„Die Wirtschaft schreit mehr als die Arbeitslosen, haha“

„Es gibt eine Explosion der Überstunden, gleichzeitig klagt die Wirtschaft über Arbeitsmangel, wie ist das möglich?“, lachte Sozialminister Hundstorfer in der Pressestunde. „Wir haben mit der Wirtschaft Diskussionen, haha.“ Haha? Aha? Huhu? Hoho? Hehe? Eine arme, kleine, nicht lustige Satire von Kerstin Kellermann.

Unser lieber Sozialminister Rudolf Hundstorfer übt sich mal wieder in Relativierung und Gefühlsabwehr. Es ist doch eh alles ganz normal! Wozu sich aufregen? Energieverschwendung! Die Zelte für Flüchtlinge sind ja sowieso nur eine Notmaßnahme und vorübergehend… Was soll die Innenministerin schon machen… „Sechs bis sieben Länder können DAS PROBLEM nicht alleine tragen…“ Sogar der Herr Koller von den Salzburger Nachrichten ist schärfer im Tonfall und kritischer: „ In zwei Tagen kamen über 700 Flüchtlinge: Es herrscht Krieg!“, hält er Hundstorfer vor. Krieg? Hundstorfer kratzt der Krieg weniger, denn er muss sich erstmal um Arbeitsplätze für die anerkannten Flüchtlinge bemühen, was Herrn Kurz ja bekanntlich weniger kratzt, der die entsprechenden NGO-Projekte streichen ließ – als frischgebackener Integrations- und Außenminister. Flüchtlinge integrieren? Wieso das denn – die gehen doch wieder! Nach Hause!

torferlspareRudolf Hundstorfer und die Innenministerin müssen eine EU-Richtlinie umsetzen und „sich Sachen überlegen“. (Ich erinnere mich an eine Arbeitsmaßnahme für tschetschenische Flüchtlinge: Was seid ihr von Beruf? Fahrer. Fahrer? Ja, für Militärfahrzeuge. Der Krieg und seine Berufe, Teil 1.) „Mehr ausländische Arbeitnehmer sind arbeitslos als Österreicher“, sagt die ganz in weiß gekleidete ORF-Journalistin Claudia Dannhauser. „Es arbeiten aber auch 16.000 Österreicher in Deutschland“, antwortet Hundstorfer. „Es ist nicht so, dass alles hereinstürmt. Schnauf. Die Einhaltung der Kollektivverträge ist das wahre Problem. Die älteren Arbeitslosen. Wir haben mit der Wirtschaft Diskussionen!“, da lacht er plötzlich. „Die Wirtschaft wird anerkennen müssen…“

Die lachende Beruhigungspille

„Ein schlecht bezahlter Job bringt weniger als die Mindestsicherung. Soll es da nicht zu Verschärfungen der Mindestsicherung kommen?“, fragt der Journalist. „Die Masse der Mindestsicherungs-Bezieher kriegt eine Aufstockungsleistung. Sie soll eine Absicherung sein, aber nicht für immer. Nur mit siebzig, achtzig Jahren, wenn man gar nix hat“, ist die Antwort. Armes Österreich. Arme ÖsterreicherInnen. Arme alte ÖsterreicherInnen! Und das meine ich ernst!

Journalistin: „Sie gelten als die Beruhigungspille der Nation…, die Wirtschaft…“ Hundstorfer: „Für die Wirtschaft sind viele zuständig.“ Journalist: „Die Wirtschaft klagt über ausufernde Einschränkungen…“ Hundstorfer lacht. Die Wirtschaft regt sich mehr auf als die armen Arbeitslosen, die keine Kraft mehr haben vor lauter sparen. Sparetraurigs statt Sparefrohs. Journalist: „Wieso sind die Löhne so niedrig und die brauchen Mindestsicherung? Sollte man nicht den Mindestlohn….?“ Hundstorfer: „Da haben wir etwas vereinbart. Die Sozialpartner bemühen sich. Über eine Million Österreicherinnen sind in Teilzeit beschäftigt! Wir haben extrem viele Überstunden, 270 Millionen. Das kostet die Krankenkassen…“ Er rechnet. Journalist entsetzt: „Sie wollen die Überstunden bestrafen?“ Hundstorfer rechnet noch immer. „Das wären 8300 zusätzliche Jobs!“ Einen Euro soll das Unternehmen pro Überstunde Abgabe leisten. Die Journalistin vorwurfsvoll: „Bei den Krankenkassen ist ja jetzt auch kein Geld verhanden!“ Hundstorfer lacht wieder, er kennt die Einwände schon. Die Wirtschaft schreit mehr als die Arbeitslosen. Und lauter. „Sind die Leute, die bissl weniger verdienen, nicht auf die Überstunden angewiesen, um bissl mehr zu verdienen?“, tastet sich der Journalist vor. No? Klingt nicht so, als ob er Leute kennt, die „ein bissl weniger verdienen“. „Es gibt eine Explosion der Überstunden, gleichzeitig klagt die Wirtschaft über Arbeitsmangel, wie ist das möglich?“, fragt Hundstorfer.

Brot- und Zwiebel-Wirtschaftsminister

„Der Wirtschaftsminister will eine Tagung.“ Da lacht er schon wieder, unser Sozialminister. „Wir haben 90.000 AMS-Sperren im Jahr, da wird schon punktgenau geschaut, das ist alles andere, als dass man da nicht hinschaut.“ Au weh, die armen Arbeitslosen, einen Monat von Brot und Zwiebeln leben, von Luft. „Das Pensionsantrittsalter…“, die ORF-Journalistin schaut sorgenvoll über ihre Brille. Die möchte sicher noch länger arbeiten dürfen. „Da muss man unterscheiden, ob die Arbeit einem Spaß macht oder nicht“, lacht Hundstorfer. „Bei uns werden Invaliditäten in der Pension abgearbeitet.“ Die müsste man heraus rechnen. „Es tut mir irrsinnig weh, wenn der Wirtschaftsminister raus vor die Medien geht und sagt, wir brauchen Abschläge. Die Leute zahlen schon Abschläge – es ist ja nicht so wenig.“ Hundstorfer lacht immer so, hehe. Manche Leute haben nichts. Und die, die was haben, wollen denen, die nichts haben, noch etwas wegnehmen und lauern darauf, was die Armen noch alles zu viel haben könnten an Geld-Häppchen. Das kann man schon lustig finden. Eine Art Berufskrankheit eines Sozialministers wohl.

„In Schweden wird die Invalidität über den Sozialhilfe-Topf ausgezahlt. Den Kürzungen der Pensionen mussten die Schweden Steuergutschriften entgegenhalten, weil das Land das nicht aushielt. Ich musste mich hinstellen und den österreichischen Senioren erklären, dass sie nur eine gedämpfte Anpassung kriegen.“ Hundstorfer lacht schon wieder, wohl über die Zu- und Anmutungen seines Berufes. Die Vor- und Anwürfe. Der SN-Journalist: „Die Pensionsreform führte also zu höherer Arbeitslosigkeit?“ Na, endlich hat er es kapiert! Hundstorfer kommt aus seiner Erheiterung gar nicht mehr heraus. „Das erste Jahr der Invalidität zahlt in Schweden der Arbeitgeber!“ Diese Vorstellung für Österreich finde ich auch witzig, aber das wäre gerecht, wenn das Unternehmen nämlich die Invalidität verursacht hat.

