Close

Hol auch du dir ein stylisches Hydra-Abo!

  • Hydra 1 (Vergriffen)
    Hydra 1 (Leider vergriffen)
  • Hydra 2
    Hydra 2
  • Hydra 3
    Hydra 3
  • Hydra 4 (Vergriffen)
    Hydra 4 (Leider vergriffen)
  • Hydra 5
    Hydra 5
  • Hydra 6
    Hydra 6
  • Hydra 7/8
    Hydra 7/8













(Hydra 7/8 ist ab Mitte Mai lieferbar)






Und so geht's: Ihr schickt dieses Aboformular ab (alle Felder bitte ausfüllen), wir schicken Euch per Mail eine Bestätigung und alle Infos dazu. Die gewünschten Hefte kommen inkl. Erlagschein per Post. Welche Art der Bezahlung ihr wählt (Erlagschein, Netbanking) ist Euch überlassen, eine Bezahlung per Kreditkarte oder die Bekanntgabe von Kontodaten würden wir aus Sicherheitsgründen niemals von Euch verlangen.

Close

Archive for the ‘Mustard’ Category

phil., gr., d. (9)

Posted by curtcuisine on April 5th, 2010

philosophie 9 montaigne300Der Essayist [aka Michel de Montaigne]

Zunächst mal kommt Montaigne eigentlich vor Descartes. Also, so geht’s ja jetzt wirklich nicht. Man kann doch nicht einfach eine Serie über Philosophen anfangen und diese dann nicht in richtiger Reihenfolge durchziehen! Das ist letztklassig! Das ist unter aller Sau! Für so eine Schlamperei habe ich mich nicht bis zum Akademiker durchbumsen lassen! Ich kündige!

So. Der Herr hat sich also wieder beruhigt? Fein. Wo waren wir? Ah, Montaigne! Wenn die großen Philosophen die Schwergewichtsweltmeister ihrer Disziplin sind, dann muss man Montaigne eher als eine Art Fliegengewicht betrachten. Seine fachhistorische Relevanz ist gleich Null, Lehren aus seinem seinen Werk ziehen zu wollen wäre fast schon obszön und sein erkenntnistheoretischer Impact gleicht einem Rawutzer (österr. Umgangsform für Nasengrind, für unsere deutschen LeserInnen). Aber, Montaigne ist natürlich der Schöpfer der berühmten Essays. Das ist eine … na, sagen wir … Literaturform, von der bis heute kaum jemand weiß, wie man sie (literaturtechnisch betrachtet) anlegt (Tiefgründig? Hintergründig? Vielschichtig? Umsichtig? Umtriebig? Etcetera und blablabla).

Aber, hehe, trotzdem gibt es heutzutage mehr Essays als Billardkugeln in den richtigen Löchern. Denn ein Essay ist eigentlich der Sammelbegriff dafür, als Erwachsener noch einen Schulaufsatz schreiben zu dürfen, der vor Verallgemeinerungen und als Weisheit getarnten Blödheiten nur so strotzt. Aber: Es steht eben „Essay“ drauf. Und die meisten Leute, die ein oder zwei Essays geschrieben haben, schreiben früher oder später a) einen Lebensratgeber, b) ein populärphilosophisches Buch, oder werden c) Ghostwriter für irgendeinen Halbpromi, der vor lauter Prominenz nie gelernt hat, zwei Sätze aneinanderzureihen.

Aber wir sind wohl ein wenig streng, denn, und jetzt kommt’s, das war schon bei Michel de Montaigne kaum anders. Nehmen wir seinen Essay „Philosophieren heißt sterben lernen“. Wow. Tiefgründig. Hintergründig. Und so vielschichtig gedacht. Sicher umsichtig in den Schlussfolgerungen und umtriebig in den Beispielen. (Etcetera und blablabla.) Semmelbrösel! Nichts da! Keine zwei Seiten später erzählt Montaigne von Äschylus, der von einem Schildkrötenhaus erschlagen wurde. Und von Anakreon, der an einem Weinbeerkern starb. Und von Aufidius, der gegen eine Saaltür gerannt ist (was ihm offenbar den Tod gebracht hat?!). Und so geht das eine Seite lang dahin. Kann man es da den Essayisten aller Zeiten und Länder verübeln, dass sie auch so gerne dampfplaudern? Das glaubt ihr nicht? Wir übertreiben? Kurzes Zitat aus dem Essay „über die Eitelkeit“: „Keine Jahreszeit kann mich schrecken, außer der sengenden Hitze einer grellen Sonne; denn die Sonnenschirme, deren man sich in Italien seit den alten Römern bedient, belasten die Arme mehr, als dass sie den Kopf entlasten.“ Ha! Und noch mal: Ha!

