Archive for the ‘News’ Category

Die Frankfurter Buchfresse

Posted by on Oktober 6th, 2011

Hydra auf der Frankfurter Buchmesse Unser Starkritiker Marcel Koll-Kotzinsky stellt die aufsehenerregendsten Neuerscheinungen vor.  

John „Woolfegang“ Goethe: „Fist“
Die Entdeckung des Bücherherbsts 2011 ist sicher „Fist“ von John Woolfegang Goethe, einem bislang wenig bekannten, angelsächsischen Punkdichter aus dem 15. Jahrhundert. Hinter dieser Entdeckung verbirgt sich ein faustdicker Skandal: Der Weimarer Goethe und alle seine Erben versuchten tatsächlich über Jahrhunderte hinweg die Aufdeckung der bestürzenden Tatsache zu verhindern, dass Goethe buchstäblich alles von Goethe abgeschrieben hat. „Nur Goethe war wirklich kreativ, während Goethe wiederum ein faules, unkreatives, prä-guttenbergisches Arschloch war“, so der Hydra-Starkritiker Marcel Koll-Kotzinksy. Er vergibt für „Fist“ drei von vier Paar Frankfurtern.

Peter Pancake: „Die Traurigkeit des Strichjungen nach der Ejakulation“
Die Wiener Schule kehrt zurück. Sperrige, unleserliche Texte ohne jede erkennbare Handlung, die von Ewigkeitsblähungen und Schuldgefühlen wegen Pipi-Kaka-Wixi unter der Bettdecke handeln. Am Ende erklärt man sich solidarisch mit irgendeiner Diktatorenfamilie und zieht sich starrsinnig in einen heruntergekommenen Elfenbeinturm zurück. „Das zeitgenössische Lesepublikum ist nach ereignisloser Lektüre so narrisch wie ein Rottweiler nach einem Paar Debreziner“, so Literaturpapst Marcel Koll-Kotzinksy. Und vergibt für „Strichjunge“ zwei von drei Paar Frankfurtern und einen Kleckser Senf.

Charlotte Röchel: Scheißgeräte
Mit „Scheißgebete“ schließt die Fäkal-Starautorin Charlotte Röchel ihre Scheiß-Trilogie ab. „Scheißgebete“ folgt den beiden Erfolgstiteln „Scheißgebiete“ und „Scheißgebote“. In allen drei Büchern geht es um Scheiße, beim Lesen fühlt man sich Scheiße, der Preis ist auch ziemlich Scheiße, aber Scheiße, diese Bücher sind ein Scheißerfolg. „Endlich ist Scheiße Literatur geworden“, so der Belletristikmeisterrezensent Marcel Koll-Kotzinksy. Er gibt der ganzen Scheiße ein angebissenes Paar Frankfurter in einer Wurstfabrik.

Karl Kraus: Die Fuckel
Ebenfalls ein sensationeller Fund: Dank modernster Restaurationstechniken entdeckte ein Forscherteam aus Beverly Hills, L.A., dass sich unter der Erstausgabe „Fackel“ von Karl Kraus ein noch viel älteres Zeitschriftenprojekt des Wiener Allroundnörglers befindet. Bei „Die Fuckel“ handelt es sich um einen avantgardistisch-expressionistischen Pornoroman. Der Protagonist des Romans Suark Lrak bimst auf einem fremden Planeten blauhäutige Yaks durch, ohne ein einziges Mal an Orthographie zu denken. Literaturdoyen Marcel Koll-Kotzinsky: „Dieser Yakfuck ist ein literarischer Abfuck! Ich gebe eine Frankfurter, hochfrisiert auf einen Käsekrainer.“

Nicolai Google: Die toten Seelen
Der Roman zur aktuellen Internetvertrauenskrise. Steve Jobs ist tot, facebook speichert alle Pornoseiten, die man je angesurft hat, und die Revolutionen in Syrien, Libyen und Ägypten zeigen: Es gibt offensichtlich auch ein arabisches Wort für twitter. Nicolai Google hat dazu den Soundtrack geschrieben, der von Wutbürgern, Bootwürgern und Notlügen handelt. „Noch ein Buch, das alten Männern jammernd erklärt, dass die Jugend von heute genau solche Bücher auf gar keinen Fall liest. Ein Fall für das Modernisierungsverliererghetto also“, so Zeitdiagnostiker Marcel Koll-Kotzinsky. Für Dead Souls verleiht er „ein halbes Paar Frankfurter“ als Suchbegriff.

