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Archive for the ‘Mustard’ Category

Um jetzt schalte!

Posted by evakiel on Juli 2nd, 2010

the zidane 250Liebe Freunde, liebe Römer, liebe Mitbürger,

liebe Spaghettimampfer und Antispaghettimampfer,

liebe Dünnbrettbohrer und Dickblechfräser,

liebe Teutonen, Kommilitonen und Ballafficonados …

es wird Zeit umzuschalten. Und zwar endgültig! Argentinien vs. Deutschland? Wen interessiert das? Das einzige was wirklich zählt, was wirklich Sinn macht, das ist der simple Umstand, dass der Ball rund ist. Überhaupt, der Ball, wie er so rund, so richtig rund und voll ist, so rundherum, so gerundet, so aus weichem Leder, mit feinen Nähten, ein rundum balliges Vergnügen also, dieser Ball in seiner ganzen Rundheit, das ist, was zählt! Nicht ein Ball jedoch genügt, nein, noch besser, noch runder, noch vollendeter sind zwei Bälle. Zwei runde, weiche Bälle in stiller Eintracht, wie sie so wiegen und wogen, in kleinen Körbchen etwa, in Cups meinetwegen, in praller, spitz zulaufender Vollendung, aber auch klein, zierlich und keck, meinetwegen sogar hängend und schlapp und üppig und ausladend, ja, so macht das ledrige Rund wirklich Spaß.

Was kann man nicht alles anfangen mit Bällen, mit zwei vor allem. Man kann sie kneten und drücken, sie knautschen und zwicken, sie befühlen und befummeln gar. Wobei wir natürlich wissen, je runder der Ball, desto verbotener die Zone, desto mehr hat es sich mit dem Befühlen und Betasten. Es bleibt einem armen Wicht nur das Begaffen und aus den Augenwinkeln Bestaunen. Bälle, ja richtig runde volle Bälle sind nichts, um sie zu treten, nichts, um sie zu kneten, nein, sie sind nur da zum Anbeten. Eine Doppelball-WM, das wäre die Vollendung aller Gelüste, alleine das wäre die höchste Wonne, die Rundheit des Runden sozusagen, die Ballheit des Balles.

Ich darf mich einem prominenten Nachspielredner anschließen, dem Trainer der Slowakei namentlich, der nach erfolgtem Achtelfinalaufstieg gegen Spaghettanien meinte: „Das ist nach der Geburt meines Sohnes der schönste Tag in meinem Leben!” Der Sohn und der Fußball, exakt. Ist hier von Weibsvolk die Rede? Nein! Die Frau spielt am kalkumrandeten Grün keine Rolle, der erste Kuss, der erste Fick, die Hochzeit … alles für’n Arsch. Erst der Sohn (der dereinst Fußballer wird) und dann der Viertelfinaleinzug. So tickt der Hängeschwanzbesitzer nun mal. Aber wehe, die We-Äm ist vorbei, dann werden sie wieder raunen von den wahren Bällen, den Doppelbällen, denen sie hinterher zappeln, die sie umdrippeln mit gierigen Blicken, die sie befummeln, begrapschen, begeifern wollen. Aber die rote Karte steckt schon in meiner Brusttasche (wo sonst), denn wer heute nicht mit meinen Bällen spielen will, der soll sich auch in drei Wochen sonst wohin verpissen! Nach Argentinien oder Deutschland!

Herzlichst, Eva Kiel (würde nur für Zinedine schwach werden)

Und hier noch ein kleines Trostliedchen für die Deutsche Elf germans crying 2

Schalt jetzt um!

Posted by peterska on Juni 24th, 2010

weirdcup 280Max kann alles nur schlecht machen! (siehe voriger Artikel – Nordkorea – Kommunismus oder Weltmeister?)

Was kann Fußball dafür, dass sich er und zwei oder drei andere Menschen nicht dafür interessieren? Denkt jemand mal an die armen Plastik-Bälle, die sich täglich tausende Male treten lassen müssen! Eine Geringschätzung der ausgebeuteten Ball-Produzenten! So nicht, mein lieber Max!

