Kaufen’s doch die ÖBB!

Sagte Spindi zu Stronach: „Kaufen’s doch die ÖBB!“ Also sagte hernach Stronach: „Würden Sie Ihr Geld in Spindelegger stecken?“ Eine Realsatire mit echten Politikern. In zwei echten Pressestunden. Vor allem aber in jener mit Frank Stronach. Aufgezeichnet und kommentiert von Kerstin Kellermann.

Frisch vom Friseur kommt er, der Frank Stronach. Seine weißen Haare türmen sich zu einem kleinen Berg über der Stirn, entfernt an die Leningrad Cowboys erinnernd. „Wissen Sie, wieviel Schulden wir haben?“, fragt ein Journalist in der ORF-Pressestunde. „Das ist wie ein Schneeball, der wächst zu einer  Lawine …“ – „Sieben Milliarden Euro Schulden. Wo sollen wir weniger zahlen?“, fragt Kurier Chef Helmut Brandstätter. Mit „wir“ meint er wohl die österreichische Bundesregierung. Stronach: „Das Fundament der Wirtschaft paßt nicht. Die größten Sorgen sind die mangelnden Arbeitsplätze, die Zukunft der Jugend und die sicheren Pensionen. Es muss für alle Profite geben! Für die guten Manager, die fleißigen Arbeiter und die Investoren! Die Arbeiter haben ein moralisches Recht auf Profite, weil sie fleißig mitgetragen haben. Die Wirtschaft wird angekurbelt, wenn die Arbeiter mitbeteiligt sind, dann kommt Schwung hinein!“

Genau falsch nämlich!
Brandstetter schaut ungläubig, „fleißige Arbeiter“ scheint für ihn ein Fremdwort zu sein. Dürfte in seiner Sozialisation nicht vorgekommen sein. „Wir könnten zehn Prozent an die Arbeiter geben. Die Arbeiter zahlen derzeit mehr Steuern als die Unternehmer!“ Brandstetter scheint sich weder mit Sozialismus oder Kommunismus so weit auszukennen, als dass er einschätzen könnte, was diese Aussagen bedeuten. „Man muss den Arbeitern mehr geben, dann kommt die Wirtschaft ins Laufen!“ Ein Millionär als Arbeitervertreter?! Die Löhne sind in Österreich viel zu niedrig, das weiß aber keiner der beiden journalistischen Herren hier. ORF-Nachrichtenchef Dittelbacher übersetzt prompt in „Mitarbeiter-Beteiligung“ und kriegt fast keine Luft mehr. „Die fleißigen Mitarbeiter …“, sagt er und erklärt Stronach die Welt. Dieser antwortet demütig und lieb: „Ich komme zur Basis zurück. Die österreichischen Arbeiter profitieren nicht davon, wenn die Konzerne im Ausland investieren. Konzerne zahlen keine Steuern. Firmen sollten ihre Verluste im Ausland nicht in Österreich abschreiben können.“ Brandstetter kapiert ihn nicht und wiederholt: „Das hilft, wenn österreichische Konzerne im Ausland investieren …“ „Genau falsch“, sagt Stronach. „Das ist nicht korrekt. Das schadet den österreichischen Arbeitern.“

Slums und keine Steuern
Dittelbacher schaut Stronach eindringlich in die Augen, wie ein Doktor seinem Patienten: „Sie wollen Polizisten und Krankenschwestern einsparen? Wie soll das gehen?“ „Die Verwalter wird es treffen, die Aufsichtsräte und deren Chauffeure, die können wir reduzieren“, hält Stronach dagegen. Dittelbacher: „Das sind Peanuts!“ Stronach: „Das sind Hunderte von Millionen Euro.“ Große Firmen müssten Steuern zahlen, findet er. „In Österreich floriert nur die Freunderlwirtschaft“. Brandstetter höhnt: „Wir gehen hier raus und fallen in die Slums hinein.“ „Es gibt keine Zauberformel für die Wirtschaft“, sagt Stronach. „Wir müssen immer schauen, was ist fair, was ist gerecht für die Leute. Keine Schlupflöcher oder Grauzonen für Steuerhinterziehung. Ich gebe Geld hinein, um das korrupte System zu ändern. 20 bis 25 Millionen.“ Dittelbacher sucht Angriffspunkte: die Familie! Abgeschmettert: „Wir haben das in unserem Gewissen, dass wir ein Teil unseres Gewinnes an die Menschen weiter geben, um Armut zu vermeiden.“ Nächster Angriffspunkt, diesmal von Brandstetter: „Sie wollen die ÖBB kaufen?!“ Stronach liest den Kurier nicht, denn: „Ihr müßt an die Machterhalter berichten, werdet von der ÖVP bezahlt …“ Tja. Brandstetter schluckt nicht einmal. Stronach: „Das stimmt nicht, das habe ich nie gesagt! Mit der ÖBB! Das war ein Zitat von Herrn Spindelegger! Der meinte, wenn Stronach wirklich etwas für Österreich tun will, soll er die ÖBB kaufen!“

Stronach schrieb auch wirklich an die SPÖ-Verkehrsministerin Bures einen Brief, dass er Österreich dienen will. Was für ein Gegensatz zur letzten Pressestunde, in der Michael Spindelegger ständig seine Zauberformel einer „Entfesselung der Wirtschaft“ beschwor, ohne die jemals zu konkretisieren. Stronach spricht hingegen so schöne Sätze wie: „Es gibt viele Frauen, die mit ihrem Gehalt nicht auskommen können“ oder „Es ist leicht, glücklich zu sein, wenn man ein bissl Geld hat!“ Ihm mache es Spaß, die Gesellschaft zu gestalten. Spindelegger dagegen am letzten Sonntag: Er mache eh immer so tolle Vorschläge, aber seltsamerweise führe die dann keiner aus. Er hätte mit seinen Vorschlägen seine Schuldigkeit getan … und wasche seine Hände in Unschuld sozusagen.

Kein Haß und schöne Frauen
Fritz Dittelbacher boshaft: „Sie meiden harte Worte, wie die Lehrer sollten mehr arbeiten.“ – „Sie wollen, dass ich auf die Arbeiter hinschlage, auf die Lehrer …“ Dittelbacher: „Sie hassen die Politiker!“ „Stronach haßt nicht!“ Kurierchef Brandstätter: „Warum sagen Sie nicht einmal, dass Sie von diesem System profitieren?!“ Wie doch „wir“ eigentlich alle, nicht wahr?! Stronach: 30.000 Arbeitsplätze geschaffen, weniger Profit, als wenn er seine Fabriken in Polen oder der Ukraine errichtet hätte …,  sogar seine Aktionäre wollten lieber im Ausland produzieren … Brandstätter sucht noch immer einen Angriffspunkt: Stronachs Liebesleben. Seine letzte Zuflucht: Das Patriarchat! Sexismus! Abgeschmettert. Stronach lächelt nur: „Ich gehe lieber mit schönen Frauen aus als mit dummen Männern.“ Sein Fazit: „Jetzt haben die Österreicher die Möglichkeit, jemanden mit Charakter zu wählen. Würden Sie Ihr Geld in Spindelegger stecken?! Wieviel Sozialabgaben hat der von seiner eigenen Tasche gegeben? Sicher noch keinen einzigen Euro!“

Aufgezeichnet von Kerstin Kellermann

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