Archive for the ‘News’ Category

Atmosphärische Störung

Posted by on April 3rd, 2012

Hallo,
mein Name ist Olaf Plombe und ich arbeite seit einiger Zeit für ein Online-Magazin. Daneben suche ich nach weiteren Plattformen für eine Zusammenarbeit und fand dabei Hydrazine. Ich finde es wirklich gut und würde gerne Beträge einsenden.

lg
olaf

Olaf, Olaf, Olaf,
tsssstss, also wirklich, Olaf, also ehrlich … tsss … da könnte ja jeder kommen. Und stell dir das mal vor! Da kommt dann jeder. Und dann ist jeder da. Und was dann? Was macht man dann, wenn alle da sind, Ha!? Stehen die dann alle so rum? Trinken die dann alle so Rum? Sind die dann besoffen oder was? Und das soll auch noch witzig sein?

Also ich denke, da hast jetzt schon mal einen Einblick in das, was dich erwartet bei der Hydra … keine Kohle, kein Ruhm, nur Unfug, Gemeinheiten und … Rum. Klar. Wenn du dafür bereit bist, dann immer her mit deinen Texten …

lg
curt cuisine

Problem
…………… der Funkv ………………. Ich versuc ……… zu stabil .. ieren ………. Energiereserv … bei null- Wiederhole bei null …………………………………………… …………………………………… Mein ::::: Schifffffffffffffffffff wird ald den Ereignishorizont passier ——— Letzte Chance für Nachricht ———— Viellei …… hjhjh  die Argo …….. Schwarz ….. Loch sichern ….. dfngnnniodfn bedeuten ……. Jahrzehnte für eine Nachricht hinaus brauchen. Trotzdem viel Spaß mit dem Text. Ich will nur wissen ob er so gut ist und nicht komplette Sch … an eine Veröffentlichung denke ich eigentlich gar nicht. Obwohl ich über eine Absage sehr weinen würde.

lg
olaf

Herrje, Olaf,
die Einstellung, einen Text zu schreiben, der bitte nicht erscheinen möge, ist die grundsätzlich falsche. Also klar, du kannst natürlich ein versponnener Literat sein, der nur für sich selbst schreibt und irgendwann in 234 Jahren von einer Horde unterbeschäftigter Literaturwissenschaftler entdeckt und zum Weltliteraten aufpoliert wird. Aber wenn du mit dem, was du machst, irgendwo hinkommen willst, solltest du deinen Text so ziemlich jeden auf die Nase binden, der dir wichtig ist. Wenn man zu den eigenen Sachen nicht steht, dann landet man maximal irgendwann auf dem großen Scheiterhaufen der anonymen Poster …

lg
curt cuisine

Ein Gravitationsl
.. ch ……….. kann .. senden . bsssssssssssssssssssss wird … alles erd ….. huihuhuihu tun damit nachricht durch komm …….. lieber Curt, danke für deine Nachricht. Ich weiß, du glaubst mir nicht, ich glaube es mir auch nicht und meine anderen Redakteure sowieso nicht. Überhaupt vertrete ich schon seit Jahren eine ähnliche Philosophie, wie du sie mir angeraten hast. Ich bin Konsalik verdammt! Eine Frage hätte ich noch: Soll ich aufhören so zu tun als würde ich meine Mails aus einem Raumschiff heraus schreiben, das in einem schwarzen Loch hängt. Oder geht euch das am Keks?

vlg
olaf

Mein guter Olaf,
wer in einem Raumschiff unterwegs ist, Äonen durchbraust, mit Aliens auf Du und Du ist und dann Empfangsprobleme hat, der ist eigentlich ziemlich arm dran, oder? All diese Technik und dann nicht mal ein gerader Satz im Äther … bzw. runtergebrochen auf die Comedy (Mario Barth mit drei Krücken, pruhahaha): Man kommt auf die Pointe, die du mir da anbieten willst, im Traum nicht drauf. Weil man über drei Ecken denken müsste, um sich das zusammen zu reimen. (Ah, ja, Funkstörungen, ah ja, Raumschiff, ah ja, hängt in einem schwarzen Loch, ah ja, und der Funker bohrt gerade in der Nase, ah ja, und die Nase hängt in einem Raum-Zeit-Kontinuum fest, ah ja … )

