Author Archive

Leak it up!

Posted by on Dezember 9th, 2010

Und noch ein räudiger Wortwitz ...

Und noch ein räudiger Wortwitz ...

Hier, ohne viel Drumherum, was unsere Informanten und undichten Stellen (sog. „Leaks“) preisgegeben haben:

Hydraleaks Enthüllung No. 1: US-Botschaftsreinigungskraft Hilde H. über Bundeskanzler Werner Faymann: Er habe überhaupt kein Interesse an den „geschrubbten Böden“ in der US-Botschaft gehabt, außerdem sei er bedeutend schmäler als sein Vize, und „wenn das“, so Hilde H., „sogar eine Putzfrau sieht, na dann Prost Mahlzeit, Guten Abend und Gute Nacht.“

Hydraleaks Enthüllung No. 2: Eine Geliebte des US-Botschaftssekretärs über Außenminister Michael Spindelegger. „Also diesen Namen neide ich ihm. Wie gerne würde ich von meinen Freundinnen hören: ‚Schaut mal, da kommt sie, die Spindeleggerische’. Da würden sie Ohren zu ihren Augen machen!“.

Hydraleaks Enthüllung No. 3: Ein Buchhalter der First American Bank über Raiffeisenchef Christian Konrad. „Diese fette Sau hat noch nie ein Konto bei uns eröffnet, aber die Fäden im Land ziehen, ja, das kann er!“

Hydraleaks Enthüllung No. 4: Diverse Passanten vor der US-Botschaft und anderen Gehwegen Wiens sind seit Tagen damit beschäftigt, sich billige Wortwitze zum Thema Wikileaks einfallen zu lassen. Z. B. Wikifreaks, Wikihicks, Wixieleaks, Wischileaks etc. Dazu ein ungenannt  bleiben wollender Medienexperte: „Es ist ganz normal, wenn jemand oder etwas derart öffentlich breit getreten wird, dass sich so mancher Idiot seinen Kopf darüber zerbricht. So etwas nennt man öffentliche Meinung.“ (Der Experte heißt Werner Hansinger, wohnhaft in der Staudergasse 17a/24, 1110 Wien, Tel. 0668/5552323, er ist Vegetarier, steht auf abartige Sexpraktiken, seine Frau hat die Maße 90/60/92, die Hauskatze hört auf den Namen Schnurrli … hier geht es um schonungslose Aufklärung und Aufdeckung, schon vergessen?)

Hydraleaks Enthüllung No. 5: Namhafte Meinungslieferanten versuchen seit Wochen zu argumentieren, wie Wikileaks der öffentliche Moral, Sitte, Anstand, Würde etc. in Misskredit bringt, und warum Wikileaks außerdem antidemokratisch, antidiplomatisch, antiwahrhaftaufklärerisch, etc. ist. Vorläufiges Zwischenergebnis: „Es ist einfach so! Und Julian Assange ist eine sich selbst zur Schau stellende Drecksau!“

Hydraleaks Enthüllung No. 6: Wenn man zu schnell ein kohlensäurehältiges Getränk zu sich nimmt, kann es zu ruckartigen Gasentladungen aus der Magengrube, kurz auch Rülpsen genannt, kommen.

Hydraleaks Enthüllung No. 7: Man kann das Wort „Internet“ auch mit dem Wort „Krieg“ verbinden. Dann entsteht daraus das Wort „Internetkrieg“. Dieses eignet sich hervorragend für Schlagzeilen.

Hydraleaks Enthüllung No. 8: Aber reden wir doch noch einmal über die österreichische Politik. Diese zeitigt nämlich „tatsächlich zunehmend bescheidene Leistungen“ weltweit und auch sonst wo. Gut, dass es Wikileaks gibt. Das hätten wir vorher nicht gewusst.

So. Das reicht wohl. Mehr Enthüllungen halten unsere blankgeschrubbten Nerven wirklich nicht aus.

Eva Leaks,
exklusiv für Hydraleaks

flattr this!

wer sind denn die könige des leon?

Posted by on Dezember 2nd, 2010

the smashers 200

Viel besser als die Könige von Leon: The Smashers (click on it!)

