Archive for the ‘Mustard’ Category

die goldene klobürste

Posted by on Januar 5th, 2011

die goldene klobürsteLetztendlich läuft alles auf eine goldene Klobürste hinaus. Ich meine, das ist die letzte Bastion, die endgültige Gewissheit. Man ist entweder ein Typ für goldene Klobürsten oder man ist es nicht. So einfach ist das. Die goldene Klobürste ist der Beweis für Gottes Inexistenz. Weil es Typen gibt, die sich am Ende auch noch eine goldene Klobürste anschaffen, die sich das nicht nur leisten können, sondern die das einfach können, weil es möglich ist … dann ist alles aus. Eine Welt, in der goldene Klobürsten existieren, in so einer Welt ist kein Platz für einen Gott … nicht einmal als Kloputzfrau aus Ecuador oder Mazedonien. Nein, keine Chance!

Ich meine, gottverdammt, da hat man sich also die Villa ausstaffiert mit Stuck und Marmor, kleine Cupidorotznasen tanzen um die Garageneinfahrt herum, im Keller das Dampfbad mit angeschlossenem Sportbecken und natürlich ist der ostseitige Wintergarten nicht bloß mit ausfahrbaren Markisen ausgestattet, nein, das Scheißding lässt sich auf 300 Quadratmeter aufblasen! Hat hier jemand was von einem Gärtner gesagt? Ein Scheißgärtnerzinshaus und ein Scheißputzfrauendiensthaus und ein Scheißchauffeurdiensthaus stehen auch noch auf dem Grundstück. Und in der Villa hängen die Gauguins neben den Chaissacs, und die Van Goghs neben den Klees, und ein verfickter Liechtenstein sowieso. Um am Klo schließlich, weil man ja nicht einfach so in einem ästhetischen Nirvana kacken kann, am Klo findet sich die verfickte, die goldene Klobürste.

So ist das. Man muss sie nicht haben, um ein goldener Klobürstentyp zu sein. Es reicht, sie haben zu wollen. Darum teilt sich die Menschheit in zwei Kategorien ein. Die mit und die ohne. Die, die wollen, und die anderen … das wurde uns nur zu deutlich bewusst, als wir unlängst vor diesem Riesenhaufen Scheiße standen … wir, das waren Zirkowitsch und Klug, Pampfinger und Sofinger, Ramm und dieser Kellner (hab’ jetzt vergessen wie der hieß), außerdem der heilige Andreas mit seinem Bart, und all die anderen, auch die hübschen Mädels, na, ihr wisst schon, die Clique eben, das Rudel, die Panzerknackerbande … gemeinsam standen wir also vor diesem riesengroßen Haufen aus Scheiße … Mann, war der riesig! Dieser Haufen war so groß, ich fass’ es gar nicht, ist kaum zu beschreiben, man konnte nicht einmal diese Scheißsonnenfinsternis sehen, so groß war der! Und auf jedem Häufchen Scheiße stand ein kleines Zettelchen mit dem Titel: „Mein Vorsatz für das Jahr 2011!“

Lange Zeit waren wir ratlos, standen wir einfach belämmert da, überfordert von diesem Augenblick, wie bei unserer ersten Butterfahrt, ihr wisst schon … das ist, wenn Burschen zu Männern und Mädchen zu heißen Bräuten werden. Wir waren wie paralysiert. Aber dann ging einer los, schwenkte seine Klobürste und sagte: „Es hilft nichts, da müssen wir durch. Diese Scheiße muss weg. Wollen wir uns das ganze Jahr über tyrannisieren lassen von diesem Kult, dass irgendetwas passieren muss? Dass wir irgendetwas zu vollbringen haben! Diese Erfolgstress-Businessclass-Zampano-Arschfick-Geschichte? Ich frage Euch!“

Ja, er fragte uns. Und er hatte natürlich recht. Wollen wir uns davon tyrannisieren lassen? Nur weil wir Scheiß-Euro-Payer sind? Wollen wir uns das bieten lassen? Wollen wir das mit uns machen lassen? Nein, wollen wir nicht. Denn wir müssen nichts. Wir müssen gar nichts. Wir dürfen einfach nur … so sein, wie wir sind. Keine verfickten Vorsätze! Keine Pläne! Keine Vorhaben!