Und genau das ist leider auch das Problem mit deinem Text, Mr. Konsalik. Der hinkt über drei Ecken, weil er sich ständig in irgendwelche Nebenschauplätze verirrt, ohne dabei der Leserin eine Grundorientierung zu bieten. Wer ist der Erzähler, was tut der Eine beim anderen, warum schaut man gemeinsam Werbefernsehen, und wenn dann schon das Werbefernsehen im Vordergrund stehen soll, warum braucht es überhaupt die komplizierte Hinführung zum Thema? Oder: was hat man von einem schönen Satz wie „der Wind ohrfeigte die Äste“, wenn diese Umgebungsbeschreibung in der ganzen Geschichte völlig für den Hugo (den vom Werbefernsehen nämlich) ist?

Nicht, dass eine Geschichte nicht auch mal ausfransen darf, aber man weiß die ersten drei Absätze überhaupt nicht was los ist … und wenn dann die Geschichte mit dem Werbefernsehen endlich losgeht, hat man schon so Schwierigkeiten, in den Text reinzufinden, dass man eben auch in diese beschissene Werbesendung nicht reinfindet. Was auch an den Tippfehlern/sprachlichen Schwächen liegt. Ich zitiere dir mal einen Satz aus deinem Werk, lies ihn aufmerksam: “Kricket begeisterte die Teile des Commonwealth bewohnen stellen sich bitte als Vergleich florentinischen Fußball vor und die Fans des florentinischen Fußballes wiederum Kricket.” Kennst du dich aus? Ich nicht. Als Leser wünsche ich mir, dass ich zum Wind werde und du ein Ast bist.

Wenn du mich also fragen würdest, ob du zum Dichter oder Comedian geboren bist, dann würde ich sagen: Mmmmmmmmmnnnaaaajaaaaa … weißt du was, frag bitte lieber jemand anderen!

ein herzlichstes sorry,
curt cuisine

6 aus 45!

Posted by on März 21st, 2012

Letztes Jahr startete Hydra den Aufruf zum kollektiven Schund-Geschichten-Schreiben, die Protagonistin der erotischen Geschichte stand von Anfang an fest: Frau Lotte Zusatz-Zahl steht im Mittelpunkt des Geschehens. Die Gute ist 45 Jahre alt, die Assistenz der Geschäftsführung in einem Großhandelsbetrieb für Kunststoffrohre (ein Schelm, wer hier an Rohrverlegungen denkt) und tanzt in ihrer Freizeit gerne Salsa.

Zu ihren Hobbys zählen zudem CSI Miami schauen, im Internet flirten, ihr Cockerspaniel, ins Casino gehen und Roller-Skaten auf der Donauinsel. Ach ja, und ihr Lieblingslied ist ‘Hold the Line’ von Toto. Auf www.sexfick.at – ja, wirklich – durfte man die letzten Wochen und Monate beitragen, dabei sind 23 Kapiteln auf 96 Seiten entstanden, auf denen sich Lotte Zusatz-Zahl ordentlich austoben durfte.

Vom Stationsaufseher bis zum Wurstprinzen

Lotte Zusatz-Zahl kommt im Hydra-Schundroman nicht zu kurz, der freundliche Stationsaufseher oder der Wurstprinz Hans verwöhnen die Single-Dame. Leicht lesen sich die einzelnen Geschichten, sind unterhaltsam, manchmal mit Klischees gespickt, gut geschrieben und malen gemeinsam ein recht stimmiges Bild von Lotte. Schundromane sind ja sowieso eine Klasse für sich, und meist ungewollt äußerst komisch, hier durfte man sich aber mal so richtig austoben, was zu häufigem Schmunzeln führt. Sex mit 45 ließt sich locker leicht, am besten in der Sonne, am Strand, in der Ubahn oder an einem verregneten Sonntag, der uns ganz besonders an Lotte denken lässt. Eine herzliche Empfehlung.

