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Archive for the ‘Mustard’ Category

The great philosophers, part six

Posted by curtcuisine on März 7th, 2010

philosophie 6 epikur 2Kapitel 6
Epikur und die Stoikergang

Wie wir in den vorhergehenden Folgen gesehen haben, war die Philosophiegeschichte besiedelt mit Besserwissern, Möchtegernunternehmensberatern und Erbsenzählern. Also war es nur eine Frage der Zeit, bis ein Typ wie Epikur auftaucht. Ein Typ, der faul und behäbig auf dem Sofa fläzt, einen Bausch Weintrauben in das geöffnete Maul schiebt, während zwei Konkubinen mit ihren nackigen Körpern seine Wampe massieren, damit das reingevöllerte dreizehngängige Menü leichter in den Darm rutscht. Und drei Stunden später hockt Epikur dann am Donnerbalken und gurgelt vor Wonne, weil es sich wieder mal so schön scheißt. Und was er da so empfindet, das erzählt Epikur in sonorer, genußverzückter Stimme der versammelten Menge (denn um einen beleibten, begüterten Menschen stehen immer Leute herum, und wenn es ein paar Lobbyisten sind). Und er sagt Dinge wie: „Genuss haben ist schön. Wonne ist schön. Abzocke ist schön.“ Und weil alles was schön ist, bei den Griechen irgendwie auch wahr sein musste, war damit schon eine halbe Philosophie fertig gebastelt.

Das ging eine Zeitlang gut so, bis ein paar Typen diesen ganzen Überfluss satt hatten und sagten: „Moment, Moment, so geht es auch nicht. Wie wär’s mit ein paar Tugenden zur Abwechslung?“ So bildete sich die Gang der Stoiker, die auch nicht wenige Anhänger fand. Aber nur um das klar zu stellen. Die Stoiker legten sich Tugenden nicht zu, weil sie irgendwo der Gewissensschuh drückte, sondern weil es zur Abwechslung schön war, mal so etwas zu haben. Tugenden eben. Und so ging das ein paar Jahrhunderte lang dahin. Bis ins Römerreich hinein hielten sich diese beiden nahezu verfeindeten Gruppen die Waage (nahezu, weil Streit den Stoikern zu wenig tugendhaft, den Epikuräern zu mühsam war, Waage, weil beide gleichermaßen fett waren).

Beiden Lebenskunstafficionados gemeinsam war, dass es ihnen primär um eine Art Haltung bzw. Lebenseinstellung ging, weniger darum, was wahr und richtig ist. Darum sind es meistens fette oder mit fetten Bankkontos gesegnete Menschen, die heute noch mit epikuräischen oder stoizistischen Anschauungen liebäugeln.

Was können uns Epikur und die Stoiker heute noch mit auf den Weg geben?
Dass man einen großen Bogen um Leute machen sollte, die einem diese Art von Literatur empfehlen. Etwa mit den Worten: „Da ist was dran. Das ist im Grunde total tiefsinnig.“ Oder: „Der Genuss gehört einfach dazu, was ist ein Leben ohne Genuss?“ Oder: „So eine Art von Denken bräuchten wir heute wieder.“ Tja. In der Tat, es ist die Art von Weisheit, vor denen wir unsere Eltern immer schon gewarnt haben. Solche Bücher zu lesen ist ungefähr so, wie das Fünf-Sterne-Menü noch mit einem Beaujolais herunter zu spülen. So reinigend ist das. Und so dekadent. Der Sache mit den Konkubinen, die sich deinen Bauchnabel runterrubbeln, mmnaja, der würden wir allerdings noch eine zweite Chance geben.

Nächste Woche betreten wir dann das Mittelalter und wir können jetzt schon verraten: Es wird finster.

Der Architekt auf der Anklagebank

Posted by matrattel on März 3rd, 2010

matritekturEin Interview von Matrattel.*

Hydra: Sie sind Architekt. Warum?
Architekt: Ich möchte nichts verändern, damit das gleich klar ist! Architekt bin ich, weil mir das Wort Architektur gefällt. Ganz einfach.