Wer sind eigentlich die Könige des Leon?
Nun, ganz genau kann man das heute nicht mehr sagen, aber die Legende berichtet, dass die Könige des Leon im vorvorvorvorvorigen Jahrhundert raubend, mordend und brandschatzend über die Täler des Westens in Richtung Süden, dann drei Treppen hoch und entlang des Äquators, etwa nördöstlich von Kentucky quer rüber und dann gleich da unten bei Linz zu uns gekommen sind.

Die Könige des Leon waren eigentlich nur ein König, aber der hatte sich dreimal den Schädel gespalten, weil er soviel Nudelsuppe aß. Daraus sind dann Nudeln gewachsen, die sich zu festen, teigigen Klumpen verdichteten. Und weil sich die Nudeln irgendwann sagten, dass sie ja nun so etwas wie Windungen seien, beschlossen sie gleich Hirne zu sein. Vier sogar. So wurden aus dem König von Leon die Könige von Leon.

Die Könige von Leon erkennt man heute an ihren, nun, wir würden sagen, komischen Ärschen. Ihre Arschbacken liegen so weit auseinander, dass sie mit der einen Arschbacke links im Flugzeug sitzen können, am Sitz 27C etwa, während die andere Arschbacke im Cockpit bequem Platz findet. Man sagt sprichwörtlich auch, wenn du mir deine Arschbacke hinhältst, dann sage ich es den Königen von Leon.

Sehr bekannt ist auch die Mutter der Könige von Leon. Das war natürlich Mama Leone. Und die wiederum war die Tochter von Ma-Ma Baker. Diese wiederum war das uneheliche Kind einer gewissen Lady Marmelade. Und so geht es dann weiter, bis in alle Ewigkeit. Von den Königen des Leon sind darum viele unflätigen Beschimpfungen inspiriert, die sich auf familiäre Missstände beziehen. Du bist der Sohn einer räudigen Löwin. Du bist der Sohn einer tollwütigen Löwin. Du bist der Sohn einer gottverdammten Löwin. Der Blitz soll deine Mutter beim Löwenficken treffen. etc.

Als die Könige des Leon des Mordens, Raubens, Brandschatzens überdrüssig waren, nahmen sie die Gitarren in die Hand. Schwer fühlten sie sich an, diese Dinger. Irgendwie ungewöhnt. Und so kalt und glibberig. Igitt. Sie warfen die Gitarre wieder in eine Ecke und taten nur so als ob. Das nannte man in jenen Tagen auch Musik. Seither tingeln sie in Hallen mit räudiger Akustik durch die Welt und überall wo sie hinkommen, beschimpfen sie die Leute mit unflätigen Mamidiskriminierungen, nennen ihre Hirne Nudelsalat und zeigen ihre breitarschigen Ärsche her. Man nennt das auch einen „Hype“.

Musik- und Kritikkritiker Konrad Gregor exklusiv für Hydra
PS Wer sich vor diesem Konzert wirklich gut amüsieren will geht hier hin:

http://www.westbahnhof-opening.com/

flattr this!

The secret diary of lady gaga

Posted by on November 4th, 2010

(c) transgender studies

(c) transgender studies

23/10/10
ron sagt, ich soll ein onlinetagebuch führen. Das sei der neueste scheiß. Glaub ich nicht, hab ich gesagt. Außerdem führt eine kunstfigur kein tagebuch. Du tust verdammt noch mal, was ich sage, darauf er. Na, warte, denke ich. Dir werd ich’s noch geben. Künstlerische freiheit ist ein hundstrümmerl im vergleich zu dem, was ich mit dir machen werde, wenn ich erstmal die weltpopherrschaft an mich gerissen habe.

24/10/10
der gig im hyde-park heute war geil. Hab dreimal auf der bühne masturbiert (auf meine übliche, meditative art). Nicht mal ron hat es bemerkt. Hihi. Ich brauche mehr federboas bei meinen auftritten. Tausende federboas. Und irgendwann muss ich den gag(a) mit dem schwanz in meiner hose wiederholen. Obwohl … Ist überholt, so was von gestern. Ich verkleide mich als dinosaurier und walze die wallstreet platt. Waltzing the wallstreet. Hey, cool! Das ist ja schon ein ganzer songtext. Fast so eloquent wie Papapapokerface … Doch nicht so blöd, so ein tagebuch.