6 mit 45
96 Seiten
ISBN 978-3-9503097-3-7
© HYDRA & Holzbaum Verlag, 2012
6,45 Euro

6 mit 45 gibt es ab April im gut sortierten Buchhandel zu kaufen bzw. ab sofort im Shop der http://www.komischekuenste.com/

bzw. lies sofort rein unter

 

Ein ganz herzliches Dankeschön für diesen Text an stadtbekannt.at bzw. siehe http://www.stadtbekannt.at/de/magazin/skurriles/lotte_-sex-mit-45.html

Grinebitter 2012

Posted by on März 1st, 2012

Wie jedes Jahr strömten auch heuer wieder hunderte Teilnehmer aus ganz Europa – und immer öfter auch aus Amerika, Kanada und sogar aus Asien – in das kleine 500-Seelendorf Angwalk im Norden Norwegens, um hier den begehrten Titel des „Grinebitter“, des Miesepeters, Grantscherbens, Stinkestiefels, kurz: des schlecht gelauntesten Menschen der Welt zu erheischen.

Angwalk ist ein verschlafenes Dörfchen tief in einem norwegischen Hinterfjördwald. 2001 brach hier zwischen zwei Nachbarn, Mats Alert Gustavsson und Are Fjubackson ein morgenmuffeliger Streit aus. Die Sache eskalierte schnell, jeder warf den anderen an den Kopf, er sei der grantigere und unerträglichere. Der ursprünglich negativ konnotierte Begriff des „Grinebitter“ schlug allerdings ins Positive um, als ein Dritter herbei kam, der Bürgermeister Per Ale Langbleddern. Langbleddern schlug vor, die Dorfgemeinschaft entscheiden zu lassen, wer denn nun tatsächlich der ungenießbarste Zeitgenosse sei. Doch als sich ein gewitztes Angwalker Gremium auf eine Handvoll Spielregeln einigte, um dieses Attribut zuverlässig zu ermitteln, meldeten sich plötzlich Menschen aus den Nachbardörfern. Es sei nicht einzusehen, so der entrüstete Tenor, warum sich nur Gustavsson und Fjubackson als die grantigsten Menschen des Landes erweisen sollten.

Seither wurde der „Grinebitter“ zur nicht nur in Norwegen begehrten Trophäe – was nicht zuletzt den eigenwilligen und publikumswirksamen Wettbewerben zur Erlangung derselben geschuldet ist. Etwa muss jeder Teilnehmer vor Jury und Publikum eine Stunde lang ununterbrochen Argumente aufzählen, warum „einfach alles Scheiße“ ist. Nicht die virtuoseste „Wordrap“-Performance zählt hier jedoch, sondern der glaubhaft gemachte Weltekel.

Ein weiterer Wettbewerb besteht darin, an einem mit Köstlichkeiten reich gedeckten Tisch Platz zu nehmen. Unabhängig aller Gaumenfreuden muss jedoch jede einzelne Speise, jedes Stück Gebäck, das Besteck, die Servietten, jedes noch so nebensächliche Details dieses Mahls in Grund und Boden genörgelt werden. Jean-Francois Cactus, dem Preisträger aus dem Jahr 2007, gelang es sogar, die erlesenen Gerichte angewidert hoch zu würgen.

Als eine der härtesten Prüfungen gilt die „Nachtgrantwache“. Der Schlaf der Teilnehmerinnen wird mittels Videoaufzeichnungen überwacht, wobei durch Geräusche und Irritationen für einen äußerst unruhigen Schlag gesorgt wird. Wahre Semifinalisten nörgeln nämlich noch murmelnd im Schlaf. Um jeglichen Betrug durch bloße Schaustellerei auszuschließen, wird dieser Wettbewerb drei Nächte hindurch ausgeführt. Nur die Performance am Ende dieser 72 Stunden zählt!

