„Ohne EU fahren die Flüchtlinge gleich nach Österreich durch“

hackler_blueWieso hat Strache eigentlich etwas gegen die EU, wenn die doch die Flüchtlinge aufhält und „für uns angenehm“ in Italien bzw. Griechenland und Ungarn fixiert? Bundeskanzler Faymann mit seinen Live Aussagen im Sonntagsfernsehen, nur etwas gekürzt und ausgewählt – aber weder übertrieben noch selbst erfunden. Eine Realsatire von Kerstin Kellermann

Danke für die Einladung, sagt der Bundeskanzler bescheiden. Hallo, sagt die Österreich-Redakteurin zu ihm. Hallo, sagte Werner Faymann auch zu Angela Merkel, die ihn kurz vor der Sendung am Handy anrief. Faymann will Brücken bauen, obwohl „die Brücke“ zu Greichenland nicht zu sehen ist. (Alfred Adler: So geht’s uns immer! Wir bauen die Brücke beim Gehen!) Da fehlt die Brücke, sagt Faymann. „Sind Sie nicht ein bissl einem Spieler aufgesessen?“, näselt die Österreich-Redakteurin über den griechischen Finanzminister. „In Griechenland laufen die Patienten nach der Operation davon, damit sie die Arztrechnung nicht zahlen müssen“, sagt Faymann. Und: „Eine Brücke besteht nun mal aus zwei Teilen. Über die vertraulichen Teile erzähle ich Ihnen nichts, Frau Österreich. Ich hatte schon mehrere Gelegenheiten Varoufakis aufzufordern, seinen Plan zu verfeinern. Zwei Teile hat die Brücke. Er ist dran. Er hat den Verhandlungstisch verlassen, nicht ich.“
 
Sicherheit des Geldes
Die Österreich-Frau herablassend: „Gibt es eigentlich irgendeinen Plan B?“ Faymann: „Ich kenne den Plan B Griechenlands nicht, unseren schon (juhu!). Wir müssen ganz Europa zeigen, dass wir ein wirtschaftlich stabiles Land sind, damit nicht andere Länder in die Spirale kommen.“ – „Österreich hat auch Haftungen“, sagt Frau Österreich. Faymann: „Die Nationalbank sagt, das ist nicht abschätzbar, was passiert, wenn unsere Haftungen schlagend werden. Plan B ist in Griechenland zu beschließen. Vernunft ist angesagt. Brücken kann man bauen. Tun wir da nicht herumreden. Ich mache mir Sorgen um die Wirtschaft UND die Realwirtschaft.“ Die Zeitung Österreich hat Griechenland schon begraben und mit Faymann redet sie auch wie mit einem Kranken. Der Bundeskanzler ist nicht gekränkt, kennt er vielleicht schon. „Dass man hier ein Volk in Schwierigkeiten bringt, das eh schon Schwierigkeiten hat … Im Leben ist es aber so, man kann nur etwas erreichen, wenn der andere auch etwas macht. Durch Vertrauen und Sicherheit muss man erreichen, dass das griechische Volk nicht weiter von den Banken Geld abhebt.“ Tja, Vertrauen ist alles und rückblickend klingt das etwas zynisch – ein Volk, das mittlerweile 60 Euro pro Tag abheben darf. Außer die Touristen. Na ja, es geht ja um die Sicherheit – des  Geldes!

Finanzierungs- und Flüchtlingsströme
Auch gegen Terror hilft nur Sicherheit und deswegen muss man die Konten öffnen, um zu sehen, wo die Terrorfinanzierung her kommt – „ein breites Feld unserer Zeit, die Finanzierungsströme“, erklärt Faymann. „Der Terror führt ja zu den Flüchtlingsströmen. Ich bin grundsätzlich gegen das Hetzen.“ ORF-Redakteur Bürger: „Ist Europa nicht zu tolerant geworden – gegenüber der Rechten? Wir müssen etwas tun.“ „Ich bin gegen Pauschalurteile, denn die hatten wir schon einmal“, antwortet Faymann. „Und wenn sich Pauschalurteil gegen Pauschalurteil entgegen stellt, kommt Haß heraus und man kann niemanden überzeugen.“