Die WM. Ein großes Spektakel. Wer kriegt heute einen Tritt gegen den Knöchel? Wessen Knochen geben als erstes nach? Wer macht noch ein langweiligeres Spiel als das vorige war? Welche Favoriten enttäuschen ausnahmsweise mal nicht? Wieso spart man sich nicht alle Spiele zwischendurch und gibt den Italienern unverdienterweise den Pokal nicht gleich wieder? Zungenschnalz, Zungenschnalz.

Fussball in Südafrika ist härter als die Straßen in Südafrika (und das meine ich durchaus im übertragenen Sinne). Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau vergewaltigt wird, ist höher als die lesen zu lernen. Da ist ein bisschen gespielte Heuchelei, wie toll dieser Event dort ist, Balsam auf den geschundenen Seelen der ‚Bafana Bafana’.

UgaUga.

Eine weitere grandiose Errungenschaft dieser WM: Die Vuvuzela. Was für ein Instrument! Typisch Südafrika, made in China.

Die FIFA verbietet es nicht im Stadion. Wieso auch?

Noch(!) spannendere Spiele: Die Spieler hören teilweise die Pfiffe des Schiedsrichters nicht. Interessante, anarchistische Wendungen in den Matches.

Die Pfiffe, die permanent ob der schlechten Performance der Spieler im Stadion zu hören wären, werden mit einem gleichtönigen Soundteppich überlegt.

Bravo, FIFA!

Dong, Dong.

(Anmerkung: Im Sinne der Google-Optimierung wurde dieser Text mit Redewendungen aus der Sprache unserer werten Südliche-Hemisphäre-Weltbürger getaggt. Tuktuktuk)

Soweit Peter, in drei Tagen, pünktlich zum letzten Viertelfinalisten spricht die Chefin ein Machtwort, z.B. “Ich blickte auf und banante den Ball in die Mitte” … na, von wem ist das? Ha?

Umschalten! Jetzt!

Posted by mazirki on Juni 20th, 2010

fade wm 250Nein, nein und abernein! Ich schreibe keinen Text über die WM. Ich produziere sicher keine Satire über dieses öde Fußballspektakel. Schlimm genug, dass alle abends nur noch ein Ziel haben. Zombies!

Worüber soll man denn schreiben? Man könnte auf den Chauvinismuszug aufspringen und sich über die ganzen edlen und nicht so edlen Wilden auslassen. Oder man (und mit man meine ich mich) könnte über diese Vuvuzelas (ja, ich weiß wie sie heißen. Wie hätte ich diesem Wissen entkommen können?) schreiben: Buhu, die sind so laut und so bunt, buhu! Tja, der Südafrikaner macht halt gerne Krach.

Über die menschliche Regung Krach zu machen, hat sich übrigens der im Gegensatz zu mir sehr gute Satiriker Kurt Tucholsky lustig gemacht: Der Mensch hat neben dem Trieb der Fortpflanzung und dem, zu essen und zu trinken, zwei Leidenschaften: Krach zu machen und nicht zuzuhören.

Was? Wie, ich muss? Na gut…

Hmm, Nordkorea! Was für ein lustiges Land?! Dass die AnalphabetInnenrate bedeutend niedriger ist als sonstwo in Asien (Ausgenommen: China) und das ganze Land immer noch demokratischer als, hmmm, Nepal oder Kirgistan, lass ich besser unter den Tisch fallen. Das lesen die Leute nicht gerne.

