Opern statt Fußball!

Hydra hat sich für euch in drei brandneue Opern mit schonungslosem Gegenwartsbezug hineingehört.

Felix-Mendelsohn-Schweinssteiger: Fußballade!
Diese moderne 11-Ton-Oper wurde vom Komponisten im Auftrag UEFA erstellt (das Copyright für alle Verwertungsrechte liegt bei der UEFA). Die Uraufführung zur EURO 2012 wurde nach einer Generalprobe im Münchner Olympiastadion allerdings abgesagt. Aufgrund des Fangegröles war von der Musik nichts zu hören. Das Libretto schrieb ein gewisser Joachim Katz.

1. Akt: Die Trainingskabine. Der Trainer „Jogl“ (gesungen mit Bravour von Luciano Pavarotti) schwört die Mannschaft ein. Die Arie „Der Ball ist rund, nicht eckig“ ertönt.  Die Spieler antworten mit dem Trainingslager-Chor „Va’, pensiero, sull’ali dorate“, auf Deutsch: „Flieg Fußball, flieg ins Tor“.

2. Akt: Die Mannschaft auf dem Feld. Mittelfeldspieler José Podolsky singt im Duett mit Samuel Mertesucker „Il pallonata“ (auf dt. „Pass endlich, du Pfosten“). Es folgt die Elferhymne „Il crosso“ („Ins Kreuzeck Junge“), sowie die  Ballade „Il banana“ („Eine Flanke, ein UEFA-Pokal für eine Flanke“). Der Akt endet mit einer Schlägerei im Strafraum.

3. Akt (hier entlarvt sich der Text auf der CD-Hülle als Fehlinformation und also als billiger Gag): Der Morgen danach. Das Match ist verloren, wir begleiten einige verkaterte Fußballer durch das niedergetrampelte Trainingslager. Die Arie der Frau des Trainers erklingt: „Averne fin sopra i capelli“ („Dieses ganze Theater um den Fußball geht mir auf den Eierstock“). Dann das Quintett der Mittelfeldspieler und Stürmer: „Essere con la corda al collo“ (dt. „Wir haben es verbockt“). Das Orchester geht über in ein wehmütiges Glissando, doch das Ende ist versöhnlich. Die Fußballer verlassen die Bühne, ein Hintergrundchor glücklicher, internationaler Fans schwillt an. Am Ende singt die ganze Oper „Prendere qualcuno a calci nel sedere“ (dt. „A Piefke always walks alone“).

Giaccomo Asylli: Anpassionata
Diese klassische Opera Bluffa aus dem 17. Jahrhundert wurde voriges Jahr wiederentdeckt. Das leidenschaftliche Plädoyer für Ausgrenzung und nationale Reinheit fand sofort begeisterte Aufnahme in der Opernwelt. Auch in Österreich wurde die Aufführung an der Staatsoper heftig umjubelt. Die Starsopranistin Monserrat Mikl-Leitner übernahm die Rolle der Donna Judgamenta, Seplacido Kurz ist in der Rolle des untätigen Asylbetreuers zu bewundern. Das Libretto stammt von einem unbekannten Rechtsanwalt:

1. Akt: Ein Asylwerber vor dem Toren der Behörden. Verzweifelt versucht er sein Asylgesuch einzubringen. Die halbstündige Arie „Un povero Cristo“ ertönt (dt. „Gastfreundschaft und Christen, ein Witz“). Auf die Arie antwortet der Chor der Passanten „Far fuori qualcuno“ (dt. „Räumt’s ihn endlich weg!“).

2. Akt: Sieben Jahre sind vergangen, der Asylwerber wartet immer noch auf seinen Bescheid. Donna Judgamenta singt ihre berühmte „Divertirsi un mondo“-Aria („So viele Akten, so wenig Zeit“) im Rahmen einer Richterparty. Wir betrachten ein endlos dekadentes Gelage, während die Richter intonieren, wie unerträglich die Zustände seien („Fino a esaurimento delle scorte“), werden Spanferkel, Drogen und nackte Frauen kredenzt. Inzwischen singt der Flüchtlingsbetreuer seine Daumendreherarie „Legarsela al dito“ (dt. „Was kann man schon machen, auch ich muss den Buchstaben des Gesetzes respektieren“).

3. Akt: Weitere sieben Jahre sind vergangen. Der Asylwerber und ein Gastarbeiter, der ein einziges Mal vergessen hatte, sein Visum rechtzeitig zu verlängern, liegen in der Gosse, total heruntergekommen. Der Chor der Passanten intoniert „A casa del diavolo“ (dt. “Wussten wir es doch, alles nur Schmarotzer”), Donna Judgamenta singt im Duett mit der Finanzministerin „No bagare“ (dt. „Auch heuer kein Geld für dieses Pack“), während Seplacido Kurz zur finalen Aria „Joi mei“ (dt. „Ich kann jetzt auch nichts dafür“) alle Beteiligten nochmals mit einer großen versöhnlichen Geste auf die Bühne holt. Applaus, der Vorhang fällt, die stinkenden Ausländer werden sofort danach in Schubhaft gesteckt.

Karl-Heinz Prasser: Das Phantom der Börse
Die Musical-Sensation aus New York. In einer erfrischenden, kostenintensiven Neuinszenierung des klassischen Musicalstoffs erleben wir den Börsenmakler Gordon Zocko, der in seinem Wolkenkratzerbüro eine Lebenskrise durchmacht. Seine Tochter, Lucia Zocko, hat einen ehrlichen Jungen von der Straße kennengelernt, Enzio Infalt. Ein Gewissenskonflikt epischen Ausmaßes nimmt seinen Lauf. Soll Gordon in sich gehen und die Spekulation auf Aktien sein lassen? Soll er wirklich darauf verzichten, Rohstoffpreise und Hypothekenrückversicherungen in Risikokapital umzuwandeln, nur weil er damit hunderttausende Existenzen vernichtet? „Far fuori qualcuno“ singt Gordon Zocko, was auf Deutsch in etwa „Soll ich denn nicht über Leichen gehen?“ bedeutet. Lucia singt das herzerwärmende „Fatti i fatti tuoi!“ (dt. „Ach Papa, ich brauche keine Zimmerdecke aus Gold“). Gemeinsam mit Enzio singt sie das famose „In fin dei conti“ (dt. „Entscheide dich, Reichtum und Sex oder Einsamkeit und Onanie“). Großer Klimax schließlich am Schluss, Papa Zocko, seine Tochter und der frisch gebackene Schwiegersohn singen gemeinsam „A occhio e croce“ (dt. „Geld heiligt alles“). Enzio übernimmt den Familienbetrieb, Lucia wird glückliche Kokserin, Papa Gordon setzt sich auf seiner Promivilla in Hawai zur Ruhe. Die atemberaubende Neuinszenierung besorgte niemand geringer als Wallstreetlegende Occu Pie, der Auffrischung des klassischen Plots besorgte ein ehemaliger Mitstreiter der berüchtigten Obama-Wahlkampftruppe.

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