Strache: „Es spricht der Bergsteiger zu uns!“

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Zwei Brüder im Geiste: Gabalier und …

ZwangsAusgrenzungsMissbrauch – nein danke! GabalierSchulterGebirgskreuze – ja bitte! FPÖ-Vorsitzender Strache unterhielt sich prächtig bei seinem Live-Auftritt im TV und kicherte herum. It’s Pressestunde-Showtime. Von Kerstin Kellermann

„Zwangs! Zwangs! Zwangs!“, tönt es aus dem Fernseher, was nun eigentlich „Zwangs!“ ist, versteht man nicht genau. Ich hätte halt doch nicht diesen alten Fernseher „HB Ingelen“ aus einer Ottakringer Fernseher Fabrik kaufen sollen. Gebraucht um fünfzig Euro. Hält aber schon vier Jahre brav. Zwangsraucher? „Der Raucher ist jemand, der seine Arbeitsfähigkeit bis zur Pension unter Beweis stellt,“, sagt FPÖ-Parteiobmann Strache. „Ein Raucher kostet den Staat weniger, weil er in der Regel früher stirbt.“ Zwangs-Halbinsel Krim? „Sie sind doch sonst so für Recht und Ordnung“, sagt der ORF-Journalist Langpaul. „Warum bei der Ukraine nicht?“ „Was ich verurteile, sind diese schädlichen Wirtschaftssanktionen gegen Russland, die den österreichischen Firmen so stark schaden“, meint Strache. Zwangs-Befreiung? „Wären Sie zu Putin gefahren am 9. Mai, dem Ende des Zweiten Weltkrieges?“, fragt Barbara Toth vom Falter. „Wir haben viel Leid erlebt“, antwortet Strache. „Zwei Weltkriege und eine Befreiung …!“ Eine Befreiung! Na, die war aber wahrhaftig schrecklich, diese Befreiung.

Von Mandln und Weibln
Toth lächelt Strache immer freundlichst an. Aufmunternd, zwinkert ihm zu wie ein Kind. „Nun sei doch nicht so…“, denkt sie wohl. Zornig. Und Strache ist in dieser Sendung auch nicht aufbrausend und von heiligem Zorn erfüllt – im Gegenteil, er amüsiert sich. Nach dem Volkssänger Andreas Gabalier, der den Mädchen den Nationalstolz verweigert, wird gefragt. „Das steht ihm als Künstler zu, haha. Dass man es heute als Mandl schwer hat, wenn man auf ein Weibl steht, ist klar, haha.“ Auf dem Po hat eine „fremde Hand nichts verloren“. Aber auf der Schulter z. B. schon. „Wenn man einen Partner kennenlernt, hihi. Irgendwann kommt es zu einer zärtlichen Berührung auf die Schulter.“ Nachdenkpause. „Auch mir ist schon sexuelle Belästigung passiert. Da sagt man eben klar und deutlich, dass man das nicht will, dann ist eine Ruh’! Hihi!“ Zu Conchita Wurst: „Man muss ja nicht alles heroisieren, einen nackten gegenderten Körper z. B., hihi, wie auf diesem Plakat.“ „Für das Plakat gilt nicht, was für Gabalier gilt? Freiheit der Kunst?“, fragt der Journalist schlagfertig. Da lacht er, der Strache, „hihihi“. Ist ja auch lustig, dieses ganze Sex-Zeug.

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… und dieser Strache hier …

Dann geht es um Ausgrenzung, Ausgrenzung? Ausgrenzung! „Wollen Sie den anderen Parteien vorschreiben, wer mit Ihnen koaliert? Die Grünen sind in immerhin sechs Bundesländern mit in der Regierung in der Koalition. Sie in gar keiner!“, stellt Frau Toth in den Raum. „Wir treiben die rotschwarze Regierung vor uns her seit zehn Jahren. Wir haben die Themenführerschaft inne: Islamismus! Die SPÖ sucht sich einen billigen Jakob: die Grünen! Die SPÖ hat sich den Akkilic gekauft!“ (Anm.: Auch wenn „der billige Jakob“ oft für die fliegenden jüdischen Händler verwendet wurde, bedeutet er jetzt per se keine antisemitische Redewendung, sondern kommt von Jakob dem Älteren, einem der  erstberufenen Apostel von Jesus. Jakob erhielt von Jesus angeblich wegen seiner ungestümen Art den aramäischen Spitznamen „Donnersohn“. Maria Vassilakou, Häupls Donnertochter …) „Wegen der Ausgrenzung der FPÖ sagen viele Menschen, es braucht einen Umbruch.“ Murmel, murmel.  „Überbordene Zuwanderung, leider kein Teil der Gesellschaft, Mohammed …“ Ich sag’s ja, mein Fernseher geht ein.

