Vilimsky hängt sich an den Ameriganern auf

vilimskyingruen„Verstehen Sie die Menschen, die Ihre Plakate kritisieren? Ich will mich nicht als Spaßbremse betätigen, aber diese Plakate passen nicht zu Ihnen! Sie sind doch nicht unpolitisch. Sie sollten sich von Ihren Leuten distanzieren“, sagt der angriffige Herr Nowak, Chefredakteur der Presse, der nichts von Maikäferchen, krummen Gurken oder Paradeisern hält. Alte Gärtner mit Brille und Strohut! „Doch, besonders, die Tomate gefällt mir“, antwortet die politische Politikerin Ulrike Lunacek. „Es geht um die Vielfalt von Obst und Gemüse. Die Konzerne, die das Saatgut verkaufen wollen …“ Nowak unterbricht: „Der arme Strasser!“ ORF-Redakteur Stoppacher zeigt das Plakat her, auf dem der ehemalige Innenminister, der bei Wutanfällen Laptops an die Wand schmiss, comicartig mit zu großem Kopf und a lá Oliver Twist hungerschwächelnd abgebildet ist. „Sie haben ja intern viel Erklärungsbedarf. Das Strasser-Bild ähnle einer Kampange der Freiheitlichen, sagt ihr eigener Pius Strobl“, kümmern und sorgen sich die beiden Journalisten um die Interna der grünen Partei. „Herr Strasser war Delegationsleiter im europäischen Parlament…“ „Sind Menschen nicht wichtiger als…“, unterbricht Nowak. „Der arme, noch nicht rechtskräftig verurteilte Strasser!“ „Tschuldigung, Herr Nowak, tschuldigung“, sagt Lunacek, wie noch öfter in dieser Sendung, „das Bild ist von der APA. Herr Nowak, es ist ganz klar, dass die ÖVP verhindert, dass es ein Transparenzgesetz gibt.“ „Nein!“, ruft Nowak, „das ist hanebüchen!“ Seine Augen sprühen Blitze. Vielleicht würde er auch gerne mal gefragt werden, ob er EU-Politiker werden will. Spitzenkandidat! „Der Schaden, der angerichtet wurde, gegen Geld Gesetze zu verändern, das Image des Europaparlaments ist immens geschädigt!“, ruft Lunacek. „Ich will ein Lobbyisten-Register und sehen, wieviel die ausgeben.“ Nowak staunt: „Warum sind Sie populistisch? Der Strasser ist doch kein Lobbyist!“

Die Sonnenenergie Putins
Stoppacher hängt geistig noch immer an den grünen Plakatmotiven fest, die sind ja auch viel interessanter als diese langweilige, undurchschaubare EU. „Ein Plakat soll plakativ sein. Wir haben ja sozusagen Wahlkampf“, ist die Antwort. Sehr schlau, die konfrontieren sie mit noch mehr Kritikern aus den eigenen Reihen – STUVAG, nannten wir das in der Schule, Stundenverkürzungsaktion, wenn wer z. B. ganz langsam die Tafel abwischte und sogar noch nachtrocknete. Die halbe Sendezeit ist bereits vorbei. (Was macht diese Lunacek eigentlich den lieben langen Tag in der EU?!) Diese seichte EVA-Zeitung aus Graz ist das nächste Thema, pf…, ich werfe den Staubsauger an. Sonntag, Hausfrauen Tag. „Die Kosten fürs Wasser sind in Paris nach der Privatisierung um 260 Prozent gestiegen.“ „Verseuchtes Grundwasser…“ „Sie wissen schon, dass es Exporte gibt. Die Industrie schafft Arbeitsplätze…“ „Ja, sie schafft schon Arbeitsplätze, es gehen aber auch ganz viele verloren.“ „Putin kann auch Sonne und Wind nicht abstellen“, höre ich beim Stühle rücken über den Staubsaugerlärm drüber.

„Albanien! Kosovo! Auch in die EU?!“ „Die EU ist ein Friedensprojekt, dort waren grausame Kriege, Traumata der Bevölkerung…“ „Flüchtlinge! Was tun Sie dagegen?! Wenn man die Tore aufmacht…“ Lunacek bleibt einschmeichelnd und freundlich, geht auf die ständig kleine Vorwürfe schleudernden Journalisten ein – „genau“. „Tschuldigung!“ Am Ende lacht der Stoppacher sogar einmal. „Jede Stimme zählt …, es gibt EU-Entscheidungen mit nur einer Stimme Unterschied!“, wirbt Lunacek. Nowak redet die ganze letzte Minute der Sendezeit selber: „Arbeitslosigkeit, Sparpolitik, Schuldenpolitik …“ „Man muss schauen, dass die Gesellschaft nicht kippt“, hört man noch von der EU-Politikerin. Wie von der Weiten, von Brüssel her. Viel Windenergie in dieser Sendung. Könnte man die nicht auch irgendwie nutzen?