Tussi Alder Oider: Verschnarchung
Wir wechseln in die leichter bekömmliche Krimiecke. Nach „Erschlaffung“ und „Abschlappung“ nun also „Verschnarchung“ vom neuen Norwegischen Bestsellerkrimiautor Alder Oider. Wieder geht ein Massenmörder in den Straßen von Oslo umher, wieder spielt eine Knackwurst gar keine entscheidende Rolle, und wieder erfahren wir von absurd-finsteren Abgründen der menschlichen Seele, in die wir am liebsten das kläffende Zierhündchen der Nachbarin mit einem unmerklichen Arschtritt befördern würden. Also meint unser Kriminologe Marcel Koll-Kotzinsky: „Wie war das noch mal mit dem Zierhündchen?“ Er verleiht „Verschnarchung“ ein Hundstrümmel in Form einer vereinsamten Frankfurter.

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endlager für fb-betroffenheit

Posted by on September 21st, 2011

In Unterforgettingen (Rheinland) wird dieser Tage das weltweit erste professionelle Endlager für hochgiftigen Betroffenheitsmüll eröffnet. Wir haben uns dort umgesehen!

„Wir sind hier das weltweit erste professionelles Endlager für Betroffenheitsmüll“, weiß der geschäftsführende Leiter des Endlagers zu berichten. „Sie befinden sich hier im Rheinland!“ Wertvolle Informationen prasseln auf uns nieder wie gefährlicher, radioaktiver Fallout: „Im menschlichen Meinungskraftwerk werden in einem hochkomplexen, durch mediale Falschnutzungsenergie befeuerten Core-Prozess Persönlichkeiten gespalten – dabei werden zwei Endprodukte erhalten: echte Langweilerpersönlichkeiten mit wenig Meinung, kaum Einstellung und wenig Aktionspotential – so genannte ‘Lahmärsche’ – und zweitens hochgiftige Facebookpersönlichkeiten, die mit ihrem prätentiösen Scheißgehabe unsere ganze schöne Umwelt vergiften! Unsere Aufgabe ist es, die schlimmsten und gefährlichsten Aspekte von solchem Befindlichkeitsmüll fachgerecht endzulagern, damit der Nachwelt kein massiver Schaden entsteht.“

Ein Arbeiter lenkt einen Caterpillar geschickt zwischen Haufen aus gelbem Scheißdreck hindurch. „Sehen Sie diese Haufen aus gelbem Scheißdreck? Das sind die Buttons, die noch vor wenigen Monaten jeder Mensch der westlichen Zivilisationen auf seinem Profilfoto haben musste, andernfalls hat ihn die Stasi geholt und abgeknallt. Ich kann das bezeugen, ich habe selbst Facebook und war auch bei der Stasi!“  Der Baggerfahrer fährt mit seiner Schaufel richtig brutal in den Haufen hinein und bugsiert sein Vehikel danach gefährlich nahe an uns vorbei: wir können die Verdummungshitze der echauffierten Gemüter sogar noch unter unserer Schutzbekleidung spüren! Besonders alarmierend: wir vermeinen für den Bruchteil einer Sekunde sogar so etwas wie eigene Betroffenheit in uns wahrzunehmen. Betroffenheit darüber, dass sich Menschen nur deswegen für wenige Wochen in einen Meinungsumbildungsprozess hineinziehen lassen, um ihrem Erschütterungsgedöns kurzfristig adäquat Ausdruck verleihen zu können – und um sich in der Welt der Oberflächlichkeitsplattärsche einen Platz zu sichern, den ihnen ohnehin niemand streitig machen will.

Wir finden, dass das hochegoistisch ist! Sollte denn die Darstellungssucht dieser unserer Generation zu Lasten der nächsten Generationen gehen? Sind denn nicht auch Meinungen Gegenstände wie du und ich, die in einem langen Vorgang der Selbstfindung kultiviert und aufgepäppelt werden sollten, bis man sie in ihre wohlverdiente Freiheit des rationalen Diskurses entlassen kann? Sollte denn nicht die vehementeste und selbstloseste Ablehnung “ATOMKRAFT? NEIN DANKE!” länger bestehen, als lediglich ein paar kärgliche Wöchlein und somit genau so lange, wie der am stärksten meinungsmodebewusste Facebookfreund dieses in Preis und Verständlichkeitsniveau heruntergesetzte Affekt-Kleid einer vermutlich guten, freilich kaum gelebten Weltanschauung in seinem dunklen Schrank namens Unterbewusstsein wieder verschwinden lässt?*

Plötzlich stürzt ein Mann mit Schutzmaske und einem quäkendem Detektionsgerät für Moralinsäure auf uns zu. Er keuchhustet in sein Maske, sodass es lustig blechern schallt: „Sie sind kontaminiert!!! Schnell jetzt! Sofort entseuchen, dann eine ordentliche Reinigung der Großhirnrinde und dann gleich eine vierfache Überdosis Kamillentee, zwotausendachthundert Milligramm, geschüttelt nicht gerührt, gut ziehen lassen, ich sagte: GUT ZIEHEN LASSEN! Los jetzt, bringt sie mit dem Aufzug rauf!“

In einem top-ausgerüsteten und behaglichen Krankenwagen verlassen wir das Gelände des weltweit ersten Endlagers für Betroffenheitsmüll. Der Betreiber winkt uns noch freundlich hinterher – selbstverständlich winken wir zurück. Gerne kommen wir wieder!

