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Philosophisches Sommerloch

Posted by curtcuisine on Juli 16th, 2010

philosophie 17 bergson 300Henri Bergson war einer der ersten Modephilosophen. Das stimmt so nicht ganz. Eigentlich war (wenn überhaupt!) Nietzsche der erste, aber dort haben wir etwas ganz anderes geschrieben, also behaupten wir das einfach für Bergson.

Man darf sich das ruhig wie eine richtige Mode vorstellen. Irgendwann trugen die Menschen Bermudashorts oder kleine Buttons auf ihrem Revers, und zwar nicht, weil es eine Notwendigkeit dafür gab, sondern weil es gerade „in“ war. In den 1920er und 1930er Jahren war Bergson wahnsinnig „in“. Man saß in einem hübschen Café in Paris, ein Buch von Bergson in der Coco Chanel Umhängetasche (okay, die wurde erst Jahrzehnte später „chicque“) und plauderte naseweis, dilettantisch, leidenschaftlich oder gelangweilt über den „élan vital“, über unser Zeitverständnis oder über die Intuition als Methode. Ja, wirklich, das war allgemeines Gesprächsthema. Es gab Zeiten, da redeten Leute über Philosophie. Im Café, im Wirtshaus, überall. Gut, das ist zwar heute unvorstellbar, aber sooo toll wiederum auch nicht.

Man könnte, wenn man total versessen ist auf billige Aha-Erlebnisse, die Theorie aufstellen, dass Philosophie (erfolgreiche Philosophie jedenfalls) stets modisch war, sprich: dem jeweiligen Zeitgeist folgte. Aber diese Theorie würden wir maximal als Dissertation an der Heidelberger Uni einreichen, die übrigens einen wirklich sehenswerten Campus hat. Und nicht nur das, dort tummeln sich äußerst hübsche, deutsche Studentinnen, was wirklich überraschend ist. Es muss also nicht immer Paris, Stockholm oder Barcelona sein, auch in Heidelberg lässt es sich als fauler, chauvinistischer Philosophiestudent durchaus leben … Wo waren wir? Ah, Bergson und seine modische Lebensphilosophie. Ja, es war wirklich erstaunlich, dass der Mann einst so erfolgreich war, denn sein Werk taucht heute in nahezu jedem philosophischen Kontext, sei es in akademischen Kreisen oder bei Hobbyphilosophen, nur noch als Randnotiz auf. Zum Vergleich: Über Nietzsche streitet man noch heute, selbst Schopenhauer hat noch ein paar Fans, aber Bergson … der Mann war wirklich eine Art Sommerloch der Philosophie.

Der zeitgeschichtliche Sommer, in dem Bergson zum Loch wurde, war geprägt von Nachkriegswehen und Industrialisierung. In der Philosophie selbst tauchten die ersten Sprachzampanos und Mathematikfreaks auf (Wittgenstein und Carnap, um ganz gelehrig zwei Namen einzustreuen), und die Akademiker stritten sich nur noch um Detailfragen. Mit einem Wort, die Philosophie in dieser Zeit wurde immer technischer bzw. „mechanistischer“. Also staubtrocken. Da kam Bergson gerade recht, denn erstens konnte er wirklich gut schreiben (er ist der einzige Philosoph, der den Literaturnobelpreis bekam), und zweitens hatte er entzückende Themen. Bergson schrieb über den Lebensschwung, über Freiheit und Spontanität, über das innere Vermögen des Menschen. Darüber, dass der Mensch nicht ist, sondern erst wird, dass es den Blick auf das Ganze benötigt, dass man das Denken und die Seele des Menschen nicht auf reine Funktionalität reduzieren kann und last, but not least, über die Intuition als Methode.

Richtig, das klingt wie das Geschwafel, das man heutzutage bei jedem drittklassigen Firmenseminar als Feng Shui für Manager serviert bekommt. Aber dafür kann Bergson nichts, denn erstens war er der Erste, der diesen fernöstlichen Ganzheitskäse importiert hat (der für sich genommen nicht so schlimm wäre, wenn wir ihn nicht dauernd von Leuten zu hören bekämen, die ganz etwas anderes damit im Sinn haben), und zweitens wird das fast nie gewürdigt, also hat Bergson ohnehin nichts davon (und erst recht nicht seine Erben … was könnten die an Tantiemen verlangen!)

