Fischer: Hase, Igel und die Flüchtlinge

fischer_neutralSo ist das und auch wieder nicht. Ein typisch österreichischer Bundespräsident bleibt in neutralen Mustern verhangen. Neutralität! Fischer: „Die Flüchtlinge sind auch eine Belastung für unser Land, aber das sind Menschen, die ums nackte Leben laufen. Das sind ja nicht Menschen, die, weil sie die kulturellen Sachen in Österreich schätzen, alles stehen und liegen lassen …“ Eine Pressestunde-Realsatire von Kerstin Kellermann

Österreich ist schon sehr österreichisch. Österreich verhält sich selbst österreichisch in der Frage Grexit: „Ausstieg Griechenlands aus der EU … Ja oder nein?“ „Österreich: Neutral!“ steht auf einem EU-Papier. Neutralität, im Sinne von „Na, muss nicht sein, dass die Griechen raus müssen aus der EU“ bis „Aber zahlen wollen wir nix für deren Verbleib“. Sogar unser österreichischer Bundespräsident ist sehr österreichisch. Nona. „Das sind natürlich viele Meinungen in der EU“, sagt er zum möglichen Grexit. Logisch. „Welcher Weg soll nun gegangen werden?“, fragt die Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid. „In der Politik soll das Schicksal der Menschen sehr beachtet werden“, antwortet der neutrale Bundespräsident Fischer. „Man muss schon sehen, dass viele zum Handkuss kommen, die nix dafür können.“ Aber: „Andererseits darf man die Menschen in der EU auch nicht überfordern.“ Jaja, diese ganzen kleinen Menschelein.

„Jetzt wird ein Beschluß gefaßt, der das festklopft (klopfklopf), was der Entwurf vorschlägt“, sagt der Bundespräsident im Fernsehen und klopft auf den ORF-Plastiktisch. „Jetzt geht es Spitz auf Knopf!“ (Anm. Kann mir das mal wer übersetzen?) „Bei den Kürzungen im Pensionsbereich wird den Griechen einiges zugemutet, was den Österreichern nicht zugemutet wird“, meint Föderl-Schmid. „In Griechenland wird auch einiges gemacht, was man sich in Österreich bei den Reichen nicht traut, um in ihrer Sprache zu bleiben“, antwortet Fischer. Ja wirklich, so einiges wird jetzt in Griechenland gemacht, was in Jugoslawien auch gemacht wurde. Nach den Privatisierungen durch den IWF erfolgte in Jugoslawien aber z. B. der Bürgerkrieg!

Asyl-Schuldentragfähigkeit, yeah
„Man hat mit den bisherigen Maßnahmen in Griechenland ein Schrumpfen des Wirtschaftswachstums erreicht. Verstehen Sie das?“, fragt ORF-Redakteur Fritz Dittlbacher. Er und ich nicht. Außer, dass es bei Jugoslawien damals das gleiche war. „Das verstehen sogar amerikanische Novelpreisträger nicht“, ist die Antwort. „Wird es einen Schuldenschnitt für Griechenland geben?“ „Das Stichwort heißt Schuldentragfähigkeit“, sagt Fischer. „Der Begriff Schuldenschnitt ist tabu, aber es gibt Flexibilität bei den Zinsen und bei den Fristen.“ „Werden wir das österreichische Geld zurückbekommen?“, fragt Dittlbacher. Der BP: „Auf Heller und Pfennig, auf Euro und Cent, auf Drachme und … ähem, eher nicht.“ Das kleine Geld der Drachme, wie hieß das bloß? Lepta!

Nächstes Thema: die „Asylproblematik“. „Das Problem ist eines, das die Bevölkerung erregt“, leitet der Journalist ein. Fischer: „Das Problem ist eigentlich ein sehr großes. Wir wissen, dass der schreckliche Krieg in Syrien die Menschen in die Flucht schlägt. Heuer wohl insgesamt 70.000, also ein Prozent der Bevölkerung.“ Föderl-Schmid: „Zwei Drittel der Gemeinden haben keine Flüchtlinge aufgenommen!“ Fischer: „Es ist auch eine Belastung für unser Land, aber das sind Menschen, die ums nackte Leben laufen. Das sind ja nicht Menschen, die, weil sie die kulturellen Sachen in Österreich so schätzen, alles stehen und liegen lassen…! (Anm. Hat er wirklich so gesagt!!) Ich fahre morgen in die Slowakei und werde mich bedanken, dass sie österreichische Flüchtlinge aufnehmen.“

Dittelbacher: „Es gibt eine Diskrepanz zwischen dem Ja zum Helfen und dem Nein in der Realität.“ Ja genau, typisch österreichisch eben! Neutral! Ja und Nein gleichzeitig!! Und im Zweifelsfalle für uns. (FPÖ-Diktion: die „Inländer“.) „Zelte sind eine Schande für so ein reiches, entwicklungspolitisch entwickeltes Land“, sagt Fischer. Entwicklungspolitisch entwickelt sind wir! „Es ist aber wie der Wettlauf mit dem Hasen und dem Igel: Es kommen 300 Flüchtlinge pro Tag.“ (Anm. Häh?) „In Traiskirchen liegen Leute auf Packpapier und es gibt leere Zimmer“, wendet Föderl-Schmid ein. „Bitte“, sagt der Bundespräsident: „Das geht nicht über meinen Schreibtisch.“ (Stimmt, es passen höchstens zwei Flüchtlinge auf seinen Schreibtisch.)

Abgedrängte Lösungskompetenz
„Was tut der Bürger Heinz Fischer persönlich für die Flüchtlinge?“, ist die Frage. „Spenden. An einem Klima arbeiten. Ich stehe zu diesen Menschen“, ist die Antwort. Dann kommt die Rede auf die KosovarInnen, die Österreich „heimsuchen“. (Anm. Herzlichen Dank an einen „Bosnien-Experten“, der die Innenministerin durch einen Kommentar im Standard dazu zwang, offiziell etwas zu unternehmen. Schluß mit Untertauchen!) „Ich versuche bei bestem Gewissen, die Politik des Innenministeriums zu erklären“, sagt Fischer kopfschüttelnd. „Die Innenministerin ist sogar in den Kosovo gefahren, hat Inserate geschalten, dass Wirtschaftsflüchtlinge keine Chance haben.“ Tja, wer hungert, soll bitte zu Hause bleiben und Zeitung lesen. Burek, Joghurt und die Kosovo-Krone.