16/10/10
ich bin größer als madonna. Als sie es je war. Das kann man/frau/ich, glaube ich, schon behaupten. Obwohl. Es liegt dann doch mehr an den highheels. Die konnten damals noch nicht so hohe machen. Das waren ja fürchterliche zeiten, diese 80er. Keine federboas. Absätze kaum höher als zehn zentimeter. Vermutlich waren die männerschwänze auch nicht größer. Drum diese ganzen fönfrisuren. Hihi. Bin ich froh, dass ich das nicht durchmachen musste. Es hätte mich aber doch interessiert, was elvis so unter der haube hatte.

17/09/10
Gestern habe ich mich von einem labrador oder wie die heißen durchstrutten lassen, während ron mir meinen wikipedia-eintrag vorgelesen hat. Weswegen ich dann gekommen bin, weiß ich nicht mehr. Ron hat ständig kühle ideen. Zieh dich sexy an, spitz die lippen, geh endlich mal zum gesangsunterricht. Aber ich muss doch die ganze facebookfanpost lesen, die ich mir täglich von meinen sekretärinnen ausdrucken und als dickes buch binden lasse. Ich hasse dieses ganze neue medienzeux. Viel lieber würde ich auf einem bauernhof leben. Wegen der stiere und den torreros. Und wegen dem Bio.

34/08/10
Hitlers tagebuch gelesen. Glaub nicht, dass das eine fälschung war. Diesen goebbels, den täte ich brauchen. War sicher cooler als ron. Ich glaube, ein paar ns-uniformen bei meinem nächsten gig würden gut passen. Die essen alle eiernudelsalat. Coole beats dazu. Und aus hitlerreden sampelt housemaster mc einen rap über gemüse. Schwarzbraun ist die haselnuss oder so. wird sicher ein hit in deutschland. Die waren ja lange vor mir schon total gaga.

08/15/10
So. Die woche ist um. Also ein tag fehlt noch, aber bin ich eine göttin, dass ich alle sieben tage schuften muss? Das tagebuch hat gar nichts gebracht. Bin immer noch entsetzlich berühmt. Das muss auch ron einsehen. Eine andere idee muss her. Wir könnten meine abgezwickten fingernägel verkaufen. Sauteuer natürlich. Oder ich mach eine restaurantkette auf. Rinderfilet a là gaga. Sauce gaga. Gagaburger. Obwohl … muss auch nicht sein. Alleine schon wegen dem Bio nicht. Ist das mühsam, heutzutage eine popikone zu sein. (das wort sollte man überhaupt nur mit betonung auf dem i aussprechen, by the way.) jedenfalls, für mich ist hier schluss. Haltet die ohren steif und auch sonst was, wenn ihr mich seht.

Gefunden und mit Gänseleberfederkiel transkribiert
von Lady Eva Kiel

flattr this!

Sieben Euro Fünfzig!

Posted by on Oktober 17th, 2010

hydra at tdfm 250 allHydra besuchte als unangekündigter Hauptact den vom „Österreichischen Medienverband“ ins Leben gerufenen „2. Tag der freien Medien“ am 15. Oktober 2010 im Museumsquartier und … und … ja, was eigentlich?  und beeilt sich schon auf Zeile Sechs dieses Textes, dem Veranstalter Rosen zu streuen (weiße, nicht rote, wir wissen, was sich gehört), einfach dafür, dass sie diesen Tag auf die Beine gestellt haben. „Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, einen Tag auf die Beine zu stellen. Wir haben das selbst schon oft versucht und sind kläglich an dem Versuch gescheitert, die Tagesbeine zu finden“, so Hydra-Herausgeber/in Curt Cuisine (aus genderkorrektiven Gründen sowohl männlich als auch weiblich).