Faymann schaut die Österreich-Redakteurin Isabelle Daniel freundlich an und näselt plötzlich ebenfalls: „Die deutsche Kanzlerin und ich haben gesagt, das mit den Flüchtlingsströmen muss praktikabel sein. Italien macht alles alleine! Fingerprints, schauen, wer diese Flüchtlinge sind, und, für uns sehr angenehm (!), gleich die Rückführung einleiten. Italien könnte auch ohne Fingerprints die Flüchtlinge gleich durchreisen lassen nach Österreich!“ Und dann ganz schlau und mit Lächeln in Richtung Strache: „Ohne EU gäbe es überhaupt keine Dublin-Verordnung. Zwinker, zwinker. Ohne Dublin würden die gleich nach Österreich durchfahren, wo der beste Arbeitsmarkt ist.“ Also, wer will hier noch raus aus der EU, bitte sehr?

Blaue Hackler
„Die FPÖ zielt auf die kleinen Leute. Wo ist noch das Soziale bei den Sozialdemokraten?“, fragt Bürger. Faymann bezieht sich auf die Arbeitslosen und die Mindestsicherungs-Bezieher. Wo bleiben die Arbeiter? „Warum wählen die Arbeiter plötzlich blau?“, fragt Bürger. Faymann: „Die FPÖ hat keine Lösung. Für den Grenzraum sichern sind wir auch.“ Isabelle  Daniel: „Warum laufen die SPÖ-Wähler in Scharen zur FPÖ über?“ Faymann beschwichtigt, „Ich war Erster“, betont er. Bei der letzten Wahl. Und er redet wieder von „Sozial Schwachen“, nicht von Arbeitern. Aber er ist zumindest nicht böse. Das ist schon etwas in diesen bösen Zeiten. Faymann will lieber von den lieben Menschen gewählt werden, die bereits aus dem harten Arbeitskampf heraus geflogen sind, als von diesen anstrengenden Hacklern, die mit zusammengebissenen Zähnen zu Höchstleistungen auflaufen. Vielleicht wollen die Arbeiter einfach nicht „sozial schwach“ sein?

Einwandernde Milliarden ohne Visum

mariko_fKalte Progression, arme kleine Häuschen und leider keine Bau-Belege: Eine Pressestunde mit Mariko Faymann und Wolf Mitterlehner. Aus budgetären Gründen erst so spät aufgezeichnet. Von Kerstin Kellermann

„Wenn man sich auf der Straße umhört, sagen fast alle zur Steuerreform, na schauen wir mal. Es herrscht große Skepsis“, leitet Redakteur Bürger die Pressestunde mit „den zwei Wichtigen“ ein. Faymann: „Wir haben Menschen, die hart arbeiten, und dann haben wir die kalte Progression, die ihnen den Lohn wegnimmt!“ Iiiiih, die kalte Progression, das Monster! Drachen und Schlangen! „Man soll sich in der Politik nicht auf jubelnde Massen einstellen.“ Aber: „Jetzt kommen Milliarden in die Brieftaschen der Menschen, es gibt über sechs Millionen Betroffene!“ Pirouette, Faymann dreht sich einmal um sich selbst, Arme in einem schönen Bogen über dem Kopf. Imaginärer Applaus. „Die Armen werden ärmer, die Reichen reicher“. Tja, wie kommt das nur, wirklich undurchschaubar dieses Phänomen. Hoch lebe Willy Brandt! Der hat noch Bücher gelesen! Faymann: „Die Mittelschicht versucht Mittelschicht zu bleiben.“ Muss ein liebes Universum sein, in dem Faymann lebt. Ähnlich dem der japanischen Künstlerin Mariko Mori (Zitat: „Meine Arbeit ist eine Offenbarung des Denkens. Ich genieße es geradezu, die esoterische Haltung durch die innere Welt zu projezieren.“)

Mitterlehner: „Jemand aus dem Mühlviertel hat mir gesagt, ich kriege drei Euro pro Tag mehr, das ist genau ein Kaffee. Wir haben Budgetprobleme, das Geld wächst nicht auf Bäumen, Frau Linsinger!“ Frau Linsinger, die neue Innenpolitik Chefin des Profil, grinst. No, das wird sie schon einmal gehört haben. Ihre Frage war, wann kommt ein Sparpaket. Von der Wirtschaft kommen ein paar Problemargumente, seufzt Mitterlehner über seine erfolgsverwöhnte Klientel. Dabei gehen doch eh fünf Millionen oder Milliarden (ich habe Millionen verstanden, meine Mutter Milliarden) aus der Steuerreform in Richtung der Unternehmen. Häh? Sicher die Mittelschicht!