Pflege, Pflege, Pflegemilliarden

torferl16„Wir sind Weltmeister, 35 Prozent der Bevölkerung kriegen Pflegegeld.“ Hundstorfer lacht schon wieder seltsamerweise. Unangemessen? „Wir hatten 2011 eine riesige Arbeitsgruppe, haha!“ Koller: „Es geht sich hinten und vorne nicht aus.“ „Hahaha, wir geben drei Milliarden aus für die Pflege. Sozialversicherung für pflegende Angehörige… Die Alternative wäre, das man das dem Arbeitgeber umhängt. Hahaha, das ist nicht mein Weg.“ Kleiner Seitenhieb auf die sich beklagende Wirtschaft. Die ORF-Journalistin: „Die Pfleger wollen 30 Prozent mehr Gehalt. Kann man denen mehr geben als den Ärzten? Ist das nicht ungerecht?!“ Und diese fordernden Pflegerinnen erst!!

Hundstorfer: „Gestatten Sie mir, dass ich nonchalant antworte. Schnauf. Im Pflegebereich gib es schlechte Stimmung. Ich bin der Verhandlungspartner. Familienlastenausgleichsfonds, Maschinensteuer, das fordere ich alles eh schon nicht mehr.“ Dannhauser mit hoher Mädchenstimme: „Die Ärzte! Sie haben etwas Strenges vorgelegt, das hätte man nicht müssen.“ Hundstorfer amüsiert sich. Galgenhumor. „Jeder wusste, dass das kommt. Ich hatte ein EU-Strafverfahren vor der Türe. Mit 35 Millionen. Haha!“, er breitet die Hände aus. Die neue Ärzte-Gewerkschaft in Niederösterreich. Tja, sehr lustig. Dann lacht er über Niessl, der ihn als Bundespräsident sehen will: „Ich kümmere mich um Lohndumping, dass nicht unterentlohnt wird. Damit habe ich sehr viel zu tun.“ „Welche konkreten Maßnahmen?“, fragt die Journalistin. „Welche weiteren konkreten Maßnahmen“, bessert er sie aus und lacht das letzte Mal. Diesmal sie auch.

Kerstin Kellermann, exklusiv für Hydra

Niemals Vergessen! Paris mahnt zu gutem Humor.

hydra_krztÖsterreich in Europa angekommen. Endlich auch hier Morddrohungen gegen SatirikerInnen.

Wir, das Satirekonglomerat HYDRA, freuen uns immer über sachliche Kritik an unseren Werken. Wir freuen uns auch über die vollkommen unsachliche Kritik, die Peter Strasser in seinem Artikel über unseren Reiseführer „Wien wie es wirklich scheint“ übt, da sie uns beweist, die richtigen Leute zu verärgern.

Wir halten folgendes fest:

  1. Satire, die niemanden verärgert, verdient keine Bezeichnung als solche.
  2. Terroristen, die unseren Reiseführer benötigen, um Anschlagsziele in Wien ausfindig zu machen, verdienen ebenfalls keine Bezeichnung als solche.
  3. Die Attraktivität des AKH als potentielles Terrorziel ist eine Tatsache, für die wir uns nicht verantwortlich fühlen. Wir haben aber vollstes Vertrauen, dass genannte Tatsache sowohl den Betreibern der Anstalt als auch den zuständigen Sicherheitsbehörden bekannt ist und das Bestmögliche zur Verhinderung eines solchen Anschlages getan wird.
  4. Aus unserem Text eine grundlegende Befürwortung oder Bewerbung des Terrorismus herauszulesen, zeugt von einer massiven Inkompetenz in Sachen Textverständnis, die jedes desaströse österreichische Ergebnis im PISA-Test in den Schatten stellt.
  5. Wir sind allerdings von der Krone auch nichts besseres gewohnt.

Wir möchten ergänzen, dass in den Kommentaren auf der Webseite der Krone, Kommentare, die laut den Angaben der Krone vor ihrer Veröffentlichung von Mitarbeitern geprüft werden, zu unserer Erschießung aufgerufen wird (siehe Bild rechts unten). Wir stellen die Frage, inwieweit sich solches Gedankengut von jenem unterscheidet, das gerne sogenannten radikalen Islamisten zugeschrieben wird und erbitten Auskunft, ob dies der offiziellen Blattlinie der Krone entspricht. Wir würden in diesem Falle die Kronenzeitung als geringfügig bedrohlicher empfinden als ohnehin schon längst.

krone_kommentare_highlightedAbschließend möchten wir betonen, dass wir die Meinung unseres geschätzten Verlegers nicht teilen, wonach unser Text nach den Pariser Anschlägen nicht mehr zeitgemäß sei. Wir sind der festen Überzeugung, dass die traurige Tatsache des Terrorismus satirisch bearbeitet werden darf. Das einzige, was Satire in diesen Zeiten nicht darf ist, sich vor den Karren selbsternannter abendländischer Kulturverteidiger spannen zu lassen.

Für die Hydra:
Curt Cuisine, Maximilian Zirkowitsch, Gregor Fröhlich
Rückfragen bitte an office@hydrazine.at

 

 

Je suis betroffen …

jesuis_1… ergo poste ich. Über Charlie Hebdo, den unvermeidlichen Diskurs darüber und die (folgenlosen) Folgen.

Man ist ja fast sprachlos. Zunächst über die Tat an sich, die wie jede Gewalttat unfassbar ist. Sich diese kaltblütig ausgeführten Morde, diesen jähen, finalen Gewalteinbruch in das Leben der Redakteure von Charlie Hebdo und natürlich das Leid, den Schmerz, den Schock der Hinterbliebenen auch nur ansatzweise vorzustellen, macht sprachlos. Diese Sprachlosigkeit muss ich jetzt schnell in einem Posting loswerden. Moment. So. Schon passiert.

Sprachlos machen natürlich auch die Hintergründe der Tat. Den Fanatismus, den es dafür benötigt, den von Verbitterung vollgesogenen Hass, der jeden Funken Ironie über die eigene jämmerliche Existenz vermissen lässt. Und Ironie, das wissen wir, ist eine der größten Errungenschaften unserer europäischen Zivilisation, die, wie uns viele Kommentatoren versichern wollen, ganz weit vorne liegt im internationalen Weltdurchschnitt. Vor wenigen Jahren war es zwar noch verpönt, im Zusammenhang mit islamischer Radikalisierung von „tiefstem Mittelalter“ zu sprechen („Wir, die christlich-aufgeklärten Fortschrittlichen, sie, die fundamentalistisch Rückschrittlichen.“), aber diese Barriere ist längst gefallen. Einen „Rückfall in die Barbarei“ orten längst unzählige Kommentatoren, auch in renommierten Feuilletons. Zuletzt anlässlich des vor zwei Wochen erfolgten Anschlags der Taliban auf eine Schule im pakistanischen Peschawar. 132 Schulkinder wurden dabei getötet – und das ohne vorausgehende Verunglimpfung eines Propheten. Natürlich ist das entsetzlich, aber wir müssen nun wirklich nicht ins Mittelalter zurückblicken, um diese „Barbarei“ auch bei uns zu finden. Und heute wissen wir jedenfalls eines mit Bestimmtheit: Moslems waren unter den Nazis äußerst selten. Moment, das muss ich schnell posten.