[Fotomontage: Peter Raritäter; Text: Sebastian Klug]

* Dieser aufgrund radioaktiver Grammatik bis zur Unkenntlichkeit zerstrahlte Satz wurde aus unserer kommenden Publikation “Kritik des Schimpfens” entfernt und hier endgelagert. 

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9/11: Looking for Ruth!

Posted by on September 9th, 2011

Webster Tarpley kann sich noch genau an den Tag erinnern. Er war gerade bei der Thai-Massage mit der Australierin Dong-Shen-Li, die seine Weichteile mit famoser Fingerakrobatik wieder flott machte, als sein Freund Harry zu Tür hereinstürmte: „Terroristen haben die USA angegriffen. Die Türme, die Türme … sie sind gefallen.“

Webster wusste sofort, dass so etwas nur eine Fraktion innerhalb der US-Kommandostruktur getan haben kann. „Hören sie mal, arabische Gotteskrieger und ein Flugzeug lenken? Und außerdem, die amerikanische Luftwaffe? Die soll dieses Passagierflugzeug nicht bei der geringsten Kursabweichung abgeschossen haben!?“

Webster begann zu recherchieren und wurde bald fündig. Gleichgesinnte gab es genug. Der Franzose Thierry Meyssan etwa, der 2002 das Buch „L’effroyable imposture“, der schreckliche Betrug, veröffentlichte. Seine These: Flug AA77 sei nicht in den Pentagon gekracht, sondern von einer Rakete getroffen worden. Das Pentagon hätten die Amerikaner selbst in die Luft gejagt. Seither werde eine Frau namens Ruth von den Behörden versteckt. Sie könnte die Drahtzieherin gewesen sein. Oder es war der Name einer Maus, die versehentlich über den roten Knopf mit der Aufschrift “Passagierflugzeug abschießen und Sprengladungen im Pentagon legen” gelaufen ist.

Marc Sullivan wiederum war einer der Mitbegründer der „D911-Ruth“-Bewegung. „Damals trafen wir uns fast täglich, um Neuigkeiten über den Verbleib von Ruth auszutauschen.“ Denn Ruth ist seither wie vom Erdboden verschluckt. Zu Zeiten von US-Präsident Bush war Ruth besonders verschwunden. Unter Obama hingegen ist Ruth nur manchmal weg. Aber die Ruth-Aktivisten, die Bezeichnung Verschwörungstheoretiker oder Gerüchtefanatiker weisen sie aufs Schärfste zurück, geben trotzdem nicht auf. Immer noch sieht man sie hin und wieder mit ihrem Transparenten vor dem Weißen Haus auf und ab gehen. Von der linken Grundstückskante zur rechten. Und dann wieder zurück. Immer auf der Suche nach Ruth. „Dieses Auf- und Abgehen hilft immens bei der Suche nach Ruth“, so Sullivan.  

Auch Webster Tarpley hat in der Zwischenzeit ein Buch veröffentlicht. Es lautet „Synthetic Terror – Made in USA“. Gemeinsam mit Sullivan hat er wochenlang auf einem Flugsimulator trainiert und kam zur Erkenntnis: „Es ist unmöglich! Man kann ein Flugzeug einfach nicht in ein Hochhaus steuern! In 99 von 100 Fällen klappt das nicht. Keine Ahnung, wie gelernte Piloten beim Landen die Landebahn treffen!“ Seither tourt Webster als Flagschiff der Ruther-Bewegung um den Erdball und hält Vorträge mit über 600 beweiskräftigen Dias (meist Phantombilder) auf der Suche nach Ruth.

Wenn Ihr irgendwo Ruth seht, dann meldet das unter http://www.911truth.org/

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“Die BruBru-Tour ist nicht lustig”

Posted by on August 29th, 2011

Hydra: Geschätzter Reiseleiter, nach einem Jahr und fünf bewegten BruBru-Tours, wie fällt der Blick zurück aus?
Reiseleiter:
Zunächst mal, ich bin kein Reiseleiter, denn die BruBru ist keine Reise an die man sich bloß erinnert – sondern die BruBru-Tour ist ein Lebensausschnitt, der in den Alltag übergreift, sozusagen immer präsent ist.

