Digitale Posen 2012

Veeing
Das Internet ist die große Mutter! 2012 kriechen wir alle zurück in ihren Schoß. Und wieder heraus. Und wieder zurück. Fotos, auf denen User zwischen den Beinen hübscher oder weniger hübscher Menschen auftauchen, sind 2012 der abgeschrägteste Selbstperformertick. Wer sein Konterfei auf facebook „veet“, der sagt damit: “Das Internet geht mir diese Woche gehörig gegen den Strich, warum nicht einfach mal wieder einen Spaziergang machen, aber keine Sorge, das ist nur eine Laune, morgen bin ich wieder den ganzen Tag ohne Unterbrechung online, aber jetzt leckt mich mal am Arsch!“ Trotzdem hat Veeing natürlich absolut keinen Sinn, sonst würde es ja kein Trend werden.

 

Passiving
Passives Naschen ist ein jetzt schon unübersehbarer Trend. Wer fett, korpulent, unansehnlich oder ganz einfach nur eine blade Sau ist, ist es 2012 vor allem deswegen, weil er den falschen Umgang hat. Unmäßiges Essen, insbesondere Naschen, ist nachweislich ansteckend und verpestet somit die zwischenmenschliche Atmosphäre. Und gerade dort, wo man einer perfiden Einladung zum Naschen widersteht, ist passives Naschen am gefährlichsten. Denn Naschverweigerung erhöht die Stresswerte und führt unmittelbar, direkt und sofort zu vorzeitigem Tod. Dasselbe gilt übrigens auch für passives Langweilen, passives Nasebohren, passives Eierkratzen und passives Sich-unsexy-fühlen. All das wird 2012 unausweichlich zum Trend.

 

NLSing
Fotos, auf denen nur verschwommene Pickel zu sehen sind? Der eigene Fuß im Backrohr fotografiert? Vom eigenen Atem beschlagene Schaufensterscheiben als Profilbild? Das letzte Foto der Kamera mit Selbstauslöser, bevor sie in den Fluss gefallen ist? Richtig! Das nennt sich „Next Level Shit“ und wer 2012 etwas auf sich hält, lässt sich verdammt noch mal etwas einfallen für seine visuelle Onlinepräsenz. Oder klaut zumindest von wirklich kreativen Köpfe einige wirklich nutzlose Ideen. Zum Beispiel das eigene Handy hacken um die eigenen Bilder auf die eigene Website zu leaken. Was man dann als Gerücht auf facebook ausstreut. (So haben schon manche Leute Millionen verdient. Wirklich!)

 

Antiing
2012 sind die User gegen alle Trends, die ihnen von Trendsettern, Trendagenturen, Trendscouts, Trendnibletts und Trendfriends vorgebetet werden. Wird irgendwo auch nur der geringste Trend oder Hype oder auch nur ein Funken Coolness deklariert, gilt automatisch jeder, der dabei war, als uncooles, trendverhurtes Drecksarschloch, das nun aber wirklich bei jedem noch so platten, einfallslosen Mainstream dabei ist. Das einzige, das 2012 nahtlos cool bleibt, sind bloße Gerüchte. Zum Beispiel: Dass eventuell irgendwo eine Brubru-Tour stattgefunden haben könnte, bei der man beinahe dabei gewesen wäre, wird im Dezember 2012 das geilste Ereignis des Jahres gewesen sein. Garantiert.

 

Satyring
Etwa Mitte 2012 werden die letzten Banken Pleite gehen. Europa landet in der Krisenzwangsjacke, Massenselbstmorde von Börsenspekulanten werden zum fröhlichen Alltag gehören. Und bald auch werden erste Analysten von den ökonomischen Vorteilen eines Weltkriegs sprechen. Dann, ja genau dann ist ohnehin schon alles wurscht. 2012 engagiert man sich darum nicht mehr für ein soziales Projekt, sondern geht zur Hydra und lebt rücksichtslosen No-Future-Zynismus aus. Etwa bei der großen Hydra-Aktion „Ohrfeigen für Passanten“. Oder bei unserem Verdauungsmysterienspiel „Brechreiz bei McDonalds“. Oder ihr bastelt Flaggschiffe für die virtuelle Eröffnung unseres erstens Flagship-Stores am Wiener Graben. Und vieles mehr…

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