nicht lange,  bis so ein Pedant wie Jacques Derrida kommt und aller Welt beweist, dass man gar nicht über die Natur, die Wale oder das System geplaudert hat, sondern über intime Gewissensbisse, die man zu einem riesigen Gedankengebäude aufgebaut hat … au Backe, was für eine traurige Lektion fürs Leben. Na ja, die Philosophie ist halt nicht immer heiter.  (Und bedenkt, heute hat sie wirklich einen mächtigen Kater.)

Nächste Woche besuchen wir den Alleszertrümmerer. Aber wir müssen uns beeilen, denn Immanuel Kant war Zeit seines (akademischen) Lebens nur von 16.33 Uhr bis 16.37 Uhr ansprechbar. Den Rest seines Tages hat er ausschließlich Mantarochen dressiert.

was? schon folge 10?

Posted by curtcuisine on April 11th, 2010

philosophie 10 hlh300Hobbes, Locke & Hume

Thomas Hobbes, John Locke & David Hume waren fast so etwas wie die Dicks und Doofs des englischen Empirismus, nur dass sie eben zu Dritt waren. Dieses Empirismusdings jedenfalls hat Hobbes angefangen, Locke weitergeführt (beide eher dürr) und Hume (der Mann war wirklich beleibt) zur Vollendung gebracht. Empirismus also mit Vollendung. Übrigens eine im Rotlichtmilieu durchaus gebräuchliche Phrase. Kommt zur Anwendung, wenn eine ausgebeutete und zur Prostitution gezwungene und erniedrigte Frau (Nutte darf man ja nicht mehr sagen) vor einem, sagen wir mal, Philosophen kniet. Damit sind wir auch mehr oder weniger beim Ursprung alles menschlichen Lebens angelangt und damit in der hervorragenden Lage, den besonderen Clou des englischen Empirismus zu erklären.

Dieser bezog sich nämlich weniger aufs Erbsenzählen (siehe Kapitel V, Aristoteles) sondern auf eine Philosophy of Mind. Ja, aber was ist denn das? Stellt euch vor, all eure Gedanken wären eine Tafel. Keine Schokoladetafel, sondern eine Schiefertafel in der Schule. O. k., ihr habt Probleme damit, weil ihr euch vorstellt, wie eine dicke Dampfwalze über euren Schädel rollt und ihr seht vor allem, wie das Blut wegspritzt und habt keine Ahnung, wie ihr es vom Asphalt abkratzen sollt, um es auf eine Tafel zu spachteln. Aber das sind nur Details. Was Dick, Doof & Doof, also Hobbes, Locke & Hume sagen wollten ist, dass unsere Gedanken am Anfang unseres Lebens unbeschrieben wie eine Schiefertafel sind. Erst die Erfahrungen, die wir so sammeln, bekritzeln diese Tafel mit Formeln und Zeichen. Und unser Intellekt ist dann wie ein Mathematiker oder Oberlehrer und verknüpft das ganze Gekritzel zu einem sinnvollen Ganzem.

Über diese „Theorie“ waren sich Hobbes, Locke & Hume mehr oder wenig einig, wobei Hobbes das nur angedeutet hat, die Tafel voll gekritzelt haben dann vor allem Locke & Hume. Worüber sich die drei aber gar nicht einigen konnten, war die Frage, was das eigentlich für unsere Gesellschaft bedeutet. Denn wenn die Tafel bei allen am Anfang leer ist, wären wir ja alle irgendwie gleich. Das wäre aber Kommunismus! Igitt! Außerdem wurde der erst ein gutes Jahrhundert später erfunden. Darum haben Hobbes & Locke beschlossen, die Sache einem Juristen zu übergeben. Denn bei Hobbes wäre die Gesellschaft sonst ein Monster (das er „Leviathan“ nannte, ah … jetzt klingelt’s!), Locke hingegen schwafelte die ganze Zeit von einem „Gesellschaftsvertrag“, der unbedingt nötig wäre. Sprich: die beiden gingen wohl davon aus, dass sich  die Menschen ohne Verträge eher wie Tiere zueinander verhalten würden. Hume hingegen sah das ein wenig neutraler, für ihn frommte der Zweck den Menschen. Er meinte, die Menschen würden zwangsläufig einsehen, dass das, was nützlich für alle sei, auch für sie selbst nützlich sei (das wird übrigens mit einem nahezu unaussprechlichen Wort bezeichnet, nämlich Utilitarismus). Das klingt eigentlich recht vernünftig, allerdings lässt Hume den Menschen im Grunde gar keine Wahl. Für ihn funktionieren wir nämlich alle wie Uhrwerke. Tick, tack, tick, tack. Ja, komisch, gell, worauf man mit so einer Schiefertafel alles kommen kann …

Was können uns Hobbes, Locke & Hume heute noch mit auf den Weg geben?
Zunächst mal die Erkenntnis, dass Philosophen, auch wenn sie älter geworden sind, trotzdem hin und wieder in einer Schule vorbeischauen sollten. Denn eine Schultafel ist nie leer, da steht jeden morgen immer was Obszönes drauf („Fickt Mathe“ oder „Hosen runter, Herr Direktor“). Und damit sollte eigentlich schon klar sein, dass diese Blanke-Tafel-Theorie reiner Unfug ist. Die Wahrheit ist: Noch bevor wir auf die Welt kommen, sind wir schon angeschmiert. Gerade darum sollte man sich Gedanken drüber machen, wie man diese Schmiere (meistens stinkt sie nach Gaga oder zumindest nach Geld, das die einen haben, die anderen aber nicht) halbwegs gerecht verteilt. Aber ob man diese Sache einem Juristen anvertrauen soll … na, ich weiß nicht.

Nächste Woche besuchen wir Jean-Jacques Rousseau in seiner Hütte im Grünen. Schnuckelig ist es dort aber nicht, soviel können wir schon verraten.

 
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