Exklusiv: Thronfolger Charles bei Regentenfamilie Lugner

***Sperrfrist Mittwoch, 12 Uhr***

SENSATION! Unter strengster Bewachung und Geheimhaltung traf der britische Thronfolger Charles heute die Regentenfamilie von Wien.

Der HYDRA (und nur uns!) wurde dieses exklusive Bildmaterial aus dem sagenumwobenen Saal 14 des Lugner Kinos, dem Bernsteinzimmer von Wien, zugespielt.

Aufgrund der britischen Wetterverhältnisse wurde der geplante Bio-Heurigenbesuch kurzerhand durch ein 25-Gänge-Menü beim Running Sushi in der Lugner City ersetzt.

Das weitere Programm, sowie die letztgültige Entscheidung über die Abendgestaltung (Karambol beim Köö, Handies ausprobieren beim Mediamarkt oder Billigfetzen kaufen für das Begräbnis der Queen) wurden der HYDRA leider noch nicht übermittelt.

(Im Bild v.l.n.r.: der verstoßene Wurstprinz Helmut der Letzte, Jackie Kennidi-Lugner, Prinz Charles und seine Camilla, Queen Mousey, Richard Mörtelherz I., König von Wien durch Gottes Gnaden)

(Im Bild v.l.n.r.: der verstoßene Wurstprinz Helmut der Letzte, Jackie Kennidi-Lugner, Prinz Charles und seine Camilla, Queen Mousey, Richard Mörtelherz I., König von Wien durch Gottes Gnaden)

 

 

Doppelte Partei-Mitgliedschaften im Hydra-Check

parteibuchHydra hat für euch alle Doppelmitgliedschaften getestet und verrät, wie Ihr Eure politischen Sorgen im Handumdrehen loswerden könnt.

Parallel zur Debatte der Doppel-Staatsbürgerschaft – die Hydra* berichtete – wird in der NGO-Szene nun auch heftig über eine doppelte Parteimitgliedschaft diskutiert. Der Vorteil liegt auf der Hand: in politisch unsicheren Zeiten ist eine rechtzeitige Vorsorge und Anpassung an prekäre Mehrheitsverhältnisse besonders ratsam. Dennoch werden derzeit eher die negativen Konsequenzen beleuchtet: Vorwurf der politischen Beliebigkeit, der Unzuverlässigkeit, des fehlenden Rückgrats stehen im Raum. Die Befürworter sind sich allerdings einig, dass diese Vorwürfe allesamt auch auf den Besitz von lediglich einem Parteibuch zuträfen, also kein Alleinstellungsmerkmal seien. Außerdem könnten Parteiaustritte langfristig reduziert werden, da keine Entweder-Oder-Entscheidungen erforderlich sind, was dem österreichischen Naturell durchaus entgegenkommt. In Krisenzeiten sind Anpassungsleistungen blitzschnell zu vollziehen, um mögliche Gewinne aus der politischen Wende ziehen zu können. Hydra* hat daher alle Modelle der doppelten Parteimitgliedschaft für euch getestet:

Modell Blau-Schwarz: Ländlich, aber gut verträglich
Am kostengünstigsten kommt die FPÖ, ab € 1,80 monatlich ist man dabei. Dadurch geht sich die derzeit beliebteste Variante (Blau-Schwarz) finanziell locker aus, sorgt sie doch im ländlichen Raum über maximale Akzeptanz (ja, Sympathien kosten etwas, machen sich aber langfristig bezahlt!). Das ÖVP-Parteibuch beläuft sich in den Bundesländer zwischen € 18 bis € 30 Euro, auch ein einkommensabhängiges Modell in NÖ ist dabei. Hier zeigt sich die ganze Vielfalt der ÖVP – und verträgt sich bestens mit der hochgradigen Regionalität der FPÖ. Fazit: ein robusten, um nicht zu sagen rustikales Zukunftsinvestment!

