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Scheucher Wohnen

Posted by on August 3rd, 2011

„Die schwedischen Gardinen? Die hab ich vom IKEA!“ Ein gutgelaunter Uwe Scheuch öffnet uns das zeitlos metallene Türchen zu seinem schicken Single-Loft. Die Einrichtung ist einfach, aber schlicht. Wie er hier lebe? „Leben? Haha, davon kann keine Rede sein! Nein, ganz im Ernst, mir gefällt es hier drinnen so gut, dass ich kaum einen Schritt vor die Tür setzen mag.“ Er geht zur  zelleigenen Minibar und öffnet eine offensichtlich für uns auf Eis gestellte Flasche Spiritus. Ein Bonvivant der seine Gäste zu umschmeicheln weiß!

Auffallend im überraschend einfach eingerichteten Mini-Appartment des Lifestyle-Gigolos: die Reduktion auf das Wesentliche! Die Sichtachse zum gut vergitterten Fensterchen wird von einer schlichten Pritsche aus stabiler Fichte dominiert, die Verankerung in der Wand wurde mit gusseisernen Ketten vorgenommen. Eine saubere Lösung, die hervorragend zum Ambiente passt. Eine verlauste Steppdecke, die auch schon einmal bessere Zeiten gesehen haben mag, rundet das kleine Schlafparadies ab: „Hier tanke ich Energie, wenn ich einmal nicht so gut drauf bin! Dann lese ich ein Gedicht oder hole mir einen runter.“

Man merkt: Uwe Scheuch hat Deutsch gelernt. „Ich habe ja jetzt viel Zeit, darum habe ich mir gedacht: Warum nicht auch einmal etwas Gescheites tun?“ Seine sauber ausgesprochenen Worte hallen von den azurblau lackierten, unbehauenen Granitblöcken wieder. Hier lebt einer, der sich in seinem Leben alles gerichtet und eingerichtet hat. Das Deckchen auf dem miniatürlichen Tischchen harmoniert auf das Perverseste mit der hinter jeder Luke lauernden, homoerotischen Horroratmosphäre: „Das hat mir die Mutter von Jörg Haider geschenkt. Es sind die Geburtstage von allen Abgeordneten zum Landtag eingestickt. Von allen freiheitlichen natürlich! So kann ich sicher sein, dass ich nie einen vergessen werde.“ Uwe Scheuch verbindet das Praktische mit dem Nützlichen, verquirlt das Schöne mit dem Ästhetischen: er nimmt das Beste aus beiden Welten und macht etwas ganz Neues daraus, zum Beispiel etwas ganz Altes und Kaputtes. Paradigmatisch für diese Lebenseinstellung ist der zerbrochene Tonkrug auf dem Boden: „Die Scherben sind nicht nur dekorativ und schmückend. Wenn ich ganz viele kleine Scherbenkrümel mache, kann ich an ihnen abzählen, wie viele Tage mir hier in meinem Domizil noch vergönnt sind. Das hilft mir!“

Feng Shui gliedert das Kämmerchen in energetisch aufeinander abgestimmte Bereiche.
„In der anstaltseigenen Bibliothek habe ich mir dazu ein nettes Büchlein ausgeborgt. Echt toll, was fremde Völker mit ihrem zehntausende Jahre alten Wissen alles schaffen!“ Uwe Scheuch hat sich viel Zeit genommen. Zeit, die er auch hat. Zeit, die es gebraucht hat, damit sein persönlicher Singlewohntraum zu etwas ganz Besonderem wurde. „Ich habe viele Möbel herumgerückt, vor allem ins rechte Eck. Das ist für mich der energetische Schwerpunkt, dort fließt die Energie hin! Ich hab den Raum natürlich auch auf Wasseradern untersuchen lassen. Leider ist da nirgends eine. Schade, ich hätte mich in der sprudelnden Quelle sehr gerne ertränkt!“ Was er nun als Nächstes mit seinem Meer an Zeit plane? „Den Fahrradführerschein machen. Das ist ein ganz ein großer Bubentraum von mir.“

