Die spektakulärsten Spekulationen

Februar 1995: Herings, eine der ältesten Investmentfischereien Englands bricht zusammen. Auslöser ist der Fischhändler Nick Leeson, der bis nach Singapur tuckerte, um einen Wal zu fangen. Wale sind bekanntlich keine Fische, doch Leesons verwegene Spekulation, dass die Menschheit nur darauf warte, endlich ein Walkotelett zu essen, wird zum Desaster. „Für den gemeinen Anleger sind Wale auch nur Fische – wer Wal sagt, muss also auch Walhalla sagen“, so die Ratingagentur Tonno, Tonne & Tenno. Herings muss alle Aktien verkaufen und liegt heute zwischen zwei Zeitungspapieren auf dem Markt von Dover.

Juni 1995. Der japanische Spielzeughersteller Sumitomo fährt 2,6 Mrd. Dollar Verlust ein, weil der Händler Yasuo Hamanaka Animefigürchen mit echten Geschlechtsteilen auf den Markt bringt. Hamanaka spekuliert damit, dass diese Puppen die Phantasien pervers veranlagter Gummipuppenfreaks in schwindelnde Höhen treiben würde. Doch die Geschlechtsteile verfaulen binnen weniger Tagen, was neben der Sanitätspolizei auch das Tokyoer Morddezernat auf den Plan ruft. Hamanaka verbüßt heute eine 3.217-jährige Haftstrafe, Sumitomo hat die Spielebranche ganz aufgegeben und produziert Pornos in Kalifornien.

April 2006: 10 Mrd. Dollar Verlust sind das katastrophale Resultat einer kaum erklärbaren Investitionsente. Der umtriebige Bauherr und Nebenerwerbsoligarch Rasputin Putin legt dem österreichischen Bankdirektor Hannes Andreichl Pläne für einen Flughafen mit Standort Wien City vor. Der „St. Stephan Skylink“ mit einem 55 Hektar-Hangar nach Dubaier Vorbild  stößt sofort auf Gegenliebe bei den traditionell in großen Maßstäben denkenden österreichischen Bankern. Ein Jahr später stehen tausende Pensionisten in Österreich vor dem Nichts. Andernfalls wären die ohnehin bescheidenen Managerboni nicht zu finanzieren gewesen.

Juni 2008: Der Händler Evan Doddle verkauft 20 Tonnen Weizen. Dann kauft er sie wieder. Dann verkauft er sie wieder. Dann kauft er sie wieder. Usw. Vier Wochen später merkt irgendein Typ an der Wallstreet, dass hier etwas im Busch ist. Gerüchte machen die Runde, dass man mit einem Haufen Weizen viel Geld bewegen kann. Weltweit wird der Weizen aufgekauft, die halbe Menschheit droht zu verhungern, weil kein Körnchen mehr verfügbar ist. Dann wird er wieder abgestoßen, einige Bäckereien und Weizenlager explodieren, die Menschheit leidet an Brotallergie („ennui du pain“), doch an der Wallstreet ist man glücklich. Immerhin: Monate später wird Evan Doddle von einer gewissen Merrill gelyncht.

August 2008: Die SPÖ (eine österreichische Partei, Anm. der Red.) spekuliert damit, bei den nächsten Wahlen Höchstwerte einzufahren, indem man eine Strohpuppe zum Parteivorsitzenden macht. Gesagt, getan. Man ernennt einen gewissen Faymann zum Bundeskanzler, doch der Mann erweist sich als Schwarzes Loch der Indifferenz. „Shortly, without von delay“ sinken die Bonitätswerte der Republik, Wirtschaftstreibende überlegen vermehrt Standortflucht und die WählerInnen (das von der SPÖ sogenannte „Stimmvieh“, Anm. der Red.) schwächeln sogar beim Weihnachtseinkauf. Als die Strohpuppe am Ende sogar Facebook-Freunde zukauft, wissen sogar die Parteistrategen, dass hier einiges aus dem Rudas läuft.

Juni 2011: Jerome Gervais hackt das eigene Banknetzwerk und bewertet eine Handvoll fauliger, modriger Kredite als Triple A Geldanlagen. Diese gefakten Kredite werden von der Bank weiterverkauft. Die Kaufsumme wird versichert. Eine andere Bank übernimmt die Garantie für die Versicherungssumme und legt diese in weitere Fonds an. Der Erlös dieser Fonds wiederum wird in irgendeinen Trust investiert. Inzwischen werden die ersten Kredite fällig. Griechenland übernimmt einige der fauligen Obligationen … Halt, Moment … das ist ja gar kein Witz!

[Text: Cuisine, Montagen: Matrattel & Cuisine]

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