Angeblich hat der sympathische Overallträger Kim Ping-Pong ll eintausend Jubelchinesen im Stadion, die zu Nordkorea helfen und zu den Spielen gehen und Wirbel machen (mit Vuvuzelas?). Das glaube ich nicht. Ich glaube, dass diese Chinesen, die ja ohnehin zu tausenden Gastarbeit in Afrika verrichten, halt aus der Not eine Tugend machen und zur geschwisterlich verbundenen, demokratischen Volksrepublik helfen. Wenn China/Nordkorea (das ist ja mittlerweile synonym) so arg wäre, wäre es doch gefährlich, tausend Menschen einfach ins westliche Paradis ausreisen zu lassen und sie dort den imperialistischen Dämonen Bier, Fantum und Vuvuzela auszusetzen. Die kämen doch nie wieder!

Nein! Ich glaube, dass es sich bei den chinesischen Jubelpersern um Parteimitglieder handelt; oder Parteimitglieder in der Probephase. Oder sie wollen beitreten und das ist ihre Bewährungsprobe.

Was? Wie, das hat nichts mit Fußball zu tun?

Hm, na, dann muss man zumindest anerkennen, dass eine Außenseitermannschaft (ja, das hat nichts mit Politik zu tun) immerhin eine ganze Halbzeit lang Brasilien, der Innenseiternation (Sagt man das so, Kollege Sportredakteur?), ein 0:0 abgetrotzt hat. Aber, mal im Vetrauen, vom Mauern, Dichthalten und Grenzen schließen verstehen sie was, diese Kommunisten und sie würden auch bestimmt Weltmeister, wenn die ganze Werbung am Spielfeldrand sie nicht so verworren würde. Das kennen sie einfach nicht von zuhause (Natürlich gibt es in Nordkorea auch am Spielrand Werbung, aber nicht so viel verschiedene. Und meistens ist es Werbung für Overalls. Oder Overallträger).

Teil 1 unserer dreiteiligen WM-Miniserie: “Umschalten! Jetzt!”

weltmeistergedichte!

Posted by herrhammer on Juni 8th, 2010

Erneut rettet Hydra die schöne Welt der Lyrik. Heutzutage, wo kein Kind und keine Sau mehr ein Lyrikbändchen aufschlägt, bringen wir die Lyrik zurück zu den Basics, zurück in den lebensnahen Alltag, zurück zu den Dingen, die uns poetisch verunfallte Menschen wirklich bewegen. Zurück also zum Fußball! Wir präsentieren Herrn Hammers  Weltmeistergedichte. Folge 1: Frankreich!

Frankreichs Tormann heißt Lloris
Das weiß fast jedes Kind.
Aber warum das so is,
das weiß nur der Wind.

Denn zwei „L“ am Wortbeginn
Tun beim Lesen weh.
Nein, die machen wenig Sinn.
Oder ists ein Schmäh?

Evra, Gallas, Abidal
Stehen in der Kette.
Diese Abwehr ist fatal,
spielt mäßig – Jede Wette!

Kommen wir zum Mittelfeld,
hier spielt Herr Ribery.
Der Franck von Bayern hat an Lauf
Spielt gut wie zuvor nie.

Doch is er schiach, fast wie die Nacht,
Entstellt durch lauter Narben.
Drum hat er nur mit Nutten Sex,
Muss in der Liebe darben.

Im Sturm, da stehen Anelka,
Cisse, Govou, Gignac.
Natürlich ist auch Henry da,
der Rest ist eher Gack.

Und schließlich noch Herr Domenech,
der hat zwar viel Charisma
doch weiß als Coach er einen Dreck –
so wird das nix. Das wiss ma!

Herr Hammer

die ära der mantarochen

Posted by curtcuisine on April 25th, 2010

philosophie 12 kant 300Immanuel Kant

Kokosnüsse und Mantarochen sind zwei Begriffe, die im Werk von Immanuel Kant nicht vorkommen. Das ist schade. Um wieviel erträglicher wären manche seiner elendslangen Abhandlungen, wenn da auch ein Mantarochen vorkommen würde. Stellt euch das vor! Die „Kritik des gemeinen Mantarochens.“ Oder: Die „Metaphysik der Kokosnuss.“ Dazu Immanuel Kant als Haschisch paffender Tahitianer, der mit Palmenblätter bekleidet an einem Sandstrand lungert und versucht, mit zwei, drei Sätzen eine Lebensphilosophie hinzukriegen, die ebenso elegant wie relaxt klingt, die aber im Grunde nichts weiter besagen soll als: Genauso wie mir das Leben Spaß macht, genauso funktioniert die Welt.

