Exklusiv: Thronfolger Charles bei Regentenfamilie Lugner

***Sperrfrist Mittwoch, 12 Uhr***

SENSATION! Unter strengster Bewachung und Geheimhaltung traf der britische Thronfolger Charles heute die Regentenfamilie von Wien.

Der HYDRA (und nur uns!) wurde dieses exklusive Bildmaterial aus dem sagenumwobenen Saal 14 des Lugner Kinos, dem Bernsteinzimmer von Wien, zugespielt.

Aufgrund der britischen Wetterverhältnisse wurde der geplante Bio-Heurigenbesuch kurzerhand durch ein 25-Gänge-Menü beim Running Sushi in der Lugner City ersetzt.

Das weitere Programm, sowie die letztgültige Entscheidung über die Abendgestaltung (Karambol beim Köö, Handies ausprobieren beim Mediamarkt oder Billigfetzen kaufen für das Begräbnis der Queen) wurden der HYDRA leider noch nicht übermittelt.

(Im Bild v.l.n.r.: der verstoßene Wurstprinz Helmut der Letzte, Jackie Kennidi-Lugner, Prinz Charles und seine Camilla, Queen Mousey, Richard Mörtelherz I., König von Wien durch Gottes Gnaden)

(Im Bild v.l.n.r.: der verstoßene Wurstprinz Helmut der Letzte, Jackie Kennidi-Lugner, Prinz Charles und seine Camilla, Queen Mousey, Richard Mörtelherz I., König von Wien durch Gottes Gnaden)

 

 

Doppelte Partei-Mitgliedschaften im Hydra-Check

parteibuchHydra hat für euch alle Doppelmitgliedschaften getestet und verrät, wie Ihr Eure politischen Sorgen im Handumdrehen loswerden könnt.

Parallel zur Debatte der Doppel-Staatsbürgerschaft – die Hydra* berichtete – wird in der NGO-Szene nun auch heftig über eine doppelte Parteimitgliedschaft diskutiert. Der Vorteil liegt auf der Hand: in politisch unsicheren Zeiten ist eine rechtzeitige Vorsorge und Anpassung an prekäre Mehrheitsverhältnisse besonders ratsam. Dennoch werden derzeit eher die negativen Konsequenzen beleuchtet: Vorwurf der politischen Beliebigkeit, der Unzuverlässigkeit, des fehlenden Rückgrats stehen im Raum. Die Befürworter sind sich allerdings einig, dass diese Vorwürfe allesamt auch auf den Besitz von lediglich einem Parteibuch zuträfen, also kein Alleinstellungsmerkmal seien. Außerdem könnten Parteiaustritte langfristig reduziert werden, da keine Entweder-Oder-Entscheidungen erforderlich sind, was dem österreichischen Naturell durchaus entgegenkommt. In Krisenzeiten sind Anpassungsleistungen blitzschnell zu vollziehen, um mögliche Gewinne aus der politischen Wende ziehen zu können. Hydra* hat daher alle Modelle der doppelten Parteimitgliedschaft für euch getestet:

Modell Blau-Schwarz: Ländlich, aber gut verträglich
Am kostengünstigsten kommt die FPÖ, ab € 1,80 monatlich ist man dabei. Dadurch geht sich die derzeit beliebteste Variante (Blau-Schwarz) finanziell locker aus, sorgt sie doch im ländlichen Raum über maximale Akzeptanz (ja, Sympathien kosten etwas, machen sich aber langfristig bezahlt!). Das ÖVP-Parteibuch beläuft sich in den Bundesländer zwischen € 18 bis € 30 Euro, auch ein einkommensabhängiges Modell in NÖ ist dabei. Hier zeigt sich die ganze Vielfalt der ÖVP – und verträgt sich bestens mit der hochgradigen Regionalität der FPÖ. Fazit: ein robusten, um nicht zu sagen rustikales Zukunftsinvestment!

Modell Blau-Rot: Billig, aber urban
Die zweitbeliebteste Variante ist die kostengünstigste: eine SPÖ-Mitgliedschaft schlägt sich monatlich mit 6 Euro zu Buche, die Gesamtmonatskosten für FPÖ & SPÖ betragen also € 7,80 Euro. Billiger also als ein handelsüblicher Handytarif, geh, org! Dieses Modell greift eher in großstädtischen Ballungsräumen. Ideologische Sprünge sind zwar zwingend zu beherrschen, doch dank des saloppen Umkehrsprungs und verlorener Programmatik gehen sich alle erdenklichen Positionen in jeder der beiden Parteien dennoch irgendwie aus. Ein echtes Integrationsmodell also.