Für die Hydra war die Appearance am Tag der freien Medien ein voller Erfolg, konnte man doch durch Sales on Point (SOP) das Umsatzvolumen des laufenden Jahres (Euro 42,60) um ganze Euro 7,50 steigern. „Das entspricht einem prozentuellen Anstieg von … Moment, müsste ich erst nachrechnen“, so Hydra-Spokesman Wilhelm von Ramm, der für die professionelle Präsentation des Hydra-Geschäftsberichtes verantwortlich zeichnete (der im Übrigen von einer Agentur nicht ganz kostengünstig erstellt wurde). Dass die Hydra als einziges Medium unter den TeilnehmerInnen trockene Geschäftszahlen präsentierte, mag verwundern, geht jedoch auf ein Missverständnis zurück. „Wir dachten, wir haben es dort mit seriösen Medien- und vor allem altehrwürdigen Familienunternehmen zu tun, die ebenso wie wir an rücksichtsloser Gewinnmaximierung interessiert sind“, so Cuisine.

Nicht zuletzt wurde dieser Irrtum durch die im Vorfeld bekannt gewordene Kritik am Österreichischen Medienverband genährt, wonach dieser kommerziell orientiert sei und darum die Interessen wahrhaft alternativer Medien nicht ausreichend vertrete. Diese Kritik wurde in einem „offenen Brief“ geäußert und von namhaft unbekannten Medien unterzeichnet. „Zu unserer Verwunderung ließen die kommerziellen Ambitionen, und, man muss es sagen, auch die Professionalität nahezu aller vertretenen Medien schwer zu wünschen übrig“, so Spokesman Ramm. Keine Zahlen, keine wegweisenden Strategien zur Weltherrschaft, nichts dergleichen wurde präsentiert. „Stattdessen hörten wir andauernd die Frage: Und, wie finanziert ihr Euch so?“ – „Als ob das für einen Konzern vom Format der Hydra eine Rolle spielen würde!“, so Ramm, sichtlich entrüstet.

Auch abseits inhaltlicher Fragen konnte übrigens von einem Tag der „freien“ Medien kaum die Rede sein. Nahezu alle TeilnehmerInnen der Veranstaltung erhielten bei ihrer Ankunft eine gelbe Handfessel, die sie aus Gründen der Fluchtgefahr nicht mehr ablegen durften. Cuisine prophetisch und abschließend dazu: „Hätte man zum ‚Tag der geknechteten Medien’ aufgerufen, hätte man sich wohl viel Kritik im Vor-, Nach- und ganz besonders im Mittelfeld erspart.“

flattr this!

dank der denke!

Posted by on September 28th, 2010

strache rmx 300Bei Anna H. Horacek hat sich ein Denken eingeschlichen. Das ist jetzt kein Scheiß. Das ist ernst. Und Anna H. Horacek ist nicht irgendwer. Sie lebt mitten unter uns. Sie ist uns nicht fremd. Das gilt vielleicht umgekehrt genauso. Trotzdem hat sich bei ihr ein Denken, eine „Denke“ sogar eingeschlichen. Auf tapsigen Füßen. Wie ein Dieb in der Nacht. Wie ein Politiker in einen Unterausschuss. Wie ein Manager an seine Abfindungsprämie ran.

Diese Denke nämlich, dass die Ausländer eine Bedrohung sind. Dass sie zum Fürchten sind. Dass man sie ruhig einkasernieren solle. Einfach so. Dass sie an allem schuld sind überdies. Eingeschlichen. Hinterrücks.

Vielleicht war die Wohnungstür einen Spalt offen, weil Anna H. Horacek die Morgenzeitung geholt hat (die mit den Titten auf Seite 5), oder sie hat etwas zu lange in den Flur gelauscht, um zu hören, wer da gerade mit wem streitet. Weil das ja immer sehr interessant ist. Da muss es wohl passiert sein. Die Denke kam über die Treppe, tastete sich mit flüsternden Füßchen den Flur entlang, und husch, schlich sie sich wie ein … na, das hatten wir schon … schon war sie jedenfalls in der Wohnung.

Aber Anna H. Horacek hat sie nicht gleich bemerkt die Denke. Sie saß gerade noch am Frühstückstisch, schlürfte einen heißen Kaffee, mampfte Kipferl mit fein passierter Erdbeermarmelade. Und wie sie da die Zeitung las und sich nichts dabei dachte (sondern würde sie ja keine österreichische Zeitung lesen, sondern täglich viel Klopapier sparen), da kam die Denke von hinten heran.