An den Wänden modern ein paar liebevoll drapierte Poster vor sich hin. „I HC“ und „I Böhse Gefängnisonkelz“. Die Dekoration vermag zweierlei: sie lockert die Atmosphäre auf und vermittelt eine sublime, versteckte Botschaft: „Für mich ist es wichtig, für etwas Partei zu ergreifen, eine Schlagseite zu haben, der ich mich zugehörig fühlen kann!“ Für etwas geradestehen zu können und das auch zu zeigen: in unserer flatterhaften Zeit wichtiger denn je! Auch der kleine, schiefe Waschtisch steht gerade bzw. das gerade eben nicht: kleine Hakenkreuzaufkleber auf dem zerbrochenen Spiegel zeigen Uwe Scheuch beim allmorgendlichen Blick in denselben sein wahres Gesicht, sein Wahres ICH. So sollte es sein: Innenarchitektur die in die Seele dringt!

Durch das gesicherte Metallfensterchen dringt Licht in den zwei mal drei Meter großen Raum. Allerdings nicht sehr viel Licht: Alles in Allem ist es sehr dunkel. Auch die schwache Glühbirne vermag kaum die ihr zugewiesene Aufgabe zu erfüllen. Kein Schirm schützt ihr zerbrechliches Glas. Eine Hommage an das Leben? Schwer zu sagen, sicherlich aber ein Bekenntnis zur Einfachheit: Alles Unnütze weglassen! Ob er sich selbst manchmal auch unnütz fühle? „Ja, das kommt schon vor. Genauer gesagt jeden Morgen! Aber dann stehe ich schnell auf, mache ein paar Meditationsübungen, laufe mit dem Kopf irgendwo dagegen und dann passt es wieder.“ Wie er mit der Dunkelheit umgehe? „Ich mag das Dunkle. Es dringt in meine kaputte Seele und zerfrisst sie, Stückchen für Stückchen. Wissen Sie, was ich meine?“ Nein.

Über Allem schwebt eine Aura der Aussichtslosigkeit. Langsam beginnen wir uns dann doch unwohl zu fühlen und verlassen grußlos das schicke, auf das Wesentliche reduzierte Zimmerchen.

 

[Text: Sebastian Klug; Fotomontage: Curt Cuisine & Peter Raritäter]

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OTTO VON HABSBURG!

Posted by on Juli 4th, 2011

otto habsburg bike 350SIE NANNTEN IHN DEN RADSPORT-KAISER! CHRONIK EINES TRAGISCHEN TODES BEI DER MÖRDERISCHEN KAISERETAPPE DER ÖSTERREICH RUNDFAHRT AUFS KITZBÜHLER HORN

360 Watt. 180 Puls.
Otto von Habsburg hängt tief über dem Lenker und kämpft wie ein Berserker. Gegen den Fahrtwind, gegen die Konkurrenten, gegen sich selbst. Der Unterkiefer ist vorgeschoben, die Augäpfel treten weit aus ihren Höhlen. Auf seinem maroden Waffenrad Marke Steyr-Daimler-Puch & Söhne ist er der Konkurrenz scheinbar unterlegen. Scheinbar. Denn Otto von Habsburg führt das Feld der Teilnehmer der Österreichradrundfahrt an, führt es mit eisernem Willen zum Kitzbühler Horn. Er leistet hier im Flachen die Führungsarbeit, opfert sich auf, nicht nur für seine Teamkollegen, sondern auch für alle anderen. Sie alle profitieren von seinem Windschatten. Und doch reißen einige Fahrer ab, können das schier brutale Tempo des 98-Jährigen nicht mehr mitgehen. Otto von Habsburg ist der älteste Teilnehmer dieser Österreich-Tour. Und der willensstärkste. Nur für wenige Sekunden erwacht er aus seinem tranceartigen Komazustand in den der Kämpfer nach über dreieinhalbstündiger Rennbelastung verfallen war, um seinen Blick gen Süden schweifen zu lassen, wo die Hohen Tauern herüberdräuen. Der Glockner. Dort hat er von 1951 bis 1973 durchgehend gewonnen, und dann noch einmal von 1975 bis 2010. Heuer will er sich zum ersten Mal am Kitzbühler Horn in die Siegerliste eintragen. 98 Kehren bis zum ewigen Ruhm. 98 Jahre bis er nun endlich auf einer Stufe mit Gott stehen darf. Er, der Kletter-Kaiser oder Radsport-Kaiser wie sie ihn alle nennen, will sich zum unangefochtenen Rad-Regenten der nördlichen Hemisphäre mausern. In Österreich hat er praktisch alles gewonnen was es zu gewinnen gab: von seinen ersten Rad-Gehversuchen im Kaiserlichen Prater anno 1913 mit seinem hölzernen Gehrad bis zu seinen legendären Siegen bei den Sechstagerennen im Ferry-Dusika-Stadion zu Wien, war es ein langer und beschwerlicher Weg. Die klassische Österreich Radrundfahrt von Triest nach Odessa. Wie oft hat er sie gewonnen? Keiner weiß es genau.

