Chauvinismus, Haarpracht & Philosophie

phil_cover_800Ein Gespräch mit dem Autor und Herausgeber von „Die unfrisiertesten Philosophen aller Zeiten“ über Humor in der Philosophie und die Tücken der Tiefgründigkeit.

Max Zirkowitsch: Herr Curt Cuisine, wie kommt man eigentlich auf die Idee, eine satirische Einführung in die Philosophie zu verfassen?
Curt Cuisine (seufzt): Alle anderen Arten von Einführungen waren schon vergeben.

MZ: Muss man nicht selbst Philosoph sein, um so ein Buch zu schreiben?
CC: Danke für diese intelligente Frage! Schreiben etwa nur Promis über Promis?

MZ: Wie kam es denn zum Titel des Buches?
CC: Das wollte der Verlag so.

MZ: Wie hieß das Buch ursprünglich?
CC: Vom transzendental-satirischen Gehalt normativ-deskriptiver Weltbeschreibungssysteme im angehenden 21. Jahrhundert mit besonderer Berücksichtigung ironisch-machistischer Schreibtraditionen. Aber das wollte der Verlag nicht.

MZ: Wie kann man sich eine satirische Einführung in die Philosophie vorstellen? Wird da witzig, aber inhaltlich korrekt in die Philosophie eingeführt oder wird da philosophisch sprich: tiefgründig und gehaltvoll gewitzelt? Oder ist das ganze Buch reiner Unfug?
CC: Ja, genau so ist das. Ganz genau so.

hegel_bold600MZ: Welche Philosophen sind an sich schon witzig und welche sind ausschließlich humorlos und trocken?
CC: Hegel. Hegel ist supertrocken. Danach kommen Spinoza und Aristoteles. Die sind vielleicht sogar noch trockener.Wer in einer feuchten Wohnung wohnen muss, braucht sich nur einen Aristoteles ins Regal stellen.

MZ: Und umgekehrt?
CC: Gibt’s nicht. Philosophen besitzen praktisch keinen Humor. Sonst wären sie nicht Philosophen, sondern Kabarettisten geworden. Das liegt aber nicht an den Personen, sondern am Gegenstand. Jeder Kabarettist, der auf der Bühne zu moralisieren – und damit zu philosophieren – beginnt, wird schlagartig unwitzig.

MZ: Was hat es mit den Frisuren & der Philosophie auf sich?
CC: Auf sich? (Schaut nach oben, betastet die Haare.) Frisuren trägt jeder Mensch auf sich. Das ist ein bemerkenswerter Umstand, über den schon Michel de Montaigne einen vortrefflichen Essay geschrieben hat. Und Schopenhauer meinte: „Jeder dumme Junge kann Haare zerstrubbeln. Aber alle Professoren der Welt bringen keine anständige Frisur zustande.“ Descartes wiederum meinte: „Nichts auf der Welt ist so ungerecht verteilt wie Haare. Jeder Mann ist überzeugt, dass er zu wenig davon habe.“ Und war es nicht Aristoteles, der sagte: „Kluge Leute lernen auch von den Frisuren ihrer Feinde?“

deleuze_bold600MZ: Zum Schluss die Greta Garbo-Frage der Philosophie: Warum gibt es so wenig Frauen in der Philosophie? Liegt es wirklich daran, dass Frauen besser frisiert als Männer sind?
CC: Dass der Blick auf das Haupt ein eklatant anderer ist als der Blick ins Haupt, also in den Kopf hinein, wurde jahrhundertelang behauptet. Doch in der angelsächsischen Philosophie wurde damit Schluss gemacht. So etwas wie „mentale Zustände“ gibt es nicht, predigt die postanalytische amerikanische Philosophie bis heute. Wir bestehen nur aus unseren Handlungen und Tätigkeiten, aus dem, was konkret beschreibbar ist: Essen, Shoppen, Ficken – oder eben zum Friseur gehen. Vor diesem Hintergrund wird die alte Differenz zwischen inneren und äußeren Werten hinfällig. Wer jedoch die Philosophie immer noch mit tiefgründigen Gedanken und inneren Wahrheiten assoziiert, für den sind Äußerlichkeiten Nebensache. Die überlässt er lieber – oder sucht sie bei – Frauen. Warum aber männliche Philosophen oft so fürchterliche Frisuren haben, das ist ein fundamentales Problem der Philosophie, an dem auch ich gescheitert bin. Das gebe ich ungern zu, aber es ist so.

MZ: Curt Cuisine, ich danke für das Gespräch.

HYDRA (Hg.): Die unfrisiertesten Philosophen aller Zeiten
136 Seiten, Softcover, ISBN 978-3-902980-11-3″
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