Posts Tagged ‘Betroffenheit’

endlager für fb-betroffenheit

Posted by on September 21st, 2011

In Unterforgettingen (Rheinland) wird dieser Tage das weltweit erste professionelle Endlager für hochgiftigen Betroffenheitsmüll eröffnet. Wir haben uns dort umgesehen!

„Wir sind hier das weltweit erste professionelles Endlager für Betroffenheitsmüll“, weiß der geschäftsführende Leiter des Endlagers zu berichten. „Sie befinden sich hier im Rheinland!“ Wertvolle Informationen prasseln auf uns nieder wie gefährlicher, radioaktiver Fallout: „Im menschlichen Meinungskraftwerk werden in einem hochkomplexen, durch mediale Falschnutzungsenergie befeuerten Core-Prozess Persönlichkeiten gespalten – dabei werden zwei Endprodukte erhalten: echte Langweilerpersönlichkeiten mit wenig Meinung, kaum Einstellung und wenig Aktionspotential – so genannte ‘Lahmärsche’ – und zweitens hochgiftige Facebookpersönlichkeiten, die mit ihrem prätentiösen Scheißgehabe unsere ganze schöne Umwelt vergiften! Unsere Aufgabe ist es, die schlimmsten und gefährlichsten Aspekte von solchem Befindlichkeitsmüll fachgerecht endzulagern, damit der Nachwelt kein massiver Schaden entsteht.“

Ein Arbeiter lenkt einen Caterpillar geschickt zwischen Haufen aus gelbem Scheißdreck hindurch. „Sehen Sie diese Haufen aus gelbem Scheißdreck? Das sind die Buttons, die noch vor wenigen Monaten jeder Mensch der westlichen Zivilisationen auf seinem Profilfoto haben musste, andernfalls hat ihn die Stasi geholt und abgeknallt. Ich kann das bezeugen, ich habe selbst Facebook und war auch bei der Stasi!“  Der Baggerfahrer fährt mit seiner Schaufel richtig brutal in den Haufen hinein und bugsiert sein Vehikel danach gefährlich nahe an uns vorbei: wir können die Verdummungshitze der echauffierten Gemüter sogar noch unter unserer Schutzbekleidung spüren! Besonders alarmierend: wir vermeinen für den Bruchteil einer Sekunde sogar so etwas wie eigene Betroffenheit in uns wahrzunehmen. Betroffenheit darüber, dass sich Menschen nur deswegen für wenige Wochen in einen Meinungsumbildungsprozess hineinziehen lassen, um ihrem Erschütterungsgedöns kurzfristig adäquat Ausdruck verleihen zu können – und um sich in der Welt der Oberflächlichkeitsplattärsche einen Platz zu sichern, den ihnen ohnehin niemand streitig machen will.

Wir finden, dass das hochegoistisch ist! Sollte denn die Darstellungssucht dieser unserer Generation zu Lasten der nächsten Generationen gehen? Sind denn nicht auch Meinungen Gegenstände wie du und ich, die in einem langen Vorgang der Selbstfindung kultiviert und aufgepäppelt werden sollten, bis man sie in ihre wohlverdiente Freiheit des rationalen Diskurses entlassen kann? Sollte denn nicht die vehementeste und selbstloseste Ablehnung “ATOMKRAFT? NEIN DANKE!” länger bestehen, als lediglich ein paar kärgliche Wöchlein und somit genau so lange, wie der am stärksten meinungsmodebewusste Facebookfreund dieses in Preis und Verständlichkeitsniveau heruntergesetzte Affekt-Kleid einer vermutlich guten, freilich kaum gelebten Weltanschauung in seinem dunklen Schrank namens Unterbewusstsein wieder verschwinden lässt?*

Plötzlich stürzt ein Mann mit Schutzmaske und einem quäkendem Detektionsgerät für Moralinsäure auf uns zu. Er keuchhustet in sein Maske, sodass es lustig blechern schallt: „Sie sind kontaminiert!!! Schnell jetzt! Sofort entseuchen, dann eine ordentliche Reinigung der Großhirnrinde und dann gleich eine vierfache Überdosis Kamillentee, zwotausendachthundert Milligramm, geschüttelt nicht gerührt, gut ziehen lassen, ich sagte: GUT ZIEHEN LASSEN! Los jetzt, bringt sie mit dem Aufzug rauf!“

In einem top-ausgerüsteten und behaglichen Krankenwagen verlassen wir das Gelände des weltweit ersten Endlagers für Betroffenheitsmüll. Der Betreiber winkt uns noch freundlich hinterher – selbstverständlich winken wir zurück. Gerne kommen wir wieder!

