Der diskrete Charme der Ukrainerinnen

Bis zum Anpfiff der EM 2012 hielten sich die ukrainischen Touristikagenturen bezüglich der erwarteten Fußballtouristen bedeckt. Über Buchungszahlen war nichts bekannt, eine Sprecherin aus dem Touristikministerium (Natascha, 23 Jahre, 84-58-88) ließ ausrichten: „Wir wissen nichts über Stornierungen. Aber wir sind zu allem entschlossen.“ Die Kiewer Tages- und Nachtzeitungen gingen jedenfalls nicht von einem „Fernbleiben aus Protest“ aus, insbesondere da die meisten westeuropäischen Fußballfans  den Namen der inhaftierten Oppositionsführerin Julija Timoschenko ohnehin nicht buchstabieren könnten, geschweige denn dass sie etwas über die blauen Flecken wüssten, mit denen die hübsche – und vor allem wohlhabende – Julija bei ihren westeuropäischen Amtskollegen so viel Eindruck gemacht hatte.

„Wenn mancher Fußballfans nicht gekommen ist, dann eher wegen der vier Bömbchen, die vor kurzem in der ostukrainischen Rüstungsschmiede Dnipropetrowsk hochgegangen sind und dabei 29 Personen verletzt haben“, so eine Sprecherin des Sprechers der ukrainischen Geheimpolizei SBU (Katia, 22 Jahre, 94-58-86). „Aber“, entgegnet wiederum die Sprecherin der Touristikagentur (Natascha, s.o.), „gerade den Namen dieser Rüstungsschmiede kann sicher kein westeuropäischer Fußballfan korrekt aussprechen. Vor allem nicht fünfmal ganz schnell hintereinander. Schon mal probiert?“

Eine Recherche bei heimischen Sportreiseveranstaltern ergab, dass praktisch keine Flüge von Österreich aus in ukrainische EM-Austragungsorte gebucht waren, was aber, wie uns ein Sprecher des hiesigen Sportministeriums mitteilte (Norbert, 44 Jahre, 3.400 netto monatlich), eventuell daran liegen könnte, dass sich Österreich für diese EM nicht qualifiziert hat. „Das kommt jetzt überraschend“, so ein Sprecher der Hydra (Konrad, 41 Jahre, kein geregeltes Einkommen) zum Sprecher des Sportministeriums. Dieser aber beschwichtigte: „Es gibt trotzdem viele gute Gründe, in die Ukraine zu fahren, denn die Ukraine ist immer noch so bettelarm, dass die meisten jungen Frauen dort von nichts anderem träumen, als mit einem reichen Westeuropäer abzuzischen.“

Gut, wen aber interessieren Frauen bei einem sportlichen Großereignis? Wie ist es mit der schlimmen Tierquälerei in der Ukraine? Laut Schätzungen unvoreingenommener Tierschutzagenturen starben in der Ukraine alleine im vergangenen Jahr 3.237 Hunde qualvoll, weil sie den wodkagetränkten Muro ihrer Herrchen unentwegt vor der Schnauze hatten. „Torkelnde Straßenköter mit mehr als drei Promille Alkohol im Blut zählen zwar seit jeher zum ukrainischen Alltag, doch der Skandal ist, dass die armen Viecherl daran qualvoll zugrunde gehen“, so die Sprecherin der Tierschutzorganisation „Vier Schwänze“ (Vera, 27 Jahre, 104-54-86). Mehrere Youtube-Videos und sogar einige mit Fotoshop überarbeitete Bildstrecken konnten diese unmenschlichen (nona) Tiertorturen eindeutig belegen. „Vier Schwänze“ sammelt daher Spenden, um in Kiew ein Asyl für Hunde, die Opfer von passive Alkoholkonsum wurden. „Allerdings müssen wir damit bis nach der EM warten“, so Vera, denn bekanntlicherweise sind die ersten Leidtragenden eines Fußballgroßereignisses Frauen und Hunde.

Ein wirklicher Grund gegen eine Reise in die Ukraine ist, dass die Übernachtungspreise in allen EM-Austragungsorten um ein Mehrfaches in die Höhe geschnellt sind. „So ist das nun mal, das Angebot ohrfeigt die Nachfrage durch die ganze Wohnung“, so die Sprecherin der Kiewer Immobilienagentur „Rostlaube“ (Ivanka, 32, 62-62-62). Auch die Hotels waren nicht schüchtern und haben mitunter sogar unmittelbar vor einem Fußballmatch die Preise angehoben. Fußballfans, die sich am Tag vor dem Match die Nacht im Hotel noch leisten konnten, sich aber am Tag darauf wegen „akuter Zahlungsversäumnis“ in einer Zelle neben Julija Timoschenko wiederfanden, sollen laut SBU-Berichten keine Seltenheit sein. Immerhin lernten diese wenigstens den Grund kennen, warum die Politiker ihres Landes gegen die Ukraine als Austragungsort der EM 2012 protestierten. Erfolglos natürlich.

Konrad Gregor,
möchte sich hiermit für den unterschwelligen Sexismus und die unverständlichen Pointen in diesem Artikel aufrichtig entschuldigen

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