Mlinar: „Warum kauft sich die EU kein Angriffsheer?!“

mlinar_450Eine blonde Frau, die anstrengend und nicht gefällig ist, und keinen automatischen Hofknicks vor der Kronenzeitung macht?! Krone-Redakteur Pandi ist in der ORF-Pressestunde von Stupor geschlagen. Angelika Mlinar von den Neos redet urschnell und selbstbewußt. Als Draufgabe kriegt der Zuseher ein blaues Minikleid und Stöckelschuhe geboten, der Kameramann zeigt prompt ihre Beine unter dem Tisch her. Als Kärntnerin ist Mlinar ja einiges gewöhnt an Härtefällen und Härtetechniken, als Kärntner Slowenin sowieso. „Was ist daran unredlich?“ fragt sie, als thematisiert wird, dass der Unternehmer Haselsteiner ihre Partei mitfinanziert. „Ich gehöre nicht zu den Sprachrohren der STRABAG, so wie andere Sprachrohr von Raiffeisen sind, haha.“ Treffer, versenkt. So redet man nicht als Frau und schon gar nicht in der Pressestunde.

Eine gemeine Armee
„Sie wollen ein europäisches Heer, eine europäische Armee?“ – „Ich sage das gerne noch einmal (wieso wisst ihr nicht, was ich schon einmal gesagt habe?!), das österreichische Heer ist zu wenig effizient im Vergleich mit den USA.“ Kein Angriff, nur Verteidigung im Notfall, so was. Der Angriff, ein EU-Angriffsheer „ist ein Weg, der es wert ist, beschritten zu werden“. Na servas, zu wenig Effizienz im Angriff? Unser armes Bundesheer. Neutralität interessiert sie nicht. Neutralität? Schulterzucken. Pandi ist von den Socken: „Eine gemeine, äh gemeinsame Armee wollen Sie? Was passiert bei einem Hochwassereinsatz?!“ ORF-Redakteur Langpaul fasst zusammen: „Also eine europäische Armee, die bei Hochwasser nicht hilft …“ Sie muss lachen. Pandi: Neutralität! Mlinar: „Schüssel sagte als erster, dass die Neutralität nicht mehr existiert und das ist schon eine Weile her.“ Schüssel, der Kanzler aus der Steinzeit. Tja, er schaut gerade noch aus seinem Grab heraus. Seine Fliege. Angriffslustig ist die, sogar in Kleinigkeiten! Das kennt man sonst nur von Männern. Oder von Maria Fekter. Bzw. von der jetzigen Innenministerin: Wer in Syrien für den Frieden kämpfen will, kriegt die österreichische Staatsbürgerschaft aberkannt. Wir sind neutral! Sogar bzw. gerade gegen Mädchen. Deswegen nehmen wir auch sicherheitshalber keine syrischen Flüchtlinge auf, denn wer weiß, was die so alles gemacht haben, dass sie die Beine in die Hand nehmen mussten!

Folgen muss man schon
„So ist es!“, ruft Angelika Mlinar immer wieder, wenn die verwirrten Männer ihre Ansagen wiederholen. Überfahren ist auch ein Kommunikationsstil. Nächstes Thema: Flüchtlinge! Sie redet plötzlich wie ein Pfarrer und faltet sogar die Hände auf dem Tisch: „Wir, die EU-Wertegemeinschaft, haben gesehen, dass Menschen ertrunken sind, ersoffen! Dazu habe ich keine Worte. Man muss einen Schlüssel für die Aufteilung finden, wir können uns nicht aussuchen, wann ein Konflikt passiert, etc. etc.“ Es ist so interessant, dass die Taktik der Runtermache die gleiche ist, wie sonst in der Politik auch, bloß werden plötzlich ganz andere Dinge heruntergemacht. Menschen sind ersoffen! So ist es! Die Neos wollten 10.000 Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen. „10.000 Flüchtlinge sind drin!“, ruft sie. „Es steht uns nicht an“, sagt sie immer wieder, eine Kärntner Ausdrucksweise, die man erklären müßte. (Woher hat sie das? Uns, den Kärntner Slowenen, steht es nicht an, die deutsche Mehrheitsbevölkerung zu kritisieren? Oder, es steht uns nicht an, sie nicht zu kritisieren?) „Wir brauchen eine zweite Schiene neben den Flüchtlingen. Eine Migrationsschiene. Das ist es! Wir sind ein Kontinent, der ausstirbt.“ Dazu strahlt sie Pandi aufmunternd an. Der sitzt da wie ein Kind, das sich nicht entscheiden kann, ob das nun eine gute oder eine böse Tante ist. Provokativ und fröhlich auf die Positive bequatschend ist die, aber ein total scharfer Unterton dabei. Eingemeindung, Einverleibung. Folgen muss man schon. Zehn oder zwölf Arbeitsstunden pro Tag? Sie findet dasThema nicht wichtig. Wo soll die wöchentliche Höchstarbeitszeit liegen? Soll es gesetzliche Grenzen geben?! Es ginge immer allein um die „Verhandlung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer“, behauptet Mlinar und nach längerem Nachdenken fällt ihr noch ein, dass es ja unterschiedliche Berufe gibt. „Wir sind überreguliert, vor allem was die Ladenöffnungszeiten betrifft.“ Tja, wenn man dann fröhlich und selbstbestimmt um 21 Uhr aus dem Büro kommt, kann man nur noch beim Türken oder am Bahnhof einkaufen gehen, so was. Wie geht die Werbung? „Neos schauen über den Tellerrand“.

