Posts Tagged ‘Facebook’

Digitale Posen 2012

Posted by on Januar 7th, 2012

Veeing
Das Internet ist die große Mutter! 2012 kriechen wir alle zurück in ihren Schoß. Und wieder heraus. Und wieder zurück. Fotos, auf denen User zwischen den Beinen hübscher oder weniger hübscher Menschen auftauchen, sind 2012 der abgeschrägteste Selbstperformertick. Wer sein Konterfei auf facebook “veet”, der sagt damit: “Das Internet geht mir diese Woche gehörig gegen den Strich, warum nicht einfach mal wieder einen Spaziergang machen, aber keine Sorge, das ist nur eine Laune, morgen bin ich wieder den ganzen Tag ohne Unterbrechung online, aber jetzt leckt mich mal am Arsch!“ Trotzdem hat Veeing natürlich absolut keinen Sinn, sonst würde es ja kein Trend werden.

 

Passiving
Passives Naschen ist ein jetzt schon unübersehbarer Trend. Wer fett, korpulent, unansehnlich oder ganz einfach nur eine blade Sau ist, ist es 2012 vor allem deswegen, weil er den falschen Umgang hat. Unmäßiges Essen, insbesondere Naschen, ist nachweislich ansteckend und verpestet somit die zwischenmenschliche Atmosphäre. Und gerade dort, wo man einer perfiden Einladung zum Naschen widersteht, ist passives Naschen am gefährlichsten. Denn Naschverweigerung erhöht die Stresswerte und führt unmittelbar, direkt und sofort zu vorzeitigem Tod. Dasselbe gilt übrigens auch für passives Langweilen, passives Nasebohren, passives Eierkratzen und passives Sich-unsexy-fühlen. All das wird 2012 unausweichlich zum Trend.

 

NLSing
Fotos, auf denen nur verschwommene Pickel zu sehen sind? Der eigene Fuß im Backrohr fotografiert? Vom eigenen Atem beschlagene Schaufensterscheiben als Profilbild? Das letzte Foto der Kamera mit Selbstauslöser, bevor sie in den Fluss gefallen ist? Richtig! Das nennt sich „Next Level Shit“ und wer 2012 etwas auf sich hält, lässt sich verdammt noch mal etwas einfallen für seine visuelle Onlinepräsenz. Oder klaut zumindest von wirklich kreativen Köpfe einige wirklich nutzlose Ideen. Zum Beispiel das eigene Handy hacken um die eigenen Bilder auf die eigene Website zu leaken. Was man dann als Gerücht auf facebook ausstreut. (So haben schon manche Leute Millionen verdient. Wirklich!)

 

Antiing
2012 sind die User gegen alle Trends, die ihnen von Trendsettern, Trendagenturen, Trendscouts, Trendnibletts und Trendfriends vorgebetet werden. Wird irgendwo auch nur der geringste Trend oder Hype oder auch nur ein Funken Coolness deklariert, gilt automatisch jeder, der dabei war, als uncooles, trendverhurtes Drecksarschloch, das nun aber wirklich bei jedem noch so platten, einfallslosen Mainstream dabei ist. Das einzige, das 2012 nahtlos cool bleibt, sind bloße Gerüchte. Zum Beispiel: Dass eventuell irgendwo eine Brubru-Tour stattgefunden haben könnte, bei der man beinahe dabei gewesen wäre, wird im Dezember 2012 das geilste Ereignis des Jahres gewesen sein. Garantiert.

 

Satyring
Etwa Mitte 2012 werden die letzten Banken Pleite gehen. Europa landet in der Krisenzwangsjacke, Massenselbstmorde von Börsenspekulanten werden zum fröhlichen Alltag gehören. Und bald auch werden erste Analysten von den ökonomischen Vorteilen eines Weltkriegs sprechen. Dann, ja genau dann ist ohnehin schon alles wurscht. 2012 engagiert man sich darum nicht mehr für ein soziales Projekt, sondern geht zur Hydra und lebt rücksichtslosen No-Future-Zynismus aus. Etwa bei der großen Hydra-Aktion „Ohrfeigen für Passanten“. Oder bei unserem Verdauungsmysterienspiel „Brechreiz bei McDonalds“. Oder ihr bastelt Flaggschiffe für die virtuelle Eröffnung unseres erstens Flagship-Stores am Wiener Graben. Und vieles mehr…

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endlager für fb-betroffenheit

Posted by on September 21st, 2011

In Unterforgettingen (Rheinland) wird dieser Tage das weltweit erste professionelle Endlager für hochgiftigen Betroffenheitsmüll eröffnet. Wir haben uns dort umgesehen!