Was kann uns Henri Bergson heute noch mit auf den Weg geben?
Herzlich wenig, wie ihr gerade mitbekommen habt. Aber die Lektüre von Bergson ist auch heute noch „befruchtend“. Man schlägt ein Büchlein von ihm auf, liest ein paar Zeilen, kommt auf ganz andere Gedanken oder denkt sich, also so kann das gar nicht stimmen, das ist alles gaaanz anders, und schon ist man bei den großen Irrtümern der Menschheit, beim dritten Weltkrieg oder bei den Sachen, die man unbedingt noch erledigen müsste. Also … eine wirklich befruchtende Lektüre auch heute noch …

In der nächsten Folge klettern wir dann mit Wittgenstein auf eine Leiter und wenn wir oben sind, oh Schreck, entdecken wir, dass unter uns gar keine Leiter war …

Der Marx Karl

Posted by curtcuisine on Juli 5th, 2010

philosophie 13 marx 300Ho Tschi Minh war natürlich ein Hurensohn. Mao Tse Tung war ein Sushigericht und Pol Pot ein Urlaub für gestresste Manager in Kambodia. Und Karl Marx? Karl Marx war Deutscher. Er war bei seiner Geburt winzig klein und auch später blieb er ein ganz kleiner Mensch, mehr als einen Meter dreißig wurde er laut wirklich glaubwürdigen Quellen nicht, obwohl er alles tat, um die Leute glauben zu machen, er sei viel größer. Darum trug er als erster Mann der Philosophiegeschichte Stiefel mit Absätzen und bei Diskussionsrunden orderte er immer einen extra hohen Stuhl. Und er schrieb jedem Journalisten und Biographen obszöne Drohbriefe … man solle es bloß nicht wagen, der Öffentlichkeit seine wahre Körpergröße zu verraten.

Größe war wirklich ein Problem für Marx. Lange Zeit versuchte er seine fehlende Größe durch wilden Bartwuchs zu kompensieren. „Wenn ich den längsten Bart aller Philosophen habe, wird keiner mehr lachen, wenn er mich sieht“, dachte der junge Karl Marx am Unicampus von Trier. Aber auch das klappte nicht, die Studenten kicherten trotzdem über ihn, besonders die Studentinnen, was ihn am meisten ärgerte. Es hatte sich eingebürgert, dass die Mädchen ein Zeichen mit Zeigefinger und Daumen machten, wenn Marx über den Campus ging. Je näher er kam, desto kleiner wurde der Abstand zwischen Zeigefinger und Daumen. Ganz schön gemein, nicht?

Irgendwann hatte Marx dann die großartige Idee, nicht sich selbst, sondern seinen Namen zu vergrößern. „Es gibt keinen Descartismus, keinen Kantismus (schon aber Kantianer) oder Hegelismus, die haben es alle nicht geschafft, zu einer eingetragenen Marke zu werden. Also muss ich eine Philosophie schaffen, die mehr ist als nur ein Haufen Gedanken, sie muss eine Bewegung werden, eine Bewusstseinskampagne, irgendetwas, das die Welt nicht nur beschreibt, sondern sie auch verändert. Wie dieses Coca Cola Zeugs. Und dann werden die Leute nicht nur von mir, Karl Marx, reden, sondern vom Marxismus. Manno, das wird ganz, ganz groß!“

Also setzte er sich in ein stilles Kämmerlein und sog sich dieses Märchen von den Produktionsverhältnissen und dem Klassenkampf, von der Bourgeoisie (kein Mensch weiß heute mehr, was das sein soll) und der Arbeiterklasse aus den Fingern – und siehe da: es funktionierte. Plötzlich ging ein Gespenst um in Europa, das Gespenst des Kommunismus, das unter eingeweihten Philosophen auch Marxismus genannt wurde. Marx war zufrieden, er lehnte sich zurück und wurde fetter und fetter, bis er schließlich mehr breit als hoch war. Das war seinem Lebensgefährten Friedrich Engels (in der Schwulenszene von Brüssel auch als der „blaue Engel“ bekannt) zu viel, er ließ sich von Marx trennen. Marx magerte wieder ab und die beiden Freunde versöhnten sich und schrieben vor lauter Glück „Das kommunistische Manifest“, das ja, wie jedes Kind weiß, als frivole Bettlektüre in die Geschichte eingegangen ist. (Darum auch findet man Kommunisten heutzutage fast nur noch in finsteren Kellern, in gottverlassenen Priesterseminaren, in Swingerclubs und in der Pratersauna.)  