Modell Blau-Rot: Billig, aber urban
Die zweitbeliebteste Variante ist die kostengünstigste: eine SPÖ-Mitgliedschaft schlägt sich monatlich mit 6 Euro zu Buche, die Gesamtmonatskosten für FPÖ & SPÖ betragen also € 7,80 Euro. Billiger also als ein handelsüblicher Handytarif, geh, org! Dieses Modell greift eher in großstädtischen Ballungsräumen. Ideologische Sprünge sind zwar zwingend zu beherrschen, doch dank des saloppen Umkehrsprungs und verlorener Programmatik gehen sich alle erdenklichen Positionen in jeder der beiden Parteien dennoch irgendwie aus. Ein echtes Integrationsmodell also.

Modell Schwarz-Rot: der Klassiker, vielleicht schon im Ausgedinge
Die drittbeliebteste Variante ist teuer und im Grunde – bis auf eine kurze Unterbrechung – seit mindestens 40 Jahren gängige Praxis. Doch nun ist die Doppelparteibuchwirtschaft endlich legalisiert, reale Doppelidentitäten dürfen offen gelebt werden! Raus aus dem Ghetto der staatsnahen Betriebe, Ämter und Ministerien, nun wird SPÖVP auch in der Sprache selbst sichtbar („In meiner Funktion als Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Präsident…“). Schnelle politische Synergien werden möglich und das ewige Koalitionshickhack hat ebenfalls ein Ende. Konflikte können nun intrapersonell verinnerlicht und innerpsychisch ausgetragen werden. Doch womöglich kommt der Jubel verfrüht, viele Medien befürchten, diese überregionale Variante könnte ein Ladenhüter werden.

Modell Neongrün: Individuell, aber ohne langen Atem
Die vierte, durchaus spannungsgeladene Variante von Grünen und Neos ist preislich zwar auch eher im günstigen Sektor angesiedelt, seelisch allerdings anspruchsvoll: Ein Modell für kräftige VielrednerInnen mit wenig Hang zu pragmatischen Entscheidungen trotz der integrativen Ansätze für Ich-AGs. Die Kosten bei Neos (7,80 Euro pro Monat) gekoppelt an das billigste Angebot der Grünen (ab 2,10 Euro pro Monat, Aufzahlung bis 83 Euro möglich und gestattet) ermöglichen Individualisten große Freiheiten im Bezahlungsmodus. Trotz personeller und inhaltlich enger Verbindungen der beiden Parteien muss diese Variante im politischen Alltag als riskant hervorgehoben werden. Sie eignet sich nicht für langfristige Projekte und garantiert keine Synergien, so wie sie in den anderen Varianten in der Praxis bewiesen. Auch wahr: Dreitagesbärte erhöhen aktuell das Ich-Marketing. Kopftücher reduzieren dieses wieder empfindlich.

Modell Orange-Strohsackgelb: Finger weg!
Die fünfte und bereits praktizierte Variante ist FPÖ, BZÖ, Team Stronach. Die Kosten sind unklar, die Akteure sind dafür bereits heute das Role-Model für die gesamt Debatte. Wo kein Rückgrat ist, wird nie ein Rückgrat sein.

Für Hydra testete Neigungsgruppe für profeministische Satire in Österreich (NGPSÖ)

* mit besonderen Dank an den Kurier, der die journalistische Laufarbeit erledigte

Wag the Kasperl

Die BUP2016-Kampagnen im Satirecheck. Hydra hat für euch minutenlang auf die Plakate gestarrt und dabei fieberhaft nachgedacht: Was wollen uns diese Plakate sagen? Wie wollen sie uns das sagen? Sagen sie überhaupt irgendetwas aus? Doch ging es uns dabei weniger um Inhalte (Welche Inhalte?), vielmehr um die Zwischentöne, das Feinstoffliche, die Ästhetik. Denn wie wir spätestens seit der genialen Politsatire „Wag the dog“ (1997, Barry Levinson) wissen, sind es offiziell immer die Wahlpalakte, die eine Wahl entscheiden. Here we go.

