Die Frankfurter Buchfresse

Hydra auf der Frankfurter Buchmesse Unser Starkritiker Marcel Koll-Kotzinsky stellt die aufsehenerregendsten Neuerscheinungen vor.  

John „Woolfegang“ Goethe: „Fist“
Die Entdeckung des Bücherherbsts 2011 ist sicher „Fist“ von John Woolfegang Goethe, einem bislang wenig bekannten, angelsächsischen Punkdichter aus dem 15. Jahrhundert. Hinter dieser Entdeckung verbirgt sich ein faustdicker Skandal: Der Weimarer Goethe und alle seine Erben versuchten tatsächlich über Jahrhunderte hinweg die Aufdeckung der bestürzenden Tatsache zu verhindern, dass Goethe buchstäblich alles von Goethe abgeschrieben hat. „Nur Goethe war wirklich kreativ, während Goethe wiederum ein faules, unkreatives, prä-guttenbergisches Arschloch war“, so der Hydra-Starkritiker Marcel Koll-Kotzinksy. Er vergibt für „Fist“ drei von vier Paar Frankfurtern.

Peter Pancake: „Die Traurigkeit des Strichjungen nach der Ejakulation“
Die Wiener Schule kehrt zurück. Sperrige, unleserliche Texte ohne jede erkennbare Handlung, die von Ewigkeitsblähungen und Schuldgefühlen wegen Pipi-Kaka-Wixi unter der Bettdecke handeln. Am Ende erklärt man sich solidarisch mit irgendeiner Diktatorenfamilie und zieht sich starrsinnig in einen heruntergekommenen Elfenbeinturm zurück. „Das zeitgenössische Lesepublikum ist nach ereignisloser Lektüre so narrisch wie ein Rottweiler nach einem Paar Debreziner“, so Literaturpapst Marcel Koll-Kotzinksy. Und vergibt für „Strichjunge“ zwei von drei Paar Frankfurtern und einen Kleckser Senf.

Charlotte Röchel: Scheißgeräte
Mit „Scheißgebete“ schließt die Fäkal-Starautorin Charlotte Röchel ihre Scheiß-Trilogie ab. „Scheißgebete“ folgt den beiden Erfolgstiteln „Scheißgebiete“ und „Scheißgebote“. In allen drei Büchern geht es um Scheiße, beim Lesen fühlt man sich Scheiße, der Preis ist auch ziemlich Scheiße, aber Scheiße, diese Bücher sind ein Scheißerfolg. „Endlich ist Scheiße Literatur geworden“, so der Belletristikmeisterrezensent Marcel Koll-Kotzinksy. Er gibt der ganzen Scheiße ein angebissenes Paar Frankfurter in einer Wurstfabrik.

Karl Kraus: Die Fuckel
Ebenfalls ein sensationeller Fund: Dank modernster Restaurationstechniken entdeckte ein Forscherteam aus Beverly Hills, L.A., dass sich unter der Erstausgabe „Fackel“ von Karl Kraus ein noch viel älteres Zeitschriftenprojekt des Wiener Allroundnörglers befindet. Bei „Die Fuckel“ handelt es sich um einen avantgardistisch-expressionistischen Pornoroman. Der Protagonist des Romans Suark Lrak bimst auf einem fremden Planeten blauhäutige Yaks durch, ohne ein einziges Mal an Orthographie zu denken. Literaturdoyen Marcel Koll-Kotzinsky: „Dieser Yakfuck ist ein literarischer Abfuck! Ich gebe eine Frankfurter, hochfrisiert auf einen Käsekrainer.“

Nicolai Google: Die toten Seelen
Der Roman zur aktuellen Internetvertrauenskrise. Steve Jobs ist tot, facebook speichert alle Pornoseiten, die man je angesurft hat, und die Revolutionen in Syrien, Libyen und Ägypten zeigen: Es gibt offensichtlich auch ein arabisches Wort für twitter. Nicolai Google hat dazu den Soundtrack geschrieben, der von Wutbürgern, Bootwürgern und Notlügen handelt. „Noch ein Buch, das alten Männern jammernd erklärt, dass die Jugend von heute genau solche Bücher auf gar keinen Fall liest. Ein Fall für das Modernisierungsverliererghetto also“, so Zeitdiagnostiker Marcel Koll-Kotzinsky. Für Dead Souls verleiht er „ein halbes Paar Frankfurter“ als Suchbegriff.

Tussi Alder Oider: Verschnarchung
Wir wechseln in die leichter bekömmliche Krimiecke. Nach „Erschlaffung“ und „Abschlappung“ nun also „Verschnarchung“ vom neuen Norwegischen Bestsellerkrimiautor Alder Oider. Wieder geht ein Massenmörder in den Straßen von Oslo umher, wieder spielt eine Knackwurst gar keine entscheidende Rolle, und wieder erfahren wir von absurd-finsteren Abgründen der menschlichen Seele, in die wir am liebsten das kläffende Zierhündchen der Nachbarin mit einem unmerklichen Arschtritt befördern würden. Also meint unser Kriminologe Marcel Koll-Kotzinsky: „Wie war das noch mal mit dem Zierhündchen?“ Er verleiht „Verschnarchung“ ein Hundstrümmel in Form einer vereinsamten Frankfurter.

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