Nächstes Thema: Vermögenssteuern! Frau Föderl-Schmid in ihrem schiefen roten T-Shirt (eventuell eine bewußte Stil-Entscheidung): „Stimmt die finanzielle Last? Werden Sie Ihren Vorschlag wegen den Vermögenszuwächsen weiter aufrechterhalten?“ Der Bundespräsident in breitestem Österreichisch: „JO.“ Wirtschaftlich kennt er sich gut aus: „Die wirtschaftliche Verflechtung mit dem Osten und dem Süden wurde sehr stark forciert. Deswegen hat Österreich jetzt Probleme.“ Ja eben, genug abgesahnt, die haben nix mehr, die Südosteuropäer. Die Steigerung der Ausbeutung ist rückläufig. Zwangsläufig. „Die Lösungskompetenz steht nicht im Mittelpunkt“, so drückt Fischer das aus.

Unbekannter FPÖler
Fischer wird den burgenländischen Landeshauptmann Niessl und seinen neuen Vize angeloben. „Ich kenne Herrn Tschürtz nicht“, sagt der Bundespräsident der Republik Österreich. Muss man nicht kennen. Aber: „So wie Bundespräsident Rudolf Kirchschläger das Gesetz zur Fristenlösung unterschreiben musste, werde ich die Angelobung von rotblau auch unterschreiben. Ich erhielt 79 Prozent der Stimmen bei der Wiederwahl, das ist ein Vertrauensbeweis der Bevölkerung, den ich nie vergessen werde. [Blablabla.] Ich will mich nicht versündigen!“

 

 

Horrorkabinett der Engstirnigkeit

eau_2Die Website eaudestrache.at versammelt Wortmeldungen, Ansichten und Postings von FPÖ-Anhänger bzw. Sympathisanten. Hydra hat die verständlicherweise lieber anonym bleibenden Macher der Seite zu einem kurzen Interview gebeten.

Hydra: Die Idee, diese Wortmeldungen zu sammeln, um daraus
 eine Art Sittenspiegel zu machen, scheint einerseits einleuchtend. Aber man
 könnte auch sagen, dass ihr dieser Negativität dadurch umso mehr Raum 
bzw. Öffentlichkeit gebt. Was sind eure Überlegungen dazu?



EaudeStrache: Ja, man könnte sagen, dass man dieser Negativität durch die Website mehr Raum und Öffentlichkeit gibt. Das war auch einer unserer Gedanken, den wir vor der Erstellung der Website hatten. Jedoch kann es, unserer Meinung nach, nur durch die breite Öffentlichkeit gelingen, der FPÖ den Spiegel vorzuhalten und diese Art von Politik zu verurteilen. Unserer Erfahrung und der Reaktionen nach, wusste die breite Öffentlichkeit nichts von den Auswirkungen dieser Politik. Wenn man es runterbricht, könnte man sagen, dass die Negativität zwar multipliziert wird bzw. mehr nach außen getragen wird, aber sich erst dadurch eventuell etwas ändern könnte. Vielleicht können wir da ein ganz ganz klein Wenig dazu beitragen. Schön ist, dass wir Mails bekommen haben von Menschen, die erfolgreich ihre Bekannten über ihre Blendung durch die Hetzpolitik aufklären und sie dadurch umstimmen konnten.

eau_1Hydra: Mir fällt beim Durchschauen der Wortmeldungen auf, dass diese
 engstirnigen, ausgrenzenden, diskriminierenden Statements zwar oft
genug das dürftige Bildungsniveau (oder gar Analphabetismus) ihrer
 Urheber verraten, aber hin und wieder auch erschreckend kreativ sind.
 Wie erlebt ihr das? Gibt es Lehren, die man aus der Beschäftigung mit
 diesem Horrorkabinett der Engstirnigkeit ziehen kann?



EaudeStrache: Man sieht, dass es keine Einzelfälle sind, die sich vom bewusst geschürten Hass angesprochen fühlen und fast schon „verführt“ werden – auf der Seite sind aktuell 933 Zitate gelistet, jedoch ist das nur ein Bruchteil der Menge, die wir gesammelt haben. Viele Zitate sind zwar auch sehr hasserfüllt, fallen aber unter die freie Meinungsäußerung. Da diese noch im Rahmen des Rechtlichen sind, wollten wir sie nicht publik machen.

Wie du angesprochen hast, sind viele Zitate tatsächlich kreativ. Irgendwie macht die Kreativität das Ganze noch um einen Tacken trauriger, da Personen nicht nur fordern, dass Asylanten z. B. einfach erschossen werden sollen, sondern manche auch erschossen werden sollen und danach Fotos von diesen in den Zelten den anderen Asylanten gezeigt werden sollen. Mittlerweile gibt es nur mehr wenige Zitate, wo wir uns erschrecken – man wird irgendwie abgestumpft. Die Wirkung von Zitaten mit KZ-, Gas-, oder Hitler-Inhalten stumpft allerdings nie ab.

Immer wieder wird ja gesagt, dass Bildung der Schlüssel ist. Laut Wählerstatistiken würde das auf den Durchschnitt zutreffen. Es wird gesagt, die anderen Parteien sollen auf die Ängste jener Wähler eingehen, die zur FPÖ gewandert sind. Jedoch ist es unserer Ansicht nach schwer, auf Ängste einzugehen, die bei einer Vielzahl der Menschen ohne die Facebook-Kampagnen und den öffentlichen Plakaten der FPÖ, nicht so existieren würden.

eau_3Hydra: Wie kamt ihr auf die Idee? Gab es einen bestimmten Punkt,
 eine bestimmte Wortmeldung, bei der ihr gesagt habt: „So! Jetzt aber!“?



EaudeStrache: Die Idee hatten wir ein paar Tage nachdem ein FPÖ-Mandatar wegen fremdenfeindlichen Postings auf facebook zurücktreten musste. Wir haben uns mehr aus Zufall die facebook-Seite angesehen und die anderen Postings und Kommentare durchgelesen. Im Zuge dessen haben wir uns durch viele andere FPÖ-facebook-Seiten geklickt und auch dort die Postings und Kommentare gelesen.

Wie zu erwarten, waren diese sehr eklig und hasserfüllt. Viele aber nicht gelöscht. Wir dachten uns, dass wir die Postings und Kommentare irgendwie nach Außen tragen müssen, denn gelesen werden diese Großteils nur von Menschen, die auf FPÖ-facebook-Seiten unterwegs sind. Wir entschlossen uns eine sehr einfache Website zu erstellen, auf welcher der Inhalt der Kommentare besser rübergebracht werden kann als auf facebook.

Auf facebook sieht man solche Kommentare immer nur als Haufen, in kleiner Schrift und mit schönen Profilbildern untereinander. Beim Durchlesen der Kommentare wirken diese zwar auch eklig, aber durch diese optische Überladung sind sie nicht eindringlich genug. Der optische Rahmen sollte sozusagen leider dem „gerecht“ sein, ohne viele visuell ablenkende Elemente.