„Da les ich gerade noch die Zeitung, auf einmal klopft was in meinem Kopf, und ich denke mir: ‘Ja, hallo! Von wo kommt denn auf einmal diese Denke her?’“ Sagt Anna H. Horacek. Gesteht sie. Gibt es zu. Sie hat diese ausländerfeindliche Denke einfach nicht bemerkt. Hat sie einfach zugelassen. Und jetzt sitzt sie da und denkt: „Diese Gfraster ghörn alle einkaserniert, an ihren Genitalien aufgehängt, unter Elektroschocks zu einer sofortigen Umkehr gezwungen, in Viehwaggons abtransportiert, notfalls einfach am Straßenrand exekutiert mit sauberen Schüssen in den Hinterkopf. Weg damit! Weg, weg, weg!“

Aber dann denkt sie: „Schon arg, dass ich so was denke. Darf ich denn das? Ist das richtig? Sollte ich nicht was anderes denken?“

Schwere Fragen für Anna H. Horacek. So eine Denke, die kommt natürlich nicht von ungefähr. Irgendwo ist diese Denke entstanden, hat sie jemand mal gedacht, dann nicht aufgepasst, und so ist sie ihm einfach aus dem Kopf gepurzelt. Auch da war irgendeine Tür offen (meistens entkommt so eine Denke nämlich durch den Hosenschlitz beim Rauschauspinkeln). Und jetzt pirscht sie durch die Gassen und schaut, ob sie irgendeinen Kopf findet, der gerade nicht aufpasst. Und dann schleicht sie sich ein. Diese Denke. 

Anna H. Horacek ist verwirrt. Was tun jetzt mit dieser Denke? Sie trinkt noch einen Schluck Kaffee. Liest weiter in der Zeitung. „Na so was. Da hat diese Schauspielerin mal in einem Porno mitgespielt. Na so was. Da lag eine Oma vier Tage lang tot in der Badewanne. Na endlich. Rapid kann doch noch siegen.“ Schon ist sie weg die Denke. Und eine ganz andere Denke ist da. „Mhm, viel besser“, denkt Anna H. Horacek.

So ist das mit der Denke. Man muss einfach nur nicht daran denken. Dann geht sie ganz von selber weg. Aus dem Kopf. Aber da ist sie trotzdem.

Eva Kiel,
möchte sich hiermit in aller Form entschuldigen, dass in diesem Text kein einziger Witz enthalten ist, nicht einmal ein mickriger Running Gag, nichts davon. Und nein, jetzt kommt auch keiner mehr.

flattr this!

975 Meter!

Posted by on September 8th, 2010

matrattel k2Herr Hammer war nicht am Gaisstein. Nicht ganz zumindest. Und auch Christian Stangl war gar nicht am K2. Der Mann, den sie auch „nicht einmal eine Fußnote in der alpinen Geschichte“ nennen, hat alles gestanden. Schuld daran ist das berüchtigte Bergsteiger-Burnout. HYDRA hat recherchiert und herausgefunden, dass Stangl und Hammer nicht alleine sind.

Wien – „Wir müssen die Bergsteiger verstehen“, so Univ.-Prof. Erhart Hillery von den Montanuniversität in Leoben, „die unerträgliche Monotonie des Kletterns, die Fadesse einer endlos beeindruckenden Landschaft, der wochenlange Sauerstoffmangel, das immer wiederkehrenden Campieren in viel zu kleinen Zelten, die Frostbeulen auf den Zehen … es ist kein leichtes Leben als Individual-Extrem-Hochalpinist.“ Hillery ist der Experte auf dem Gebiet. Neben seiner Vorlesung „Der metaphorische Reiz von Gletscherspalten“ betreibt er mit der Psychotherapeutin Clara Womann eine Praxis für gefrustete Extremsportler.

