„Flüchtlinge statt Deutsche in die Gastwirtschaft“

neinzujobsWirtschaftsforscher Karl Aiginger hat recht eigenwillige Ideen. Dafür ist die ORF-Pressestunde ja da. Und die Österreicher sind auch eigenwillig, was ihre Berufswünsche betrifft. Und ihre Lohnvorstellungen erst! Von Kerstin Kellermann

Sanierungsprämie, Handwerkerbonus, Dienstleistungs-Schecks. „Man wird mehr bauen müssen“, sagt der WIFO-Direktor Karl Aiginger im Fernsehen. „Das ist belebend.“ Der war bestimmt noch nie bei uns am Gürtel und hat gesehen, was für dünne, mickrige Albaner, Serben und Rumänen hier auf den Baustellen schuften müssen. Und von stiernackigen kräftigen Ex-Jugoslawen angebrüllt werden, dass ihnen die Haare nach hinten wehen. So mager sind die, dass drei bis fünf in einen selbst gebauten Flaschenzug-Lift passen, während nur ein einziger Vorarbeiter hineingeht auf das schmale Geviert (ich muss gleich dazu sagen, dass ich zum Schreiben die Platte „Propaganda, NO Wave II“ höre, aus 1979, vorne sind fröhliche chinesische ArbeiterInnen und rote Fahnen drauf). Jaja, die Bauunternehmer, die bei den Lohnkosten sparen, müssen unterstützt werden!!

 

Freiwillige in die Schule

„Wir sollten in der Schule nicht zu kleine Brötchen backen, Freiwillige! – damit ist das Problem schon erweitert“, sagt Karl Aiginger wortwörtlich. „Viele Frühpensionisten gehen gerne wieder in die Schule, warum kann man dort nicht wie bei den Flüchtlingen auch einen Freiwilligen-Dienst einrichten?“ Oma und Opa freiwillig in die Schule! Und wer paßt dann auf die Kinder auf, wenn sie krank sind? Die neue ORF-Redakteurin Ula Kramar-Schmid, nobel in weißem Anzug mit edler Stimme: „Deutschland hat die niedrigste Arbeitslosenrate und das höchste Wirtschaftswachstum. Was ist bei uns passiert?“ „Wir hatten einen Export Turbo, sind ein Jahrzehnt rasch gewachsen, haben immer neue Märkte dazu gewonnen – jetzt wäre als Nächstes die Ukraine dran gewesen und der Expot Turbo ist ausgefallen“, erklärt Aiginger. Ein Hypo-Turbo also. „Seit 2009 entwickeln sich die Reallöhne rückwärts“, sagt Kramar-Schmid. Aiginger redet von Lohnraub! Genau! Er erhofft sich jetzt von den Flüchtlingen eine Wende. Ausgerechnet von den syrischen Kriegsflüchtlingen. Auf die setzt er seine Hoffnung. Die sollen das Kleingewerbe wieder beleben – gegen die hohen Lebensmittelpreise. Genau, die Flüchtlinge haben sicher nicht so eine Profitorientierung drauf, wie der Spar zum Beispiel, wo die Mandeln an einem Tag noch 1, 59 Euro und am nächsten 2,99 Euro kosteten!

 

Berufswünsche und Lohnvorstellungen

Kramar-Schmid: „150.000 EU-Bürger pendeln täglich nach Österreich ein, Ungarn, Slowaken und Deutsche arbeiten bei uns, 67.300 Ausländer arbeiten am Bau – ist der Österreicher inflexibel?“ „Die Berufswünsche der Österreicher unterscheiden sich von dem Angebot, das gebraucht wird. Das Tagespendeln wird aber erschwert werden, wenn das Bundesheer an der Grenze steht“, sagt Aiginger, der die Flüchtlinge immer mitdenkt. Kramar-Schmid: „Sind die Löhne zu niedrig? Überstunden sind ja bereits gratis. Warum pendeln nicht mehr Österreicher?“ Aiginger: „Die Einkaufswünsche einer Familie liegen höher als das Einkommen, das beim Pendeln heraus kommt.“  Zu arm zum arbeiten sind wir, zumindest bei diesen Arbeitsbedingungen. Das können sich nur noch Süd-Osteuropäer leisten, die wenig Wünsche an das Leben haben. Der Krone-Redakteur in den spitzen hellbraunen Schuhen redet inzwischen von der Industriellen-Vereinigung: „Wo geht unsere Sozialpartnerschaft dahin?“, jammert er. „Die Unternehmer klagen über eine hohe Lohnquote…“ „Mehr Schwarzmarktbereich entsteht“, meint Aiginger schulterzuckend. „Oder die Hälfte weiß, die Hälfte schwarz – was ja auch nicht von der Hand zu weisen ist.“ Ja, und diese hübschen, schweigenden, dünnen Albaner erst! Jeder will die haben!! Die Deutschen kommen nicht mehr. Nun könnte man die Flüchtlinge in die Gastwirtschaft einbinden, meint Aiginger. „Frühere Flüchtlinge wurden ja auch eingebunden.“
In der Nachfolgesendung „Hohes Haus“ streiten sich eine rosarote Giftspritze von den Neos und ein kräftiger, stattlicher Bauleiter von der SPÖ: „Beim Asylverfahren sollte gleich festgestellt werden, welchen Mangelberuf ein Flüchtling hat“, wünscht sich der Neos-Typ. Für die Österreicher hat er nicht weniger ausbeuterische Pläne: „Wenn in Vorarlberg Bauarbeiter gesucht werden, soll man die in ganz Österreich verschieben können.“ Verschieben! Menschen! Der dicke SPÖ-ler hingegen ist dagegen, dass Flüchtlinge (legal!) arbeiten dürfen. Denn dann müssten Bauherren ihren ganzen Tschetschenen auf der Baustelle doch glatt viel mehr Lohn ausbezahlen und könnten auch tschetschenische „Lehrlinge“ nicht dermaßen ausbeuten, bis die lieber nach Syrien gehen wollen und im Gefängnis landen.
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