Ganz im Kopf haben wir einen „So! Jetzt aber“ Zeitpunkt nicht, aber ich glaube es war ein Moment bei einem Posting auf einer FPÖ-Seite das mittlerweile schon entfernt wurde. Dort haben wir Kommentare gefunden wie: „Einfach das kz wieder öffnen und rein […]“ oder: „Ich sags ja nur ungern ! Aber lasst uns die alten Öfen wieder anwerfen !!!“

Hydra: Wie geht es jetzt weiter? Was erhofft ihr euch?

eau_4EaudeStrache: Wir wollen dadurch auf die Auswirkungen einer bewusst schockierenden, anstachelnden und entsetzlichen Politik aufmerksam machen. Eigentlich gehören solche Sachen nicht als „Das ist eh schon bekannt“ oder „Wenn sie sich davon distanzieren, passt das“, abgetan werden. Vielleicht dringt die Seite ja noch auf irgendeine Weise zu den sich für dieses Thema engagierenden Politikern durch oder zu anderen „Multiplikatoren“ der Öffentlichkeit. Wahrscheinlich wird sich erst dann etwas ändern. Die politische Öffentlichkeit müsste sich entschließen, H.C. Strache und der FPÖ den Spiegel ihrer Politik vorzuhalten. Deshalb freuen wir uns, wenn die Seite weiterkommuniziert wird. Vielleicht können wir ein kleines Bisschen dazu beitragen, dass Blau bei den kommenden Wien- bzw. Oberösterreich-Wahlen nicht so stark wird wie in der Steiermark.

 

Strache: „Es spricht der Bergsteiger zu uns!“

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Zwei Brüder im Geiste: Gabalier und …

ZwangsAusgrenzungsMissbrauch – nein danke! GabalierSchulterGebirgskreuze – ja bitte! FPÖ-Vorsitzender Strache unterhielt sich prächtig bei seinem Live-Auftritt im TV und kicherte herum. It’s Pressestunde-Showtime. Von Kerstin Kellermann

„Zwangs! Zwangs! Zwangs!“, tönt es aus dem Fernseher, was nun eigentlich „Zwangs!“ ist, versteht man nicht genau. Ich hätte halt doch nicht diesen alten Fernseher „HB Ingelen“ aus einer Ottakringer Fernseher Fabrik kaufen sollen. Gebraucht um fünfzig Euro. Hält aber schon vier Jahre brav. Zwangsraucher? „Der Raucher ist jemand, der seine Arbeitsfähigkeit bis zur Pension unter Beweis stellt,“, sagt FPÖ-Parteiobmann Strache. „Ein Raucher kostet den Staat weniger, weil er in der Regel früher stirbt.“ Zwangs-Halbinsel Krim? „Sie sind doch sonst so für Recht und Ordnung“, sagt der ORF-Journalist Langpaul. „Warum bei der Ukraine nicht?“ „Was ich verurteile, sind diese schädlichen Wirtschaftssanktionen gegen Russland, die den österreichischen Firmen so stark schaden“, meint Strache. Zwangs-Befreiung? „Wären Sie zu Putin gefahren am 9. Mai, dem Ende des Zweiten Weltkrieges?“, fragt Barbara Toth vom Falter. „Wir haben viel Leid erlebt“, antwortet Strache. „Zwei Weltkriege und eine Befreiung …!“ Eine Befreiung! Na, die war aber wahrhaftig schrecklich, diese Befreiung.

Von Mandln und Weibln
Toth lächelt Strache immer freundlichst an. Aufmunternd, zwinkert ihm zu wie ein Kind. „Nun sei doch nicht so…“, denkt sie wohl. Zornig. Und Strache ist in dieser Sendung auch nicht aufbrausend und von heiligem Zorn erfüllt – im Gegenteil, er amüsiert sich. Nach dem Volkssänger Andreas Gabalier, der den Mädchen den Nationalstolz verweigert, wird gefragt. „Das steht ihm als Künstler zu, haha. Dass man es heute als Mandl schwer hat, wenn man auf ein Weibl steht, ist klar, haha.“ Auf dem Po hat eine „fremde Hand nichts verloren“. Aber auf der Schulter z. B. schon. „Wenn man einen Partner kennenlernt, hihi. Irgendwann kommt es zu einer zärtlichen Berührung auf die Schulter.“ Nachdenkpause. „Auch mir ist schon sexuelle Belästigung passiert. Da sagt man eben klar und deutlich, dass man das nicht will, dann ist eine Ruh’! Hihi!“ Zu Conchita Wurst: „Man muss ja nicht alles heroisieren, einen nackten gegenderten Körper z. B., hihi, wie auf diesem Plakat.“ „Für das Plakat gilt nicht, was für Gabalier gilt? Freiheit der Kunst?“, fragt der Journalist schlagfertig. Da lacht er, der Strache, „hihihi“. Ist ja auch lustig, dieses ganze Sex-Zeug.

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… und dieser Strache hier …

Dann geht es um Ausgrenzung, Ausgrenzung? Ausgrenzung! „Wollen Sie den anderen Parteien vorschreiben, wer mit Ihnen koaliert? Die Grünen sind in immerhin sechs Bundesländern mit in der Regierung in der Koalition. Sie in gar keiner!“, stellt Frau Toth in den Raum. „Wir treiben die rotschwarze Regierung vor uns her seit zehn Jahren. Wir haben die Themenführerschaft inne: Islamismus! Die SPÖ sucht sich einen billigen Jakob: die Grünen! Die SPÖ hat sich den Akkilic gekauft!“ (Anm.: Auch wenn „der billige Jakob“ oft für die fliegenden jüdischen Händler verwendet wurde, bedeutet er jetzt per se keine antisemitische Redewendung, sondern kommt von Jakob dem Älteren, einem der  erstberufenen Apostel von Jesus. Jakob erhielt von Jesus angeblich wegen seiner ungestümen Art den aramäischen Spitznamen „Donnersohn“. Maria Vassilakou, Häupls Donnertochter …) „Wegen der Ausgrenzung der FPÖ sagen viele Menschen, es braucht einen Umbruch.“ Murmel, murmel.  „Überbordene Zuwanderung, leider kein Teil der Gesellschaft, Mohammed …“ Ich sag’s ja, mein Fernseher geht ein.