Marx und Engels jedenfalls lebten glücklich bis an ihre Lebensende von den Tantiemen ihres Werkes. Und alle anderen haben die Sache mit den Proletariern in den Ketten und der Weibergesellschaft und diesen ganzen anderen Fetischkram einfach nur falsch interpretiert. So einfach ist das mit Karl Marx, der übrigens, haben wir das schon erwähnt, ein Deutscher war.

Was kann uns Karl Marx heute noch mit auf den Weg geben?
Wenn ihr Euch klein und unbedeutend fühlt – belasst es bei den hohen Absätzen. Das reicht, ehrlich. Denn wollt ihr erst mehr als die hohen Absätze, kommen bald die Strümpfe und die Seidenunterwäsche dazu. Dann die Peitschen, die Ledermasken und die Anus-Stöpsel. Bald findet ihr Euch in einem Swingerclub wieder und damit seid ihr beim Lumpenproletariat gelandet (Die Bourgeoisie bestellt sich nämlich einen Escort-Service …). Und dann beginnt diese ganze alte Leier mit dem Geschlechter- und Klassenkampf … wollt ihr das wirklich? Eben. Also, egal ob ihr Männlein oder Weiblein seit, bindet euch eine Schürze um, stellt euch an den Herd und lasst euch (von wem auch immer) von hinten nehmen. Denn gefickt werden wir immer. Und wenn etwas seine Kinder fickt, dann erst recht die Revolution.

Und in der nächste Folge … keine Ahnung. Aber demnächst gibt es die komplette Serie als hübsches PDF. Fest versprochen.

Die tote Hand Gottes

Posted by curtcuisine on Juni 13th, 2010

philosophie 16 nietzsche 300Friedrich „Diego“ Nietzsche

Friedrich Nietzsche wurde 1844 in den Favelas von Lützen im Sachsenland geboren. Sein Vater war Pfarrer, er starb allerdings früh bei einem Kirchenunfall. Er wurde beim Herabsteigen von der Kanzel von einer 180 Kilogramm schweren Geheimratsgattin überrollt. Für den jungen Nietzsche war dieses Erlebnis dramatisch (er musste jeden Sonntag die Kirche hüten). Früh schon entwickelte darum eine regelrechte Obsession für alles was rund ist.

Im Gymnasium zu Naumburg wurde er in die Schulmannschaft aufgenommen und zeigte bald eine herausragende Begabung zum Goalgetter oder „Goleador“, wie es später heißen wird. Seine manischen Versuche, unentwegt nach dem runden Ding namens Ball zu treten, waren zwar anfangs reichlich ungezügelt und konfus, doch mit Hilfe des Schulmannschaftstrainers Erwin Rohde, der diese frühe Begabung erkannte, gelang es schließlich Nietzsches blinde Wut in unhaltbare Freistöße und Distanzschüsse umzuwandeln. Talentscouts jener Tage, die den jungen Nietzsche am Feld erlebt hatten, sprechen in ihren Biographien von einer Schusskraft wie Dynamit, von Freistößen, die bis zu den Sternen flogen. „Der Mann konnte zwar keinen Zucker, doch aber Fußbälle ins Weltall befördern“, so Trainerlegende Stephane Marteau.

Schließlich engagierte ihn der weltberühmte Fußballtrainer Richard Wagner für seinen damals schon legendären FC Bayreuth. Nietzsche dribbelte sich neben Weltstars wie Franz Lohengrind, Siegfried „Bomber“ Nibelung und Hans Sachs in die erste Riege des internationalen Fußballs. Selbst die berühmte Affäre um das angeblich mit einer Hand erzielte Tor konnte seiner aufstrebenden Karriere nichts anhaben. Den Beinamen „Die Hand Gottes“ tat Nietzsche achselzuckend ab, sein lapidarer Kommentar dazu: „Gott ist tot.“ Angebote aus aller Welt flatterten ein, doch Nietzsche, der einen etwas verkappten Bezug zu seiner Heimat und insbesondere zur deutschen Sprache hatte, lehnte allesamt ab. Ja, er verstieg sich früh in den Irrglauben, dass die Deutschen allein dazu imstande wären, richtig guten Fußball zu spielen.