H: Das klingt interessant. Erzählen Sie uns doch mehr!
A: Wieso „uns“? Sie sitzen alleine vor mir.

H: Mit „uns“ meine ich „unser“ Magazin.
A: Na ja … also Architektur. Das ist wie Bäume und Sträucher und Blumen und wenn man das alles wegdenkt, dann bleibt übrig: Architektur. Ein schöner Gedanke.

H: Das klingt sehr nachvollziehbar und in vielerlei Hinsicht wunderbar. Was trägt Sie, was bewegt Sie?
A: Ich frage mich das auch immer. Die Liebe zum … ähh Menschen? Falsche Antwort?

H: Kann es denn so etwas wie Falschheit in der Architektur geben?
A: Nein und ja bzw. nein! Da kann es alles geben, von großem Ooooh!!! bis zu gar nicht mal so großem Ooooch. Was Falschheit ist, das wissen doch immer nur die Fälscher. Nicht wahr?

H: Kann schon sein. Zu etwas anderem: Zeitlosigkeit. Ein bis zur Reizbarkeit dehnbarer Begriff?
A: Durchaus. Architektur muss zeitlos scheiße sein, um immer wieder und wieder aufwühlen zu können, von ganz tief drinnen her. Architektur ist das Fäkalium des Menschen.

H: Muss es nicht Fötus heißen?
A: Vielleicht ist Fötus-Scheiße das was ich meine. Ja, vielleicht ist es das. Vielleicht aber auch nicht!

H: Johannes Paul der Zweite oder Zweiter Weltkrieg?
A: Zweiter Weltkrieg, ganz klar. Mir steht diese große Architektur zu Gesichte beziehungsweise Geschichte. Haben Sie den Wortwitz bemerkt?

H: Nein. Darf es denn  so etwas wie Witz in der Architektur geben?
A: Gute Frage. Ich finde die Hauptsache ist, dass es nicht lustbetont rüberkommt, ich sage auch gerne „transportiert wird“. So lange das gewährleistet ist, sehe ich wenige Probleme damit. Alles hat seinen Rahmen, seine konnotationsspezifische Bedeutungsspektralität.

H: Können Sie uns einen Tipp mit auf den Weg geben?
A: Sie meinen so wie ein Pausenbrot?

H: Ja.
A: Niemals unterkriegen lassen, und wenn dann nur von Typen, die das Ausbeuten richtig verinnerlicht haben, so wie ich ungefähr. Das ist gleich eine ganz andere Erfahrung. Man verinnerlicht das.

H: Würden Sie für uns das Dreieck Macht – Geld – Architektur skizzieren?
A: Alle schwul die Drecksficker. In der Mitte ist aber die Architektur, ganz klar.

H: Dann ist es aber eine Linie …
A: Das kann sein. In der Architektur sind Linien von großer Bedeutung müssen Sie wissen…

H: Sagte wer?
A: Das sagen alle. Alle, fast seit dem Mittelalter. Sehen Sie sich einen Kondensstreifen an! Linie. Wo ist Gott, wenn nicht in der Linie?

H: Im Himmel?
A: Sehen Sie, dort sind auch die Kondensstreifen. Ich habe Sie ausgetrickst.

H: Sie meinen wohl „uns“.
A: Haha, Ist das jetzt eine Art Majestätsplural? Wegen Gott usw.? (Zwinkert lässig)

H: Sie sind mir einer! Haben alle Architekten Ihr Talent, den umherschwirrenden Witz einzufangen, niederzudrücken und dann zu penetrieren, ganz tief und fest. Bis es weh tut?
A: Wir bohren immer nach. Ein Architekt der nicht bohrt ist kein Suchender.

H: O.k., gut, Danke. Das war’s eigentlich! Könnten Sie jetzt von mir runtersteigen? Nicht dass es mir nicht gefallen würde. Ich muss nur leider eine Pause machen.
A: Natürlich. Hat Spaß gemacht! Gerne mal wieder. Morgen bin ich Pilot.