Ebenfalls eine absolute Hardcore-Prüfung ist der Freundschaftstest. Wer wirklich ein Meister des Grantelns sein will, der nimmt auf Freunde (und ehemalige Freundschaften) keine Rücksicht. Erbarmungslos wird kritisiert, destruktiv herumgemeckert und im Idealfall möglichst öffentlich angeschwärzt, was durch ein kurzes, direktes Wort unter Freunden problemlos aus der Welt geschafft werden hätte können. Ein „Grinebitter“ von Schrot und Korn pfeift seine Freunde wegen der lächerlichsten Nichtigkeit an und besteht bei Hausbesuchen auf der Rückerstattung des verbrauchten Klopapiers.

Besonders heimtückisch ist auch der Geschenke-Contest. Da seit 2005 reichlich Sponsoren (und die wie Mastgänse ausgenommene Besucherinnen) den Wettbewerb und Angwalk selbst praktisch vergolden, leistet man sich einen Wettbewerb, bei dem den Teilnehmerinnen mehrere Geschenke angeboten werden. Der Clou daran: Eines dieser Geschenke ist real (etwa diverse Aktien, ein Kleinwagen, eine Mittelmeerkreuzfahrt) und würde dem Teilnehmer tatsächlich gehören – wenn er es denn annehmen würde. Aber natürlich ist der Wettbewerb damit verloren. Ein echter „Grinebitter“ nimmt natürlich keine Geschenke an, sondern spuckt noch auf die Hand, die ihm Gutes will.

Zum heurigen Bewerb, der Mitte Februar in Angwalk über die Bühne ging, reisten erneut mehr als 250 Teilnehmerinnen an. Allerdings kamen nur etwa zwei Drittel an, der Rest wurde unter anderem von Mitreisenden aus dem fahrenden Zug geworfen oder blieb schmollend an stillgelegten Tankstellen hängen. Den Titel des „Grinebitter 2012“ errang der Kanadier Arty Short, der seine Teilnahme zwischen zwei Selbstmordversuchen gerade noch mal so einrichten konnte. Grantigste Frau wurde die Duisburgerin Heike Möller, die als Verschickerin von mehr als 230.000 Beschwerdemails an diverse Versandhauskataloge zuvor bereits internetweite Berühmtheit erlangt hatte.

Bester Österreicher wurde Michael Muckeneder auf Platz 16. Er ist Beamter und ehemaliges BZÖ-Mitglied. Mit Eduard Frotteur reiste auch ein passionierter Nörgler mit einer gewissen Hydra-Affinität nach Angwalk (er stritt allerdings schon vor der Abreise jede Beziehung oder sonstige Verstrickung mit diesem „Drecksprojekt“ ab). Frotteur belegte den guten 34. Rang, wurde jedoch, nachdem er diesen zugeteilten Rang und den gesamten Wettbewerb (inkl. der Berichterstattung darüber) für „unwitzigen, hirnlosen Dreck“ bezeichnete, umgehend für das kommende Jahr erneut eingeladen.

Für Hydra berichtete Konrad Gregor jr.

Sherlock Bones & Co.

Posted by on Februar 14th, 2012

Sherlock Bones
Özzü und Ugahak leben zusammen mit 50 anderen Neandertalern in einer schnuckeligen Steinzeithölle. Tagsüber gehen die Männer auf die Mammutjagd, während sich die Frauen um den keulenschwingenden Nachwuchs kümmern. Nachts werden die gefügigen Weiber auf dem felligen Lager besprungen. Alles scheint seinen gewohnten Gang zu gehen. Doch eines Tages finden Özzü und Ugahak die vollbusige Uffuffi erschlagen am Höhleneingang liegen. Wer hat Uffuffi wohl erschlagen? Dumpfe Ratlosigkeit und wildes Gebrülle in der Höhle. Die Männer trommeln grunzend vor Zorn mit den Fäusten auf ihre behaarten Brustkörbe. Doch dann beginnt Ugahak mit detektivischem Gespür erste Indizien zusammenzutragen. Aus einem Säbelzahnknochen bastelt er sich eine Pfeife und aus einer Widderblase eine Lupe. Von nun an entgeht nichts mehr seinem investigativen Scharfsinn. Nach einer wahren Begebenheit.