„Ich war ein Suchender“
„Der Islam ist sozusagen zum Markenkern der FPÖ geworden. Sie wollen mit dem Christentum dagegen halten?, fragt ORF-Langpaul. „Einmal hielten Sie ja ein Kreuz in die Kamera.“ „Das Kreuz ist ein kulturelles Symbol Europas! Es gibt Gebirgskreuze!! Das Kreuz gehört keiner Kirche!“, Straches Augen blitzten empört. Ja, die Kirche hat wirklich ihre Finger überall, sogar auf die Kreuze! „Ja, da denkt aber keiner, hier spricht der Bergsteiger zu uns“, sagt Langpaul, der Schelm. Strache: „Die Moslems sagen selber, wir wollen nicht, dass unsere Kinder abgefangen werden. Liberale Moslems sind gegen Gotteskrieger, die andere Menschen abschlachten.“

Barbara Toth stellt Strache eine Fangfrage, aufgepaßt!: „Was hat Ihnen denn damals geholfen, aus einer radikalen Bewegung herauszukommen?“  (Zwinker, zwinker, drei Bier!) So einfach auf „naives Gutmenschentum“ gefragt. Wenn schon, denn schon. Könnten Sie diese Kids nicht unterstützen? Und zwar wie? Strache: „Ich war ein Suchender.“  Murmel, murmel. „21 salafistische Kleinkindergärten in Wien… Für Radikalisierung besonders ansprechbar…“ Kleinkinder?! Ui, ui. A la: „Wenn du vor mir rutscht, schieße ich dir eine Murmel an den Kopf, picke dir meinen Kaugummi ins Gesicht, lade dich nicht auf meine Geburtstagsparty ein!“ Haue in die Schrebergartensiedlung Klein-Syrien ab?

„Was würden Sie gegen Radikalisierung machen?“ „Placebo Islamgesetz …, Offener Gummi Paragraf … Wir haben dreißig Rückkehrer aus Syrien in Österreich, die leben frei als tickende Zeitbomben in unserer Gesellschaft. Alle anderen, die sich einer Armee anschließen, Fremdenlegionäre z. B., verlieren die österreichische Staatsbürgerschaft und die nicht? Das muss man auf terroristische Organisation erweitern. Jeder, der sich für den Jihad gemeldet hat, soll die Staatsbürgerschaft verlieren.“ (Anm.: Ja, die Fremdenlegion ist nun mal keine terorristische Organisation, niemals.) Strache kriegt kaum Luft mehr. Journalist: „Heute sind  700 Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben.“ Strache muss husten: „Pardong“. Dann ist wieder keine Zeit für Luft holen, Entwicklungshilfe-Gelder, die gehen ja „irgendwohin“! „Man darf die USA nicht aus der Verantwortung holen, Syrien, Irak …, Frau TOT! Schlepperbanden …, wer das schafft, 5000 Euro zu zahlen, darf hier bleiben, signalisiert die EU. Aus wirtschaftlichen Gründen solche Todesfahrten auf sich zu nehmen!!“ Jaja, die spinnen, die Römer, die Afrikaner und die Syrer sowieso, Leute. Peace, brother. Piss off.

Kein Wundenlecken möglich
Journalist: „Sie sind der Erste, der die EZA-Gelder erhöht?”
Strache verfällt plötzlich in Dialekt: „Net a Geldüberweisung gehört her, sondern Projekthilfe vor Ort. No ja. Selbstgemachte Probleme: Schulden! Wenn es uns besser geht, können wir auch anderen wieder helfen.“ Luftholen, Herr Strache!  „Kalte Progression!“, wie ein Taucher schnappt er nach Luft. Armut ist auch ein Trauma, nämlich ein „soziales Trauma“, erklärte mir einmal eine Trauma-Therapeutin. „Hotellerie, Staatshaushalt …“ Die armen Hoteliers, wirklich. „Haben Sie schon einmal selber unterstützt?“, fragt Toth. „Ich habe schon einmal selber in der Dritten Welt einen Schulbau unterstützt.“ Whow. (Mit drei Solidaritäts-Bier. Scherz!) Strache schimpft weiter: „30.000 Asylwerber, die vielleicht Missbrauch versucht haben.“ Asylwerber! Missbrauch! Wie ertrinken z. B.? („Wo sind die Frauen und Kinder“, fragt Strache. „Warum kommen immer nur junge Männer?“ Abgesoffen!) „Selbst wenn Sie in Wien Erster werden, brauchen Sie einen Koalitionspartner“, konstatiert Langpaul. „Wenn ich in Wien Erster werde, gibt es kein Wundenlecken, sondern ein massives Umdenken in der SPÖ. Häupl (Jesus) muss noch in derselben Nacht zurücktreten“, freut sich Strache schon im voraus.

Exklusiv für Hydra verfasst von Gastautorin Kerstin Kellermann.

Einwandernde Milliarden ohne Visum

mariko_fKalte Progression, arme kleine Häuschen und leider keine Bau-Belege: Eine Pressestunde mit Mariko Faymann und Wolf Mitterlehner. Aus budgetären Gründen erst so spät aufgezeichnet. Von Kerstin Kellermann

„Wenn man sich auf der Straße umhört, sagen fast alle zur Steuerreform, na schauen wir mal. Es herrscht große Skepsis“, leitet Redakteur Bürger die Pressestunde mit „den zwei Wichtigen“ ein. Faymann: „Wir haben Menschen, die hart arbeiten, und dann haben wir die kalte Progression, die ihnen den Lohn wegnimmt!“ Iiiiih, die kalte Progression, das Monster! Drachen und Schlangen! „Man soll sich in der Politik nicht auf jubelnde Massen einstellen.“ Aber: „Jetzt kommen Milliarden in die Brieftaschen der Menschen, es gibt über sechs Millionen Betroffene!“ Pirouette, Faymann dreht sich einmal um sich selbst, Arme in einem schönen Bogen über dem Kopf. Imaginärer Applaus. „Die Armen werden ärmer, die Reichen reicher“. Tja, wie kommt das nur, wirklich undurchschaubar dieses Phänomen. Hoch lebe Willy Brandt! Der hat noch Bücher gelesen! Faymann: „Die Mittelschicht versucht Mittelschicht zu bleiben.“ Muss ein liebes Universum sein, in dem Faymann lebt. Ähnlich dem der japanischen Künstlerin Mariko Mori (Zitat: „Meine Arbeit ist eine Offenbarung des Denkens. Ich genieße es geradezu, die esoterische Haltung durch die innere Welt zu projezieren.“)

Mitterlehner: „Jemand aus dem Mühlviertel hat mir gesagt, ich kriege drei Euro pro Tag mehr, das ist genau ein Kaffee. Wir haben Budgetprobleme, das Geld wächst nicht auf Bäumen, Frau Linsinger!“ Frau Linsinger, die neue Innenpolitik Chefin des Profil, grinst. No, das wird sie schon einmal gehört haben. Ihre Frage war, wann kommt ein Sparpaket. Von der Wirtschaft kommen ein paar Problemargumente, seufzt Mitterlehner über seine erfolgsverwöhnte Klientel. Dabei gehen doch eh fünf Millionen oder Milliarden (ich habe Millionen verstanden, meine Mutter Milliarden) aus der Steuerreform in Richtung der Unternehmen. Häh? Sicher die Mittelschicht!