Was kann uns Montaigne heute noch mit auf den Weg geben?
Nein. Sonnenschirme nicht. Das dachtet ihr jetzt, was? Ich habe genau gehört, welcher kranker Film gerade in eurem Kopf abgegangen ist. Aber so billig machen wir es uns (und euch) nicht immer. Die Sonnenschirme von Montaigne liegen ja heute alle längst verrottet im Keller seines schmucken Landhauses (das soll fast so hübsch gewesen sein, wie das von Rene Descartes, aber nicht ganz so hübsch wie das von George Clooney). Also, keine Sonnenschirme. Und auch sonst nicht viel. Lesen wir schnell noch mal die zwei Absätze durch, hmmm … na gut: Rennt nicht gegen eine Saaltür und passt auf, sollte es mal Schildkrötenhäuser regnen. Ich denke, dass sind schon ein Menge Weisheiten, die man von Michel de Montaigne mitnehmen kann. Viel mehr ist da nicht zu holen.

In der nächsten Folge: Locke & Hume. Zwei Figuren aus einem weiteren, unlesbaren Pynchon-Roman.

die großen philosophen (8)

Posted by curtcuisine on März 28th, 2010

philosophie 8 descartes gRené Descartes & sein Kamin

Also dieser René Descartes, der hatte ein cooles Landhaus. Da war es wirklich schnuckelig. Und er hatte einen von diesen gemütlichen Kaminen, die man manchmal im Spätabendprogramm auf grindigen Fernsehsendern sieht. Er war so verknallt in seinen Kamin, dass er ihm einen philosophischen Text widmet (na gut, okay, zumindest Teile davon): „Wie oft doch kommt es vor, dass ich [mir einbilde], dass ich, mit meinem Rocke bekleidet, am Kamin sitze […], während ich doch entkleidet im Bette liege.“ Probleme hatte der, nicht? Und ständig erzählte er davon, dass ihm ganz heiß oder ganz kalt war, was er unzweifelhaft spüren würde, also eine gesicherte Erkenntnis sei. Wenn man also einen feinen Kamin hat und diesen einheizt, dann ist es so sicher wie das Amen im Gebet, dass es bald warm im Haus wird und es daran nichts zu zweifeln gibt. Diesen Text nannte er „Meditationen“, und er wird heute noch im gut sortierten Baustofffachhandel als Liebhaberlektüre für Landhausbesitzer verhökert.

Ein Satz aus diesen Meditationen wurde allerdings so berühmt, dass ihn seither jeder Straßenjunge von Lissabon bis Hammerfest auswendig kann und auch seine eigenen Schlüsse daraus gezogen hat: „Ich denke, also bin ich.“ Und nein, wir versuchen Euch jetzt nicht zu erklären, dass es eigentlich „Ich heize, also bin ich“ hieß, sondern weil es uns gerade am Arsch kratzt (wir also das Gefühl haben, als hätte uns Sokrates gerade gefickt) wollen wir mal ein bisschen klugscheißen und erklären, dass es bei diesem Satz mitnichten darum gegangen ist, die christliche Metaphysik des Mittelalters hinter sich zu bringen. In der mittelalterlichen Metaphysik (siehe vorige Folge) hätte der Satz nämlich geheißen: „Ich denke, gelobt sei Gott, also bin, gelobt sei Gott, ich, aber natürlich nur, weil, gelobt sei Gott, Gott gelobt sei!“ Aber Descartes wollte keineswegs einfach nur alle Lobpreisungen herauskürzen (wäre ihm wohl zu einfach gewesen), nein, er wollte vielmehr klar machen, dass Gott nur deswegen gelobt sei, weil ich (also er) denke (also denkt). So etwas nennt der Akademiker einen rationalen Gottesbeweis. Wir nennen das einen typischen Fall von: Das hast du nun davon! (Denn kein Straßenjunge in Lissabon oder Hammerfest denkt heute noch an Gott, wenn er Dank Descartes erkennt, dass er ist, weil er denkt!)