Aber wie gesagt: Mantarochen waren Kants Sache nicht. Was ihm wirklich Spaß machte, was ihm wirklich, wirklich gefiel, was ihn so richtig auf die erkenntnistheoretische Palme brachte, das war „das Ding an sich“. (Nein, nicht das Ding zwischen den Beinen! Werdet endlich erwachsen!) Die Dinge so wie sie sind. So wie sie wirklich sind. Also ohne dass irgendein Mensch mit seinem subjektiven Verstand, seinen morgenmüden Augen oder sonst einem Sinn ähm hinschaut. So wie Gott, wenn es ihn denn gäbe, dieses Ding anstarren würde. (Aber hat Gott überhaupt Augen? Und wenn er keine Augen hat, hat er dann wenigstens Hühneraugen? Und wenn er nicht einmal das hat, kann er dann etwas fühlen? Und wenn er gar nichts fühlen kann, hat dann überhaupt etwas Bedeutung und Wert für ihn? Und blablabla.) Genau das ist der Punkt! Genau das ist die Frage: Wie sieht die Welt mit Gottes Augen aus?

Aber Kant war kein Märchenonkel, Gott hatte für ihn keinen langen Bart oder so, sondern Gott, das war eher die Gesamtheit aller Vernunft und alles Wissens. Und zugleich nichts davon. Ein Buddhistisches Nichts, ein Platonischer Höhlenforscher, ein anorganisches Allbewusstsein. Und für Kant war klar, dass wir nie kapieren würden, wie dieses ähm Ding die ähm Dinge sieht. Da kommen wir einfach nicht ran. Wie der Pudel an die Kokosnuss. Keine Chance. „Was die Dinge an sich sein mögen, weiß ich nicht und brauche es nicht zu wissen, weil mir doch niemals ein Ding anders als in der Erscheinung vorkommen kann.“ Sagt Kant. Und ihr habt es eh gleich verstanden, oder? Der Mann war Marienanbeter und glaubte an Erscheinungen.

Nein, stimmt natürlich nicht, in Wahrheit war alles viel viel viel viel viel viel viel komplizierter. Aber wisst ihr was? Uns ist das scheißegal. Und euch sowieso auch, das wissen wir ganz genau. Ja, sogar Kants berühmter kategorischer Imperativ („Handle so, dass deine Handlung eine Handlung ist, die genau weiß wovon sie handelt, außer sie spielt sich in einer Tierhandlung ab, äh, nein, das ging irgendwie anders …“) Ja, egal, das ist euch alles wurscht. Das wissen wir. Und wisst ihr, warum euch das überhaupt wurscht sein darf? Eben weil es Immanuel Kant gegeben hat, der sich genau darüber den Kopf zerbrochen hat. Und zwar gründlicher, detaillierter und versessener als je ein Mensch zuvor. Ja, er hat das so gründlich gemacht, dass lange Zeit niemand mehr etwas davon wissen wollte. Es war wie ein abschreckendes Beispiel. Über Jahrhunderte hinweg brauchte ein Vater seinen wissbegierigen Sohn nur diesen einen Namen nachschleudern, schon war es still am Mittagstisch. Sohn: „Du, Papi. Warum ist die Erde eigentlich rund? Und warum leben Schwämme im Meer. Und wofür brauche ich einen kategorischen Imperativ.“ Vater (brüllend): „Im-ma-nu-el Ka-ha-nt!“ Sohn: „Heul, flenn, schluchz. Du hast ja recht, wenn man erst zu fragen anfängt, wird alles soooo kompliziert. Ich frag’ ja nie wieder.“