Damen über Wörter!
„Warum nicht das Positive zuerst?“, fragt Bürger. „Da kann ich mich nur einzementieren“, antwortet Mitterlehner. Das Wort „Erbschaft-, Schenkungs-, Vermögenssteuer“ käme gefühlte 28mal pro Tag bei der APA vor. Das Wort! Ja, was Wörter so alles anrichten können, die sind nicht ganz unbedeutend! Journalisten! Herren über Wörter! Damen über Wörter! Äh, Herrinnen über Wörter natürlich. Vermögenszusatzsteuer haben wir vereinbart, sagt Mariko Faymann („Dream Temple“, 1999, eine Arbeit des Cyborg-Surrealismus). Wieviele Milliarden haben die? Betrugsbekämpfung?! „Es gibt einen hohen Anteil an Schwarzgeld in manchen Unternehmen. 1,9 Milliarden.“ Wo war das Geld vorher? (Mir ist kalt. Meine Mutter, Tochter einer Schneiderin und eines Papierfabrikanten, rechnet im Kopf. Nun ja, die Bank-Wechsel ihres Vaters platzten manchmal.) Faymann: „Große Konzerne zahlen keine Steuern. Das will ich mir nicht kleinreden lassen!“ Tja, anscheinend haben das einige probiert. Kleinreden! Ja, reden ist auch nicht ganz unwichtig. Aber hier geht es um Geld und das gibt keiner freiwillig her und Reiche schon gar nicht, die sind ja schließlich als Sparefrohs so geworden. Oder? „Die Seele der Sozialdemokratie…“ tönt es aus dem Fernseher.

„Wenn ein paar Kleinigkeiten übrig bleiben an Steuern für Reiche…“, Wolf Mitterlehner spricht oft mit so einem gefährlichen Unterton in der Stimme. Grrrrrrrrrrrrr! Stiftungen! Er zeigt seine Zähne. Bürger hält sich den Mund zu, schnell nimmt er wieder die Hand weg, lächelt (meine letzte Satire hat gewirkt!). „Die Milliarden, die nach Österreich gekommen sind und nicht deklariert wurden.“ Häh? Einwandernde Milliarden ohne Visum? Aufenthaltsgenehmigung? „Die Steuern, das sind ja nur 4000 Euro für ein Häuschen, das vererbt wird. Nicht mehr“, sagt Mitterlehner beruhigend. „Damit hab’ ich 95 Prozent der Häuschen weg.“ Und „Bauern, die glauben, sie müssten jetzt für alle ihre Wälder zahlen, nein, Bauern sind ausgenommen und für Unternehmen hat sich der Freisatz erhöht. Betriebsübergaben haben sich nicht erschwert“.

Kein Sozialgeschenk-System
Hotels und Gastronomie Betriebe – sind das nun Häuschen oder Unternehmen? Da ist sich Mitterlehner noch nicht sicher. Die Hoteliers plädieren später für Häuschen. „Geldwäsche! Der Sozialmissbrauch ist kein Kavaliersdelikt …“ Häh? Der Schutz des Oma-Sparbuchs bleibt. (Meine Mutter grinst. Wenn sie ihr Losungswort wieder findet …) „Personen, die ihre Wohnungen zwecks Urlaubes tauschen, da kann man was holen!“ Die Sofa-Steuer bringts, Leute. Mitterlehner: „Wir haben kein Geschenksystem!“ No! „Sozialbetrug!“ Mariko Faymann scheint das Wort anders zu definieren: „Bei Baugeschäften wird oft gesagt, wir haben das Geld bar über den Tisch gezahlt, da braucht man aber schon einen Beleg…“ Der Sozialbetrug mache 200 Millionen oder Milliarden aus (Sorry, ich habe da eine Blockade! Weil die Handwerker im frisch umgebauten Nachbarhaus übernachten, können sie schon ab sechs Uhr früh hackeln und abends auch mal bis halb elf. No! Der Arbeitgeber spart sich die Fahrtzeiten. Sparefrohs werden reich!)

Wolf Mitterlehner mit der Zornes-Stirnfalte hält die nächste vorwurfsvolle Rede zu den missverstandenen Vorteilen der Steuerreform: „Jeder Selbstständige, der als Manager bei einem Unternehmen tätig ist, profitiert von der Steuerreform.“ Angestellte Selbstständige? Schein-Selbstständigkeit? Er wird immer röter im Gesicht: „Lasst uns die Stiftungen in Ruh’, ich krieg’ lauter sms dazu!“ (Darf ich auch seine Handynummer haben?) Linsinger berichtet, dass Herr Leitl von der Wirtschaftskammer drohte „Wir werden uns massiv in den parlamentarischen Prozess einbringen! Da werden wir das letzte Wort noch reden müssen.“ (Darf ich auch?)

Hans Bürger: „Was kommt jetzt alles an Sparpaket? Sind die Länder zu stark? Wann kommt das strukturelle Nulldefizit?“ Eva Linsinger: „War das klug, der Schuldenschnitt bei der Hypo-Heta?“

Mariko Faymann: „Man braucht keine Feuerwehr, wenn es nicht brennt. Wir werden es aushalten, wenn man über uns schimpft oder beleidigt ist. Man richtet sich nach der Bevölkerung, das ist in der Demokratie nichts Ungewöhnliches. In der Diktatur hingegen, wäre das anders.“

Wolf Mitterlehner: „Man braucht Fristsetzungen in der Politik. Das ist wie bei einer Betriebseröffnung. Bildung! Die Wirtschaft sagt, die Schüler sind uns zu schlecht, was wir alles bei den Aufnahmeprüfungen erleben. Das Kind muss im Mittelpunkt stehen – ohne Nachhilfelehrer. Wir haben uns entschieden, den richtigen Weg zu gehen.“ Und eine Firma ist eine Familie und ein Unternehmer ein gütiger Vater. Gütig!

Von Kerstin Kellermann exklusiv für Hydra verfasst.