„Immer mehr Austeiger wollen austeigen“, bestätigt die Psychotherapeutin. „Der Leistungs- und Erwartungsdruck auf Extremsportler und Gipfelsturmfetischisten hat sich drastisch verstärkt. Viele wollen sich keine Höchstleistungen mehr abringen, wollen nicht mehr um jeden Preis beweisen, dass sie etwas Besonderes sind, respektive etwas Außergewöhnliches vollbringen können.“ Eine kurze Umfrage in einschlägigen Kreisen bestätigte diese Einschätzung. „Ich träume von einem stinknormalen Bürojob“, bestätigte der der vierfache Achttausenderbesteiger, Justilio Rammirez. „Einfach nur grantig jeden Morgen aufstehen, grantig den Kaffee hineinleeren, grantig in der U-Bahn sitzen, grantig im Büro ankommen und den ganzen Tag grantig eine hirnlose Arbeit erledigen, die völlig unter meinen Möglichkeiten ist.“ Rammirez seufzt gedankenverloren.

Aber nicht nur Hochalpinisten sind davon betroffen. Auch Mountainbiker wissen davon ein Liedchen zu singen. Bikerass und Jugendvizeweltmeister Sebastian Trug bestätigt: „Jetzt darf ich es ja endlich sagen: Ich habe nie den Kahlenberg bezwungen, bin immer nur den Flötzersteig rauf und runter gefahren. Mir war das einfach zu stressig. In Wahrheit wäre ich viel lieber eine Maus. Aber nur, wenn endlich jemand die ganzen Mäusefallen aus dem Weg räumen würde.“

Der Erwartungsdruck fordert seine Opfer indes überall. Guiness-Weltrekordler Stefan Garfield, der sich als erster Mensch der Geschichte sieben Stunden hindurch selbstverliebt auf einem Sofa rekelte, gibt zu, dass sein Weltrekord erschummelt war. „Ich bin mehrmals aufgestanden, um mir die Füße zu vertreten. Ich habe diese Monotonie einfach nicht ausgehalten. Ich wäre viel lieber Walkandidat.“ Hillery: „Es ist eine Krankheit, die ein gravierendes Problem in unserer Gesellschaft aufzeigt. Herausforderungen sind öde geworden. Monotonie ist das neue Steckenpferd der Kick-Hedonisten. Aber“, schränkt der Experte ein, „Wale sind auch ganz groß im Kommen. Vor allem beim klassischen Küstenfick.“ +++ schluss +++

Für die Hydra  berichtete: Konrad Gregor

flattr this!

Wien, aber richtig!

Posted by on August 30th, 2010

brubru250Aus dem Tagebuch einer BruBru-Teilnehmerin, alle Stationen der BruBruTour vom 29. August 2010:

16:00 Uhr, Abmarsch vom Martialischen Quantum: Der Reiseleiter winkt mit der Lilie, ich bin aufgeregt. Meine erste Tour durch diese Stadt. Begierig nach Informationen. Die weißen Dreieckshüte sind schick. Allerdings: Zwar erkenne ich mich nun in der Menge wieder, aber der Wind ist ein Spielverderber.

16.05 Uhr, Erste Station: Die beiden Verwaltungsgebäude der Wiener Beisln, auch Auftanklager genannt. Hier lässt sich formidabel nach Gold graben, das in Wien überall unter dem Asphalt steckt. Goldgräber tragen darum goldene Borten und Pailletten an ihren roten Jacken. Die erste Flasche Gratissekt ist schon leer.

16.10 Uhr, der sogenannte Heldenplatz: Der Reiseleiter grüßt die Wiener Fickerfahrer und erklärt die Naturverbundenheit der Wiener Eingeborenen am Beispiel von Pferdepisse. Sofort wollen wir alle die Ficker-Pferde berühren. Was uns auch gewährt wird. Ein erster Glücksmoment.

16.20 Uhr, auf dem Weg zum Michaela Dorfmeister Platz: Rückständigkeit ist keine Schande in Wien, im Gegenteil, man verkauft sogar Tickets dafür. Einstweilen hat der Spanische Fußballweltmeister vor kurzem eine „Hoftreitschule“ eröffnet. Die glauben wohl, die können sich mit diesem Titel alles kaufen.

16.30 Uhr, Michaela Dorfmeister Platz: Obszöne Statuen sind keine Seltenheit in Wien, darum nicht selten verhüllt. In der Mitte des Platzes ein dunkles Loch. Darin wurde vor 60.000 Jahren erstmals versucht, die Quadratur des Kreises zu finden. Herausgekommen ist ein Labyrinth, das fälschlicherweise den Römern zugeschrieben wird. Genau davor befindet sich das berühmte Loos-Gefängnis. Und links davon eines der unzähligen Komasaufcafés, von denen es in Wien hunderte gibt.