Aber dann sah ich, dass einer der Jungs seine Klobürste nicht heben wollte. Er drückste ständig damit herum, hielt sie hinter seinem Rücken versteckt. Ich sah noch mal hin. Und da leck mich doch am Arsch, sie war aus Gold! Aus purem Gold! Nicht zu fassen! In den eigenen Reihen! Satire aus Gold! Das geht einfach nicht an! Das darf nicht sein! Aber … es half nichts … so ist es geschehen … wir müssen einsehen, dass die goldene Klobürste eine Tatsache ist. Vielleicht sogar die Tatsache schlechthin. Denkt daran, wenn Ihr das nächste Mal eine Klobürste kauft … überlegt Euch … nehmt Ihr wirklich nur irgendeine, die billigste  womöglich? Oder wollt Ihr etwa auch, dass sie zu Eurem schönen Scheißhaus passt? Und wenn ja, dann wisst Ihr immerhin, wo Ihr steht … und vielleicht sogar, was Euch 2011 erwartet.

Nur das Beste für 2011 (und eine goldene Klobürste), wünscht Euch
Eva Kiel

No News from Krilit Centauri

Posted by on Dezember 17th, 2010

kritlit 250

OBEN: Wenn man auf KC-1 aus dem Fenster blickt. MITTE: Wenn man auf KC-1 eine Buchmesse betritt. UNTEN: Die Hydra-Abschluß-PK (bzw. auf das Foto klicken!)

Viele Lichtjahre von der Erde entfernt gibt es einen Planeten, auf dem uns Menschen ganz ähnliche Wesen leben. Sie atmen, essen, trinken und haben hin und wieder etwas, das man einen zufallsgenerierten Hormonvorfall nennen könnte. Aber viele Dinge laufen auf diesem Planeten, den einfallslose Astronomen KC-1 getauft haben, ganz anders. (Das ist übrigens nur die Kurzfassung, tatsächlich heißt der Planet KCXLNMMZ-1823403903.)

Das gilt vor allem für das soziale Zusammenleben. Auf KC-1 sind alle Einwohner davon überzeugt, dass soziale Gerechtigkeit und Solidarität wesentliche Elemente jeder Gesellschaft sind. Sie haben eine Reihe von Ideen dazu, die sie mit größter intellektueller Klarheit und Stringenz verfolgen. Viele, eigentlich sogar alle KC-1er verfassen Schriften, in denen sie mit penibelster Genauigkeit festhalten, wie die Dinge zu sein haben, wo etwas schief läuft und was der einzig richtige Weg des Zusammenlebens auf KC-1 ist. Sie prangern Missstände an und lieben es, dabei stets die drei altehrwürdigen Ahnväter von KC-1 zu zitieren, drei Typen namens Lenny N., Trotz K. Y. und Schlachthof S. M.

Zugleich lehnt es jeder Einwohner ab, ein bloß passiver Konsument zu sein. Niemand will sich mit irgendetwas abfinden oder unreflektiert, gedankenlos bzw. passiv sein. Alle wollen etwas bewegen, die Welt aus den Angeln heben, Zustände nachhaltig verbessern. Aus diesem Zweck schreiben sie alle ihre kleinen Broschüre, Berichte, Agenden, Pamphlete, etc., und bieten diese zum Selbstkostenpreis zum Verkauf an (denn es soll ja niemand ausgebeutet werden!).