Josef Moser: „Das Geld muss wieder bei der Wirtschaft ankommen!“

kaufkraft2014Ein Sittenbild zu den Hypo-Folgen: Die Kaufkraft des gemeinen Steuerzahlers ist erschöpft. Ausgerechnet zu Weihnachten. Und im Fernsehen lauter Politiker, die bei Hypohypo nicht dabei gewesen sein wollen. Eine Satire nach dem echten Leben, von Kerstin Kellermann

„Das Wegsteuern von der Kaufkraft muss ein Ende haben!“, droht Wirtschaftskammer-Präsident Christof Leitl bei der Fernsehsendung „Im Zentrum“ mit dem Zeigefinger in die Kamera. Falls ein Politiker zuschaut. (Au weh, über mir fangen gerade die Dachdecker an zu arbeiten.) Man wird den Eindruck schwer los, dass das Hauptargument gegen niedrige Löhne und hohe Lohnsteuern ist, dass sich die Leute nichts mehr kaufen können. Die müssen sich doch was kaufen können, die Leute! Weihnachten! (Dachdecker: rums.) Die Wirtschaft! Der Kreislauf! Auch Rechnungshof-Präsident Josef Moser moniert am gleichen Sonntag in der Pressestunde, dass die Wirtschaft leidet, wenn sich niemand mehr etwas leisten kann: „Österreich hat ein Ausgaben Problem. Wir müssen die Ausgaben reduzieren, damit das Geld wieder bei den Betroffenen ankommt – der Wirtschaft!“ Als staatliche Ziele nennt er „Die Wirtschaft stärken und sozial Bedürftigen eine Chance geben“ – in dieser Reihenfolge. Später kommen noch „die Patienten“ und „die Schüler“ dazu. Nun ja, wenigstens ein Christlichsozialer! Der neue Finanzminister hingegen wollte gleich die Mehrwertsteuer bei Büchern und Pflanzen erhöhen – elitärer Luxus!

Im Süden nichts Neues

„Der Hypo-Brand wurde in Kärnten gelegt“, sagt Reinhold Lopatka, Klubobmann der ÖVP, bei „Im Zentrum“. Huipfui, Brand legen! Dabei konnte ein Jörg Haider ja wirklich nicht die ganze riesige „Südosterweiterung“ der Bankengewinne als Mastermind planen und ausführen. Das müssen schon ameisenfleißige Bankenmanager selber gewesen sein. Zwanzig Milliarden Euro kann das Wilder Südosten-Abenteuer der Hypo „den Steuerzahler“ kosten! (Die Raiffeisen hatte auch dreißig Filialen auf der Halbinsel Krim! Was machen die da eigentlich? Ist in der armen Ex-Ukraine so viel Geld zu verdienen? Hißte Putin nun die russische Fahne auf der Raika?) Die Moderatorin zieht ihre schwarze Lederjacke enger. (Trägt sie die nun als Rebellions-Symbol oder als dezenten Mafia-Hinweis?).

Hypohypo: Geld scheffeln in den ehemals sozialistischen Ländern. Kriegs- und Umsturzgewinnler mit Krediten unterstützen und abkassieren. Sich ausbreiten! Daumen drücken, dass die Freibeuter zurückzahlen! Das konnte ja nur eine Weile gut gehen. (Unser Nachbarhaus wird gerade von einem kleinen kroatischen Lokalbesitzer umgebaut, auf Luxus-Eigentumswohnungen. Wer dem wohl das Geld dafür borgte?) Einer der vielen erfolgreichen, eleganten sozialistischen Banker der SPÖ – Hannes Androsch – fläzt sich im Fernseh-Stuhl herum. „Bundeskanzler Faymann wollte die Bank nicht verstaatlichen“, sagt er. „Er hat sich bis zum Schluß dagegen gewehrt.“ Banken verstaatlichen! Kommunismus!

Ich verstehe immer Kriegs-Bericht statt Griss-Bericht, sorry, aber ich kann die Jugoslawien Kriege nicht vergessen. Werner Kogler von den Grünen ist der einzige, der einmal laut „MEA CULPA“ ruft, aber in anderem Zusammenhang. „Man will die Investoren schützen, die hätten wissen müssen, dass das Land Kärnten nicht zahlen kann.“

Mutige Mitarbeiterstiftung

„Die Menschen dürfen sich die Schulden aus der Hypo nicht selbst zahlen“, wünscht sich Arbeiterkammerpräsident Foglar vom Weihnachtsmann. Für elf Milliarden Euro haftet das Land Kärnten immer noch. Kein Wunder, dass die FPÖ die SPÖ-ler ans Ruder ließ. Restl-Verwertung. Ex-Zahntechniker Strache beklagt schon wieder, dass niemand die FPÖ bzw. die BZÖ-Tochter und ihre Protagonisten kontrolliert hat! Der Rechnungshof wollte schon 2003 anschauen dürfen, was es mit Hypo, Kärnten und den Haftungen auf sich hat. „Die gründeten dann eine Mitarbeiterstiftung! Dadurch unter fünfzig Prozent Eigenanteil! Und der Rechnungshof durfte nicht mehr kontrollieren“, erklärt Josef Moser in der Pressestunde, dessen „Herz der Kontrolle dient“. Die „sehr hohen Haftungsprovisionen“ wurden auch für 2004-2007 vorausbezahlt. Erst 2009 machten die Grünen die Anzeige. „Die Steuerbegünstigungen wurden immer komplexer“, sagt Moser. „Eventuell wurden im Finanzministerium Beamte eingespart.“ (Selbstverteidigung eines überlasteten Finanzbeamten: Ich schenk’ denen eine Steuerbegünstigung und muss weniger hackeln?)

Was ich nicht verstehe: Sind PolitikerInnen und Beamte nicht der Staat? Wieso wollen die dann „dem Staat“ Steuern und damit Einnahmen wegnehmen? Viele PolitikerInnen tun so, als ob sie im Hauptberuf einfache Wohlstandsbürger wären. Lauter Bürgersöhnchen und –töchterchen im Parlament. Kathrin Nachbauer, die Vizepräsidentin des „Stronach Institutes für sozialökonomische Gerechtigkeit“ im Parlament und im TV: „Die linke Reichshälfte Österreichs will sogar die Erbschaft rückwirkend besteuern!“ Anscheinend hat sie bereits geerbt und braucht nun Stronachs bzw. des Steuerzahlers Geld nicht mehr.

 

 

Advent ohne Gewissensnöte

advent_1Advent und Weihnachten sollte die Zeit sein, in der man sich gemütlich zurücklehnt im Gefühl, wieder ein Jahr halbwegs über die Runden gebracht zu haben. Und in der man das hart erarbeitete Geld hemmungslos in Konsumgüter umsetzt, denn wenn die Vergangenheit etwas gelehrt hat, dann, dass man nie weiß, was die Zukunft wohl bringen mag. Also feiern sie 2014 solange es noch da ist!

Leidergottes werden einem diese simplen Genüsse alljährlich durch medialen Tugendterror und missionarische Mitmenschen verleidet. Sie wollen einem einreden, dass mit unserer Gesellschaft und der Welt im Allgemeinen etwas nicht in Ordnung wäre. Meist steht handfestes monetäres Interesse, etwa ein Spendenaufruf, dahinter, oft genug, vor allem im familiären Kontext handelt es sich aber um Personen, die schlicht und einfach die tatkräftige Freude am Fest durch pessimistische Nachdenklichkeit verderben wollen.