 Sherlock Bones
Robert Jr. Trisome
A6, 2.359 Seiten
24,80 Euro, Verlag die Keule

CSI Kathargo
Wir schreiben das Jahr 203 vor Christus. Attila und Eumenes arbeiten beim bithynischen Morddezernat in Kathargo. Attila ist ein zerknautschter, gemütlicher Mittvierziger, der auch in seiner Freizeit gerne Sandalen trägt und seine Frau nur sonntags schlägt. Eumenes hingegen ist ein Jungspund von der römischen Reichsakademie, der seinen neuen Kollegen immer wieder mit innovativen Ermittlungsmethoden aus der Reserve lockt. Eines Tages entdecken sie die Spur eines Serienkillers, die sich quer durch Europa zieht. Bis in die Alpen hinein entdecken die beiden Ermittler die Leichen von athletischen jungen Männern. Nichts scheint diese Morde miteinander zu verbinden mit Ausnahme eines Details: Warum finden sich stets Elefantenfußstapfen in der Nähe des Tatorts? CSI Kathargo – ein kniffliger Krimi in innovativem Setting.

CSI Kathargo
Hannibal A. Portas
A5, 666 Seiten
14,80 Euro, Rüsselbooks

Verschlampung
Sasha Grey, Ginger Jolie und Arianna sind drei entzückende Pornostarlets und allerbeste Freundinnen. Eines Tages kommen sie beim Einkauf von sexy Dessous einem internationalen Waffenschieberdrogenorganhandeltierquälerkartell auf die Spur. Ab sofort nutzen sie jede frei Minute zwischen den atemberaubend aufreibenden Pornodreharbeiten für Ermittlungsarbeiten in diversen einschlägigen Milieus. Mit viel Herz, überraschend logischem Denken und reichlich kurvigem Elan gelingt es ihnen die Bösewichte aufzustöbern und sie nach einer dreistündigen Gangbangbestrafung den Behörden zu übergeben. Mit vielen bunten Farbfotos.

Verschlampung
David D. Dassél
A2, 66 Seiten
24,80 Euro, Edition Hardcore

Mehr Buchtipps für Hardcore-Krimifans dann wieder in der Herbstsaison.

der buchhändler der herzen

Posted by on Januar 24th, 2012

Es begab sich vor vielen, vielen Jahren, als die Hydra-Redaktion noch knusprig anzusehen war und ihre Haare bis zur Stirn reichten. Da schrieben sie wie die Wilden (sog. Junge Wilde) und niemand wollte es kaufen. Es marterte sie gar grässlich und ihre Herzen wurden klein und hart wie die Lebern, die sie alle hatten (und manche noch haben (1)).

Man legte eine dicke Mappe mit Absageschreiben und Telefonprotokollen von Absagen an und stellte sie dem Ältesten ins Regal. Der war darob so erbost, dass er die anderen mit der Absagenmappe drosch, dass die Funken stoben und der Witz spritzte (sog. spritziger Humor(2)). „Geht hin, meine Schreibaffen! Geht hin und findet einen Mensch, der sich unserer erbarmt und unserer Werke!“ So zogen sie aus, ein jeder und eine jede nach seiner oder ihrer Facon.

Als dem Dicksten – er war der Dickste, weil er am häufigsten gedroschen wurde – besonders traurig zumute war und dicke Tränen seine Pausbacken hinabkullerten, kam ein Mann vorbei und frug: „He Dicker, warum so ein dickes Gesicht?“ und der Dicke schniefte und erzählte es ihm und schneuzte sich. Das rührte an der Kaufmannsseele des Wanderers und er sprach: „Na, das kömma schon machen!“ Und siehe, er erbot sich und seine Literakarawanserei. So kam es, dass der Fremde den Dicken von den Ketten des Schimpf und der Schande befreite und sie fürderhin inmitten von lesbaren Viktualien feilbot. Dank sei ihm und sein Name nie ausgelöscht im Firmenbuch der Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft.