Da aber auf KC-1 jeder Einwohner ein kritisches, selbstreflexives, autonomes Gewissen seiner Selbst und zugleich geistesproduktive Kraft ist, sieht das dann in der Praxis so aus, dass in jedem Haus auf KC-1 (das meist nur aus Tischchen, Laptop und Broschüren, manchmal auch T-Shirts und Pins, besteht) ein Einwohner sitzt und darauf wartet, dass ein anderen KC-1er kommt, und sich für seine Texte interessiert. Die anderen Einwohner sitzen aber ebenfalls in ihren Häusern und warten. Allenfalls geht man mal ins Haus des Nachbarn, besieht sich dessen Broschüren und kehrt schleunigst mit vielen guten Ideen für das nächste, eigene Bändchen wieder nach Hause zurück.

Einem extrakazeeinsischen Besucher (ergo uns) bietet sich also ein fast gespenstisches Bild. Nichts bewegt sich hier. Überall wohin man kommt, ein verwaister Tisch mit einem Stapel von Büchern und Broschüren, dahinter vergeistigte Menschen (übrigens meist in betont nachlässiger, unmodischer (wir bei uns würden sagen: alternativer) Kleidung), die ihren Platz nicht verlassen und aus irgendeinem unerfindlichen Grund darauf warten, dass von irgendwoher jemand kommt, um sich für die eigenen Exponate zu interessieren. Aber natürlich kommt niemand, von wo denn auch. Wer auf KC-1 lebt und atmet sitzt bereits an einem Tisch hinter besagter Weltkorrekturbelletristik.

Auf diesen Planeten war eine Delegation der HYDRA gestern zu Besuch. Die Reise mit dem Interstellaren Raumschiff U-ZYCUDD-2-094888 dauerte dank Hyperschlafkabinen und Zeit-Raum-Faltungskompressoren (auch „H.E.U.T.E. genannt) lumpige 20 Jahre Relativzeit (das ist die Zeit, die wir gealtert sind, nicht die Zeit, die auf der Erde inzwischen fortgeschritten ist), und hätten wir nicht in Ijon Tichy einen verständnisvollen und deutungsfrohen Begleiter gehabt, wären wir wohl an den Folgen eines Akutkulturschocks sofort innerlich ausgetrocknet und elendiglich verendet. So ein öder Drecksplanet! Zutiefst geschockt gab das HYDRA-Team nach seiner überstürzten Abreise eine kurze Pressekonferenz in Houston (Texas), doch die versammelte Weltpresse wollte von uns nur wissen, ob die Hyperschlafkabinen wirklich so sexy und der Samtfellbezug darin von La Hong tatsächlich rosa ist! Hach, war das schön, wieder Zuhause zu sein.

Für HYDRA auf interstellarer Erkundungsreise war
Eva Kiel

wer sind denn die könige des leon?

Posted by on Dezember 2nd, 2010

the smashers 200

Viel besser als die Könige von Leon: The Smashers (click on it!)

Wer sind eigentlich die Könige des Leon?
Nun, ganz genau kann man das heute nicht mehr sagen, aber die Legende berichtet, dass die Könige des Leon im vorvorvorvorvorigen Jahrhundert raubend, mordend und brandschatzend über die Täler des Westens in Richtung Süden, dann drei Treppen hoch und entlang des Äquators, etwa nördöstlich von Kentucky quer rüber und dann gleich da unten bei Linz zu uns gekommen sind.

Die Könige des Leon waren eigentlich nur ein König, aber der hatte sich dreimal den Schädel gespalten, weil er soviel Nudelsuppe aß. Daraus sind dann Nudeln gewachsen, die sich zu festen, teigigen Klumpen verdichteten. Und weil sich die Nudeln irgendwann sagten, dass sie ja nun so etwas wie Windungen seien, beschlossen sie gleich Hirne zu sein. Vier sogar. So wurden aus dem König von Leon die Könige von Leon.

Die Könige von Leon erkennt man heute an ihren, nun, wir würden sagen, komischen Ärschen. Ihre Arschbacken liegen so weit auseinander, dass sie mit der einen Arschbacke links im Flugzeug sitzen können, am Sitz 27C etwa, während die andere Arschbacke im Cockpit bequem Platz findet. Man sagt sprichwörtlich auch, wenn du mir deine Arschbacke hinhältst, dann sage ich es den Königen von Leon.