Was kann uns Descartes heute noch mit auf den Weg geben?
Dass man sich die Sache mit den Kaminen noch mal gründlich überlegen sollte. Sicher, so ein Kamin hat schon was urgemütliches, aber da hockt man dann dort, starrt ins Feuer und muss sich trotzdem mit irgendetwas beschäftigen. Irgendeinen Gedanken wälzen. Also fängt man an zu grübeln. Über kurz oder lang wird man Philosoph, kein Schwein versteht mehr, was man eigentlich sagen will, und außer Missverständnisse und Einsamkeit bleibt nicht viel übrig. Dann doch lieber den Flatscreen in die Ecke stellen, die Playstation reinstöpseln und das Hirn auf Durchzug stellen. Und mit der unendlichen Leere im Kopf hinein in den Arbeitsalltag. Denn ob ich denke oder nicht, ob ich existiere oder nicht, ändert es etwas daran, dass ich jeden Tag meinem Chef die Manchettenknöpfe blankpolieren muss?

Nächste Woche lesen wir dann gemeinsam ein Essay. Oder einen Essay. Oder … ach, Fuck! Nächste Woche gehen wir essayn.

Philosophen, großen, die; Teil 7

Posted by curtcuisine on März 21st, 2010

philosophie 7 mittelalterKapitel 7
Das dunkle, dunkle Mittelalter

Das Mittelalter war wirklich finster. Das Mittelalter war so finster, dass jeder Historiker, der darüber schreiben will, ein Nachtsichtgerät braucht. Das Mittelalter war so finster, dass sie damals den Mond für die Sonne hielten (denn die Sonne drehte sich ja um die Erde, war also immer irgendwo, diese gelbe Sau). Das Mittelalter war so finster … na gut, lassen wir diesen Stand-Up-Comedian-Unfug. Im Mittelalter ging’s der Philosophie jedenfalls schlecht, und das schon seit geraumer Zeit. Erst haben die Römer alles von den Griechen abgekupfert, und während das römische Imperium in sich zusammensank wie ein Käsesouffle von Gaston, waren Dutzende Mönche und Klosterschreiberlinge damit beschäftigt, den Gedankenramsch von Römern und Griechen unter die große Käseglocke des Katholizismus zu zwängen. Seither stinkt jede Form der abendländischen Philosophie nach katholischem Emmentaler. Weich in den Schlussfolgerungen, löchrig in den Letztbegründungen.

Natürlich gab es trotzdem ein paar kluge Kerlchen im Mittelalter, die einfach nur Pech hatten, dass sie in so finsteren Zeiten auf die Welt gekommen waren. Ein paar Jahrhunderte früher oder später, und sie wären fein raus – und könnten sich posthum den Titel „Klassiker“ auf ihren Grabstein eingravieren lassen. Es gab etwa eine Reihe arabischer Philosophen (Hört, Hört!), wie etwa Avicenna, Maimonides oder Averroes. Uns es gab einen Typen namens Augustinus, der seine Mutti sehr lieb hatte. Außerdem waren da Johannes Scotus Eriugena, Abaelard oder Thomas von Aquin, aber da die damals nicht einmal wussten, was ein Ranking ist, macht es wenig Sinn, eine Top 10 der mittelalterlichen Philosophen zu präsentieren. (Wofür denn auch?)

Wer das gar nicht glauben will, dem sei ausnahmsweise weiterführende Lektüre empfohlen (ah, welch schöne Phrase). Die „Kleine Geschichte der Mittelalterlichen Philosophie“ von Luciano De Crescenzo beantwortet alle Fragen, die wir in diesem Kapitel nicht gestellt haben.