Der Alte, hoch erfreut über die glückliche Kunde, sprach: „So sei es, Fremder! Du sollst den Namen Kettner tragen!“ und wer dich erinnere oder frägt, dem sage „Den Namen hat mir der Alte gegeben, weil ich mich um seinen Dicken kümmerte.“

Fußnoten: (1) Obacht, Doppeldeutigkeit! Hier lachen; (2) siehe 1

 

Die Kritik des Schimpfens (Hydra, Hg.) ist bei Walter Kettner

http://www.buecheramspitz.com/

BÜCHER AM SPITZ,
Am Spitz 1,
1210 Wien

erhältlich.

Außerdem übrigens u. a. bei den Komischen Künsten im MQ und in der Fachbuchhandlung des ÖGBs in der Rathausstraße 21.

http://www.komischekuenste.com/
http://www.oegbverlag.at/servlet/ContentServer?pagename=V01/Page/Index&n=V01_4.3
Autor: Max Zirkowitsch

Digitale Posen 2012

Posted by on Januar 7th, 2012

Veeing
Das Internet ist die große Mutter! 2012 kriechen wir alle zurück in ihren Schoß. Und wieder heraus. Und wieder zurück. Fotos, auf denen User zwischen den Beinen hübscher oder weniger hübscher Menschen auftauchen, sind 2012 der abgeschrägteste Selbstperformertick. Wer sein Konterfei auf facebook “veet”, der sagt damit: “Das Internet geht mir diese Woche gehörig gegen den Strich, warum nicht einfach mal wieder einen Spaziergang machen, aber keine Sorge, das ist nur eine Laune, morgen bin ich wieder den ganzen Tag ohne Unterbrechung online, aber jetzt leckt mich mal am Arsch!“ Trotzdem hat Veeing natürlich absolut keinen Sinn, sonst würde es ja kein Trend werden.

 

Passiving
Passives Naschen ist ein jetzt schon unübersehbarer Trend. Wer fett, korpulent, unansehnlich oder ganz einfach nur eine blade Sau ist, ist es 2012 vor allem deswegen, weil er den falschen Umgang hat. Unmäßiges Essen, insbesondere Naschen, ist nachweislich ansteckend und verpestet somit die zwischenmenschliche Atmosphäre. Und gerade dort, wo man einer perfiden Einladung zum Naschen widersteht, ist passives Naschen am gefährlichsten. Denn Naschverweigerung erhöht die Stresswerte und führt unmittelbar, direkt und sofort zu vorzeitigem Tod. Dasselbe gilt übrigens auch für passives Langweilen, passives Nasebohren, passives Eierkratzen und passives Sich-unsexy-fühlen. All das wird 2012 unausweichlich zum Trend.

 

NLSing
Fotos, auf denen nur verschwommene Pickel zu sehen sind? Der eigene Fuß im Backrohr fotografiert? Vom eigenen Atem beschlagene Schaufensterscheiben als Profilbild? Das letzte Foto der Kamera mit Selbstauslöser, bevor sie in den Fluss gefallen ist? Richtig! Das nennt sich „Next Level Shit“ und wer 2012 etwas auf sich hält, lässt sich verdammt noch mal etwas einfallen für seine visuelle Onlinepräsenz. Oder klaut zumindest von wirklich kreativen Köpfe einige wirklich nutzlose Ideen. Zum Beispiel das eigene Handy hacken um die eigenen Bilder auf die eigene Website zu leaken. Was man dann als Gerücht auf facebook ausstreut. (So haben schon manche Leute Millionen verdient. Wirklich!)

 

Antiing
2012 sind die User gegen alle Trends, die ihnen von Trendsettern, Trendagenturen, Trendscouts, Trendnibletts und Trendfriends vorgebetet werden. Wird irgendwo auch nur der geringste Trend oder Hype oder auch nur ein Funken Coolness deklariert, gilt automatisch jeder, der dabei war, als uncooles, trendverhurtes Drecksarschloch, das nun aber wirklich bei jedem noch so platten, einfallslosen Mainstream dabei ist. Das einzige, das 2012 nahtlos cool bleibt, sind bloße Gerüchte. Zum Beispiel: Dass eventuell irgendwo eine Brubru-Tour stattgefunden haben könnte, bei der man beinahe dabei gewesen wäre, wird im Dezember 2012 das geilste Ereignis des Jahres gewesen sein. Garantiert.