Damen über Wörter!
„Warum nicht das Positive zuerst?“, fragt Bürger. „Da kann ich mich nur einzementieren“, antwortet Mitterlehner. Das Wort „Erbschaft-, Schenkungs-, Vermögenssteuer“ käme gefühlte 28mal pro Tag bei der APA vor. Das Wort! Ja, was Wörter so alles anrichten können, die sind nicht ganz unbedeutend! Journalisten! Herren über Wörter! Damen über Wörter! Äh, Herrinnen über Wörter natürlich. Vermögenszusatzsteuer haben wir vereinbart, sagt Mariko Faymann („Dream Temple“, 1999, eine Arbeit des Cyborg-Surrealismus). Wieviele Milliarden haben die? Betrugsbekämpfung?! „Es gibt einen hohen Anteil an Schwarzgeld in manchen Unternehmen. 1,9 Milliarden.“ Wo war das Geld vorher? (Mir ist kalt. Meine Mutter, Tochter einer Schneiderin und eines Papierfabrikanten, rechnet im Kopf. Nun ja, die Bank-Wechsel ihres Vaters platzten manchmal.) Faymann: „Große Konzerne zahlen keine Steuern. Das will ich mir nicht kleinreden lassen!“ Tja, anscheinend haben das einige probiert. Kleinreden! Ja, reden ist auch nicht ganz unwichtig. Aber hier geht es um Geld und das gibt keiner freiwillig her und Reiche schon gar nicht, die sind ja schließlich als Sparefrohs so geworden. Oder? „Die Seele der Sozialdemokratie…“ tönt es aus dem Fernseher.

„Wenn ein paar Kleinigkeiten übrig bleiben an Steuern für Reiche…“, Wolf Mitterlehner spricht oft mit so einem gefährlichen Unterton in der Stimme. Grrrrrrrrrrrrr! Stiftungen! Er zeigt seine Zähne. Bürger hält sich den Mund zu, schnell nimmt er wieder die Hand weg, lächelt (meine letzte Satire hat gewirkt!). „Die Milliarden, die nach Österreich gekommen sind und nicht deklariert wurden.“ Häh? Einwandernde Milliarden ohne Visum? Aufenthaltsgenehmigung? „Die Steuern, das sind ja nur 4000 Euro für ein Häuschen, das vererbt wird. Nicht mehr“, sagt Mitterlehner beruhigend. „Damit hab’ ich 95 Prozent der Häuschen weg.“ Und „Bauern, die glauben, sie müssten jetzt für alle ihre Wälder zahlen, nein, Bauern sind ausgenommen und für Unternehmen hat sich der Freisatz erhöht. Betriebsübergaben haben sich nicht erschwert“.

Kein Sozialgeschenk-System
Hotels und Gastronomie Betriebe – sind das nun Häuschen oder Unternehmen? Da ist sich Mitterlehner noch nicht sicher. Die Hoteliers plädieren später für Häuschen. „Geldwäsche! Der Sozialmissbrauch ist kein Kavaliersdelikt …“ Häh? Der Schutz des Oma-Sparbuchs bleibt. (Meine Mutter grinst. Wenn sie ihr Losungswort wieder findet …) „Personen, die ihre Wohnungen zwecks Urlaubes tauschen, da kann man was holen!“ Die Sofa-Steuer bringts, Leute. Mitterlehner: „Wir haben kein Geschenksystem!“ No! „Sozialbetrug!“ Mariko Faymann scheint das Wort anders zu definieren: „Bei Baugeschäften wird oft gesagt, wir haben das Geld bar über den Tisch gezahlt, da braucht man aber schon einen Beleg…“ Der Sozialbetrug mache 200 Millionen oder Milliarden aus (Sorry, ich habe da eine Blockade! Weil die Handwerker im frisch umgebauten Nachbarhaus übernachten, können sie schon ab sechs Uhr früh hackeln und abends auch mal bis halb elf. No! Der Arbeitgeber spart sich die Fahrtzeiten. Sparefrohs werden reich!)