Was kann uns diese Zeit der Finsternis heute noch mit auf den Weg geben?
Tja. Das ist das Tolle an der Philosophie. Sie kann uns auch noch dann etwas lehren, wenn sie gar nicht vorhanden ist. Denn was uns das dunkle Mittelalter vor allem lehrt, ist die simple Erkenntnis, dass es nicht gleich sein muss, dass nichts in der Gegend herumsteht, nur weil wir den Lichtschalter nicht finden. Es ist natürlich Blödsinn anzunehmen, dass zwischen, sagen wir mal, 200 und 1300 nach Christi nur Idioten herumgelaufen sind oder die Leute plötzlich aufgehört haben zu fragen, worum es denn überhaupt geht im Leben. Aber die Mönche damals durften der Nachwelt die wirklich bangen Fragen ihrer Zeit nicht hinterlassen, weil die frühkatholische Zensur jeden Satz ausradierte, in dem nicht mindestens zweimal „Gelobt sei Gott!“ vorkam. Aber vermutlich haben in dieser Zeit einige der klügsten Köpfe gelebt, die je auf Erden wandelten. Nur weiß niemand nichts darüber. Während Hohlköpfe wie Paris Hilton oder Richard Lugner heute jeder Säugling kennt.

Im nächsten Kapitel betreten wir die Neuzeit. Aber nur keine Angst, in diesem Zimmer ist es geheizt.

The great philosophers, part six

Posted by curtcuisine on März 7th, 2010

philosophie 6 epikur 2Kapitel 6
Epikur und die Stoikergang

Wie wir in den vorhergehenden Folgen gesehen haben, war die Philosophiegeschichte besiedelt mit Besserwissern, Möchtegernunternehmensberatern und Erbsenzählern. Also war es nur eine Frage der Zeit, bis ein Typ wie Epikur auftaucht. Ein Typ, der faul und behäbig auf dem Sofa fläzt, einen Bausch Weintrauben in das geöffnete Maul schiebt, während zwei Konkubinen mit ihren nackigen Körpern seine Wampe massieren, damit das reingevöllerte dreizehngängige Menü leichter in den Darm rutscht. Und drei Stunden später hockt Epikur dann am Donnerbalken und gurgelt vor Wonne, weil es sich wieder mal so schön scheißt. Und was er da so empfindet, das erzählt Epikur in sonorer, genußverzückter Stimme der versammelten Menge (denn um einen beleibten, begüterten Menschen stehen immer Leute herum, und wenn es ein paar Lobbyisten sind). Und er sagt Dinge wie: „Genuss haben ist schön. Wonne ist schön. Abzocke ist schön.“ Und weil alles was schön ist, bei den Griechen irgendwie auch wahr sein musste, war damit schon eine halbe Philosophie fertig gebastelt.

Das ging eine Zeitlang gut so, bis ein paar Typen diesen ganzen Überfluss satt hatten und sagten: „Moment, Moment, so geht es auch nicht. Wie wär’s mit ein paar Tugenden zur Abwechslung?“ So bildete sich die Gang der Stoiker, die auch nicht wenige Anhänger fand. Aber nur um das klar zu stellen. Die Stoiker legten sich Tugenden nicht zu, weil sie irgendwo der Gewissensschuh drückte, sondern weil es zur Abwechslung schön war, mal so etwas zu haben. Tugenden eben. Und so ging das ein paar Jahrhunderte lang dahin. Bis ins Römerreich hinein hielten sich diese beiden nahezu verfeindeten Gruppen die Waage (nahezu, weil Streit den Stoikern zu wenig tugendhaft, den Epikuräern zu mühsam war, Waage, weil beide gleichermaßen fett waren).

Beiden Lebenskunstafficionados gemeinsam war, dass es ihnen primär um eine Art Haltung bzw. Lebenseinstellung ging, weniger darum, was wahr und richtig ist. Darum sind es meistens fette oder mit fetten Bankkontos gesegnete Menschen, die heute noch mit epikuräischen oder stoizistischen Anschauungen liebäugeln.