400 Watt. 200 Puls.
Der Fuß des Kitzbühler Horn ist erreicht: der Anstieg beginnt. 856 Höhenmeter gilt es nun bis zur Bergankunft am Alpenhaus zu überwinden. Ein Anstieg, vor dem internationale Radgrößen erzittern, wie junge K&K-Kadetten vor dem allabendlichen Duschgang mit ihren Geschlechtsgenossen. Habsburg fackelt nicht lange herum, unwiderstehlich tritt er in die Pedale. Sein Blick hat den glühenden Asphalt fixiert, er schnaubt wie ein Arbeitsochse am Feld, seine Lunge rasselt. Nur wenige können die Tempoverschärfung mitgehen. Mentschov, Sastre, Rohregger. Zu viert schrauben sich die vier ausgemachten Kletterspezialisten nun Kehre um Kehre hoch. Die minderwertige Spreu hat sich nun endgültig vom Weizen getrennt. Doch Habsburg hat sich bereits im Flachen ausgepowert. Ob es ihm doch zuviel war? Seine Betreuer machen sich Sorgen, denn er verzichtet auf moderne Funktechnik, führt am Gepäckträger nur ein altes Feldtelefon aus der Schlacht von Verdun mit. Es funktioniert schon lange nicht mehr. Ebenso verweigert er die Aufnahme von Flüssigkeit aus dem Betreuerauto, genau so wie er das Trinken während eines mehrstündigen Hitzerennens generell ablehnt. Aus Tradition wie man munkelt. Otto von Habsburg ist eben einer von der ganz alten Schule. Er will es selbst schaffen, mit einfachster Technik und mit einfachsten Mitteln. Will wie ein Soldat dem Gegner alleine gegenüberstehen, will alles überwinden und mit sich selbst im Reinen zum Gipfel des Ruhmes hinaufsteigen. Eine Zuschauerin hält ihm ein Speckbrot hin. Da kann er nicht nein sagen, nimmt einen Bissen, schlingt dann wie ein Löwe gierig mit einem Satz alles hinunter. Der Schweiß strömt in kleinen Sturzbächen von seiner Stirn. Wenn er nicht bald etwas trinkt, droht er zu dehydrieren.

758 Watt. 389 Puls.
Die Vierergruppe erreicht nun endgültig das steilste Stück: eine schier vertikale Asphaltwand baut sich vor den Radsoldaten auf. So viele hat das Kitzbühler Horn schon abgeworfen, so viele Radlerherzen zermürbt und Radlerknie gemartert. Otto von Habsburg ist nun am absoluten Limit. Seine schlecht aufgepumpten Vollgummireifen kleben am Asphalt. Kein Vergleich zu den ultraleichten Carbon-Flitzern der anderen Teilnehmer! Doch er will es so. Will ehrlich gewinnen oder ehrlich untergehen. Will es an diesem Tag der Wahrheit endgültig wissen. Seine unrasierten und käsebleichen Waden glänzen schweißpoliert in der Sonne. Plötzlich scheint er langsamer zu werden, droht kurz den Anschluss zu verlieren. Er taumelt, scheint verwirrt. Ein Zusammenbruch? Doch da! Schon kämpft er sich wieder zu den drei anderen zurück. Und nicht nur das: fasst sich, fasst sich ein Herz, schaltet auf den dritten von drei Gängen, überholt seine drei Gegner und strebt mit quietschender Kette im Wiegetritt zwischen jubelnden Massen der Bergankunft entgegen. Die Menschen tragen ihn wie Meereswogen dem Ziel zu. Jetzt ist es nur noch ein Kilometer. Jetzt heißt es durchbeißen.