Hydra: Okay, trotzdem bitte ein Blick zurück.
Justus Ramm:
Die BruBru-Tours waren ursprünglich als Unterhaltungsprojekt für das Hydrateam und die engsten Fans gedacht. Dass dieses Unterhaltungsformat (das auf eine Idee eines unserer kreativsten Köpfe, Sebastian Klug, zurückgeht) derart erfolgreich sein würde, hat anfangs kaum jemand erwartet. Zugleich steht kaum eine Aktion der Hydra so nahe an der eigentlichen Grundidee der Hydra, dass wir eben komplexe soziale Strukturen aufbrechen, in Frage stellen, dekonstruieren – und zugleich in spaßiger Weise verpacken. Dabei brauche ich als Reiseleiter keinerlei Hintergrundwissen, weder über historische, noch über soziale oder politische Gegebenheiten, sondern es geht darum, kontextunabhängige Fragen zu stellen. Wenn wir z.B. in ein Hotel gehen und dort ein Tortenstück bestellen, das wir in 50 Teile aufteilen wollen, oder in einer Kirche BruBru Jakob singen, stellt das elementare Fragen über die Funktionsweise bestimmter Orte.

Hydra: Aber bei der Tour stellst Du meist weniger Fragen, sondern erklärst und erläuterst.
Justus Ramm:
Das ist ein weiterer Aspekt, der mich an der BruBru-Tour begeistert, dass sie unglaublich selbstreferentiell funktioniert. So heterogen die Gruppe in ihrer Herkunft und ihren Lebensstilen ist, in ihrer Intention und in der Reaktion auf die Umwelt wird die Gruppe homogen. Wo herkömmliche Reisegruppen nur den Ort konsumieren, da gestalten wir diesen mit, da ändern wir das Stadtbild und unser Umfeld – was selbstverständlich auch zu Reibungsflächen führt. Jede Station bei einer BruBru-Tours sollte Reibung erzeugen, allerdings nie mit irgendeiner Form von Gewalt oder persönlicher Beschneidung. Die Angriffe, die wir tätigen, sind nur Hinweise. Wenn wir in der Kirche singen, dann grölen wir nicht, sondern tun das, was man in einer Kirche eben tut. Wir singen nur eben kein religiöses Lied. Wenn „Wir“ provozieren, heißt das jedoch nicht immer, das jeder der mitmacht auch wirklich weiß, was er oder sie gerade tut, bzw. ist der Grad der Interaktivität der einzelnen Leute sehr individuell und unterschiedlich

Hydra: Dennoch folgen alle Deinem Wort und Geheiß.
Justus Ramm:
Das ist zwangsläufig ein Teil der Gruppenzusammengehörigkeit, die ich nur stellvertretend inne habe. Natürlich stelle ich mich hin und sage: „Haltet Euch an mich, ich regiere hier, Euch passiert nichts, Ihr dürft machen, was Ihr wollt.“ Und bis zu einem gewissen Grad stimmt das dann auch, wie man beim McDonalds auf der Alserstraße gesehen hat. Ich versuche jedoch immer, nur einen Anstoß zu geben, auch wenn mit diesem alles fällt und steht, ist die Gruppe jedoch am Ende für Sinn, Witz und Funktionieren der Aktion  entscheidend.

Hydra: Das klingt aber gar nicht so lustig, wie es tatsächlich ist.
Justus Ramm:
Die BruBru-Tour ist in ihrem Kern gar nicht lustig. Dass die TeilnehmerInnen das lustig finden, ist eine Übersprungshandlung, weil sie in den paradoxen Situationen während der Tour – aus Angst, Orientierungslosigkeit oder Fremdscham – nicht entscheiden können, wie sie reagieren sollen. Deswegen lachen sie. Aber wenn sich 60 Leute am Stephansplatz aufstellen und ein Lied gegen Ausgrenzung singen, mag das zwar unüblich sein, ist aber im Kern ein ernstes Anliegen. Glaub mir, lustig sind ganz andere Menschen.

Hydra: Wenn wir die BruBru-Tour V, die Ghettoblast-Tour noch einmal Revue passieren lassen, was waren die Höhepunkte, was die kritischen Stellen?
Justus Ramm:
Höhepunkte für mich waren alle Situation, wo wir PassantInnen auf der Straße oder an den Fenstern, meist MigrantInnen übrigens, schamlos unterstellt haben, dass sie hier in einem Ghetto leben würden – und diese fast ausnahmslos positiv darauf reagiert haben. Etwa beim Walk of Fame neben der Thaliastraßenstation. Auch, dass die eigentlich recht willkürlich gewählte Route ganz eigenwillige, teils weirde Situationen hervorrief, z.B. der Besuch im Laufhaus oder die Bollywoodvorführung, die ich als Versuch kommentiert habe, hochwertige Filmkunst ins Ghetto zu bringen. Auch die Wiederbelebungsidee, also die Graffitikunst am Gürtel mit Geschenkpapierinstallationen zu crossen, hatte für mich unglaublich hohen künstlerischen Wert. Das illegale Straßenrennen war anfangs wegen der Grünwelle und der kaum zu überschätzenden Kraft der Motoren strategisch unklug gewählt, dennoch hat sich ganz klar gezeigt, dass illegale Straßenrennen nur im Ghetto funktionieren. Weil sich viele Menschen dort eben über ihre Autos zu definieren. Ein negatives Highlight war die Pfeffersprayaktion, wo die BruBru-Gemeinschaft erstmals durch rohe, unangekündigte Gewalt durchbrochen wurde.