H: Das ist mir nur Recht.
A: Haha, Pilot und nicht Jurist!

H: Wollen Sie mich gleich hier bestrafen?
A: Wenn Sie wollen, dann gerne, sage ich mal. Ich hole rasch meinen Kodex.

H: Ich warte einstweilen ganz entspannt auf der Anklagebank.

 Ende des Interviews von Matrattel.

* Wer Texte oder Zeichnungen von Matrattel nachmacht oder kopiert oder in nachahmender Weise reproduziert ohne ihm etwas von den Millionen abzugeben, die sich damit verdienen lassen, wird von der HYDRA Corp. strafrechtlich belangt, verfolgt und gevierteilt. Die Rechtsabteilung.  

Dgp5 : a beggar for the bottle

Posted by curtcuisine on Februar 28th, 2010

philosophie 5 aristotelesDie großen Philosophen, Kapitel 5: Aristoteles

Aristoteles ist nun wirklich einer der fadesten Philosophen wo gibt. Zumindest auf den ersten Blick. Eigentlich auch auf den zweiten. Aristoteles hat aber immerhin das Lykeion gegründet, das war mehr oder weniger der Vorläufer der heutigen Universität. Und die ist ja, wie wir mittlerweile wissen, ein cooler Ort. Da werden Partys gefeiert, da lungern Obdachlose herum, und es gibt lecker Gratissuppe. Und man kann wohl mit Fug und Recht behaupten: „Also so etwas hätte es unter Aristoteles nicht gegeben!“ Was ja auch ein geflügeltes Wort unter kulturpessismistischen Philosophen geworden ist, kein Wunder, schließlich hat Aristoteles die Empirie in die Philosophie eingeführt.

Empirie ist natürlich ebenfalls ein griechisches Wort und heißt übersetzt soviel wie „Erbsen zählen“. Damit hat Aristoteles mehr oder weniger die Grundlage dessen geschaffen, worum es in jeder Art von Wissenschaft heutzutage geht. Aber da den Griechen irgendwann die Erbsen ausgegangen sind, hat man ab dem 17. Jahrhundert ungefähr begonnen, alles zu zählen, was es irgendwo gibt. Bohnen, Sengurken, Zuseherzahlen, Oberweiten, Manschettenknöpfe, Käselöcher und so weiter. So war das. Aristoteles ist also in gewisser Weise der Almöhi aller Rankings.

Was kann uns Aristoteles heute noch mit auf den Weg geben?
Erbsen. Dutzende davon. 1000de vermutlich sogar. Mindestens aber Unmengen. Erbsen sind ja gesund, sagt man, weil nämlich wegen dem Vitamin B. Das hält wach, verbrennt Fett, beruhigt die Nerven zugleich, und steckt überhaupt in nahezu jedem Vitaminpräparat, das uns irgendwelche dubiosen Onlineversandhäuser als neueste, heiße Promidiät verchecken wollen. Da sieht man mal wieder, wohin uns diese ganze Wissenschaft geführt hat. In den Beschiss! Was uns Aristoteles also hinterlassen hat (neben diesem Riesenhaufen Erbsen) ist die Erkenntnis der Widersprüchlichkeit allen Seins. Du kannst so viele Erbsen zählen wie Du willst, am Ende haut man dich doch übers Ohr.

Nächste Woche geht’s dann ab zu den Römern. Und von Rom aus dann via die Via Appia quer durch Italien, immer höher, bis wir am Chiemersee kurz bei der Villa von George Clooney Rast machen. Einfach so? Einfach so.

d. g. phil., teil 4

Posted by curtcuisine on Februar 21st, 2010

philosophie 4 diogenesDie großen Kata … nein, egal, … sophen, jedenfalls. Teil 4: Diogenes