Sehr bekannt ist auch die Mutter der Könige von Leon. Das war natürlich Mama Leone. Und die wiederum war die Tochter von Ma-Ma Baker. Diese wiederum war das uneheliche Kind einer gewissen Lady Marmelade. Und so geht es dann weiter, bis in alle Ewigkeit. Von den Königen des Leon sind darum viele unflätigen Beschimpfungen inspiriert, die sich auf familiäre Missstände beziehen. Du bist der Sohn einer räudigen Löwin. Du bist der Sohn einer tollwütigen Löwin. Du bist der Sohn einer gottverdammten Löwin. Der Blitz soll deine Mutter beim Löwenficken treffen. etc.

Als die Könige des Leon des Mordens, Raubens, Brandschatzens überdrüssig waren, nahmen sie die Gitarren in die Hand. Schwer fühlten sie sich an, diese Dinger. Irgendwie ungewöhnt. Und so kalt und glibberig. Igitt. Sie warfen die Gitarre wieder in eine Ecke und taten nur so als ob. Das nannte man in jenen Tagen auch Musik. Seither tingeln sie in Hallen mit räudiger Akustik durch die Welt und überall wo sie hinkommen, beschimpfen sie die Leute mit unflätigen Mamidiskriminierungen, nennen ihre Hirne Nudelsalat und zeigen ihre breitarschigen Ärsche her. Man nennt das auch einen „Hype“.

Musik- und Kritikkritiker Konrad Gregor exklusiv für Hydra
PS Wer sich vor diesem Konzert wirklich gut amüsieren will geht hier hin:

http://www.westbahnhof-opening.com/

a little bit tricky

Posted by on November 10th, 2010

whole tricky 300Hydra macht keine Reviews. Hätte ja auch wenig Sinn. Die kritische Würdigung eines Gigs oder gar ehrfurchtsvolle Verneigung davor verträgt sich schwer mit Satire. Ironie, ja, aber Satire? Die sagt maximal: „Verpisst euch von der Bühne, Musiker, und nehmt euch woanders wichtig!“ Andererseits. Hydra macht, was Hydra will. Und Tricky macht, was Tricky will.

Außerdem: Irgendwie erinnerte das Tricky Konzert in der Arena von Anfang an die Hydra. Kein Plakat in der gottverdammten Stadt, das darauf hinwies. Braucht es nicht? Ein Selbstläufer? Der Mann hatte seine glorreiche Zeit vor Jahren. Dass er sich voriges Jahr mit Knowle West Boy zurückmeldete und heuer das Skizzenalbum Mixed Race nachlegte, ist maximal gut sortiertes Musikkritikerwissen. (Keine Sorge, hier folgt keine kritische Würdigung des Gesamtwerkes, weil ich das halbe Konzert versoffen hinter den Tresen verbracht habe, ich bin ja nicht … hm, ihr wisst, wen ich meine …)

Die Kritiker … ja, manche haben es geil gefunden das letzte Album. Tricky in Höchstform .. und einmal mehr als Schatten in der eigenen Musik. In den ersten drei Nummern von Mixed Race taucht er gerade mal im Background auf. Die Nummern selbst sind oft bloß angedeutet, bei manchen leistet er sich den Luxus, auf den letzten Sekunden noch anzudeuten, wie geil das Stück weitergehen hätte können. Und schon aus. Keine 30 Minuten die ganze Sache. Ich kann es, muss gar nichts mehr auswälzen, sagt uns der Typ damit. Und zwinkert. Dasselbe übrigens auch im Booklet der CD. Ohne dass irgendetwas kommentiert wird, sieht man Familienfotos, eine Arbeiterkindheit, bei der die Hautfarbe offenbar keine Rolle gespielt hat. Mixed Race eben, ohne große Worte. Multikulti? Vor- und Nachteile? Leb’ es einfach, Arschloch!