Wolf Mitterlehner mit der Zornes-Stirnfalte hält die nächste vorwurfsvolle Rede zu den missverstandenen Vorteilen der Steuerreform: „Jeder Selbstständige, der als Manager bei einem Unternehmen tätig ist, profitiert von der Steuerreform.“ Angestellte Selbstständige? Schein-Selbstständigkeit? Er wird immer röter im Gesicht: „Lasst uns die Stiftungen in Ruh’, ich krieg’ lauter sms dazu!“ (Darf ich auch seine Handynummer haben?) Linsinger berichtet, dass Herr Leitl von der Wirtschaftskammer drohte „Wir werden uns massiv in den parlamentarischen Prozess einbringen! Da werden wir das letzte Wort noch reden müssen.“ (Darf ich auch?)

Hans Bürger: „Was kommt jetzt alles an Sparpaket? Sind die Länder zu stark? Wann kommt das strukturelle Nulldefizit?“ Eva Linsinger: „War das klug, der Schuldenschnitt bei der Hypo-Heta?“

Mariko Faymann: „Man braucht keine Feuerwehr, wenn es nicht brennt. Wir werden es aushalten, wenn man über uns schimpft oder beleidigt ist. Man richtet sich nach der Bevölkerung, das ist in der Demokratie nichts Ungewöhnliches. In der Diktatur hingegen, wäre das anders.“

Wolf Mitterlehner: „Man braucht Fristsetzungen in der Politik. Das ist wie bei einer Betriebseröffnung. Bildung! Die Wirtschaft sagt, die Schüler sind uns zu schlecht, was wir alles bei den Aufnahmeprüfungen erleben. Das Kind muss im Mittelpunkt stehen – ohne Nachhilfelehrer. Wir haben uns entschieden, den richtigen Weg zu gehen.“ Und eine Firma ist eine Familie und ein Unternehmer ein gütiger Vater. Gütig!

Von Kerstin Kellermann exklusiv für Hydra verfasst.

Miese Bücher, Krisenbücher

Immer häufiger, immer öfter, immer wieder: Krisenbücher. Die Amerikaner haben es vorgemacht (z.B. David Hasselhoff mit „Wellengang meines Lebens“), die Deutschen folgen in Scharen (z.B. Karl-Theodor zu Guttenberg mit „Vorerst gescheitert“, oder demnächst Ex-Präsidentinnengattin Bettina Wulff mit „Meine Sicht der Dinge“).

Das Motto dieser Amateurbelletristik: Ist die Lebenskrise überwunden, warum nicht auch Geld damit verdienen? Und ist die Lebenskrise immer noch am Dampfen, warum nicht erst recht Geld damit verdienen? Kein Wunder, dass sich dieses verlegerische Konzept auch nach Österreich durchgesprochen hat. Hydra präsentiert vier heiße Insidertipps, vier Krisenbücher, die demnächst in dieser oder doch ganz ähnlicher Form erhältlich sein werden.

Josef Martinz

Die Krise: Ein Schuldspruch

Der Buchtitel: Albtraum Gerechtigkeit

Der Inhalt: Wie man nach unerträglichen „Schauprozessen“ und dem „Albtraum“ einer gerechten Justiz trotzdem weiterleben und auch seine Würde bewahren kann, das schildert Ex-ÖPV-Mann Josef Martinz in seinem bewegenden und mitreißendem Krisenbewältigungsbuch. Seine einleuchtende, aber sich nicht jedem zuträgliche Überlebensstrategie: So lange die eigene Schuld leugnen, bis man am Ende selbst dran glaubt.