Schwarzblau will geliebt werden
Freihandelsabkommen? „Ich fürchte mich eher selten, haha“, ist die Antwort. „Wir sind Freunde und Anhänger des freien Handels. Warum tritt die EU als größter Markt nicht selbstbewußter auf?“ Aber endlich eine, die den Wirtschaftsminister kritisiert. „Für Österreich verhandelt der Wirtschaftsminister – der erklärt nichts in der Öffentlichkeit. Ich verstehe das nicht. Wo sind die Verhandler?“ Pandi erholt sich langsam: „Nachdem Sie immer die Liebe predigen… – die schwarzblaue Koalition!“ – „Sie fragen mich aber nicht ernsthaft als Kärntner Slowenin, wie ich die Sanktionen gegen die schwarzblaue Koalition sehe? Ich habe die schwarzblaue Koalition als Fehler gehalten, Schüssel übergab Haider Österreich.“ – „Ich als Kärntner Slowenin“ – das ist schon stark, war eigentlich schon jemals ein Slowene in der Pressestunde? „Was wären Ihre Forderungen?“ – „Die slowenische Musikschule …“

Pandi klopft Mlinar nach bewährter Manier auf Schwachpunkte ab, bei denen er einhaken könnte. Pension, Flexi-Pension, „du kriegst raus, was du eingezahlt hast“ – Na, sozial ist die nicht! Geht allein von jungen „Leistungsträgern“ aus, die privilegiert für ihre Variante von Leistung „adäquat“ bezahlt werden. Die „sozial Schwachen“ brauchen ja wohl keine Pension, oder?! Nur die, die was leisten, sollen überleben – das ist Sozialdarwinismus. Wasserversorgung privatisieren? „Erklärts mir (Jungs), warum ist das unrealistisch?!“, lachend, strahlend, blond. „Warum muss sich der Staat um den Müll kümmern?“ ORF-Redakteur Langpaul versucht ganz langsam, ihr soziale Inhalte zu vermitteln. „Damit ein Brief auch in das hinterste Tal ausgeliefert wird und nicht nur in der Stadt.“ – „Aber bitte, wie effizient ist das?“, ist die Reaktion. Sie klingt wie ein rebellisches Mädchen, das gegen die Eltern protestiert und deren Lamentos nicht mehr länger anhören mag. Zu wenig Autobusse in die Stadt? Warum kauft ihr euch kein Auto?!

Kosten für tote Feinde
Auch bei den Banken steht sie lieber auf der Gewinner-Seite. Und ist fürs Auslaufen der Bankenabgabe. „Wir sind leider so gestrickt, dass es Arme und Reiche gibt.“ Und mit hoher Mädchenstimme: „Was ist eine faire Gesellschaft?“ (Unter den Kärntner Slowenen gibt es auch viel Konservative. Und sogar einen kleinen Nationalisten, der neben Haiders deutscher Eiche eine slowenische Linde pflanzte.)

Krone-Pandi fragt, woher sie ihre Energie beziehe? „Ich beziehe Kraft aus solchen Debatten.“ Whow, sie zieht Pandi Energie ab, der hat schon ein Loch und wundert sich über seinen Energieschwund. Im „Zeit im Bild“-Faktencheck wird dann am Abend die Anzahl der Kampfpanzer der USA mit denen der EU verglichen. Angelika Mlinar habe demnach eher recht, wenn sie dem österreichischen Bundesheer Ineffizienz und hohe Kosten vorwirft. Wie misst man denn die Effizienz eines Heeres? Wieviel Tote es produziert? Wie billig man einen Toten kriegt?

Autorin: Kerstin Kellermann

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