sodom & gonhorrhoe!

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#Fifty Shades of Grey und die Folgen.

Der verferkelten Generation Youporn kann man heutzutage ja nichts mehr von den zarten Freuden intimer Zweisamkeit erzählen. Die Teens von heute putzen ihre Körperöffnungen nicht mit Blendi-Zahnpasta, sondern mit Anal-Spülungen, und die pubertierende Irmi kann beim One-Direction-Konzert squirten wie eine Autowaschanlage. Aber 2015 trat ein Film an, um auch Irmis Elterngeneration noch einmal sexuell zwangszurevolutionieren. Vor Jahren hatte Sex & the City schon vorsichtig erste Dildos in Haushalte einziehen lassen, in denen zuvor nur der Herrgottswinkel stimulieren durfte, und Charlotte Roche hatte dann alle Arten von pfui gack wieder salonfähig gemacht. Aber #Fifty Shades Of Grey war der endgültige Putsch gegen den schlecht bewaffneten Blümchensex – wie jeder gute Putsch natürlich von den Amerikanern finanziert.

Die Handlung

Reicher Popo-Klatsch-Dandy sekkiert Studentin, die vorwurfsvoll dreinschaut – wen wundert’s, sie ist prekär im Baumarkt beschäftigt und muss blöde Fragen nach Kabelbindern beantworten, statt in einem süßen Straßencafe über Literatur zu philosophieren. Das Kinopublikum war tief beeindruckt. Die Forscheren bastelten gleich nach Filmstart mit Tixo und Kabelbinder selbst drauf los. Die Schüchterneren kramten zumindest das gute alte Schnalzband aus der Spielzeugkiste hervor. Ja, 2015 war sexuell aufgeladen wie ein Duracell-Hase im Porno-Kino. Überall lagen Sex und Watschen in der Luft. In Hotels wurden keine Bademäntel mehr gemopst, sondern ganze Vorhangstangen. Opus Dei hatte plötzlich so viele facebook-Fans wie Miley Cirus. Microsoft arbeitete an einem Nippel-Zwicker mit Bluetooth-Verbindung. Sexuelle Anarchie griff um sich. Selbst in langen Partnerschaften zeigten sich erste Unsicherheiten: „Der hat die Grillzange doch absichtlich so drapiert, sollt’ ich lieber noch schnell Beine rasieren?“ – „Wie klopf ich denn auf den Popsch drauf, ohne dass irgendwer nachher wieder teuer die Del le rausklopfen muss?“ Fazit: der wöchentliche Höflichkeitssex nach der Gerti Senger Kolumne ist jetzt um fünfzig Graustufen reicher.

Fifty shades of Fay

Ein Hype schleppt stets auch Trittbrettfahrer an, die in diesem Fall versuchten, ihre Verruchtheit upzugraden: In der Löwelstraße munkelt man von einem Manuskript autobiographischer Notizen mit dem Titel: „Fifty Shades of Fay – Confessions vom SJ-Camp.“ Vorsicht aber davor, künftig sämtliche Hierarchie-Verhältnisse des persönlichen Verkehrs als erotische Bühne zu bespielen. Zumindest sollte man das Safe-Word parat haben, wenn es zu Meinungsverschiedenheiten gemäß StVO kommt: „Tschuidigung, Frau Inschpektor.“ Aber solange in den Baumärkten noch genügend Drahtseilklemmen lagern, solange wir zumindest beim Kühlschrank-Aufwischen noch entspannt prüde sein dürfen, darf die Langzeitwirkung des Erektions-Epos getrost bezweifelt werden: „Ein Film, der nach PHneutralem Duschgel riecht“, schrieb DIE WELT gelangweilt und tat so, als sei sie schon viel härter gefickt worden – von der ein oder anderen schmuddeligen U-Bahnzeitung bestimmt. Auf den G-Punkt gebracht: Für uns super progressive, total reflektierte, überall-ja-sowieso-more-open-minded-als-die-blöden-Ami-ZuschauerInnen regt sich da weniger als in Heinz Fischers Augenbraue. Einfach ein saufader Film. Sagen wir zumindest, um vor den You-PornKids nicht deppert dazustehen.

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