Modell Schwarz-Rot: der Klassiker, vielleicht schon im Ausgedinge
Die drittbeliebteste Variante ist teuer und im Grunde – bis auf eine kurze Unterbrechung – seit mindestens 40 Jahren gängige Praxis. Doch nun ist die Doppelparteibuchwirtschaft endlich legalisiert, reale Doppelidentitäten dürfen offen gelebt werden! Raus aus dem Ghetto der staatsnahen Betriebe, Ämter und Ministerien, nun wird SPÖVP auch in der Sprache selbst sichtbar („In meiner Funktion als Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Präsident…“). Schnelle politische Synergien werden möglich und das ewige Koalitionshickhack hat ebenfalls ein Ende. Konflikte können nun intrapersonell verinnerlicht und innerpsychisch ausgetragen werden. Doch womöglich kommt der Jubel verfrüht, viele Medien befürchten, diese überregionale Variante könnte ein Ladenhüter werden.

Modell Neongrün: Individuell, aber ohne langen Atem
Die vierte, durchaus spannungsgeladene Variante von Grünen und Neos ist preislich zwar auch eher im günstigen Sektor angesiedelt, seelisch allerdings anspruchsvoll: Ein Modell für kräftige VielrednerInnen mit wenig Hang zu pragmatischen Entscheidungen trotz der integrativen Ansätze für Ich-AGs. Die Kosten bei Neos (7,80 Euro pro Monat) gekoppelt an das billigste Angebot der Grünen (ab 2,10 Euro pro Monat, Aufzahlung bis 83 Euro möglich und gestattet) ermöglichen Individualisten große Freiheiten im Bezahlungsmodus. Trotz personeller und inhaltlich enger Verbindungen der beiden Parteien muss diese Variante im politischen Alltag als riskant hervorgehoben werden. Sie eignet sich nicht für langfristige Projekte und garantiert keine Synergien, so wie sie in den anderen Varianten in der Praxis bewiesen. Auch wahr: Dreitagesbärte erhöhen aktuell das Ich-Marketing. Kopftücher reduzieren dieses wieder empfindlich.

Modell Orange-Strohsackgelb: Finger weg!
Die fünfte und bereits praktizierte Variante ist FPÖ, BZÖ, Team Stronach. Die Kosten sind unklar, die Akteure sind dafür bereits heute das Role-Model für die gesamt Debatte. Wo kein Rückgrat ist, wird nie ein Rückgrat sein.

Für Hydra testete Neigungsgruppe für profeministische Satire in Österreich (NGPSÖ)

* mit besonderen Dank an den Kurier, der die journalistische Laufarbeit erledigte

Wag the Kasperl

Die BUP2016-Kampagnen im Satirecheck. Hydra hat für euch minutenlang auf die Plakate gestarrt und dabei fieberhaft nachgedacht: Was wollen uns diese Plakate sagen? Wie wollen sie uns das sagen? Sagen sie überhaupt irgendetwas aus? Doch ging es uns dabei weniger um Inhalte (Welche Inhalte?), vielmehr um die Zwischentöne, das Feinstoffliche, die Ästhetik. Denn wie wir spätestens seit der genialen Politsatire „Wag the dog“ (1997, Barry Levinson) wissen, sind es offiziell immer die Wahlpalakte, die eine Wahl entscheiden. Here we go.

 

griss_2IRMGARD GRISS
Die Kampagne von Irmgard Griss ist zunächst eines: nahezu unsichtbar. Zumindest im öffentlichen Raum. Auf Facebook & Twitter ist Frau Griss zwar durchaus präsent, doch wird dabei schnell eines klar: Hier wurde nicht allzu viel gewagt. Die Wahlkampfstrategie setzt fast alles auf die eine Karte namens „Unabhängigkeit“ und bemüht die üblich verdächtigen Schlagworte: „Verantwortung. Ehrlichkeit. Mut.“ Auch bekannt als „Ja, eh“-Slogans, weil es Begriffe sind, zu denen man eigentlich nur eines sagen kann: „Ja, eh! Klar bin ich dafür.“ Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen, eine Kampagne, so steril und nichtssagend wie ein unbenütztes Papiertaschentuch. Das immerhin passt perfekt zu dieser stets äußerst gepflegten und adrett gekleideten Kandidatin.

 

RICHARD LUGNER
Damit sind wir dann auch gleich beim Gegenteil. Auch Lugners Kampagne ist im öffentlichen Raum unsichtbar, dafür hat er das Internet und die paar Quadratmeter der Lugner-City ganz für sich. Neben dem Kasperl-Sujet gibt es tatsächlich ein halbwegs staatstragend wirkendes Plakat, natürlich Seite an Seite mit seiner „First Lady“. Die Dame ist allerdings ein Witz für sich (sie ist auf dem Plakat mehr retuschiert als Lugner), ebenso, dass Lugner nicht nur unabhängig, sondern auch „aktiv“ zu sein verspricht. Nachdem uns Lugner bei seinen „Wahlkampfauftritten“ mehrmals zu verstehen gegeben hat, was für ein toller Hengst er ist, da er doch so ein resche, junge Gattin noch beglücken kann, wissen wir auch, was mit diesem „aktiv“ wohl in erster Linie gemeint ist.