Es kam zu Zerwürfnissen mit seinem Trainer Wagner, dem Nietzsche vorwarf, das deutsche Wesen nicht richtig zu erkennen. Die „Geburt der Tragödie“ nahm ihren Lauf. Nietzsche wurde hochkantig aus dem FC Bayreuth hinausgeworfen und spielte eine zeitlang bei drittklassigen deutschen Mannschaften wie dem FC Bayern München (für Nietzsche ein Greuel), Werder Bremen (für Nietzsche das Allerletzte) oder dem Hamburger SV (für Nietzsche der Inbegriff alles Bösen). Zunehmend verbittert wurde Nietzsche auf dem Spielfeld bald zu einer einsamen Figur, der von keinem seiner Mitspieler einen Pass erhielt und auch keinen austeilte. Ein Zeitzeuge berichtete: „Was für ein Talent – und zugleich: Was für ein mieser Teamspieler. Wenn er einen guten Tag erwischte, konnte er die komplette gegnerische Mannschaft überspielen und den Ball unhaltbar ins Tor einnetzen. Ein Löwe und ein Adler zugleich. Es gab keinen Ballzauberer wie ihn. Und trotzdem war er als Fußballer unbrauchbar.“

Diese Beobachtung sollte sich als prophetisch erweisen. Nietzsche vereinsamte zusehends und fiel schließlich dem Wahnsinn anheim. Bei einem Kuraufenthalt in Turin brach er zusammen und verbrachte den Rest seines Lebens in Obhut seiner Schwester in einem Weimarer Irrenhaus. Aus dieser Zeit stammte auch eine der wenigen autobiographischen Aufzeichnungen von Nietzsche mit dem Titel: „Warum ich so gut Fußballspielen kann.“

Was kann uns Friedrich Nietzsche heute noch mit auf den Weg geben?
Nun, in erster Linie, dass Fußball ein Mannschaftsport ist. Das ist natürlich eine Weisheit, für die man nicht unbedingt Nietzsche gebraucht hätte. Böse Zungen behaupten allerdings, dies sei eine Aussage, die man auch für die Philosophie geltend machen könnte, andere Zungen lächeln dazu nur (wobei Zungen natürlich nicht lächeln können) und eine Handvoll Zungen schließlich meinen, dass das alles überhaupt nichts mit Philosophie zu tun hat. Was uns betrifft, so würden wir keiner dieser drei Parteien einen Pass zuspielen, sondern selbst auf’s Tor zu laufen. Schließlich ist es endloser Ruhm, der auf uns wartet, oder?

Ihr habt es gleich erkannt, oder? Das war natürlich die XVI. Folge von „Der Tod der Philosophie“. Und nächste Woche tun wir Max einen Gefallen, obwohl wir das gar nicht vorhatten. Ja, es wird um Karl Marx gehen.

der club der toten eichhörnchen

Posted by curtcuisine on Mai 23rd, 2010

philosophie 15 pragma 300Der Pragmatismus
William James verkleidete sich gerne als Eichhörnchen und kletterte so auf Bäume (wie er das mit dem Größenunterschied hinbekam, müsst ihr ihn selbst fragen). Dabei stellte er fest, dass er auf der einen Seite des Baumstammes etwas ganz anderes sah wie auf der anderen Seite*. „Potzblitz!“, dachte James (auf englisch natürlich), „das ist ja wie in der Philosophie! Jeder sieht nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit!“ Diese Beobachtung fand er so toll, dass er nicht nur einen Eichhörnchenklub gründete, sondern auch die Philosophie des Pragmatismus formulierte. Diese sei eine Art Metaphilosophie, wie ein Korridor, der zu den einzelnen Philosophien führt. Alle anderen Philosophien haben auch irgendwie recht, aber da keine vollkommen sei, ist es besser, den Korridor entlang zu spazieren und stets den Überblick zu bewahren.