Diogenes, das ist der Typ in der Regentonne, der nasebohrend und furzend in den Suburbs von Athen-City herumlungerte und Zeus einen lieben Herrgott sein ließ. Die Legende berichtet, dass eines Tages der große Alexander des Weges kam (nicht Peter, sondern der berühmte Eroberer, also mehr so eine Mischung aus Obama und Madoff). Diogenes war damals als zungenfertiger Gossenprolet recht bekannt, und Alexander wollte zwischen seinen Feldzügen mal die Sehens- und Hörenswürdigkeiten von Athen begaffen. Also besuchte er den versoffenen Philosophen und fragte ihn, wie die Dinge so stehen. Diogenes blickt kurz auf, bläst einmal kurz über den Flaschenhals (die Melodie von „Griechischer Wein“ natürlich) und sagt dann: „Geh mir aus der Sonne!“

Starkes Stück, oder? Diogenes war also einer der ersten Rüpel unter den Philosophen, nebenbei ein Schüler von Sokrates, natürlich einer der vorlauten und ungemütlichen. Sokrates hat ihn trotzdem gemocht (klar, mit dem konnte er stundenlang diskutieren), Platon hingegen hat ihn gehasst. Auch klar, oder? Denn wäre er mit Diogenes zu Dionysos, dem Tyrannen, gefahren, wären die beiden nicht mit heiler Haut zurückgekommen. Für Diogenes war im Zweifelsfalle alles ziemlich lächerlich, insbesondere jeder Anspruch auf erhabene Gedanken, darum war (öffentlich) Scheißen und Pissen für ihn durchaus gleichwertig mit dem Formulieren eleganter Gedanken. Der ließ da nicht viel gelten …

Was kann uns Diogenes heute noch mit auf den Weg geben?
Dass es erstaunlich ist, dass sich der Traum vom idyllischen Leben in der Regentonne bis heute bei so manchen Althippies gehalten hat. Und dass es schon ganz cool ist, rotzfrech zu sein, dass man davon aber auch nicht mehr als eine Anekdote in den Geschichtsbüchern hat. Das dicke Konto auf der Bank gehört weiterhin denen, die die Köpfe rollen lassen wie sie kommen. Das ist doch eine durchaus wichtige Lehre (die übrigens dann auch ein gewisser Hans Hölzl in einem Lied namens „Nie mehr Schule“ vertont hat: „Du hast die Wahl, willst du Segen oder Qual, verärgere deine Lehrer nicht.“) Ergo: Frechheit oder Erfolg. Beides geht nicht. Und weil das eine universelle Konstante ist, gibt es Peergroups. Die Erfolgreichen scharren permanent Typen um sich, die ihnen versichern, wie cool und itchy sie sind (gilt insbesondere für Rockstars und Hiphopper). Die Rotzfrechen hingegen hängen in diversen Regentonnenklubs herum und erklären einander, dass Reichtum nicht alles ist in der Welt. Und so bleibt denn auch alles stets wie es ist. cuisine

 Nächste Woche klappern wir auch noch Aristoteles ab, aber dann lassen wir es mit den Griechen gut sein. Ich kann die Melodie von „Griechischer Wein“ echt schon nicht mehr hören.

die großen philosophen, teil 3

Posted by curtcuisine on Februar 14th, 2010

philosophie 3 platonDie großen Philosophen, Kapitel 3

Sokrates & Platon, aber heute mehr Platon

Von Platon war in unserer letztwöchigen Unterrichtseinheit schon die Rede. Der gute Mann hat sich natürlich nicht nur von seinem Lehrmeister Sokrates besteigen lassen, er wollte auch mal etwas wirklich Tolles vollbringen. Also segelte er in das nicht allzu ferne Syrakus, um den dortigen Diktator Dionysios ein paar coole Tipps zur besseren Staatslenkung zu flüstern. Aber obwohl Platons Tipps nicht schlechten Eltern waren (siehe unter anderem „Der Staat“), etwa Sklavenhaltung, Eugenik, Elitenherrschaft und viele schöne Sachen mehr, interessierte das den Tyrannen nicht die Bohne. “Ich habe jahrzehntelange, praktische Erfahrung in angewandtem Despotismus, da brauche ich keinen dahergelaufenen Theoretiker, um mir erklären zu lassen, wie ich es den Leuten in blumigen Worten erkläre, dass ich sie von hinten vorne in den Arsch ficke!” Dionysios geriet so in Rage, dass er Platon sogar in den Kerker werfen lies. Bei anderer Gelegenheit durfte Platon zur Strafe dann auch mit dem Ruder auf dem Unterdeck eines Sklavenbootes tiefgründige Gespräche führen. Trotzdem fuhr Platon dreimal nach Syrakus … und fiel dreimal auf die Nase.