jesuis_2Ah, bin schon wieder da. Ja, man ist sprachlos. Auch aufgrund des Diskurses, der so schnell auf Hochtouren kommt, aufgrund der unzähligen Kommentare, die wie Pilze aus dem nachgewitterlichen Waldboden schießen. Praktisch innerhalb weniger Stunden erreicht der Diskurs heutzutage die Metaebene. Die einen marschieren noch protestierend durch die Städte, um ihre Betroffenheit und Solidarität zu zeigen, während die Anderen sich bereits darum sorgen, wie sehr dieses Attentat Wasser auf die Mühlen der Alltags- und Salonrassisten leert – gar nicht zu reden von Pegida & Co. Armin Wolf beschrieb das punktgenau mit einem Posting auf facebook: „Es gibt Themen, bei denen ich wirklich länger überlege, ob ich auf FB überhaupt etwas posten soll. Weil von vornherein klar ist, dass ich mir damit in den Kommentaren neben vielen klugen Dingen auch Idiotien jeder Art einfange. Das schreckliche Massaker von Paris ist ein solches Thema. Egal, was man dazu postet, innerhalb von Minuten sammelt man im Forum Blödheiten ein – von der ‚Krankheit Islam’ bis ‚Die Morde sind auch nicht schlimmer als die Karikaturen in der Zeitung’.“

Man ist sprachlos, weil man zwischen all dieser Hysterie fast in die Sprachlosigkeit gedrängt wird. Man fühlt sich ohnmächtig, wird regelrecht wütend und überlegt, ob man nicht auch eine Karikatur zeichnen soll, die dem Propheten eine Stange Dynamit in den Arsch zaubert. Aber man traut sich natürlich nicht, denn wer hat schon den fast lebensverachtenden Mut, den die Redakteure von Charlie Hebdo bewiesen haben? Außerdem ist die Satire – in dieser Situation – ebenfalls ohnmächtig. Viel weiter müsste man gehen! Man müsste diesen Fanatikern endlich die Meinung sagen, ihnen unsere europäische Manieren und Sitten beibringen, ihnen Gelassenheit und Selbstironie eintrichtern, sie umerziehen, am besten mit einem Hauch Waterboarding. Nein. Moment. Das nicht. Das poste ich nicht. Sonst wäre ich vielleicht selbst ein Fanatiker, dem es völlig an Distanz zu den Themen fehlt. Fehlte nur noch, dass wir die Grenzen zwischen „Fanatismus“ und „Religion“ verwischen, während wir uns in unserem Denken sukzessive von „islamischen Fanatikern“ zu „Islamisten“ und schließlich zu „Moslems“ vorwursteln. Und am Ende brüllen wir dann genauso, dass es jetzt genug ist, dass man jetzt endlich Maßnahmen ergreifen muss, dass man diese ganze Fanatikerbrut bitte endlich zurückschieben soll in ihr Herkunftsland. Wolfgang Müller Funk nennt die Attentäter im „Der Standard“ übrigens sehr treffend „selbsternannte Gotteskrieger“. Es liegt an uns, diese „Selbsternennung“ als das zu interpretieren, was sie ist, als Größenwahn nämlich – und nicht als Ausdruck von Religiosität.

jesuis_3Trotzdem denkt man natürlich sofort an „diese Muslime“ und hält die ganze Sache für ein religiöses Problem. Dass so viel Thilo Sarrazin in einem selbst steckt, überrascht dann doch und das bisschen schlechte Gewissen macht gleich noch ohnmächtiger. Man fragt sich: „Kann es das wirklich sein, all das bloß duldend zu ertragen?“ Nein, man kann ja ein Zeichen setzen. Also heftet man sich „Je suis Charlie“ auf sein Profilbild. Je mehr Leute das tun, desto wohliger wird einem wieder. Denn siehe, es gibt ja Protest, die Menschen setzen ein Zeichen. Wir alle setzen ein Zeichen! Oh, wie schön ist das! Es ist wie zu Weihnachten, wenn überall die Lichter angehen. Oder wie beim „Harlem Shuffle“ oder der „Icebucket“-Challenge. So schön, wenn es alle tun! Wir sind eins, eine Einheit, vereint in der Betroffenheit. Sogar der Wiener Bürgermeister tut es. Nein, Moment, da kann etwas nicht stimmen. Kann es sein, dass Betroffenheit und Opportunität sich irgendwie doch bestens vertragen? Ich darf meinen Hydra-Kollegen Maximilian Zirkowitsch zitieren: „Ich bin sofort bereit, alle, die glauben, die Änderung eines Profilbildes oder ein Posting sei eine Form politischen Engagements, mit einem Plakatständer zu verdreschen.“ Moment. Das muss ich posten.

Schon wieder zurück. Klingt das jetzt ein bisschen zynisch? Am Gipfel der Betroffenheit sollte man nicht über Betroffenheit spotten? Dann kommt jetzt eine wirklich zynische Geschichte. Seit fast zwei Jahren beherbergt der Libanon offiziell über eine Million syrische Flüchtlinge. Der Bürgerkrieg im Syrien ist eine komplizierte Geschichte. Insbesondere seit sich das IS-Kalifat gebildet hat, ist die Situation so verfahren, dass die mediale Aufmerksamkeit längst erloschen ist. Nun kam es zum Wintereinbruch im Libanon und die ersten Flüchtlinge, die ohnehin seit Monaten hungern und in erbärmlicher Armut leben, sind erfroren. Vor wenigen Tagen haben die Appellaufrufe internationaler Hilfsorganisationen endlich gewirkt, es kam zu medialen Spendenaufrufen. Und dann kam Charlie Hebdo. Jetzt sind die Spendenaufrufe wieder weg von den Websites. Denn, so die unausgesprochene Argumentation: „Wer spendet in diesen Tagen für verhungernde Moslems?“ Man ist sprachlos. Jetzt aber wirklich.