Klingt irgendwie cool … und irgendwie auch ein wenig feig. Nicht umsonst klingt Pragmatismus ein wenig nach Pragmatisierung. Es hat was von Verwaltung und Beamtentum, aber was James vorschwebte waren nette Beamten. Beamten, die vor allem eines wollten: Das Wohl aller (bzw. möglichst vieler). Wobei diese Idee eigentlich von John Dewey formuliert wurde. Dewey meinte, es sei Aufgabe der Philosophen, sich mit den „sozialen und moralischen Konflikten ihrer eigenen Tage“ zu beschäftigen. Wow! Klingt irgendwie brauchbar, aber das sollte nicht verwundern, denn Dewey war auch ein Sozialpädagoge. Und da sind wir wieder bei den pragmatisierten Verwaltungsbeamten …

Es gab noch einen wichtigen Herren unter den Pragmatisten, nämlich Charles Saunders Peirce. Peirce hatte einen so coolen Namen, dass er sich Zeit seines Lebens fragte, ob Namen und Begriffe nicht eine besondere Bedeutung hätten bzw. ob sich dahinter nicht ein (symbolisches) Prinzip verberge. So kam er auf seine Zeichenlehre, die vor allem in Kunsthochschule und Werbegrafikinternierungslagern für Furore sorgte. Aber innerhalb der Philosophie ist die Zeichenlehre heute eher etwas für Leute, die um keinen Preis wahrhaben wollen, dass mathematische Logik erst fassbar wird, wenn man sie in Begriffe kleidet. „1 + 1 = 2“ ist zwar schön und gut, aber für sich genommen doch irgendwie abstrakt. Außer eben ich verwandle es in eine sinnvolle Aussage, z. B.: „Ich habe dir vorgestern einen Euro geborgt und gestern einen Euro geborgt, also schuldest du mir heute zwei Euro, du Arschgeige!“ Das ist zwar makellose Logik, aber schon geht es wieder los mit den Sprachproblemen. Was heißt gestern, was heißt heute? Was bedeutet schon borgen? Und überhaupt, was ist mit Arschgeige gemeint? Und wen kümmert schon eine lächerliche Schuldenarithmetik, wenn Arschgeige drei große Brüder hat?

Und genau das ist der Punkt der pragmatischen Philosophie. Arschgeige und seine drei Brüder sind eigentlich viel wichtiger für uns, als die Frage, ob Eins und Eins wirklich Zwei ist. Charles Saunders Peirce und seine Zeichenlehre hingegen kann man getrost vergessen (trotzdem ist das natürlich ein sehr schöner Name für einen Philosophen).

Was kann uns der Pragmatismus heute noch mit auf den Weg geben?
Das Coole am Pragmatismus ist natürlich der endgeile Ausweis für den superschlauen Eichhörnchenklub. Mit diesem Ausweis geht es dir wie Tick, Trick und Track bei Fähnlein Fieselschweif, denn du weißt immer eine Gegenfrage, die jede noch so superintellektuelle Nasenbohrerei aus den Angeln hebt. „Und, was bringt das jetzt? Wie macht das die Welt besser?“ Aber das funktioniert natürlich nur bei intellektuellen Arschgeigen. Sobald du an eine/n Sozialarbeiter/in gerätst, ist der Ofen aus. Dann kriegst du nämlich eins auf die Löffel, „weil du dich genauso wenig einbringst und emotional irgendwie total verklemmt wirkst …“. So, und was jetzt? Am besten SozialarbeiterInnen generell aus dem Weg gehen. Aber wussten wir das nicht vorher schon?

Nächste Wochen zünden wir das Dynamit in uns und entdecken, während es uns zerreißt, dass ein ganzes Weltall in uns schlummert. Und dann wachen wir auf … und die Nazis sind an der Macht.