Was kann uns Platon heute noch mit auf den Weg geben?
Eine Erkenntnis, die sich viele Philosophen bis heute gut eingeprägt haben. Du hast entweder Recht oder du stehst auf der Gehaltsliste. Platon wollte Recht behalten, also wurde nichts aus dem Top-Job als Unternehmensberater. Hätte er dem Chairman von Syrakus erzählt, was er hören wollte, so wäre es ihm ergangen wie heute all den Philosophiestudiumsabsolventen, die für globale Weltkonzerne coole Mission Statements und Corporate-Responsibility-Bibeln schreiben: Er hätte groß abgecasht. Also überlegt es Euch gut, wem und wie ihr wem Eure Weisheiten andrehen wolllt. Und eine Faustregel noch mit auf den Weg: Spart Euch elendslange Abhandlungen. Ein paar griffige Slogans, ein paar markante, möglichst originelle Gedankengänge, und vor allem eine handfeste, prägnante Kosten-Nutzen-Rechnung, und der Vertrag ist perfekt.

Nächste Woche besuchen wir den Typ in der Tonne und erfahren, warum Witze über Lulu und Gaga total systemkritisch sind.

Wer braucht schon Augen im Kopf?

Posted by evakiel on Februar 9th, 2010

mustard aber echtAlso. Erstmal flattert mein Sohn vom Schreibtisch, bricht sich dabei das Ellbogengelenk. Aber mein Mann, der Riesenhornochse, tastet nur blöde herum an seinem Arm und meint, er wäre Doktor Sommer persönlich. Der Sohnemann ist aber auch nicht besser, gackert mit ihm im Duett über seine blöden Scherze, eine Minute später wieder der große Katzenjammer. Männer, echt, bevor die zugeben, dass der Schuh drückt, quillt schon der Emmentaler aus den Socken.

Also ab ins Hospital und gewartet. Dutzende Leute in der Notaufnahme. Skiunfälle natürlich, einen Tag nach dem Wochenende kommen alle drauf, dass man mit einem blauen Fleck vom Pistenzauber vielleicht doch einen Tag Krankenstand heraus schinden könnte. Ist mir auch egal, nicht aber das tranige Gesicht der Aufnahmeschwester, die mich keine Sekunde lang ansieht, sondern nur will, dass ich dieses blöde Formular ausfülle. Erklären brauche ich der auch nichts, das interessiert sie nicht die Bohne.

Also warten wir eine geschlagene Stunde, dann schenkt uns der behandelnde Arzt ein Sekündchen. Erneut versuche ich zu erklären, schließlich hat man eigene Gedanken im Kopf, aber der gute Mann winkt nicht einmal ab. Was so ein Laie wie ich darüber denkt, interessiert ihn nicht. Sein Urteil ist das Einzige, das zählt. Aber kein Wunder, wenn mein geliebter Hornochse schon glaubt, er wäre Arzt, dann müssen echte Ärzte ja davon ausgehen, dass sie Himmel und Erde erschaffen haben. Und genauso verhält sich der Arzt auch. Und blickt mich keine Sekunde lang an.

Ab ins Röntgen, wieder Warteschlange. Alle haben einen Wisch bekommen, nur wir nicht. „Entschuldigung, Schwester, brauche ich nicht …“ Mehr habe ich wirklich nicht gebraucht. Wie konnte ich mir nur einfallen lassen, das Krankenhauspersonal unbefugt anzuquatschen. Merke: Patient bedeutet der „Geduldige“, wird aber in österreichischen Krankenhäusern meist als K.A.K.E.R.L.A.K.E. buchstabiert. Weder die fuchtelige Flurschwester noch die Röntgenassistenz (muss ich es noch erwähnen) finden übrigens den Weg zu meinen Augen. Ich glaube, wenn ich mir „Fotze“ auf die Stirn tätowiert hätte, wäre das in diesem Krankenhaus auch niemanden aufgefallen.