Hydra: Welche neuen Erfahrungen brachte dieses ungewohnte Ghetto-Terrain?
Justus Ramm:
Dass es offenkundig doch den Rahmen einer BruBru-Tour braucht, um die Leute vorurteilsfreier und gerechter, eben auch liebevoller durch die Straßen laufen zu lassen. Natürlich geschieht das auch durch eine Vereinnahmung, einen Gewaltakt meinerseits, aber man lernt dabei, dass man Street-Credibility nicht durch Schweigen und Mitlaufen erwirbt (und schon gar nicht durch Gewalt), sondern durch ein friedliches und gleichberechtigtes Nebeneinander, durch ein Aufeinander zu gehen, ein Durchbrechen  festgesetzter, althergebrachter Handlungsrahmen, das Eröffnen unkonventioneller Wege des Miteinanders. Dass man einen Ausblick schafft … die BruBru-Tours als Brutopia. Im Grunde hat die Ghetto Tour genau das gezeigt, was sie in Frage gestellt hat: alle Stereotype und Klischees eines sozial benachteiligten Bezirks wurden durch ein bestimmtes Verhalten bedient.

Hydra: Blicken wir zurück nach vorn. Du gehst nach New York, warum eigentlich? New York gilt ja als öde, Nordamerika scheint überhaupt derzeit zum einem Slum zu verkommen. Welchen Herausforderungen kann man sich dort noch stellen?
Justus Ramm:
New York verkommt nicht zum Slum, es ist nur das europäisierte Denken, das es zum Slum macht. Der Gang nach New York ist für mich eine kreative Herausforderung … zunächst aufgrund der größeren Konkurrenz, Stichwort Street-Credibility, die ja immens schwierig zu gainen sein soll in New York. Aber es geht auch um eine künstlerische Fokussierung, vor allem hinsichtlich meines Stils. Drittens geht es darum, unsere Aktion, unser Projekt in einen größeren Raum zu tragen.

Hydra: D.h. man darf von einer BruBru-Tour in New York ausgehen.
Justus Ramm:
Das ist, ganz vage formuliert, richtig. Weil die Stadt viel mehr Schwierigkeiten in sich trägt, so vermute ich zumindest, werde ich dort vieles ausprobieren, in mir und an mir selbst. Ich werde eine Art Sozialexperiment starten … ob eben die Selbstreflexion einer ganzen Stadtgemeinde weit genug reicht, um die künstlerischen und kulturellen Erzeugnisse meiner Person anzunehmen, aufzusaugen und ihnen zu folgen: If they can make what I expect from them there, i can make it anywhere.

Hydra: Sind damit nicht vor allem Frauen gemeint?
Justus Ramm:
Nein, ich bin nicht auf Geschlechter fixiert, Sexualität ist bei mir kein Thema.

Hydra: Wann besteht die nächste realistische Chance auf eine 6. BruBru-Tour wieder in einem der Wiener Ghettos?
Justus Ramm:
Die LeserInnen sollten davon ausgehen, dass die nächste BruBru-Tour nicht unbedingt eine Stadtführung wird, sondern einen ganz anderen Rahmen oder andere inhaltliche Herausforderungen bereit halten könnte. Was aber kein Farewell to BruBru ist, sondern eher die Ankündigung einer BruBru-Extended, um hier schon mal mit meinem zukünftigen Sprachschatz aufhorchen zu lassen.

Hydra: Aber der Zeitpunkt? Wann?
Justus Ramm:
Das kann ich momentan nicht beantworten.

Die Hydra dankt für das Gespräch, Justus Ramm dankt zum Abschied allen MitorganisatorInnen und allen TeilnehmerInnen der fünf BruBru-Tours.

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Das grenzenlose Unglück – Ein Klagegedicht bzw. Klagesonett in Reinform (und Reimform)

Oh ihr Kurse! Ihr dümmsten Schweine ohne gleichen!
Wie ihr mit eurem Gang bescheuert
meine Angst ihr stets erneuert -
Lang zählt’ ich zu den ohne gleichen Reichen!

Doch nun DAS: Fort ist mein Geld, ohne Vorzeichen!
“Alles Paletti!“ hat’s Brokerarschloch noch beteuert
Von € 40 Millionen morgens auf den Markt gefeuert (unversteuert)
mittags nur 39,97(!) Mille mir blieben…(Anm.: muß man sich mal vorstellen!!) Des ungnädigen Schicksals Weichen?

Oh Fortuna! Der härtesten Fügungen Schmiederin, gib Kunde:
Wie soll ich Geprügelter durchs Leben mich nun schlagen?
Wer wird ein Zuhülfmireiler wenn Möbbe (vgl. ‚Mob’) plündern wie die Hunde?