* Also ganz ehrlich? Die Geschichte mit dem Eichhörnchen war ein bisschen komplizierter, aber sie war uns einfach nicht mehr als drei Zeilen wert …

philosophie 14 hegel 300Georg Wilhelm Friedrich Salbenreich Bahnengolf Sedwick Putz dir die Zähne du Arschloch von und Weltgeist zu Hegel
Ach, Hegel. Ja, Hegel, dieser Hegel. Nein wirklich. Also mit diesem Hegel … Hegel, Hegel, Hegel, Hegel. Also im Ernst, über diesen Hegel … nein, mit diesem Hegel … man weiß nicht so recht, wie man es anfangen soll mit diesem Hegel. Hm. Ich kannte mal einen Typen, der hieß Haigl. Aber was ich über den zu erzählen wüsste, ist nicht jugendfrei. Aber natürlich, das sind ganz verschiedene Menschen. Schreiben sich auch ganz anders. Aber wenn man es schlampig ausspricht … ein Kärntner zum Beispiel. So ein richtiger, gestandener, saublöder, weil fpöwählender Kärntner, wenn der den Namen Haigl ausspricht, dann klingt das doch glatt wie Hegel. Und wenn wir vorher die Thesis vertreten haben, das Haigl und Hegel zwei völlig verschiedene Menschen sind, dann wäre das nun die Antithesis – dass aus dem Mund eines Kärtners beide vielleicht doch genau dieselben wären.

Ach, Hegel. Ja, Hegel, dieser Hegel. Nein wirklich. Hegel ist nicht Haigl (= Thesis), aber auf kärntnerisch ist Hegel doch gleich Haigl (= Antithesis). Also folgt daraus zwingend die Synthesis, dass beide dieselben sind und eben doch nicht. Sie ergeben zusammen mehr, die Widersprüchlichkeit eines ganzen Menschen, Philosoph und Vollhirni, Herr und Knecht, die einander bedingen, sich existenziell zueinander raufen. Der Philosoph und sein perverses Abbild. Ein fader Stubenhocker, der nichts von der Welt gesehen hat, aber trotzdem dauernd vom Weltgeist spricht und große Skizzen vom Ende der Geschichte (und der Philosophie sowieso) entwirft. Und ein werktätiger Otto Normalstraßenverbraucher, der vor lauter Alltag zu stubenhocken vergessen hat und darum unwählbare Parteien wählt, am Stammtisch gröhlt und was sonst noch alles. Ach, Haigl. Ja, Hegel, dieser Haigl. Nein wirklich, man kommt auf keinen grünen Zweig mit diesem HegelHaiglHegelHaigl. Man kann ihn hassen oder man kann ihn hassen. Aber beides kann man nicht. Das ist so sicher, wie auf Thesis und Antithesis die Synthesis folgt. Wie war das gleich noch mal mit dem Ende der Philosophie?

Was kann uns Hegel bzw. Haigl heute noch mit auf den Weg geben?
Also ganz sicher weiß ich es bei Haigl. Lasst Eure Finger von Sexversandhäusern. Geht hin und wieder auf die Straße, lasst euch blicken, geht unter Menschen, versucht Frauen nicht zu vergöttern, entwickelt keinen Kult um irgendwelche Menschen oder Konsumprodukte und putzt euch öfters die Schuhe. Das wäre es dann im Prinzip auch schon. Was uns Hegel mit auf den Weg geben kann? Dass es mal Zeiten gegeben hat, wo es ein Job war, sich über hunderte Seiten lang mit Begriffen abzumühen und zu keinem Ende zu kommen? Dass es genügt, sich ein umfangreiches Konvolut aus tiefsinnig klingend Gedanken abzuringen, damit noch Jahrhunderte später realitätsverschonte Intellektuelle ein spitzfindiges Hobby haben? Keine Ahnung. Ist uns irgendwie so Hegel wie Haigl.

Nächste Woche gehen wir durch einen Korridor und schauen in von dort in weitere Korridore. Und von diesen Korridoren schauen wir dann wieder … ja, ja, ist Philosophie, schon vergessen?

