Hochgemetzelt und niedergefeiert!

hf zombietypex350Spaß & Splatter
Also schreibt ein gewisser MaSo auf Horrorundco.: „Curt Cuisine nimmt hier Thomas Bernhards Abrechnung mit der Wiener Gesellschaft aus den 1980er Jahren, transportiert sie in die Gegenwart und macht aus den Wienern Zombies. Da ich zwar HOLZFÄLLEN von Thomas Bernhard nicht kenne, aber einige andere seiner Werke und mit seinem Stil einigermaßen vertraut bin (außerdem mag ich den Bernhardschen Stil), muss ich als erstes anerkennen, dass Cuisine den Tonfall Thomas Bernhards gut trifft. Und es ist, wie er im Nachwort selbst schreibt, auch ein dankbarer Tonfall für einen Zombieroman. Der Ich-Erzähler sitzt in der Ecke, schaut dem Treiben der Zombie-Gesellschaft zu und grantelt rum, über die Zombies, die Vampire und überhaupt alles und jeden. Das macht Spaß und der Splatter kommt auch nicht zu kurz.“ Weiters werden die anderen Texte wohlwollend erwähnt, bevor das Fazit kommt: „Das Buch HOLZFÄLLEN UND NIEDERMETZELN schafft genau das, was beabsichtigt war. Es macht Spaß. Besonders viel Spaß macht es, wenn man die Originale kennt oder zumindest grob weiß, worum es in den Werken geht. Wie jede gute Persiflage sind die Geschichten auch als Hommage an die jeweiligen Autoren zu verstehen. […] Allen Autoren gelingt es aus den Vorlagen „vernünftige“ Zombie-Geschichten zu machen, die auch einigermaßen funktionieren, wenn man die Originale nicht kennt.“ Geht runter wie ein Achterl Jungfrauenblut, kann man dazu nur sagen.

http://horrorundco.blogspot.de

015_MM_0_0_010713Höchste Vollendung
Ebenfalls Lob in höchsten Tönen gab es von Florian Hilleberg auf Literra.info: „In „Holzfällen und Niedermetzeln“ unter der Herausgabe des Satiremagazins Hydra geht es nun der österreichischen Weltliteratur an den Kragen – und dass auf höchst amüsante und blutige Art und Weise, was man dem schmalen, unscheinbaren Büchlein jedoch keineswegs ansieht. Im Gegensatz zu den Klassikern des Genres, zu denen Seth Graham Smith‘ „Stolz und Vorurteil und Zombies“ gezählt werden muss, werden im vorliegenden Band jedoch nur Ausschnitte zombifiziert. Im Fall von Thomas Bernhards „Holzfällen“ ist diese Entscheidung nur zu begrüßen. Ich muss gestehen, dass ich erst über diesen Band mit dem Werk Bernhards vertraut wurde, doch abzüglich der Untoten und Werwölfe stellt sich mir die Frage, ob ich mir das stumme Lamentieren des Protagonisten im Original über 300 Seiten hinweg tatsächlich antun muss. Da ist mir die Zombie-Version deutlich lieber. Aus dem künstlerischen Abendessen ist ein kannibalisches Abendmahl geworden, bei dem jedoch der Ich-Erzähler der einzige Mensch ist. Das genial-groteske an der literarischen Verunglimpfung durch Curt Cuisine ist aber, dass der Autor im Original ähnlich rigoros mit den Charakteren abrechnet, und einige Passagen aus der Zombie-Version sicherlich die Zustimmung des Autors gefunden hätten. Hier erlebt der Zombie-Roman seine Funktion als beißende Gesellschaftssatire in höchster Vollendung.“ Auch hier werden die anderen Geschichten ebenso gewürdigt, dass schöne Schlusswort lassen wir aber aus, sonst wird’s gar zu kitschig.