 

khollum_2ANDREAS KHOL
Arbeit macht frei, Erfahrung macht stark. Andreas Khol ist also ein sehr erfahrener Mann. In der Geriatrie versteht man diesen Hinweis so: „Aha, er ist schon recht alt. Warum sagen Sie das nicht gleich so?“ Die Plakatkampagne versucht dieses hohe Alter natürlich möglichst staatstragend zu verkaufen. Die Mittel dazu: kräftige, aber nicht zu bunte Farben, eine staatsmännische Pose, die üblichen Slogans („Staatsmännisch. Erfahren. Mutig.“), die beinahe auf seine Persönlichkeit zugeschnitten scheinen, aber in Wahrheit auch nur „Ja, eh“-Slogans sind. Man darf sich fragen, ob die ÖVP, wenn sie einst unter die 5%-Hürde fällt, immer noch so auftreten würde, als könnte sie den Kanzler oder den Bundespräsidenten stellen. Andererseits: Natürlich muss man auf Plakaten so tun, als wäre man die Topbesetzung für diesen Job. Selbst wenn der Kandidat Andreas Khol heißt.

 

hundsdorferRUDOLF HUNDSTORFER
Was für eine Überraschung! Der SPÖ-Kandidat setzt auf dieselbe Bildsprache wie der ÖVP-Kandidat, nur die Farbgebung ist etwas dezenter, geschönter, sonniger! (Gelobt sei Photoshop!) Tja. Jahrzehnte des Proporzes lassen sich eben nicht so einfach wegwischen. Hundstorfers Keywords hingegen sind „Sicherheit, Verlässlichkeit“ und dass er „einer von uns“ ist. Auch das kommt nicht allzu überraschend und wir sagen einmal mehr: „Ja, eh!“ Was die Hundstorfer-Plakate an „staatsmännischer Erfahrung“ nicht transportieren, machen sie mit ihrem volksnahen Flair und der burschikosen Verzückung wieder wett. Es wirkt ein wenig so, als wäre der Slogan „Im Herzen bin ich immer noch Lehrling!“ lange Zeit im Rennen gewesen, aber erst in letzter Sekunde (samt Latzhose und Schutzhelm) wieder rausgeflogen. Fast schade drum.

 

hofer_2NOBERT HOFER
Endlich eine klare Bildsprache! Bei der FPÖ ist es ziemlich gleich, ob jemand für den Gemeinderat, für eine Demonstration gegen eine Flüchtlingsunterkunft oder als Bundespräsident kandidiert, diese Werbelinie ändert sich nie. In der Werbefachsprache nennt man das eine wiederkennbare „Grundmelodie“. Die tönt immer gleich, ein bisschen hört man marschierende Stiefel durch, in der plumpen Typographie spiegeln sich die proletarischen Wählermassen und in der Kombination der Flagge mit dem parteilichen Blau schwingt stets auch ein Hauch patriotische Verklärung mit. Das mag man zum Kotzen finden oder auch nicht, es ist aber immerhin eines: stringent! Und vermittelt mehr Verlässlichkeit oder Beständigkeit, als z.B. ein Photoshop-geschöntes Hundstorfer-Plakat. Die SPÖ muss sich also ein weiteres Mal nicht über den Wählerstimmenexodus aus dem Gemeindebau wundern.

 

vdbALEXANDER VAN DER BELLEN
Na bitte, hier hat sich offenbar eine Werbeagentur (es handelt sich um Jung von Matt) vollkommen verwirklicht. Während die FPÖ-Agentur sich stets selber treu bleibt, schummelt man Van der Bellen in eine volksnahe, fast bäuerliche Identität. Nichts mehr ist es mit flapsig-faden Grünen-Slogans, hier geht es in satten Schwarz und vollgesogenen Farben um das Ganze, sprich: erneut um ziemlich nichtssagende Begriffe. Wir erfahren, dass der Professor für „Glaube in die Heimat. Zusammenhalt. Mut“ steht. Ja, mit ihm fahren wir gar „mutig in die neuen Zeiten“. Und nicht nur das. Die Jung von Matt-Kampagne setzt noch eines drauf, den ultimativen, den nicht mehr zu toppenden Begriff. Alexander van der Bellen ist: „Wir!“ Und sind wir nicht für ihn, sind wir offenbar gegen dieses „Wir“, gegen uns also. Das muss man erst einmal verkraften. Aus jedem Sujet tropft der absurd unerschütterliche Glaube mancher PR-Agenturen, man müsse nur einen Kandidaten in eine grüne Wiese stellen und „Heimat“ dazu schreiben, schon ändern zwei Drittel der Bevölkerung ihre Meinung: „Ah ja, der ist ja eigentlich eh auch recht rustikal. Na, jetzt wähl‘ ich ihn!“ … und vielleicht stimmt das ja tatsächlich. Trotzdem wäre uns diese Kampagne als Fotoroman eines einsamen, alten Mannes viel sympathischer gewesen. Dann hätten wir gerufen: „Gebt ihm doch das Amt! Damit er noch etwas vor sich hat …“