Das Konzert beginnt ähnlich unspektakulär. Ein fetter Konservenbeat begleitet die Band auf die Bühne. Es ist stockdunkel und Tricky zieht nach 10 Sekunden das Shirt aus. Und bleibt erstmal mit dem Rücken zum Publikum, genüsslich eine rauchend (in der Non Smoking Are(n)a). Dann singt er, i’m for real. Das gilt es erst noch zu beweisen. Seine Stimme ist kaum hörbar, was sich durch den ganzen Gig schleppen wird. Vermutlich die Hölle für jeden Techniker, diese tiefe, knochentrockene, am liebsten dahinflüsternde Stimme neben voller Bandbesetzung erblühen zu lassen. Zu allem Überfluss ist Co-Sängerin Franky Riley auch nicht besser zu hören (kein Wunder, sie darf die Hälfte der Songs ebenfalls mehr hauchen als singen). Ist aber fast das Einzige, das es zu bemeckern gibt.

Tricky hält sich inzwischen das Mikro an die Brust, singt mit der Resonanz seines Brustkörpers. Seine Schmiergelstimme wird percussiv. Diesen Effekt wird er später mit reichlich Hall im Mikro noch steigern. Die nächste Nummer singt Mme. Riley wieder alleine. Black Steal übrigens, und die Band, die genauso wenig vorgestellt wird, wie man auf Mixed Race irgendwelche Hinweise auf Contributors findet, macht ihre Sache wunderbar. Grandiose Songs grandios tanzbar (sprich: reichlich einfach gestrickt) dargeboten (der Mann hat ja auch ein, wie sagt man, unglaubliches Portfolio). Übrigens stehen drei Frauen auf der Bühne (Vocals, Bass und Gitarre) im Hintergrund werken zwei Männer. Die Quote stimmt also. Und Tricky raucht erneut eine Zigarette mit dem Rücken zum Publikum.

Dann kommt er wieder nach vorne. Steigert sich mit fast manischer Gestik in seinen Gesangspart, winkt die Band ab, lässt sie wieder lauter werden. Das ist keine durchstudierte Dramaturgie, soviel ist klar. Die Band akzentuiert die Songs genau dann, wenn Tricky es sagt. Und wenn er das Mikrophon wechselt, hat Mme. Riley Pause, wippt im Hintergrund mit dem Blick auf den Boden unauffällig dazu. Sie sieht auch sonst kaum ins Publikum, eine Leadsängerin ist das nicht. Aber das ist ohnehin Tricky, der trotz seiner etwas manischen Präsenz irgendwie wirkt, als wäre er nicht ganz angekommen. Er ist da und doch nicht da. For real? Not really. Er wirkt fast ein wenig steif und linkisch in seinen Bewegungen. Aber er ist auch kein Stageperformer, ein Tüftler viel eher. Seine Stimme kommt nur in den Studioaufnahmen richtig zur Geltung, wo sich Intimität so fein erschummeln lässt. Live scheint er ein anderes Konzept zu verfolgen. Das hier ist seine Partyband, und er ist eigentlich gekommen, um coolen Fun zu haben. Noch eine Nummer, wo er einfach nicht mitsingt. Ich muss nichts, scheint er die ganze Zeit zu sagen. Ohne ein Wort zu sagen. Trotzdem ist es völlig klar, wer der Typ da auf der Bühne ist und wie er drauf ist.

Nach einer knappen Stunde spielt die Band Ace of Spades von Motörhead und Tricky winkt das Publikum auf die Bühne. Schranken weg. Ihr seid die Show. Darum geht es hier. Um die Party. Die Band spielt weiter, unsichtbar, das Publikum tanzt entzückt. Nachher wird das Volk entspannt runtergewunken und Tricky spielt Revolution. Ja, haben wir gerade im ausgefransten Hosentaschenformat erlebt. Gerade die Schranke zwischen Publikum und Band niedergerissen – und schweinecool dabei geblieben. Bei der nächsten Nummer geht er einfach ins Publikum. Lässt sich abküssen, abfotografieren, umarmen, am Kopf streicheln. Alles egal. Ihr dürft mich ruhig angreifen. Macht ihm alles nichts aus, ist ja seine Party hier.