http://www.literra.info

hf 20er-rez450Untergangsmelancholie
Unbedingt erwähnen müssen wir die sonst eher verhaltene Kritik von Dominika Meindl auf kupf.at, weil dort endlich auch Gregor Fröhlich das kriegt, was er verdient: „Den kleineren Teil des Buches nehmen Versuche über Schnitzlers «Leutnant Grusel» (natürlich im legendären stream of consciousness), Kafkas «Die Verwesung», Handkes «Die Angst des Zombies vor der Schrotflinte» und Joseph Roths «Radetzkymatsch» ein. Letzterer ist von allen Texten der gelungenste, die Untergangsmelancholie Trottas passt schön zur Zombieinvasion. Das alles ist an sich lustig und angenehm respektlos, beim Schreiben muss das großen Spaß gemacht haben; bald aber hat die Lesende den Schmäh intus und wünscht sich insgeheim ein wenig mehr Abwechslung, vor allem bei etwas beschränkter Liebe zum Topos «Zombies». Wer sich (wie die Rezensentin) nicht übermäßig für Untote erwärmen kann, hat eventuell um geschätzte 13 Prozent weniger Genuss. Und überlegt dann, die berühmten Originale doch wieder einmal zu lesen. Ist ja auch kein schlechtes Ergebnis.“

http://www.kupf.at

Aufbluten oder 9 Sterne?
Es gibt weitere nette Erwähnungen (siehe die Bilder links und rechts, und unten natürlich „der“ Verriß). Auf Literaturgeflüster etwa wurde das Buch komplett nacherzählt, aber immerhin meint die Autorin, sie „kann das Buch jeden, der sich über die vielgelobte österreichische Literatur von Josepf Roth bis Thomas Bernhard einmal etwas lustig machen will, empfehlen, die jungen Leute von Hydra haben dabei wahrscheinlich ihren Spaß gemacht und man frischt sein vorhandenes Literaturwissen dabei sicher auf oder sollte ich aufbluten schreiben?“ Sehr feines Fazit, wir sagen Danke. (http://literaturgefluester.wordpress.com)

Wohlwollendes gibt es auch von S. van Lure: „Die mitmischenden Autoren haben sich am Ende nicht einfach damit begnügt das Wort ‘Mensch’ durch ‘Zombie’ auszutauschen, sondern auch das Umfeld zombiegerecht angepasst, aus ihrer Zeit herausgerissen und etwas neues erschaffen, sodass von den Originalen nur eine grobe Handlung übrigbleibt. Wenn man so will kann man es auch als eine Adaptierung der alten Werke verstehen, denn eine Kenntnis der Originaltexte, die sich oft etwas zäh lesen, ist dafür nicht mehr nötig.“ (Ganz unsere Rede, haha.) Ergo: „Ich gebe daher 9 von 10 Sternen.“ Passt. Mehr wollten wir gar nicht. (http://vandalure.wordpress.com)

Lies das, Brad!
Besonders stolz sind wir natürlich auf die Erwähnung im deutschen „Spiegel“ (26/2013). Thema der Geschichte war zwar eigentlich der Zombiefilm „World War Z“ mit (und praktisch auch von) Brad Pitt, dieses pseudoseriöse Actionvehikel mit den spektakulären Zombiehorden, wo man am Ende nicht weiß, woher plötzlich das Pathos kommt. Anyway, der „Spiegel“ ohrfeigt Brad Pitt auch ordentlich ab, leitet die Geschichte aber mit einem Verweis auf unser Buch ein, nennt uns dabei „Spaßvögel“ ob unseres parodistischen Ansinnens, und kommt dann en passant zum Schluss, dass im Film die „jüngsten Zombieausbrüche in Österreich leider unbeachtet“ geblieben sind, denn das hätte diesem Schmonzes nur gut getan. So etwas liest man wirklich gerne. Und hofft, dass Brad Pitt daraufhin sofort ein Exemplar von „Holzfällen und Niedermetzeln“ geordert hat. Seine Friedensbotschaftergattin wird ihm das dann schon vorlesen. Gelle, Brad?

PS Die großartigen AutorInnen, die hier nicht alle erwähnt wurden, waren Curt Cuisine, Gregor Fröhlich, Konrad Gregor, Jürgen Miedl und Maximilian Zirkowitsch. Außerdem ist das Buch natürlich immer noch erhältlich, am besten gleich hier bestellen. Und hier folgt noch unsere Lieblingsrezension (samt originaler Tippfehler) …

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