Werner Faymann

Die Krise: Wahrheit sagen

Der Buchtitel: Stummer Protest

Der Inhalt: Das Buch ist im Grunde seit langer Zeit fertig, es ist ein Sammelband aller Aussagen, die Werner Faymann bei Untersuchungsausschüssen, Parlamentssitzungen oder sonstigen, wichtigen Gelegenheiten im Grunde „eh“ tätigen wollte. Verfasst hatten diese Texte ursprünglich Parteistrategen und Philosophiestudiumsabbrecher, doch durch den (gedachten oder reellen) Vortrag gingen sie natürlich in das geistige Eigentum Faymanns über. Die meisten dieser Texte, Aussagen oder „Reden“ wurden aus verschiedensten Gründen schließlich doch nicht umgesetzt (z. B. Maus in der Küche, schlechtes Wetter, unopportun). Ein Insiderblick auf die Texte indes enttäuscht. Neues ist nicht zu erwarten, sondern nur jene Strategien, mit denen sich Politiker üblicherweise bei Krisen aus der Affäre ziehen, z.B. lauwarmes Herumlavieren und Dementieren. (Originalfoto © APA)

Richard Lugner

Die Krise: Älter werden

Der Buchtitel: In der Mausifalle

Der Inhalt: Baumeister Lugner lässt seinen Ghostwriter über das Altwerden, ATV-Knebelverträge und das Unglück, dass einem als 112-jähriger Greis keine 18-jährigen Mittelschulgören mehr nachschauen, schreiben. Wie geht Lugner mit diesen Schicksalschlägen um? Er vereinbart einen Knebelvertrag mit seinem Ghostwriter und vergisst dann bei den Interviews andauernd die Fragen, am Ende sogar, dass er den Ghostwriter für ein Buch engagiert hat. Weil eh schon alles wurscht ist, schreibt dieser dann die Biographie von Arnold Schwarzenegger und tauscht am Ende einfach die Namen aus. Lugner soll begeistert gewesen sein, als er das Manuskript gelesen hat. (Originalfoto © Ing. Richard Lugner)

Maria Fekter

Die Krise: Nicht ÖVP-Chefin werden

Der Buchtitel: Der Schlotter mit dem Schotter

Der Inhalt: Wer Maria Fekters lange vermutete Abrechnung mit ihren Regierungskollegen und langjährigen Mitarbeitern erwartet, wird enttäuscht. Fekter erklärt diese meiste Zeit über, warum ihr die Fleischerei in Attnang-Puchheim ein Gräuel ist und sie mit aller Macht gegen eine Inbetriebnahme ist. Mit ganzem Elan sich für ein Ziel einsetzen, so bewältigt Fekter die Krise, auch wenn viele ihrer geheimsten Wünsche (ÖVP-Chefin, Schönheitskönigin, Schotterfee) nicht in Erfüllung gegangen sind. Aber man muss es immer wieder probieren, denn unsere Zeit hier auf Erden, so die Finanzministerin, ist „shortly, shortly without von delay“.

The Austrian Superheroes!

Nicht nur in Amerika, auch in Europa und ganz besonders in Österreich kommen kostümierte Superhelden immer mehr in Mode. Nicht alle von ihnen sind Vollidioten, die eine Massenschlägerei vom Zaun brechen, um eine Katze aus einer kniehohen Hecke zu befreien. Nein, es gibt auch kostümierte Vigilantes, die einiges am Kasten haben. Meistens aber eher etwas auf der hohen Kante. Wir stellen Euch vier österreichische Superhelden vor.

Raymann: Wurde vor zwei Monaten erstmals bei dem Versuch beobachtet, einen Bankräuber durch undurchdringliches, nachdenklich-nichtssagendes Anstarren zur Entwaffnung zu zwingen. Der Ausgang dieses ersten, heroischen Einsatzes ist nicht überliefert. Doch der Namen Raymann klebt an dem kostümierten Superhelden seither wie die Arschkarte am Kanzler. Raymanns offenkundige Superkraft besteht darin, belanglos-nachdenklich zu schauen, dabei eine Zögerlichkeit zu verstrahlen, die praktisch alles zum Erliegen bringt. Raymann ließ bereits Großmütter beim Stricken, Bankbeamte beim Geldnoten zählen und  Abgeordnete beim Tetris-Spielen einschlafen. Ein typisch österreichischer Superheld also. Und einer, den Österreich auch dringend nötig hat.