 

griss_2IRMGARD GRISS
Die Kampagne von Irmgard Griss ist zunächst eines: nahezu unsichtbar. Zumindest im öffentlichen Raum. Auf Facebook & Twitter ist Frau Griss zwar durchaus präsent, doch wird dabei schnell eines klar: Hier wurde nicht allzu viel gewagt. Die Wahlkampfstrategie setzt fast alles auf die eine Karte namens „Unabhängigkeit“ und bemüht die üblich verdächtigen Schlagworte: „Verantwortung. Ehrlichkeit. Mut.“ Auch bekannt als „Ja, eh“-Slogans, weil es Begriffe sind, zu denen man eigentlich nur eines sagen kann: „Ja, eh! Klar bin ich dafür.“ Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen, eine Kampagne, so steril und nichtssagend wie ein unbenütztes Papiertaschentuch. Das immerhin passt perfekt zu dieser stets äußerst gepflegten und adrett gekleideten Kandidatin.

 

RICHARD LUGNER
Damit sind wir dann auch gleich beim Gegenteil. Auch Lugners Kampagne ist im öffentlichen Raum unsichtbar, dafür hat er das Internet und die paar Quadratmeter der Lugner-City ganz für sich. Neben dem Kasperl-Sujet gibt es tatsächlich ein halbwegs staatstragend wirkendes Plakat, natürlich Seite an Seite mit seiner „First Lady“. Die Dame ist allerdings ein Witz für sich (sie ist auf dem Plakat mehr retuschiert als Lugner), ebenso, dass Lugner nicht nur unabhängig, sondern auch „aktiv“ zu sein verspricht. Nachdem uns Lugner bei seinen „Wahlkampfauftritten“ mehrmals zu verstehen gegeben hat, was für ein toller Hengst er ist, da er doch so ein resche, junge Gattin noch beglücken kann, wissen wir auch, was mit diesem „aktiv“ wohl in erster Linie gemeint ist.

 

khollum_2ANDREAS KHOL
Arbeit macht frei, Erfahrung macht stark. Andreas Khol ist also ein sehr erfahrener Mann. In der Geriatrie versteht man diesen Hinweis so: „Aha, er ist schon recht alt. Warum sagen Sie das nicht gleich so?“ Die Plakatkampagne versucht dieses hohe Alter natürlich möglichst staatstragend zu verkaufen. Die Mittel dazu: kräftige, aber nicht zu bunte Farben, eine staatsmännische Pose, die üblichen Slogans („Staatsmännisch. Erfahren. Mutig.“), die beinahe auf seine Persönlichkeit zugeschnitten scheinen, aber in Wahrheit auch nur „Ja, eh“-Slogans sind. Man darf sich fragen, ob die ÖVP, wenn sie einst unter die 5%-Hürde fällt, immer noch so auftreten würde, als könnte sie den Kanzler oder den Bundespräsidenten stellen. Andererseits: Natürlich muss man auf Plakaten so tun, als wäre man die Topbesetzung für diesen Job. Selbst wenn der Kandidat Andreas Khol heißt.

 

hundsdorferRUDOLF HUNDSTORFER
Was für eine Überraschung! Der SPÖ-Kandidat setzt auf dieselbe Bildsprache wie der ÖVP-Kandidat, nur die Farbgebung ist etwas dezenter, geschönter, sonniger! (Gelobt sei Photoshop!) Tja. Jahrzehnte des Proporzes lassen sich eben nicht so einfach wegwischen. Hundstorfers Keywords hingegen sind „Sicherheit, Verlässlichkeit“ und dass er „einer von uns“ ist. Auch das kommt nicht allzu überraschend und wir sagen einmal mehr: „Ja, eh!“ Was die Hundstorfer-Plakate an „staatsmännischer Erfahrung“ nicht transportieren, machen sie mit ihrem volksnahen Flair und der burschikosen Verzückung wieder wett. Es wirkt ein wenig so, als wäre der Slogan „Im Herzen bin ich immer noch Lehrling!“ lange Zeit im Rennen gewesen, aber erst in letzter Sekunde (samt Latzhose und Schutzhelm) wieder rausgeflogen. Fast schade drum.