Was kann uns Immanuel Kant heute noch mit auf den Weg geben?
Dass Pauschalreisen in die Karibik nicht vollkommen zu verdammen sind. Zumindest so manchem Philosophen würde ein Ausflug zu so seinem Sandstrandghetto samt Animateur und mitgereistem Swingerklub für 60+ Geilsäcke nicht schlecht tun. Ist das „Werk“ aber mal verbrochen, hilft auch das nichts. Dann lehrt das Beispiel Kant vor allem, dass die Dinge eben nicht so einfach liegen. Aber diese Lehre ist nicht so traurig wie sie klingt. Denn Kant war privat ein zwar eher schrulliger Mensch, mit einem fast schon krankhaft peniblen Tagesplan, aber er war zugleich ein gewitzter Zeitgenosse, der gerne mit Frauen flirtete und nichts mehr schätzte als eine gute Unterhaltung. Klar, denn Kant war ja nicht blöd. Und das ist doch eine feine Lektion für’s Leben, nicht. Auch wenn ihr vorhabt, tiefschürfende, nahezu unverständliche  Bücher zu schreiben, heißt das noch lange nicht, dass ihr deswegen zu blöd fürs Leben sein müsst.

Nächste Woche betreten wir ein Tal des Jammers und ziehen uns von dort an unserem eigenen Ego wieder heraus. Nein, es ist nicht Münchhausen gemeint. Wait for it!

die großen parkbänke unserer zeit

Posted by curtcuisine on April 18th, 2010

philosophie 11 jjr 300Jean-Jacques Rousseau

Jean-Jacques Rousseau hatte die Natur sehr, sehr lieb. Immer wieder rief bzw. schrieb er: „Zurück zur Natur!“ Aber das tat er meistens in einer kleinen, stickigen Schreibkammer, denn der Mann kam eigentlich kaum raus in die freie Natur, er hat immer nur geschrieben. Nicht nur Philosophie, sondern auch elendslange Romane (z.B. „Emil oder die Erziehung“) oder eine noch elendslängere Autobiographie („Bekenntnisse“). Laptops (und Facebook) gab’s damals noch nicht, also musste er sich die Finger wund schreiben mit klecksenden Straußenfedern. Am Ende saß er dann alleine da, die Finger taten ihm weh und waren schmutzig, und er konnte gar nichts mehr machen damit. Dabei hätte er so gerne, nur ganz kurz, ist eh niemand da, psst,  still und heimlich, unter der Bettdecke …

Die Sache war nämlich so. Rousseau war ein bisschen ein Muttersöhnchen, der aber gerne ein harter Kerl gewesen wäre. Daraus hat er sich eine kleine Philosophie gebastelt. Die Vernunft und die Wissenschaft verweichlichen den Menschen, verformen ihn wider seine „Natur“. Streng muss er erzogen werden, damit er nicht degeneriert, sondern den Atem der „Natur“ wieder fühlen kann. (Ja, so etwas hörte man damals gerne.) Nur kam zwei Jahrhunderte ein anderer Philosoph namens Jacques Derrida, der sich den Spaß machte, das, was Rousseau über die Natur, die Gesellschaft und den Ursprung aller Dinge schrieb, mit dem zu vergleichen, was er über seine Mami und vor allem übers Onanieren schrieb, und, oje, ihr könnt euch vorstellen, wie das ausging. Da gab es ganz üble Parallelen.

Das war gemein von diesem Derrida (keine Sorge, der kommt auch noch dran in dieser Reihe), aber was Derrida eigentlich zeigen wollte, war, dass es kein sogenanntes kausales Denken gibt, also zumindest keines, das mit mathematischer Präzision funktioniert. Sondern es menschelt in jedem noch so streng, stringent oder folgerichtig anmutenden Gedankengang. Aber Derrida wäre nicht einer der am schwierigsten zu verstehenden Philosophen, wenn es das alleine schon wäre (oje, jetzt wird’s kompliziert). Derrida wollte darüber hinaus zeigen, dass das nichts mit einer Verpsychologisierung des Denkens zu tun hat, sondern dass das sprach- und schriftimmanent ist. Mit anderen Worten, unsere Sprache (und ein anderes Werkzeug zum Denken haben wir nicht) nährt sich aus subjektiven, schwammigen („parasitären“) Bedeutungen. Sobald wir mehr sagen als 1 + 1 = 2, stehen wir schon knöcheltief in der Subjektivität.