 

Satyring
Etwa Mitte 2012 werden die letzten Banken Pleite gehen. Europa landet in der Krisenzwangsjacke, Massenselbstmorde von Börsenspekulanten werden zum fröhlichen Alltag gehören. Und bald auch werden erste Analysten von den ökonomischen Vorteilen eines Weltkriegs sprechen. Dann, ja genau dann ist ohnehin schon alles wurscht. 2012 engagiert man sich darum nicht mehr für ein soziales Projekt, sondern geht zur Hydra und lebt rücksichtslosen No-Future-Zynismus aus. Etwa bei der großen Hydra-Aktion „Ohrfeigen für Passanten“. Oder bei unserem Verdauungsmysterienspiel „Brechreiz bei McDonalds“. Oder ihr bastelt Flaggschiffe für die virtuelle Eröffnung unseres erstens Flagship-Stores am Wiener Graben. Und vieles mehr…

BINGO: Episode 69!

Posted by on November 10th, 2011

EPISODE: 69!

„Mutter?!“ – „Ja genau, mein Schatz, ich bin kurz vor Hütteldorf! Überraschung sozusagen!“  Lotte verdreht die Augen und erwidert mit leicht genervter Stimme: „Ach, wie ich deine Überraschungen liebe!“ – „Ich freu’ mich auch sehr, dich zu sehn“, ertönt es von der anderen Seite der Telefonlinie.

Lottes Mutter Lisa war seit dem Tod ihres Mann Herbert – Gott hab’ ihn selig! – wie ausgewechselt. Es schien, als hätten die Jahre, in denen sie ihren krebskranken Mann pflegte, die Augen für die Kurzlebigkeit der menschlichen Existenz geöffnet. Sie fing an, weit weit weg auf Urlaub zu fliegen – mit Herbert wäre das ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Sie trat einer EDV-Schulung für Pensionisten bei und hatte sich sogar einen Twitteraccount angelegt. Und sie liebte es, Lotte mit kurzfristig angekündigten Besuchen zu „überraschen“.

„Dingdong“ tönt es von der Tür, während Lotte mit einer Hand im Waschbecken steckt, um eine Verstopfung zu entfernen, und mit der anderen Hand noch eine minimale Staubschicht, die kein Jugendlicher der Welt als solche erkennen würde, wegzuwischen. „Ich komme schon, Mutti!“ – „Mei, du Liebe, ich hab dich schon so vermisst, ich musste dich einfach sehen, außerdem hab’ ich auch was vor in Wien, aber hilf mir erst einmal meinen Mantel auszuziehen … setzen wir uns doch ins Wohnzimmer.“

Bevor Lisa verrät, weswegen sie eigentlich gekommen ist, muss sie noch die wichtigsten Infos aus der Ortschaft loswerden. Siggi, der Bürgermeister, war vom Landeshauptmann geehrt worden, und Tante Gitti soll in der Kirche einen Schwächeanfall bekommen haben, der die gesamte Pfarrgemeinde erschüttert hat. „Sogar ein Krankenwagen war da, aber der polnische Pfarrer hat nur ‚Keine Sorgen, keine Sorgen’ gerufen und Tante Gitti zu zwei Runden Rosenkranzbetten eingeteilt!“ Lottes Augen rollen leicht gelangweilt nach oben.

„Aber jetzt, meine Kleine, möchte ich dir verraten, wieso ich nach Wien gekommen bin: Ich habe angefangen, Bingo zu spielen.“ – „Bingo!?“ Lotte lacht: „Mama, das ist doch nur was für Leute, die auch gar nichts mit ihrem Leben anzufangen wissen“ – „Na, na, sei nicht so voreingenommen mein Kind. Ich bin zwar alt, aber ich weiß noch immer was Spaß macht und wo man sich amüsieren kann. Du kommst heute mit, bitte schön.“ – „Na gut, Mutti, ich hab ja eh nichts vor. Und vielleicht wird es ja auch lustig, aber ich sag dir gleich, ich hab’ keine Ahnung, wie man das spielt.“ Lisa lächelt gönnerhaft. „Kleines, das ist gar kein Problem. Die werden dir vor Ort schon alles beibringen!“