 

hofer_2NOBERT HOFER
Endlich eine klare Bildsprache! Bei der FPÖ ist es ziemlich gleich, ob jemand für den Gemeinderat, für eine Demonstration gegen eine Flüchtlingsunterkunft oder als Bundespräsident kandidiert, diese Werbelinie ändert sich nie. In der Werbefachsprache nennt man das eine wiederkennbare „Grundmelodie“. Die tönt immer gleich, ein bisschen hört man marschierende Stiefel durch, in der plumpen Typographie spiegeln sich die proletarischen Wählermassen und in der Kombination der Flagge mit dem parteilichen Blau schwingt stets auch ein Hauch patriotische Verklärung mit. Das mag man zum Kotzen finden oder auch nicht, es ist aber immerhin eines: stringent! Und vermittelt mehr Verlässlichkeit oder Beständigkeit, als z.B. ein Photoshop-geschöntes Hundstorfer-Plakat. Die SPÖ muss sich also ein weiteres Mal nicht über den Wählerstimmenexodus aus dem Gemeindebau wundern.

 

vdbALEXANDER VAN DER BELLEN
Na bitte, hier hat sich offenbar eine Werbeagentur (es handelt sich um Jung von Matt) vollkommen verwirklicht. Während die FPÖ-Agentur sich stets selber treu bleibt, schummelt man Van der Bellen in eine volksnahe, fast bäuerliche Identität. Nichts mehr ist es mit flapsig-faden Grünen-Slogans, hier geht es in satten Schwarz und vollgesogenen Farben um das Ganze, sprich: erneut um ziemlich nichtssagende Begriffe. Wir erfahren, dass der Professor für „Glaube in die Heimat. Zusammenhalt. Mut“ steht. Ja, mit ihm fahren wir gar „mutig in die neuen Zeiten“. Und nicht nur das. Die Jung von Matt-Kampagne setzt noch eines drauf, den ultimativen, den nicht mehr zu toppenden Begriff. Alexander van der Bellen ist: „Wir!“ Und sind wir nicht für ihn, sind wir offenbar gegen dieses „Wir“, gegen uns also. Das muss man erst einmal verkraften. Aus jedem Sujet tropft der absurd unerschütterliche Glaube mancher PR-Agenturen, man müsse nur einen Kandidaten in eine grüne Wiese stellen und „Heimat“ dazu schreiben, schon ändern zwei Drittel der Bevölkerung ihre Meinung: „Ah ja, der ist ja eigentlich eh auch recht rustikal. Na, jetzt wähl‘ ich ihn!“ … und vielleicht stimmt das ja tatsächlich. Trotzdem wäre uns diese Kampagne als Fotoroman eines einsamen, alten Mannes viel sympathischer gewesen. Dann hätten wir gerufen: „Gebt ihm doch das Amt! Damit er noch etwas vor sich hat …“

Fazit: Eine richtige Überraschung gibt es hier nicht, doch immerhin verraten uns die Plakate, dass die FPÖ selbst in ästhetischer Hinsicht mehr Beständigkeit zeigt als ÖVP und SPÖ. Und dass die Van der Bellen-Plakate mehr versprechen wie alle anderen Wahlplakate zusammen. Würde nun tatsächlich stimmen, was wir eingangs behauptet haben, dass die Kampagnen über den Wahlausgang entscheiden, wäre der Wahlausgang eigentlich ziemlich klar. Aber das kann natürlich nicht sein. Denn wer schaut sich schon länger als 10 Sekunden Wahlplakate an? Danach nerven sie nur noch, weil sie das Stadtbild oder – noch viel schlimmer – die Landschaft verschandeln. Das Beste an Wahlplakaten war immer schon, dass sie nach der Wahl schnell wieder verschwinden.

musikanten für migranten

KK_Hydra_Jahrbuch_Kern_korr1_4_11-29

Stadl-Prominenz gewährt Flüchtlingen „Asyl der Herzen“

»i gfrei mi sakrisch«

Nach dem „Aus“ für Andy Borg wird der Musikantenstadl zum Ausweichquartier für Flüchtlinge. Dazu Borg: „Org!“ Die Chefin der Österreichwerbung, Johanna Mikl-Leitner, zeigt sich hingegen begeistert. Erste Quartierbezieher berichten allerdings von unerträglicher Dauerbeschallung. Amnesty International meldet umgehend Bedenken an, das „Quartier“ solle erst nach einer Begehung freigegeben werden. Die Stadl-Prominienz ist in ihrem Eifer nicht zu bändigen: Hansi Hinterseer spendet seine Fellstiefelsammlung: „Mei, i gfrei mi sakrisch, dass ihr do seid’s!“ Als freiwilliger Helfer meldet sich auch Volkssängerstar Adolf Gabalier. Er bringt den männlichen Vertriebenen die alte Bundeshymne bei, die Flüchtlingsfrauen dürfen währenddessen den Kochkurs „Schwein und Bein“ bei Liesl Wagner-Bacher besuchen.

