In rein beleidigender Absicht!

Das Reicheisen-Hochhaus am Wiener Schöpfwerk. Fidel Kostrad thront an seinem aufgeräumten Schreibtisch, an der Wand glänzt ein Politikergeweih neben einem wurmstichigen Holzkruzifix. Aus den Augen hinter der dunklen Hornbrille blitzt der Kalk. Am Vorabend erst habe er eine kapitale Maus geschossen, erzählt der herzlose Freizeittiermörder. „Das niedere Getier rundherum war schon sehr unruhig. Die Hasen und Fasane sind plötzlich wieder rein in den Raps und in die Erbsen. Die Maus war die Erklärung. Sie hat’s nicht überlebt.“ Breites Siegerlächeln. Dann seien die Hasen gekommen und hätten sich vor seinem Hochstand verbeugt, die kleinen Schnäuzchen tief im Dreck. Das habe Kostrad gefallen.

Hydra: Welcher arme Politiker hängt da hinter Ihnen?
Fidel Kostrad: Das war ein neoliberaler Steirer, der drei Jahre lang nicht nach meiner Pfeife tanzen wollte. Ende September habe ich ihn endlich erwischt. Der Sauschädel, der vorher an der Wand hing, ist heruntergestürzt.

Hydra: Wie ist das passiert?
Fidel Kostrad: Da ist ein neugieriger Fotograf trotz mehrfacher Warnungen meinerseits so lange um den Schädel herumgestrichen, bis es Rumpold gemacht hat. Der Kopf ist runter gefallen und aufgebrochen. Da waren lauter Geldscheine drinnen, die sind mir vorher gar nicht aufgefallen. Habe sie alle wegräumen lassen müssen.

Hydra: War das ein Kollege aus Ihrem Medienimperium?
Fidel Kostrad: Ich habe kein Imperium.

Hydra: Dazu kommen wir noch… Herr Kostrad, Sie beenden nach 22 Jahren Ihre Ära. Das stinkt doch zum Himmel?
Fidel Kostrad: Nein, es gibt keinen Himmel!

Hydra: Finanzkrise, faule Kredite?
Fidel Kostrad: Ganz im Gegenteil. Wir haben in den letzten 20 Jahren nur Geld gescheffelt und die Zügel der Macht so souverän in Händen gehalten, dass es schon langweilig wurde.

Hydra: Warum gehen Sie dann zwei Jahre früher als geplant?
Fidel Kostrad: Weil ich mir den Wecker falsch gestellt habe … nein, im Ernst, ich habe das Sudern meiner Nachfolger nicht mehr ausgehalten.

Hydra: Sie sind mit Reicheisen groß geworden, haben Sie diese „Firma“ deswegen nie verlassen – oder weil man sich eher in die Kehle stechen lassen würde, als einen Führungsposten bei einer Bank aufzugeben?
Fidel Kostrad: Reicheisen ist viel mehr als ein Unternehmen, es ist eine Idee, eine Haltung.

Hydra: Und die wäre?
Fidel Kostrad: Scheffeln, scheffeln, scheffeln. Und wenn das nicht mehr klappt, sich vom Staat die Boni pumpen!

Hydra: Sie sind in 15 Unternehmen Aufsichtsrat, in weiteren fünf Mitglied des Aufsichtsrats, Sie sind Geschäftsführer, Vorstand, Obmann …
Fidel Kostrad: Ja, das stimmt.

Hydra: Ähm …
Fidel Kostrad [Blickt finster]: Grrrr …

Hydra: Und dann gibt es da noch ihr weitverzweigtes Mediennetz –  Der Österreichische Kirchenkurier, Profit, Hype …
Fidel Kostrad: Bitte, das ist historisch entstanden. Ich habe eben ein Unternehmen nach dem anderen aufgekauft, irgendwann bin ich zwangsläufig in die Mehrheitsposition gekommen … na, und wo ich dann schon so mächtig war, hätte ich mir in die eigene Suppe spucken sollen?

Hydra: Welche Ihrer vielen Posten behalten Sie sich für die sogenannte Pension?
Fidel Kostrad: Ich gehe nicht in Pension. Ich pfeife lediglich auf die Reicheisen und werde weiterhin in einem Dutzend Vorständen sitzen. Nicht schlecht, oder? Insbesondere, dass darüber alle österreichische Medien so berichten, als würde ein Kaiser abdanken. Ich denke, das habe ich mir auch verdient.

Hydra: Was verbindet sie mit dem Landesfürsten Erwin Brüll?
Fidel Kostrad: Wir ziehen gemeinsam Fäden. Seit 45 Jahren. Außerdem knallt er genauso gern wie ich Tiere ab. Besonders die kleinen, herzigen Viecherln. Aber schreiben’s das nicht, da könnt’ sich wer vom Fußvolk aufregen.

Hydra: War da nicht etwas mit dem Sohn von ihrem Tierkillergenossen?
Fidel Kostrad: Ja, der Joschi. Der hat gar keine Lust mehr gehabt, weil er nicht viel zum mitreden gehabt hat, so zwischen Papa und Onkel. Na ja, wir alten Herren haben da halt das Problem, dass es zunehmend schwieriger wird, gute Leute für die Politik zu motivieren. Vielleicht sollten wir das Jungvieh auch ein bisserl mitreden lassen.

Hydra: Auch weil Jagden und Festspieleinladungen verpönt sind?
Fidel Kostrad: Da haben die Medien wieder maßlos überzogen. Wahr ist nur, was in meinen Medien steht. Die berichten wirklich unabhängig, besonders wenn es um meine Person – und alle meine Proteges– geht.

Hydra: Wird es mit der Weltwirtschaft irgendwann wieder aufwärts gehen – ich meine, solange alte Knacker wie sie alles Geld an sich reißen?
Fidel Kostrad: Also Geld ist auf der Welt ja vorhanden, jede Menge. Es wird ja ständig neues generiert. Denken Sie nur an die Rohstoffförderung. Die Frage ist, wer es wem gibt. Also ich würde alles neue Geld nur Leuten wir mir geben. Ich habe ja bewiesen, dass ich die Sachen zusammen halten kann. Wer hat das denn sonst noch in Österreich, hm?

Hydra: Haben Sie leicht autoritäre Züge?
Fidel Kostrad: Ich bin eine Autorität, nicht autoritär. Ich habe immer getan und gemacht, was mir passt. Und daraus auch keinen Hehl gemacht. Und wenn ich damit viele beleidigt habe, war das Absicht. Und warum war das Absicht? Weil es mir am Arsch vorbei geht, weil es mich nicht kratzt. Mir kann man …

Hydra: Können Sie selbst auch Kritik einstecken?
Fidel Kostrad: Nächste Frage. Aber in meinen Medien wären sie längst rausflogen!

Hydra: Abschließend eine philosophische Frage. Glauben sie an den Himmel!
Fidel Kostrad: Nein, nein und nochmals nein. Im Himmel gibt es keine Banken, Aufsichtsräte, Vorstände. Das muss die Hölle sein! Das darf und kann es nicht geben. Mein Himmel ist hier. Sehen Sie, mein Vater hat mir einmal gesagt: „Bua, merke dir: Mit einer Milliarde einkaufen gehen kann jeder, aber mit eine Handvoll Mille, das ist schon schwieriger.“ Und so werde ich es auch in Zukunft halten.

Das Gespräch endet mit einem breiten, selbstgefälligen Siegergrinsen eines sichtlich zufriedenen Fidel Kostrad. Ein ähnliches Interview mit einem ganz anderen Herren findet sich hier.

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