Horrorkabinett der Engstirnigkeit

eau_2Die Website eaudestrache.at versammelt Wortmeldungen, Ansichten und Postings von FPÖ-Anhänger bzw. Sympathisanten. Hydra hat die verständlicherweise lieber anonym bleibenden Macher der Seite zu einem kurzen Interview gebeten.

Hydra: Die Idee, diese Wortmeldungen zu sammeln, um daraus
 eine Art Sittenspiegel zu machen, scheint einerseits einleuchtend. Aber man
 könnte auch sagen, dass ihr dieser Negativität dadurch umso mehr Raum 
bzw. Öffentlichkeit gebt. Was sind eure Überlegungen dazu?



EaudeStrache: Ja, man könnte sagen, dass man dieser Negativität durch die Website mehr Raum und Öffentlichkeit gibt. Das war auch einer unserer Gedanken, den wir vor der Erstellung der Website hatten. Jedoch kann es, unserer Meinung nach, nur durch die breite Öffentlichkeit gelingen, der FPÖ den Spiegel vorzuhalten und diese Art von Politik zu verurteilen. Unserer Erfahrung und der Reaktionen nach, wusste die breite Öffentlichkeit nichts von den Auswirkungen dieser Politik. Wenn man es runterbricht, könnte man sagen, dass die Negativität zwar multipliziert wird bzw. mehr nach außen getragen wird, aber sich erst dadurch eventuell etwas ändern könnte. Vielleicht können wir da ein ganz ganz klein Wenig dazu beitragen. Schön ist, dass wir Mails bekommen haben von Menschen, die erfolgreich ihre Bekannten über ihre Blendung durch die Hetzpolitik aufklären und sie dadurch umstimmen konnten.

eau_1Hydra: Mir fällt beim Durchschauen der Wortmeldungen auf, dass diese
 engstirnigen, ausgrenzenden, diskriminierenden Statements zwar oft
genug das dürftige Bildungsniveau (oder gar Analphabetismus) ihrer
 Urheber verraten, aber hin und wieder auch erschreckend kreativ sind.
 Wie erlebt ihr das? Gibt es Lehren, die man aus der Beschäftigung mit
 diesem Horrorkabinett der Engstirnigkeit ziehen kann?



EaudeStrache: Man sieht, dass es keine Einzelfälle sind, die sich vom bewusst geschürten Hass angesprochen fühlen und fast schon „verführt“ werden – auf der Seite sind aktuell 933 Zitate gelistet, jedoch ist das nur ein Bruchteil der Menge, die wir gesammelt haben. Viele Zitate sind zwar auch sehr hasserfüllt, fallen aber unter die freie Meinungsäußerung. Da diese noch im Rahmen des Rechtlichen sind, wollten wir sie nicht publik machen.

Wie du angesprochen hast, sind viele Zitate tatsächlich kreativ. Irgendwie macht die Kreativität das Ganze noch um einen Tacken trauriger, da Personen nicht nur fordern, dass Asylanten z. B. einfach erschossen werden sollen, sondern manche auch erschossen werden sollen und danach Fotos von diesen in den Zelten den anderen Asylanten gezeigt werden sollen. Mittlerweile gibt es nur mehr wenige Zitate, wo wir uns erschrecken – man wird irgendwie abgestumpft. Die Wirkung von Zitaten mit KZ-, Gas-, oder Hitler-Inhalten stumpft allerdings nie ab.

Immer wieder wird ja gesagt, dass Bildung der Schlüssel ist. Laut Wählerstatistiken würde das auf den Durchschnitt zutreffen. Es wird gesagt, die anderen Parteien sollen auf die Ängste jener Wähler eingehen, die zur FPÖ gewandert sind. Jedoch ist es unserer Ansicht nach schwer, auf Ängste einzugehen, die bei einer Vielzahl der Menschen ohne die Facebook-Kampagnen und den öffentlichen Plakaten der FPÖ, nicht so existieren würden.

eau_3Hydra: Wie kamt ihr auf die Idee? Gab es einen bestimmten Punkt,
 eine bestimmte Wortmeldung, bei der ihr gesagt habt: „So! Jetzt aber!“?



EaudeStrache: Die Idee hatten wir ein paar Tage nachdem ein FPÖ-Mandatar wegen fremdenfeindlichen Postings auf facebook zurücktreten musste. Wir haben uns mehr aus Zufall die facebook-Seite angesehen und die anderen Postings und Kommentare durchgelesen. Im Zuge dessen haben wir uns durch viele andere FPÖ-facebook-Seiten geklickt und auch dort die Postings und Kommentare gelesen.

Wie zu erwarten, waren diese sehr eklig und hasserfüllt. Viele aber nicht gelöscht. Wir dachten uns, dass wir die Postings und Kommentare irgendwie nach Außen tragen müssen, denn gelesen werden diese Großteils nur von Menschen, die auf FPÖ-facebook-Seiten unterwegs sind. Wir entschlossen uns eine sehr einfache Website zu erstellen, auf welcher der Inhalt der Kommentare besser rübergebracht werden kann als auf facebook.

Auf facebook sieht man solche Kommentare immer nur als Haufen, in kleiner Schrift und mit schönen Profilbildern untereinander. Beim Durchlesen der Kommentare wirken diese zwar auch eklig, aber durch diese optische Überladung sind sie nicht eindringlich genug. Der optische Rahmen sollte sozusagen leider dem „gerecht“ sein, ohne viele visuell ablenkende Elemente.

Ganz im Kopf haben wir einen „So! Jetzt aber“ Zeitpunkt nicht, aber ich glaube es war ein Moment bei einem Posting auf einer FPÖ-Seite das mittlerweile schon entfernt wurde. Dort haben wir Kommentare gefunden wie: „Einfach das kz wieder öffnen und rein […]“ oder: „Ich sags ja nur ungern ! Aber lasst uns die alten Öfen wieder anwerfen !!!“

Hydra: Wie geht es jetzt weiter? Was erhofft ihr euch?

eau_4EaudeStrache: Wir wollen dadurch auf die Auswirkungen einer bewusst schockierenden, anstachelnden und entsetzlichen Politik aufmerksam machen. Eigentlich gehören solche Sachen nicht als „Das ist eh schon bekannt“ oder „Wenn sie sich davon distanzieren, passt das“, abgetan werden. Vielleicht dringt die Seite ja noch auf irgendeine Weise zu den sich für dieses Thema engagierenden Politikern durch oder zu anderen „Multiplikatoren“ der Öffentlichkeit. Wahrscheinlich wird sich erst dann etwas ändern. Die politische Öffentlichkeit müsste sich entschließen, H.C. Strache und der FPÖ den Spiegel ihrer Politik vorzuhalten. Deshalb freuen wir uns, wenn die Seite weiterkommuniziert wird. Vielleicht können wir ein kleines Bisschen dazu beitragen, dass Blau bei den kommenden Wien- bzw. Oberösterreich-Wahlen nicht so stark wird wie in der Steiermark.