Noch mehr auf den Punkt bringt es übrigens die Tages“zeitung“ „Österreich“. Während am Cover schon die mutmaßlichen Mörder verurteilt werden, findet sich gleich darunter die Schlagzeile: „Asyl-Ansturm kostet uns 41 Millionen“. Nein, das wollen wir nicht zahlen. So viel Geld für ein Menschenrecht! Wir wohlhabenden, meinungsfreien Europäer. Lieber lassen wir sie in ihren Herkunftsländern verhungern und erfrieren, während wir ein paar Monate zuvor noch, als alle Medien darüber berichtet haben, so betroffen waren und Lösungen gefordert haben. Aber das interessiert uns heute nicht mehr. Ich zitiere Stefan Kalnoky, einen weiteren Hydra-Kollegen: „Der Großteil der Opfer des Jihadismus sind Muslime in Afrika und Asien. Das wird bloß medial nicht so ausgeschlachtet. Heute kam die Nachricht, dass Boko Haram in Nigeria eine ganze Stadt vernichtet hat.“ Aber wir sind schon wieder bei der Reduktion auf die Religiosität und außerdem … können wir uns schließlich nicht um alles in der Welt kümmern! Aber das poste ich jetzt nicht. Will ja momentan eh niemand hören.

jesuis_4Was poste ich dann? Vielleicht zur Abwechslung gar nichts, weil tatsächlich viel mehr passieren muss. Wir müssen unsere Privilegiertheit begreifen, die Verantwortung, die daraus resultiert. Es reicht nicht zu glauben, weil es uns gut geht, weil wir in einer Demokratie leben und uns einen ironischen Umgang mit allen und jeden erlauben dürfen, dass diese Werte automatisch von jenen Teilen der Welt, die in Armut und Unterdrückung leben, angenommen werden. Wir sehen die vielen Grenzen nicht, die wir in Gedanken und auch real ziehen, weil die Flüchtlinge, die unentwegt in unser Paradies strömen, eben nicht vor unserer Haustüre ertrinken. Wir glauben, dass das nicht unser Problem ist, ebenso wie wir glauben, dass die Billigkleider aus den Philippinen oder das chinesische Handy nicht unser Problem ist, obwohl wir doch genau wissen (oder wissen sollten), unter welchen ausbeuterischen Bedingungen wir diese Sonderangebote genießen. Wir schieben das weg und sagen: Das ist weit hergeholt, das sind linkslinke Spinnereien. Was hat das eine mit dem anderen zu tun … aber ist das wirklich so? Ist es nicht der wahre Zynismus, unsere eigene moralische Überlegenheit außer Frage zu stellen? Und das auch noch rechthaberisch zu verteidigen? Zeigt sich das nicht am sinnbildlichsten in einem geänderten Profilbild. „Je suis Charlie“? Wie billig, wie lächerlich ist diese Art, Betroffenheit zu zeigen! Wie leicht macht man es sich damit? Oder, um meinen Hydra-Kollegen Gregor Fröhlich zu zitieren: „Die Reaktionen auf den Anschlag sind voller Geltungsdrang und Selbsterhöhung. Jeder versucht im Namen der Anteilnahme nur sich selbst zu profilieren. Sei es dieser fetzendepperte Leitartikel von Christian Rainer, sei es Anonymus, die zu Rache und Krieg aufrufen.“

Das glauben Sie jetzt nicht? Das ist zynisch und macht sich über wahre Betroffenheit lustig. Gut, reden wir in ein, zwei Wochen nochmal drüber. Schauen wir, was sich in der Zwischenzeit getan hat.

Curt Cuisine,
mit Dank an Max, Stefan, Bibi & Gregor für ihren Input
Von Max gibt es übrigens hier eine indirekte Replik.

Hydra Jahresrückblick 2014

Es war ein ödes Jahr, das kann man ruhig so sagen. Um euch darüber hinweg zu trösten, gibt es hier drei exklusive Auszüge aus dem Hydra-Bauernfänger-Kalender.

Jänner: Sie kam, sah und ätzte. Larissa Marolt nervte gewaltig im RTL-Dschungelcamp. Das musste natürlich postwendend zu einer glanzvollen Karriere im Free-Brain-TV führen. Wie sagte schon Obelix treffend? „Gebt dem Fernsehen, was des Fernsehens ist.“

kal_februar_2Februar: Burgtheater-Chef Matthias Hartmann verjubelte Unsummen durch Misswirtschaft und Eigenwerbung und wurde damit zum Kulturbuhmann des Jahres. Was alle Welt übersah: Hartmanns Debakel war ein Gesamtkunstwerk, eine Hypo-Nachinszenierung, die sich nicht bloß auf eine Dramatisierung auf der Bühne beschränkte, sondern sich auch noch im Kassabuch niederschlug. Kunst am Puls der Zeit!

März: Das entbehrliche Comeback des Bermuda-Dreiecks: Eine Passagiermaschine der Malaysian Airlines verschwindet mit 239 Passagieren und Crewmitgliedern an Bord spurlos über dem Südchinesischem Meer. Zum Glück gab es auch Dinge, die 2014 (wieder) verschwanden, ohne dass man ihnen eine Träne nachweinen musste, z.B. Markus Lanz, Andreas Mölzer, Hannes Kartnig, diverse Nacktfotos von Hollywood-Stars, die Ice-Bucket-Challenge …

kal_april_2April: Im März beschl0ss ein Teil der ostukrainischen Bevölkerung, heim ins russische Reich zu kehren. Ein Bürgerkrieg auf Kosten der ohnehin in bitterer Armut lebenden Bevölkerung ist die Folge. So soll es nicht sein. Nur wenig später zeigte der Meidlinger Separatistenführer Rudi Raclette mit der Gründung der Freien Volksrepublik Meidling, wie man ein Land sinnvoll spaltet: unblutig, ungentrifiziert, unhipsterisiert.

Mai: Österreich fand zumindest musikalisch endlich wieder eine Anschlussmöglichkeit als triefende Nebenhöhle zu den nächtlichen Atemwegsbeschwerden der deutschen Helene Fischer. HeiFi rules germany! Apropos „Rise like a Fischer“: Seit einem gewissen Tag im Mai sind Witze mit dem Wort „Wurst“ total abgegriffen, obsolet, unangebracht. Dinge gibt’s.

Juni: Der IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi rief im Nordwesten des Irak und Osten Syriens ein Kalifat aus. Was darauf folgte war so frei von jeglicher Ironie, dass einem selbst die Laune auf lausige Burkawitze verging. Ganz anders hingegen in Wien. Hier errichtete Polizeipräsident Gerhard Pürstl für einen Tag lang ein Polifat, einen Polizeistaat für 1.700 Beamte und ein halbes Dutzende Autonome.

Juli: Deutschland wurde Weltmeister. Ein internationaler Trauertag, an dem sich viele Menschen verzweifelt ins nächstbeste Sommerloch stürzten. Hierzulande blieb ein kleiner Trost namens David Alaba: endlich ein Österreicher der aussieht, wie Österreicher aussehen sollten …

kal_august_2August: Der ÖVP-Vizekanzler Michael … ah, wie hieß er gleich nochmal … Spindelwurzer, genau, erklärte seinen Rücktritt. Nachfolger wurde der erste intelligente Mensch in der ÖVP seit Erhard Busek. Ein Missverständnis, dessen Folgen noch nicht absehbar sind.

September: Et voila, Ebola. War auch da. Aber die westafrikanische Seuche blieb auf ihrer Seite und Andreas Gabalier auf unserer und so kam es zu keiner Mutation der beiden zur apokalyptischen Super-Plage, die man nur noch mit einem Actionspektakel à la Roland Emmerich oder toxischen Hypo-Assets bekämpfen hätte können. Nochmal Glück gehabt.

Oktober: Der Google-Manager Alan Eustace wagte einen Stratosphärensprung aus 41.419 Metern Höhe und brach damit den Höhenrekord von Felix Baumgartner aus dem Jahr 2012. Was? Noch nie davon gehört? Tja, Eustace hatte keinen Werbevertrag mit einem Chemiegetränkehersteller – und er war auch nicht halb so dämlich wie Baumgartner.

