Härter als Kruppstahl

hahnstahlTiefe Stimme, sonorer Tonfall: Der ehemalige Wissenschaftsminister Hahn hat in Brüssel mächtig an Selbstvertrauen dazu gewonnen. Und zeigt sich im Fernsehen gleich äußerst unwirsch. Es geht um die Ukraine: „Frau Doktor Föderl-Schmid, was für Zahlen haben Sie da? Es geht um das große Geld. Die Weltbank wird kommen, um das SERIÖS zu erheben. WIR werden in die Ukraine fahren und den Bedarf erheben. Es ist UNseriös, jetzt schon Zahlen …“ Die Standard-Chefredakteurin wiederholt unbeirrt ihre Frage. Leutln! „Das ist mir zu unpräzise. Das ist allen Verantwortlichen zu unpräzise.“ Wer interviewt hier eigentlich wen in der Pressestunde? Die Journalistin soll bitteschön die Zahlen liefern, doch nicht der EU-Kommissar. „Sie dürfen uns Zahlen nennen“, meint ORF Innenpolitik-Chef Bürger. „Das war an politische Bedingungen geknüpft, das Geld bisher …“, sagt Hahn. (Na logisch! In Jugoslawien hat die Weltbank ja schließlich auch die Arbeiterselbstverwaltung vernichtet. Es geht um das große Geld!) Hahns lila-klerikale Krawatte signalisiert: unangreifbar!

Putin einbremsen!
Hahn hätte sich wohl schon als Außenminister imaginiert. Aber in der EU darf er sicher bedeutend mehr finanzielle Mittel herumschupfen. „Wir haben ja auch einen Außenminister“, sagt Bürger. „Das Telefon ist schon hundert Jahre erfunden“, antwortet Hahn in bewährter Runtermache-Manier. „Ich habe gerade mit Sebastian Kurz telefoniert.“ Der Finanzierungsbedarf der neuen Regierung der Ukraine! „Man muss realistisch bleiben. Das wäre unrealistisch. Es braucht Augenmaß, das Augenmerk …“ Bürger bleibt die Luft weg, Halbinsel Krim, NATO, kommt es zu einem richtigen Krieg?! Gott! „Ich bin nicht Gott“, antwortet Hahn sinngemäß. Aber knapp dran. Zwei Wolken drunter sozusagen. „Das Orakel wurde in Europa erfunden.“

Masslos enttäuscht von Putin
„Wir haben den russischen Präsidenten bei der Olympiade bis ins Österreichhaus gezerrt“, sagt Bürger, und im Fernsehen gezeigt – mehrmals in der Zeit im Bild, Prime Time, ein lächelnder Putin! – „Und jetzt das …“ „Ich bin masslos enttäuscht“, sagt Hahn. „Die Russen haben es nicht geschafft, ihre Wirtschaftsleistung zu reformieren. In einer multipolaren Welt zu fünfzig Prozent auf Gas und Öl zu setzen …“ Bürger glaubt weiterhin an die Wirkung von Autoritäten. „Stimmt es, dass Merkel Putin das ins Gesicht sagt?!“ – „Ich war zweimal dabei, es wird eine deutliche Sprache gesprochen, und vice versa“, tönt der wichtige Hahn. „Wird der Gas- und Öl-Hahn abgedreht?!“, fragt Bürger. „Wir haben die Reserven, sagt Mitterlehner. Was WIR als Europäische Union machen … das ist keine besonders schwierige Rechnung. Wir kennen die Lager.“

Nächste Partie: die Hypo Bank. Hahn: „Wir, die Europäische Union, ich und der Wettbewerbs-Kommissar fanden einen Modus Vivendi.“ Föderl-Schmid: „Zahlen hat die Europäische Union keine genannt“. Hahn: „Es wäre vermessen zu glauben, dass wir die Zahlen haben.“  Bürger: „Keiner weiß, was uns das Hypo Desaster kostet. Das kann doch nicht sein?!“ Alexandra Föderl-Schmid bemerkt etwas: „Frau Doktor! Erst brauchen wir die Analyse. Wir können nicht ständig mit Hypothesen arbeiten. Das wäre unseriös.“ Zu Herrn Bürger sagt er nie Herr Magister. Sie fragt noch einmal nach. „Jetzt wird es langsam redundant. Noch einmal in Hemingwayschen (sic!) Hauptsätzen: Die Bayern sollten einbezogen werden.“ (Also mir persönlich ist echt der wolkige Spindi mit seinen Größenwahn-Entfesselungs-Fantasien lieber als diese unbeugsame Härte. Wissenschaftsminister Hahn lud ja auch gerne islamische Hardcore-Feministinnen nach Wien ein. In die Hofburg. Solche wie Seyran Ates, die sogar ihrer eigenen Mutter das Kopftuch herunter reissen würde, wenn die eins träge!)

Weiteres fröhliches JournalistInnen Bashing: „Wer maßt sich an, was fachlich ist?!“ oder „Was ist Ihre Alternative? Eine diktatorische Entscheidung?!“ „Frau Föderl-Schmid, Sie waren dabei?“ „Nein, ich war nicht dabei.“ Sie wird aber nicht unsicher durch die Giftpfeile, sondern seltsamerweise eher fröhlicher. Und fragt unverdrossen weiter: „Die SPÖ will den EU-Kommissar gar nicht haben? Oder geht es ORF-General gegen EU-Kommissar?“ Was für Verhältnisse! Unseriös!

Härter als Stahl
„WIR haben 600.000 Arbeitsplätze geschaffen“, tönt Hahn. „Wir verlangen mittlerweile von Griechenland und anderen Staaten eine Strategie, in welchen Sektoren das Geld ausgegeben wird. Wir brauchen eine Industrialisierung. Ich war in Manchester. Dort wird ein Material erfunden, das härter als Stahl ist. Was glauben Sie! Das wird Stahl ersetzen. Dafür habe ich eine Milliarde Euro an Forschungsgeldern zur Verfügung gestellt!“ Grafin Center oder so ähnlich, heißt das. (Ich kriegte den Namen des Materials nicht ganz mit. Wofür? Noch härter als Stahl? In meinem Nachbarhaus setzen die Bauarbeiter gerade Stahlträger ein und unser Haus wird in den Grundfesten erschüttert. Der Schreibtisch wackelt, es ist 20 Uhr abends. Mehr Macht den Bau-Lobbies!) Manchester wird wie Silicon Valley, schwärmt der EU-Kommissar für Regionalpolitik. „Sie sind ja immerhin für ein Drittel der EU-Gelder verantwortlich“, sagt Föderl-Schmid. Immerhin?!

„Es ist notwendig, in die Betriebe zu investieren, denn die Unternehmer müssen unterstützt werden, damit Jobs in den Betrieben entstehen“, schließt der ÖVP-Politiker, den die SPÖ (Verkehrsministerin Bures! Beton! Stahl!) auch ganz toll findet. Lieber den ORF und seine  aufmüpfigen JournalistInnen kontrollieren, als riesige finanzielle Mittel in die Hand zu nehmen!

Protokolliert von Kerstin Kellermann for the Hydra Steel & Leather Corp. Ltd.

No Comments

Sorry, the comment form is closed at this time.