„Merkelundich“: Mit dem Fahrrad über die Arktis

kk_zitat_3 „Ich habe niemanden versprochen, dass das Einzäunen von Österreich die Probleme löst“, sagte Bundeskanzler Faymann in der ORF-Pressestunde. „Merkelundich, das ist pragmatischer Realismus!“ Eine Satire nach dem wortwörtlichen Fernseh-Leben von Kerstin Kellermann

Als Bundeskanzler muss man wissen, wo man steht, auf welcher Seite der Grenze. Oder oben drüber. Der Merkel-Blick. „Weder Italien noch Griechenland waren in der Lage, das Flüchtlingsproblem für uns alle zu lösen“, sagt Faymann. Stimmt. „Schämt man sich nicht dafür?“, fragt der ORF-Journalist. „Nur ein Promille der Flüchtlinge weltweit wird in Europa verteilt.“ Scham? Was bringt die leicht? Alte Gefühle aus der Kindheit. Die Erwachsenen machen einen Blödsinn und das ohnmächtige Kind schämt sich dafür. Hilft den Flüchtlingen nix. „Wenn sich eh jeder Flüchtling aussucht, wo er hinfährt, kann man auch die Asylgesetze in Europa angleichen“, meint Faymann. Klar, dass ein Flüchtling lieber dort wohnt, wo er schon Familienmitglieder oder Freunde hat. Irgendwie logisch, dass er nicht so gerne die Eltern in Großbritannien und den Bruder in Belgien hat – außer er hat gerade Krach mit seiner Familie. „Man kann den Ländern nicht nur sagen: Behaltet’s die! Es müssen menschenwürdige Quartiere geschaffen werden. Nur die Augen zumachen und sich denken, hoffentlich kommt keiner, bringt es auch nicht.“ Er kann so realistisch sein, und der Humor dabei ist neu. Der amüsiert sich ja richtig. Bodenständigkeit kann auch mit Vergnügen verbunden sein. Der Boden des Lebens. („Ich hätte nicht gedacht, dass 2015 eine Million eine Wanderung antreten“, sagte hingegen Sozialminister Hundstorfer. Wanderung?)
Margaretha Kopeinig vom Kurier, die sich wohl einen Anzug von Kotanko ausgeborgt hat, redet ganz langsam mit Faymann – kärntnerisch: „Haben Sie einen Plan B?“ Plan B? Faymann ist noch bei Plan A: „Menschenrechte abschaffen – da kann man nur jeden warnen, der für eine menschenwürdiges Leben ist… Wir haben ja oft kein Wirtschaftsabkommen mit Ländern mit denen wir kein Rückführungsabkommen haben.“ Übersetzung: Kein wirtschaftlicher Druck möglich, dass diese anstrengenden Regierungen „ihre“ Flüchtlinge zurücknehmen. Und an der Bakschisch-Frage ist schon Außenminister Spindelegger gescheitert.

kk_zitat_2Praktische Erpressung

Kurier-Kopeinig: „Osteuropäische Länder sind gegen die Flüchtlings-Verteilungs-Quote. Wie werden Sie die zwingen? Sie stehen uns sehr skeptisch gegenüber. Wir wollen mit Flüchtlings-Ausgaben nichts zu tun haben, denken die.“ Na sicher! Erst bringt man ihnen mühsam die kapitalistische Verwertungs-Gesellschaft bei und treibt ihnen alle möglichen Reste einer sozialistischen Gesellschaftsform aus und nun sollen sie doch plötzlich sozial sein? Wenn polnische Alte keine Pension erhalten, ungarische Arbeitslose auf der Straße landen, warum sollte so ein kleiner Syrer eine Unterstützung kriegen?! Noch dazu monetär?! Jetzt haben die das so brav gelernt, die beinharte Marktwirtschafts-Lektion und nun passt es wieder nicht. „Ist ja klar, dass ein Flüchtling lieber in ein Land geht, wo ein Krankenhaus funktioniert“, stellt Faymann nüchtern fest. „Einige sagen Erpressung! Die nächsten Geldverhandlungen mit osteuropäischen Ländern kommen sicher“, lächelt Faymann, der monetär gesehen mit Merkel auf dem längeren Ast sitzt. „Ich bin der Dienstälteste in der EU neben Angela Merkel.“
Kurier-Kopeinig in sich gekauert: „Ist der Kampf gegen den Terror auch eine Maßnahme gegen die Flüchtlingskrise? Der Boden für Terroristen…“ „Der Boden für Terroristen ist gut bereitet, bei Krieg und wenn zu wenig zum Leben ist“, Faymann rührt mit den Händen in der Luft. „Das wäre ja ein sympathischer Zaun, der Leute in den Frieden zurückschickt.“ Ein Trampolin? Ein Gummi-Zaun? Spatzenschleuder? „Die Flüchtlinge kommen ja nicht geordnet daher, die kommen sogar mit dem Fahrrad über die Arktis“, fürchtet sich ORF-Dittlbacher. „Einer wird nach Luxemburg zugeteilt, will aber lieber nach Österreich, dann schicken wir den nach Luxemburg zurück und nicht nach Griechenland“, erklärt Werner Faymann. Österreich ist beliebt! „Schwindeln dürfen die nicht, sonst bleiben die, die brav sind, über.“

kk_zitat_1Ein Feind für alle

„Merkel und Sie sind gegen eine Flüchtlingsobergrenze“, stellt Fritz Dittlbacher fest. „Merkelundich, das ist pragmatischer Realismus“, tönt Faymann, der starke Frauen mag, aber nur, wenn sie von der falschen Partei sind. „Ich lüge nicht. Ich habe niemanden versprochen, dass das Einzäunen von Österreich die Probleme löst.“ Hihi, die Zwergerl bleiben drinnen, rotweißrot bis in den Tod. Und wie dann im Sommer nach Rimini?
„Die Leute sollen bitte schön umdrehen und zu Hause in Frieden leben, sagen viele – das geht nicht.“ Margareta Kopeinig fragt nach der Jugendarbeitslosigkeit und dem Zusammenhang mit den „rechten Parteien“. „Rechte Populisten benutzen Herabwürdigung und Verletzung, das Spiel mit der Angst. Wir haben für alle einen Feind, aber keine Lösung. Habe noch keinen Vorschlag von Le Pen gehört, wie man die Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen könnte. Wer sagt, die Krise sei vorbei, hat nur die Banken im Auge.“ Irgendwie hat Faymann einen ganz eigenen Humor entwickelt. „Wenn Ältere so lange arbeiten sollen, dann muss man auch einen Arbeitsplatz für sie haben. Und gesund müssen sie sein.“

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