The Erwin: Dieser Superheld ist angeblich durch Zuchtauslese entstanden. Ein Mastochse wurde mit den Genen eines Habsburgermonarchen befruchtet. Das Resultat: „The Erwin“. Ein Machtberserker, wie er im Buche steht, z.B. im niederösterreichischen Feldwegealmanach. Und so ist es auch: Wo Erwin hingeht, wächst kein fremdes Gras mehr. In seinem Einflussbereich wird alles zu Erwin, egal ob lebende oder tote Materie. Betritt er ein Krankenhaus, ist es nachher ein Erwinhaus. Schüttelt er einem Pfarrer die Hand, wird dieser zum Parteipfarrer, berührte eine Unze Gold, ist das nachher Bonzengold, und benützt er irgendwo eine Toilette, scheißt man dort nur noch schwarz wie die Nacht. Erwin ist also eine Art Umfärbungssuperheld, ein Meister der Gesinnung. Die Welt wäre ärmer ohne ihn, sie ist es aber definitiv mit ihm.

Der rote Pilz: Warum der rote Pilz so heißt, ist ein doppeltes Mysterium. Zum einen besitzt er keine erkennbaren Superkräfte, außer der Fähigkeit, binnen Sekundenbruchteilen einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu beantragen. Und dabei auch noch im Schlaf zu wissen, dass im Wort „Untersuchungsausschuss“ sechs „s“ und fünf „u“ enthalten sind. Was ein einsamer Weltrekord in dieser seltenen, dennoch olympiatauglichen Kategorie ist. Wo waren wir? Untersuchungsausschüsse: Sie sind die Waffe dieses Superhelden. Kein parlamentarischer Geisterfahrer, kein Schmiergeldempfänger, kein gedächtnisschwacher Lobbyist, dem der rote Pilz nicht mit einem Untersuchungsausschuss gehörig eine verpasst hat. Man darf sich das übrigens ruhig wie das Märchen von der Ameise Pauli und dem Elefanten vorstellen … das zweite Mysterium gilt der Farbe des Pilzes. In der Tat gibt es auf der ganzen Welt keinen grünen Pilz, sondern maximal rote, weiße, braune oder schwarze Pilze. Wäre es da nicht völliger Unfug, von einem Grünen Pilz zu sprechen?

Blauarschbube: Wo es so viele Superhelden gibt, da muss es auch einen Superschurken geben. Und wer könnte ein besserer Superschurke sein als Blauarschbube? Aufgezogen von einer alleinstehenden Apothekerin, entwickelte der in seiner Jugend stets einsame Blauarschbube bald einen enormen Hass auf die Welt. Früh lernte er, wie man durch Unterstellungen, infame Lügen und Hetzkampagnen gewaltiges Unheil anrichten kann. In diversen Anstalten für geistig abnorme Rechtsverdreher und verhaltensgestörte Individuen fand Blauarschbube schnell willfährige Handlanger (kein Superschurke ohne minderbemittelte Ganoventruppe!), die er zu einem internationalen Verbrechersyndikat namens FPÖ zusammenstellte. Dieses Syndikat hat sich seither auf die Produktion zweier Hauptexportartikel spezialisiert, korrupte Politiker und Sündenböcke. Denn Blauarschbube hat den Masterplan. Er will nicht einfach böse sein, nein, er will das Böse – und dennoch als der gute Junge durchrutschen. Und das geht eben nur mit Sündenböcken. It’s part of the game …

Soweit unsere erste Superheldeninventur. Wenn Ihr noch weitere Superhelden aus Österreich kennt, schickt Sie uns doch mit Foto und Kurzbiografie an office@hydrazine.at

Über Faymann: Eine EINSCHALTUNG ZUM NATIONALFEIERTAG!

Die Republik Österreich hat einen Bundeskanzler und er heißt Werner Faymann.