Flüchtlinge für »Gut aiderbichl«

Dort stockt das Blut, auf der Hauptbühne stockt den Flüchtlingen indes der Atem beim Auftritt von Helene Fischer. Die Schlagerqueen gibt sich tief betroffen: „Da bin ich atemlos!“ Zum Abschluss singen alle Musikantenstadl-Stars gemeinsam eine Schunkelnummer für die Flüchtlinge („Mein Vater war ein Wandersmann“) und rufen diese danach zu reichlichen Spenden für das „Gut Aiderbichl“ auf. Die Flüchtlinge sind überwältigt und opfern ihre mitgebrachten Ziegen. Der Schweizer Schlagerflüchtling Francine Jordi zeigt sich verwundert: „Haben wir die nicht schon alle ussigwählt?“ Semino Rossi, laut Wikipedia ausgebildeter Rettungsschwimmer, weint Tränen vor Rührung: „Tausende Fans treten diese weite und beschwerliche Reise an, um zu hören meine Musica. Da ist es das Zweitmindeste, dass ich sie die letzten Kilometer aus dem Wasser fische. Ja, ich würd’ es immer wieder tun.“ Herr Rossi fügt an: „Die suchen auch nur ihr Glück.“

von C. Cuisine, S. Rosskastanie, B. Szatkowski, A. Wiesenhofer & M. Zirkowitsch

Ein Auszug aus:

„Die 25 emotionalsten Momente des Jahres 2015“ mit Sonja Zietlow können brausen gehen – denn der Cartoonist Daniel Jokesch und das Satire-Kollektiv HYDRA haben die wahren und besseren Highlights des vergangenen Jahres in diesem satirischen Jahresband versammelt.

★★★★★

Rekord-Hitze & Jahrhundert-Winter: 2015 in Cartoons & Schlagzeilen
Daniel Jokesch & HYDRA
96 Seiten, Soft­co­ver
ISBN 978–3–902980–34–2
14,95 Euro

wer dichten kann, ist dichter dran …

photo-1422280636838-a42d518a9516

… und auch ein Dickerchen dann und wann. Aber macht euch nichts draus, Kinder, besser ein fetter Loser, als dünn und erfolgreich. Fragt eure Eltern!*

Ihr seit die geborenen Dichter, Kinder, ganz ehrlich! Von über 1.000 Einsendungen konnten wir bloß eins verwenden. Der Rest war wohlstandsgenerierter Sondermüll. Nur weiter so!

Ode an die Wonneproppen

Dicke Katzen sind lustig,
Dicke Konten sind schön,
Dicke Füchse sind listig,
Dicke Kinder obszön!

Das ist alles richtig,
was ich da so sage,
sind Kinder mal wuchtig
braucht es keine Waage.

Weithin prangt die pralle Plauze,
wider Anstand und Ästhetik,
wer so lebt, der liebt die Jause.
Wonneproppen ha’m wir nötig!

Jedes blade G’schrapp rebellisch,
widersetzt sich dem Staat,
der uns trimmen will wie närrisch:
„sei gsund und fit und smart!“

Fette Kids der Spielkonsolen,
feig, wer über euch noch lacht!
Findet Wege, bildet Banden!
Futtert! Füttert auf Verdacht!

Werbung nur für Hübsche, Schlanke,
sei gsund (=hübsch), das ist „normal“,
bist‘ erst anämisch, schlacksig,
ist der ganze Rest egal!

Anorektisch und bulimisch,
also ist die nouvelle vague.
Auch in Paris gilt als szenig,
wer Ottfried Fischer mag.

Abnehmtipps für Teeniegirls,
Magerwahn im Volksschulalter.
IN sind neuerdings die Röhr’njeans,
wie zu lesen war im Falter.