„Wir sind hier das weltweit erste professionelles Endlager für Betroffenheitsmüll“, weiß der geschäftsführende Leiter des Endlagers zu berichten. „Sie befinden sich hier im Rheinland!“ Wertvolle Informationen prasseln auf uns nieder wie gefährlicher, radioaktiver Fallout: „Im menschlichen Meinungskraftwerk werden in einem hochkomplexen, durch mediale Falschnutzungsenergie befeuerten Core-Prozess Persönlichkeiten gespalten – dabei werden zwei Endprodukte erhalten: echte Langweilerpersönlichkeiten mit wenig Meinung, kaum Einstellung und wenig Aktionspotential – so genannte ‘Lahmärsche’ – und zweitens hochgiftige Facebookpersönlichkeiten, die mit ihrem prätentiösen Scheißgehabe unsere ganze schöne Umwelt vergiften! Unsere Aufgabe ist es, die schlimmsten und gefährlichsten Aspekte von solchem Befindlichkeitsmüll fachgerecht endzulagern, damit der Nachwelt kein massiver Schaden entsteht.“

Ein Arbeiter lenkt einen Caterpillar geschickt zwischen Haufen aus gelbem Scheißdreck hindurch. „Sehen Sie diese Haufen aus gelbem Scheißdreck? Das sind die Buttons, die noch vor wenigen Monaten jeder Mensch der westlichen Zivilisationen auf seinem Profilfoto haben musste, andernfalls hat ihn die Stasi geholt und abgeknallt. Ich kann das bezeugen, ich habe selbst Facebook und war auch bei der Stasi!“  Der Baggerfahrer fährt mit seiner Schaufel richtig brutal in den Haufen hinein und bugsiert sein Vehikel danach gefährlich nahe an uns vorbei: wir können die Verdummungshitze der echauffierten Gemüter sogar noch unter unserer Schutzbekleidung spüren! Besonders alarmierend: wir vermeinen für den Bruchteil einer Sekunde sogar so etwas wie eigene Betroffenheit in uns wahrzunehmen. Betroffenheit darüber, dass sich Menschen nur deswegen für wenige Wochen in einen Meinungsumbildungsprozess hineinziehen lassen, um ihrem Erschütterungsgedöns kurzfristig adäquat Ausdruck verleihen zu können – und um sich in der Welt der Oberflächlichkeitsplattärsche einen Platz zu sichern, den ihnen ohnehin niemand streitig machen will.

Wir finden, dass das hochegoistisch ist! Sollte denn die Darstellungssucht dieser unserer Generation zu Lasten der nächsten Generationen gehen? Sind denn nicht auch Meinungen Gegenstände wie du und ich, die in einem langen Vorgang der Selbstfindung kultiviert und aufgepäppelt werden sollten, bis man sie in ihre wohlverdiente Freiheit des rationalen Diskurses entlassen kann? Sollte denn nicht die vehementeste und selbstloseste Ablehnung “ATOMKRAFT? NEIN DANKE!” länger bestehen, als lediglich ein paar kärgliche Wöchlein und somit genau so lange, wie der am stärksten meinungsmodebewusste Facebookfreund dieses in Preis und Verständlichkeitsniveau heruntergesetzte Affekt-Kleid einer vermutlich guten, freilich kaum gelebten Weltanschauung in seinem dunklen Schrank namens Unterbewusstsein wieder verschwinden lässt?*

Plötzlich stürzt ein Mann mit Schutzmaske und einem quäkendem Detektionsgerät für Moralinsäure auf uns zu. Er keuchhustet in sein Maske, sodass es lustig blechern schallt: „Sie sind kontaminiert!!! Schnell jetzt! Sofort entseuchen, dann eine ordentliche Reinigung der Großhirnrinde und dann gleich eine vierfache Überdosis Kamillentee, zwotausendachthundert Milligramm, geschüttelt nicht gerührt, gut ziehen lassen, ich sagte: GUT ZIEHEN LASSEN! Los jetzt, bringt sie mit dem Aufzug rauf!“

In einem top-ausgerüsteten und behaglichen Krankenwagen verlassen wir das Gelände des weltweit ersten Endlagers für Betroffenheitsmüll. Der Betreiber winkt uns noch freundlich hinterher – selbstverständlich winken wir zurück. Gerne kommen wir wieder!

