Ich bin halt eine Naturgewalt

Hydra: Barack Obama ist als amerikanischer Präsident wiedergewählt worden, viele Leute meinen, das ist vor allem Ihnen zu verdanken.
Sandy:
Können Sie bitte lauter sprechen, ich hab’ so ein Ohrensausen.

Hydra: [wiederholt die Frage]
Sandy:
Also ich glaube, das ist zu viel der Ehre. Ich habe nur ein bisschen herumgewirbelt, das hätte ich sowieso getan. Ich meine, mir ist das ja wurscht, ich hätte auch den George Bush aus seinen Ranch gefegt oder der Sarah Palin unter den Rock geblasen. Obwohl, naja, igitt.

Hydra: Nun behaupten böse Zungen, dass das so nicht ganz stimmt, sondern dass es da geheime Absprachen mit Petrus, dem Wind- und Wetter-CEO, gegeben hatte. Mit ihrem Chef also. Ist da was dran?
Sandy:
Das ist luftleerer Blödsinn! Wer so etwas behauptet, dem sollte man durchs Gebälk blasen. Jedes Kind weiß, dass Petrus die Mormonen am heiligen Arsch vorbei gehen – und übrigens uns allen hier oben. Ich meine, du lieber Himmel, diese Trübsalbläser, nicht zu fassen. Wenn ich so einen Mormonen seh, weh ich ihm am liebsten sofort den Hut vom Kopf. Diesen hässlichen Deckel.

Hydra: Das heißt aber doch, dass Absprachen grundsätzlich möglich wären, dass man zu Petrus gehen könnte und …
Sandy:
Ich kriege meine Befehle von ganz oben. Und wenn es dort heißt: Leg New York in Schutt und Asche, dann mache ich das auch. Ich meine, individuelle Freiheit, so etwas gibt es bei uns nicht. Wir sind Naturgewalten.

Hydra: 20 Milliarden Dollar Schaden anrichten, U-Bahnnetze unter Wasser stellen, 16 Menschen töten … macht so etwas eigentlich auch Spaß?
Sandy:
Ganz ehrlich? Ein wenig schon. Ich meine, es ist ein Job, okay. Ich muss halt blasen, das ist, was ich tue. Den ganzen Tag nur blasen, fuck. Aber hin und wieder, da macht man so ein Ding, so eine Wette mit sich. Man sagt sich: Mal sehen was ich heute schaffe, wie arg ich werden kann. Und dann nimmt man sich zusammen und legt eine Blasarbeit hin, die es in sich hat.

Hydra: Das heißt, Sie waren zufrieden mit deinem Job.
Sandy:
Naja, ein paar so Weicheier von der Wallstreet hätte ich gerne volley übernommen. Ist aber gerade keiner gesprungen. Aber das sind so die kleinen Dinge des Lebens, die Spaß machen. Wenn einer vom Wolkenkratzer springt und ich schramme grade um die Kurve, dann – wheeoo – landet der zwei Straßen weiter. Ein bisschen wie Baseball ist das.

Hydra: In seiner Rede sagte der Präsident: „Dies erinnert uns daran, worum es in Amerika letztlich geht. Wir machen harte Zeiten durch, aber wir lassen uns nicht unterkriegen. Wir kümmern uns untereinander.“
Sandy: Wann hat er das gesagt?

Hydra: Naja, nach dem Sturm.
Sandy:
Na eben, währenddessen hätte er sich hinstellen sollen. Dann wäre ich ihm durch den Scheitel gefahren …

Hydra: Obama hat keinen Scheitel.
Sandy:
Die habe ich schon gefressen!

Hydra: Übrigens, bei uns hat sie eine Zeitung „Frankenstorm“ geschimpft.
Sandy:
Ja, habe ich gehört. Aber für Europa bin ich nicht zuständig, sonst …

Hydra: Davon gehört? Wie geht denn das?
Sandy:
Während Ihr Menschen eine Wettervorhersage habt, haben wir da oben eine Blödheitsvorhersage. Nach dem Motto: Wie blöd sind die heute wieder da unten? Und es gibt kaum einen Tag, an dem dieser Fellner nicht unter den Top Ten ist.

Hydra: Eine persönliche Frage zum Abschluss. Neil Young hat mal gesungen: You are like a hurricane. War dieser Song zufällig ihnen gewidmet? Gibt es da eine Episode, die …
Sandy:
Nein, das war Katharina, diese Schlampe. Darum war sie auch in New Orleans so durch den Wind. Ich versteh ja nicht, wieso man so ein Geheul um einen Musiker machen kann, aber bitte. Ich mag eher zeitgenössische Konzeptkünstler. Da gab’s mal einen, der hat 100 Wäscheleinen mit roten Tüchern bespannt, oh Gott, wenn ich daran nur denke werde ich feucht.

Hydra: Und was machen Sie, wenn Sie mal nicht aufbrausend durch die Welt ziehen?
Sandy:
Ach, dies und das. Ich bin von Kopf bis Fuß ein Wind. Ich sag immer: Blasen oder geblasen werden.

Die Hydra dankt für das Gespräch.

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