Viel mehr gibt es da nicht zu sagen. Denn Satire benötigt immer einen Kondensationskern, an dem sie festmachen kann. Werner Faymann hingegen ist die personifizierte Antimaterie: Er ist weniger als nichts. Er ist das Produkt des Verlangens nach einem mikroskopisch kleinen kleinsten Nenner und somit winziger, als ein einziges Staubkorn. Er ist so uninteressant und nichtssagend, dass ihn selbst der dümmste und schlechteste Witz, die blödeste und oberflächlichste Äußerung größer machen würde. Er ist so uncharismatisch, dass die Vorstellung, dieser Mensch könnte jemals irgendeinen anderen Menschen für irgendetwas begeistern, gleichermaßen absurd wie surreal erscheint. Er ist in einer Art und Weise langweilig, wie man es nur erlernen kann, wenn man Jahre und Jahre darauf verwendet, und in einer Art und Weise unbeträchtlich in seinem Wirken, wie man es in solch verantwortungsvoller Position nur mit der denkbar größten Selbstbeherrschung erreichen kann. Er ist unselbstständiger als eine Marionette, durchschaubarer als ein Kleinkind und bedeutungsloser, als es jemals ein Kanzler in diesem unserem Österreich war.

Deshalb haben wir es noch niemals vermocht, Werner Faymann unsere geballte satirische Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Und dafür wollen wir uns heute bei ihm und unseren Lesern entschuldigen: ES TUT UNS VON HERZEN LEID!

Gott schütze Österreich!

Das wahre ÖBB-Inserat

Dass Werner Faymann ÖBB-Inserate schalten ließ, ist nur die halbe Wahrheit. Die ganze Wahrheit ist, welche Plakate ursprünglich geplant waren. Denn die SPÖ wollte endlich aufräumen mit all den Halbwahrheiten über quasi-pragmatisierte Spitzenmanager, die alljährlich Millionenverluste einfahren, den Bürgern tief in der Brieftasche liegen und dennoch Boni und Mörderabfindungsprämien kassieren. Aber … daraus wurde nichts. Denn den Kampagnengurus gefiel Faymanns Teint auf dem Plakat nicht …

Nicht verwechseln bitte!

Immer mehr Deutsche kommen nach Österreich … und haben keine Ahnung von der österreichischen Kultur. Um peinlichen und unnötigen Verwechslungen vorzubeugen, hat HYDRA ein kleines Lexikon oft verwechselter Menschen erstellt.

Bruno Kreisky – ehemaliger Bundeskanzler. Für viele der Einzige, den Österreich je hatte.
Helmut Schelsky – Soziologe mit Nazivergangenheit. Ehemals einflussreich. (angeblich)
Pierre Littbarski – Aldi-Parfümmarke, die sich auf dem Markt nie durchgesetzt hat

Wilhelm Molterer – Ehemaliger Vizekanzler. (Mehr muss man nicht wissen.)
William Holden – Wenig bekannter Hollywoodschauspieler, der für Billy Wilder im Anzug schwimmen gegangen ist.
Wolfgang Kulterer – Ehemaliger Vorsitzender der Hypo Alpe-Adria-Bank. Schwimmt vermutlich auch.

Werner Faymann – Bundeskanzler. Amtierend. (Damit weiß man eigentlich schon zuviel.)
Fay Wray – Legendäre Hollywoodtussi, wird lexikalisch auch „Schauspielerin“ genannt. Der große Affe mochte sie gerne.
Faye Dunaway – Nicht weniger legendäre Hollywoodikone. Die „Bonnie“ von Richard Clyderman. (Clayderman heißt der natürlich!)

Heinz-Christian Strache – Österreichischer Märchenonkel. Lebt noch.
Hans-Christian Anderson – Dänischer Märchenonkel. Schon lange tot.
Christian Henze – Deutscher Fernsehkoch. Kocht noch.

Walter Meischberger – Böser Junge! Sehr böser Junge. Aber … es gilt die Unschuldsverhütung.
Maische – Längst vergessene österreichische Band. (siehe Christian Fennesz)
Walter Mischberger – Irgendwer auf Facebook.

Harald Serafin – Niemals mürrischer Mörbischer Tausendsassa: „Wunderbar!“
Haralds Seractil – Schmerzstillendes Mittel, das benötigt wird, wenn man Harald Serafin länger zusieht.
Seraphina – Zum Glück längst vergessenes, deutsches Popsternchen. („Männer sind so Scheiße sexy“)

Nadja Tiller – ehemalige österreichische Schauspielerin. Heimatfilme und so.
Nadine Beiler – ehemalige österreichische Sängerin. Heimatmusik und so.
Naddel – auch: Nadja Abd El Farrag. Fernsehmoderatorinnennackedei.