[Fotomontage: Peter Raritäter; Text: Sebastian Klug]

* Dieser aufgrund radioaktiver Grammatik bis zur Unkenntlichkeit zerstrahlte Satz wurde aus unserer kommenden Publikation “Kritik des Schimpfens” entfernt und hier endgelagert. 

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In tiefster Trauer …

Posted by on November 17th, 2009

farcebook deathMaximilian Zirkowitsch
* 12.11.2009, 17:20   t  12.11.2009, 17:39

„Ich bin von euch gegangen, nur für einen kurzen Augenblick und gar nicht weit.
Wenn ihr dahin kommt, wohin ich gegangen bin, werdet ihr euch fragen, warum ihr geweint habt.“ (LaoTse)

 Liebe Angehörige, liebe Freunde, liebes Redaktionsteam,

In tiefer Trauer geben wir bekannt, dass der junge Maximilian Zirkowitsch nach nur kurzer Lebensdauer von uns gegangen ist. Die Nachricht erreichte uns kurz nachdem wir ihn in den Kreis unserer Freunde aufgenommen haben. Es ging alles so schnell. Des Zirkowitschs  Leben war vielversprechend; der stramme Junge war gesund, munter und voller Hoffnungen und Ziele. Seine Augen blau wie sein Blut.  Sie durften die Geburt seiner Online-Identität als Zeugen miterleben. Ganz unerwartet, nur wenige Stunden später, während der Gesundheitsanamnese, musste der Suizid des kleinen Maximilian auf Facebook festgestellt werden.

Max, wir vermissen dich. Ruhe in Frieden.

Die Beisetzung muss aufgrund des schlechten Wetters ausfallen. Der Grabstein steht schon.
Kondolenzsprüche sind zu richten an: office@hydrazine.at

Fassungslos und geschockt
Die Redaktion
Gez.: Justus, Matthi & Sophie

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Erwin Fischer soll Heinz Pröll werden

Posted by on August 27th, 2009

farcebookOb Werner Fayman sein Krone-Abo schon gekündigt hat? Wie jedes Kind weiß, hat Hans Dichand das sinkende SPÖ-Schiff verlassen, um nun die Pröll-Dynastie (vielleicht demnächst auch als TV-Serie „Pröllas“ im ORF?) zu featuren. Der Kanzler- und EU-Parteimacher will nun offenbar auch Präsidentenmacher werden. Erwin Pröll ist ja, was die Kandidatur zur Wahl 2010 betrifft, noch unschlüssig, doch sowohl Neffe Josef als auch (laut News-Umfrage) ein Drittel der restlichen Bevölkerung will den niederösterreichischen Landesbauernkönig nun auch als Bundesbauernkaiser.

In große Fußstapfen treten die Präsidentschaftskandidaten jedenfalls beim modischen Versuch, nun auch die schicke Zielgruppe “Facebook-User” (wer also nicht?) in Obama’scher Manier zu erobern. Da sammelt sich mittlerweile schon einiges. So etwa folgende Gruppen:

“Wiederkandidatur von Heinz Fischer!” (2.500 Mitglieder)
“Nie mehr Heinz Fischer” (3 Mitglieder)
“Erwin Pröll soll Bundespräsident werden” (400 Mitglieder)
“Erwin Pröll soll Landeshauptmann von Niederösterreich bleiben” (3 Mitglieder)
“Erwin Fischer soll Heinz Pröll werden” (7 Mitglieder)

Das sollte uns bis zur Stimmabgabe 2010 doch reichlich anregen, oder? Facebook zufolge also müsste Erwin Pröll weiterhin die niederösterreichischen Felder bestellen, Hans Dichand einen ECDL-Führerschein erwerben und doch wieder Krone-Abos auf sinkenden Schiffen verkaufen. Aber bis 2010 ist noch Zeit, vielleicht ist Facebook dann schon Schnee von Gestern und Dichand twittert uns den neuen Bundespräsidenten?

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