Bei der Zugabe wird sich das Bühnenspiel wiederholen. Wieder dürfen alle, die wollen, hinauf auf die Bühne. Und Tricky singt I wish that jesus comes. Das Publikum einstweilen fotografiert sich selbst. Als könnte man es erst genießen, wenn man dokumentiert hat, dass man es genossen hat. Egal. Zwei, drei Frauen nutzen die Gelegenheit, um sich an ihn zu kuscheln. Darauf reagiert er nicht einmal, bleibt stoisch, schweinecool, wahnsinnig sympathisch. Immer noch, selbst mitten drin, ist er nicht da, bleibt unangreifbar. Eine eigene Liga. Das ist so schön anzusehen, unglaublich. Der Mann geht auf die 40 zu und liefert noch immer keine ausgelutschten, bis in letzte Detail ausgetüftelten Einfamilienhäuseridyllendreckspopkonzerte. Bleibt alles Skizze. Nur angedeutet, ohne Notwendigkeit, irgendwas zu erklären, etwas Größeres womöglich daraus zu machen. Muss er auch nicht. Und vielleicht kann er es auch nicht. Egal. Wer nicht gerade ewig nörgelnder Musikkritiker ist, hat sich an diesem Abend blendend amüsiert.

Curt Cuisine 

dank der denke!

Posted by on September 28th, 2010

strache rmx 300Bei Anna H. Horacek hat sich ein Denken eingeschlichen. Das ist jetzt kein Scheiß. Das ist ernst. Und Anna H. Horacek ist nicht irgendwer. Sie lebt mitten unter uns. Sie ist uns nicht fremd. Das gilt vielleicht umgekehrt genauso. Trotzdem hat sich bei ihr ein Denken, eine „Denke“ sogar eingeschlichen. Auf tapsigen Füßen. Wie ein Dieb in der Nacht. Wie ein Politiker in einen Unterausschuss. Wie ein Manager an seine Abfindungsprämie ran.

Diese Denke nämlich, dass die Ausländer eine Bedrohung sind. Dass sie zum Fürchten sind. Dass man sie ruhig einkasernieren solle. Einfach so. Dass sie an allem schuld sind überdies. Eingeschlichen. Hinterrücks.

Vielleicht war die Wohnungstür einen Spalt offen, weil Anna H. Horacek die Morgenzeitung geholt hat (die mit den Titten auf Seite 5), oder sie hat etwas zu lange in den Flur gelauscht, um zu hören, wer da gerade mit wem streitet. Weil das ja immer sehr interessant ist. Da muss es wohl passiert sein. Die Denke kam über die Treppe, tastete sich mit flüsternden Füßchen den Flur entlang, und husch, schlich sie sich wie ein … na, das hatten wir schon … schon war sie jedenfalls in der Wohnung.

Aber Anna H. Horacek hat sie nicht gleich bemerkt die Denke. Sie saß gerade noch am Frühstückstisch, schlürfte einen heißen Kaffee, mampfte Kipferl mit fein passierter Erdbeermarmelade. Und wie sie da die Zeitung las und sich nichts dabei dachte (sondern würde sie ja keine österreichische Zeitung lesen, sondern täglich viel Klopapier sparen), da kam die Denke von hinten heran.

„Da les ich gerade noch die Zeitung, auf einmal klopft was in meinem Kopf, und ich denke mir: ‘Ja, hallo! Von wo kommt denn auf einmal diese Denke her?’“ Sagt Anna H. Horacek. Gesteht sie. Gibt es zu. Sie hat diese ausländerfeindliche Denke einfach nicht bemerkt. Hat sie einfach zugelassen. Und jetzt sitzt sie da und denkt: „Diese Gfraster ghörn alle einkaserniert, an ihren Genitalien aufgehängt, unter Elektroschocks zu einer sofortigen Umkehr gezwungen, in Viehwaggons abtransportiert, notfalls einfach am Straßenrand exekutiert mit sauberen Schüssen in den Hinterkopf. Weg damit! Weg, weg, weg!“