O.k., das war jetzt sehr theoretisch. Wie war das nochmals genau bei Rousseau? Leider auch sehr kompliziert, aber sagen wir mal, dass Rousseau oft und gerne darüber schrieb, dass man irgendwie zurück zur „Natur“ müsse, weil diese der Ursprung sei, aber eigentlich soll man nicht zurück zum Ursprung, weil sich der Mensch ja weiter entwickeln soll. Und weil das irgendwie alles unmöglich ist, hat man es die ganze Zeit mit „Ersatzhandlungen“ zu tun (Reflektieren, Denken, Vernunft), die versuchen, diese Ursprünglichkeit herzustellen. (Klingt das wie ein Haufen Hühnerkacke? Na ja, ist halt Philosophie). Nun, jetzt ersetzt „Natur“ mit „Mama“ und „Ersatzhandlung“ mit „Onanieren“. Dann wisst ihr ungefähr, worauf Derrida hinweisen wollte.

Was kann uns Jean-Jacques Rousseau heute noch mit auf den Weg geben?
Dieser arme Mann! Einst eine Kultfigur, ja, ein Leitstern für Philosophen und Pädagogen – und heute das. Aber genau das ist die „Lehre“. Wenn man Aussagen wie „Zurück zur Natur!“, „Rettet die Wale!“ oder „Fickt das System!“ auf den Lippen hat, sollte man nicht ins nächste Kämmerchen flüchten und einen klugen Text darüber schreiben, sondern es einfach machen. (Ja, auch das mit dem System. Tut es einfach!) Andernfalls schwafelt man nur daher … und es dauert nicht lange,  bis so ein Pedant wie Jacques Derrida kommt und aller Welt beweist, dass man gar nicht über die Natur, die Wale oder das System geplaudert hat, sondern über intime Gewissensbisse, die man zu einem riesigen Gedankengebäude aufgebaut hat … au Backe, was für eine traurige Lektion fürs Leben. Na ja, die Philosophie ist halt nicht immer heiter.  (Und bedenkt, heute hat sie wirklich einen mächtigen Kater.)

Nächste Woche besuchen wir den Alleszertrümmerer. Aber wir müssen uns beeilen, denn Immanuel Kant war Zeit seines (akademischen) Lebens nur von 16.33 Uhr bis 16.37 Uhr ansprechbar. Den Rest seines Tages hat er ausschließlich Mantarochen dressiert.

was? schon folge 10?

Posted by curtcuisine on April 11th, 2010

philosophie 10 hlh300Hobbes, Locke & Hume

Thomas Hobbes, John Locke & David Hume waren fast so etwas wie die Dicks und Doofs des englischen Empirismus, nur dass sie eben zu Dritt waren. Dieses Empirismusdings jedenfalls hat Hobbes angefangen, Locke weitergeführt (beide eher dürr) und Hume (der Mann war wirklich beleibt) zur Vollendung gebracht. Empirismus also mit Vollendung. Übrigens eine im Rotlichtmilieu durchaus gebräuchliche Phrase. Kommt zur Anwendung, wenn eine ausgebeutete und zur Prostitution gezwungene und erniedrigte Frau (Nutte darf man ja nicht mehr sagen) vor einem, sagen wir mal, Philosophen kniet. Damit sind wir auch mehr oder weniger beim Ursprung alles menschlichen Lebens angelangt und damit in der hervorragenden Lage, den besonderen Clou des englischen Empirismus zu erklären.