Fazit: Eine richtige Überraschung gibt es hier nicht, doch immerhin verraten uns die Plakate, dass die FPÖ selbst in ästhetischer Hinsicht mehr Beständigkeit zeigt als ÖVP und SPÖ. Und dass die Van der Bellen-Plakate mehr versprechen wie alle anderen Wahlplakate zusammen. Würde nun tatsächlich stimmen, was wir eingangs behauptet haben, dass die Kampagnen über den Wahlausgang entscheiden, wäre der Wahlausgang eigentlich ziemlich klar. Aber das kann natürlich nicht sein. Denn wer schaut sich schon länger als 10 Sekunden Wahlplakate an? Danach nerven sie nur noch, weil sie das Stadtbild oder – noch viel schlimmer – die Landschaft verschandeln. Das Beste an Wahlplakaten war immer schon, dass sie nach der Wahl schnell wieder verschwinden.

Wiener Polizeiball – Auch heuer wieder nur im Freien

polizeiballSo ein Pech! Nachdem Polizeipräsident Pürstl auch heuer wieder die Buchungsanfrage zu spät abgeschickt hat, muss der traditionelle Wiener Polizeiball statt in der Hofburg einmal mehr unter freiem Himmel in der Innenstadt stattfinden.

Pürstl zeigt sich verlegen: „Das ist jetzt schon blöd, wir haben ja extra die ganzen Kollegen aus den Bundesländern eingeladen.“ Als Ersatz verspricht der Polizeipräsident eine große Tanzfläche vom Stadtpark bis zum Heldenplatz mit Blaulichtdisco, außerdem ist eine Tombola geplant: Unter allen Mistkübelaufstellern werden 6 Monate U-Haft all inclusive verlost. Ebenfalls zum Einsatz kommen wieder die beliebten Selfiesticks. „Gut zum hindreschen, gut zum mitfilmen“, zeigt sich Pürstl begeistert.

Trotzdem ist davon auszugehen, dass viele Ballgäste von der erneuten Verlegung ins Freie enttäuscht sein werden. Von Spaziergängen in der Innenstadt wird deshalb Freitagabend abgeraten: Die letzten Jahre zeigten, dass die tanzwütigen Polizisten leicht gewalttätig werden.

„Merkelundich“: Mit dem Fahrrad über die Arktis

kk_zitat_3 „Ich habe niemanden versprochen, dass das Einzäunen von Österreich die Probleme löst“, sagte Bundeskanzler Faymann in der ORF-Pressestunde. „Merkelundich, das ist pragmatischer Realismus!“ Eine Satire nach dem wortwörtlichen Fernseh-Leben von Kerstin Kellermann