Aber dann denkt sie: „Schon arg, dass ich so was denke. Darf ich denn das? Ist das richtig? Sollte ich nicht was anderes denken?“

Schwere Fragen für Anna H. Horacek. So eine Denke, die kommt natürlich nicht von ungefähr. Irgendwo ist diese Denke entstanden, hat sie jemand mal gedacht, dann nicht aufgepasst, und so ist sie ihm einfach aus dem Kopf gepurzelt. Auch da war irgendeine Tür offen (meistens entkommt so eine Denke nämlich durch den Hosenschlitz beim Rauschauspinkeln). Und jetzt pirscht sie durch die Gassen und schaut, ob sie irgendeinen Kopf findet, der gerade nicht aufpasst. Und dann schleicht sie sich ein. Diese Denke. 

Anna H. Horacek ist verwirrt. Was tun jetzt mit dieser Denke? Sie trinkt noch einen Schluck Kaffee. Liest weiter in der Zeitung. „Na so was. Da hat diese Schauspielerin mal in einem Porno mitgespielt. Na so was. Da lag eine Oma vier Tage lang tot in der Badewanne. Na endlich. Rapid kann doch noch siegen.“ Schon ist sie weg die Denke. Und eine ganz andere Denke ist da. „Mhm, viel besser“, denkt Anna H. Horacek.

So ist das mit der Denke. Man muss einfach nur nicht daran denken. Dann geht sie ganz von selber weg. Aus dem Kopf. Aber da ist sie trotzdem.

Eva Kiel,
möchte sich hiermit in aller Form entschuldigen, dass in diesem Text kein einziger Witz enthalten ist, nicht einmal ein mickriger Running Gag, nichts davon. Und nein, jetzt kommt auch keiner mehr.

zu alt für die   hydra?

Posted by on August 20th, 2010

cuisine grandpa 300Lange Zeit haben wir es vermieden, den bierernsten Tonfall des internen Hydra-Mailverkehrs der Weltöffentlichkeit zu präsentieren, obwohl wir uns der historischen Tragweite und der weltgeschichtlichen Bedeutung stets bewusst waren. Klar: Im Grunde ist es ein Verbrechen, dass die Welt nicht jedes in Worte gerahmte Fitzelchen Hydrantenhirngrütze kennt. In diesem von Löchern so gesegneten Sommer wollen wir aber eine einmalige Ausnahme machen. Vorhang auf für einen Schlagabtausch zum Thema: Zu alt für die HYDRA …

Alice schrieb: Hi @ll, ich habe das Gefühl, dass meine Art zu schreiben und zu blödeln nicht mehr so recht zur Hydra passt. Ihr Jungs habt da so einen Studentenschmäh am Laufen, mit dem ich zeitweise nicht mithalten will. Dass der gut ist, steht außer Frage. Mir ist er halt zu witzelastig. Aber klar gilt: Mach selber was, dann kritisiere! Also nix für ungut. Tout va bien.

Cuisine antwortet: Ja, du bist schon sehr alt, Alice. so wie ich. Was muss ich mir alles von Stefan, Sebastian und Co. anhören, von wegen meine Beiträge sind eh nett, aber richtig lustig sind nur sie, die jungen, frischen, hüpfenden Jugendlichen … ja, da müssen wir alten Kaninchen durch und … der Chef bin immer noch ich (harharhar, paff, die Zigarre mit Scheinchen angezündet). Also gib uns nicht auf, es ist immer ein Plätzchen für dich reserviert (da, in der Ecke mit den Rollstühlen etwa … ;-)

Max ergänzt: Alice, du bist alt, aber Curt, hinter den sieben Bergen, mit seinen zwei Zwergen ist noch viel, viel älter als du! Sebastian ist altklug und kommt aus Baden, wo sogar die Krabbelstuben geriatrische Ambulanzen sind. Und ich pflege den Lebenswandel eines 16jährigen, betreibe Raubbau an meiner Gesundheit wie ein 50jähriger Beamter, wäre auch gern einer und lache am liebsten über Witze aus den 70ern. Im Übrigen war ich nie jung. Dass unsere Witze noch so spritzig (um nicht pubertär zu schreiben) daherkommen ist keine Altersfrage, sondern liegt daran, dass wir noch nicht so lange witzeln wie du (und witzeln ist eine originelle Art die heile Welt zu kitzeln).