Antiheteronormati-
vität ist der Stund‘ Gebot.
Seh ich Dünne, kunnt i Speiben
Doch das ist ja deren Job.

Maxi, 10 Jahre

 

* PS: Gott hatt euch natürlich alle gleich lieb. Aber Jesus war schon dünn …

Wiener Polizeiball – Auch heuer wieder nur im Freien

polizeiballSo ein Pech! Nachdem Polizeipräsident Pürstl auch heuer wieder die Buchungsanfrage zu spät abgeschickt hat, muss der traditionelle Wiener Polizeiball statt in der Hofburg einmal mehr unter freiem Himmel in der Innenstadt stattfinden.

Pürstl zeigt sich verlegen: „Das ist jetzt schon blöd, wir haben ja extra die ganzen Kollegen aus den Bundesländern eingeladen.“ Als Ersatz verspricht der Polizeipräsident eine große Tanzfläche vom Stadtpark bis zum Heldenplatz mit Blaulichtdisco, außerdem ist eine Tombola geplant: Unter allen Mistkübelaufstellern werden 6 Monate U-Haft all inclusive verlost. Ebenfalls zum Einsatz kommen wieder die beliebten Selfiesticks. „Gut zum hindreschen, gut zum mitfilmen“, zeigt sich Pürstl begeistert.

Trotzdem ist davon auszugehen, dass viele Ballgäste von der erneuten Verlegung ins Freie enttäuscht sein werden. Von Spaziergängen in der Innenstadt wird deshalb Freitagabend abgeraten: Die letzten Jahre zeigten, dass die tanzwütigen Polizisten leicht gewalttätig werden.

„Merkelundich“: Mit dem Fahrrad über die Arktis

kk_zitat_3 „Ich habe niemanden versprochen, dass das Einzäunen von Österreich die Probleme löst“, sagte Bundeskanzler Faymann in der ORF-Pressestunde. „Merkelundich, das ist pragmatischer Realismus!“ Eine Satire nach dem wortwörtlichen Fernseh-Leben von Kerstin Kellermann

Als Bundeskanzler muss man wissen, wo man steht, auf welcher Seite der Grenze. Oder oben drüber. Der Merkel-Blick. „Weder Italien noch Griechenland waren in der Lage, das Flüchtlingsproblem für uns alle zu lösen“, sagt Faymann. Stimmt. „Schämt man sich nicht dafür?“, fragt der ORF-Journalist. „Nur ein Promille der Flüchtlinge weltweit wird in Europa verteilt.“ Scham? Was bringt die leicht? Alte Gefühle aus der Kindheit. Die Erwachsenen machen einen Blödsinn und das ohnmächtige Kind schämt sich dafür. Hilft den Flüchtlingen nix. „Wenn sich eh jeder Flüchtling aussucht, wo er hinfährt, kann man auch die Asylgesetze in Europa angleichen“, meint Faymann. Klar, dass ein Flüchtling lieber dort wohnt, wo er schon Familienmitglieder oder Freunde hat. Irgendwie logisch, dass er nicht so gerne die Eltern in Großbritannien und den Bruder in Belgien hat – außer er hat gerade Krach mit seiner Familie. „Man kann den Ländern nicht nur sagen: Behaltet’s die! Es müssen menschenwürdige Quartiere geschaffen werden. Nur die Augen zumachen und sich denken, hoffentlich kommt keiner, bringt es auch nicht.“ Er kann so realistisch sein, und der Humor dabei ist neu. Der amüsiert sich ja richtig. Bodenständigkeit kann auch mit Vergnügen verbunden sein. Der Boden des Lebens. („Ich hätte nicht gedacht, dass 2015 eine Million eine Wanderung antreten“, sagte hingegen Sozialminister Hundstorfer. Wanderung?)
Margaretha Kopeinig vom Kurier, die sich wohl einen Anzug von Kotanko ausgeborgt hat, redet ganz langsam mit Faymann – kärntnerisch: „Haben Sie einen Plan B?“ Plan B? Faymann ist noch bei Plan A: „Menschenrechte abschaffen – da kann man nur jeden warnen, der für eine menschenwürdiges Leben ist… Wir haben ja oft kein Wirtschaftsabkommen mit Ländern mit denen wir kein Rückführungsabkommen haben.“ Übersetzung: Kein wirtschaftlicher Druck möglich, dass diese anstrengenden Regierungen „ihre“ Flüchtlinge zurücknehmen. Und an der Bakschisch-Frage ist schon Außenminister Spindelegger gescheitert.