philosophie xiii

Posted by curtcuisine on Mai 9th, 2010

philosophie 13 fichte schop 300Johann Gottlieb Fichte und Arthur Schopenhauer

Johann Gottlieb Fichte und Arthur Schopenhauer haben auf den ersten Blick gar nichts miteinander gemeinsam. Eigentlich auch auf den zweiten Blick nicht. Und auf dem dritten Blick erst … na, wir wollen es nicht übertreiben. Jedenfalls: Fichte war ein ganz schlimmer Finger unter den deutschen Idealisten, eigentlich der erste, und irgendwie auch der Schlimmste. Für ihn bestand die Welt nur aus einem Begriff, das „Ich“. Alles andere war das „Nicht-Ich.“ Darum auch lautete der zweite Grundsatz seiner Wissenschaftslehre tiefschürfender Weise: „Ich ist nicht Nicht-Ich.“ (Mhm. Ich weiß genau, was ihr jetzt denkt. Übrigens auch, was ihr letzten Sommer gedacht habt.) Schopenhauer hingegen wurde dafür bekannt, dass er die Welt als Jammertal bezeichnete. Nach Schopenhauer gibt es gar keinen festen Boden unter unseren Füßen, denn alle Städte und Täler sind überflutet von unseren Tränen. Darum können wir uns praktisch nur auf mitleiderregende Weise (vermutlich in lecken Booten) fortbewegen.

Aber noch mal kurz zurück zum Anfang. Was Schopenhauer und Fichte verbindet, ist eine Unsitte, der schon viele Philosophen vor ihnen und auch nach ihnen verfallen sind, die aber niemals so arg war wie zu Zeiten des deutschen Idealismus (und das obwohl Schopenhauer die Idealisten, insbesondere Hegel gehasst hat). Es geht um die Begriffsgläubigkeit. Zu glauben, dass man nur den richtigen Begriff finden muss, um eine Erklärung für alle Dinge zu finden. Für gläubige Menschen ist das etwa der Begriff „Gott“ (oder auch das „Schicksal“), profanere Naturen sprechen lieber vom „Zufall“ und an vielen Stammtischen ist dieser Begriff meist eine Floskel, die jeder kennt: „Es ist alles so kompliziert.“ Ganz schlaue Philosophen bezeichnen das als metaphysische Schlussformel, quasi der Versuch, die Matratze, auf der wir den Handstand unseres Denkens vollführen, als unhintergehbar (absolut, endgültig, allumfassend) zu bezeichnen. Das geht natürlich nicht. Denn hinter jeder Antwort steht immer noch eine Frage. (z. B. „Wos wüst, Oida?)

Schopenhauer glaubte, diese Schlussformel im Wort „Wille“ gefunden zu haben (darum: „Die Welt als Wille und Vorstellung“). Im Willen findet sich für ihn nicht nur die Essenz des menschlichen Wesens, sondern auch die der Natur bzw. Gottes. Alles keimt aus dem Willen. Fichte hingegen war ganz scharf auf das Wörtchen „Ich“, vermutlich deswegen, weil es in seinem Namen vorkam (irgendwie recht egomanisch der Typ). Fichte trieb diese Begriffsspielerei übrigens so weit, dass er sich vor lauter Ich’s in seinem Werk gar nicht mehr auskannte und am Ende doch Gott zum Obermacker ernannte. Tja. Vermutlich hat ihm seine Frau erklärt, dass er sein Ich endlich mal in die Küche schwingen soll, um den Abwasch (Nicht-Ich) zu erledigen. Fichte darauf: „Oh, Gott!“

Was können uns Schopenhauer und Fichte heute noch mit auf den Weg geben?
Gar nichts. Also wirklich. Null. Niente. Nothing. Aber … wir können aus ihren Fehlern lernen. Ein Jammer allerdings, dass wir damit ganz alleine sind. Denn was Fichte und Schopenhauer verbrochen haben, das ist genau das, was alle dahergelaufenen Mentaltrainingsfuzzis, alle abgehalfterten Karriereberater, alle schlecht bezahlten Unternehmensberater und alle selbsternannten NLP-Koryphäen nach wie vor praktizieren. Deren Weisheit besteht auch stets darin, für eine Handvoll banale Erkenntnisse eine Handvoll trendiger Keywords und Phrasen zu finden, die sie dann als der Weisheit letzter Schluss verchecken. Ja, das funktioniert meist auch. Am besten vor zahlendem Publikum. Genau darum hatte Schopenhauer doch ein wenig recht … die Welt ist ein Jammertal.

Nächste Woche lernen wir Herrn Hegel kennen. Und auch einen gewissen Herrn Anti-Hegel. Und dann noch den Herrn Synthie-Hegel. Der spielte Keyboard in einer Progrockband Mitte der 1970er, die heute zum Glück keine Sau mehr kennt.

Brutales Sparpaket schlägt zu!

