Die „Schreibtischtäter“ der Demokratie

„Geldversenkungs-Aktionen!“, tönt es aus dem Fernseher. BZÖ-Obmann Josef Bucher bringt dem Zuseher gerade sein wirtschaftspolitisches Verständnis näher, als ob er nur ebenfalls wie wir auf dem Sofa ein armer Zuseher und kein Politiker im Parlament wäre. It’s Pressestunde-Showtime: „Sie werden nach diesen ganzen Geldversenkungs-Aktionen keine Pension erhalten, Herr Nowak!“ Presse-Chefredakteur Rainer Nowak, im schwarzen Anzug mit schwarzer Krawatte wie für das BZÖ-Begräbnis gekleidet, ist der gleichen Meinung. Stört ihn aber nicht weiter. Na ja, er kann ja jetzt noch ein bißchen sparen. Und anlegen. Und Geld in private Pensionsvorsorge versenken. Bucher feilt weiter am Pensionskatastrophen-Szenario: „Das Geld fehlt am Markt, weil die Banken es zurückhalten, dann kommt es zu Konkursen und Betriebsschließungen … Wenn wir (die Unternehmer?) die Jugend nicht ausbilden, kriegen sie keine gut bezahlten Arbeitsplätze und können unsere Pensionen nicht zahlen!“

Die Bayern sind schuld
Bucher: „Jörg Haider holte in Kärnten Betriebe an Land.“ (Aus dem schönen Wörthersee?)  Nowak protestiert: „Genug gezahlt, für die Hypo und für die Kulturaktivitäten.“ Bucher, der Schmeichler, der im Parlament hochzufrieden neben der grünen Kärntnerin Eva Glawischnig sitzt: „Ich lese Ihre Zeitung gerne … Wirtschaftskompetenz … irgendeine Bank auf diesem Planeten … Aber Sie bringen Ihre Blattlinie in eine Schieflage. Die Bayern sind schuld!“ Nowak fixiert Bucher streng, der muss tief durch atmen: „Ich kenne Ihre Taktik. Der Bock macht sich selbst zum Täter.“

Unternehmer müssen Mitarbeiter zahlen!
„Was macht Sie glaubwürdig, wenn Sie eine Schuldensenkung fordern?“, fragt die ORF-Journalistin Brigitte Handlos. „Ich habe keine Schulden“, meint Bucher, „meine Eltern führen noch den Betrieb, ich will auf die Not der kleinen Unternehmen schauen. Die kleinen Unternehmen werden von den Banken schikaniert, da muss der Staat doch etwas unternehmen!“ Die armen Unternehmer müssen „Rohmaterialien kaufen und Mitarbeiter bezahlen“!
Handlos: „Das fragen sich Ihre Wähler auch, warum sie für die Hypo so viel zahlen sollen …“ Bucher: „Es war ein Schwachsinn, die Hypo zu verstaatlichen. Die Bayern hätten zahlen müssen. Bitte recherchieren Sie. Sie haben etwas Anderes als alle Anderen geschrieben, Herr Nowak? Danke!“

Nowak später stur: „Die Lehrer kosten schon Geld“, er will die Lehrer nicht „subventionieren“. Bucher will ein Leistungsprinzip für Lehrer einführen, „wer sich mehr einbringt, verdient mehr…“ (Pro Minus in Geografie zehn Euro mehr? Werden die Schüler provisionsbeteiligt?) Handlos: „Sie klingen ein bißchen wie die Grünen. Was ist bei Ihnen rechts?“ Bucher: „Weg mit den Kammern, die gute Arbeit der Industriellenvereinigung… (es folgt ein Ausbruch) Was sich die Demokratie, diese Schreibtischtäter in den Amtsstuben alles einfallen lassen, um die Unternehmer zu behindern!!“

Väter müssen Alimente zahlen!
Frau Handlos behauptet, dass BZÖ-Bucher für Wählerinnen nicht in Frage komme. Dieser wirft sich in Pose: „Wir sind sehr attraktiv“, sagt er zweimal und streicht sich das Haar nach hinten. Aber die Väter! Die schlittern doch in die Armut! Das muss verhindert werden. „Es muss gelingen, dass Väter nicht in die Armut schlittern, wenn die erste Ehe nicht geklappt hat.“ Frau Handlos wirft die alleinerziehenden, armutsgefährdeten Mütter ein. „Stimmt. Das Kind muss im Mittelpunkt stehen, so wie in der Schule der Schüler“, sagt Bucher. Nowak fällt zu Kindern nichts ein. „So viele BZÖ Abgeordnete wanderten zu Stronach“, sagt er und dann mit tiefer Stimme ganz langsam: „Wissen Sie, was der Fallbeil-Effekt ist? Nein?“ Er genießt sein „Bonmot“ und dehnt sadistisch die Pause aus: „Wähler wählen einen nicht, weil das BZÖ keine Chance hat.“ Strafprozesse, Telekom, Bucher rutscht herum wie ein aufgeregtes Hendl,  960.000 Euro verdeckte Parteispende.

Bucher behauptet, die Herren Rumpold, Westenthaler und Stadler (?) nicht persönlich zu kennen und windet sich unter Nowaks strengen Blick, der ihn wie ein Pfeil durchbohrt. Nowak verächtlich: „Treten Sie nach wie vor für die Spaltung in Nord- und Südeuro ein?“ „Der Euro kann nicht funktionieren. Der Unternehmerfleiß war ja vorher auch schon groß.“ Bucher denkt auch überhaupt nicht, dass „die armen Unternehmer noch mehr zahlen sollten“! Ein Installateur würde nun schon pro Stunde 58 Euro kosten. „Bei ihm landet es nicht, das Geld, sagt der Unternehmer. Die Menschen, die dem Fleißigen das Geld aus der Tasche ziehen, sind die vielen Beamten, die sich an ihren Schreibtischen überlegen, wie sie die Unternehmer schikanieren können!“ Nowak streicht seine schwarze Krawatte glatt: „Es ist nicht wirtschaftsliberal von Besserverdienenden, die eh schon so viel zahlen, Geld zu verlangen.“ Bucher lächelt freundlich aber distanziert – jedem unterwirft sich der Bucher nicht.

Kerstin Kellermann,
Kärntnerin

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