Als Bundeskanzler muss man wissen, wo man steht, auf welcher Seite der Grenze. Oder oben drüber. Der Merkel-Blick. „Weder Italien noch Griechenland waren in der Lage, das Flüchtlingsproblem für uns alle zu lösen“, sagt Faymann. Stimmt. „Schämt man sich nicht dafür?“, fragt der ORF-Journalist. „Nur ein Promille der Flüchtlinge weltweit wird in Europa verteilt.“ Scham? Was bringt die leicht? Alte Gefühle aus der Kindheit. Die Erwachsenen machen einen Blödsinn und das ohnmächtige Kind schämt sich dafür. Hilft den Flüchtlingen nix. „Wenn sich eh jeder Flüchtling aussucht, wo er hinfährt, kann man auch die Asylgesetze in Europa angleichen“, meint Faymann. Klar, dass ein Flüchtling lieber dort wohnt, wo er schon Familienmitglieder oder Freunde hat. Irgendwie logisch, dass er nicht so gerne die Eltern in Großbritannien und den Bruder in Belgien hat – außer er hat gerade Krach mit seiner Familie. „Man kann den Ländern nicht nur sagen: Behaltet’s die! Es müssen menschenwürdige Quartiere geschaffen werden. Nur die Augen zumachen und sich denken, hoffentlich kommt keiner, bringt es auch nicht.“ Er kann so realistisch sein, und der Humor dabei ist neu. Der amüsiert sich ja richtig. Bodenständigkeit kann auch mit Vergnügen verbunden sein. Der Boden des Lebens. („Ich hätte nicht gedacht, dass 2015 eine Million eine Wanderung antreten“, sagte hingegen Sozialminister Hundstorfer. Wanderung?)
Margaretha Kopeinig vom Kurier, die sich wohl einen Anzug von Kotanko ausgeborgt hat, redet ganz langsam mit Faymann – kärntnerisch: „Haben Sie einen Plan B?“ Plan B? Faymann ist noch bei Plan A: „Menschenrechte abschaffen – da kann man nur jeden warnen, der für eine menschenwürdiges Leben ist… Wir haben ja oft kein Wirtschaftsabkommen mit Ländern mit denen wir kein Rückführungsabkommen haben.“ Übersetzung: Kein wirtschaftlicher Druck möglich, dass diese anstrengenden Regierungen „ihre“ Flüchtlinge zurücknehmen. Und an der Bakschisch-Frage ist schon Außenminister Spindelegger gescheitert.

kk_zitat_2Praktische Erpressung

Kurier-Kopeinig: „Osteuropäische Länder sind gegen die Flüchtlings-Verteilungs-Quote. Wie werden Sie die zwingen? Sie stehen uns sehr skeptisch gegenüber. Wir wollen mit Flüchtlings-Ausgaben nichts zu tun haben, denken die.“ Na sicher! Erst bringt man ihnen mühsam die kapitalistische Verwertungs-Gesellschaft bei und treibt ihnen alle möglichen Reste einer sozialistischen Gesellschaftsform aus und nun sollen sie doch plötzlich sozial sein? Wenn polnische Alte keine Pension erhalten, ungarische Arbeitslose auf der Straße landen, warum sollte so ein kleiner Syrer eine Unterstützung kriegen?! Noch dazu monetär?! Jetzt haben die das so brav gelernt, die beinharte Marktwirtschafts-Lektion und nun passt es wieder nicht. „Ist ja klar, dass ein Flüchtling lieber in ein Land geht, wo ein Krankenhaus funktioniert“, stellt Faymann nüchtern fest. „Einige sagen Erpressung! Die nächsten Geldverhandlungen mit osteuropäischen Ländern kommen sicher“, lächelt Faymann, der monetär gesehen mit Merkel auf dem längeren Ast sitzt. „Ich bin der Dienstälteste in der EU neben Angela Merkel.“
Kurier-Kopeinig in sich gekauert: „Ist der Kampf gegen den Terror auch eine Maßnahme gegen die Flüchtlingskrise? Der Boden für Terroristen…“ „Der Boden für Terroristen ist gut bereitet, bei Krieg und wenn zu wenig zum Leben ist“, Faymann rührt mit den Händen in der Luft. „Das wäre ja ein sympathischer Zaun, der Leute in den Frieden zurückschickt.“ Ein Trampolin? Ein Gummi-Zaun? Spatzenschleuder? „Die Flüchtlinge kommen ja nicht geordnet daher, die kommen sogar mit dem Fahrrad über die Arktis“, fürchtet sich ORF-Dittlbacher. „Einer wird nach Luxemburg zugeteilt, will aber lieber nach Österreich, dann schicken wir den nach Luxemburg zurück und nicht nach Griechenland“, erklärt Werner Faymann. Österreich ist beliebt! „Schwindeln dürfen die nicht, sonst bleiben die, die brav sind, über.“

kk_zitat_1Ein Feind für alle

„Merkel und Sie sind gegen eine Flüchtlingsobergrenze“, stellt Fritz Dittlbacher fest. „Merkelundich, das ist pragmatischer Realismus“, tönt Faymann, der starke Frauen mag, aber nur, wenn sie von der falschen Partei sind. „Ich lüge nicht. Ich habe niemanden versprochen, dass das Einzäunen von Österreich die Probleme löst.“ Hihi, die Zwergerl bleiben drinnen, rotweißrot bis in den Tod. Und wie dann im Sommer nach Rimini?
„Die Leute sollen bitte schön umdrehen und zu Hause in Frieden leben, sagen viele – das geht nicht.“ Margareta Kopeinig fragt nach der Jugendarbeitslosigkeit und dem Zusammenhang mit den „rechten Parteien“. „Rechte Populisten benutzen Herabwürdigung und Verletzung, das Spiel mit der Angst. Wir haben für alle einen Feind, aber keine Lösung. Habe noch keinen Vorschlag von Le Pen gehört, wie man die Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen könnte. Wer sagt, die Krise sei vorbei, hat nur die Banken im Auge.“ Irgendwie hat Faymann einen ganz eigenen Humor entwickelt. „Wenn Ältere so lange arbeiten sollen, dann muss man auch einen Arbeitsplatz für sie haben. Und gesund müssen sie sein.“