Doch da: Habsburg fällt vom Rad. Er bewegt sich nicht mehr. Der eilig herbeigeholte Rennarzt kann nur noch den Tod feststellen. Totale Dehydration. Rennabbruch. Die Radwelt ist geschockt, sie verliert einen ihrer ganz großen Fixsterne am Firmament. Einen, der mit seinem impulsiven Fahrstil an den ganz jungen Ullrich oder den späten Merckx erinnerte. Oder auch umgekehrt. Einen, der mit einem einfachen 25-kg Rad ohne Flaschenhalterung und mit nur drei Gängen mehr erreicht hat, als alle anderen vor ihm.

Sie nannten ihn den Radsport-Kaiser. Und unter diesem Namen wird er nun ewiglich in den Herzen der Radsportfans fortleben. Gott schütze Österreich.

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BLUTMOND JUNI

Posted by on Juni 16th, 2011

Du Junimond hast uns gebracht
Blutende Scheibe auf dunkler Nacht
Hast Dunkelheit zum Tag gemacht
Mit deiner scheißpenetranten Pracht.

Und während wir zum Himmel schauen
Im Griechenland, im mäßig lauen
Verbreitet Schrecken sich und Grauen
Als Ikaros ward schlimm verhauen.

Denn der verbrannt am Himmelszelt
Am Umgang sich mit schnödem Geld
Und fiel herunter auf die Welt
Wo einen Deppen man ihn schelt (eig. schilt).

Und einen riesengroßen Narren:
„Während wir EU-andern sparen
Du den gesamteuropäischen Karren
Der Wirtschaft in den Dreck gefahren!“

Seht Tragödien, bang und bänger:
Die Nasen wachsen lang und länger!
Und der Blutmond ist Empfänger dieser Himmelszeltedränger
Die mit ihren Dummheitssamen ihn nun machen schwang und schwänger. (???)

Äh, zur Erklärung muss ich fügen:
Dieses Bild stand für das Lügen!
Und das schier ewigliche Rügen
Sich mit wenigstem zu begnügen.

Und der Blutmond ist ’ne Metapher
Nun: für das Blut und auch die Gaffer!
Die zu Einsparungen rougher
Selbst nie wären tough enougher.

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The Eastermovie-factsheet

Posted by on April 26th, 2011

Schusswechsel_MatrattelDIE HARTESTEN FACTS ZUM FILMGENRE OSTERN-WESTERN:

- Eggio Morricone komponierte die Filmmusik von ‘Für eine Hand voll Dotter’, ‘Für ein paar Dotter mehr’ und ‘Spiel mir das Lied von dem, was nach dem Tod kommt’.

- Die Hauptrolle in ‘Der mit dem Eiermann tanzt’ spielte Kevin Ostner, Hollywoods attraktivster Hasendarsteller.

- Clint Easterwood spielte auch in ein paar Filmen mit. Etwa ‘Kocht es heißer!’, ‘Dirty Hasi’ oder ‘Ungebraten’.

- Karl-May-Filme (Winnetou und Old Hasenpfotenhand Teile I bis XXIV) wurden mit einem Budget von weniger als 83 Eiern gedreht.

- Eierbad Spencer und Terence Grabhill waren beliebte Darsteller in Ostern-Western-Komödien, in denen es meist leider nur darum ging, einem magersüchtigen Jesusdarsteller eins überzubraten.

- In ‘Die glorreichen Sieben’ geht es um den weißbärtigen und schöpferisch tätigen Vater eines langhaarigen Westernhelden, der in nur sieben Tagen eine fast echte Westernstadt erbaut, die sich dann aber als billige Kulisse entpuppt. Schade.

- Das Genre Italo-Ostern-Western konnte sich nie wirklich durchsetzen, da sich ja Italien eher von Nord nach Süd, als von Ost nach West erstreckt.

- Für fast jedes Eierwurf-Duell wurden Stuntmen bzw. Doubles eingesetzt. Begründung der Regisseure: “Zu gefährlich.”

