Shades of Shy

Betulich und naiv schildert die Britin E. L. James die sadomasochistische Entdeckungsreise ihrer mittelständischen Protagonistin Anastasia, die vom dunklen Verführer Christian Grey, seineszeichens triebtäterischer Multimillionär, in das Reich der sinnesfreudigen Unterwerfung geführt wird. Die Literaturwelt rätselt: Ist der gewaltige Erfolg des Romans darauf zurückzuführen, dass ein Großteil des Umsatzes als eBooks für Kindle, iPad und Co. erwirtschaftet wurde, und darum lustbefreite Hausfrauen endlich in aller Ruhe heimlich am Küchentisch verbotene Pornofrüchte naschen können? Oder trifft dieser Rosamunde Pilcher Softporno doch den Nerv des Hausfrauendaseins im beginnenden 21. Jahrhundert? Samt lückenlosen Pornovertragswerk zwischen der E-mailsüchtigen Steel und dem IT-Boss Grey, welches das bieder-schlüpfrige Cinderellaglück des Romans erst so richtig einzementiert.

Auch wir wissen die Antwort nicht (außer dem Hinweis, dass es sich mit dem Liebespaar Qualität und Erfolg vermutlich ähnlich dämlich verhält wie zwischen Anastasia Steel und Christian Grey). Wir haben aber jetzt schon die besten Plots für weitere Welterfolge nach diesem Strickmuster. Vorhang auf für unsere Variations of Grey … 

Shades of Gay
Der schwule Minenarbeiter Anatol Stahl und der supertuntige Multimilliardär Christin Grau lernen sich in einer Schwulenbar in Erlangen kennen. Sie plaudern eine Weile über die mehr als 1.000 offiziell anerkannten Möglichkeiten des Schwanzlutschens, dann haben sie eine Nacht lang ebenso heißblütigen, wie homoerotischen Sex. Am Morgen danach verklagt Stahl Grau wegen unsittlicher Belästigung. Es folgt ein endlos langer E-Mailverkehr ihrer Rechtsanwälte. Am Ende gewinnt Stahl und kann sich ein Leben in Luxus leisten. 800 Seiten, 12,80 EURO

Gates of Brown
Das Aldi-Kassafräulein Analia Stampf wiegt 160 Kilo. Zwei Drittel ihres Körpergewichts befinden sich in ihrem gigantischen Gesäß. Eines Tages lernt sie an der Kassa den Direktor eines KFZ-Imperiums kennen, Christophorus Stahlgrau, seineszeichens Auspufffetischist. „An nichts schnüffle ich so gerne wie an Auspuffen“, gesteht der Industriemagnat der Kassenmamsell. „Auspuffwärts bin ich auch nicht schlecht bestückt“, gibt Stampf zurück. Das ist der Beginn einer ebenso heißblütig, wie perversen Leidenschaft, die ganz viel mit Gegenständen zu tun hat, die man in diversen Körperteilen deponieren kann. Im krönenden Finale des Romans schreibt Stahlgrau eine SMS auf einem iPhone, noch während es im A ##### ### ####### (zensuriert). 1.200 Seiten, 9,80 Euro

 

Sheets of Pay
Der Wallstreetzocker Anatolij Steal und der Lobbyist Chris Black lernen sich in einer Bar in der Nähe zur Wallstreet zufällig kennen. Beide erkennen schnell die perversen Qualitäten ihres Gegenübers. Während der Lobbyist ein wahrer Meister darin ist, öffentliche Interessen und Bürgeranliegen regelrecht in den Arsch zu ficken, um sich stattdessen mit hochbezahlten Interessensvertretern und Industriemagnaten ins Bett zu legen, zeigt sich der Mann von der Wallstreet als aalglatte Arschgeige. Insbesondere wenn es darum geht, Banken und Kleinanleger so richtig hart von hinten zu nehmen, oder sich auf den globalen Rohstoffmarkt wie ein Freier im Ostblockbordell zu verhalten. Steal und Black schütteln einander die Hand und beschließen von nun an, gemeinsame Sache zu machen. Das ist der Beginn einer internationalen Erfolgsgeschichte … zumindest soweit es diese beiden Herren betrifft. 1.600 Seiten, 4,90 Euro.

 

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