Das Elch-Panorama

News aus aller Welt: Der ägyptische Satiriker Bassem Jussef sorgte unlängst für (internationale, nicht österreichische) Schlagzeilen, weil seine Witze über Kopfbedeckungen und das magere Englisch des Präsidenten den staatlichen Unmut erregen. Jussef drohte Gefängnis, was wiederum amerikanische Entertainer zu Solidaritätskundgebungen motivierte. Als schließlich sogar die amerikanische Botschaft mitmischte, und anderem mit einer twitter-Meldung, und die ägyptische Botschaft mit einer ebensolchen antwortete, wurde der twitter-Account der ägyptischen Botschaft vorübergehend einfach gelöscht. „Was für ein Fauxpas!“, war sich die internationale Presse einig. Jetzt wo Ramsan Kadyrow, Pervez Musharraf und natürlich auch Kim Jong Un auf twitter sind, ist es offenkundig schlimmer, irrtümlich einen twitter-Account zu löschen, als ein paar Panzer an der Staatsgrenze aufmarschieren zu lassen.
Wertung: 2 von 6 Elchpunkten

Apropos Islam: Unumstritten ist der afghanische Satiriker Asif Jalali, der von sich selbst sagt, dass er Witze wie ein B-52-Bomber mache. Aber, so Jalali: „Ich bin Muslim, ich mache keine Witze über den Islam.“ Da hört sich der Spaß auf! Das musste vor kurzem auch der türkische Pianist Fazil Say zur Kenntnis nehmen. Für ein getweetetes Zitat eines persischen Dichters („Du sagst, jeder Gläubige wird zwei Jungfrauen bekommen – ist das Paradies etwa ein Bordell?“) wurde er zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Da hört sich nun wirklich jeder Spaß auf. Der Islam, immer noch ein Vakuum der Selbstironie.
Wertung: 0 von 6 Elchpunkten

Ein Elch namens Obama
Einstweilen wurde bekannt, dass in der Elch-Lasagne (!) von IKEA Schweinefleisch gefunden wurde. Und zwar mehr als ein Prozent. Die Presseaussendung spricht von einem überschrittenen Grenzwert, was so interpretiert werden muss, dass weniger als ein Prozent Fremdfleisch (Schwein, Pferd, Hund’ oder Katz’?) in einem Fleischgericht offenbar ganz normal sind. Stellt sich die Frage: Wie kommt das eine Fleisch überhaupt zum anderen? Gibt es in jeder Fleischfabrik einen großen Fleischwolf, der regelmäßig durchdreht?
Wertung: 1 Elchomelette

Apropos durchdrehen: Barack Obama (das ist, für jene, die es nicht wissen, der Präsident der USA), sagte bei einem Dinner über eine Generalstaatsanwältin: „Sie ist brillant, sie ist engagiert und sie ist hart. Sie ist zufällig auch noch die bei weitem am besten aussehende Staatsanwältin des Landes.“ Das war natürlich ganz schön  sexistisch von ihm. Wen wundert es, dass daraufhin ein twitter- und facebook-Stürmchen der Sonderklasse losbrach. Vor dem Weißen Haus demonstriert einstweilen eine Handvoll Aktivisten für ein schärferes Waffengesetz. Erfolglos.
Wertung: 1 von 6 Elchpunkten (auch Russisches Elch-Roulette genannt)

Nackedei und Versagerverbot
Und worum sorgen sich die österreichischen Medien einstweilen? Das Nacktfoto-Drama von Nadja Bernhard ist ja angeblich vorbei, zumindest laut „Österreich“. Ein dort ansässiger Poster sprach allerdings ohnehin die entscheidenden Worte zum Thema: „Naja, Schönheit is’ kane. De reisst mi net vom Hocker!“ Ebenfalls ein immer wieder aufgekochtes (und darum naturgemäß heißes Thema) ist die bange Frage, ob stimmt, was man mit freiem Auge erkennen kann, dass Anna Netrebko echt zugenommen hat. Wir bestätigen: Es stimmt.
Und schließlich ist „Österreich“ „fassungslos“ weil H. C. Strache das Wort „Versager“ auf die schwarze Liste setzte. Denn: diese Wahrheit über sich will er nie wieder lesen bei seinen Fans. Immerhin: Einen rechten Elch darf man ihn noch nennen. Das sollte man vielleicht auch tun.
Wertung: 5 von 6 Elchpunkten

Was folgt aus alledem? Außer, dass es mehr Elche gibt, als man vermuten möchte? Nichts natürlich. Es ist wie es ist, sagt der Elch. Sagte schon Erich Fried. (Und der immerhin war kein Elch.)

 

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