Miese Bücher, Krisenbücher

Immer häufiger, immer öfter, immer wieder: Krisenbücher. Die Amerikaner haben es vorgemacht (z.B. David Hasselhoff mit „Wellengang meines Lebens“), die Deutschen folgen in Scharen (z.B. Karl-Theodor zu Guttenberg mit „Vorerst gescheitert“, oder demnächst Ex-Präsidentinnengattin Bettina Wulff mit „Meine Sicht der Dinge“).

Das Motto dieser Amateurbelletristik: Ist die Lebenskrise überwunden, warum nicht auch Geld damit verdienen? Und ist die Lebenskrise immer noch am Dampfen, warum nicht erst recht Geld damit verdienen? Kein Wunder, dass sich dieses verlegerische Konzept auch nach Österreich durchgesprochen hat. Hydra präsentiert vier heiße Insidertipps, vier Krisenbücher, die demnächst in dieser oder doch ganz ähnlicher Form erhältlich sein werden.

Josef Martinz

Die Krise: Ein Schuldspruch

Der Buchtitel: Albtraum Gerechtigkeit

Der Inhalt: Wie man nach unerträglichen „Schauprozessen“ und dem „Albtraum“ einer gerechten Justiz trotzdem weiterleben und auch seine Würde bewahren kann, das schildert Ex-ÖPV-Mann Josef Martinz in seinem bewegenden und mitreißendem Krisenbewältigungsbuch. Seine einleuchtende, aber sich nicht jedem zuträgliche Überlebensstrategie: So lange die eigene Schuld leugnen, bis man am Ende selbst dran glaubt.

Werner Faymann

Die Krise: Wahrheit sagen

Der Buchtitel: Stummer Protest

Der Inhalt: Das Buch ist im Grunde seit langer Zeit fertig, es ist ein Sammelband aller Aussagen, die Werner Faymann bei Untersuchungsausschüssen, Parlamentssitzungen oder sonstigen, wichtigen Gelegenheiten im Grunde „eh“ tätigen wollte. Verfasst hatten diese Texte ursprünglich Parteistrategen und Philosophiestudiumsabbrecher, doch durch den (gedachten oder reellen) Vortrag gingen sie natürlich in das geistige Eigentum Faymanns über. Die meisten dieser Texte, Aussagen oder „Reden“ wurden aus verschiedensten Gründen schließlich doch nicht umgesetzt (z. B. Maus in der Küche, schlechtes Wetter, unopportun). Ein Insiderblick auf die Texte indes enttäuscht. Neues ist nicht zu erwarten, sondern nur jene Strategien, mit denen sich Politiker üblicherweise bei Krisen aus der Affäre ziehen, z.B. lauwarmes Herumlavieren und Dementieren. (Originalfoto © APA)

Richard Lugner

Die Krise: Älter werden

Der Buchtitel: In der Mausifalle

Der Inhalt: Baumeister Lugner lässt seinen Ghostwriter über das Altwerden, ATV-Knebelverträge und das Unglück, dass einem als 112-jähriger Greis keine 18-jährigen Mittelschulgören mehr nachschauen, schreiben. Wie geht Lugner mit diesen Schicksalschlägen um? Er vereinbart einen Knebelvertrag mit seinem Ghostwriter und vergisst dann bei den Interviews andauernd die Fragen, am Ende sogar, dass er den Ghostwriter für ein Buch engagiert hat. Weil eh schon alles wurscht ist, schreibt dieser dann die Biographie von Arnold Schwarzenegger und tauscht am Ende einfach die Namen aus. Lugner soll begeistert gewesen sein, als er das Manuskript gelesen hat. (Originalfoto © Ing. Richard Lugner)

Maria Fekter

Die Krise: Nicht ÖVP-Chefin werden

Der Buchtitel: Der Schlotter mit dem Schotter

Der Inhalt: Wer Maria Fekters lange vermutete Abrechnung mit ihren Regierungskollegen und langjährigen Mitarbeitern erwartet, wird enttäuscht. Fekter erklärt diese meiste Zeit über, warum ihr die Fleischerei in Attnang-Puchheim ein Gräuel ist und sie mit aller Macht gegen eine Inbetriebnahme ist. Mit ganzem Elan sich für ein Ziel einsetzen, so bewältigt Fekter die Krise, auch wenn viele ihrer geheimsten Wünsche (ÖVP-Chefin, Schönheitskönigin, Schotterfee) nicht in Erfüllung gegangen sind. Aber man muss es immer wieder probieren, denn unsere Zeit hier auf Erden, so die Finanzministerin, ist „shortly, shortly without von delay“.

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