Lonely Planet IS

lp_islamic_800Sie reisten um zu töten! Immer mehr Jugendliche aus ganz Europa gingen 2015 nach Syrien, um sich dem „Islamischen Staat“ anzuschließen. Die für den Jihad rekrutierten Jugendlichen wurden im Laufe des Jahres immer jünger. Im März schlossen sich sogar zwei Siebenjährige dem IS an (ein ÖSTERREICH-Reporter war beim Grenzübergang live dabei). Um den tausenden europäischen Jihadi-Backpackern die Reise zu erleichtern, brachte Lonely Planet eine eigene Ausgabe „Islamischer Staat“ heraus. Wir haben die besten Passagen aus dem Reiseführer:

WHY GO?
Du hasst die westliche Massenkultur? Du trägst lange Haare und Bart, Pauschalreisen sind dir ein Greuel und Indonesien, Bolivien oder Taca Tuca-Land sind dir längst zu mainstream? Wenn du durch ein Land reist, tust du das am liebsten auf der staubigen Ladefläche eines Pick-Ups? Dann ist der Islamische Staat genau das Richtige für dich!

ANREISE
Zu empfehlen sind Flüge nach Istanbul oder Ankara (von zahlreichen internationalen Fluglinien angeboten), von dort geht es dann auf dem Landweg weiter über die türkisch-syrische Grenze. Die Einreise ist einfach, europäische Staatsbürger benötigen für den IS kein Visum. Türkische Grenzsoldaten können in Euro, Dollar oder Zigaretten bezahlt werden. Direktflüge nach Jihadistenwünschen gibt es leider nur ganz wenige, die meisten Flugzeuge im syrischen Luftraum sind zudem unbemannt.

ÜBERNACHTEN
In Mosul, der größten Stadt des Islamischen Staates, gibt es eine Vielzahl an Übernachtungsmöglichkeiten in jeder Preiskategorie. So gut wie alle großen Hotel-Ketten haben hier Filialen (The Shariaton, Killton, Hotel Kalif-Ornia, Bad Western), doch richtige Backpacker bevorzugen natürlich das Schlafen in einer Autogarage oder im Lager eines Gemüsehändlers.

Unser Tipp
Fragen Sie Ahmed vom großen Bazaar in Mosul, er vermietet die Kalashnikov-Geheimfächer seiner Gemüsekarren als Schlafkojen. Die Gewehrkolben kratzen zwar etwas beim Schlafen, aber sonst lässt diese Unterbringungsmöglichkeit keine Jihadistenwünsche offen.

SEHENSWÜRDIGKEITEN
Im Islamischen Staat gibt es nur wenige Sehenswürdigkeiten im herkömmlichen Sinn. Zahlreiche Ruinen bieten jedoch schöne Motive für Instagram-Fotos. Bis vor kurzer Zeit existierten noch zahlreiche berühmte islamische Kulturstätten, diese fielen aber den Kriegswirren zum Opfer. Darunter etwa der Schrein des Proheten Jona in Mosul (vom IS zerstört), das Grab des Propheten Daniel in Mosul (vom IS zerstört), die Hamu Moschee in Mosul (vom IS zerstört), die Khudr Moschee in Mosul (vom IS zerstört), die Al Arbain Moschee in Tikrit (vom IS zerstört), die Jawad Husseiniya Moschee in Tal Afar (vom IS zerstört) oder das Mausoleum von Mohammed bin Ali in Palmyra (vom IS zerstört).

ESSEN & TRINKEN
Auch hier unterscheidet sich der IS kaum von anderen beliebten Backpacker-Destinationen. Während die Ernährung der einheimischen Bevölkerung bescheiden ausfällt, werden für Ausländer die besten Köstlichkeiten serviert. Sogar der kritsche Publizist Jürgen Todenhöfer, der 10 Tage lang den IS bereiste, stellte fest: „Die Brathähnchen schmecken unglaublich lecker“ („Inside IS“, S. 175).

NACHTLEBEN
Was das Nightlife betrifft, ist die Hauptstadt Rakka stark im Kommen. Während aufgrund der veralteten Kampfjets von Assad bis vor einiger Zeit nur untertags Bombenstimmung herrschte, lassen es die Amerikaner nun auch in der Nacht ordentlich krachen.