Posted by curtcuisine on Mai 4th, 2010

Hydra Coverkrise.qxpGrieche von brutalem Sparpaket auf offener Straße niedergeschlagen

Athen. Auf offener Straße wurde der Grieche Niko Kotztdastsatsiki von einem heimtückischen Sparpaket niedergeschlagen. Der bislang unbescholtene Grieche war früh morgens auf dem Weg zum großen Athener Senfgurkenmarkt, als das Sparpaket ihn an der Ecke Lehmannstraße und Hedgefondszerplatz in einen Hinterhalt lockte. „Ich dachte erst, es wäre eine Frau“, so der geschockte Grieche, „denn es flüsterte ständig ‚Du musst dafür bezahlen’, aber dann sprang es mir schon an die Gurgel und schlug mit verpackten Euromünzenrollen auf mich ein.“

Kotztdastsatsiki wurde in das Athener Zentralkrankenhaus eingeliefert, wo er erneut kräftig zur Kassa gebeten wurde, denn ein weiteres brutales Sparpaket hatte dem fetten Krankenhausdirektor sämtliche Diäten gestohlen (Hydra berichtete). Seither hält sich das Krankenhaus an den Patienten schadlos, verständlich, oder? Die Athener Polizei schaltete inzwischen Interpol ein, denn diese beiden Fälle sind nur der Gipfel des Eisbergs. Immer öfter wird in ganz Europa von brutalen Sparpaketsübergriffen berichtet. 

Was aber kannst du tun, um dich vor brutalen Sparübergriffen zu schützen? Keine Sorge, denn: Hydra präsentiert die 10 besten Spartipps!

1. Nimm nur Sparschweine aus echtem Keramik!
Darin fühlen sich deine Münzen viel wohler und das pralle Ding füllt sich fast von selbst.

2. Hat dein Auto Autoreifen?
Von jetzt an nur noch selbst aufpumpen! Am besten mit der Kraft deiner Lungen. Das stählt deinen Brustkorb und deine Autoreifen noch viel mehr. Und wie jedes Kind weiß, verbrauchen butterweiche Autoreifen enorm viel Benzin.

3. Kochgeschirr! Steht irgendwo bei dir zuhause Kochgeschirr herum?
Ganz schlecht. Kochen verbraucht Strom und macht meistens fett. Von nun an knabberst du nur noch an gebrauchten Zahnstochern. Macht dich garantiert binnen weniger Wochen knitterschlank und glitterreich (= der Hydra-Wohlfühltipp!)

4. Pumpen!
Pump dir Geld von deinen Freunden und gib es nie wieder zurück. So kriegst du immer mehr davon!

5. Ganz schlecht: Banken!
Meide Banken, denn die wollen nur dein Geld. Ja, das ist ähnlich wie bei Rockmusik. Die wollen nur deine Seele. Die Kirche will nur dein Spatzi und die Politik will dir gar noch die Stimme rauben. Alles Diebe! Also geh nirgendwo mehr hin und sperr dich zuhause ein. Das spart ganz famos.

6. Riskante Fonds.
Ja, gute Sache. Mach dir nicht ins Hemd! Riskier etwas! Denn wenn du genug Geld hast, wächst dieses ohnehin auf Bäumen für dich und wenn du keins hast, kannst du gar nichts verlieren, oder?

7. Steuerberater.
Mmmmmmh, nein. Kosten auch nur Geld.

8. Die letzte Rettung: Mutti!
Ja, zieh wieder zu Muttern (oder Muddern, wie Justus sagen würde). Schlag alle Häme in den Wind und plündere täglich ihren Kühlschrank. In Nullkommanichts bist du Trilliardär!  

9. Hast du ein undichtes Fenster?
Ja? Erstens: Öffnen! Zweitens: Geld rauswerfen! (Ja, alles!) Drittens: Schon hast du dir viel Geld erspart!

10. Was noch?
Ähm, du hast ja eh kein Geld mehr, ist ja alles beim Fenster draußen. Was willst du jetzt noch sparen?

Noch mehr hilfreiche Tipps gibt es übrigens im großen Hydra-Lebensratgeber, am Mitte Mai bei uns bzw. ab Anfang Juni im Buchhandel erhältlich. Und nein, es ist das rechte Cover, nichts das linke.

 
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