Was können uns Epikur und die Stoiker heute noch mit auf den Weg geben?
Dass man einen großen Bogen um Leute machen sollte, die einem diese Art von Literatur empfehlen. Etwa mit den Worten: „Da ist was dran. Das ist im Grunde total tiefsinnig.“ Oder: „Der Genuss gehört einfach dazu, was ist ein Leben ohne Genuss?“ Oder: „So eine Art von Denken bräuchten wir heute wieder.“ Tja. In der Tat, es ist die Art von Weisheit, vor denen wir unsere Eltern immer schon gewarnt haben. Solche Bücher zu lesen ist ungefähr so, wie das Fünf-Sterne-Menü noch mit einem Beaujolais herunter zu spülen. So reinigend ist das. Und so dekadent. Der Sache mit den Konkubinen, die sich deinen Bauchnabel runterrubbeln, mmnaja, der würden wir allerdings noch eine zweite Chance geben.

Nächste Woche betreten wir dann das Mittelalter und wir können jetzt schon verraten: Es wird finster.

Der Architekt auf der Anklagebank

Posted by matrattel on März 3rd, 2010

matritekturEin Interview von Matrattel.*

Hydra: Sie sind Architekt. Warum?
Architekt: Ich möchte nichts verändern, damit das gleich klar ist! Architekt bin ich, weil mir das Wort Architektur gefällt. Ganz einfach.

H: Das klingt interessant. Erzählen Sie uns doch mehr!
A: Wieso „uns“? Sie sitzen alleine vor mir.

H: Mit „uns“ meine ich „unser“ Magazin.
A: Na ja … also Architektur. Das ist wie Bäume und Sträucher und Blumen und wenn man das alles wegdenkt, dann bleibt übrig: Architektur. Ein schöner Gedanke.

H: Das klingt sehr nachvollziehbar und in vielerlei Hinsicht wunderbar. Was trägt Sie, was bewegt Sie?
A: Ich frage mich das auch immer. Die Liebe zum … ähh Menschen? Falsche Antwort?

H: Kann es denn so etwas wie Falschheit in der Architektur geben?
A: Nein und ja bzw. nein! Da kann es alles geben, von großem Ooooh!!! bis zu gar nicht mal so großem Ooooch. Was Falschheit ist, das wissen doch immer nur die Fälscher. Nicht wahr?

H: Kann schon sein. Zu etwas anderem: Zeitlosigkeit. Ein bis zur Reizbarkeit dehnbarer Begriff?
A: Durchaus. Architektur muss zeitlos scheiße sein, um immer wieder und wieder aufwühlen zu können, von ganz tief drinnen her. Architektur ist das Fäkalium des Menschen.

H: Muss es nicht Fötus heißen?
A: Vielleicht ist Fötus-Scheiße das was ich meine. Ja, vielleicht ist es das. Vielleicht aber auch nicht!

H: Johannes Paul der Zweite oder Zweiter Weltkrieg?
A: Zweiter Weltkrieg, ganz klar. Mir steht diese große Architektur zu Gesichte beziehungsweise Geschichte. Haben Sie den Wortwitz bemerkt?

H: Nein. Darf es denn  so etwas wie Witz in der Architektur geben?
A: Gute Frage. Ich finde die Hauptsache ist, dass es nicht lustbetont rüberkommt, ich sage auch gerne „transportiert wird“. So lange das gewährleistet ist, sehe ich wenige Probleme damit. Alles hat seinen Rahmen, seine konnotationsspezifische Bedeutungsspektralität.

H: Können Sie uns einen Tipp mit auf den Weg geben?
A: Sie meinen so wie ein Pausenbrot?

H: Ja.
A: Niemals unterkriegen lassen, und wenn dann nur von Typen, die das Ausbeuten richtig verinnerlicht haben, so wie ich ungefähr. Das ist gleich eine ganz andere Erfahrung. Man verinnerlicht das.

H: Würden Sie für uns das Dreieck Macht – Geld – Architektur skizzieren?
A: Alle schwul die Drecksficker. In der Mitte ist aber die Architektur, ganz klar.