November: Ein Monat, in dem rein gar nichts Nennenswertes auf dem Planeten Erde passierte. Selbst auf irgendeinem durchs Weltall schwirrenden Kometen war mehr los. Dort warf die europäische Raumfähre Rosetta einen Mini-Satelliten ab. Wow. Auf einem Kometen müsste man wohnen.

Immer noch November, aber stellvertretend für den noch öderen Dezember: Kärnten fing an sein verbliebenes Vermögen zu liquidieren und verscherbelte die 300 Jörg Haider DVDs an koreanische Fetisch-Importeure. Die Briten verboten daraufhin im November gewisse grausliche Praktiken in Erotikfilmen, etwa das gegenseitige Beschmieren mit braunen Polit-Ausscheidungen.

Von Bibi und die Binsenweisheit & Curt Cuisine

Die Franzosen, die sind wirklich witzig

hader_ba Endlich auf DVD erhältlich: Josef Haders „Bunter Abend“, ein Meilenstein in der Geschichte des österreichischen Kabaretts – und eine Gnackwatschn für Pia …

Pia hieß die junge Dame, die eines Tages bei einer Hydra-Redaktionssitzung auftauchte und uns in unvergleichlich unbelehrbarer Weise erklärte, wie wirklich guter Humor funktioniere. Sie erzählte von den Franzosen, die wirklich witzig seien, von Josef Hader, der früher einmal witzig gewesen sei, jetzt aber nicht mehr, und sie ließ diesen einen Satz fallen, den wir seither so oft gehört haben, vor allem wenn sich irgendein handgestrickter Humorist bei uns meldet: „Ich mag Satire, wenn sie gut gemacht ist.“ Ja, ja.

Mit der Satire verhält es sich eher so, wie das unlängst David Cronenberg in einem Interview zu seinem Film „Map to the Stars“ formulierte: „Der Begriffe Satire wurde entwertet. Die Leute glauben, das sei ein bisschen Kritik mit einer Prise Humor. Bei echter Satire im literarischen Sinne denke ich aber eher an Jonathan Swifts Essay ‚A Modest Proposal’, in dem er als Lösung für die irische Hungersnot vorschlägt, die Iren möglich doch einfach ihre Kinder essen.“ Ja, das ist ganz schön arg. Aber in der Satire steckt etwas Bösartiges, sie verstört, ist richtig gemein, erzürnt, reißt das Publikum von den Sitzen. Aber nicht aus Begeisterung …

Gut eingebettet
Damit sind wir beim „Bunten Abend“ von Josef Hader. Und müssen ein wenig ausholen. Die Geschichte des österreichischen Nachkriegskabaretts wird meist auf zwei, eigentlich mittlerweile drei Perioden zurechtgestutzt. Erst das großartige Nachkriegskabarett, das von Farkas & Waldbrunn bis zu Helmut Qualtinger reicht, dann, nach einer Zeit der Stagnation, eine neue Blütezeit, eingeleitet von Lukas Resetarits, der Simple Revue oder Hans Peter Heinzl, die schließlich im „neuen Kabarett“ der 1980er Jahre mündete – und ihren Höhepunkt in „Privat“ von Josef Hader fand. Der Erfolg von „Privat“ war so spektakulär, dass Hader selbst über ein Jahrzehnt lang kein neues Programm auf die Bühne brachte, während auffallend viele Kabarettprogramme auf den anekdotischen Stil setzten, den Hader in „Privat“ zur Meisterschaft gebracht hatte – von Roland Düringer über Günther Paal bis Alfred Dorfer. Erst in den Nullerjahren kam dann wieder Bewegung in die Bude.

Dem Kabarett, das weiß man ja, geht es heute besser denn je. Das hat mit erfolgreichen Fernsehformaten wie Alfred Dorfers „Donnerstalk“ oder Robert Palfraders „Wir sind Kaiser“ zu tun, das hat nicht zuletzt auch mit der DVD-Serie zu tun, die Hoanzl gemeinsam mit dem Kurier herausbringt und die bei mittlerweile 135 DVDs angelangt ist. 135 Kabarettprogramme, das ist natürlich Wahnsinn, selbst wenn sich man en passant ein paar Deutsche Comedians einverleibt hat. (Harald Schmidt, Hape Kerkeling oder Michael Mittermeier laufen da ganz unscheinbar mit, sind aber im Gesamtprogramm derart eingepfercht, dass man glatt den Eindruck bekommen könnte, Deutschland ist in der Kabarettgroßmacht Österreich nur eine kleine Provinz. Sicher keine Absicht, nur ein Versehen…)

Aber zurück zu DVD No. 127 mit dem Titel „Bunter Abend“. Es ist die mittlerweile fünfte Hader-DVD in der Serie (es fehlt nur noch „Indien“, gemeinsam mit Alfred Dorfer, aber die Verfilmung von „Indien“ ist ja bekanntlich einer der erfolgreichsten österreichischen Kinofilme überhaupt). Der „Bunte Abend“ ist jenes Programm, das Hader den Deutschen Kleinstkunstpreis eingebracht hat, es kam vor der Kabarettfassung von „Indien“ (1991), vor „Im Keller“ (1993) und vor „Privat“ (1994). Es war zu diesem Zeitpunkt Haders radikalstes, kompromisslosestes Programm – und ist es bis heute geblieben. In der Konzeption gibt es durchaus Parallelen zu späteren Programmen: es gibt zwei Charaktere, den schmierigen Alleinunterhalter, der gewaltig über die erlaubte Strenge schlägt, und sein Gegenpol, den linksalternativen Weltverbesserer. Eine Art Dr. Jekyll und Mr. Hyde des Kabaretts. Wo der Schmierenkomödiant zur Publikumsbeschimpfung ausholt, da setzt der Weltverbesserer auf unterwürfiges Verstehen, aber auch nur, um zum Zerrbild naiver Publikumserwartungen zu werden. Natürlich verschmelzen beide Charaktere schließlich, der Schleimbrocken kommt mit der Schnapsflasche in der Hand zurück und kippt endgültig die Grenzen von Spaß und Ernst.

hader_bbIst das Kunst oder Unterhaltung?
Das Schlüsselwort im „Bunten Abend“ lautet „Kleinkunst“. Oder anders formuliert: ist Kabarett eine Kunstform oder soll sie doch bloß unterhalten. Die Kunst darf bekanntlich alles, die Unterhaltung hingegen darf nichts – außer unterhalten. Diese „Freiheit der Kunst“ nimmt Hader beim Wort, treibt sie ins Extrem (um sie zugleich auszulachen) und begibt sich damit an die Grenze dessen, was Kabarett ist. Als „Publikumsbeschimpfung“, als „böse“, als „provokant“ wurde der „Bunte Abend“ bezeichnet, und Hader selbst scherzt einmal im Programm: „Jetzt bin ich aber ganz schön anarchistisch unterwegs“. Tatsächlich schwingt Hader im „Bunten Abend“ die Moralkeule bis an die Grenze des Erträglichen. Er praktiziert seine Nummernrevue als episches Theater (nicht umsonst kommt eine Brechtanspielung), das seinem Publikum ins Gewissen redet: Jetzt seid doch nicht so blöd und lasst euch von mir nur berieseln. Und im nächsten Moment giftet er: „Hallo, war doch alles nur ein Scherz. Ein Scherzerl, haha.“

