Die Ausgrenzung des warmen Budgetlochs

    Hätte Warhol Strache gemalt? Wenn, dann auch sicher nur mit Photoshop.

Hätte Warhol Strache gemalt? Wenn, dann auch sicher nur mit Photoshop.

„Das BüüüdgeeetLOCH …!“, beginnt Herr Pandi von der Krone und dehnt genüßlich die Vokale. Er mag Löcher und er mag Vorwürfe. Herr Strache kommt diesmal gar nicht dazu, seine Vorwurfsmasche auszupacken, denn in dieser Pressestunde wird er selber mit Anschuldigungen überhäuft. Ein ganz neues Gefühl. „Das Budgetloch …, eiskalt gelogen, gezielter Wahlbetrug.“ Herr Strache kriegt eine sonore Stimme, spricht durch die Nase, ein souveräner Tonfall ist angesagt. Pandi unterbricht ihn: „Wir reden von einem Loch.“ Strache: „Betten, Betten, Betten.“ Pandi: „Loch!“ Strache: „Akutbetten! Pflegebetten! Desorientierte Spitäler!” Pandi lehnt sich zurück, angriffig würde man den kleinen Krone-Liebling in Neusprech nennen.

Auftritt ORF-Redakteurin Patricia Pawlicki, mit einer gepflegten Unterstellung: „Wenn Sie so viele gute Ideen haben, sollte ihr politisches Geschick bei den Budget-Verhandlungen gefragt sein. Was tun Sie, damit man mit Ihnen redet?!“ Strache trauert den „verlorenen Stimmen“ für das BZÖ und das Team Stronach nach, hätte er diese Stimmen erhalten, könnte „endlich die Ausgrenzung beendet werden“, träumt er mit offenen blauen Augen. Pandi: „Das Loch! Welche Industriellen und Ökonomen bekennen sich überhaupt zu Ihnen. Wer?!“ Strache: „Dreifachmagister … Steuerfachrecht … der Verachtungsstrudel.“ Der Verachtungs-Strudel? „Keiner will sich zur FPÖ bekennen, weil er dann in einen Verachtungsstrudel gerät“, nickt Pandi wissend.

Stalkende Kornblume
Strache kontert mit eiskalter Wut. Er hält Frau Pawlicki ihren Gatten, den Chefredakteur des Kurier, vor und Klaus Pandi gendergerecht auch gleich dessen Gattin, die SPÖ-nahe wäre. Daraufhin zuckt die flotte ORF-Redakteurin, die sogar im Sitzen größer als die beiden Männer ist, aus: „Sie haben sogar mein Haus gefilmt! Sie haben mich gestalkt! Als Frau verfolgt!“

Na servas, mein Herz klopft. Von Herrn Strache plus blauer Kornblume will ich absolut nicht gestalkt werden. Ich halte mich an meinem Sofa fest. „Wir reden hier nicht über meinen Mann, sondern über das BUDGETLOCH!“, wird Pawlicki laut. (Im Asterix und Obelix ist immer so schön gezeichnet, wenn jemand der Wind um die Ohren bläst vor lauter Gebrüll. Hier nicht. Es gibt auch keine Zeitlupe und keine Wiederholung.) Strache ungerührt: „Blablabla, meine Lebensgefährtin …“. Doch die erprobte „Hohes Haus“-Redakteurin  schenkt ihm nichts: „Herr Strache, Sie tun hier nichts verwechseln. Stichwort Budgetloch. Pensionen!“ Beide schauen blaß aus. Pandi starrt Strache an, normalerweise besetzt doch er die Hauptrolle als Mann, der die Giftpfeile aus dem Köcher holt.
„Mich interessiert Ihr Privatleben nicht. Warum senden Sie Ihre Trennung über den FPÖ-Parteidienst aus?“ Pandi klopft mit seinem glänzenden Lackschuh ungeduldig auf den Boden, wie uns der Kameramann zeigt. Strache: „Belastungsgrenzen, Beziehungsgrundsätze …, es ist nicht leicht im Privatleben in solchen Positionen.“ Pandi: „Ich fühle mich wie bei den Seitenblicken“ und er zieht die Trumpfkarte, um diesen überbordenen Polititker an der Nase  zu führen: „Thema Migration! Flucht!“

Allegorien und die „Invasion der Warmen“
Strache springt selbstverständlich auf das Thema „Flüchtlinge“ an: „Vorgeblich oder angeblich verfolgt …, gute Unterkünfte, Verköstigung! Taschengeld!“ Krone-Pandi schlägt vor, Entwicklungshilfegelder in die Regionen zu schicken. Tja. Strache sagt das erste Vernünftige in dieser Sendung, nämlich, dass er nicht die Korruption in Diktaturen fördern will. Aber dann geht’s schon wieder los: „Das kostet uns weniger, wenn wir in den Ländern fördern, dass die dort bleiben.“ 500 Millionen „Schwarzafrikaner“ würden gerne die Reise antreten, behauptet Strache. Pandi zweifelt, höflich formuliert, seinen Verstand an. Strache: „Überspitzte Aussage! Allegorie! Gewisse Bereiche muss man mit einer Überschrift sichtbar machen.“ Pandi: „Sie bleiben dabei!“ Strache findet 500 Millionen Schwarzafrikaner, die Europa überrennen, ein schönes Bild. Er lächelt zufrieden. Man sieht, die realen Afrikaner sind ihm eh egal, es geht ihm nur um seine tolle Allegorie.

Geschluckte Krot
Weiter geht’s mit der fröhlichen gegenseitigen Runtermache: „Spitzenmann“ Andreas Mölzer und seine „Invasion der Warmen“, der „Brüsseler Verschwuchtelung“. Strache fährt mit Conchita Wurscht dagegen, die ohne Publikums-Voting zum Song Contest fahren darf. Pandi packt Marie Le Pen aus, die nicht einmal einen geschenkten Strache haben will und „sich nicht schmutzig machen will“: „Sie spielen eine Nebenrolle. Man schluckt die Krot.“ Die „neuen Juden“ (na servas), die „Reichskristallnacht“, Antisemitismus. Strache legt sich ins Zeug: „Im Nationalsozialismus ist das schlimmste Verbrechen passiert“, sagt er über den Tisch gebeugt, und im gleichen Atemzug, „andere Menschen als Nazi zu bezeichnen, diese ungeheuerlichen Beschimpfungen und Verharmlosungen, das müßte mit dem Strafrecht bestraft werden“.

Da sind sie wieder „die Scherben der Nächstenliebe“, und nicht nur die der Kirchen-Männer. „In einer Demokratie muss man über seinen Schatten springen“, sagt Strache noch. Auf ins warme Budgetloch.

Von Kerstin Kellermann, exklusiv für Hydra verfasst

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