„Man schießt nicht auf Leute“
Wolfgang Wagner vom ORF fürchtet sich nicht vor Harald Vilimsky und seinen „kulturfernen Migranten“: „Sie sind als einziger für Putin und Russland!“, hält er ihm vor. „Wir verstehen uns als neutrale Partei“, betont Vilimsky. „Es ist herzzerreißend, was in der Ukraine passiert. Die US-Soldaten wären da tätig…“ Mancher Fernsehzuschauer glaubt, sich verhört zu haben. Die Ameriganer?! Wieso das denn? „Vermeintliche Demokratiebewegung, es ist gefährlich, die Russen zu provozieren …“, Waldner stottert, bleibt aber dran. „Da wird mit gezinkten Karten gespielt, Jankowitsch wurde davon gejagt, dabei war er noch vorher bei Faymann, Spindelegger, Häupel zu Besuch!“ Die Freiheitlichen lieben das Verratsthema. „Eine Friedensbewegung mit Sturmgewehren am Maidan?  Man muss sich als Europäer nicht zum Spielball der Ameriganer machen. Wir hatten Blackhawk Soldaten am Maidan. Die Ameriganer …“ Ist das nun nur die beliebte Umdreh-Technik der FPÖ? „Der Spiegel berichtete darüber! Man schießt nicht auf Leute. Nackte Angst um ihr Leben …“ Genau, er redet aber von Jankowitsch, dem verflossenen Premier der Ukraine, nicht von den am Maidan getöteten Menschen. Irgendwie habe ich das Gefühl etwas verpaßt zu haben. Ich habe doch gar nicht mehr gestaubsaugt?

Beim Zeit im Bild-Faktencheck kommt heraus, dass das „Klagemauer-TV“ (Was für ein Name!!) von Spiegel Online übernahm, das von der Bild am Sonntag übernahm, dass es in der Ukraine US-Soldaten gibt. Aber erst jetzt. Vom Maidan stand in der Bild nix. Sagte der Bild-Redakteur auf Nachfrage. Vilimsky hängt sich an den Ameriganern auf. Obama praktiziert die Todesstrafe, Putin hat sie schon längst abgeschafft. Waldner bringt die Abstimmung unter  Waffenbedrohung auf der Halbinsel Krim ein. „Abstimmungen… Es gibt immer Kritik! Die Mariahilferstraße! Und diese Conchita Wurst!“ Und beim Settele im Taxi mitfahren darf auch nicht jeder.

Manneken pis in Meta-Jerusalem
Vilimsky ist gegen US-Überwachungs-Wahnsinn, EU-Zentralismus und Conchita-Homosexuellen-Gender-Wahn. Ulla Kramar-Schmid vom Profil beobachtet ihn scharf durch ihre Brille. Vilimsky: „Der Staat fördert die Familien ja nur, weil die Leben schenken können. Pensionsystem, Sozialausgaben – deswegen fördert der Staat das ja!“  Dann geht es um eine Art Renationalisierung der EU. „Brüssel sollte keine Stadt mit sakralem Charakter sein – so eine Art Meta-Jerusalem.“ Und: „Seit den Lehmann Brothers füttern wir die Banken.“ Ulla Kramar-Schmid: „Der Meinung kann man schon sein. Die EU-Kommission fördert mehrere Maßnahmen, um Banken in Schranken zu weisen, wie Sie ja plakatieren. Warum stimmten die EU-Abgeordneten Mölzer und Obermayer dann dagegen oder waren nicht da bei der Abstimmung?“ Kramar sitzt ganz locker da, einen Arm lässig nach hinten über die Stullehne gehängt. Vilimsky: „Ich brauche keinen Regulierungs Wahn.“ Kramar: „Sie weichen mir aus. Sie plakatieren Banken in die Schranken und ihre Mandatare stimmen dagegen.“ Vilimsky: „Das nackte Abstimmungsverhalten zählt nicht. Das können wir nicht so im Raum stehen lassen. Das hätten Sie mir vorher sagen müssen.“ (Oh je,von wegen Stühle im Raum stehen lassen – Boden wischen muss ich auch noch.)

Ula: „Jugendarbeitslosigkeit. Ihre Mandatare enthalten sich der Stimme. Sozialer Wohnbau, die stimmten dagegen. Der Steuerzahler müsste noch viel mehr zahlen, wenn die EU die Haftungen der Länder für die Banken nicht abgestellt hätte.“ Da hat sich aber wer vorbereitet auf die Sendung. „Reden die nicht mit Ihnen oder wird den Wählern Sand in die Augen gestreut?!“ Beinhart ist die, aber sonst wird man wohl auch nix beim Profil. Wirtschafts-Enthüllungs-Journalistin! Vilimsky geht erstaunlicherweise nicht in die Luft. Irgendwie ein untypischer FPÖler. Oder schon an Vorhaltungen gewöhnt und immunisiert. Sogar Mölzer kriegte manchmal diesen eiskalten  Giftschlangen-Blick oder vergass sich… Der hier regt sich nur über die Mariahilfer und den ORF auf – ein typischer Wiener? „Wenn Sie uns helfen, der ORF, kommen wir auf über zwanzig Prozent bei der EU-Wahl.“ Mit dem Settele Taxi fahren! Im Fernsehen!

Von Kerstin Kellermann

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