„Ohne EU fahren die Flüchtlinge gleich nach Österreich durch“

hackler_blueWieso hat Strache eigentlich etwas gegen die EU, wenn die doch die Flüchtlinge aufhält und „für uns angenehm“ in Italien bzw. Griechenland und Ungarn fixiert? Bundeskanzler Faymann mit seinen Live Aussagen im Sonntagsfernsehen, nur etwas gekürzt und ausgewählt – aber weder übertrieben noch selbst erfunden. Eine Realsatire von Kerstin Kellermann

Danke für die Einladung, sagt der Bundeskanzler bescheiden. Hallo, sagt die Österreich-Redakteurin zu ihm. Hallo, sagte Werner Faymann auch zu Angela Merkel, die ihn kurz vor der Sendung am Handy anrief. Faymann will Brücken bauen, obwohl „die Brücke“ zu Greichenland nicht zu sehen ist. (Alfred Adler: So geht’s uns immer! Wir bauen die Brücke beim Gehen!) Da fehlt die Brücke, sagt Faymann. „Sind Sie nicht ein bissl einem Spieler aufgesessen?“, näselt die Österreich-Redakteurin über den griechischen Finanzminister. „In Griechenland laufen die Patienten nach der Operation davon, damit sie die Arztrechnung nicht zahlen müssen“, sagt Faymann. Und: „Eine Brücke besteht nun mal aus zwei Teilen. Über die vertraulichen Teile erzähle ich Ihnen nichts, Frau Österreich. Ich hatte schon mehrere Gelegenheiten Varoufakis aufzufordern, seinen Plan zu verfeinern. Zwei Teile hat die Brücke. Er ist dran. Er hat den Verhandlungstisch verlassen, nicht ich.“
 
Sicherheit des Geldes
Die Österreich-Frau herablassend: „Gibt es eigentlich irgendeinen Plan B?“ Faymann: „Ich kenne den Plan B Griechenlands nicht, unseren schon (juhu!). Wir müssen ganz Europa zeigen, dass wir ein wirtschaftlich stabiles Land sind, damit nicht andere Länder in die Spirale kommen.“ – „Österreich hat auch Haftungen“, sagt Frau Österreich. Faymann: „Die Nationalbank sagt, das ist nicht abschätzbar, was passiert, wenn unsere Haftungen schlagend werden. Plan B ist in Griechenland zu beschließen. Vernunft ist angesagt. Brücken kann man bauen. Tun wir da nicht herumreden. Ich mache mir Sorgen um die Wirtschaft UND die Realwirtschaft.“ Die Zeitung Österreich hat Griechenland schon begraben und mit Faymann redet sie auch wie mit einem Kranken. Der Bundeskanzler ist nicht gekränkt, kennt er vielleicht schon. „Dass man hier ein Volk in Schwierigkeiten bringt, das eh schon Schwierigkeiten hat … Im Leben ist es aber so, man kann nur etwas erreichen, wenn der andere auch etwas macht. Durch Vertrauen und Sicherheit muss man erreichen, dass das griechische Volk nicht weiter von den Banken Geld abhebt.“ Tja, Vertrauen ist alles und rückblickend klingt das etwas zynisch – ein Volk, das mittlerweile 60 Euro pro Tag abheben darf. Außer die Touristen. Na ja, es geht ja um die Sicherheit – des  Geldes!

Finanzierungs- und Flüchtlingsströme
Auch gegen Terror hilft nur Sicherheit und deswegen muss man die Konten öffnen, um zu sehen, wo die Terrorfinanzierung her kommt – „ein breites Feld unserer Zeit, die Finanzierungsströme“, erklärt Faymann. „Der Terror führt ja zu den Flüchtlingsströmen. Ich bin grundsätzlich gegen das Hetzen.“ ORF-Redakteur Bürger: „Ist Europa nicht zu tolerant geworden – gegenüber der Rechten? Wir müssen etwas tun.“ „Ich bin gegen Pauschalurteile, denn die hatten wir schon einmal“, antwortet Faymann. „Und wenn sich Pauschalurteil gegen Pauschalurteil entgegen stellt, kommt Haß heraus und man kann niemanden überzeugen.“

Faymann schaut die Österreich-Redakteurin Isabelle Daniel freundlich an und näselt plötzlich ebenfalls: „Die deutsche Kanzlerin und ich haben gesagt, das mit den Flüchtlingsströmen muss praktikabel sein. Italien macht alles alleine! Fingerprints, schauen, wer diese Flüchtlinge sind, und, für uns sehr angenehm (!), gleich die Rückführung einleiten. Italien könnte auch ohne Fingerprints die Flüchtlinge gleich durchreisen lassen nach Österreich!“ Und dann ganz schlau und mit Lächeln in Richtung Strache: „Ohne EU gäbe es überhaupt keine Dublin-Verordnung. Zwinker, zwinker. Ohne Dublin würden die gleich nach Österreich durchfahren, wo der beste Arbeitsmarkt ist.“ Also, wer will hier noch raus aus der EU, bitte sehr?

Blaue Hackler
„Die FPÖ zielt auf die kleinen Leute. Wo ist noch das Soziale bei den Sozialdemokraten?“, fragt Bürger. Faymann bezieht sich auf die Arbeitslosen und die Mindestsicherungs-Bezieher. Wo bleiben die Arbeiter? „Warum wählen die Arbeiter plötzlich blau?“, fragt Bürger. Faymann: „Die FPÖ hat keine Lösung. Für den Grenzraum sichern sind wir auch.“ Isabelle  Daniel: „Warum laufen die SPÖ-Wähler in Scharen zur FPÖ über?“ Faymann beschwichtigt, „Ich war Erster“, betont er. Bei der letzten Wahl. Und er redet wieder von „Sozial Schwachen“, nicht von Arbeitern. Aber er ist zumindest nicht böse. Das ist schon etwas in diesen bösen Zeiten. Faymann will lieber von den lieben Menschen gewählt werden, die bereits aus dem harten Arbeitskampf heraus geflogen sind, als von diesen anstrengenden Hacklern, die mit zusammengebissenen Zähnen zu Höchstleistungen auflaufen. Vielleicht wollen die Arbeiter einfach nicht „sozial schwach“ sein?

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