Und dann nochmal sind wir ja alle so individuell. Du dramatisierst das. Zwischen deinen und meinen Texten liegt genauso viel wie zwischen meinen und Sophies, Sophies und Justo (schön konjugiert, Max!), Justi und …  Puh … ich habe durchgemacht (beinahe) und ganz viel digitale Tanzmusik gehört. Sind alle Feste so? Tanzen Schulmädchen wirklich so? Sind alle Männer, die sehr schön tanzen schwul? Woher kommen die Italiener und warum hat sie sich ausgezogen? … St. Pölten hat mich von Wien entfremdet.

Cuisine himmelt: Famoses Mail, Max, warum hast du es nicht an alle geschickt?

Max devot: Ich habe mich verklickt. Alice, wollen wir einen halb selbstbeweihräuchernden, halb zu Tode betrübten und jedenfalls dramatischen Emailverkehr anfangen? Wenn Glattauer das kann, können wir das auch. Nur verlieben sollten wir uns letztlich nicht, sonst fang ich an wie Irmi (wie heißt der andere?) Rotwein flaschenweise vorm PC zu saufen und du vielleicht auch. Und noch arbeiten wir beide großteils vorm PC (und beide nicht wirklich gerne?), das kann ungesund ausgehen. So, ich geh jetzt eine rauchen und zünde mir die Zigarette mit einem 5-cent-stück an.

Alice: Maximilian, sehr gerne. Ich könnte der Einfachheit halber alle Emails pasten, die das neue iPhone betreffen, der Herzschmerz, der sich durch die Männerhirne des Landes zieht, wenn es um ein quadratisches Ding zum antapschen geht, ist echt rührend. Und ja, verlieben dürfen wir uns nicht. Sex vielleicht, das lassen wir offen. Auf jeden Fall kein Vorspiel! Fang mal an!

Sebastian: Ähm, könnte jemand Curt und Alice aus der Ecke da rausschieben? Die blockieren mit ihren Beatmungs- und Dialysegeräten alle Steckdosen! Danke.

Max: Was ist jetzt mit dem Sex resp. Busen?

Alice: Dass Sex und Busen in irgendeinem Zusammenhang stünden, ist ein weit verbreitetes Missverständnis. Gerade, ja du ahntest es, unter den Herren. Viele meinen ja, Sex beginnt mit selbigen, und endet dort, wie die Beine zusammenstehen. Wir gebildeten Damen nennen das den Dreiecksgriff: Links rechts unten Mitte. Keine von uns machte die Anwendung selbigens je stöhnen, aber es ist wie bei VHS: Das schlechteste System setzte sich durch. Lass dir gesagt sein: ein guter Liebhaber weiß: ein Busen macht glücklich, aber nicht den ganzen Sex!

argumentum ad infinitum

Büroesie

Posted by on August 1st, 2010

klammerlBüroaffäre

Ein Kopierpapierstau kam
ins Büro und sah sich um.
Er errötete und sprach
„Ach, das ist doch zu dumm!“

Verschwitze Leiber zuhauf
und flotte Dreier auch
aus Locher, Schwiegermutter
und Stift, Öse an Bauch.

Sie winkten. Er war nicht fremd:
„Komm her und hoch das Kinn!“ -
„Das Einzige, das mich hemmt?
Das glaubt ihr nie! Ich bin
verklemmt.“

Freiherr Johann Wolfgang von Zirkowitsch

 
Matrattel Mazirki Lilli Peterska Espresso Revue Kevin Goes ...