Dieses Prinzip findet sich auch bei „Privat“ und „Im Keller“, nur nicht mehr derart auf die Spitze getrieben. (Allerdings war die Ursprungsfassung von „Privat“ wesentlich schärfer, die DVD-Version ist deutlich moderater.) Auch die DVD Edition No. 137 ist bis zu einem gewissen Grad eine Mogelpackung. Es ist nicht der „Bunte Abend“ in seiner Urfassung, denn der hatte zwei Teile und dauerte mindestens eineinhalb Stunden. Wir sehen stattdessen eine einstündige Aufführung für den Rundfunk Berlin Brandenburg, sozusagen die Kompaktversion. Dafür gibt es als Bonus den Auftritt beim Grimme-Preis, der „Bunte Abend“ auf eine halbe Stunde zusammengekürzt und in drei Portionen serviert. Und das vor einem deutschen Publikum, das den Rest des Abends vor allem Preisverleihungsreden serviert bekam. Das konnte nicht klappen. Trotzdem ist es großartig, diesen Zusammenprall heute, nach 22 Jahren, wieder zu sehen. Weil es den Kern des Haderschen Programms enthüllt, den Rubikon, den Hader damals überschritten hat: der Punkt, an dem Kabarett Betroffenheits- und Verweigerungskunst wird und nicht mehr funktioniert, weil es nichts mehr zu lachen gibt. „Pointen? Wofür brauchen wir Pointen?!“, sagt Hader. Kabarett als Provokation – die natürlich dann am besten (nicht) funktioniert, wenn im Publikum lauter Pias sitzen.

Ein Meisterstück
Man darf es also so sagen: der „Bunte Abend“ gehört zu den drei kabarettistischen Meisterstückchen von Josef Hader. Es ist ein Kabarett „to end all cabarets“, es geht um ein Lachen, das im Hals erstickt. Es ist zugleich ein Destillat wienerischen Humors. Schwarz, übellaunig, gallig, hinterrücks. Es ist Kabarett als Satire. Auch ein David Cronenberg hätte seine helle Freude daran. Aber der ist ja auch kein Franzose. Wer hingegen seinen Hader lieber harmlos will, kann ja immer noch jene Bruchstücke aus dem „Bunten Abend“ konsumieren, die Hader dann für sein Recyclingprogramm „Hader spielt Hader“ weiterverwendet hat. Also Pia: Finger weg vom „Bunten Abend“. Der treibt’s dir zu bunt!

Curt Cuisine

Eugen Freunds Weltkrieg verhindern

freund_450„Man hat mit Schmutzkübeln auf mich geworfen“, bemerkt Eugen Freund und wie schön Österreich trotzdem sei, „unglaublich nette Menschen“, „unglaublich tolle Betriebe“ – anscheinend war er vorher noch nie in unserer Provinz oder gar in einer Fabrik. Dabei ist man am Land doch sehr nett zu flotten, energischen älteren Herren, die sich weigern, in die Pension geschickt zu werden. Apathische, depressive Bauern, die schon mit vierzig lieber vorm warmen Ofen in der Küche sitzen und auf die zwanzig Stallkatzen auf der Küchenbank und auf die hölzerne Brust-Prothese ihrer Frau, die wie ein kleiner Berg am Fernseher steht, starren, hat man ja selber schon genug.

„Ich will von ihrer Lernkurve reden“, meint ORF-Journalistin Patricia Pawlicki und unser Freund für Europa behauptet „wahnsinnig viel gelernt zu haben“. Tja, wenn man mal aus dem ORF raus kommt, sieht man, wie groß die Welt eigentlich wäre. Unbehagen über Toilettenpapier, Hundekot, gebeugte Menschen, die Hundekot umgehen, Journalist Hubert Patterer, Chefredakteur der Kleinen Zeitung, stottert herum. Iiih, was für eine Fäkalsprache. Es geht um einen Artikel von Herrn Freund über den Zustand Österreichs und zwar aus der Washington Post von 2010. Österreich, das Land der Hundstrümmerl. Der ÖVP-Pressedienst sendete den jetzt aus! Die Menschen in Österreich gingen gebeugt, um den Hundekot zu umgehen! Katzenliebhaber! Freund verlängert seinen Zeigefinger um seinen Kuli und deutet auf Patterer: „Das war eine Satire!“

Arme Populisten
Pathetischer Tonfall und gleichzeitiges Ausbreiten der Hände (gleiche Rhetorik-Schule wie Faymann): „Die Armen werden immer ärmer!“ Ganz was Neues. Pawlicki: „Sie werden ein kleiner Abgeordneter sein – wie können Sie etwas verändern?“ Freund: „Ich könnte die notwendige, einzelne Mehrheitsstimme sein und den Kommissions-Präsidenten bestimmen und endlich den Wechsel im europäischen Parlament einleiten!“ Patterer: „Die Reichensteuer ging aber in Frankreich und Holland nach hinten los.“ Freund: „Die Reichensteuer!“ Patterer: „Das nennt man Populismus.“ Freund: „Mag sein.“ Pawlicki: „Mein Taxifahrer sagt, die SPÖ hat ja mitgemacht in den letzten Jahren.“ Freund: „Wir hätten Zustände wie in den 30er Jahren und Sie wissen, was dabei herauskam: der Weltkrieg!“ Wir verstehen: ohne die SPÖ … Weltkrieg! (Erinnert mich an meine Mutter, die immer Angst vor Erdbeben hat, laut Veza Canetti in „Die Schildkröten“, bedeutet Erdbeben-Angst Kriegsangt.) Freund: „Kinder durchwühlen in Griechenland die Mistkübel. Säuglingssterblichkeit …“ Patterer: „Werden Sie mehr für Griechenland tun?“ Freund: „Das heißt es nicht. Sie banalisieren das Elend …, heillose Überschuldung der Länder, dadurch Beute der Spekulanten …“ Patterer: „Welche Bank hätten Sie denn hochgehen lassen?“ Breites Grinsen (pf). Freund: „Wir hätten begleitende Programme gebraucht.“ „So reimen die Rechten“, polemisiert Patterer, „Sozial statt egal, ist Ihnen das passiert? Europa im Kopf, Österreich im Herzen. Das klingt so ähnlich wie Daham statt Islam!“ Freund staunt. Seit wann sind die Freiheitlichen „DIE Rechten“? Und die ÖVP ist die schrumpfende linksrechte rechtslinke Mitte?