- Reitszenen auf Hasen mussten oft nachgedreht werden, da Hasen nie so genau das machen, was Regisseure eigentlich wollen (Rammeln, Haken schlagen, Wiederauferstehung feiern).

- Der klassische Duellablauf: Linker Haken – Rechter Haken – In der Luft herumschnüffeln – Hakenschlagend davonlaufen – Fertig.

- Darsteller, die ihre Waffen (Eier) besonders schnell ziehen konnten, ließen diese dann auch besonders oft runterfallen.

- Als Filmrequisiten kamen fast nie echte Goldeier zum Einsatz. Jetzt danach zu suchen macht also wirklich keinen Sinn, ganz im Ernst … Und ich muss jetzt los, ähm sorry!

Sebastian Klug

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Mubarak empört …

Posted by on Februar 6th, 2011

Brief0001

Diplomatische Vertreter aller Nationen zeigen sich entsetzt: “Wer soll diese katastrophale Sauklaue entziffern können? Das kann doch kein Mensch lesen!! Das ist eine unerhörte Frechheit, ein internationaler Skandal ersten Ranges!”

Ausgemachte Alterumsexperten und Kryptologen sind sich lediglich einig, dass sich in dem rustikalen Schriftstück Passagen wie “gefällt es mir hier noch immer ganz gut” und “können mich alle kreuzweise” befinden. Zudem betonen sie, dass es für Könige des Neuen Reiches absolut ungewöhnlich sei, mit Fingerabdrücken zu unterzeichnen.

Derzeit sollen komplizierte chemische Verfahren klären, ob Mubarak sich hauptsächlich von Papyrus oder Hundekot ernähre: “Wir hoffen, in dem Schriftstück ein paar Essensreste zu finden!” zeigt sich ein blutjunger Ägyptologe bis zur Besinnungslosigkeit optimistisch.

Auf internationaler Ebene heißt es also abwarten, was Mubarak der Menschheit mitteilen möchte. In spätestens 25 Jahren soll eine zuverlässige Entschlüsselungsmethode gefunden sein, geben die Forscher Entwarnung: “Anhand eines Vergleichs mit zigtausenden Schriftstücken von ägyptischen Ärzten, wollen wir dem Geheimnis nach und nach auf die Spur kommen! Außerdem haben wir uns vorgenommen in nächster Zeit viel Indiana Jones zu schauen, nicht nur weil das echt superspannende Filme sind, sondern auch weil die Rätsel zum Grübeln anregen und der Schauspieler so ein Feschak ist hihihi” meint die echt scharfe Forscherin aus der Papyrus-Abteilung des internationalen kryptologischen Instituts in Wien. Leider kann ich ihre Nummer nicht lesen, die sie mir in einem Stück Ton eingeritzt hat.

Matrattel,
berichtete live für HYDRA

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Quadratische Burgen auf Rädern

Posted by on August 23rd, 2010

camping matrattel 250Nirgendwo manifestiert sich die zierende geschwungene Linie so eindringlich wie auf dem durchschnittlichen Campingmobil. Was mag ein ehrfürchtiger Betrachter dieser Burgen auf Rädern mit solcherart Ornamentösem assoziieren? Beziehungsweise: was soll er assoziieren? Nur dem Einfältigen werden Gedanken über Hutablagen, Bürokratisierung oder auch dem hier tatsächlich völlig unpassenden Bauhausstil einschießen. Wozu erlebt der junge Mensch eine Sozialisierung, wenn er im Erwachsenenalter etwas dezent bis kokett Angedeutetes brachial falsch misinterpretiert oder einen möglicherweise aufwändig herbeisymbolisierten Bedeutungsreichtum schlichtweg nicht erkennt?

Vermutlich völlig korrekt wird dem Campingmobilbesitzer ein schwungvoller Lebenswandel attestiert. Jedoch wirft dies folgende Frage auf: weswegen muss der hiesige Camper auf die geschwungene Fetzigkeit in Linienform herself zurückgreifen, weswegen, wenn er doch ohnehin als schwunggeschwängerter Zeitgenosse zu reüssieren vermag? Ein schrecklicher Verdacht drängt sich auf: ist der Camper etwa ein recht biederer Zeitgenosse der dies anscheinend nötig hat? Das mag und darf man nicht glauben!! Zu schlimm ist dieser Gedanke. Verwerfen wir ihn alsbald. Also genau jetzt.