16.45 Uhr, Ballhaus Platz: Der Reiseleiter erklärt, dass König und Königin hier kanzlerieren. Just in diesem Moment fahren sie auch mit einer Fickerkutsche vorbei … der Mann kennt hier wirklich Gott und die Welt. Alle Sektflaschen sind leer. Bleiben noch 50 Dosen Bier.

17.00 Uhr, Theaterakademie: Der Wiener schlägt aus obszönem Geld, das Begräbnis einer Helena wird aufgeführt. Skandalös! Im Hintergrund, kaum kenntlich, das Wiener Radhaus. Die größte Fahrradwerkstatt Europas. Wenn in Wien ein Fahrradschlauch platzt, sagt der eingeborene Wiener, dass er einen Häupl hat.

17.15 Uhr, Freyung: Auf der Freyung ist der Wiener frei, manche sogar freier. Diese stehen gerne vor sogenannten Kirchen herum, in Wien ein Synonym für Bordelle. Das Schottenstift ist eines der schlimmsten davon. „Pass auf, sonst hast du den Stift des Schotten im Arsch!“, raunen sich die Bewohner des hier befindlichen 17. Gemeindebezirkes zu. Als Auflockerung spielen wir die Reise nach Jerusalem, das Lieblingsspiel der drei noch in Wien lebenden Juden.

17.20 Uhr, Café Eida: Pisspause. Alle müssen pissen. Das Bier wird rasant weniger. Der Reiseführer erzählt von seinen sexuellen Eskapaden mit der Caféhausbesitzerin. In Wiener Caféhäusern wird entweder gefickt oder komagesoffen. Diese Wiener …

17.30 Uhr, Judenplatz: Radau am Judenplatz, ein Herr Bankhofer diskriminiert brüllend Touristen. Dem Reiseleiter platzt am Judenplatz der Kragen. Zum Glück dürfen wir danach über den berühmten Naziknochenasphalt spazieren und die Gemischtwarenhandlung Waniek besuchen. Nichts beruhigt die Nerven mehr als der Traum vom Shoppen. Es ist Sonntag, verflucht! Und die Biere gluckern dahin wie die sprichwörtlichen Semmeln. Besondern ein gewisser Herr Max weiß sich kaum zu zügeln.

17.40 Uhr, Zannonni: BruBruTours spendiert großzügig Malaga- und Bananeneis. Eine Minute später wird mit Zinseszins abkassiert. Ich fühle mich in besten Händen. Erst recht, als der Reiseleiter die Bildungsministerin aus ihrem Schlafzimmer klingelt. Aber sie traut sich nicht in den Hof, ihr Unterhemd sei angeblich nicht herzeigbar.

17.50 Uhr, Am Rotenturm: Hier schlug Luther seine 95 Antiglobalisierungsthesen an und sich den Daumen blutig. Darum sind alle Einwohner hier rot und jammern. Dass der Papst ein Hitlerjunge war, pfeifen die Spatzen von den Schaufensterscheiben. Ein Passant meint anerkennend: „So eine Stadtführung kann nur von einem Piefke stammen.“ Wir bestürmen den Reiseleiter. Ihm fällt zum Wort „Piefke“ nichts ein. Offenbar eine Art Geheimsprache.

18.00 Uhr, der große Graben: Endlich bei einem der acht Flüsse Wiens angelangt. Die Wiener – ihres Zeichens notorische Landratten – bauen schiffsähnliche Gebäude an versumpften Rinnsalen, in der Hoffnung dadurch zu Hafenstädtern zu werden. Gelbe Diskriminierungslinien auf den Straßen erinnern an die große Zeit der Prohibition. Ein überforderter Kellner wagt es, die 21 vorbestellten Espressi nicht auf der Stelle zu servieren. Der Reiseleiter ist erzürnt.

18.20 Uhr, Untergrund: Wir lernen die Eingeborenen von ihrer heitersten Seite kennen. In engen, stickigen U-Bahngarnituren erblüht das kackgoldene Wiener Herz. Der Biervorrat ist zur Hälfte aufgebraucht. Alle müssen pissen.