Bis zum geht nicht mehr
„Ich bin von Bruno Kreisky sozialisiert. Willy Brandt, Olof Palme! Kreisky war ein Leuchtturm für Europa, eine Lichtgestalt. Ich bleibe bei Bruno Kreisky, der die Österreicher fragte, ob sie ein Stück des Weges mit ihm gehen wollen.“ No, alles auf die Persönliche! Lichtgestalten, Leuchttürme! Eugen Freund hat außer einem dicken Willy-Brandt-Buch die Zeitschrift „Der Spiegel“ mitgebracht, den also nicht nur Harald  Vilimsky und das Klagemauer-TV emsig studieren.  „Krieg in Europa, schreibt der Spiegel. Wir haben zwei Weltkriege gehabt.“ Pawlicki: „Österreichs Neutralität?! Russland!“ Freund:„Wir sollten nicht zusätzlich Öl ins Feuer gießen.“ Feuer ins russische Gas? Völkerrechtsverletzungen, ukrainisches Verfassungsgesetz, das EU-Assoziierungsabkommen war der Auslöser …, laut Schröder. „Dort hat es schon vorher gebrodelt“, meint Freund. Soziale Unterschiede, Volksgruppen-Spannungen? (Häh? Also, als ich mit dem Wiener jüdischen Chor in der Ukraine war, fiel mir nur auf, dass die UkrainerInnen schon zum Frühstück drei große Bier trinken!) Patterer, der zynische, die zweite: „Wo endet ihre Entschlossenheit? Gas-Importe-Stop? Dann würde Ihre Moral etwas kosten…”

Dass Flüchtlinge ertrinken müssen, nennt Freund „unmenschlich bis zum geht nicht mehr“. Er schwärmt von den Microfaser Kabeln in Ruanda. Und redet vom Ruanda-Krieg, bei dem 800.000 Menschen getötet wurden. Dann zeigt er noch einen Ausweis seines Vaters her, mit dem der 1945 durch die vier Zonen Österreichs reisen durfte: „Pervers, dass die Freiheitlichen Österreich isolieren wollen.“ „Warum haben es die rechten Parteien in Österreich so leicht?“, fragt Patterer, der die rechte ÖVP schon wieder zu vergessen haben scheint. Freund: „Marie Le Pen will Euopa in die Luft jagen (Kriegssprache!) – das sind die Partner der Freiheitlichen. Schleich dich, wird Le Pen zu Vilimsky sagen, wenn der was für Österreich machen will. Ich mache nur was für Frankreich. Fous le camp, degage!“ Casse toi, klingt auch gut.

Unsoziale Banken Schulden
Othmar Karas sieht dann in der gleich folgenden Pressestunde strahlend und glücklich aus, der ruht in sich, aber sein Beamten-Deutsch verstehe ich nicht so gut. Der denkt nicht, dass jemand mitschreiben muss, was er so von sich gibt! „Wir als Parlament! Die Parteien-Familien!“ (Plakat: Mehr Geld für Familien – ihre Partei-Familie ÖVP!) ORF-Journalist Bürger liest Karas (warum denke ich immer Karakas?) die ÖVP-Forderungen vor: „Das klingt wie ein warmer Eislutscher.“ Karas: „Schulden sind unsozial“, nicht die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen, na sicher, „nur über Wettbewerbsfähigkeit können wir … Ich bin immer für völlige Aufklärung. Herr Martinz ist schon im Gefängnis“. (ÖVP Kärnten! Hypo! Und Herr Strasser erst!) Anscheinend hat Karas-Karakas die Bankenabgabe verhandelt? Inkognito? „Die Finanztransaktions-Steuer ist national, wird aber leider blockiert. Minimalkonsum, der ordungspolitische Charakter fehlt leider…“ Welcher ordnungspolitische Charakter? Hm? Innenpolitik-Chef Bürger schaut fragend und drückt seinen Kugelschreiber mit beiden Händen. Man hört, „klick, klick, klick“.  Karas hat jemand zum denken gebracht, lächelnd und freundlich, und er ist für Finanztransaktionssteuer. Bürger beißt Nägel: „Die Christdemokraten mussten doch erst überzeugt werden?“ Ein ÖVP-ler, der fortschrittlich ist? Und unauffällig in seiner Brüsseler Geheimsprache?! (Wo ist mein wolkiger Entfesselungs-Künstler, der immer denkt, Wünsche alleine würden schon reichen?) Karas-Karakas will auch noch andere Steuern verhandeln. Es gäbe 180.000 Arbeitslose mehr in Österreich, wenn Griechenland bankrott gegangen wäre, sagt er. Und dass er 31 Jahre nicht in der Pressestunde war, auch nicht als Bankenverhandler.

Von Kerstin Kellermann exklusiv für Hydra

Vilimsky hängt sich an den Ameriganern auf

vilimskyingruen„Verstehen Sie die Menschen, die Ihre Plakate kritisieren? Ich will mich nicht als Spaßbremse betätigen, aber diese Plakate passen nicht zu Ihnen! Sie sind doch nicht unpolitisch. Sie sollten sich von Ihren Leuten distanzieren“, sagt der angriffige Herr Nowak, Chefredakteur der Presse, der nichts von Maikäferchen, krummen Gurken oder Paradeisern hält. Alte Gärtner mit Brille und Strohut! „Doch, besonders, die Tomate gefällt mir“, antwortet die politische Politikerin Ulrike Lunacek. „Es geht um die Vielfalt von Obst und Gemüse. Die Konzerne, die das Saatgut verkaufen wollen …“ Nowak unterbricht: „Der arme Strasser!“ ORF-Redakteur Stoppacher zeigt das Plakat her, auf dem der ehemalige Innenminister, der bei Wutanfällen Laptops an die Wand schmiss, comicartig mit zu großem Kopf und a lá Oliver Twist hungerschwächelnd abgebildet ist. „Sie haben ja intern viel Erklärungsbedarf. Das Strasser-Bild ähnle einer Kampange der Freiheitlichen, sagt ihr eigener Pius Strobl“, kümmern und sorgen sich die beiden Journalisten um die Interna der grünen Partei. „Herr Strasser war Delegationsleiter im europäischen Parlament…“ „Sind Menschen nicht wichtiger als…“, unterbricht Nowak. „Der arme, noch nicht rechtskräftig verurteilte Strasser!“ „Tschuldigung, Herr Nowak, tschuldigung“, sagt Lunacek, wie noch öfter in dieser Sendung, „das Bild ist von der APA. Herr Nowak, es ist ganz klar, dass die ÖVP verhindert, dass es ein Transparenzgesetz gibt.“ „Nein!“, ruft Nowak, „das ist hanebüchen!“ Seine Augen sprühen Blitze. Vielleicht würde er auch gerne mal gefragt werden, ob er EU-Politiker werden will. Spitzenkandidat! „Der Schaden, der angerichtet wurde, gegen Geld Gesetze zu verändern, das Image des Europaparlaments ist immens geschädigt!“, ruft Lunacek. „Ich will ein Lobbyisten-Register und sehen, wieviel die ausgeben.“ Nowak staunt: „Warum sind Sie populistisch? Der Strasser ist doch kein Lobbyist!“

Die Sonnenenergie Putins
Stoppacher hängt geistig noch immer an den grünen Plakatmotiven fest, die sind ja auch viel interessanter als diese langweilige, undurchschaubare EU. „Ein Plakat soll plakativ sein. Wir haben ja sozusagen Wahlkampf“, ist die Antwort. Sehr schlau, die konfrontieren sie mit noch mehr Kritikern aus den eigenen Reihen – STUVAG, nannten wir das in der Schule, Stundenverkürzungsaktion, wenn wer z. B. ganz langsam die Tafel abwischte und sogar noch nachtrocknete. Die halbe Sendezeit ist bereits vorbei. (Was macht diese Lunacek eigentlich den lieben langen Tag in der EU?!) Diese seichte EVA-Zeitung aus Graz ist das nächste Thema, pf…, ich werfe den Staubsauger an. Sonntag, Hausfrauen Tag. „Die Kosten fürs Wasser sind in Paris nach der Privatisierung um 260 Prozent gestiegen.“ „Verseuchtes Grundwasser…“ „Sie wissen schon, dass es Exporte gibt. Die Industrie schafft Arbeitsplätze…“ „Ja, sie schafft schon Arbeitsplätze, es gehen aber auch ganz viele verloren.“ „Putin kann auch Sonne und Wind nicht abstellen“, höre ich beim Stühle rücken über den Staubsaugerlärm drüber.

