Doppelte Partei-Mitgliedschaften im Hydra-Check

parteibuchHydra hat für euch alle Doppelmitgliedschaften getestet und verrät, wie Ihr Eure politischen Sorgen im Handumdrehen loswerden könnt.

Parallel zur Debatte der Doppel-Staatsbürgerschaft – die Hydra* berichtete – wird in der NGO-Szene nun auch heftig über eine doppelte Parteimitgliedschaft diskutiert. Der Vorteil liegt auf der Hand: in politisch unsicheren Zeiten ist eine rechtzeitige Vorsorge und Anpassung an prekäre Mehrheitsverhältnisse besonders ratsam. Dennoch werden derzeit eher die negativen Konsequenzen beleuchtet: Vorwurf der politischen Beliebigkeit, der Unzuverlässigkeit, des fehlenden Rückgrats stehen im Raum. Die Befürworter sind sich allerdings einig, dass diese Vorwürfe allesamt auch auf den Besitz von lediglich einem Parteibuch zuträfen, also kein Alleinstellungsmerkmal seien. Außerdem könnten Parteiaustritte langfristig reduziert werden, da keine Entweder-Oder-Entscheidungen erforderlich sind, was dem österreichischen Naturell durchaus entgegenkommt. In Krisenzeiten sind Anpassungsleistungen blitzschnell zu vollziehen, um mögliche Gewinne aus der politischen Wende ziehen zu können. Hydra* hat daher alle Modelle der doppelten Parteimitgliedschaft für euch getestet:

Modell Blau-Schwarz: Ländlich, aber gut verträglich
Am kostengünstigsten kommt die FPÖ, ab € 1,80 monatlich ist man dabei. Dadurch geht sich die derzeit beliebteste Variante (Blau-Schwarz) finanziell locker aus, sorgt sie doch im ländlichen Raum über maximale Akzeptanz (ja, Sympathien kosten etwas, machen sich aber langfristig bezahlt!). Das ÖVP-Parteibuch beläuft sich in den Bundesländer zwischen € 18 bis € 30 Euro, auch ein einkommensabhängiges Modell in NÖ ist dabei. Hier zeigt sich die ganze Vielfalt der ÖVP – und verträgt sich bestens mit der hochgradigen Regionalität der FPÖ. Fazit: ein robusten, um nicht zu sagen rustikales Zukunftsinvestment!

Modell Blau-Rot: Billig, aber urban
Die zweitbeliebteste Variante ist die kostengünstigste: eine SPÖ-Mitgliedschaft schlägt sich monatlich mit 6 Euro zu Buche, die Gesamtmonatskosten für FPÖ & SPÖ betragen also € 7,80 Euro. Billiger also als ein handelsüblicher Handytarif, geh, org! Dieses Modell greift eher in großstädtischen Ballungsräumen. Ideologische Sprünge sind zwar zwingend zu beherrschen, doch dank des saloppen Umkehrsprungs und verlorener Programmatik gehen sich alle erdenklichen Positionen in jeder der beiden Parteien dennoch irgendwie aus. Ein echtes Integrationsmodell also.

Modell Schwarz-Rot: der Klassiker, vielleicht schon im Ausgedinge
Die drittbeliebteste Variante ist teuer und im Grunde – bis auf eine kurze Unterbrechung – seit mindestens 40 Jahren gängige Praxis. Doch nun ist die Doppelparteibuchwirtschaft endlich legalisiert, reale Doppelidentitäten dürfen offen gelebt werden! Raus aus dem Ghetto der staatsnahen Betriebe, Ämter und Ministerien, nun wird SPÖVP auch in der Sprache selbst sichtbar („In meiner Funktion als Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Präsident…“). Schnelle politische Synergien werden möglich und das ewige Koalitionshickhack hat ebenfalls ein Ende. Konflikte können nun intrapersonell verinnerlicht und innerpsychisch ausgetragen werden. Doch womöglich kommt der Jubel verfrüht, viele Medien befürchten, diese überregionale Variante könnte ein Ladenhüter werden.

Modell Neongrün: Individuell, aber ohne langen Atem
Die vierte, durchaus spannungsgeladene Variante von Grünen und Neos ist preislich zwar auch eher im günstigen Sektor angesiedelt, seelisch allerdings anspruchsvoll: Ein Modell für kräftige VielrednerInnen mit wenig Hang zu pragmatischen Entscheidungen trotz der integrativen Ansätze für Ich-AGs. Die Kosten bei Neos (7,80 Euro pro Monat) gekoppelt an das billigste Angebot der Grünen (ab 2,10 Euro pro Monat, Aufzahlung bis 83 Euro möglich und gestattet) ermöglichen Individualisten große Freiheiten im Bezahlungsmodus. Trotz personeller und inhaltlich enger Verbindungen der beiden Parteien muss diese Variante im politischen Alltag als riskant hervorgehoben werden. Sie eignet sich nicht für langfristige Projekte und garantiert keine Synergien, so wie sie in den anderen Varianten in der Praxis bewiesen. Auch wahr: Dreitagesbärte erhöhen aktuell das Ich-Marketing. Kopftücher reduzieren dieses wieder empfindlich.

Modell Orange-Strohsackgelb: Finger weg!
Die fünfte und bereits praktizierte Variante ist FPÖ, BZÖ, Team Stronach. Die Kosten sind unklar, die Akteure sind dafür bereits heute das Role-Model für die gesamt Debatte. Wo kein Rückgrat ist, wird nie ein Rückgrat sein.

Für Hydra testete Neigungsgruppe für profeministische Satire in Österreich (NGPSÖ)

* mit besonderen Dank an den Kurier, der die journalistische Laufarbeit erledigte

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