18.30 Uhr, Platz des Stefan: Eine eher unbedeutende Kirche, deutlich als Popart-Schwindel erkennbar. Wie gut, dass wir endlich Bescheid wissen. Gemeinsam singen wir das phallokratische Unterdrückerlied am Stock-im-Eisen-Platz (Wo sonst?). Angesichts des Mitreisenden namens Max stellt sich die Frage: „Wie viele Dosen Bier passen denn in so einen Menschen?“ Eida ist auch da. Alle gehen pissen. Ein Mitreisender bestellt ein Sahnetörtchen mit Vollendung und kriegt eine gefotzt. Vielleicht flunkert unser Reiseleiter doch ein wenig.

18.40 Uhr, Ha-Weelka: Hier hat alles angefangen. Die ganze Komasauferei. Mit den berühmten Wiener Dichtern, die natürlich immer dicht waren. Ein paar Schritte weiter die berühmte Döblinger Nakedei-Zone. Der Eingeborene zeigt gerne sein Schwänzchen. Oder wie man auch sagt: „Dem Wienör ist nichts zu schwör!“

18.50 Uhr, die Schönbrunner Dependance: Das berühmte Menschenbetrachtungsfenster in Doro’s Teergasse. Die Wiener begaffen nicht nur gerne Tiere, auch Menschen. Was wieder die alte Frage aufwirft, wie es der Wiener mit der Religion hält. Gar nicht ist auch eine Antwort.

19.10 Uhr, Astoria Hotel: Viktor Astoria, ein alter Kumpel unseres Reiseführers, bestätigt die Geschichte vom berühmte Mordzimmer im Astoria. 144 Lustmorde in drei Jahrzehnten. Wer hier den Lift betritt, ist praktisch schon hinüber. So wie unser Bier.

19.30 Uhr, Starbucks Kärntner Straße: Vor dem letzten dieser urtypischen Wiener Caféhäuser schließt sich ein Gastdozent an. Endlich wird die wahre Religion der Wiener enthüllt. Eine Reiseteilnehmerin wird auf der Stelle bekehrt und wiedergeboren. Als sie entdeckt, dass ihre Mietrückstände die alten sind, auch an ihren Orgasmusproblemen hat sich nichts geändert, fällt sie wieder ab vom Glauben. Alle ein wenig ernüchterter nun. „Das Ficken und die Religion“, resümiert der Reiseleiter bitter.

19.40 Uhr, Hotel Sacher: Ein Tortenstück und 18 Gabeln. Der Ober ist hellauf begeistert. Er, der einst Curd Jürgens wegen schleißiger Adjustierung des Lokals verwies, scheint nur auf einen neuen Kooperationspartner gewartet zu haben. Die BruBruTours und das Hotel Sacher, Freunde auf Lebenszeit.

19.50 Uhr, Park der Gestörtenanstalt: Die Reisegruppe trennt sich, um hundert Meter später zueinander zu finden. Dieser Reiseführer kennt alle Tricks. Sofort werden Ehen geschlossen und Kinder gezeugt. Indes, es gibt auch Trauriges zu berichten. Hier verlief einst die berühmte Wiener Mauer, die Ostdöbling von Westdöbling trennte. Beide Döblings sind heute wieder vereint, aber der Wiener hat seinen Schaden weg und heißt jetzt in aller Welt Frankfurter.

20.00 Uhr, Martialisches Quartier: Nach einem kurzen Abstecher im Bobo-Behindertenheim „Passage“, das wegen seiner halsbrecherischen Gokart-Bahn stets einen Besuch wert ist, kehren wir erschöpft aber glücklich zu unserem Ausgangspunkt zurück.

Fazit: Nie war Wien schöner, nie war eine Stadtrundfahrt wahrhaftiger und informativer. Nie hat uns ein Reiseführer glücklicher gemacht. Oder wie eine Passantin völlig zu recht meinte: „Na, sie machen das wirklich mit Liebe.“ Das ist das Geheimnis. BruBruTours hütet es. Ich rate allen Menschen, es selbst zu entdecken.

Eine glückliche Teilnehmerin

flattr this!

 
Matrattel Mazirki Lilli Peterska Espresso Revue Kevin Goes ...