[Fotomontage: Peter Raritäter; Text: Sebastian Klug]

* Dieser aufgrund radioaktiver Grammatik bis zur Unkenntlichkeit zerstrahlte Satz wurde aus unserer kommenden Publikation “Kritik des Schimpfens” entfernt und hier endgelagert. 

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Ngome in Not. Eine HYDRA Spendenaktion

Posted by on Januar 28th, 2010

fake hydra in haiti 250Ngome in Not. Eine HYDRA Spendenaktion

Hydra veranstaltet eine Spendengala für eine humanitäre Katastrophe unerhörten Ausmaßes, die bislang von der Weltöffentlichkeit völlig missachtet wurde. Lassen auch Sie sich bis in die Zehenspitzen betroffen machen!  

Honolulu (irgendwo am oder im Meer) – Ein unfassbare Katastrophe spielte sich gestern um 22.13 Uhr Ortszeit am großen Strand von Honolulu ab. Eine Palme stürzte um und traf den 13jährigen Ngome Nsubidu Jansinsansun an der Ferse. Der 13jährige ehemalige Volksschulabbrecher erlitt eine 2,5 cm lange Schnittwunde, die unbedingt und sofort verarztet werden müsste.

„Aber die Familie Jansinsansun ist so unvorstellbar arm, man kann sich das gar nicht vorstellen“, so HYDRA-AID Expertin Greta Jassalaian, die extra für HYDRA mit einem gecharterten Privatjet in die betroffene Region geflogen ist, um sich exklusiv ein Bild von der Situation zu machen.  „Familie Jansinsansun lebt in einer kleine Strohhütte in der Nähe des Strandes. Die Hütte ist nur 20 cm breit und 30 cm tief und alle 16 Familienmitglieder müssen in fünfstöckigen Stockbetten darin wohnen. Der Vater ist seit seiner Geburt unverschuldet bis über beide Ohren verschuldet und die Mutter kann keiner geregelten Arbeit nachgehen, weil sie ununterbrochen schwanger ist. Meistens trägt sie zwei Babys parallel aus, eines im Bauch und eines in einer Ausbuchtung am Rücken“, so Greta Jassalaian.

Die Jansinsansuns leben von getrocknetem Meeressand, den sie in einer rostigen Pfanne zu köstlichen, aber natürlich äußerst kargen Mahlzeiten zubereiten. Von Zeit zu Zeit fangen die Kinder die Strahlen der Nachmittagssonne in alten Dosen und Vorratsgläsern und verkaufen sie an gutmütige Touristen. „Man kann sich das alles irgendwie gar nicht vorstellen“, so unsere humanitäre Expertin fassungslos. Während ihres dreitägigen Aufenthaltes in einem der 7-Sterne Hotels in der näheren Umgebung verbrauchte Greta Jassalaian 8 Packungen Taschentücher, die sie danach Straßenkindern in der Region zu einem Selbstkostenpreis überließ. „Europäische Tränen sind der heißeste Verkaufsschlager in Krisenzeiten“, so Tourismusexperte und Hotelmanager Judscheen Krääbs.

Um dieser fassungslos armen Familie zu helfen hat HYDRA eine Spendengala ins Leben gerufen, bei der namhafte S-, O- und S-Promis aus dem Funk- und Elektronikfachhandel öffentlich für die gute Sache werben. Durch die Gala führt Starmoderatorin B. Harrlich und zu den vielen Höhepunkten des Abends zählen unter anderem ein Betroffenheitscontest, ein Heulwettbewerb und ein öffentliches Seminar in salbungsvoller Rhetorik. Abgerundet wird der Abend durch musikalische Gastauftritte sonst völlig arbeitsloser österreichischer Pop- und Schlagerstars.

Schalten Sie also ein, wenn es wieder heißt: „Servus, du altes HYDRA TV“, am kommenden Samstagabend auf ASTRA 19,2. Und spenden Sie auf das HYDRA Konto Nr. 288 359 684 00, BLZ 20 111

PS Und wenn ihnen das gerade zu arg war, können Sie ja ihre echte Empörung in bare Münze umwandeln und diese auf das echte Spendenkonto z.B. unter http://www.caritas.at/aktuell/erdbeben-haiti-2010/ oder http://www.nachbarinnot.at/ spenden. Dann haben Sie ebenfalls geholfen, ohne dass Sie den sonst üblichen Betroffenheitssermon über sich ergehen lassen mussten.

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