SPRACHE
Amtsprache im Islamischen Staat ist Arabisch, doch wie Reisende berichten, kommt man mit Englisch sehr gut durch. Viele IS-Bürger haben Englisch sogar als Muttersprache. Auch andere Sprachen (Russisch, Deutsch) werden gesprochen.

Unser Tipp
Die „Silent Disco“ in Ramadi ist ein echter Geheimtipp unter den zahlreichen Expats. Der westliche Partytrend hat nun auch den Islamischen Staat erreicht. Und hier braucht man nicht einmal Kopfhörer – denn Musik ist haram.

RELIGION
Freie Religionsausübung ist im Islamischen Staat nur bedingt möglich. Nach der Sprengung zahlreicher Moscheen gibt es nur noch wenige islamische Gotteshäuser. Dennoch sollte es auch für Muslime möglich sein, ihre Religion zu praktizieren, allerdings nur, wenn sie wichtige Aussagen aus dem Koran wie „es gibt keinen Zwang im Glauben“ (2:256) ignorieren.

SICHERHEIT
Bis auf gelegentliche Massenerschießungen, Köpfungen, Kreuzigungen, Verbrennungen, Ertränkungen, Steinigungen und Hand-Amputationen ist der IS eines der sichersten Reiseländer der Welt. Allerdings, Jihadi-Backpacker aufgepasst: Im November 2013 köpfte ein IS-Kämpfer versehentlich einen Verbündeten.

ÜBER DEN AUTOR
John (36), geboren in Birmingham und aufgewachsen in Leeds: „Seit meiner Jugend fasziniert mich die Welt des Jihad. Während des Studiums habe ich auf meinen Reisen in pakistanische Camps die Kultur des Islamismus lieben gelernt und dafür auch meine linke Hand gegeben. Seither bin ich Schriftsteller.“

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PS Dies ist ein exklusiver Vorabdruck aus unserem aktuellen Besteller „Rekord-Hitze und Jahrhundert-Winter“, zu Instantbestellung geht es hier

Wahlkater in WienZehn: Die Sorge um die Schmuddel-Bezirke

Die Presse schreibt sich ihr politisches Ghetto in den ArbeiterInnenbezirken zurecht

Montag nach der Wahl, Arbeitswege kreuzen wild durcheinander, irgendwo anders auch der vom neuen alten Häuplmeister. Die Wahlergebnisse in meinem Favoriten sind mal wieder irgendwo zwischen SPÖ und FPÖ schockgefroren, die SPÖ ist das Bum-Bum-Eis, in dem der blaue Kaugummi-Stil feststeckt. Das Wahlvolk ist hier seit langem binär, 1100, rot oder blau, kein Platz zwischen den Standln am Viktor-Adler-Markt für Zwischentöne. Grün sind hier nur die Gösser-Dosen. Die Bezirkspartei und ich sind daher heilfroh, dass zumindest die Bim noch verlässlich rot glänzt, und so steig ich in den 67er und such mir einen freien Klassenstandpunkt.

viktor_adler_marktIch studier die Lidl-Wochenangebote, aber um studiert zu tun blätter ich im wöchentlichen Nachrichten-Heftl. Die Wahlreportagen über den Zehnten sind diesmal wieder besonders fatalistisch und tauchen das Grätzl in das schummrige Licht eines Bushido-Videos. Kein Paprika, dessen Preis hier nicht in einem Bandenkrieg verhandelt würde.

Standard, Presse, ORF, alle versuchen sich gerade an einer Psychologie des Randbezirks. Diesmal ist es das PROFIL, das mir vom Thug Life in meiner Gegend erzählt. Von der interessanten „Exotik“ beim Flanieren auf der Favoritenstraße, aber irgendwie bleibe man doch fremd; Die Autorin mit der melodischen Dehnübung als Vornamen wohnt immerhin „seit Kurzem“ da. „Der gemeinsame Wohnort macht aus verschiedenen Lebensweisen noch keine multikulturelle Sause“ weiß sie nach Wochen, Monaten des Embedded Journalism an der direkten Frontlinie zwischen SPÖ und FPÖ zu berichten.

Aber jetzt erstmal, Bam und Bumsti, die Statistiken: Wien10, zweitniedrigstes Einkommen, zweitniedrigste AkademikerInnenquote, es scheint, die BettlerInnen betteln hier noch nicht mal mit Messer und Gabel!

Die rauen, armen, wütenden ArbeiterInnenbezirke wie Favoriten, die werden politisch immer gefährlicher, da bruzzelts nicht nur an der Grillhendlstation. Das Bürgertum hält seine letzte Bastion im schicken Fitness-Center am Columbusplatz, aber das FIT INN grinst schon einpaar hundert Meter weiter bedrohlich herüber. Und wo das Bürgertum, in Österreich schon immer Garant für Frieden und Humanismus, fehlt; wo die Menschen ihre Werte im Discounter kaufen; da ist die Barbarei nur mehr eine Verteilerkreisumrundung weit entfernt.