Werden auslangen Champagnerflaschen deren täglich sieben und wohlig runde
Eskortdamen deren täglich acht mal acht bei den Gelagen?
Muß ich nun leben bitterärmstens von fei(n)ster Goldhand in den Munde?? (Anm.: 24-Karat-Klunker!)

 

 

[Sebastian Klug]

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The Börsencrush

Posted by on August 5th, 2011

Die Stimmung am internationalen Partnermarkt wird zurzeit ganz stark von Misstrauen und bad moods bestimmt! :-( Wir wollten wissen, warum das so ist und haben deshalb hinter die Kulissen der drei großen Rating-Quatschtanten Moody’s, Fitch und Standard & Poor’s geschaut! Lest alles über die persönlichen Zukunftsprognosen für die trendigsten Societypärchen an der Börse!

Viel Spaß und alles Liebe,
Eure Hydra.

 


Fiat & Chrysler

Moody’s: Heeey, Fiat und Chrysler sind sooo süß, die beiden Frischverliebten!
S&P: Ja, total! Seit der Fiat bei Chrysler eingezogen ist, ist er nicht wieder zu erkennen. Die beiden sind echt totale Business Angels zusammen :-)
Fitch: Ich find es ja auch schon ur süß, wie Fiat ständig Open Interest an Chrysler gezeigt hat. Diesen Mut haben nicht viele! Und nach dem Rückschlag ein Secondary Offer zu wagen war ein Zeichen, dass Fiat es wirklich ernst gemeint hat!
Moody’s: Angeblich hat Chrysler aber bis zur Naked Position abgewartet, bevor sie den Merge vollzogen haben…
Fitch: Naja, das versteh ich aber. Wer kauft schon gern die Cat in the sack?

Dow Jones & DAX

Fitch: Hey, was wisst ihr über diesen Dow Jones, der immer in der Gold-Bar tanzt?
Moody’s: Finger weg von dem! Der ist ein Hallodri! Er tanzt die Frauen zuerst wie ein wilder Bulle an, dann nimmt er sie tief unten auf dem Floor in der Baisse, und dann vögelt er sie oben auf der Benchmark weiter. Nix mit geregeltem Freiverkehr!
Fitch: Aber hallo! Das hör ich heute zum ersten Mal!! Apropos erstes Mal: Hat Linde endlich einen gefunden, der sie bumst?
S&P: Heeey, Fitch, du Bitch! Linde ist schon seit Jahren ungedeckt…die steht bald vor ihrem Verfallstag sag ich mal, ihr Zeitwert sinkt ständig.
Fitch: Traurig so was.
Moody’s: Ja. Traurigtraurig. Hoffentlich verspekuliert sie sich da nicht! Wird Zeit, dass sie mal wer callt und anbrüllt: KAUFEN –VERKAUFEN – KAUFEN!!! Sie sollte ihr eigener Inhaber sein!!
Fitch: Stimmt. Und sie könnte mal ruhig diesen DAX anquatschen, der öfters in der Gold-Bar ist. Der ist zwar bisschen auf Index-Inzest, aber hey: Wir leben in einem freien Markt! Jedenfalls: Sie hätte doch jede Menge Options!

Wienerberger & bwin

Moody’s: Apropos: Wienerberger und bwin haben sich jetzt ein Haus gekauft! In Port d’Folio, direkt am Meer. Ur schön!
S&P: Echt? bwin? Die perverse Sau, die auf kleine Japanerinnen steht, Nikkei und was weiß ich…?
Moody’s: Ja, genau. Wienerberger hatte ja quasi null Eigenkapital, die Rücklagen haben einfach nicht gereicht! Da war das die beste Option, sich an bwin ranzuschmeißen…
S&P: Schlimm so was.
Moody’s: Ja. Schlimmschlimm.

Bank Austria & Uni Credit

Moody’s: Habt ihr schon gehört? Erste Bank und Uni Credit streiten uuur oft!
Fitch:  Naja, kein Wunder. Uni Credit nimmt das mit der Treue nicht ganz so genau. Wie die Italiener eben so sind!
S&P: Ich hab schon vor zwei Jahren gesagt:  Das hält nie, das wird gesplittet! Das war doch schon vorhersehbar, nachdem sich Uni Credit die Liebe der Erste Bank um diesen unverschämten Dirty Price quasi erkauft hat.
Fitch: Stimmt. Diese Italiener glauben einfach immer, dass sie mit ihrem Eigenkapital das Genussrecht an jedem kriegen können. Für mich ein totaler Mistrade!!!