H: Dann ist es aber eine Linie …
A: Das kann sein. In der Architektur sind Linien von großer Bedeutung müssen Sie wissen…

H: Sagte wer?
A: Das sagen alle. Alle, fast seit dem Mittelalter. Sehen Sie sich einen Kondensstreifen an! Linie. Wo ist Gott, wenn nicht in der Linie?

H: Im Himmel?
A: Sehen Sie, dort sind auch die Kondensstreifen. Ich habe Sie ausgetrickst.

H: Sie meinen wohl „uns“.
A: Haha, Ist das jetzt eine Art Majestätsplural? Wegen Gott usw.? (Zwinkert lässig)

H: Sie sind mir einer! Haben alle Architekten Ihr Talent, den umherschwirrenden Witz einzufangen, niederzudrücken und dann zu penetrieren, ganz tief und fest. Bis es weh tut?
A: Wir bohren immer nach. Ein Architekt der nicht bohrt ist kein Suchender.

H: O.k., gut, Danke. Das war’s eigentlich! Könnten Sie jetzt von mir runtersteigen? Nicht dass es mir nicht gefallen würde. Ich muss nur leider eine Pause machen.
A: Natürlich. Hat Spaß gemacht! Gerne mal wieder. Morgen bin ich Pilot.

H: Das ist mir nur Recht.
A: Haha, Pilot und nicht Jurist!

H: Wollen Sie mich gleich hier bestrafen?
A: Wenn Sie wollen, dann gerne, sage ich mal. Ich hole rasch meinen Kodex.

H: Ich warte einstweilen ganz entspannt auf der Anklagebank.

 Ende des Interviews von Matrattel.

* Wer Texte oder Zeichnungen von Matrattel nachmacht oder kopiert oder in nachahmender Weise reproduziert ohne ihm etwas von den Millionen abzugeben, die sich damit verdienen lassen, wird von der HYDRA Corp. strafrechtlich belangt, verfolgt und gevierteilt. Die Rechtsabteilung.  

Dgp5 : a beggar for the bottle

Posted by curtcuisine on Februar 28th, 2010

philosophie 5 aristotelesDie großen Philosophen, Kapitel 5: Aristoteles

Aristoteles ist nun wirklich einer der fadesten Philosophen wo gibt. Zumindest auf den ersten Blick. Eigentlich auch auf den zweiten. Aristoteles hat aber immerhin das Lykeion gegründet, das war mehr oder weniger der Vorläufer der heutigen Universität. Und die ist ja, wie wir mittlerweile wissen, ein cooler Ort. Da werden Partys gefeiert, da lungern Obdachlose herum, und es gibt lecker Gratissuppe. Und man kann wohl mit Fug und Recht behaupten: „Also so etwas hätte es unter Aristoteles nicht gegeben!“ Was ja auch ein geflügeltes Wort unter kulturpessismistischen Philosophen geworden ist, kein Wunder, schließlich hat Aristoteles die Empirie in die Philosophie eingeführt.

Empirie ist natürlich ebenfalls ein griechisches Wort und heißt übersetzt soviel wie „Erbsen zählen“. Damit hat Aristoteles mehr oder weniger die Grundlage dessen geschaffen, worum es in jeder Art von Wissenschaft heutzutage geht. Aber da den Griechen irgendwann die Erbsen ausgegangen sind, hat man ab dem 17. Jahrhundert ungefähr begonnen, alles zu zählen, was es irgendwo gibt. Bohnen, Sengurken, Zuseherzahlen, Oberweiten, Manschettenknöpfe, Käselöcher und so weiter. So war das. Aristoteles ist also in gewisser Weise der Almöhi aller Rankings.

Was kann uns Aristoteles heute noch mit auf den Weg geben?
Erbsen. Dutzende davon. 1000de vermutlich sogar. Mindestens aber Unmengen. Erbsen sind ja gesund, sagt man, weil nämlich wegen dem Vitamin B. Das hält wach, verbrennt Fett, beruhigt die Nerven zugleich, und steckt überhaupt in nahezu jedem Vitaminpräparat, das uns irgendwelche dubiosen Onlineversandhäuser als neueste, heiße Promidiät verchecken wollen. Da sieht man mal wieder, wohin uns diese ganze Wissenschaft geführt hat. In den Beschiss! Was uns Aristoteles also hinterlassen hat (neben diesem Riesenhaufen Erbsen) ist die Erkenntnis der Widersprüchlichkeit allen Seins. Du kannst so viele Erbsen zählen wie Du willst, am Ende haut man dich doch übers Ohr.