Auch wenn die meisten von uns ganz natürlich mit Ablehnung auf solche Ansinnen reagieren kann es trotzdem vorkommen, dass sich innerlich ein Gefühl des schlechten Gewissens ausbreitet. Dies beeinträchtigt Ihre persönliche Feststimmung sowie die Ihrer Liebsten, lässt sich aber leicht vermeiden, wenn man sich nur der richtigen Argumente bewusst ist. Folgende Zeilen wappnen Sie gegen Gutmenschenattacken von außen wie aus dem Inneren Ihrer Seelenlandschaft:

Gewissensnot Nummer Eins: Ich weiß ja, dass diese Bettler einer Mafia angehören, aber irgendwie tun sie mir halt schon leid.
Natürlich ist so ein Bettler kein schöner Anblick, vor allem wenn ihm diverse Gliedmaßen fehlen. Trotzdem sollten Sie sich stets vor Augen halten, dass ein Almosen keinem nutzt, ja nur bestehende Abhängigkeitsverhältnisse verfestigt. Aus der „Krone“ und der „Österreich“ wissen Sie, dass diese ohne Zweifel armen Bettler ja sowieso ihr gesammeltes Geld einem Kapitalverbrecher übergeben müssen, der anstatt vor Gericht zu stehen sich inzwischen auf Capri eine gute Zeit macht (wie hieß der noch gleich?).

Außerdem: Die Summe, die Sie spenden, können Sie nicht mehr konsumieren. Dadurch verliert der Staat Steuereinnahmen und der ohnehin schon schwachen Konjunktur wird weiterer Schaden zugeführt. In Zeiten der Krise gilt es, Verantwortung zu übernehmen! Denken Sie stets daran: Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut! Oder wollen Sie etwa in Zukunft auch Österreicher betteln sehen?

Gewissensnot Nummer Zwei: Aber irgendwas muss man doch für diese armen Bettler tun. Oder sie zumindest aus dem Straßenbild verschwinden lassen.
Nichts leichter als das! Falls Sie Unternehmer sind, dann verlagern Sie Ihre Produktion nach Rumänien oder Bulgarien. Dadurch schaffen Sie heimatliche Arbeitsplätze für die bettelnden Menschen und ermöglichen Ihnen dauerhaft aus ihrer unwürdigen Existenz zu entkommen. Außerdem sparen Sie Lohnkosten und können so wiederum mehr konsumieren. Eine Win-Win Situation! Nicht zuletzt befreien Sie dadurch die heimischen Ordnungskräfte vor der unappetitlichen Aufgabe, Bettler händisch zu entfernen.

Falls Sie Arbeitnehmer sind, weisen Sie Ihre Vorgesetzten auf diese Möglichkeit hin. Sie werden es Ihnen danken.

Gewissensnot Nummer Drei: aber zumindest den Augustinverkäufern sollte ich etwas geben, das nutzt denen ja wirklich.
Nein und nochmals Nein! Printmedien haben keine Zukunft. Durch den Kauf eines „Augustin“ halten Sie diese aussichtslose Zeitung nur künstlich am Leben und verhindern, dass die Obdachlosen sich zeitgerecht nach einer Erwerbsalternative umsehen. Weisen Sie den Kolporteur lieber auf die Möglichkeiten von Twitter hin.

Gewissensnot Nummer Vier: Darf man sich zu Weihnachten noch richtig freuen, wenn doch ein neuer Kalter Krieg droht?
Wenn Sie den Kalten Krieg als etwas Negatives sehen, sind Sie entweder zu jung oder schon zu alt und verkalkt, um sich richtig zu erinnern. Österreich ging es nie besser als zu Zeiten des Kalten Kriegs! Vollbeschäftigung, keine Ausländerproblematik und auch sicherlich kein so ein scheiß Sommer wie heuer! Mal ehrlich, was war schlecht am Kalten Krieg? Dass die Grenzen zum Osten zu waren? Dann kommt wenigstens das Gesindel nicht zu uns herüber! Und wie oft fahren Sie schon wirklich nach Ungarn oder Tschechien? Uhrenimitate kauft man heute im Internet und nicht mehr in Sopron. Die einzige Reiseroute auf die es ankommt, die zur Adria, war und bleibe frei.

Sollte trotzdem jemand beim Weihnachtsessen die Sorgenfalten runzeln, so antworten Sie im folgenden Sinne: Wir sollten uns alle nach 25 Jahren eingestehen, dass 1989 ein Fehler war, Putin ist bloß der erste, der es ausspricht. (Falls die sorgenvolle Person den Grünen nahesteht, können Sie auch folgende Replik gebrauchen: Im Kalten Krieg kam die FPÖ kaum über 5%).

isola_deGewissensnot Nummer Fünf: Während wir hier feiern ersaufen Flüchtlinge im Mittelmeer. Tragen wir da nicht eine Verantwortung?
Ja, wir kennen das. Bricht man angesichts ertrinkender Afrikaner nicht in Tränen aus, gilt man schnell mal als gefühlskalt oder gar rassistisch. Dabei hat ein nüchterner Blick auf die Tatsachen nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun, im Gegenteil! Natürlich gibt es klare demographische Gründe dafür, dass wir Einwanderung benötigen. Ebenso einleuchtend sollte aber die Tatsache sein, dass wir nur Immigranten mit gewissen Qualifikationen am heimischen Arbeitsmarkt brauchen können. Im Gegensatz etwa zu indischen IT-Spezialisten können Afrikaner meist nur ihre körperliche Arbeitskraft anbieten. Und da sollte es doch gerechtfertigt und wirtschaftlich angebracht sein, dass wir uns in Europa die fittesten aussuchen! Wer Lampedusa schwimmend erreicht, stellt am Arbeitsmarkt ohne Zweifel eine wertvolle Kraft dar. Wer sich hingegen von einem Boot retten lässt von dem ist anzunehmen, dass er auch in Zukunft beabsichtigt, von Leistungen des Sozialstaats zu leben. Und das können wir uns halt einfach nicht leisten! Was nutzt es den Afrikanern, wenn wir pleite gehen?

Sollten Sie trotz dieser einleuchtenden Argumente immer noch ein wenig schlechtes Gewissen verspüren, dann schaffen die Tage nach Neujahr Abhilfe. Stecken Sie beim Besuch der Sternsinger dem Schwarzen („Melchior“) einfach einen Fünfer extra zu mit den Worten: „Der ist aber nur für dich!“

In diesem Sinne ein ungetrübtes Fest wünscht Ihnen die HYDRA!