Der Sohnemann bekommt seinen Gips (in der anonymen Gipserei) und wir nichts wie ab nach Hause. Im Lift eine Nachbarin (österreichischer Herkunft). Eine junge Türkin betritt den Aufzug, mit Kopftuch, wie üblich. Grinst mich die Nachbarin mit einer blöd-selbstgefälligen Verachtung an, als gäbe es nichts Lächerlicheres auf der Welt als Menschen anderer Herkunft und Kultur. Dieses Mal bin ich es, die ihrem gegenüber nicht in die Augen schaut. Meine anerkennende Bestätigung kriegst Du nicht, du blöde Gurke. Echt.

Liegt das wirklich nur an diesem verflucht kalten und tristen Winter oder ist die Scheiße bei uns echt schon so am Dampfen. Ich frage mich das wirklich. eki

die großen philosophen, teil 2

Posted by curtcuisine on Februar 7th, 2010

philosophie 2 sokratesSokrates & Platon, aber mehr von Sokrates für’s erste (Kapitel 2)

Sokrates war die erste Frau in der Philosophiegeschichte, zumindest wenn man diese Gendersache endlich mal gelten lässt. In der Tat wurde Sokrates permanent von Platon in den Arsch gefickt, was nur fair ist, schließlich hat auch Sokrates Platon in den Arsch gefickt. Der Unterschied ist: Sokrates hat es wirklich gemacht, denn er war stockschwul und Platon sein Schüler (nur war das damals kein Priesterseminar, sondern ein allgemein für cool befundener Sittenverfall), während Platon das auf literarische Weise erledigt hat, indem er Sokrates endlose Mono- und Dialoge in den Mund gelegt hat. Denn der gute alte Sokrates hat in seinem ganzen Leben kein einziges Wort schriftlich festgehalten. Nein, das hätte er wirklich verachtet.

Sokrates war mehr auf Plaudern aus, und insbesondere mochte er blöde Fragen. Mit denen konnte er andere solange nerven, bis sie sagten: „Okay, du altes Scheusal, du hast ja recht.“ Dann hatte Sokrates einen Ständer, der sich gewaschen hatte. (Obwohl, es ist nicht überliefert, wer dann seinen Ständer wusch, aber es ist anzunehmen, dass es häufiger Burschen als Mädchen waren.) Die ganze Sache ging aber am Ende doch eher  schlimm aus. “Ein Knabenarsch zuviel”, lautete das Urteil des Weisenrats von Athen, und Sokrates musste einen Becher mit Gift hinter die Binde kippen. Das war’s dann mit der fröhlichen Philosophieorgie von Athen.

Was kann uns Sokrates heute noch mit auf den Weg geben?
Zunächst die Erkenntnis, dass „um jeden Preis recht haben wollen“ eine Eigenart ist, die zu den eher homosexuellen Komponenten in der Philosophie gehört. Leute wie John Wayne beispielsweise haben nie lange diskutiert, sondern gleich geschossen. Das ist natürlich insgesamt auch bereits einer der Gründe, warum es die Philosophie heute so schwer hat. Genau. Gut aufgepasst. Weil John Wayne schon lange tot ist. Darum werden Schwule kaum mehr diskriminiert und keiner regt sich auf, weil die immer recht haben wollen. Abgesehen davon lehrt uns die Geschichte von Sokrates, dass man Stereotypen rund um Homosexualität (und insbesondere über die Eigenheiten von Männern und Frauen) nicht ganz so ernst nehmen sollte. Außerdem die wichtige Erkenntnis, dass es nicht immer reicht, “dass es ja eh alle anderen auch tun”, denn es gibt immer die Möglichkeit eines Bauernopfers.

Nächste Woche geht es weiter mit Folge 3: The empire (and Platon) fucks back

 
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