Favoriten ist groß und alt und die Leute sind noch älter. Marx war alt, Viktor Adler war alt, da ist ein Zusammenhang mit der Sozialdemokratie nur naheliegend. Das beste Wahlergebnis Wiens erzielte die SPÖ daher in einem mobilen Sprengel (das sind Geriatriezentren und Krankenhäuser) in Favoriten. Die Alten sind politischer Faktor und rechnen Steuerreformen beinhart in Malakofftorten um, daher kümmert man sich nirgends so um all die pensionierten Mutter Courages, wie in Favoriten. Und so hält auch die SPÖ hier noch knapp die Mehrheit. Indem sie in ihre letzten Stellungen verschanzt, die Blauen blind mit PensionistInnen bombardiert.

Untertags verhandeln die österreichischen Omas im hinteren Teil des Viktor-Adler-Markts knallhart mit den indischen Standlern über figurformende Unterwäsche. Vor dem Duran, verlässlicher Kulinarik-Spot für das Ur-Österreichische, trinkt man ein Achterl mit der Leberzirrhose des Gegenübers. Im nationen- und schichtenübergreifenden Trubel ist das beliebteste Kulturgut aber schlussendlich der Eismarillenknödel, und auf den können sich vor dem Tichy alle einigen.

KnödelDennoch, das Leben hier ist hart und grau und gefährlich, sagt die Presse, und findet’s irgendwie auch ein bisschen geil. Favoriten, das ist für die Kultivierteren der Jack Unterweger der Bezirke, kriminell, skandalös aber immerhin leicht verrucht. Die U1 donnert zum Glück jederzeit in Richtung weltoffener Innenstadt, wo der Asphalt nicht grau, sondern anthrazit ist. Und wenn man davor beim Hauptbahnhof nicht aussteigt, kriegt man gar nicht mit, dass man gerade am organisatorischen Knotenpunkt einer der größten zivilgesellschaftlichen Bewegungen der letzten Jahre vorbeigefahren ist.

Grundsätzlich sollte man aber selbst bei der Taubstummengasse noch nicht aussteigen. Die Strahlkraft des wilden Südens reicht noch weit in den Vierten hinein, sodass der pubertäre Akademiker den Kragen seines Polos lieber zu einer Drohgebärde aufstellt, wenn er das Theresianum verlässt, um das tägliche Wiedner-Weed für die große Pause aufzustellen.

Ich klapp die Wahlberichterstattung zu und schau mich mitleidig in der Straßenbahn um, während sie am Arthaberplatz vorbeizuckelt. Ich möcht alle da draußen vor sich selbst retten, unmündige Manövriermasse der Rechten! Da erinnert mich das kleine historische Kasterl am Ende des Artikels, dass der ArbeiterInnenbezirk auch ganz anders kann:

„(…) am Wahltag, dem 24. April 1932, dann die Überraschung: Die NSDAP (17,4 Prozent) war den Christlichsozialen (20,2) nahe gerückt, die Sozialdemokraten hatten gegenüber ihrem Rekordergebnis von 1927 nur einen Prozentpunkt verloren. Die Nazis triumphierten vor allem in bürgerlichen Bezirken mit hohem Beamtenanteil wie Wieden, Josefstadt und Währing, wo sie mit Ergebnissen an der 20-Prozet-Marke die Christlichsozialen sogar überholten. Am schlechtesten schnitt die NSDAP in den Arbeiterbezirken Favoriten (10 Prozent) und Simmering (7,3 Prozent) ab.“

Favoriten, Bollwerk gegen den Faschismus? Das is schon so lang her, dass nicht mal mehr meine Oma weiß, wie schlimm’s war. Da war der Häupl vielleicht noch nicht mal Bürgermeister. Die Vassilakou noch nicht mal ausgesäht. Und Straches Kopiervorlagen haben auf ihren Wehrsportübungen schon mal mit polnischen Landkarten gespielt. Bleiben also die großen Fragezeichen der Geschichte:

Wieviele Geriatriezentren braucht es, um die Stadt zu retten?
Was passiert, wenn man die John-Otti-Band in eine Badewanne voll mit Blausäure setzt?
Und wäre Marty Mc Fly je in einen Bezirk zurückgereist, in dem er „Schwebebrett“ sagen müsste?

DENKT DARÜBER MAL NACH vor dem nächsten Kreuz!

Gar nicht exklusiv für Hydra entstandener Text von Bibi Kaufmann, wer mit ihr über das Thema diskutieren will, tut das am besten hier.