Nächste Woche geht’s dann ab zu den Römern. Und von Rom aus dann via die Via Appia quer durch Italien, immer höher, bis wir am Chiemersee kurz bei der Villa von George Clooney Rast machen. Einfach so? Einfach so.

d. g. phil., teil 4

Posted by curtcuisine on Februar 21st, 2010

philosophie 4 diogenesDie großen Kata … nein, egal, … sophen, jedenfalls. Teil 4: Diogenes

Diogenes, das ist der Typ in der Regentonne, der nasebohrend und furzend in den Suburbs von Athen-City herumlungerte und Zeus einen lieben Herrgott sein ließ. Die Legende berichtet, dass eines Tages der große Alexander des Weges kam (nicht Peter, sondern der berühmte Eroberer, also mehr so eine Mischung aus Obama und Madoff). Diogenes war damals als zungenfertiger Gossenprolet recht bekannt, und Alexander wollte zwischen seinen Feldzügen mal die Sehens- und Hörenswürdigkeiten von Athen begaffen. Also besuchte er den versoffenen Philosophen und fragte ihn, wie die Dinge so stehen. Diogenes blickt kurz auf, bläst einmal kurz über den Flaschenhals (die Melodie von „Griechischer Wein“ natürlich) und sagt dann: „Geh mir aus der Sonne!“

Starkes Stück, oder? Diogenes war also einer der ersten Rüpel unter den Philosophen, nebenbei ein Schüler von Sokrates, natürlich einer der vorlauten und ungemütlichen. Sokrates hat ihn trotzdem gemocht (klar, mit dem konnte er stundenlang diskutieren), Platon hingegen hat ihn gehasst. Auch klar, oder? Denn wäre er mit Diogenes zu Dionysos, dem Tyrannen, gefahren, wären die beiden nicht mit heiler Haut zurückgekommen. Für Diogenes war im Zweifelsfalle alles ziemlich lächerlich, insbesondere jeder Anspruch auf erhabene Gedanken, darum war (öffentlich) Scheißen und Pissen für ihn durchaus gleichwertig mit dem Formulieren eleganter Gedanken. Der ließ da nicht viel gelten …

Was kann uns Diogenes heute noch mit auf den Weg geben?
Dass es erstaunlich ist, dass sich der Traum vom idyllischen Leben in der Regentonne bis heute bei so manchen Althippies gehalten hat. Und dass es schon ganz cool ist, rotzfrech zu sein, dass man davon aber auch nicht mehr als eine Anekdote in den Geschichtsbüchern hat. Das dicke Konto auf der Bank gehört weiterhin denen, die die Köpfe rollen lassen wie sie kommen. Das ist doch eine durchaus wichtige Lehre (die übrigens dann auch ein gewisser Hans Hölzl in einem Lied namens „Nie mehr Schule“ vertont hat: „Du hast die Wahl, willst du Segen oder Qual, verärgere deine Lehrer nicht.“) Ergo: Frechheit oder Erfolg. Beides geht nicht. Und weil das eine universelle Konstante ist, gibt es Peergroups. Die Erfolgreichen scharren permanent Typen um sich, die ihnen versichern, wie cool und itchy sie sind (gilt insbesondere für Rockstars und Hiphopper). Die Rotzfrechen hingegen hängen in diversen Regentonnenklubs herum und erklären einander, dass Reichtum nicht alles ist in der Welt. Und so bleibt denn auch alles stets wie es ist. cuisine

 Nächste Woche klappern wir auch noch Aristoteles ab, aber dann lassen wir es mit den Griechen gut sein. Ich kann die Melodie von „Griechischer Wein“ echt schon nicht mehr hören.

 
Matrattel Mazirki Lilli Peterska Espresso Revue Kevin Goes ...