Von Gregor Fröhlich

 

Wir werden einen Staat dazu stellen …

Meine lieben Israelis und meine lieben Palästinenser,

das geht wirklich nicht und ich finde das unmöglich, dass ihr zwei traumatisierten Völker bzw. eure herrschenden Mächte euch weiterhin so mit Bomben und Trompeten, Langstreckenwaffen und Pauken aneinander abarbeitet – Ende nie! So viele Tote schon wieder! Für was?! Es muss doch jedem klar sein, dass diese existenziellen Verletzungen, Erniedrigungen und Demütigungen, diese ständigen Kämpfe auf Leben und Tod und vor allem die Millionen Opfer des europäischen Holocaust, Folgen auf die nachfolgenden Generationen haben – also die Verhaltensweisen der Kindeskinder. Beziehungsweise, dass andere Gruppen diese Schwachstellen und Schäden für sich ausnutzen.

Es muss doch mittlerweile auch jedem klar sein, dass es nicht leicht ist, mitten zwischen lauter arabischen Staaten auf einem Mini-Gebiet so groß wie Niederösterreich (und statt einem Landeshauptmann Pröll mit einem karrierebewußten russischen Migranten als Staatsoberhaupt!) den Betrieb eines Staates aufrechtzuerhalten, in dem die Orangenbäume  blühen und der Eingang zur Hölle sich befindet, und dass es noch mühsamer ist, auf einem wirklich winzigem Gebiet wie dem Gaza-Streifen oder dem Westjordanland mit wenig Wasser und Strom in einer Art Hartholz-Gestrüpp-Steppengebiet zu überleben, vor allem jetzt, zu einem Zeitpunkt, an dem in vielen Ländern Regierungen gestürzt wurden und sich die Machtverhältnisse ständig verändern.

Glaubt mir, meine lieben Israelis und Palästinenser, wir Österreicher kennen uns aus, was der Zusammenhang zwischen Individualpsychologie und den Schäden von ganzen Generationen bedeutet. Wenn der Großvater zum Beispiel als Jugendlicher im Ersten Weltkrieg kämpfen musste (Adolf Hitler bezeichnete seine Erlebnisse auf Leben und Tod im Ersten Weltkrieg als seine schlimmsten aber gefühlsintensivsten Momente, die er wiederholen wollte!), und wenn  der Vater im Zweiten Weltkrieg als Kleinkind alleine auf der Flucht war – wir Österreicher wissen genau, was Kriegs-Traumata über Generationen hinweg auslösen können. Sogar heute noch versuchen unsere werten FPÖ-ler, aber nicht nur sie, damit klar zu kommen, dass ihre Eltern einer verhängnisvollen Ideologie verfielen – um es einmal höflich auszudrücken.

Exportierter Antisemitismus

Liebe Palästinenser, Israelis und die euch zugehörigen Machthaber: Hört bitte auf, euch wie gequälte und quälende Kinder zu benehmen, die aus Neid und Eifersucht, Verzweiflung und Verfolgungswahn, wie in einem klassischen Familien-Gewalt-Trauma den Hass lieber auf die Geschwister richten, und die wahren Täter und Mittäterinnen außer Acht lassen. Denn ihr steht gerade ziemlich alleine in der Region und euer militärischer Konflikt ist der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich seltsamerweise alle einigen können. Wollt ihr der Faustpfand für die Interessen anderer sein? Ihr seid es, die unter die Räder kommen.

Und noch ein wichtiger Punkt aus der Vergangenheit, aus meinem christlichen Wissen und Gewissen heraus: Hätten damals die anderen Länder mehr von den vor dem Holocaust flüchtenden Juden aufgenommen, England z.B. nicht nur vorwiegend Dienstmädchen und Kinder, hätten sich auf der Konferenz von Evian nicht alle Länder von den armen jüdischen Menschen abgewandt („Wir wollen mit den Juden nicht den Antisemitismus importieren“, sagten einige Staatschefs), hätte es nicht diesen Engpaß an Land im Gelobten Land geben müssen! In Wirklichkeit wollten damals gar nicht alle jüdischen Flüchtlinge aus Österreich nach Palästina, sondern durchaus auch in andere Länder, was jedoch unsere Väter-Generationen durch die Wegnahme des Vermögens dieser Menschen bis 1943 zu verhindern wußten, bevor sie noch Schwerwiegerendes taten, worauf ich aber im Moment nicht eingehen möchte.

Österreichische Traktorenkette

Wir als Europäer sind uns also unseres Beitrages zur Entstehung dieser äußerst schwierigen und beinahe unlösbaren Situation wohl bewußt. Daher wird Österreich sich bemühen, zumindest so lange andere, näher liegende Länder nicht bereit sind, euch außer  Flüchtlingslagern richtiges, echtes Land beizusteuern, palästinensische Familien mit Hilfe von EU-Förderungen auf unseren Bergbauernhöfen anzusiedeln – selbst wenn Österreich auch nicht so groß ist und nicht so viel Land besitzt, das im übrigen von unseren Großbauern benötigt wird, um EU-Überschüsse zu produzieren. Wir werden ein Resettlement-Programm starten! Und Israel darf sich auch ein paar Schollen Erde von uns wünschen, die verlassene Seebühne am Wörthersee wäre z. B. noch zu haben, bzw. könnte man eventuell in einer Art Austauschprogram die migrantischen Kleinunternehmer der Copa Kagrana an den Strand von Tel Aviv exportieren. Wir haben ja sogar die Donau Insel errichtet! Was spricht also gegen ein Insel-Aufbau unter europäischer Federführung? Unser saudiarabischen Freunde, die meine Wenigkeit eventuell zu finanziellen Zuschüssen animieren kann, bauen ja auch ständig Inseln im Meer.

Auf diese Weise werden wir, wie ich in der Nachrichtensendung „Zeit im Bild 2“ bemerkte, um „der Wahrheit die Ehre zu geben“, eine „klare Haltung“ einzunehmen und ein „klares Signal zu senden“ und da „wir immer für eine Zweistaatenlösung“ waren, einen „neuen Staat dazustellen“. Ich bin bereits in Verhandlung mit berühmten burgenländischen Pfahlbau-Architekten, Brückenbau-Ingenieuren und meinen Bauern, die in einer Traktoren-Kette – gesponsert von Steyr Daimler Puch – echte österreichische Erde nach Palästina exportieren werden, um Land aufzuschütten. Schwarze Schollen aus Österreich, exzellente Qualität made in Austria. „Ich bin Realist“ und da „sich jetzt viele Länder aus der Deckung wagen“, „glaube ich, das ist der richtige Weg in Richtung Frieden zu kommen.“

Applaus.

Von Kerstin Kellermann