Lange lebe die Freie Volksrepublik Meidling!

meidling_3Ein Interview mit Separatistenführer Rudi Raclette über die Gründung und die Zukunft der Freien Volksrepublik Meidling.

Wie kam es zu Gründung der Freien Volksrepublik Meidling?
Plötzlich war da dieses Bobo-Cafe am Meidlinger Markt, „Milchbart“ heißt das. Wie ironisch! Und dann warb ein Eisgeschäft auf der Meidlinger Hauptstraße mit „organic handmade icecream“. In der Spittelbreitengasse tauchten plötzlich Männer mit Vollbärten auf Rennrädern und Frauen mit Knödelfrisuren und Oversize-Pullis auf. Da war uns klar: Wenn wir jetzt nicht handeln, ist es bald vielleicht schon zu spät. Wir wollen nichts weniger, als die Gentrifizierung Meidllings stoppen! Logische Konsequenz war die Ausrufung der Freien Volksrepublik an einem Freitagabend im Cafe „zum Erlkönig“ [ehemals Gasthaus „zum Socken“, Anm. der Red.] in der Ratschkygasse. Und wir liegen dabei voll im Trend. Neurussland, Schottland, das Kalifat – überall auf der Welt entstehen derzeit neue Staaten.

Was sind die „wahren“ und was die wirklich wahren Gründe für die Ausrufung der Freien Volksrepublik?
Was soll diese Frage? Da wird jetzt schon wieder versucht, das alles ins Lächerliche zu ziehen. Dabei ist die Freie Volksrepublik sicher kein Satireprojekt. Und wir verstehen uns auch nicht als bloß regionale Initiative. Meidling ist überall! Es geht um das absolut legitime Ressenti.. äh.. Engagement von jungen Leuten, die vor fünf Jahren in ein Viertel gezogen sind, gegen junge Leute, die vor zwei Jahren in ein Viertel gezogen sind.

Wer hat in der FVM das sagen?
Ich … ich meine, der Rat der Volkskommissare, der sich von nun an regelmäßig im „Sapperlot Stüberl“ in der Tivoligasse treffen wird. Da wir uns aber momentan im Ausnahmezustand befinden, kann ich als Separatistenführer Direktiven erlassen. Eine wichtige Position hat auch der Kommandant der sogenannten Selbstverteidigungskräfte, unserer Miliz. Erst gestern ist ihr wieder der Abschuss eines Rennrades gelungen. Und ich bitte Sie, glauben Sie nicht die Lügenpropaganda, die die Medien über uns verbreiten. Die sogenannte „Beobachtungsmission“ von angeblichen „Studierenden der Fakultät für Architektur und Raumplanung der TU Wien“ ist ein klare gentrifizistische Provokation. Wir mussten diese feindlichen Agenten also festnehmen.

Aber sie sind doch selber ein Hipster?
Wer so etwas behauptet hat keine Ahnung. Wer ein Hipster ist, bestimme ich. Schauen Sie, wir wollen doch einfach nur unsere Ruhe haben, wenn wir am Meidlinger Markt in hippen Cafés sitzen und über Leute schimpfen, die in hippen Cafés sitzen.

Von wo geht derzeit die größte Gefahr für die FVM aus?
Zur Zeit kämpfen wir auf mehreren Fronten. Das Territorium rund um den Meidlinger Markt wird von den gentrifizistischen Kräften kontrolliert. Dort haben sie bereits ganze Straßenzüge mit Instagram-Filtern überzogen, patroullieren auf ihren Rennrädern durch die Gassen und terrorisieren die lokale Bevölkerung. Westlich davon liegt das Kerngebiet der Freien Volksrepublik. Dazwischen liegt noch eine demilitarisierte Hundezone. Doch wir haben auch große Probleme mit Hipstern und Bobos, die über die Nordfront aus Rudolfsheim-Fünfhaus oder aus Osten von Margareten aus einsickern. Von dort kommen auch immer wieder so Provokationen wie „ Meidling von der Karte streichen, Margareten muss bis Hetzendorf reichen!“ Wir überlegen daher die Errichtung eines antifashionistischen Schutzwalles.

meidling_2Und wo liegt das Korn im Hafer?
Ich verstehe diese Frage nicht. Wenn sie auf unsere Versorgungslage anspielen, die ist exzellent. Auf einer Inspektionstour durch unsere ganzen grindigen Vorstadtbeisln haben wir erst kürzlich wieder festgestellt, dass das Bier in Strömen fließt. Und auf einer Razzia am Meidlinger Markt haben wir unlängst neun Kisten Club Mate sichergestellt. An deren Vernichtung werden wir in den nächsten Monaten kontinuierlich arbeiten. Lange lebe die Freie Volksrepublik Meidling!

Beitreten zur FVM bitte hier.

No Comments

Sorry, the comment form is closed at this time.