Denn immerhin ist bewiesen: der Camper versucht seine Quadratschädeligkeit – welche unzulässigerweise noch immer mit dickköpfiger Sturschädeligkeit gleichgesetzt wird –  nicht zu kaschieren, nein, vielmehr unterstreicht er jene durch geschicktes Arrangieren diverser quadratischer Objekte (wie z.B. Campingbus, Campingtisch) um in einem Viereckigkeitsoutburst der Welt sein Rockability mitzuteilen. Der Camper als Vorantreiber der fortgeschrittenen Selbstironisierung. Ebenfalls kann beobachtet werden, wie der von bösen großstädtischen Meinungsmachern unterstellten Kleinkariertheit von Seiten der Camper begegnet wird: durch konsequentes Aufkaufen und Zurschaustellen von gut zwei Drittel der jährlich global verfügbaren karierten Stoffe nämlich; sei es als ausklappbare Pergolen am Campingmobil, oder auch als Überbezug für den campingbuseneigenen Zwergpinscherpolster. Farblich lassen sich die Ausgegrenzten hier keineswegs einschränken, oh nein! Von den drei Primärfarben wird beinahe jede mit großer Begeisterung ausgewählt, viele davon gelten auch als zwergpinschergeeignet.

Der Camper der sich jeglichem Konformismus auf komfortablem Stuhl entgegensetzt und mit zittriger Stimme und bebendem Oberlippenbart lamentiert: nicht mit mir, ihr Langeweiler!

Gemeinerweise vielfach gescholten: die sexuelle Freizügigkeit der Camper, welche in den gigantischen Gruppenduschanlagen ihren zweifelsohne beachtenswerten Höhe(*hüstel*)punkt erlebt. Die Campingparzellen sind so ultraspartanisch dimensioniert um die Wahrscheinlichkeit des Hautkontaktes mit einem Nachbarn zu erhöhen; körperliche Nähe und Nächstenliebe sind des Campers  Heiligstes. Und wenn er sich beizeiten in seiner kleinen Burg verschanzen mag, dann dies bestimmt nur um Kraft für die nächste Umarmung zu sammeln. Es wäre mindestens ungerecht diese alternativen Lebenskonzepte nicht mindestens zu respektieren, denn schließlich wollen die freundlichen sonnenanbetenden Camper niemandem etwas anhaben (doch Gott gnade dem, der ihnen bei Nacht begegnet!).

Freilich wird dem campingbusaffinen Menschen vielfach auch ein Hang zum improvisierten Leben unterstellt. Diesem wiederum kostet es weniger als ein vor lauter Nichtstuerei extrem müdes Lächeln dies zu widerlegen: man betrachte doch nur die zahlreichen schweineteuren Sonderanfertigungen und Spezialprodukte für Wohnwägen, manche davon bestimmt so exklusiv als hätte hier Bill Gates höchstselbst Hand angelegt und spritzgegossen (keine dummen Bemerkungen), und die schwedische Königin in weiterer Folge sie mit einem Qualitätssiegel versehen; der Camper leistet sich solcherart Exklusives, keine Spur also von Provisorischem!

Wir müssen also erkennen: der Camper ist in jeder Hinsicht unangreifbar, man möge dies auf Immerdar verinnerlichen.

Sebastian Klug, Campingexperte

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Der Architekt auf der Anklagebank

Posted by on März 3rd, 2010

matritekturEin Interview von Matrattel.*

Hydra: Sie sind Architekt. Warum?
Architekt: Ich möchte nichts verändern, damit das gleich klar ist! Architekt bin ich, weil mir das Wort Architektur gefällt. Ganz einfach.

H: Das klingt interessant. Erzählen Sie uns doch mehr!
A: Wieso „uns“? Sie sitzen alleine vor mir.

H: Mit „uns“ meine ich „unser“ Magazin.
A: Na ja … also Architektur. Das ist wie Bäume und Sträucher und Blumen und wenn man das alles wegdenkt, dann bleibt übrig: Architektur. Ein schöner Gedanke.