Dieser bezog sich nämlich weniger aufs Erbsenzählen (siehe Kapitel V, Aristoteles) sondern auf eine Philosophy of Mind. Ja, aber was ist denn das? Stellt euch vor, all eure Gedanken wären eine Tafel. Keine Schokoladetafel, sondern eine Schiefertafel in der Schule. O. k., ihr habt Probleme damit, weil ihr euch vorstellt, wie eine dicke Dampfwalze über euren Schädel rollt und ihr seht vor allem, wie das Blut wegspritzt und habt keine Ahnung, wie ihr es vom Asphalt abkratzen sollt, um es auf eine Tafel zu spachteln. Aber das sind nur Details. Was Dick, Doof & Doof, also Hobbes, Locke & Hume sagen wollten ist, dass unsere Gedanken am Anfang unseres Lebens unbeschrieben wie eine Schiefertafel sind. Erst die Erfahrungen, die wir so sammeln, bekritzeln diese Tafel mit Formeln und Zeichen. Und unser Intellekt ist dann wie ein Mathematiker oder Oberlehrer und verknüpft das ganze Gekritzel zu einem sinnvollen Ganzem.

Über diese „Theorie“ waren sich Hobbes, Locke & Hume mehr oder wenig einig, wobei Hobbes das nur angedeutet hat, die Tafel voll gekritzelt haben dann vor allem Locke & Hume. Worüber sich die drei aber gar nicht einigen konnten, war die Frage, was das eigentlich für unsere Gesellschaft bedeutet. Denn wenn die Tafel bei allen am Anfang leer ist, wären wir ja alle irgendwie gleich. Das wäre aber Kommunismus! Igitt! Außerdem wurde der erst ein gutes Jahrhundert später erfunden. Darum haben Hobbes & Locke beschlossen, die Sache einem Juristen zu übergeben. Denn bei Hobbes wäre die Gesellschaft sonst ein Monster (das er „Leviathan“ nannte, ah … jetzt klingelt’s!), Locke hingegen schwafelte die ganze Zeit von einem „Gesellschaftsvertrag“, der unbedingt nötig wäre. Sprich: die beiden gingen wohl davon aus, dass sich  die Menschen ohne Verträge eher wie Tiere zueinander verhalten würden. Hume hingegen sah das ein wenig neutraler, für ihn frommte der Zweck den Menschen. Er meinte, die Menschen würden zwangsläufig einsehen, dass das, was nützlich für alle sei, auch für sie selbst nützlich sei (das wird übrigens mit einem nahezu unaussprechlichen Wort bezeichnet, nämlich Utilitarismus). Das klingt eigentlich recht vernünftig, allerdings lässt Hume den Menschen im Grunde gar keine Wahl. Für ihn funktionieren wir nämlich alle wie Uhrwerke. Tick, tack, tick, tack. Ja, komisch, gell, worauf man mit so einer Schiefertafel alles kommen kann …

Was können uns Hobbes, Locke & Hume heute noch mit auf den Weg geben?
Zunächst mal die Erkenntnis, dass Philosophen, auch wenn sie älter geworden sind, trotzdem hin und wieder in einer Schule vorbeischauen sollten. Denn eine Schultafel ist nie leer, da steht jeden morgen immer was Obszönes drauf („Fickt Mathe“ oder „Hosen runter, Herr Direktor“). Und damit sollte eigentlich schon klar sein, dass diese Blanke-Tafel-Theorie reiner Unfug ist. Die Wahrheit ist: Noch bevor wir auf die Welt kommen, sind wir schon angeschmiert. Gerade darum sollte man sich Gedanken drüber machen, wie man diese Schmiere (meistens stinkt sie nach Gaga oder zumindest nach Geld, das die einen haben, die anderen aber nicht) halbwegs gerecht verteilt. Aber ob man diese Sache einem Juristen anvertrauen soll … na, ich weiß nicht.

Nächste Woche besuchen wir Jean-Jacques Rousseau in seiner Hütte im Grünen. Schnuckelig ist es dort aber nicht, soviel können wir schon verraten.

 
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