„Albanien! Kosovo! Auch in die EU?!“ „Die EU ist ein Friedensprojekt, dort waren grausame Kriege, Traumata der Bevölkerung…“ „Flüchtlinge! Was tun Sie dagegen?! Wenn man die Tore aufmacht…“ Lunacek bleibt einschmeichelnd und freundlich, geht auf die ständig kleine Vorwürfe schleudernden Journalisten ein – „genau“. „Tschuldigung!“ Am Ende lacht der Stoppacher sogar einmal. „Jede Stimme zählt …, es gibt EU-Entscheidungen mit nur einer Stimme Unterschied!“, wirbt Lunacek. Nowak redet die ganze letzte Minute der Sendezeit selber: „Arbeitslosigkeit, Sparpolitik, Schuldenpolitik …“ „Man muss schauen, dass die Gesellschaft nicht kippt“, hört man noch von der EU-Politikerin. Wie von der Weiten, von Brüssel her. Viel Windenergie in dieser Sendung. Könnte man die nicht auch irgendwie nutzen?

„Man schießt nicht auf Leute“
Wolfgang Wagner vom ORF fürchtet sich nicht vor Harald Vilimsky und seinen „kulturfernen Migranten“: „Sie sind als einziger für Putin und Russland!“, hält er ihm vor. „Wir verstehen uns als neutrale Partei“, betont Vilimsky. „Es ist herzzerreißend, was in der Ukraine passiert. Die US-Soldaten wären da tätig…“ Mancher Fernsehzuschauer glaubt, sich verhört zu haben. Die Ameriganer?! Wieso das denn? „Vermeintliche Demokratiebewegung, es ist gefährlich, die Russen zu provozieren …“, Waldner stottert, bleibt aber dran. „Da wird mit gezinkten Karten gespielt, Jankowitsch wurde davon gejagt, dabei war er noch vorher bei Faymann, Spindelegger, Häupel zu Besuch!“ Die Freiheitlichen lieben das Verratsthema. „Eine Friedensbewegung mit Sturmgewehren am Maidan?  Man muss sich als Europäer nicht zum Spielball der Ameriganer machen. Wir hatten Blackhawk Soldaten am Maidan. Die Ameriganer …“ Ist das nun nur die beliebte Umdreh-Technik der FPÖ? „Der Spiegel berichtete darüber! Man schießt nicht auf Leute. Nackte Angst um ihr Leben …“ Genau, er redet aber von Jankowitsch, dem verflossenen Premier der Ukraine, nicht von den am Maidan getöteten Menschen. Irgendwie habe ich das Gefühl etwas verpaßt zu haben. Ich habe doch gar nicht mehr gestaubsaugt?

Beim Zeit im Bild-Faktencheck kommt heraus, dass das „Klagemauer-TV“ (Was für ein Name!!) von Spiegel Online übernahm, das von der Bild am Sonntag übernahm, dass es in der Ukraine US-Soldaten gibt. Aber erst jetzt. Vom Maidan stand in der Bild nix. Sagte der Bild-Redakteur auf Nachfrage. Vilimsky hängt sich an den Ameriganern auf. Obama praktiziert die Todesstrafe, Putin hat sie schon längst abgeschafft. Waldner bringt die Abstimmung unter  Waffenbedrohung auf der Halbinsel Krim ein. „Abstimmungen… Es gibt immer Kritik! Die Mariahilferstraße! Und diese Conchita Wurst!“ Und beim Settele im Taxi mitfahren darf auch nicht jeder.

Manneken pis in Meta-Jerusalem
Vilimsky ist gegen US-Überwachungs-Wahnsinn, EU-Zentralismus und Conchita-Homosexuellen-Gender-Wahn. Ulla Kramar-Schmid vom Profil beobachtet ihn scharf durch ihre Brille. Vilimsky: „Der Staat fördert die Familien ja nur, weil die Leben schenken können. Pensionsystem, Sozialausgaben – deswegen fördert der Staat das ja!“  Dann geht es um eine Art Renationalisierung der EU. „Brüssel sollte keine Stadt mit sakralem Charakter sein – so eine Art Meta-Jerusalem.“ Und: „Seit den Lehmann Brothers füttern wir die Banken.“ Ulla Kramar-Schmid: „Der Meinung kann man schon sein. Die EU-Kommission fördert mehrere Maßnahmen, um Banken in Schranken zu weisen, wie Sie ja plakatieren. Warum stimmten die EU-Abgeordneten Mölzer und Obermayer dann dagegen oder waren nicht da bei der Abstimmung?“ Kramar sitzt ganz locker da, einen Arm lässig nach hinten über die Stullehne gehängt. Vilimsky: „Ich brauche keinen Regulierungs Wahn.“ Kramar: „Sie weichen mir aus. Sie plakatieren Banken in die Schranken und ihre Mandatare stimmen dagegen.“ Vilimsky: „Das nackte Abstimmungsverhalten zählt nicht. Das können wir nicht so im Raum stehen lassen. Das hätten Sie mir vorher sagen müssen.“ (Oh je,von wegen Stühle im Raum stehen lassen – Boden wischen muss ich auch noch.)

Ula: „Jugendarbeitslosigkeit. Ihre Mandatare enthalten sich der Stimme. Sozialer Wohnbau, die stimmten dagegen. Der Steuerzahler müsste noch viel mehr zahlen, wenn die EU die Haftungen der Länder für die Banken nicht abgestellt hätte.“ Da hat sich aber wer vorbereitet auf die Sendung. „Reden die nicht mit Ihnen oder wird den Wählern Sand in die Augen gestreut?!“ Beinhart ist die, aber sonst wird man wohl auch nix beim Profil. Wirtschafts-Enthüllungs-Journalistin! Vilimsky geht erstaunlicherweise nicht in die Luft. Irgendwie ein untypischer FPÖler. Oder schon an Vorhaltungen gewöhnt und immunisiert. Sogar Mölzer kriegte manchmal diesen eiskalten  Giftschlangen-Blick oder vergass sich… Der hier regt sich nur über die Mariahilfer und den ORF auf – ein typischer Wiener? „Wenn Sie uns helfen, der ORF, kommen wir auf über zwanzig Prozent bei der EU-Wahl.“ Mit dem Settele Taxi fahren! Im Fernsehen!

Von Kerstin Kellermann