kk_zitat_2Praktische Erpressung

Kurier-Kopeinig: „Osteuropäische Länder sind gegen die Flüchtlings-Verteilungs-Quote. Wie werden Sie die zwingen? Sie stehen uns sehr skeptisch gegenüber. Wir wollen mit Flüchtlings-Ausgaben nichts zu tun haben, denken die.“ Na sicher! Erst bringt man ihnen mühsam die kapitalistische Verwertungs-Gesellschaft bei und treibt ihnen alle möglichen Reste einer sozialistischen Gesellschaftsform aus und nun sollen sie doch plötzlich sozial sein? Wenn polnische Alte keine Pension erhalten, ungarische Arbeitslose auf der Straße landen, warum sollte so ein kleiner Syrer eine Unterstützung kriegen?! Noch dazu monetär?! Jetzt haben die das so brav gelernt, die beinharte Marktwirtschafts-Lektion und nun passt es wieder nicht. „Ist ja klar, dass ein Flüchtling lieber in ein Land geht, wo ein Krankenhaus funktioniert“, stellt Faymann nüchtern fest. „Einige sagen Erpressung! Die nächsten Geldverhandlungen mit osteuropäischen Ländern kommen sicher“, lächelt Faymann, der monetär gesehen mit Merkel auf dem längeren Ast sitzt. „Ich bin der Dienstälteste in der EU neben Angela Merkel.“
Kurier-Kopeinig in sich gekauert: „Ist der Kampf gegen den Terror auch eine Maßnahme gegen die Flüchtlingskrise? Der Boden für Terroristen…“ „Der Boden für Terroristen ist gut bereitet, bei Krieg und wenn zu wenig zum Leben ist“, Faymann rührt mit den Händen in der Luft. „Das wäre ja ein sympathischer Zaun, der Leute in den Frieden zurückschickt.“ Ein Trampolin? Ein Gummi-Zaun? Spatzenschleuder? „Die Flüchtlinge kommen ja nicht geordnet daher, die kommen sogar mit dem Fahrrad über die Arktis“, fürchtet sich ORF-Dittlbacher. „Einer wird nach Luxemburg zugeteilt, will aber lieber nach Österreich, dann schicken wir den nach Luxemburg zurück und nicht nach Griechenland“, erklärt Werner Faymann. Österreich ist beliebt! „Schwindeln dürfen die nicht, sonst bleiben die, die brav sind, über.“

kk_zitat_1Ein Feind für alle

„Merkel und Sie sind gegen eine Flüchtlingsobergrenze“, stellt Fritz Dittlbacher fest. „Merkelundich, das ist pragmatischer Realismus“, tönt Faymann, der starke Frauen mag, aber nur, wenn sie von der falschen Partei sind. „Ich lüge nicht. Ich habe niemanden versprochen, dass das Einzäunen von Österreich die Probleme löst.“ Hihi, die Zwergerl bleiben drinnen, rotweißrot bis in den Tod. Und wie dann im Sommer nach Rimini?
„Die Leute sollen bitte schön umdrehen und zu Hause in Frieden leben, sagen viele – das geht nicht.“ Margareta Kopeinig fragt nach der Jugendarbeitslosigkeit und dem Zusammenhang mit den „rechten Parteien“. „Rechte Populisten benutzen Herabwürdigung und Verletzung, das Spiel mit der Angst. Wir haben für alle einen Feind, aber keine Lösung. Habe noch keinen Vorschlag von Le Pen gehört, wie man die Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen könnte. Wer sagt, die Krise sei vorbei, hat nur die Banken im Auge.“ Irgendwie hat Faymann einen ganz eigenen Humor entwickelt. „Wenn Ältere so lange arbeiten sollen, dann muss man auch einen Arbeitsplatz für sie haben. Und gesund müssen sie sein.“