Aliennazis & Weltinsolvenz

Live von der Game-City-Vienna: Unser Gaming-Experte Art Zoccomeij über die allerheißesten Konsolenspiele für den kommenden Spieleherbst!

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Im Action-RPG „Silent Null“ schlüpft die SpielerIn in die Rolle eines minderbemittelten Volksdemagogen. Durch unentwegtes Drücken der X-Taste (manchmal auch die O-Taste) wird eine „Wall of Lies“ aufgebaut, mit deren Hilfe der Spieler schließlich das Level „Parlament“ erreicht. Dort geht es dann genauso weiter. Nervtötendes Buttonsmashing, bis 2/3 der Staatsbevölkerung bereit ist, nach einem Ziegelstein zu greifen, sobald sich auch nur die Silhouette eines Minaretts am Horizont zeigt.

Das Spiel gewinnt jedoch in der Regel der Spieler, der bis zum Ende des Parlamentlevels seine Klappe hält. „Das Ende ist überraschend, der Rest spielt sich so öde wie die Realität“, meint unser Game-Korrespondent Art Zoccomeij.

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„World of Banks“ ist ein ausgefeilter Strategietitel, der von den SpielerInnen haarsträubende Investitionen abverlangt. In jeder Spielrunde werden neue, ungedeckte Kredite aufgenommen. Diese Kredite werden versichert, der Versicherungsdeal wird selbst zur Spekulationsmasse. Nachdem auch diese Milliarden durch den Rauchfang gerauscht sind, wird auch das Staatsdarlehen zur Deckung der verspekulierten Unsummen als High-Risk-Aktie angelegt. Das Spiel endet mit dem Highscore Worldinsolvency. “Ein spannender Spielspaß für Jung und Reich“ so unser Game-Experte Zoccomeij.

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„Call of Booty“ ist definitiv ein Spiel, das in keine Kinderhände gehört. Aber hinschauen dürfen Kinder natürlich, wenn der Held des Spiels, Sergeant Arthur Pembrake – schwerstens traumatisiert, nach dem Aliennazis seinen Großvater auf Beteigeuze umgebracht haben – mit nur einer Pumpgun, einer Derringer, einer Winchester-Rifle, ein paar Dutzend Granatwerfern, etwa 300 halbautomatischen Schusswaffen, einer LKW-Ladung voller Handgranaten und diverser Optionen auf artillerieunterstützte Vernichtungsangriffe ein Bordell in Singapur aufmischt.

Der Titel wird in Deutschland nur indiziert erscheinen (angeblich hätten die herumfliegenden Geschlechtsteile der zersiebten Frauenleichen irgendein sittliches Empfinden gestört). „Ein klassischer Call of Booty Teil mit hirnloser Action am laufenden Band. Auf den Multiplayer darf man gespannt sein“, so Zoccomeij. Und Zoccomeij weiter: „Nein, echt, das ist keine Floskel. Das sag ich nicht nur so hin. Auf den Multiplayer darf man wirklich gespannt sein.“

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In „House of the dept“ übernimmt der Spieler die Rolle eines Steuereintreibers für das rote Wien. Man fängt ganz klein an, in dem man Mahngebühren eintreibt, später kann man sich bis zum „Kingpin“ aka Bürgermeister von Wien hocharbeiten. Einen tieferen Sinn hat dieses Treiben nicht, aber die grafisch tadellosen Passagen mit den ausgedehnten Heurigenbesuchen sind definitiv ein Pluspunkt des Spiels. „Ich wäre ja gerne als Wiener Bürgermeister Amok gelaufen, wie das Cover durchaus suggeriert, aber House of the dept ist eine klassische Wirtschaftssimulation im Stile von Monopoly. Nur noch schlechter“, so unser Mann an der Konsole.

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„Girl of Store 2“ will ganz offensichtlich an den gewaltigen Erfolg des ersten Teils anschließen. Das Motto also: Noch mehr Shoppingmalls, noch mehr Einkaufstaschen, noch mehr leicht bekleidete Lolitas, die kugelschreibernuckelnd eine Styleboutique nach der anderen leer räumen. Der besondere Clou dieses First-Person-Shoppers ist die eingebaute Kreditkartenfunktion.

Für die vielen virtuellen Dinge in diesem virtuellen Spiel, für die man im realen Leben absolut Null Gebrauch hat, zahlt man reales Geld – und zwar Länge mal Breite. „Eine fantastische Spielidee, die zwar schon so manche MMORPGs hatten, aber noch nie wurde sie so sinnentleert umgesetzt“, so Zoccomeij Art.

Zoccomeijs Gesamtfazit von der Spielemesse: Wieder steht uns ein heißer Spieleherbst ins Haus. Ich rate, erst gar nicht heim zu gehen, sondern gleich im Wirtshaus zu übernachten.

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