Filmtipp der Woche

Ins Kino gehen ist wieder in, denn nirgendwo fühlen sich gute Mütter und brave Hausfrauen wohler als im Kino. „Cineplexx statt Sex“ ist darum der Leitspruch vieler Frauen, und nicht wenige Männer gehorchen ihren Frauen auf’s Wort. Was für ein Glück, dass es eine Reihe hervorragender Filme gibt, die in jüngster Zeit ins Kino gekommen sind, und die einen Kinobesuch so richtig schmackhaft machen.

Da ist zunächst „Arier Süß“ mit dem jungen Hollywood-Talent H. C. Strache in der Titelrolle als von aller Welt verfolgter Arier. Zum Inhalt: Der junge Arier sieht sich selbst als Musikant, spielt aber grottenschlecht auf seiner Bassgeige, weswegen das Publikum bei seinen Zurufen oft genug den Bass durch einen Arsch ersetzt. Außerdem liebt der Musikant Arier Süßes, nicht Saures, wie bei diesem amerikanisch-haidnischen Halloween-Spektakel, wo man mit Vorliebe über ganz grausliche Dinge lacht und erkennt, dass viele schiache Sachen ja im Grunde gar nicht so schlimm waren. Regie führte Regieveteran Veit Harlan, der zuletzt mit seinem Film „Opfergang“ von sich reden machte. „Opfergang“ schildert die letzten Stunden eines FPÖ-Funktionärs vor einem Ballbesuch.

Ebenfalls brandneu in den Kinos ist der Film „True Lies“ mit Arnold Stracheneger in der Titelrolle. In „True Lies“ geht es um einen Agenten, der sich bei einem Einsatz dermaßen in die Hose gemacht hat, dass man die braune Spur immer noch riechen kann. Doch der Agent leugnet beharrlich alles Braune in seiner Hose ab. Bis er die Liebe seines Lebens kennen lernt, eine Schäferhündin namens Eva. Fortan lebt er mit ihr in einer metaphorischen Beziehung und muss keine Lügen mehr erzählen, nur noch Gleichnisse. Regie führte James Cameron, auch bekannt durch seine brachialen Terminatorfilmen, in denen Roboter alles kurz und klein schießen. Rein metaphorisch gesprochen natürlich.

Ein Melodram speziell für zarte Herzen ist der Film „Hetzer in the Dark“. In diesem utopischen Meisterwerk geht es um eine neofaschistische Drecksau, die aufgrund eines Unfalls das Augenlicht verliert. Da in dieser Utopie eine beherzte Zivilgesellschaft Realität ist, zeigt niemand dem blinden Neonazi den Weg. Also tappt der Protagonist des Films 97 Minuten lang durch die Dunkelheit. Am Ende taucht aus dem Nichts ein Bundespräsident auf und reißt alle Ehrenabzeichen an sich. Regisseur Lars von Trier dazu: „Die Handlung selbst ist ein Gleichnis auf die intellektuellen Leistungen der Ewiggestrigen. Mich eingeschlossen übrigens.“

„Fear and Loathing in Vienna“ ist schließlich eher ein Film für experimentelle Naturen. Gezeigt wird der Werdegang eines einst hoffnungsfrohen jungen Studenten, der an falsche Freunde gerät, sich mit Drogen und Klebstoff (schnüffeln) das Gehirn wegbläst, bis man ihm ärztlich attestiert, dass seine Gehirnleistung auf 8,8 Prozent gesunken ist. In diesem Zustand gründet der Protagonist des Films eine freiheitliche Partei. Ein deprimierender Film, der oftmals für seinen grimmigen Realismus getadelt wurde. Regisseur Terry Giliam erhält darum auch praktisch keine Angebote mehr aus Hollywood. [schluss]

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