H: Das klingt sehr nachvollziehbar und in vielerlei Hinsicht wunderbar. Was trägt Sie, was bewegt Sie?
A: Ich frage mich das auch immer. Die Liebe zum … ähh Menschen? Falsche Antwort?

H: Kann es denn so etwas wie Falschheit in der Architektur geben?
A: Nein und ja bzw. nein! Da kann es alles geben, von großem Ooooh!!! bis zu gar nicht mal so großem Ooooch. Was Falschheit ist, das wissen doch immer nur die Fälscher. Nicht wahr?

H: Kann schon sein. Zu etwas anderem: Zeitlosigkeit. Ein bis zur Reizbarkeit dehnbarer Begriff?
A: Durchaus. Architektur muss zeitlos scheiße sein, um immer wieder und wieder aufwühlen zu können, von ganz tief drinnen her. Architektur ist das Fäkalium des Menschen.

H: Muss es nicht Fötus heißen?
A: Vielleicht ist Fötus-Scheiße das was ich meine. Ja, vielleicht ist es das. Vielleicht aber auch nicht!

H: Johannes Paul der Zweite oder Zweiter Weltkrieg?
A: Zweiter Weltkrieg, ganz klar. Mir steht diese große Architektur zu Gesichte beziehungsweise Geschichte. Haben Sie den Wortwitz bemerkt?

H: Nein. Darf es denn  so etwas wie Witz in der Architektur geben?
A: Gute Frage. Ich finde die Hauptsache ist, dass es nicht lustbetont rüberkommt, ich sage auch gerne „transportiert wird“. So lange das gewährleistet ist, sehe ich wenige Probleme damit. Alles hat seinen Rahmen, seine konnotationsspezifische Bedeutungsspektralität.

H: Können Sie uns einen Tipp mit auf den Weg geben?
A: Sie meinen so wie ein Pausenbrot?

H: Ja.
A: Niemals unterkriegen lassen, und wenn dann nur von Typen, die das Ausbeuten richtig verinnerlicht haben, so wie ich ungefähr. Das ist gleich eine ganz andere Erfahrung. Man verinnerlicht das.

H: Würden Sie für uns das Dreieck Macht – Geld – Architektur skizzieren?
A: Alle schwul die Drecksficker. In der Mitte ist aber die Architektur, ganz klar.

H: Dann ist es aber eine Linie …
A: Das kann sein. In der Architektur sind Linien von großer Bedeutung müssen Sie wissen…

H: Sagte wer?
A: Das sagen alle. Alle, fast seit dem Mittelalter. Sehen Sie sich einen Kondensstreifen an! Linie. Wo ist Gott, wenn nicht in der Linie?

H: Im Himmel?
A: Sehen Sie, dort sind auch die Kondensstreifen. Ich habe Sie ausgetrickst.

H: Sie meinen wohl „uns“.
A: Haha, Ist das jetzt eine Art Majestätsplural? Wegen Gott usw.? (Zwinkert lässig)

H: Sie sind mir einer! Haben alle Architekten Ihr Talent, den umherschwirrenden Witz einzufangen, niederzudrücken und dann zu penetrieren, ganz tief und fest. Bis es weh tut?
A: Wir bohren immer nach. Ein Architekt der nicht bohrt ist kein Suchender.

H: O.k., gut, Danke. Das war’s eigentlich! Könnten Sie jetzt von mir runtersteigen? Nicht dass es mir nicht gefallen würde. Ich muss nur leider eine Pause machen.
A: Natürlich. Hat Spaß gemacht! Gerne mal wieder. Morgen bin ich Pilot.

H: Das ist mir nur Recht.
A: Haha, Pilot und nicht Jurist!

H: Wollen Sie mich gleich hier bestrafen?
A: Wenn Sie wollen, dann gerne, sage ich mal. Ich hole rasch meinen Kodex.

H: Ich warte einstweilen ganz entspannt auf der Anklagebank.

 Ende des Interviews von Matrattel.

* Wer Texte oder Zeichnungen von Matrattel nachmacht oder kopiert oder in nachahmender Weise reproduziert ohne ihm etwas von den Millionen abzugeben, die sich damit verdienen lassen, wird von der HYDRA Corp. strafrechtlich belangt, verfolgt und gevierteilt. Die Rechtsabteilung.  

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