Euro & Franken

S&P: Oh Gott, der Euro ist innerlich total eingebrochen und der Franken hurt nur noch auf den internationalen Märkten herum! Keine Spur von Settlement.
Moody’s: Ja, weil er im Moment dauerhart ist! Echt heftig. Bailout über Bailout, eine einzige Daueremission. Für mich sitzt der klar auf der Short Position.
S&P: Ja. Und dann kommt er nach Hause und sagt so schleimige Sachen wie „Du bist mein Schatzschein!“
Fitch: So ein Arsch! Glaubt der, auf dem Markt herrscht Freiverkehr?
Moody’s: Der Euro wollte halt einfach nicht mehr nur Depot des Franken sein. Er hat eh schon genug Tränen ausgeschüttet deswegen.
S&P: Ja, aber der Euro ist auch ziemlich dumm. Angeblich war er nach einem Long Call und einem billigen Mantel – Cheapest to deliver! – später wieder halbwegs besänftigt …
Fitch: Manche lernen‘s eben nie! Sehr viel gemeinsame Restlaufzeit geb’ ich denen nicht mehr…

NYSE & Deutsche Börse

Fitch: Was ist eigentlich mit der Deutschen Börse und NYSE? Wollten die nicht auch heiraten? Ich weiß nur, dass sie bald ein kleines, süßes Aktienbündel erwartet!
S&P: Ahhh! Vorzeitige Ausübung von Vorbörslichem Handel??? Ist das nicht gegen alle guten Usancen?
Moody’s: Wenn ihr mich fragt, ist dieser NYSE sowieso das Allerletzte! Sein dummes inflationäres Geldgewäsch: Wer soll das noch haushalten? Seine Versprechen sind doch reiner Leerverkauf am letzten Handelstag. Der bietet doch überhaupt keine Sicherheiten!! Und im Bett ist er ganz ein Passiva angeblich …
S&P: Hast Recht, die Deutsche Börse ist eigentlich ganz eine Arme. Und jetzt auch noch das kleine Bündel! Die hat sich ihr Final Settlement sicher auch ganz anders vorgestellt! Wollte immer ein schmuckes Häuschen und sitzt jetzt auf einem Kredit für diese faule Immobilie …
Moody’s: Wieso zieht sie nicht wieder zurück nach Hause?
Fitch: Naja, sie kommt angeblich mit dem Continental-Klima überhaupt nicht zurecht.
S&P: Armes Ding! Bilanz der Beziehung: Ein Fiasko. Am Ende des Börsentages wird abgerechnet!
Moody’s: Arg so was.
Fitch: Ja. Argarg.

Gold & Silber

Fitch: Ich sag’s euch, Gold geht’s jetzt viel besser seit seinem Going Public! Glänzt über das ganze Gesicht.
Moody’s: Aaaahaaa? Interessant. Mit dem Gold ist irgendwas anders, das ist mir schon auch aufgefallen … mit mir wollte Gold sogar einmal einen Swap ausprobieren!! War mir dann aber zu hart. Wie es mit dem wohl weitergeht? Ich glaube, hier müsste wieder mehr in eine Beziehung mit Silber investiert werden!
Fitch: Kann schon sein. Vielleicht hat Gold aber auch nur die Dividende seiner letzten Bindung an den Dollar nicht verkraftet?
S&P: Oh Fistfuck! Ich muss jetzt leider gehen. Perfektes Timing :-) Es regnet bald Defizite und ich muss los…Darf ich mir deinen Euro-Rettungsschirm ausborgen, Moody’s? Mir ist das Ausfallrisiko aus den Wolken einfach zu hoch.
Moody’s: Ja, klar, nimm ihn dir ruhig!
S&P: Ciao Mädels!
Moody’s & Fitch: Ciao!

[Text: Stefan Rathmanner & Sebastian Klug, Icon: Bartlomiej Szatkowski]

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Scheucher Wohnen

Posted by on August 3rd, 2011

„Die schwedischen Gardinen? Die hab ich vom IKEA!“ Ein gutgelaunter Uwe Scheuch öffnet uns das zeitlos metallene Türchen zu seinem schicken Single-Loft. Die Einrichtung ist einfach, aber schlicht. Wie er hier lebe? „Leben? Haha, davon kann keine Rede sein! Nein, ganz im Ernst, mir gefällt es hier drinnen so gut, dass ich kaum einen Schritt vor die Tür setzen mag.“ Er geht zur  zelleigenen Minibar und öffnet eine offensichtlich für uns auf Eis gestellte Flasche Spiritus. Ein Bonvivant der seine Gäste zu umschmeicheln weiß!