„Ich war ein Suchender“
„Der Islam ist sozusagen zum Markenkern der FPÖ geworden. Sie wollen mit dem Christentum dagegen halten?, fragt ORF-Langpaul. „Einmal hielten Sie ja ein Kreuz in die Kamera.“ „Das Kreuz ist ein kulturelles Symbol Europas! Es gibt Gebirgskreuze!! Das Kreuz gehört keiner Kirche!“, Straches Augen blitzten empört. Ja, die Kirche hat wirklich ihre Finger überall, sogar auf die Kreuze! „Ja, da denkt aber keiner, hier spricht der Bergsteiger zu uns“, sagt Langpaul, der Schelm. Strache: „Die Moslems sagen selber, wir wollen nicht, dass unsere Kinder abgefangen werden. Liberale Moslems sind gegen Gotteskrieger, die andere Menschen abschlachten.“

Barbara Toth stellt Strache eine Fangfrage, aufgepaßt!: „Was hat Ihnen denn damals geholfen, aus einer radikalen Bewegung herauszukommen?“  (Zwinker, zwinker, drei Bier!) So einfach auf „naives Gutmenschentum“ gefragt. Wenn schon, denn schon. Könnten Sie diese Kids nicht unterstützen? Und zwar wie? Strache: „Ich war ein Suchender.“  Murmel, murmel. „21 salafistische Kleinkindergärten in Wien… Für Radikalisierung besonders ansprechbar…“ Kleinkinder?! Ui, ui. A la: „Wenn du vor mir rutscht, schieße ich dir eine Murmel an den Kopf, picke dir meinen Kaugummi ins Gesicht, lade dich nicht auf meine Geburtstagsparty ein!“ Haue in die Schrebergartensiedlung Klein-Syrien ab?

„Was würden Sie gegen Radikalisierung machen?“ „Placebo Islamgesetz …, Offener Gummi Paragraf … Wir haben dreißig Rückkehrer aus Syrien in Österreich, die leben frei als tickende Zeitbomben in unserer Gesellschaft. Alle anderen, die sich einer Armee anschließen, Fremdenlegionäre z. B., verlieren die österreichische Staatsbürgerschaft und die nicht? Das muss man auf terroristische Organisation erweitern. Jeder, der sich für den Jihad gemeldet hat, soll die Staatsbürgerschaft verlieren.“ (Anm.: Ja, die Fremdenlegion ist nun mal keine terorristische Organisation, niemals.) Strache kriegt kaum Luft mehr. Journalist: „Heute sind  700 Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben.“ Strache muss husten: „Pardong“. Dann ist wieder keine Zeit für Luft holen, Entwicklungshilfe-Gelder, die gehen ja „irgendwohin“! „Man darf die USA nicht aus der Verantwortung holen, Syrien, Irak …, Frau TOT! Schlepperbanden …, wer das schafft, 5000 Euro zu zahlen, darf hier bleiben, signalisiert die EU. Aus wirtschaftlichen Gründen solche Todesfahrten auf sich zu nehmen!!“ Jaja, die spinnen, die Römer, die Afrikaner und die Syrer sowieso, Leute. Peace, brother. Piss off.

Kein Wundenlecken möglich
Journalist: „Sie sind der Erste, der die EZA-Gelder erhöht?”
Strache verfällt plötzlich in Dialekt: „Net a Geldüberweisung gehört her, sondern Projekthilfe vor Ort. No ja. Selbstgemachte Probleme: Schulden! Wenn es uns besser geht, können wir auch anderen wieder helfen.“ Luftholen, Herr Strache!  „Kalte Progression!“, wie ein Taucher schnappt er nach Luft. Armut ist auch ein Trauma, nämlich ein „soziales Trauma“, erklärte mir einmal eine Trauma-Therapeutin. „Hotellerie, Staatshaushalt …“ Die armen Hoteliers, wirklich. „Haben Sie schon einmal selber unterstützt?“, fragt Toth. „Ich habe schon einmal selber in der Dritten Welt einen Schulbau unterstützt.“ Whow. (Mit drei Solidaritäts-Bier. Scherz!) Strache schimpft weiter: „30.000 Asylwerber, die vielleicht Missbrauch versucht haben.“ Asylwerber! Missbrauch! Wie ertrinken z. B.? („Wo sind die Frauen und Kinder“, fragt Strache. „Warum kommen immer nur junge Männer?“ Abgesoffen!) „Selbst wenn Sie in Wien Erster werden, brauchen Sie einen Koalitionspartner“, konstatiert Langpaul. „Wenn ich in Wien Erster werde, gibt es kein Wundenlecken, sondern ein massives Umdenken in der SPÖ. Häupl (Jesus) muss noch in derselben Nacht zurücktreten“, freut sich Strache schon im voraus.

Exklusiv für Hydra verfasst von Gastautorin Kerstin Kellermann.

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