Kurz vor acht machen sich beide auf den Weg ins Café „Latte“. Bei ihrer Ankunft hat sich schon ein Grüppchen von gut 30 Personen versammelt, die auf sieben Stehtische verteilt munteren Smalltalk führen. Um Punkt neun Uhr klimpert ein Mann um die 40 an seinem Glas und heißt die Gäste willkommen. „Ich bin der Hans … für alle, die mich noch nicht kennen!“ – „Hallo Hans!“, kommt es erwartungsfroh von den Stehtischen. „Und ich grüße euch alle recht herzlich. Ich hoffe, es haben sich schon die einen oder anderen Pärchen gebildet. Wenn noch jemand frei sein sollte, bitte ich die Hand zu heben.“ Da Lisa heftig in eine Konversation über Zahnhaftcreme mit einem Lotte unbekannten Mann steht, hebt sie die Hand und blitzartig kommt schon der 24jährige Thomas, ein Student, wie sie später erfährt, zu ihr und bietet seine Dienste an.

Erst jetzt bemerkt Lotte, dass eigentlich keine Stühle vorhanden sind, bloß Gymnastikmatten an der Seite. Fragend blickt sie zu ihrer Mutter, doch die erwidert ihre Frage nur mit einem nickenden Blick und lächelt.

„So, Leute, lasst es uns angehen!“ Während Hans diese Worte spricht, lässt er seine Hosen fallen. Lotte bemerkt, dass er damit nicht alleine ist. Alle Gäste lassen ihre Hüllen fallen. Bange fragt sie Thomas: „Was soll das?“ Der antwortet kurz: „Du hast keine Ahnung, oder? Zieh dich einfach aus und ich erklär’ dir alles!“ Zögernd willigt Lotte ein.

Hans beginnt aus einer schwarzen Kiste Bingokugeln zu ziehen. „Nummer 69“, verkündet er. Ein allgemeines Gelächter geht durch den Raum. Lotte schaut sich verwundert um. Alle Pärchen nehmen die Position „69“ ein und geben sich dem Geschlechtsakt hin. „Bist du bereit?“, fragt Thomas vorsichtig, Lotte erwidert: „Hehe, klar, aber ich liege oben!“

Nach 15 und etlichen „Ohhs!“ und „Ahhhs!“ ruft Hans „47“. Lotte verwundert: „Wie geht denn die?“ Thomas antwortet: „Kneel and conquer, baby! Knie dich einfach hin!“ Er hingegen kniet nur mit dem linken Bein, das rechte hat er angewinkelt. So umschlingt er Lottes Oberschenkel und fährt mit seinem erigierten Penis ihn ihre Scheide. „Ohhhhh!“ Lotte schließt die Augen und lässt sich treiben. Das von überall kommende, andauernde Stöhnen treibt sie in ungeahnte Höhen.

Es folgen noch Zahlenkonstrukte wie „53“ oder auch „Lazy lie-in“, bei der Lotte vor Sinnlichkeit fast zu quicken beginnt , die „39“ alias „Lover’s Limbo“, bei der Hans für alle, die es für nötig empfinden, eine Runde Viagra ausgibt . Oder die „13“, auch bekannt als „Tongue twister“, bei der Thomas sie an Stellen berührt, die vorher noch nie ein Mann zu berühren in der Lage war. Schließlich die „35“ aka „the love bullet“, bei der Thomas Lotte den letzten Schuss seines Liebessaftes hinein schießt.

Nach gut zwei Stunden Herumgerammle ist der gesamte Raum in Liebesschweiß getränkt und eine für Lotte unbekannte Wärme, die durch die unzähligen Partnersexakte entstanden ist, breitet sich aus. Thomas flüstert Lotte Ins Ohr: „Gruppensexorgien sind doch echt das Geilste wo gibt!“ Lotte erwidert: „Bingo, Kleiner!“

[Bartlomiej Szatkowski]

PS Ihr könnt immer noch mitschreiben! Informiert Euch unter http://www.sexfick.at/

 
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