Auffallend im überraschend einfach eingerichteten Mini-Appartment des Lifestyle-Gigolos: die Reduktion auf das Wesentliche! Die Sichtachse zum gut vergitterten Fensterchen wird von einer schlichten Pritsche aus stabiler Fichte dominiert, die Verankerung in der Wand wurde mit gusseisernen Ketten vorgenommen. Eine saubere Lösung, die hervorragend zum Ambiente passt. Eine verlauste Steppdecke, die auch schon einmal bessere Zeiten gesehen haben mag, rundet das kleine Schlafparadies ab: „Hier tanke ich Energie, wenn ich einmal nicht so gut drauf bin! Dann lese ich ein Gedicht oder hole mir einen runter.“

Man merkt: Uwe Scheuch hat Deutsch gelernt. „Ich habe ja jetzt viel Zeit, darum habe ich mir gedacht: Warum nicht auch einmal etwas Gescheites tun?“ Seine sauber ausgesprochenen Worte hallen von den azurblau lackierten, unbehauenen Granitblöcken wieder. Hier lebt einer, der sich in seinem Leben alles gerichtet und eingerichtet hat. Das Deckchen auf dem miniatürlichen Tischchen harmoniert auf das Perverseste mit der hinter jeder Luke lauernden, homoerotischen Horroratmosphäre: „Das hat mir die Mutter von Jörg Haider geschenkt. Es sind die Geburtstage von allen Abgeordneten zum Landtag eingestickt. Von allen freiheitlichen natürlich! So kann ich sicher sein, dass ich nie einen vergessen werde.“ Uwe Scheuch verbindet das Praktische mit dem Nützlichen, verquirlt das Schöne mit dem Ästhetischen: er nimmt das Beste aus beiden Welten und macht etwas ganz Neues daraus, zum Beispiel etwas ganz Altes und Kaputtes. Paradigmatisch für diese Lebenseinstellung ist der zerbrochene Tonkrug auf dem Boden: „Die Scherben sind nicht nur dekorativ und schmückend. Wenn ich ganz viele kleine Scherbenkrümel mache, kann ich an ihnen abzählen, wie viele Tage mir hier in meinem Domizil noch vergönnt sind. Das hilft mir!“

Feng Shui gliedert das Kämmerchen in energetisch aufeinander abgestimmte Bereiche.
„In der anstaltseigenen Bibliothek habe ich mir dazu ein nettes Büchlein ausgeborgt. Echt toll, was fremde Völker mit ihrem zehntausende Jahre alten Wissen alles schaffen!“ Uwe Scheuch hat sich viel Zeit genommen. Zeit, die er auch hat. Zeit, die es gebraucht hat, damit sein persönlicher Singlewohntraum zu etwas ganz Besonderem wurde. „Ich habe viele Möbel herumgerückt, vor allem ins rechte Eck. Das ist für mich der energetische Schwerpunkt, dort fließt die Energie hin! Ich hab den Raum natürlich auch auf Wasseradern untersuchen lassen. Leider ist da nirgends eine. Schade, ich hätte mich in der sprudelnden Quelle sehr gerne ertränkt!“ Was er nun als Nächstes mit seinem Meer an Zeit plane? „Den Fahrradführerschein machen. Das ist ein ganz ein großer Bubentraum von mir.“

An den Wänden modern ein paar liebevoll drapierte Poster vor sich hin. „I HC“ und „I Böhse Gefängnisonkelz“. Die Dekoration vermag zweierlei: sie lockert die Atmosphäre auf und vermittelt eine sublime, versteckte Botschaft: „Für mich ist es wichtig, für etwas Partei zu ergreifen, eine Schlagseite zu haben, der ich mich zugehörig fühlen kann!“ Für etwas geradestehen zu können und das auch zu zeigen: in unserer flatterhaften Zeit wichtiger denn je! Auch der kleine, schiefe Waschtisch steht gerade bzw. das gerade eben nicht: kleine Hakenkreuzaufkleber auf dem zerbrochenen Spiegel zeigen Uwe Scheuch beim allmorgendlichen Blick in denselben sein wahres Gesicht, sein Wahres ICH. So sollte es sein: Innenarchitektur die in die Seele dringt!

Durch das gesicherte Metallfensterchen dringt Licht in den zwei mal drei Meter großen Raum. Allerdings nicht sehr viel Licht: Alles in Allem ist es sehr dunkel. Auch die schwache Glühbirne vermag kaum die ihr zugewiesene Aufgabe zu erfüllen. Kein Schirm schützt ihr zerbrechliches Glas. Eine Hommage an das Leben? Schwer zu sagen, sicherlich aber ein Bekenntnis zur Einfachheit: Alles Unnütze weglassen! Ob er sich selbst manchmal auch unnütz fühle? „Ja, das kommt schon vor. Genauer gesagt jeden Morgen! Aber dann stehe ich schnell auf, mache ein paar Meditationsübungen, laufe mit dem Kopf irgendwo dagegen und dann passt es wieder.“ Wie er mit der Dunkelheit umgehe? „Ich mag das Dunkle. Es dringt in meine kaputte Seele und zerfrisst sie, Stückchen für Stückchen. Wissen Sie, was ich meine?“ Nein.

Über Allem schwebt eine Aura der Aussichtslosigkeit. Langsam beginnen wir uns dann doch unwohl zu fühlen und verlassen grußlos das schicke, auf das Wesentliche reduzierte Zimmerchen.

 

[Text: Sebastian Klug; Fotomontage: Curt Cuisine & Peter Raritäter]

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